Daniil Aleksejewitsch Obwintsew

Die Überschrift auf der Stellwand lautet: Gardist! Schneller, höher, stärker!

Wir sind im Dorf Wosnesenka mit rund 1.000 Bewohnern im Nordosten Baschkortostans. Die Bewohner des Dorfes sind überwiegend russischer Abstammung. Im Dorf lebte Daniil Aleksejewitsch Obwintsew, geboren am 27. Dezember 2005. Er war überzeugtes Mitglied in der russischen Jugendarmee „Junarmija“ und nahm mit seinen Kameraden aus Baschkortostan auch an Wettbewerben in Russland teil . Auf dem Foto oben, wahrscheinlich im Sommer 2023 aufgenommen,  steht Daniel in der vorderen Reihe, Dritter von rechts.

Daniil Aleksejewitsch Obwintsew Die Junarmija setzt bei Jugendlichen dort an, wie viele ähnliche Jugendgruppen zum Beispiel die Pfadfinder: Abenteuer, Natur, Gruppendisziplin und Spiele. Nur dass bei der Junarmija die militärisch-patriotische Erziehung deutlich im Vordergrund steht. Die Schüler können sich dieser Organisation auch kaum entziehen, da die Gruppen fester Bestandteil ihrer Schule sind und häufig ganze Klassen geschlossen eintreten. Die Veranstaltungen der Junarmija werden mit der jeweiligen Schule zeitlich abgestimmt.

Daniel erhält im Jahr 2023 in der
Schule eine Urkunde der Junarmija

Aus der ollen Sowjetunion wurde das Kriegsspiel „Зарница“ („Zarnitsa“) übernommen. Kinder und Jugendliche treten in altersgestaffelten Gruppen gegen einander an. Jeder soll eine festgelegte Rolle übernehmen: Gruppenführer, Sanitäter, Pionier oder Politoffizier. So werden bestimmte militärische Wettbewerbe absolviert. Im Jahr 2025 bewarben sich drei Millionen Kinder und Jugendliche für den Wettbewerb.

Daniil Aleksejewitsch Obwintsew So programmiert schloss Daniel die Schulzeit im Frühsommer 2024 ab und da er keine Berufsausbildung begann, musste er danach zum Wehrdienst antreten. Als Wehrpflichtiger präsentierte er sich dann auch ganz stolz in Kampfuniform vor einem Armee-Plakat mit der Aufschrift: „Vertragsdienst: Echte Jobs für echte Männer“. (Foto links, das wahrscheinlich im Spätsommer 2024 aufgenommen wurde)

Seine ehemalige Lehrerin applaudierte zu dem Foto auf seinem VKontakte-Status: „Die Uniform steht dir ausgezeichnet! 👍👍👍Gut gemacht, du Hübscher!“

Und so zögerte Daniel auch nicht lange, als ihm während des Wehrdienstes der vorgeblich lukrative Job im Vertragsdienst des russischen Militärs angeboten wurde.

In Russland dauert der Wehrdienst ein Jahr und Daniel hätte ab Herbst 2025 seine Zukunft in die Hand nehmen können. Doch nach seiner Entscheidung zum Vertragsdienst musste er keine wichtigen Entscheidungen mehr treffen. Daniel kam an die Front und wurde am 21. Juli 2025 dort getötet - gerade mal 19 Jahre alt.

Am 28. Oktober 2025 wurde Daniel in seinem Heimatdorf beigesetzt. Er wurde in einem Krieg getötet, der nur dem imperialen Willen des russischen Präsidenten und der Führungsclique in Moskau geschuldet ist. Der Bevölkerung in ganz Russland schadet dieser Krieg nur. Er tötet die Jugend des Landes, frisst die Einnahmen und Kapitalreserven aus dem Verkauf von Mineralien, Gas und Erdöl völlig auf und wirft die  Entwicklung des Landes weit zurück. 

Bei der Beisetzung von Daniel trägt dann auch eine neue Generation der Junarmija die Militärfahnen voraus und begleitet den Sarg zusammen mit lokalen Veteranen zum Grab.


Anmerkung: Citius, altius, fortius, auf deutsch: Schneller, höher, stärker, ist ein lateinischer Wahlspruch und auch das traditionelle Motto der Olympischen Spiele der Neuzeit.


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