Im ersten Jahr des russischen Angriffskrieges hatten wir die Hoffnung, dass die hohen russischen Verluste an Soldaten und Material die Führung in Moskau zum Frieden zwingen würde. Das Gegenteil ist richtig - je höher die Verluste ausfallen, um so mehr investiert der russische Staat in diesen Krieg. Die Regierung in Moskau setzt weiter auf Sieg, egal wie hoch die Kosten für das eigene Land auch ausfallen.

Die Bevölkerung scheint mehrheitlich dieses Vorgehen zu unterstützen - trotz der ständig steigenden Zahl an Kriegstoten und Versehrten, trotz der deutlichen Zeichen eines wirtschaftlichen Abschwungs, trotz den ständig steigenden Lebenshaltungskosten, trotz den Einschnitten in Bildung und soziale Fürsorge.

Jahr 2025: Monatlich erfasste russische Kriegstote
Januar  5.360
Februar  5.578
März  5.018
April  3.894
Mai  3.245
Juni  4.592
Juli  7.084
August  7.224
September 8.626
Oktober 10.663
November 9.801
Summe 2025 71.085
Durchschnitt Monat 6.462

Das unabhängige russische Meinungsforschungsinstitut Lewada-Zentrum schreibt dazu in seinem aktuellen Bericht vom Dezember 2025:

Die Mehrheit der Befragten ist der Ansicht, dass sich die Dinge im Land derzeit in die richtige Richtung entwickeln, doch ihr Anteil sinkt auf 65 % (ein Rückgang um 9 Prozentpunkte seit März 2025). Der Anteil derjenigen, die glauben, dass sich die Dinge im Land in die falsche Richtung entwickeln, wächst; im November wählte ein Fünftel der Befragten (21 %) diese Option (ein Anstieg um 5 Prozentpunkte seit März 2025).

Die höchste Zustimmung für die russische Regierung kommt von den wohlhabenden und großstädtischen Bewohnern des Landes. Also genau den Bürgern, die vom Krieg nur wenig betroffen sind und deren Angehörige auch nicht an der Front getötet oder verwundet werden.

Die Ansicht, dass sich die Dinge im Land in die richtige Richtung entwickeln, wurde häufiger von wohlhabenderen Befragten (71 % derjenigen, die sich langlebige Güter leisten können), Moskauer Einwohnern (81 %), solchen, die dem Fernsehen als Informationsquelle vertrauen (78 %), und Befragten, die mit Wladimir Putins Leistung als Präsident zufrieden sind (76 %), geäußert.

Im Monat November sind die erfassten Kriegstoten gegenüber den Höchststand im Oktober 2025 nur wenig zurück gegangen. Auch in diesem Monat sind sehr viele ehemals vermisste Soldaten aufgenommen worden, deren Tod durch das russische Erbschaftsregister bestätigt werden konnten. Man kann also zunächst nicht von der hohen Zahl von uns erfassten Kriegstoten auf den aktuellen Kriegsverlauf schließen.

Während wir mit der Erfassung der Kriegstoten aktuell sind, dauert unsere gesamte Auswertung noch eine ganze Weile und wird durch die Weihnachtstage sich zusätzlich verzögern. Die absoluten Zahlen werden sich aber nur marginal ändern. 

  Ermittelte
Kriegstote
Geschätzte
Gesamtzahl
Geschätzte
Verletzte
Gesamt-
verluste
Unsere Statistik
(30.11.2025)
162.913 272.000
60% erfasst
829.000
siehe Erläuterung
1.101.000
BBC (25.11.25) 152.142 234.000 bis 338.000
45%-65% erfasst
keine Angaben  keine Angaben 

Erläuterung:

Neu ab 01.07.2024
Auf Grund der veränderten Angriffstaktik der russischen Armee müssen wir unsere Abschätzungen anpassen. Es werden keine größeren Einheiten mehr in die Angriffe geschickt, sondern das Militär versucht,  mit vielen einzelnen Soldaten oder Kleingruppen die ukrainische Abwehr zu infiltrieren. Die ukrainische Initiative "Ich will leben" schreibt dazu:
Aufgrund des Fehlens eines normalen Systems zur Evakuierung von Verwundeten vom Schlachtfeld kommen auf einen Gefallenen nur 1,3 verwundete Soldaten. Dies zeugt von einer geringen Überlebensrate der Verwundeten, die nur unzureichend in taktischer Medizin ausgebildet sind und nach einer Verwundung in der Regel ohne Hilfe zurückgelassen werden.
Da wir die Situation an der Front nur mit großer Verzögerung bei der Erhebung der Kriegstoten feststellen können, haben wir unsere Statistik ab Juli 2025  den neuen Gegebenheiten angepasst. Wir berechnen folglich ab Juli 2025 auf einen Gefallenen, 1,5 verwundete Soldaten.

OpferZahlen 11 25


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