30 11 2025 russische KriegstoteVorausgeschickt: Seit Beginn des russischen Angriffskrieges ermitteln wir die russischen Kriegstoten aus offenen Quellen. Wir machen das ohne Werbung, ohne Unterstützung von außen, sind politisch ungebunden und tragen die erheblichen Kosten selbst. Wir erstellen alle Informationen nach bestem Wissen und Gewissen.

Leider können wir die exakten Zahlen erst jetzt  vorlegen und das wird sich auch nicht ändern. Wir können maximal etwa  300 Kriegstote pro Arbeitstag überprüfen und verarbeiten, also etwa 7.500 im Monat. Auch im Dezember 2025 geht die Anzahl der erfassten russischen Kriegstoten nicht zurück. 

Bei den erfassten Zahlen bleiben wir aber aktuell, diese sind zudem für aktuelle Einschätzungen relevant  und außerdem höchst exakt. Im November mussten wir am Ende unsere Statistik gerade mal um zwei Personen korrigieren.

Nachschub für den Fleischwolf

Am 17. Dezember nahm Wladimir Putin an einer erweiterten Sitzung des Verteidigungsministeriums teil. Dort wurden die Rekrutierungszahlen für das Jahr 2025 vorgestellt. Bis zu diesem Zeitpunkt wurden in Russland  409.611 Zeitsoldaten neu rekrutiert, bis zum Jahresende soll diese Zahl auf 420.000 ansteigen (2024 waren es 449.243). Das bedeutet, dass im Jahresdurchschnitt jeden Monat 35.000 neue Soldaten angeworben wurden.

All diese verpflichteten Soldaten haben in der Summe kaum militärische Vorkenntnisse. Viele diese Zeitsoldaten kommen aus wirtschaftlicher Not heraus, gehen prekären Beschäftigungen nach oder sind hoch verschuldet. Andere werden in Haftanstalten oder in Untersuchungsgefängnissen angeworben oder sind gesellschaftliche Außenseiter wie Junkies, Alkoholiker, Obdachlose und Männer mit HIV- oder Hepatitisinfektion. Und dann gibt es noch die ganz jungen, propagandistisch verführten Hitzköpfe oder die älteren, abgearbeiteten Männer, die einmal in ihrem Leben richtig Geld verdienen wollen.

Mit all diesen Zeitsoldaten kann das russische Militär eigentlich wenig anfangen. Sie sind schlecht ausgebildet, körperlich kaum belastbar und zudem angesichts der Gefahren auch wenig motiviert. Doch die russische Armee greift mit diesen Zeitsoldaten auf eine bereits im 2. Weltkrieg erfolgreiche Taktik der Sowjetarmee zurück - die Infiltration.  Diese ist auf Grund des langen Frontverlaufs in der Ukraine und der personell schwach aufgestellten ukrainischen Armee immer wieder zielführend. 

In Wikipedia wird diese Taktik so beschrieben:

Fast jeder sowjetische Angriff wurde durch Einsickern kleiner Einheiten und Einzelkämpfer in die gegnerischen Stellungen eingeleitet. Nach Mellenthin* waren die Russen in dieser Kampfart „unübertroffen“. Plötzlich saßen die Sowjets in der eigenen Stellung und „niemand hatte sie kommen sehen, noch wusste irgendjemand, woher sie gekommen waren.“(*Friedrich Wilhelm von Mellenthin)

Richtig ist aber auch, diese Taktik ist mit hohen Verlusten unter den Angreifern verbunden. Die Mehrzahl wird von den Verteidigern entdeckt und durch Artilleriefeuer oder die vielen Drohnen getötet. So sind all die vielen angeworbenen Zeitsoldaten in der Regel nur Kanonenfutter und haben eine kurze Überlebenszeit an der Front. Die neu Angeworbenen ersetzen damit lediglich die vorher getöteten oder schwer verwundeten Soldaten.

Allerdings sind unter den getöteten Männern auch immer mobilisierte Soldaten aus dem Herbst 2022, Berufssoldaten und Offiziere zu finden. So nimmt nach beinahe vier Jahren Krieg auch die Qualität der kämpfenden Truppe langsam ab, da mit dem Tod der erfahrenen Soldaten und Offiziere auch deren militärische Kenntnisse und Erfahrungen verloren gehen. Zudem nimmt auch die Erschöpfung bei den überlebenden Soldaten zu. Das alles bedeutet: Die Verluste werden größer bei geringeren Erfolgsaussichten. Das trifft natürlich auch auf die ukrainischen Verteidiger zu - wenn auch in geringerem Ausmaß. 

Die ukrainische Armee wird den Vormarsch der zahlenmäßig weit überlegenen russischen Truppen in Zukunft nicht gänzlich aufhalten können. Aber der Vormarsch wird langsamer und nur mit steigenden Verlusten an Mensch und Material erzwungen, so dass die Eroberung des Donbass noch lange nicht in Sicht ist. 

30.000 bis 35.000 tote und verwundete Soldaten - das sind ganz grob gerechnet jeweils alle männlichen wehrfähigen Bewohner deutscher Großstädte mit Einwohnerzahlen zwischen 120.000 und 140.000, die Russland jeden Monat für seinen Angriffskrieg opfert. Also im Januar Reutlingen, im Februar Göttingen, im März Fürth und so weiter.

Wir beobachten jetzt den russischen Angriffskrieg seit beinahe vier Jahren und sind immer wieder neu entsetzt mit welcher Gleichgültigkeit gegenüber dem menschlichen Leben, das russische Militär seine eigenen Soldaten in selbstmörderische Angriffe schickt. Für jeden Quadratkilometer erobertes, verwüstetes und auf Jahren unbewohnbares ukrainisches Land werden eine Vielzahl der eigenen Soldaten geopfert und kein Ende dieser Barbarei ist in Sicht.

Und als Schlussbemerkung noch zwei Zahlen zusammengefügt aus jener oben erwähnten Präsentation des Verteidigungsministeriums:
In Russland wurden im letzten Jahr 630.000 Kinder männlichen Geschlechts geboren, 420.000 erwachsene Männer kamen tot oder verwundet von der Front zurück.