ZinkowDie Familie Zinkow kommst aus Donezk in der Region Rostow und ihre Geschichte ist eng mit Russlands Krieg gegen die Ukraine verbunden.
Andrej Zinkow, 19 Jahre alt, war Panzerfahrer in der russischen Armee. Anfang Oktober 2022 wurde sein Fahrzeug von einer ukrainischen Panzerabwehrgranate getroffen, sein Panzer brannte völlig aus, Andrej hatte keine Überlebenschance (Unsere Liste, Pos. 128).
Vater Juri Zinkow, 45 Jahre, suchte Rache und meldete sich daraufhin freiwillig an die Front. Ende Oktober 2023 wurde der Mann schwer verletzt, kam in ein Krankenhaus bei Rostow und danach in eine Einrichtung in St. Petersburg. Am 18. Januar 2024 starb er an seinen Verletzungen (Unsere Auflistung, Pos. 875).
Der älteste Sohn Alexander Zinkow, geboren am 19.07.2002, hat aus all diesen Erfahrungen seiner Familie nichts gelernt. Er meldete sich ebenfalls freiwillig zum Kriegsdienst, heiratete zunächst und zog im August 2024 an die Front. Am 19. Oktober 2024 beendete eine Gewehrkugel sein Leben (Link).

Alexej Gennadjewitsch BojtsowAlexej Gennadjewitsch Bojtsow war so ein entbehrlicher Soldat, nur als Kanonenfutter geeignet. Er wurde am 14. September 1981 geboren und kam aus dem Dorf Kusnezkowo in der Region Twer, das 2010 noch 143 Einwohner hatte. Die Hauptschule hat er nicht geschafft, dafür den Wehrdienst und danach gab es nichts mehr über ihn zu berichten, er hatte auch keine Familie.
Dafür unterzeichnet Alexej im September 2023 einen Vertrag mit dem Militär und wurde bereits am 30. November 2023 getötet. Bei solch unwichtigen Menschen dauert dann auch die Heimreise - am 29. Oktober 24 wurde er bestattet. Das Begräbnis fand im Nachbardorf Sloboda statt, das im Jahr 2010 noch genau 0 Bewohner aufwies.

Ratibor Wladimirowitsch JaungatLeider konnten wir das Alter von Ratibor Wladimirowitsch Jaungat nicht in Erfahrung bringen. Ratibor stammte aus der Umgebung von Salechard, der Hauptstadt des Autonomen Kreises der Jamal-Nenzen. Im Jahr 2024 hatte er sich beim russischen Militär verpflichtet und war Drohnenpilot in der Armee.
Man kann annehmen, dass auch Ratibor ein geschickter Zocker beim Spiel mit dem Computer war und so war der Umgang mit Drohnen für ihn nur logisch. Doch am Computer mag sein Motto in seinem Status bei VKontakte Gültigkeit haben - Leben, Sterben und das Ganze noch einmal.
Im Krieg dagegen gibt es kein weiteres Mal - Ratibor wurde am 22.10.24 in Salechard begraben.

Alexej Truchatschow

Alexej Truchatschow, ein 46-jähriger Einwohner des Dorfes Zarechje, ist im Krieg in der Ukraine gefallen, berichtet der "Pitschewski Vestnik". Der Mann unterzeichnete am 25. April 2024 freiwillig einen Vertrag.
"Oft sagte er, dass er in den Kampf gegen die Nazis ziehen würde. Er hatte einen hartnäckigen, entschlossenen Charakter. Es war nicht leicht, ihn jedes Mal davon abzubringen“, sagte seine Frau Nadeschda.
Truchatschow starb am 9. Juni in der Region Luhansk während eines Beschusses. Die Militäreinheit, in der er diente, erklärte, dass „eine Evakuierung des Leichnams nicht möglich ist“.
Eine Telegram-Meldung aus Tambow vom 21.10.24. Zur Erläuterung - Alexej gehörte zu den Sturmtruppen, die mit hohen Verlusten gegen die ukrainischen Stellungen anrennen. Die Toten bleiben dann auf dem Feld liegen, denn diese Verluste jener entbehrlichen Soldaten zählen bei der russischen Armee sehr wenig.

