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Die Einwohner der Metropole Moskau unterstützen den russischen Angriffskrieg laut einer aktuellen Untersuchung des Lewada-Instituts, die Menschen vom Land weit weniger. Dafür ziehen aus wirtschaftlicher Not die Männer aus den abgelegenen Dörfern Russlands in den Krieg, die Männer aus Moskau dagegen sehr, sehr viel weniger. 

Wir sind heute im Dorf Nischnee Babalarowo im Südwesten Baschkortostans mit rund 200 Bewohnern. Ainur Walejewitsch Murzagildin wurde am 12. November 2025 beigesetzt, er hatte sich freiwillig zum Kriegsdienst gemeldet. Durch die vielen Kriegstoten in Baschkortostan kommen nur noch wenige Dorfbewohner zu den Beerdigungen.

Ainur Walejewitsch MurzagildinAinur wurde am 12. Februar 1983 im Dorf geboren. Er ging in einem Nachbarort zur Schule, machte eine Ausbildung, wurde zum Wehrdienst eingezogen und kehrte danach in seinen Heimatort zurück. Dort arbeitete er in der Landwirtschaft.

„Ainur hatte ein sanftes und freundliches Wesen, er konnte nicht wütend werden, er hat niemanden beleidigt, er war ein kluger Kerl mit einer offenen Seele“, erinnert sich seine jüngere Schwester Gulnur Gubaidullina.

„Wir sind immer gemeinsam durchs Leben gegangen. Er war fleißig und talentiert. Er sang gut; Ainur hatte eine angenehme Stimme. Für Ferien und außerschulische Aktivitäten in der Schule zeichnete er Plakate und fügte Notizen in seiner kalligrafischen Handschrift hinzu. Er schrieb erstaunlich schön.“

Ainur war nicht verheiratet, die in Russland übliche Umschreibung dazu lautet: „Er hat keine Zeit zum Heiraten gehabt.“

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Wir wollen mit den wenigen Fotos zeigen, in welch ärmlicher Umgebung Ainur gelebt hat. Der Abschied fand auf dem Hof von Ainurs Familie statt, im Hintergrund sieht man verfallene Schuppen und Gebäude.

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Ainurs Vater bekommt die russische Fahne, mit der der Sarg geschmückt war.

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Dorbewohner legen ein paar Nelken am Sarg ab.


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