Eine Einschätzung von OskarMaria

19.03Der russische Krieg gegen die Ukraine hat inzwischen sicher über 170.000 russischen Soldaten (siehe Tabelle am Ende des Beitrages)  das Leben gekostet, mindestens 600.000 wurden mehr oder weniger bleibend verletzt.

In der ersten Angriffswelle zu Beginn des Krieges im Jahr 2022 waren die Toten überwiegend Berufs- und Zeitsoldaten der russischen Armee, im Herbst 2022 gab es eine Teilmobilisierung in der Bevölkerung – von nun an starben auch normale Bürger, also Ehemänner, Arbeiter und Angestellte.

Doch um wirkliche Erfolge im Krieg vorweisen zu können, reichte die Kampfkraft dieser Soldaten nicht aus. Die Gruppe Wagner zeigte wie es gehen konnte.

Wagner rekrutierte seine Soldaten aus den Haftanstalten Russlands, verdingte Mörder und andere Schwerstverbrecher und warf diese erfolgreich ins Gefecht. Meter um Meter kämpften sich diese Söldner unter großen Verlusten vorwärts. Völlig egal, wenn hunderte bei einem Angriff verletzt oder getötet wurden, aus den Gefängnissen bekam die Gruppe immer neuen Nachschub. So wurde die ukrainische Stadt Bachmut im Frühjahr 2023 schließlich eingenommen.

KriegstoteWagner

Tote Wagner-Söldner bei Bachmut im Februar 2023

Die Gruppe Wagner wurde von Russland danach aufgelöst, das Militär übernahm deren erfolgreiches Vorgehen. Der Zulauf aus den Gefängnissen reichte allerdings nicht mehr aus, deshalb warb man in ganz Russland für den freiwilligen Kriegsdienst und versprach dafür eine Menge Geld an Prämien und Sold.

So kam es, dass die Verlierer der russischen Gesellschaft ihre Chance im Kriegsdienst sahen. Die beruflich und/oder familiär Gescheiterten, die hoch Verschuldeten, die notorisch Arbeitslosen, die Alkoholiker und Junkies, die HIV- und Hepatitis-Infizierten, die Waisen, die Schul- und Studienabbrecher, die Älteren mit Minirente – all diese Männer strömten zu jenem Freiwilligendienst, um ihre prekäre Lebenssituation aufzubessern.

Das ist die russische Seite der Medaille – es bleiben noch die vielen ethnischen Minderheiten im Lande. Die muslimischen Tataren, Baschkiren und Kaukasier, die vom wirtschaftlichen Erfolg in ihren eigenen angestammten Republiken so gut wie nichts abbekommen, die Tuwiner, Burjaten, Jakuten, Altaier, Chanten, Mansen und Tschuktschen, die aus wirtschaftlich abgehängten Regionen kommen, all diese Menschen eigenen sich doch vorzüglich, um für die russische Sache im Donbass zu sterben.

Alle diese Freiwilligen wurden an der Front in selbstmörderische Angriffe geschickt und kamen meist schwer verletzt zurück oder blieben tot auf dem Schlachtfeld zurück. Und selbst Verletzte treibt das Militär  wieder nach vorne.

In einer Gesellschaft, in der jeder sich selbst der Nächste ist, bereiten diese vielen Kriegstoten kein Unbehagen: „Wenn das Volk von all den Verbrechern, Nutzlosen, Dunkelhaarigen und Unterentwickelten befreit wird, kann das ja kein Nachteil für Russland sein.“ Und immerhin – wenn diese Menschen im Zinksarg nach Hause kommen, wird ihnen ein würdiger Abschied zuteil und sie werden zu Helden des Landes verklärt.

Russland kann noch eine ganze Weile seine Bürger in jenem verbrecherischen Krieg opfern, solange sich aus dem Reservoir der Gescheiterten und der Abgehängten immer genügend Männer finden lassen, die bereit sind, für viel Geld ihr Leben zu riskieren. Erst wenn die Menschen aus den wohlsituierten Gegenden Russlands an der Front in beträchtlichem Umfang getötet würden, könnte sich der Unmut der Bürger über diesen Krieg entladen.

Viel wahrscheinlicher ist allerdings, dass Russland aus rein wirtschaftlichen Gründen zum Einlenken gezwungen wird.

  Ermittelte
Kriegstote
Geschätzte
Gesamtzahl
Geschätzte
Verletzte
Gesamt-
verluste
Unsere Statistik
(15.03.25)
104.989 175.000
60% erfasst
612.000
3,5 Verletzte
pro Kriegstoten
787.000
Britischer Geheimdienst (20.03.25)
Original / Übersetzung
  200.000 bis 250.000   900.000

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