28.02.2026 KriegstoteVorausgeschickt: Seit Beginn des russischen Angriffskrieges ermitteln wir die russischen Kriegstoten aus offenen Quellen. Wir machen das ohne Werbung, ohne Unterstützung von außen, sind politisch ungebunden und tragen die erheblichen Kosten selbst. Wir erstellen alle Informationen nach bestem Wissen und Gewissen.

Durch die hohen Todeszahlen der russischen Armee sind wir mit der Auswertung der erfassten Daten mit über einen Monat in Rückstand geraten. Wir werden deshalb unsere monatlichen Zusammenfassungen etwas umstellen. Da die erfassten Daten relativ exakt sind, werden wir unsere Abschätzungen  der vermutlichen Verletzten- und Todeszahlen auf Basis dieser aktuellen Daten vornehmen. Der Rest bleibt wie gehabt.

Russische Verluste höher als Rekrutierungen

Jeden Monat rekrutiert der russische Staat zwischen 30.000 und 35.000 neue Soldaten für den Krieg in der Ukraine. In drei Monaten in Folge übertrafen die verletzten und getöteten Soldaten deutlich die Zahl der Neurekrutierungen. Das ist der russischen Taktik der Infiltration geschuldet, die hohe Verluste bei den Angriffsbemühungen in Kauf nimmt.  Zum anderen sind jene rekrutierten Zeitsoldaten häufig wenig kriegstauglich, schlecht ausgebildet, mit geringer körperlicher Belastbarkeit und wenig motiviert. Kein Wunder wenn hauptsächlich die Außenseiter und Verlierer der russischen Gesellschaft zum Kriegsdienst bereit sind.

Durch die hohen Opferzahlen fehlt der russischen Armee das qualifizierte Personal für groß angelegte Angriffe. Dafür müsste Präsident Putin eine neue Mobilisierungsrunde starten, die allerdings in der Bevölkerung auf äußerste Ablehnung stoßen würde. Zudem würde eine neue Mobilisierung die russische Wirtschaft enorm schädigen, da diese bereits jetzt unter einem Fachkräftemangel leidet.

Wir haben einen unverhältnismäßig starken Anstieg der Opferzahlen beobachtet, und die wirtschaftliche Lage in Russland beginnt sich zu verschlechtern, insbesondere mit Beginn des Sommers“, erklärte Al Carns, der britische Minister für die Streitkräfte,  gegenüber Reportern in London.

Das sind die Gründe, weshalb im Moment versucht wird in einer breit angelegten Kampagne von den Berufsschulen bis zu den Universitäten, alle Studenten, die älter als 18 Jahre sind, für den Freiwilligendienst in der Armee zu rekrutieren (siehe hier & hier). 

Die ukrainische Armeeführung spricht aktuell von einer neuen Etappe im Drohnenkrieg. Nach deren Geheimdiensterkenntnissen wolle die russische Militärführung bis April 2026 eine Armee von 101.000 Drohnensoldaten aufstellen, die dem russischen Angriff neuen Schwung verleihen sollen. Russland würde im Moment täglich bis zu 19.000 FPV-Drohnen produzieren. FPV steht für „First Person View (aus der ich-Perspektive gesehen)“

Wie ist die Stimmung in Russland?

Dazu zitieren wir das einzig verbliebene unabhängige Meinungsforschungsinstitut in Russland:

Lewada-Zentrum vom 03.03.2026

Im Februar 2026 verfolgten weniger als die Hälfte der Befragten die Lage um die Ukraine, die niedrigsten Werte seit Beginn der Beobachtungen. 

  • Die Unterstützung für die Aktionen der russischen Armee bleibt hoch.
  • Zwei Drittel der Befragten sind der Meinung, dass jetzt Friedensverhandlungen aufgenommen werden sollten, während der Anteil der Befürworter einer Fortsetzung der Militäraktion auf ein Viertel der Befragten gesunken ist.
  • Etwas mehr als die Hälfte der Befragten hält die russischen Angriffe auf die Energieinfrastruktur der Ukraine für eher gerechtfertigt, während jeder Fünfte solche Angriffe für eher inakzeptabel hält.
  • Die Befürworter solcher Angriffe begründen ihre Meinung mit dem Vergeltungscharakter der Angriffe, der Schwächung des militärischen Potenzials der Ukraine und der Erzwingung von Verhandlungen durch die Ukraine.
  • Die Gegner solcher Angriffe verweisen in erster Linie auf den Tod von Zivilisten, das Leid der einfachen Bevölkerung und die Tatsache, dass soziale Einrichtungen ohne Strom und Heizung bleiben.