Wir befinden uns im westlichen Teil Sibiriens im Dorf Wwedenskoje in der Oblast Kurgan. Das Dorf hatte im Jahr 2010 noch knapp 600 Bewohner und die Menschen dort wandern weiter ab. Der Ort beherbergt eine Sonderschule für Kinder und Jugendliche mit meist geistigen Behinderungen. Das Foto zeigt fünf aktuelle Schüler der Einrichtung, die zusammen mit ihrem Lehrer das Grab von Maxim Wjatkin betreuen, einem Absolventen der Schule des Jahres 2024.
Trotz seiner Behinderung war Maxim tauglich genug, um einen Vertrag mit dem russischen Militär abzuschließen. Im Alter von 18 Jahren wurde er bei einem Angriff in der Ukraine getötet.
Die Schule veranstaltet hier einen Kurs über die Gefahren von Alkohol, Rauchen und Drogenkonsum, wie man eine negative Einstellung zu schlechten Gewohnheiten entwickelt und für sich einen gesunden Lebensstil fördert (Foto). Sie bietet auch Unterrichtseinheiten zum Thema Recycling und Upcycling an.

Aber sie beteiligt sich auch an den Aktionen der Dorfgemeinschaft zur Unterstützung der Soldaten im Krieg gegen die Ukraine. Die Kinder und Jugendlichen packen sogenannte Trockenduschen für die Front zusammen. Vor den Gefahren und Risiken des Soldatentums werden die Schüler besser nicht aufgeklärt.
Maxim Alexejewitsch Wjatkin (Foto rechts) wurde am 15. April 2007 geboren. Es war im Internet kaum etwas über ihn zu erfahren. Die Schule schreibt über ihren ehemaligen Schüler:
Maxim war ein sehr freundlicher, verantwortungsbewusster und fleißiger Schüler, der sich aktiv an allen Schulveranstaltungen beteiligte, einer der besten Sportler und Schauspieler im Schultheater, ein guter Freund und Kamerad.
Auf seiner VKontakte-Seite träumt er von Autos und der Gruppe Wagner.
Im Frühsommer des Jahres 2024 musste Maxim das Schulinternat verlassen und bekam ein Zimmer in einem Wohnheim zugewiesen. Glücklich war er nicht.
Irina Tichonowa
Warum bist du so traurig, Maxim?😻
Maxim Wjatkin
Ich bin kein Gauner, das meine ich ernst.
Offensichtlich hat man den jungen Mann sich selbst überlassen. Es ist keine weitere Berufsausbildung dokumentiert, viel weniger eine regelmäßige Arbeitsstelle. So hat sich Maxim nach seinem 18. Geburtstag freiwillig zum Kriegsdienst verpflichtet und die Militärverwaltung hatte keine Einwände.
Wie, wann und wo Maxim getötet wurde, wissen wir nicht. Sicher ist, er hat seinen 19. Geburtstag nicht mehr erlebt.
Maxims Schicksal ist kein Einzelfall - im Gegenteil, das russische Militär nimmt solche Menschen mit leichten bis mittleren Behinderungen gerne als Kanonenfutter mit an die Front. Sie bekommen meist nicht einmal eine Waffe, das wäre für die eigenen Soldaten viel zu riskant, dafür werden sie für die gefährlichen Botengänge zur Versorgung der vordersten Linien eingesetzt.
Wir haben hier schon eine Vielzahl von ähnlichen Fällen dokumentiert. Ein Silbermedaillengewinner der Paralympics, Michail Konako durfte für die Gruppe Wagner sterben, Ruslan Karetin kam wegen kleiner Diebstähle in den Knast und landete bei der Gruppe Wagner, Andrej Kutusow wegen Diebstahl verurteilt, Alexander Wiktorowitsch Prawda ebenfalls aus einer Behindertenschule, usw...
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