- Nachricht: 19.06.2025
- Name: Kirill Borisowitsch Babitschuk
- Geboren: 07. Februar 1998
- Wohnort: Chabarowsk
- Region: Chabarowsk im Fernen Osten Russlands
- Ausbildung: Olympische Reserveschule in St. Petersburg
- Beruf: Russischer Sportmeister im griechisch-römischen Ringen
- Familie: Unverheiratet, Eltern
- Militärvertrag: 12. April 2025
- Getötet: 15. Juni 2025
- Beisetzung: unbekannt
- Motto: Und egal wie dunkel die Nacht ist, der Morgen wird gewiss kommen
Ein Foto von seinem „“. Anmerkung: Den Boxer Wladislaw Jurkewitsch, links auf dem Heldenschreibtisch, haben wir hier vorgestellt.
Im Jahr 2013 saßen etwa 700.000 Häftlinge in Russlands Haftanstalten. Diese Zahl hat sich inzwischen mehr als halbiert. Wladimir Dawydow, stellvertretender Vorsitzender des Obersten Gerichtshofs Russlands, nannte dazu aktuelle Zahlen: „308.000 Bürger befinden sich in Gefängnissen und Untersuchungshaftanstalten. […] Auch die Zahl der Untersuchungshäftlinge ist mit 89.000 Personen auf einem historischen Tiefstand“. Seine Begründung für diesen Rückgang ist allerdings skurril: „Dies ist das Ergebnis eines Kurses hin zu einer humaneren Gesetzgebung und Strafverfolgungspraxis“.
Richtiger wäre, Russland verheizt seine Strafgefangenen im Krieg gegen die Ukraine. Der ukrainische Geheimdienst veröffentlichte Anfang 2025 eine Schätzung von 140.000 - 180.000 Gefangenen, die vom russischen Militär für den Krieg rekrutiert wurden. Im Jahr 2025 kam sicher noch eine beachtliche Anzahl dazu.
- Nachricht: 18.02.2026
- Name: Schamil Maratowitsch Timerbajew
- Geboren: 19. Mai 2004
- Wohnort: Ufa
- Region: Baschkortostan
- Ausbildung: Kolleg für Statistik, Informatik und Computertechnik mit Schwerpunkt Computertechnologie
- Beruf: Berufsausbildung abgebrochen & Vertrag als Freiwilliger zum Kriegsdienst, Drohnenpilot
- Familie: Unverheiratet
- Militärvertrag: 01. April 2025
- Getötet: 23. Juli 2025
- Beisetzung: 29.01.2026
- Motto: Wollen allein genügt nicht, man muss handeln.
Das einzige Foto von Schamil, das wir auf seinem VKontakte-Status vom 14.04.2028 gefunden haben. Es gibt noch ein Foto von seinem „“.
Wie dringend die russische Regierung neue Freiwillige für den Krieg in der Ukraine benötigt, zeigen diese Aufnahmen aus den Straßen von Moskau. Überall in der Stadt finden sich solche Webetafeln. Dabei geht es nicht mehr um die ideologische Rechtfertigung des Krieges wie „Kampf gegen den Faschismuss oder die Nato“, sondern nur noch um Geld: „Steigen Sie in die Drohnenstaffel ein und verdienen Sie dasselbe wie ein Lehrer in Belgien“. Der unbefangene Leser dieser Werbetafeln könnte meinen, dass man nach Vertragsunterzeichnung irgendwo in einem Kontrollzentrum sitzt - fernab jedweder Gefahr, Drohnen bedient und dabei Millionen Rubel scheffelt. Doch das ist falsch - es gibt keine speziellen Verträge für Freiwillige als Drohnenpiloten. Das Militär schickt die Männer mit neuen Zeitverträgen dorthin, wo gerade der Personalstand niedrig ist. Und so scheitern viele Hoffnungen auf ein gutes Leben in den Todeszonen an der Front.
Russland musste im Januar 2026 nach langer Zeit wieder auf seine Goldreserven zurückgreifen und hat 300.000 Feinunzen Gold verkauft. Wer mit dem Begriff Feinunze nichts anfangen kann, eine Unze entspricht etwa 31 Gramm. Russland hat folglich mehr als neun Tonnen Gold verkauft und damit ungefähr 1,2 Milliarden € erlöst. Damit lässt sich das Loch, das der Krieg gegen die Ukraine in den russischen Haushalt reißt, zumindest teilweise stopfen.
Zudem hat Russland noch Glück mit seinen Goldreserven. Auf Grund der weltweiten Unsicherheiten gilt Gold als sichere Anlage und die Nachfrage wächst. So ist der Goldpreis im letzten Jahr stark gestiegen und die etwas geringeren russischen Reserven sind trotzdem mehr wert als im Jahr 2024.
