Jeden Tag starten in Russland hunderte von sogenannten Schahed-Drohnen gen Ukraine und versuchen, die dortige Luftabwehr zu übersättigen. Was auch gelingt, einige kommen immer durch. Wir wollen zeigen, wo und wie in Russland diese Drohnen gefertigt werden.
Jelabuga ist eine Stadt mit etwa 74.000 Einwohnern in der russischen Teilrepublik Tatarstan. Im Norden der Stadt gibt es die Sonderwirtschaftszone Jelabuga, in der sich zahlreiche westliche Industrieunternehmen angesiedelt hatten. Die meisten dieser Investitionen dürften inzwischen durch den russischen Staat enteignet worden sein. Dafür wurde dort eine neue Produktionslinie etabliert - die Drohnenherstellung.
Da in Russland ein Arbeitskräftemangel besteht, besonders bei hoch qualifizierten Arbeitskräften, akquirieren die Unternehmen mit Werbefilmen in ganz Russland minderjährige junge Leute, die schulbegleitend in der Serienproduktion von Drohnen eingesetzt werden. Das obige Video ist ein Beispiel dafür.
„Ist es in Russland möglich, ein 16-jähriger Student zu sein und 150.000 Rubel zu verdienen, indem man in einer Fabrik arbeitet? Ja, wenn es um das Herstellerunternehmen „Heraeus“ in der SWZ „Alabuga“ und das Projekt „Alabuga-Polytech“ zur Ausbildung von Arbeitskräften geht“, schreibt der russische Kriegsblogger Rybar auf Telegram. „Dank seiner einzigartigen Ausbildungssystems wird ein ehemaliger Schüler bereits im Alter von 22 Jahren zu einem sehr erfahrenen Fachmann und verdient mehr als ein Manager eines großen Unternehmens. Es gibt keine bessere Werbung für den Arbeiterberuf in Russland“.
In einem Video erzählt eine Erstsemesterstudentin, dass sie erst ab dem 2. Studienjahr Geld mit der Montage von "Schaheds" verdienen wird, ihre Eltern aber bereits stolz auf sie sind.
"Mein Name ist Darina, ich bin 16 Jahre alt. Nächstes Jahr werde ich 150.000 Rubel pro Monat verdienen. Ich studiere am Jalabuga Polytech und arbeite im größten Drohnenwerk der Welt. Meine Eltern sind stolz auf mich. Willst du auch?"
"Mein Name ist Alexander, ich studiere im 2. Studienjahr am Jalabuga Polytech. Und ich verdiene bereits 150.000 Rubel pro Monat. Wie? Ich arbeite als Eingangskontrolleur im größten Drohnenwerk der Welt. Hier werden die besten Technologien der Welt konzentriert. Wir tun Großes für unser Land. Ich plane, weiter aufzusteigen. Meine Eltern sind stolz auf mich."
In anderen Videos mit Schülern im 3. Studienjahr erzählen die jungen Leute von einem Gehalt von 350.000 Rubel pro Monat und schließen das Video mit dem Satz: "Meine Eltern haben zu mir gesagt: Junge!"

Drohnenwerk Jelabuga mit jungen Studenten
Laut dem Internet-Medium „Protokol“ werden in der Produktion hauptsächlich Schüler im Alter von 15 bis 17 Jahren eingesetzt, die nach der neunten Klasse ein Studium aufgenommen haben. Bevorzugt werden Minderjährige, da 18jährige Studenten in der Regel im letzten Studienjahr waren. Sie waren bereits in andere Projekte eingebunden und arbeiteten an anderen wichtigen Angelegenheiten, sodass es keinen Sinn ergab, sie zusätzlich zu rekrutieren. Dies hat sich im Jahr 2023 geändert. Alle verfügbaren Ressourcen werden nun in das Montageprojekt der Schahed-Raketen umgeleitet. Einige Produktionsstätten wurden stillgelegt, andere komplett aufgelöst.
Die Arbeitsbedingungen der jugen Studenten sollen katastrophal sein. Protokoll schrieb dazu im Juli 2023:
Die Gehälter der Studierenden in der Produktion hängen von der Erfüllung des Produktionsplans ab. Im Durchschnitt belaufen sie sich auf etwa 30.000 bis 40.000 Rubel. Die Studierenden erhalten ihre Gehälter offiziell – sie haben Arbeitsverträge. Der im Vertrag festgelegte Arbeitsplan entspricht jedoch nicht der Realität. Überstunden werden nicht vergütet: „Wir haben auch am 8. und 9. Mai gearbeitet. Niemand hat uns etwas extra bezahlt. Auch für die Wochenendarbeit haben wir keine Überstundenvergütung bekommen“, sagt ein Student.
Studierende berichten, dass sie manchmal tagelang ohne Schlaf und „praktisch ohne Essen“ arbeiten müssen. Auf die Frage, warum die Studierenden selbst nicht gegen diese Behandlung rebellieren, antwortet einer: „Alle haben Angst. Ich darf nicht einmal darüber reden. Die Hochschulleitung schüchtert uns deswegen wirklich ein.“
Die Sonderwirtschaftszone Jelabuga und die dort ansässigen Unternehmen wurden inzwischen von der Europäischen Union mit Sanktionen belegt.
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