Auch die scheinbar unerschöpflichen Reserven an schwerem Gerät werden manchmal knapp in der russischen Armee. Deshalb rüstet das Militär seine Angriffseinheiten neuerdings mit billigen Motocross-Rädern aus chinesischen Versandhauskatalogen aus (Alibaba - AliExpress). Eine neue Form der Kavallerie wurde so geschaffen.
Die Todesrate unter solch ungeschützt fahrenden Soldaten ist entsprechend groß. Ein aktuelles Beispiel:
Ein Mann aus Transbaikalien ist bei der SWO (speziellen Militäroperation) ums Leben gekommen. Er hat eine Frau und einen einjährigen Sohn zu Hause.
Wladislaw Fomin war 29 Jahre alt, er wurde in Tschara geboren. Der Mann besuchte die erste Schule und arbeitete dann im zentralen Bezirkskrankenhaus und bei den „Wohnungs- und Versorgungsbetrieben von Tschara“. Wladislaw starb am 6. September.

Wladislaw Fomin

Wenn ein russischer Soldat im Krieg in der Ukraine getötet wird, zahlt der russische Staat den Hinterbliebenen fünf Millionen Rubel Entschädigung (etwa 50.000 €) - im Volksmund wird das Sarggeld genannt. Manche Regionen fügen weitere Entschädigungszahlungen hinzu.
Der 44-jährige Fjodor Bulgakow aus Rjasan gehörte wahrscheinlich auch zu den Opfern jenes ukrainischen HIMARS-Angriffes auf eine russische Wagenkolonne bei Kursk in der Nacht vom 8. auf 9. August 2024 - zumindest ist er in jener Nacht getötet worden.
Seine Frau hatte deshalb einen Antrag auf Entschädigung an die örtlichen Behörden gestellt. Die lehnten allerdings eine Auszahlung des Sarggeldes ab. Denn jene Entschädigung würde nur jene Angehörigen ausbezahlt, die in der Ukraine gefallen wäre. Fjodor dagegen wäre in Russland getötet worden und diese Region gehöre nicht zur Zone der "speziellen Militäroperation". Link
OM, 3.11.24

Am 19. Oktober 24 wurde der Soldat Artur Isjanbajew im Dorf Asikejewo, Bezirk Belorezk (Baschkortostan), auf seine letzte Reise geschickt, berichtet die Bezirksverwaltung. Artur wurde 1976 geboren.
Am 10. April 2024 verließ er das Gefängnis als Sturm-V Soldat und wurde an die Front geschickt. Er war ein Granatenwerfer in einer Angriffseinheit. Er starb am 7. Juni 2024. Artur Isjanbajew hinterlässt vier Kinder.
Telegram, 20.10.24

Artur Isjanbajew

Oleg Kowal aus Rjasan war in einem örtlichen Metallkeramikwerk als Abteilungsleiter für die Zulieferungen verantwortlich. Im Jahr 2017 wurde er festgenommen und wegen gewerbsmäßiger Bestechung in besonders großen Umfang sowie wegen Amtsbetrugs angeklagt.
Im Mai 2024 wurde Kowal zu sechs Jahren strenger Haft verurteilt. Das Urteil sah außerdem finanzielle Verpflichtungen in Höhe von 17 Millionen Rubel vor, mit einem verbindlichen Rückzahlungsplan - jeweils 500.000 Rubel pro Monat.
Es war sofort klar, dass Oleg Kowal sich solche Zahlungen aus dem Gefängnis heraus nicht leisten und daher nicht mit einer Bewährung rechnen konnte.
Im Lager unterzeichnete Oleg einen Vertrag zum Kriegsdienst im russischen Militär - mit erwartbarem Ausgang. Am 21. Oktober 24 wurde Oleg In Rjasan begraben.

