Gedenktafel an der Schule Nr. 1 in Bredy
Links die Gefallenen aus dem 2. Weltkrieg, Mitte die Opfer im Afghanistankrieg und rechts im Krieg gegen die Ukraine
Wir befinden uns im Dorf Bredy im Süden der westsibirischen Oblast Tscheljabinsk. Das Dorf ist nur 30 km von der kasachischen Grenze entfernt, hat knapp 9.000 Bewohner und fünf Schulen. Wir wollen die „Bredinskaja-Mittelschule Nr. 1“ besuchen, die eine Gedenktafel an einer Außenwand befestigt hat. Auf der Tafel sind die Absolventen der Schule aufgeführt, die in den russischen/sowjetischen Kriegen gefallen sind. Das sind hier der 2. Weltkrieg, der Afghanistan-Krieg und der Krieg gegen die Ukraine. Inzwischen sind mehr ehemalige Schüler im Krieg gegen die Ukraine gefallen, als im zweiten Weltkrieg.
Der Ort wurde 1843 als Stützpunkt der Orenburger Kosaken gegründet. Den Namen Bredy erhielt er nach der niederländischen Stadt Breda, die von französischen Truppen besetzt war und deren Festung im „Vaterländischen Krieg“ gegen Napoléon am 9. Dezember 1813 von russischen Truppen unter General Alexander von Benckendorff eingenommen wurde.
Der gesamte Bezirk Bredinsky und insbesondere Bredy ist einer der trockensten und heißesten Orte in der Region Tscheljabinsk. Die Einwohnerzahl des Ortes wuchs im Rahmen der Kampagne zur Urbarmachung der Steppengebiete des südlichen Westsibirien und nördlichen Kasachstan beträchtlich an, sank in Folge aber wieder auf Grund von Dürre und der Abwanderung junger Leute..
Der erste Direktor der Schule, Nikolai Murdasow, ging 1942 mit einigen seiner Schüler an die Front; er fiel 1943 in Estland. Zum Gedenken an ihn und die Schüler, die nicht aus dem Krieg zurückkehrten, wurde am Schulgebäude diese Gedenktafel angebracht. Später wurden auf der benachbarten Tafel auch die Namen der in Afghanistan Gefallenen hinzugefügt. Heute trägt das Denkmal jedoch aufgrund des Einmarsches Russlands in die Ukraine deutlich mehr Namen.
Die „Gespräche über wichtige Dinge“ wurden zeitgleich mit dem Beginn des Krieges gegen die Ukraine an allen russischen Schulen eingeführt. Den Lehrern stehen dazu vorgefertigte Präsentationen zur Verfügung mit dem Ziel die „traditionellen russischen geistigen und moralischen Werte“ zu stärken.
An der Schule Nr. 1 gab es am 8. Dezember 2025 die Unterrichtseinheit „Russland – das Land der Sieger“. Zitat:
Wir sprachen über Helden und Heldentaten im Laufe der Geschichte sowie über die Bedeutung des Ausdrucks „Helden unserer Zeit“.
Im Vorfeld des Tages der Helden des Vaterlandes legten Schüler der Klassen 10B und 4A Blumen an der Gedenktafel der Schule nieder, auf der die Namen von Absolventen verzeichnet sind, die in verschiedenen Militäreinsätzen gefallen sind.

Am 19. Januar 2026 veranstaltete die Schule Nr. 1 in Bredy einen weiteren Projekttag rund um die Gedenktafel. Dabei sollten die Schüler folgende Kompetenzen zeigen:
📌Patriotismus: Die aktive Teilnahme an der Instandsetzung einer Gedenkstätte, die mit der Geschichte der Heimat und ihrer Verteidiger verbunden ist, stärkt das Heimatgefühl und den Wunsch, zu ihrem Wohlergehen beizutragen.
📌Initiative und Selbstständigkeit: Die Kinder bewiesen Eigeninitiative, indem sie die Aufräumarbeiten selbstständig organisierten.
📌Fleiß und Ausdauer: Die Arbeit mit Schaufeln in der Kälte erforderte körperliche Anstrengung und Durchhaltevermögen, was zur Entwicklung dieser Eigenschaften beitrug.
