Die Geschichte von Eduard fängt an, wie so viele unserer Geschichten. Eduard Midechatowitsch Salimow wurde am 30.06.1981 in einem Dorf mit gerade 100 Bewohnern im Bezirk Kareidel in Baschkortostan geboren. Als er zwei Jahre alt war, starb seine Mutter, Eduard kam in ein Waisenhaus und blieb dort bis zur Volljährigkeit.
Er erlernte den Beruf eines Elektrikers und Fahrers und teilte danach das Schicksal vieler Waisen ohne Beziehungen: Er arbeitete mal hier und mal weiter weg im Norden, blieb aber ohne feste Anstellung.
Eduard heiratete eine Frau mit usbekischen Wurzeln, zog in das große Dorf Buraewo in Baschkortostan und bekam drei Kinder. Am 8. Oktober 2024 unterzeichnete er freiwillig einen Vertrag zum Kriegsdienst.
Wenn man nun die Tage zusammenzählt - drei Tage Anreise mit dem Zug bis nach Rostow-am-Don (1.400 km Luftlinie), dort 10 bis14 Tage militärische Ausbildung, ein weiterer Tag Anfahrt ins Kampfgebiet, dann wurde Eduard bei seinem ersten Einsatz an der Front getötet. Als Todestag wurde der 27. Oktober 2024 gemeldet. Das alles ging ganz schnell, für die Rückreise brauchte Eduard wesentlich länger. Er wurde am 18. September 2025 in Buraewo beigesetzt.
Bemerkenswert ist allerdings, dass niemand Eduards schnellen und sinnlosen Tod befremdlich oder gar kritisch betrachtet. Seine Frau Lejsjan stattete zum 9. Mai 2025 den jüngsten Sohn mit einer Soldatenuniform aus und ließ sich mit dem Kind in einer Gedenkecke zum Jahrestag des Sieges im "Großen Vaterländischen Krieg" ablichten. Ein Plakat ihres Mannes findet man nicht.
Auch unter dem Nachruf zum Tod ihres Mannes findet man nur Dankesworte von Frau Salimow:
Unser besonderer Dank gilt der Bruderschaft des Krieges und der Stiftung Vaterlandsverteidiger, die unsere Trauer teilen und uns mit warmen Worten, Gebeten und praktischer Hilfe unterstützen. Ihre Unterstützung, Ihre Bereitschaft, für uns da zu sein, und Ihr aufrichtiges Beileid haben uns durch die schwierigste Zeit geholfen.
Vielen Dank an alle, die das Andenken an einen Mann bewahrt haben, der uns so nahe stand und uns so sehr am Herzen lag, und die unsere Familie weiterhin unterstützen. Es bedeutet uns sehr viel, dass sein Leben und sein Heldentum nicht unbemerkt geblieben sind, dass er in Erinnerung bleibt und geschätzt wird. Wir glauben, dass seine Erinnerung für immer in den Herzen derer bleiben wird, die ihn kannten.
Wenn das Leben von Eduard für seine Angehörigen Bedeutung gehabt hätte, wenn er von der Dorfgemeinschaft geschätzt worden wäre, dann dürfte man Eduards schnellen und völlig sinnlosen Tod nicht als von Gott gegeben hinnehmen, meint der Chronist.