Oleg Kowal

Aleksej Janik kam aus dem Dorf Ust-Belaja im Automomen Kreis der Tschuktschen. Das Dorf ist das Zentrum einer großen Rentierzuchtfarm mit etwa 600 Bewohnern. Im kurzen Sommer kann man es innerhalb von 2-3 Tagen mit dem Schiff erreichen, sonst bleibt nur die Anreise mit dem Hubschrauber.
Alexej, geboren am 25. Juli 1993, hatte den Beruf eines Schweißers erlernt und arbeitete in der Region. Auch Alexej wollte einmal in seinem Leben viel Geld verdienen und schloss im Jahr 2024 einen Vertrag mit dem russischen Militär. Aus gutem Grund nennt die Nachrichtenagentur aus Tschukotka kein genaueres Vertragsdatum. Auch Alexejs Vertrag hatte eine kurze Laufzeit, Anfang Oktober 24 wurde er getötet. Er soll in den dortigen Kohlegruben beigesetzt werden.

Alexej Janik

Wenn die Meldungen über russische Kriegstote mit Gedichten verziert werden, dann hat man wenig Lust weiter zu lesen. Es sind meist holprig formulierte Machwerke, die versuchen, den banalen Tod eines Soldaten mehr oder weniger kunstvoll zu überhöhen.

Aber manchmal findet man auch ein interessantes Gedicht:

Es kam eine Vorladung zum Einberufungsbüro des Militärs,
Ich lege mich hin und höre meine Frau
Mit der ganzen Familie teilt sie meine Haut
Ich wurde im Kampf getötet.

Meine Frau und Schwiegermutter drängen mich -
Geh zum Einberufungsamt!
Sie packen meinen alten Rucksack,
Einen Laib Brot, einen Becher, einen Doschirak*.

Ergeben Sie sich nicht törichterweise!
Und verschwinden Sie nicht!
Sorgt dafür, dass die Leiche ordentlich verarbeitet wird!
Sieh zu, dass wir unsere Särge** bekommen!

Was für ein Witz, sieben Millionen!
Wir werden alles kaufen, was wir wollen!
Wir werden unsere Kredite abbezahlen!
Und im Sommer fahren wir alle auf die Krim!

Meine Frau schreit: Ich werde ein Auto kaufen!
Mein Sohn will einen Motorroller,
und mein Schwiegervater will ein neues Gewächshaus
Und eine Schnapsbrennerei.

Und mein Schwiegervater schreit: Sei ein Held!
Du wirst der erste sein, der angreift!
Und da wurde mir endlich klar
wie viel ich meiner Familie bedeute.

* russische Instantnudeln

** Sarggeld, staatliche Auszahlung für toten Soldaten

Almaz MinijarowHinter dem Begriff Grenzschutz verbirgt sich auch ein russischer Euphemismus. Russische Wehrdienstleistende dürfen nicht im Krieg gegen die Ukraine eingesetzt werden. Aber wenn man dringend Soldaten braucht, dann werden die jungen Männer schnell zu Grenzschützern umfunktioniert, die auch in den umkämpften Regionen Kursk, Brjansk und Belgorod eingesetzt werden. Und so kommt es, dass häufig auch Wehrdienstleistende Opfer dieses Krieges werden. Ein aktuelles Beispiel:
Almaz Minijarow aus dem kleinen Dorf Metewtamak in Baschkortostan war so ein Wehrdienstleistender. Er hätte nur noch zwei Monate in der Armee verbringen müssen und wurde als "Grenzschützer" in der umkämpften russischen Region Belgorod eingesetzt. Eine Drohne beendete sein Leben. Am 12. Oktober 24 wurde er in seinem Heimatdorf bestattet.

Nikita Eduardowitsch JaptuneEs ist mehr als ein Skandal, wie Russland mit seinen ethnischen Minderheiten umgeht.
Ganz im Norden der Region Krasnojarsk liegt die Taimyr-Halbinsel. Auf Grund der extrem kalten Witterungsbedingungen ist die Halbinsel kaum besiedelt. Dörfer gibt es nur im Süden entlang der im Sommer schiffbaren Flüsse.
Nosok (Socke)  ist so ein Dorf mit 1.800 Bewohnern, das am Ufer des Uschakow-Kanals an der Mündung des Flusses Jenissei liegt. Die Bewohner sind überwiegend Nenzen, die traditionell leben und Fischfang, Jagd und Rentierzucht betreiben.
Nikita Eduardowitsch Japtune (Foto) war ein junger Nenze aus dem Dorf Nosok. Er wurde am 18. August 2003 geboren und ist aus unbekanntem Grund im Krieg gegen die Ukraine gelandet. Die Menschen dort leben in einer Informationsblase, der Krieg ist weit weg und sie glauben der Propaganda und dem vielen Geld der Regierung. Zudem nimmt das Militär solche durch das raue Klima abgehärtete junge Menschen gerne für den Stellungskrieg in den Schützengräben. Doch auch für Nikita war der Krieg im Oktober beendet. In Taimyr sammelt man jetzt Spenden für seine Beisetzung.

