Kompletter Text zur Veröffentlichung der staatlichen ukrainischen Initiative „Ich will leben“

Vollständige Liste der getöteten Soldaten

Wir erhalten umfangreiche Informationen über getötete, vermisste und gefangene Soldaten der russischen Armee. Kürzlich wurde uns eine Datenbank mit getöteten Soldaten der Streitkräfte der Russischen Föderation zum Stand Anfang 2025 übergeben. Alle Listen finden Sie unter dem Hashtag #lists_of_the_dead

In der veröffentlichten Liste des russischen Verteidigungsministeriums befinden sich die Namen von 1.797 getöteten Soldaten der 1. OMSBr im Zeitraum von Ende 2022 bis Anfang 2025, ohne Berücksichtigung der Vermissten, Kriegsgefangenen und Verwundeten.

Die Brigade wurde 2014 aus einer Gruppe von Kämpfern unter dem Kommando von FSB-Oberst Igor Girkin (Strelkov) gebildet, die im April 2014 die Stadt Slawjansk eroberten. Acht Jahre lang führte die Brigade Kampfhandlungen in der Region Donezk durch und wurde aus illegal rekrutierten Einwohnern der Region aufgestockt.

Bei Beginn des umfassenden Einmarsches erlitt die Brigade erhebliche Verluste bei den Angriffen auf die Ortschaften Opytnoe, Vodyane, Peski und Avdiivka. Ende 2022 wurde sie in die Streitkräfte der Russischen Föderation unter der Militäreinheit 41680 aufgenommen. Von diesem Zeitpunkt an wurden aus Russland mobilisierte Soldaten in die Einheit geschickt.

Die in der 14. Regimenterbrigade stationierten Soldaten veröffentlichten Videoappelle, in denen sie behaupteten, ihre Kommandeure würden sie absichtlich in den Tod schicken. Beim ersten Appell begrüßte der Kommandeur die eingetroffenen Mobilisierten mit den Worten: "Russisches Fleisch ist angekommen".

Die Angehörigen dieser Soldaten nannten die Brigade "Bermuda-Dreieck" — dort getötete Soldaten verschwinden spurlos innerhalb kürzester Zeit.

Die 1. OMSBr gehört zu den Einheiten der russischen Armee mit den höchsten Verlusten und auch mit einer der höchsten Zahlen von Vermissten.

So gingen allein beim Projekt "Ich möchte suchen" mehr als 1.100 Anfragen zur Suche nach Soldaten dieser Brigade ein, die tatsächliche Zahl der Vermissten ist jedoch um ein Vielfaches höher. Außerdem sind mindestens 1.010 Soldaten der 1. OMSBr als Kriegsgefangene geführt.

Die 1. OMSBr gehört zur 51. Armee der Streitkräfte der Russischen Föderation. Auch andere Einheiten dieser Armee erleiden in diesem Krieg große Verluste:

📌 114. OMSBr (Militäreinheit 08818, Militäreinheit 42038 der Streitkräfte der Russischen Föderation)
📌 132. OMSBr (Militäreinheit 52892 der Streitkräfte der Russischen Föderation)
📌 9. OMSBr (Militäreinheit 71443, früher Militäreinheit 08819)

Link zur pdf-Liste

Dies ist ein kurzes Video aus einer russischen Quelle. Der Film soll eine russische Evakuierungsgruppe zeigen, die während des „Osterfriedens“ aktiv war.

Nach ihren Angaben wären sie auf demselben Feld mit ukrainischen Kämpfern spazieren gegangen, hätten sich unterhalten und Meinungen ausgetauscht. Alle wären unbewaffnet gewesen, hätten Armbinden mit roten Kreuzen getragen und jeder hätte seine Toten evakiert.

Wir haben am 26.08.24 eine Sperrverfügung der russischen Regulierungsbehörde für das Internet "Roskomnadsor" erhalten. Gleichzeitig wurde auch unser Servicedienstleister aufgefordert, unsere Webseite abzuschalten. Das wird nicht passieren.

Begründet wird die Sperrung mit der Verletzung der Privatsphäre russischer Bürger. Wörtlich heißt es in der Begründung:
Die Tätigkeit der Internet-Ressource wurde als rechtswidrig und als Verstoß gegen die Rechte der Bürger auf Privatsphäre, Persönlichkeits- und Familiengeheimnis anerkannt.

Unsere Seite dürfte ab diesem Zeitpunkt aus Russland nicht mehr aufrufbar sein. Die Verfügung als pdf-Dokument.

Wir meinen, jene russische Sperrverfügung zielt genau in die richtige Richtung. Wir versuchen immer wieder, nicht nur schnöde Zahlen zu liefern, sondern den vielen russischen Opfern dieses Krieges ein Gesicht zu geben. Noch immer ist für uns aktuell, was wir mit einem Tucholsky-Zitat am 11. Januar 23 beschrieben haben:
Es wird von den Schrecknissen des Krieges gesprochen. Darauf sagt ein Diplomat vom Quai d’Orsay: „Der Krieg? Ich kann das nicht so schrecklich finden! Der Tod eines Menschen: das ist eine Katastrophe. Hunderttausend Tote: das ist eine Statistik!“ 
Die Rückbesinnung  auf das Leid der einzelnen Menschen kann man natürlich in russischem Juristensprech als "als Verstoß gegen die Rechte der Bürger auf Privatsphäre, Persönlichkeits- und Familiengeheimnis" bezeichnen. Abgesehen davon, dass wir nur das publizieren, was bereits öffentlich gemacht wurde, zeigt jene Reaktion aus Russland, dass wir mit unseren Veröffentlichungen nicht ganz falsch liegen.

Wir haben auf die Sperrung unserer Webseite schnell reagiert und eine neue Domain geschaltet, die nicht unter die Sperrverfügung fällt. Alle Inhalte sind zusätzlich über https://www.gibtsnet.eu für russische Besucher verfügbar. Der Zugriff über diese Domain empfiehlt sich zudem, wenn man aus anderen Kontinenten auf unsere Webseite zugegriffen will.

Der russischer Soldat wurde wahrscheinlich durch eine von einer Drohne abgeworfenen Granate verletzt. Zahlreiche kleine und große Granatsplitter haben ihn perforiert und er liegt im Dreck eines Feldes in der Region Charkiw mit inneren und äußeren Verletzungen. Das ist nichts Neues und passiert täglich irgendwo im Kriegsgebiet. Doch moderne Technik ermöglicht es, das reale Sterben dieses Soldaten in Farbe in guter Qualität zu filmen und über das Internet zu verbreiten.

Dieser Film ist für Jugendliche nicht geeignet!



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