Kuehe

Kuhherde -- Foto: Tobias Nordhausen -- Lizenz: CC BY-SA 4.0

Von Sibirien aus breitet sich in Russland eine Rinderseuche aus und erfasst immer mehr Regionen. Massenweise werden über das ganze Land Rinderbestände getötet, Bauern aus Nowosibirsk sind verzweifelt, verstecken ihre Rinder oder blockieren Straßen, die Behörden schweigen ob der Ursache. Halbamtlich wird über Pasteurellose-Fälle berichtet, aber diese Rinderkrankheit ist beherrschbar. Vermutlich handelt es sich um die gefährliche Maul- und Klauenseuche, amtlich bestätigt wird das nicht. So kursieren zahlreiche Verschwörungstheorien unter den betroffenen Bauern.

In der Region Nowosibirsk jedoch klagen die Bewohner über strenge Maßnahmen: Nach ihren Angaben werden massenhaft Tiere ohne Erklärung und ohne Kontrollen beschlagnahmt, getötet und verbrannt. Die Bauern berichten, dass sie ihre einzige Einkommensquelle verlieren und veranstalten Proteste, indem sie Straßen blockieren, mit Selbstverbrennung drohen, sie versuchen ihr Vieh zu verstecken und richten Appelle an Putin.

Die Behörden gehen rigoros gegen die Kleinbauern vor - selbst wenn die Viehbestände nachweislich gesund sind. Teilweise werden die Kühe nur betäubt, bevor sie verbrannt werden. Ob der Sprachlosigkeit der Behörden gedeihen unter der Bevölkerung zahlreiche Verschwörungstheorien.

  • Von einem Ausbruch einer selten Krankheit aus einem russischen Biolabor wird spekuliert;
  • Die großen Landwirtschaftsbetriebe wollen die Kleinbauern übernehmen;
  • Es wird eine neue Variante des Maul- und Klauenseuchevirus vermutet.

Inzwischen hat sich die Rinderkrankheit auch nach Westen ausgebreitet und den europäischen Teil Russlands erreicht. Die Zeitung „Iswestija“ schreibt dazu Mitte März:

In Russland breitet sich eine Pasteurellose-Epidemie, eine gefährliche Tierseuche, allmählich aus. Infektionsausbrüche wurden bereits in zehn Regionen festgestellt, darunter Nowosibirsk, Omsk, Tomsk, Swerdlowsk, Samara und Pensa. Erstmals seit Jahren werden kranke Tiere gekeult, anstatt behandelt zu werden.

Das sieht das Exilmedium „Nowaja Gaseta“ anders. Gestützt auf Informationen aus russischen Großbetrieben aus der Region Nowosibirsk scheint es sich um die berüchtigte Maul- Und Klauenseuche zu handeln. Das würde das rigorose Vorgehen der Behörden auch erklären. 

„Wir haben seit Anfang Februar Probleme“, erklärt ein Vertreter eines landwirtschaftlichen Betriebs. „Tierärzte auf großen Höfen führen regelmäßige Kontrollen durch und erkennen Krankheiten bei Tieren normalerweise schnell. Die klinischen Symptome der Maul- und Klauenseuche sind ziemlich eindeutig. Selbstverständlich haben wir alle die Vorschriften gelesen, daher ist das Vorgehen sehr einfach: Man ruft den Veterinärdienst, dieser nimmt Proben. Die Verfahren für landwirtschaftliche Betriebe sind klar definiert und jedem bekannt.“

Große landwirtschaftliche Betriebe, so berichtet unser Interviewpartner, schlachteten Tausende von Kühen und Schweinen. Im Gegensatz zu kleineren Betrieben geschah dies jedoch freiwillig und ohne öffentliches Aufsehen zu erregen.

 Die international gängigen Maßnahmen gegen einen Ausbruch der Maul- und Klauenseuche sind sehr streng. Da das Virus sehr widerstandsfähig ist, werden die betroffenen Gebiete großräumig abgesperrt. Die Tiere werden meist gekeult und verbrannt. Menschen und Transportmittel müssen an Kontrollpunkten durch Desinfektionswannen waten, damit das Virus nicht weiter verbreitet wird.

Der Grund für die Geheimhaltung durch die Behörden ist wirtschaftlicher Natur. Auch Russland hat sich international verpflichtet, den Ausbruch der Maul- und Klauenseuche anzumelden. Bei solch einem Ausbruch können andere Länder die Einfuhr von Fleisch- und Milchprodukten aus dem betroffenen Land verbieten. Russland hat das selbst so gehandhabt:  So verhängte beispielsweise Rosselchoznadzor im Jahr 2025 aufgrund eines Ausbruchs der Maul- und Klauenseuche ein Einfuhrverbot für Fleischprodukte aus der EU.

Russland selbst ist ein wichtiger Exporteur von Rindfleisch nach Belarus, China, Kasachstan und den Nahen Osten.


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