Denis Asatowitsch ScharapowAsat Scharapow, geboren am 15. Dezember 1977, kommt aus der Stadt Utschaly in Baschkortostan und scheint bei guter Gesundheit zu sein - im Gegensatz zu all den anderen Menschen, über die wir hier berichten. Laut seinem Status ist er zudem auf aktiver Partnersuche. Mitte Juli hat er sich ein neues Auto gekauft, dem Innenraum nach zu urteilen ein ausländisches Modell.
Das konnte er sich auch leisten, denn sein Sohn war in den Krieg gegen die Ukraine gezogen, ging Ende Oktober 2023 los, um Essen zu organisieren und kam nicht wieder. Mit der staatlichen Abfindung beim Tod eines Angehörigen im Krieg kann man sich bequem ein neues Auto leisten.
So kam es, dass zuerst das neue Auto da war und die sterblichen Überreste seines Sohnes viel später bei Asat ankamen. Am 10. Oktober 24 teilte er mit, dass sein Sohn Denis Asatowitsch Scharapow (Foto), geboren am 10.11.2000, am 14. Oktober bestattet würde.
OM, 24.10.24

Kirill WjunowKirill Wjunow kommt aus der Region Krasnojarsk, ist 20 Jahre alt und leistet seinen Wehrdienst in der Region Kurgan. Am 14. Oktober 24 hatte Kirill plötzlich viel Geld auf seinem Konto. Der russische Staat hatte ihm 405.000 Rubel überwiesen, also etwa 4.000 €. Das entspricht der Prämie, die der Staat zahlt, wenn Wehrpflichtige einen Vertrag mit dem russischen Militär abschließen.
Nur - Kirill hatte keinen Vertrag abgeschlossen und hat das auch nicht vor. "Ich bin Mechaniker. Ich bin erst 20 Jahre alt, ich habe gerade erst die Fachschule abgeschlossen. Ich habe überhaupt keine weiteren Pläne. Ich will einfach nur lebendig von hier zurückkommen“, sagt Kirill.
Wie Kirill ging es auch sechs weiteren Wehrpflichtigen der Einheit. Der Staat weigert sich, das Geld zurück zu nehmen und für Kirill scheint die Sache aussichtslos. "Aber morgen sollten wir nach Rostow und an die Grenze geschickt werden. Ich verstehe, dass dies eine Einbahnstraße ist. Ich hatte nie vor, einen Vertrag zu unterschreiben, und das habe ich auch nicht vor! Helft mir hier rauszukommen," schreibt er.

Toljatti ist eine Großstadt in der Region Samara mit etwa 660.000 Einwohnern. Sie ist die Autostadt Russlands. Im dortigen AwtoWAS-Werk werden Autos der Marke Schiguli gefertigt, die in Deutschland unter dem Namen Lada verkauft wurden. Und richtig - der Name der Stadt klingt wenig russisch. Sie wurde nach dem italienischen Kommunisten und langjährigen Vorsitzenden der dortigen kommunistischen Partei Palmiro Togliatti benannt.
Der Kleinbus mit den Lautsprechern auf dem Dach ist für eine Autostadt wohl wenig attraktiv. Aber er lobt eine Menge Geld aus - zwei Million Rubel für eine Unterschrift unter einen Vertrag mit dem russischen Militär:
Diese ungewöhnliche Werbemaßnahme zeigt, dass es für die Rekrutierer immer schwieriger wird, neue Soldaten für die "Fleischangriffe" an der Front zu gewinnen.
OM, 22.10.24

