Rekrutierung BurjatienJeden Monat rekrutiert der russische Staat neue Soldaten und zahlt dafür je nach Region Antrittsprämien zwischen 800.000 und drei Millionen Rubel (8.500 - 32.000 €). Im Mai 2025 sprach Russlands Präsident Putin davon, dass das Land pro Monat zwischen 50.000 und 60.000 neue Soldaten rekrutiert hätte. Anfang Juli 2025 berichtete der stellvertretende Vorsitzende des russischen Sicherheitsrats, Dmitri Medwedew,  dass die russische Armee seit Jahresbeginn 210.000 Zeitsoldaten eingestellt hätte.  All diese Soldaten benötigt Russland, um die Verluste an der Front auszugleichen.

Der deutsche Wissenschaftler Janis Kluge von der Stiftung Wissenschaft & Politik hat anhand der regionalen russischen Haushaltszahlen berechnet, ob diese Angaben richtig sind.

Danach deuten die ihm vorliegenden Daten darauf hin, dass in den ersten sechs Monaten des Jahres 191.000 neue Verträge abgeschlossen wurden. Im Februar & März 25 lagen die Zahlen etwa bei 40.000, im Mai & Juni 25 unter 30.000. Janis Kluge kommt zum Ergebnis, dass der russische Staat und die Regierungen der Regionen bis zum Jahresende mehr als zehn Milliarden USD für diese Prämien ausgeben werden.

Manche Regionen können die hohen Prämienzahlungen kaum stemmen.

Janis Kluge nennt dazu die kleine Republik Mari El:
Mari El, eine kleine, verarmte ethnische Republik im Föderationskreis Wolga, ist wohl der schockierendste Fall. Mari El zählt landesweit zu den Spitzenzahlern und bietet für jeden neuen Vertrag eine Antrittsprämie von 2,6 Millionen Rubel (32.500 Dollar). Mari El konnte im ersten Halbjahr 2025 rund 1.300 Männer anwerben. Folglich machten die Antrittsprämien über zehn Prozent des regionalen Haushalts aus und übertrafen damit die Gesamtausgaben für das Gesundheitswesen.

Diese unbegrenzt fortdauernde Rekrutierung lässt auch weitere Schlussfolgerungen zu:

  • Die Verluste an Soldaten - getötet oder verletzt sind gleichbleibend hoch und dürften stabil bei etwa 30.000 liegen
  • Russland gedenkt weiterhin mit jenen Fleischangriffen den Erfolg zu suchen, also Angriffe bei denen viele/die meisten Soldaten geopfert werden
  • Ein baldiger Waffenstillstand oder Friedensverhandlungen ist nicht Teil dieser Personalplanungen

Die deutsche Bundeswehr gibt ihren Personalbestand auf 260.000 Menschen an, davon rund 182.000 in Uniform. Vergleicht man diesen Personalstand mit der russischen Rekrutierung, dann stellt Russland in einem halben Jahr so viele neue Soldaten ein, wie Deutschland überhaupt unter Waffen besitzt.


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