In diesem Beitrag fassen wir alle uns bekannten Zahlungen an die Freiwilligen zusammen, die mit dem russischen Militär einen Vertrag zum Dienst in der Kriegszone in der Ukraine abschließen. Viel hat sich in den letzten Monaten nicht geändert. Die Antrittsprämien für den Vertragsdienst bleiben auf hohem Niveau und überfordern manche Haushalte der Regionen. Es gibt Meldungen, dass das russische Militär nicht mehr genügend Freiwillige gewinnen kann, um die Verluste an der Front zu ersetzen. Belastbare Zahlen gibt es allerdings nicht.

All die vielen Rubel, die der russische Staat an die Freiwilligen ausschüttet, zerrinnen den Soldaten an der Front zwischen den Fingern. Da gilt es zunächst teure Ausrüstung wie Schutzwesten und Brillen, Helme und Schuhwerk zu besorgen, denn die Armee stellt nur das Notwendigste. Und dann gibt es noch ein mafiöses System an der Front, das die neu angekommenen Soldaten regelrecht finanziell aussaugt.

Der monatlich Sold der Vertragssoldaten beträgt zwischen 200.000  und 260.000 Rubel (ca. 2.200€ - 2.800€). Diese Vergütung hängt vom militärischen Rang, der ausgeübten Funktion sowie den Kampfeinsatz-Zulagen für die Teilnahme an spezifischen Offensivoperationen ab (siehe Tabelle). Für Bewohner armer russischer Regionen sind das astronomische Summen, die ein Vielfaches des lokalen Jahresverdienstes darstellen.

Mannschaftskasse

Doch dann kommen zunächst die Forderungen der Kommandanten, in die Mannschaftskasse einzuzahlen. Diese Zahlungen haben zwei Seiten:

  • Die russische Militärlogistik kann viele Bedürfnisse der Mannschaften vor Ort nur unzureichend erfüllen. So kauft man Verpflegung und Ausrüstung über informelle Kanäle ein.
  • In der russischen Armee hat sich ein mafiöses System der Selbstbedienung etabliert.

Die Befehlshaber erpressen den Sold ihrer Soldaten. Wenn ein Soldat vermeiden möchte, an die vorderste Front zu sogenannten „Fleischangriffen“ geschickt zu werden und stattdessen lieber an einem sichereren Rückraum (z. B. in der Logistik oder bei der Bewachung von Lagern) stationiert sein will, muss er seinem Kommandeur einen festen Betrag vom monatlichen Sold abgeben – oft die Hälfte der gesamten Summe. Wer Heimaturlaub haben will - bitte bezahlen. Und wer zum Angriff losgeschickt wird, bekommt Prügel, wenn er seine Bankkarte nicht bei seinem Kommandanten abgibt.

Kommandeure melden absichtlich über Wochen oder sogar Monate hinweg den Tod ihrer Soldaten nicht bei den höheren Vorgesetzten. In all dieser Zeit fließt das Geld weiterhin zentral auf die Bankkarten der Getöteten. Offiziere, die die Telefone und Dokumente der Gefallenen an sich genommen haben, heben das Geld einfach an Geldautomaten ab oder überweisen es auf eigene Konten.

Häufig  bereichern sich die Vorgesetzten nicht selbst. Sie leiten die Beute an ihre eigenen Kommandanten weiter und diese an die nächst höhere Instanz - so bleiben alle straffrei. Und wenn die Angehörigen irgendwann das Konto ihrer gefallenen Männer inspizieren, ist kein Geld mehr vorhanden.

Diese Situation an der Front ist inzwischen auch in den entlegensten Winkeln Russlands bekannt geworden. So verwundert es nicht, dass immer weniger Männer bereit sind, solch einen Zeitvertrag mit dem russischen Militär abzuschließen - egal, wie viel der Staat auch zahlt. Was bleibt, sind die Haftanstalten, die finanziell oder gesellschaftlich gestrandeten Menschen.

Will Russland diesen verbrecherischen Krieg weiter fortsetzen, wird eine weitere Mobilisierung, in welcher Form auch immer, unausweichlich sein.