📌Werteorientierung: Die Teilnahme an einer solchen Veranstaltung fördert positive Lebenswerte wie Respekt vor der Erinnerung, Umweltschutz und die Bereitschaft zu gesellschaftlich nützlicher Arbeit.
Wir haben die eingravierten Namen der im Krieg gegen die Ukraine gefallenen Soldaten mit unserer Datenbank verglichen. Im Gegensatz zur Tafel sind die Namen in alphabetischer Reihe gelistet:
- Tural Adaletowitsch Adilow (Pos.1452),
- Dmitri Blinow (Pos. 564)
- Nikolaj Dawydenko (Pos. 2316),
- Wassili Igoschin (Pos. 1341),
- Juri Jussow (Pos. 1140),
- Dmitri Kirdjapkin (Pos. 273),
- Roman Myschkin (Pos. 979),
- Kanat Schanabajew (Pos. 1954),
- Vitaly Scharawin (Pos. 904),
- Arkadi Schubin (Pos. 1653),
- Kirill Selenskij (Pos. 92),
- Alexander Sutunkin (Pos. 1383),
- Alexander Jurjewitsch Tscherniak (Feb. 2026),
- Wadim Wjaltsin (Jan.2026),
- Gennadi Woronow (Pos. 1919).
Doch die Liste auf der Gedenktafel ist nicht vollständig. Wir haben den Grenzschützer Sergej Petrowitsch Uschegow (Pos. 1018, Foto rechts), gefallen im Jahr 2023, ebenfalls aus dem Dorf Bredy in unseren Listen. Insgesamt sind in unserer Datenbank der russischen Kriegstoten 51 gefallene Bewohner des Dorfes aufgeführt und diese Zahl ist sicher nicht vollständig..
Zu dem 66jährigen Leutnant Gennadi Woronow gibt es noch ein Video des russischen Telegram-Kanals Anna-News.
„Gennady Fedorowitsch überlebte 67 Drohnenangriffe, während er sein Kampffahrzeug kommandierte. Leider verlief der 68. Drohnenangriff tödlich“, heißt im Vorspann.
- Freunde, vor uns steht ein Soldat der „Bars-15”, einem separaten Kosakenbataillon, das im Gebiet von Awdijiwka eingesetzt ist. Sagen Sie, wie lange sind Sie schon hier? – fragt eine Stimme aus dem Off den grauhaarigen Mann in Militäruniform.
- „Seit dem 20. September 2023”, antwortet er und hält seinen Helm und sein Gewehr fest.
- „Welche Aufgaben erfüllen Sie? In Ihrem Alter, so sagt man, waschen sich alle schon die Füße im Waschbecken. Aber Sie, wie ich sehe, sind voll kampfbereit und erfüllen irgendwelche Aufgaben. Erzählen Sie uns kurz etwas über diese Aufgaben.” Der Mann umklammert weiterhin sein Gewehr und lacht.
- „Nun, am Anfang war ich zwei Monate lang beim Mörser. Dann wurde unser Mörser zerstört. Wir wurden auf verschiedene Einheiten verteilt. Jetzt fahre ich als Oberster der Vorhut, transportiere Menschen hin und her, Verwundete – Cargo Dreihundert und Tote Cargo Zweihundert“, erzählt der Mann.
- „Man sagt, dass dies die Straße des Todes ist. Wofür ist sie so berühmt?“
- „Dort gibt es hauptsächlich Drohnen. Drohnen, Drohnen, Drohnen.“
- „Wie alt sind Sie?“ Entschuldigen Sie bitte diese Frage.
- „Sechsundsechzig“, lacht der Mann.
- „Und wie lange wollen Sie noch [Ihre Aufgaben] erfüllen?“
- „Bis zum vollständigen Sieg. Wir werden noch in Kiew schießen.“
- Der Mann wird auch nach seiner Familie und der Einstellung seiner Angehörigen zu seiner Teilnahme am Krieg gefragt. Er antwortet nur, dass sie „positiv dazu stehen“ und ihn nach Hause rufen.
- „Mussten Sie an Kampfhandlungen teilnehmen?“
- „An Kampfhandlungen nicht.“
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