Meldung des Telegram-Kanals „Die Toten der Republik Sacha (Jakutien)“ vom 20.01.2026
Mark Nikolajewitsch Jegorow (Rufname "Titt"), 52 Jahre alt
Status: Verstorben
Geburtsdatum: 05.08.1973
Todesdatum: 06.11.2025 (begraben am 20.01.2026 in Jakutsk auf dem Friedhof des Stadtteils Pticefabrika)
Geburtsort: Jakutsk
Todesort: Region Saporischschja
Dienstart: Vertragsdienst seit September 2025.
Kinder (Anzahl): 3
Friedlicher Beruf: Mitarbeiter der Sicherheitsdienstes von JAPTA (Alrosa) seit 1996
Ende August 2024 haben wir eine Sperrverfügung von der russischen Regulierungsbehörde für das Internet "Roskomnadsor" erhalten. In der Begründung heißt es: „Die Tätigkeit der Internet-Ressource wurde als rechtswidrig und als Verstoß gegen die Rechte der Bürger auf Privatsphäre, Persönlichkeits- und Familiengeheimnis anerkannt“. So kann man das nennen, wenn man die Menschen in Wort, Bild und mit persönlichen Daten über all die vielen getöteten russischen Soldaten im Krieg gegen die Ukraine informiert.
Mit einer ähnlichen Begründung geht Roskomnasdor jetzt auch gegen Telegram vor. Sie wirft der Plattform vor, personenbezogene Daten von Russen illegal zu verbreiten, unter anderem in Form von „persönlichen Dossiers“. Telegram solle eigenständig die Weitergabe von personenbezogenen Daten russischer Bürger verhindern. Und natürlich meint die Behörde mit diesen verschwurbelten Formulierungen nichts anderes als die vielen Kanäle aus Russland heraus, die Informationen über die regionalen Verluste im Krieg liefern. Russland will weiter Krieg führen, dafür das Leben vieler ihrer Soldaten opfern - nur soll die Bevölkerung nicht mit solch negativen Informationen beunruhigt werden.
Der Chat- & Nachrichtendienst Telegram soll in Russland komplett gesperrt werden. Im Moment scheint er dort noch eingeschränkt nutzbar zu sein. Das bringt viele russische Informations- und Propagandakanäle zur Verzweiflung, weil sie ihr Geschäftsmodell darauf aufgebaut haben.
Warum die russische Regierung trotzdem Telegram abwürgen will, könnte auch an Kanälen wie „Erwarten Sie keine guten Nachrichten“ liegen. Bei diesem Projekt, wahrscheinlich aus der Ukraine heraus initiiert, können sich russische Teilnehmer melden und ihre Videos veröffentlichen. Es geht zum Beispiel um
- Die Suche nach vermissten russischen Soldaten,
- um Hilfe bei mit Gewalt zum Kriegsdienst „überredeten“ Wehrpflichtigen,
- um Angehörige von gefallenen Soldaten, die in der russischen Bürokratie stecken geblieben sind,
- um Gewalt in der russischen Armee,
- um schwer verletzte Soldaten, die trotzdem an die Front geschicht werden,
- usw.
Die meisten Beiträge enthalten selbst aufgenommene Videos der Betroffenen oder ihrer Angehörigen, dazu amtliche Dokumente und Schriftverkehr. Natürlich muss man in diesem Zusammenhang erwähnen, dass all diese persönlichen und familiären Dramen daraus entstanden sind, dass die russischen Teilnehmer an diesem Krieg sich einen schnellen Rubel durch das Töten ihrers Nachbarvolkes versprochen hatten. Doch all diese vielen Dramen zusammen verstärken das düstere Bild eines Russlands, das seine imperialen Interessen ohne Rücksicht und Gnade gegenüber den eigenen Bürgern durchsetzt.
Wer in der russischen Gesellschaft vorankommen will, braucht Beziehungen. Waisen haben diese in der Regel nicht und können diesen Makel auch nicht durch gute Leistungen ausgleichen. So bleibt häufig nur das Militär, wir haben das schon viele Male dokumentiert.
Andrej Walerjewitsch Zlygostjew, geboren am 1. Dezember 2006, wurde im Alter von vier Jahren aus einem Waisenhaus heraus von einer Pflegemutter übernommen. Er besuchte die Mittelschule Nr. 2 in Ust-Ordinsk in Irkutsk und ab der 9. Klasse die Abendschule. Anschließend erlernte er ein Jahr lang den Beruf des Kochs und Konditors. Die Familie zog dann nach Jakutien (Sacha) und Andrej sattelte auf den Beruf des Gasschweißers um.
Vielleicht wurde Andrej am 22.10.2025 zum Wehrdienst eingezogen und zum Vertragsdienst „überredet“ oder er meldete sich gleich freiwillig zum Kriegsdienst - der Nachruf lässt beide Versionen zu. Sicher ist - Andrej kam zum Kampfeinsatz an die Front und wurde zwei Tage nach seinem 19. Geburtstag getötet. Sein Militärdienst dauerte damit gerade 43 Tage.