DrohnenPiloten 2

Militärische Drohne -- Foto: VKontakte

Seit Anfang des Jahres 2026 wurden in der russischen Teilrepublik Tatarstan 300 Personen rekrutiert, die als Drohnenpiloten ausgebildet werden und die die Angriffe der russischen Armee in der Ukraine unterstützen sollen.

An vielen Universitäten Russlands werden Studenten, die über 18 Jahre alt sind, auf eigens dafür eingerichteten Veranstaltungen angesprochen, einen Zeitvertrag mit dem russischen Militär abzuschließen, um als Drohnenpilot ausgebildet zu werden. Nach der Ausbildung sollen die Soldaten in sicherer Entfernung zur Front die russischen Angriffe unterstützen. Gezielt angesprochen werden Studenten, die Prüfungen nicht bestanden haben und die vor der Exmatrikulation stehen. Sie sollen nach einem Jahr in der Armee eine neue Chance bekommen.

Und natürlich werden auch alle anderen Studenten gefragt - ihnen wird eine großzügige Bezahlung, Hilfe bei der Wiederaufnahme des Studiums und bei der Berufswahl versprochen.

Die Drohnenpiloten kommen nicht alle aus Tatarstan. Wie bei allen Rekrutierungsstellen üblich, können Menschen aus ganz Russland dort vorsprechen und einen Vertrag unterschreiben. Man reist quer durch Russland, um sich dort zu verpflichten, wo am besten bezahlt wird. Unter den 300 Rekruten aus Tatarstan sind nach Angaben eines örtlichen Offiziers auch Männer aus Mari El, Tschuwaschien und der Region Samara.

Die Republik Tatarstan hat zum Anfang des Jahres die Prämie für eine Vertragsunterzeichnung auf 2,9 Millionen Rubel erhöht. Das sind etwa 31.000 €, allerdings ist die Kaufkraft des Rubels in Russland wesentlich höher als in Europa.

„Sie alle unterzeichneten einen Einjahresvertrag mit dem Recht, am Ende zu kündigen, falls sie ihren Dienst nicht fortsetzen möchten. Die Soldaten werden ausschließlich in den Truppen für unbemannte Systeme eingesetzt und nicht ohne ihre persönliche Zustimmung in andere Teilstreitkräfte versetzt“, erklärte Viktor Nikitin, ein Offizier im Auswahlzentrum für den Zeitdienst in Kasan, der Hauptstadt Tatarstans.

Bevorzugt werden körperlich fitte Männer, mit Studium oder abgeschlossener Berufsausbildung, die bereits bestimmte Vorkenntnisse nachweisen können. Also Bewerber mit ausgeprägter Feinmotorik, Erfahrung mit entsprechenden Computerspielen und Simulationen und mit gutem Orientierungsvermögen im Gelände.

Computerspiel-Begeisterte hätten die besten Chancen, da sie über die entsprechenden feinmotorischen Fähigkeiten verfügen würden und die vertraute Benutzeroberfläche für Videospiele das Lernen beschleunige.

DrohnenPiloten Kinder

Bereits Kinder sollen über Compuerspiele die Steuerung von Drohnen erlernen -- Foto: VKontakte

Das Internetmedium Tatar-Inform schreibt zur Ausbildung:

Die Schulungen selbst finden in UAV-Produktionsstätten und Ausbildungszentren in ganz Russland statt – in den Regionen Tscheljabinsk und Swerdlowsk sowie in der Region Moskau. Sie werden von firmeneigenen Konstrukteuren und Ausbildern durchgeführt, die selbst an der Entwicklung und Optimierung der Kampffahrzeuge beteiligt sind.

Die neuen Soldaten sollen alle fliegenden, schwimmenden und unbemannten Drohnen bedienen. Dazu gehören die Geran-Drohnen, die Strannik-Kettendrohnen und auch unbemannte Boote.

Tatar-Info stellt auch einen der Vertragsunterzeichner persönlich vor. Der 29-jährige Ildar kommt eigentlich aus Ischewsk, der Hauptstadt der russischen Teilrepublik Udmurtien, aber er lebt seit einigen Jahren in Tatarstan.

„Bis heute war ich Geschäftsführer eines Bauunternehmens. Der Mitgründer des Unternehmens befindet sich seit drei Jahren bei der speziellen Militäroperation. Ich habe ihn vertreten, aber jetzt ist es an mir zu gehen. Das Unternehmen wird bestehen bleiben und erfolgreich sein. Es gibt einen Nachfolger“, sagte Ildar.

„Unbemannte Systeme sind die neuen Fronttruppen. Ich denke, der Dienst wird interessant sein. Man könnte mich als Gamer bezeichnen. Ich spiele in meiner Freizeit gerne Videospiele, vor allem auf Konsolen. Ein Joystick kommt der Steuerung unbemannter Systeme schon recht nahe. Ich würde gerne Drohnenpilot werden, aber wenn ich einer anderen Position zugeteilt werde, werde ich dort dienen und meine Pflicht ehrenvoll und würdevoll erfüllen“.

Ildar spricht damit an, dass keiner der dreihundert angeworbenen Soldaten die Gewissheit hat, auch als Drohnenpilot eingesetzt zu werden. Nach einem russischen Anwalt, der die Interessen von solchen Vertragssoldaten vertritt, würden nur 10% aller Bewerber die Prüfungen zum Drohnenpiloten bestehen. Die bei der Prüfung durchgefallenen Soldaten könnten dann in allen Armeeeinheiten, also auch den Sturmtruppen, eingesetzt werden.

Auch die Drohnenpiloten sind natürlich einem sehr hohen Risiko ausgesetzt. Obwohl sie mit einem gewissen Abstand zu den feindlichen Linien agieren, machen Spezialeinheiten Jagd auf diese Bediener - häufig mit Hilfe spezieller Drohnen, die über eine weit größere Reichweite verfügen. In unserer Statistik der Kriegstoten tauchen immer wieder solche jungen Drohnenpiloten auf.


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