Beisetzung von Petr Wukwugwe (32 Jahre) und Konstantin Rochgyn (18 Jahre) am 21.04.26 auf der Insel Aion
Aion so heißt eine Insel mit etwa 2.000 km² Fläche westlich der Tschaunbucht in der Ostsibirischen See ganz im Nordosten Sibiriens. Aion heißt auch das einzig bewohnte Dorf auf der Insel, dessen Bewohnerzahl stetig schrumpft - ob der kargen und kalten Lebensumstände und ob des Krieges gegen die Ukraine.
Über das Jahr hinweg wurde eine mittlere Tagestemperatur von -12° Celsius gemessen. Nur in den Monaten Juni bis September steigt sie auf positive Werte. Größter Wirtschaftszweig ist die Renntierhaltung. Doch nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion blieben die staatlichen Zahlungen für das gelieferte Fleisch häufig aus. Die Renntierherden schrumpften von 22.000 auf heute etwa 4.000 Tiren. Die Männer wurden arbeitslos und bekämpften die Tristess mit Alkohol.
Heute leben noch etwa 200 Menschen im Ort, beinahe alles Tschuktschen und viele der jungen Männer suchen ihr Heil im russischen Krieg gegen die Ukraine. Nach unserer Statistik sind inzwischen acht Männer, also etwa 15% der männlichen wehrfähigen Bevölkerung im Krieg gegen die Ukraine gefallen.
Da die Siedlung auf einer Insel liegt, ist sie etwas schwer zu erreichen. Es gibt keine Straße oder Brücke, die die Insel mit dem Festland verbindet. Im Winter, wenn die Bucht zugefroren ist, existiert eine Straße, aber im Frühling und Sommer ist die Siedlung nur per Hubschrauber erreichbar.
Petr Alexandrowitsch Wukwugwe wurde im Inseldorf Aion geboren. Er besuchte die örtliche Schule und anschließend Bildungseinrichtungen in Rytkuchej und Pewek. Nach einer Ausbildung zum Maschinenführer an der technischen Schule Jegwekinot kehrte er in seine Heimat zurück und arbeitete auf der Rentierfarm Tschaunskoje. Er meldete sich freiwillig für eine militärische Spezialoperation und diente als Scharfschütze in einem Feuerunterstützungszug einer Angriffsbrigade. Er bekleidete den Rang eines Gefreiten der Garde.
Konstantin Gennadjewitsch Rochgyn meldete sich sofort nach seinem Schulabschloss freiwillig zum Krieg in der Ukraine. An der Front diente er als Oberschütze in einer motorisierten Schützengruppe.
Zeitweise galt er als vermisst. Er starb am 18. Mai 2025 im Alter von 18 Jahren.
Die weiteren im Krieg gefallenen und von uns erfassten Kriegstoten aus dem Dorf Aion:
- Andrej Romoutegin, Pos. 534 Chanten & Mansen
- Juri Romanowitsch Naanchin, Pos. 229 Magadan
- Jewgeni Gennadjewitsch Aptasow
- Pawel Kalinin, Pos. 216 Tschukotka
- Waleri Kramarenko, Pos. 224 Tschukotka,
Waleri Walerjewitsch Sopka, Pos. 235 Tschukotka
Im April ist der Boden in Aion noch immer fest gefroren und die Gräber für die beiden jungen Männer müssen mit der Spitzhacke ausgegraben werden.
Die Gräber von Petr Wukwugwe und Konstantin Rochgyn
Jährlich wird der Transport von Lebensmitteln, Treibstoff und anderen Gütern über eine winterliche Eisstraße organisiert. Die durchschnittliche Länge der befestigten Straße beträgt 120 km, abhängig vom Zustand des Eises in der Ostsibirischen See. Die Eisstraße ist normalerweise etwa zwei Monate lang in Betrieb (von Anfang März bis Ende April/Anfang Mai). Neben der Nutzung dieser Eisstraße und des Seetransports werden ein- bis zweimal monatlich Passagiere per Hubschrauber nach Anadyr befördert.
Es gibt auch ein paar Fotos vom Dorf, die Ansgar Walk unter der Lizenz: CC BY-SA 3.0 zur Verfügung gestellt hat:
Dorf Aion auf der Insel Aion
Postgebäude
Schulhaus, aber wahrscheinlich nicht mehr in Betrieb. Die Kinder werden im Dorf Rytkutschi unterrichtet.
Privatgebäude mit Gewächshaus
Tschuktschen-Zelt der Rentierzüchter
Wohnhäuser in Aion
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