Hinduistische Andacht mit burjatischen Soldaten / Oktober 2022

Knapp 4.000 getötete Soldaten aus Burjatien haben wir in unserer Datenbank und das bei einer Bevölkerung von weniger als einer Million Bewohner dieser russischen Region. Im Gegensatz zu allen anderen russischen föderalen Gebietseinheiten bekommen die gefallenen Soldaten meist einen zwar geschönten, aber doch recht ausführlichen Nachruf mit den wesentlichen Fakten wie Alter, Ausbildung, Wehrdienst, Beruf und Teilnahme am Krieg.

Die Öffentlichkeit erfährt so, wie häufig die angeworbenen Freiwilligen schnell in den Angriff geworfen werden und dort nicht lange überleben. Trotzdem lassen sich viele Männer aus der Region dadurch nicht abschrecken und melden sich freiwillig zum Kriegsdienst an der Front. Einer der Gründe dafür ist die Armut der Menschen und die harten Lebensbedingungen der arbeitenden Männer.  Trotz handwerklicher Berufsausbildung finden viele junge Männer ohne Beziehungen kaum Arbeit in ihrem Beruf und müssen als Hilfsarbeiter oder Tagelöhner bei harter Arbeit mit geringem Lohn auskommen. 

Da gleichen die Verdienstmöglichkeiten im Vertragsdienst beim Militär beinahe einem Lottogewinn und so verdrängen jene Freiwilligen das hohe Risiko, das sie dabei eingehen. Wir dokumentieren drei aktuelle Beispiele:

Alexej Nikolajewitsch Aksentjew Oleg Iwanowitsch Urjupin Jewgeni Anatoljewitsch Owtschinnikow

Alexej Nikolajewitsch Aksentjew

18.11.2025 -- Link

Alexej wurde am 27.02.1972 im Dorf Arschan im Tunkinsky Bezirk von Burjatien geboren. Das Dorf wurde auf Grund seiner warmen Quellen und seiner Natur zum burjatischen Feriendorf ausgebaut. 
Alexejs Eltern starben früh, er wurde von seiner Großmutter aufgezogen. Nach der Schule machte er eine Ausbildung zum Jäger. Doch Arbeit fand er schließlich bei der Eisenbahn als Waggonprüfer. Nach 15 Jahren wurde er gekündigt und musste im Schichtbetrieb in einem anderen Bezirk sein Geld verdienen.
Ende Juni 2025 meldete er sich freiwillig beim russischen Militär. Bereits am 21.08.2025 wurde er in der ukrainischen Region Donezk getötet.
Am 19. November wurde er im Dorf Arschan bestattet.

Oleg Iwanowitsch Urjupin

18.11.2025 -- Link

Oleg wurde am 29. August 1969 im Dorf Tanga in der Region Transbaikalien geboren. Nach der Schule absolvierte er eine Ausbildung zum KFZ-Mechaniker, fand aber nach dem Wehrdienst keine Anstellung in seinem Beruf. So arbeitete er als Fahrer auf der Kolchose Pobeda.
Im Jahr 2002 zog mit seiner Familie nach Ulan-Ude, der Hauptstadt Burjatiens, und wurde Polizist.
Schließlich wurde er im Jahr 2015 in den Ruhestand versetzt und arbeitete als Automechaniker weiter.
Am 10. September 2025 unterschrieb er einen Vertrag als Zeitsoldat beim russischen Militär. Sein Einsatz war kurz, bereits am 30. September 2025 wurde er in der ukrainischen Provinz Dnipropetrowsk getötet.
Oleg wurde am 20. November 2025 in Ulan-Ude beigesetzt.

Jewgeni Anatoljewitsch Owtschinnikow

18.11.2025 -- Link

Jewgeni wurde am 1. November 1987 im Dorf Nowy Zagan im südlichen Teil Burjatiens geboren. Er wuchs im Waisenhaus Nowokischinginski auf und erhielt dort seine Grundschulbildung.
Über eine Berufsausbildung und regelmäßige Arbeit schweigt der Nachruf, man kann deshalb annehmen, dass er nichts davon hatte.
Im Mai 2025 unterschrieb Jewgeni einen Vertrag mit dem russischen Militär. „Obwohl er die mit Kampfeinsätzen verbundenen Risiken kannte, entschied er sich, seinem Land zu dienen“, schreibt der Nachruf. Er wurde zum Scharfschützen ausgebildet.
Doch zum Scharfschießen kam er nur begrenzt - am 12. Juni 2024 wurde er getötet.
Offensichtlich hat man seine Überreste nicht gefunden, am 19.11.2025 fand in seinem Geburtsdorf eine Gedenkfeier statt.

Aktuell stellen wir als weiteres Beispiel einen recht jungen Burjaten in unserer Rubrik „Ohne viele Worte“ vor, der ebenfalls nur einen Kurzeinsatz als Freiwilliger beim Militär zu verzeichnen hatte.


-