
Afrikanische Söldner bei der russischen Armee -- Foto: Ukraine Frontline Daily
Über 1.000 kenianische Staatsbürger wurden für die Reihen der russischen Armee rekrutiert und werden im Krieg gegen die Ukraine eingesetzt. Mitte Februar war deshalb der kenianische Außenminister Musalia Mudavadi in Moskau mit der Bitte, dass keine Staatsbürger seines Landes mehr für die russische Armee rekrutiert werden. Das wurde vom russischen Außenminister Lawrow zugesagt, führte aber zu einer schnellen Reaktion der russischen Armee.
Die Mehrheit der Kenianer, die sich zum Krieg in der Ukraine meldeten, „gingen in vollem Bewusstsein und freiwillig dorthin“, sagte Musalia Mudavadi.
„Die Rekruten haben Verträge unterzeichnet, die Antrittsprämien von bis zu 3 Millionen Kenia-Schilling (23.000 US-Dollar) und die russische Staatsbürgerschaft vorsahen. Sobald ihre Beteiligung an dieser Aktion nachgewiesen ist, müssen sie in Kenia mit der vollen Härte des Gesetzes wegen krimineller Handlungen rechnen.“
Nach der getroffenen Vereinbarung über konsularischen Zugang für kenianische Staatsbürger befürchtete die russische Militärführung, dass die bereits rekrutierten Kenianer die Kampfhandlungen verweigern und verlangen, in ihre Heimatländer zurückgeführt zu werden. Da aber inzwischen erhebliche Mittel für die Rekrutierung, den Transport und die Ausbildung aufgewendet wurden, hatte das russische Militär nicht die Absicht, die Kenianer einfach ziehen zu lassen.
Deshalb verlegte das russische Kommando vom 16. bis 18. März über 500 Kenianer schnell an die Front, die sich zuvor in Ausbildungslager der Armee aufgehalten hatten. Das wiederum führte zu Befehlsverweigerungen der kenianischen Soldaten, die nicht bereit waren, an Angriffsaktionen teilzunehmen. Das staatliche ukrainische Projekt „Ich will leben“ berichtet, dass deshalb mindestens fünf Kenianer exekutiert wurden:
Ausländer werden von russischer Seite als entbehrliche Ressourcen missbraucht, und jeder Versuch, sich aus dem Krieg zurückzuziehen, könnte sie das Leben kosten.
- Otieno Owaga, 05.12.1999;
- Schaban Kalama, 29.04.2002;
- Aaron Abduji Njongesa, 20.11.2001:
- Abednego Mwenga Mwikja, 01.03.2002;
- Abel Kipkosgei Tarus, 02.03.1995;
Eine kenianische Mutter berichtete CNN, dass ihr Sohn nach Russland abgereist wäre. Ihm war eine Arbeitsstelle als Elektroingenieur versprochen worden. Doch der Kontakt riss schnell ab. Im Dezember erhielt sie schließlich ein Video ihres Sohnes, in dem er andere Afrikaner davor warnte, wegen Jobangeboten nach Russland zu reisen.
„Ihr werdet zum Militär eingezogen, selbst wenn ihr noch nie beim Militär wart und an die Front geschickt. Dort werden tatsächlich Menschen getötet. Viele Freunde sind wegen Geld gestorben.“
CNN berichtet weiter:
Etwa eine Woche später verbreitete sich ein verstörendes Video von ihrem Sohn Francis in den sozialen Medien. In Uniform und mit einer Landmine an der Brust wirkt er verängstigt, als ein russischsprachiger Sprecher unter rassistischen Beleidigungen erklärt, er werde als „Dosenöffner“ eingesetzt, um ukrainische Armeestellungen zu durchbrechen.
„Ich will leben“ hat Ende März eine Liste mit 772 kenianischen Staatsbürgern veröffentlicht, die Verträge mit der russischen Armee abgeschlossen haben. Darunter würden sich auch jene 500 Kenianer befinden, die die russische Armee jetzt schnell noch an die Front verlegt hätten. Deren Risiko verwundet oder gar getötet zu werden, bleibt unbelohnt. Russland weigert sich inzwischen dafür Entschädigungen für Kenianer zu bezahlen.
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