Anton SergasinowDas Dorf Warschawka in der Oblast Tscheljabinsk wurde nach der polnischen Hauptstadt Warschau benannt - nicht aus Freundschaft, sondern weil im Jahr 1831 der russische Zar Warschau erobert hatte. Das Dorf hat gerade mal tausend Bewohner und erwartete am 14. Oktober 24 die Heimkehr von Anton Sergasinow, der erfolglos versucht hatte, die Ukraine zu unterwerfen. Anton, geboren am 3. August 2003, hatte sich im Juli 2004 beim Militär für den Kriegsdienst eingeschrieben und war bereits am 6. September getötet worden. So kam Anton im Zinksarg nach Hause.
Solch ein schneller Tod eines 21jährigen jungen Menschen wirft Fragen auf:

  • Was hat ihn zum Militär getrieben?
  • Warum hat ihn niemand aufgehalten?
  • Warum wurde ein junger Mann ohne Kriegserfahrung gleich in den Angriff geworfen?

Keine dieser Fragen wurde öffentlich gestellt oder gar beantwortet. "Sein Verlust wurde zu einer Tragödie für alle: Familie und Freunde, Mitbewohner im Dorf...  Helle Erinnerungen an einen Menschen, der sein Leben ehrlich und in Würde lebte und die Früchte seiner guten Taten hinterließ, werden immer stärker sein als der Tod," heißt es im Nachruf.

Sergej Pawlowitsch LunegowSchon mehrfach hatten wir über die sibirische Stadt Ust-Kut berichtet, im dortigen Bezirk lebte Sergej Pawlowitsch Lunegow. Der Mann hatte sich auch der russischen Armee im Krieg gegen die Ukraine angeschlossen und wurde bereits am 1. März 2023 an der Front getötet. Es dauerte ziemlich lange, bis die sterblichen Überreste von Sergej in seine Heimat gebracht wurden. Am 5. Oktober wurde er dann im Dorf Jantal im Bezirk Ust-Kut bestattet. Die Trauerfeier fand in der Nähe des Kulturhauses "Ukraine" statt.

Der ehemalige Cheftierarzt der Stadt Rostow am Don zur Bekämpfung von Tierseuchen, Dmitri Chegay, wurde in der Ukraine getötet, das berichten lokale Medien Anfang Oktober 2024.

Dmitry Chegay und sein Chef wurden am 17. Februar 2022, nur wenige Tage vor Beginn des russischen Angriffskrieges, wegen Korruption verurteilt. Dabei ging es um Kontrollen von tierischen Produkten der Lebensmittelindustrie. Die Kontrolleure ignorierten Verstöße gegen die Veterinärvorschriften und stellten den Produkten die erforderlichen tierärztlichen Begleitpapiere aus, ohne die Ware tatsächlich zu kontrollieren. Dafür zahlten die Unternehmen hohe Bestechungsgelder an den Leiter des Veterinäramtes.

Dimitri Chegay war dabei ein kleines Licht - er fungierte nur als Vermittler und überwies die Gelder an seinen unmittelbaren Vorgesetzten. Im Gerichtsprozess wurde der Mann dann zu sieben Jahren Gefängnis verurteilt.

Auch Dimitri wollte seine Haftstrafe nicht absitzen und verpflichtete sich beim Militär als Sturm-V Soldat. Jetzt ist er ein Held, "er hätte seine Sünden mit seinem Blut abgewaschen" und bekam jenen "Orden des Mutes" - posthum.

Waleri Wladimirowitsch Gerasimtschuk

Dieses Foto ist uns aufgefallen. Waleri Wladimirowitsch Gerasimtschuk steht vor einem Wandgemälde, das einen martialisch verkleideten russischen Soldaten zeigt. Genau so wirbt das russische Militär um solche Freiwillige für die Armee, gut ausgestattet, hart und jeder Aufgabe gewachsen. Und Waleri hat sich vermutlich auch in dieser Rolle gesehen. Waleri kam übrigens aus dem kleinen Dorf Ababkovo in der Region Nischni Nowgorod.
Wie die Wirklichkeit dann aussah, das lassen wir seine Schwester berichten:
Die fast zweimonatige Suche nach meinem Bruder ist beendet. Waleri Wladimirowitsch Gerasimtschuk verließ das Land am 29. Juni 2024 aufgrund eines Vertrags für die spezielle Militäroperation und starb am 22. Juli.
Die Trauerfeier findet morgen, 2. Oktober, vor der Kirche auf der Straße statt.

