Der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine hat im Land unvorstellbare Umweltschäden angerichtet. Die Schutzhülle um das ehemalige Kernkraftwerk Tschernobyl wurde beschädigt, der Kachowka-Staudamm wurde gesprengt und hat hunderte Quadratkilometer Land überflutet und landwirtschaftliche Nutzfläche zerstört.  Die Erde im Kriegsgebiet ist von Granat- und Bombensplittern durchzogen, überall finden sich giftige Rückstände von Artilleriemunition. Zehn Millionen Hektar Land sollen in der Ukraine davon betroffen sein.

Aktuell geht die Ukraine verstärkt gegen die Erdöl- und Erdgasindustrie Russlands vor, deren Erlöse den Krieg am Laufen halten. Zunächst wurden in der Region um St. Petersburg Erdöl verarbeitende Anlagen zerstört, Ende April bis Anfang Mai zerstörten ukrainische Drohnen Erdölanlagen in Tuapse am Schwarzen Meer und in der Stadt Perm im Ural. Die Anlagen gingen in Flammen auf und verpesteten die Luft, ein Film aus schwarzem giftigem Ruß und Öl legte sich über die gesamte Umgebung. Die Behörden zeigten sich völlig unvorbereitet und wiegelten ab.

Die entstehenden Ruß- und Schadstoffwolken sind besonders gefährlich für Kinder, ältere Menschen und Personen mit Herz-Kreislauf- oder Atemwegserkrankungen. Geschwächte Menschen dürften die Auswirkungen  bereits jetzt spüren. Und  die Anhäufung von Krebserkrankungen werden erst sehr viel später diagnostiziert werden.

Die Stadt Tuapse ist ein bedeutendes Touristenzentrum am Schwarzen Meer, etwa 100 km südwestlich der regionalen Hauptstadt Krasnodar. Die Erdölanlagen der Stadt wurden in den letzten Wochen vier Mal mit Drohnen angegriffen. Die Regionalregierung behauptete zwar, dass alle Drohnen abgeschossen worden und nur Fragmente „zufällig“ auf die Anlagen gestürzt wären. 

Die Menge der in die Luft freigesetzten Verbrennungsrückstände war so groß, dass die Einwohner von Tuapse einen sogenannten „Ölregen“ erlebten, da es sich anfühlte, als sei die Stadt mit Öl übergossen worden (Video rechts). Ein öliger Film legte sich auf Straßen, Pflanzen, Menschen und alle Haustiere oder streunenden Tiere, die sich zufällig zur falschen Zeit im Freien aufhielten. Diese Schmiere enthält mit hoher Wahrscheinlichkeit auch eine giftige Mischung aus aromatischen Kohlenwasserstoffen.

Zudem wurde durch auslaufendes Heizöl die Flüsse in der Umgebung verschmutzt. Alles Öl konnte nicht aufgefangen werden und gelangte auf das Meer. Jetzt sind Mitarbeiter des Katastrophenschutzes zusammen mit Freiwilligen damit beschäftigt, Tiere, Vögel und natürlich den wirtschaftlich so wichtigen Strand von Tuapse vom Ölfilm zu reinigen. 

Tuapse

Foto: Operatives Hauptquartier des Krasnodar-Gebiets

Auch in der Stadt Perm fiel schwarzer Regen, nachdem die örtliche Erdölraffinerie durch Drohnen in Brand gesteckt wurde (Video rechts). Die Anlage konnte nicht sofort gelöscht werden und brannte mehrere Tage. In der Stadt wurden Meldungen über Lautsprecher verbreitet. Es wurde vor Strahlung, Luftangriffen und chemischen Gefahren gewarnt.

Der Gouverneur der Region Perm, Dmitry Machonin, gab Entwarnung:

Rospotrebnadzor (der Föderale Dienst für die Überwachung des Verbraucherschutzes und des menschlichen Wohlergehens) hat Luftqualitätsmessungen durchgeführt. Es wurden keine erhöhten Schadstoffwerte festgestellt. Es besteht keine Gefahr für die Anwohner oder die Umwelt.

Der Journalist Sergej Uchow aus Perm meinte dazu:

In der Regierung herrscht regelrechte Panik. Furchtbare Panik, völlige Inkompetenz. Gestern gab Gouverneur Dmitri Machonin zunächst eine routinemäßige Mitteilung über einen Luftangriff heraus. Dann folgte eine zweite Mitteilung , dass Luftproben entnommen worden seien und angeblich keine Schadstoffe in die Luft gelangt seien. Was für eine Luft haben wir denn in Perm, dass bei einem so heftigen Feuer nichts hineingelangt ist? Und dann – Stille.

 Perm ist von der ukrainischen Hauptstadt über 1.800 km entfernt. Niemand in Perm konnte sich vorstellen, dass der Krieg in der Ukraine auch im Ural ankommen könnte. Wie sollen die Bürger sich schützen? Sergej Uchow stellt dazu fest:

Niemand weiß, wo die Schutzräume sind. Es gibt keine Liste. Wir haben vom Gouverneur und den Behörden von Perm gefordert, eine Liste der Schutzräume zu veröffentlichen, damit die Menschen wissen, wo sie Schutz suchen können. Aber es gibt keine Liste, nicht eine einzige! Wir können keine finden oder bekommen – sie sind als geheim eingestuft. Als wir offiziell Informationen über die Schutzräume anforderten, hieß es, diese seien geheim. Es wurden zwar Gelder für die Schutzräume und deren Instandhaltung bereitgestellt, aber es ist unklar, ob sie bereits geliefert wurden. Es gibt überhaupt keine Informationen.

All diese Katastrophen sind das Resultat jenes sinnlosen Krieges, den Wladimir Putin entfesselt hat. Ihn kümmern nicht die mindestens 300.000 russischen Kriegstoten und die über 800.000 russischen Versehrten. Ihn kümmert nicht die Sorgen der Bürger vor dem zunehmenden Abbau der Sozialleistungen und auch nicht jene Umweltverschmutzung durch brennende Ölanlagen. Er hat keine diese Orte besucht. Und es sieht aus, als ob es immer noch schlimmer werden wird.