Juri Gennadijewitsch Kitschigin"Wahrer Patriotismus ist nicht, wenn man stolz auf das Vaterland ist, sondern wenn das Vaterland stolz auf einen ist," ist das Motto des Dorfes Romanicha in der Region Perm auf deren VKontakte-Seite. Im Jahr 2010 lebten noch 71 Menschen in dem kleinen Dorf, wie viele heute wissen wir nicht - aber zumindest ein Einwohner weniger.
Denn der 19-jährige Juri Gennadijewitsch Kitschigin aus dem Dorf war in den Krieg gezogen, wurde am 27. Februar 2024 getötet und ist erst am 29. September im Zinksarg nach Hause gekommen.
Beim Nachruf ist die Bezirksverwaltung auch ganz verwirrt. Er hätte sein Heimatland verteidigt, schreibt die Verwaltung des Stadtbezirks Krasnowischerski und nennt als Ort seines Todes dann doch die Ukraine.

Da angeblich das Leben in der Region Samara so viel günstiger wäre als in den russischen Metropolen, gehörte die Prämienzahlung für Freiwillige zu den Niedrigsten in ganz Russland. Aber ganz offensichtlich ließen sich in Samara nicht mehr genügend Freiwillige finden, die für jene 1,2 Millionen Rubel (etwa 12.000 €) bereit waren, ihre Leben oder ihre Gesundheit zu gefährden.
So beschloss die Regierung am 11. Oktober 24, ab Mitte des Monats deutlich mehr zu bezahlen. Jetzt gibt es ganze zwei Millionen Rubel (ca. 20.000 €), wenn man in Samara einen Vertrag mit dem russischen Militär eingeht.

Bogdan Sergejewitsch JewsejewEine ziemlich skurile Meldung wurde in zahlreichen lokalen VKontakte-Kanälen aus der Region Saratow abgesetzt. Lassen wir die Autorin zu Wort kommen:

Bogdan Sergejewitsch Jewsejew, geboren am 10.04.2003, starb den Heldentod bei einem militärischen Zusammenstoß im Gebiet Cherson, Siedlung Kosatschije Lageri.
Abgehärtet durch Sport, Goldmedaillengewinner im Sambo, wich Bogdan nie zurück, aber das feindliche Schrapnell unterbrach sein Leben am 02.09.2024...
Im Saratower Institut für Innere Truppen war Bogdan einer der besten Kadetten in seinem Kurs. Und als einer der Besten wurde er gleich im 3. Jahr in die Zone des Nordöstlichen Militärbezirks geschickt, um die Ehre und den Mut der ruhmreichen russischen Soldaten in der Praxis zu zeigen.

Jelena Pimonenkowa In der Region Belgorod wurde am 27. August 24 die erste Frau getötet, die aus der Haft für den russischen Krieg gegen die Ukraine rekrutiert worden war. Jelena Pimonenkowa war 37 Jahre alt und stammte aus der Stadt Pikaljowo in der Oblast Leningrad.
Jelena hatte ein bewegtes Leben hinter sich. Sie wurde im Alter von 23 Jahren zunächst wegen Messerangriffs auf einen Mann verurteilt, dann wegen Autodiebstahls, Raubüberfalls, Sachbeschädigung fremden Eigentums und Morddrohungen. Im Jahr 2024 saß Jelena wegen Diebstahls in einer Frauenkolonie in Uljanowka, ebenfalls in der Region Leningrad gelegen.
Auch dort wurde für den Kriegsdienst in der Ukraine geworben. 60 Frauen meldeten sich, zehn wurden ausgesucht darunter Jelena.
Jelena PimonenkowaOhne jegliche medizinische Ausbildung wurde sie so zur „Sanitäterin im Gefangennahmekommando eines Angriffszuges“. Drei Wochen lang wurde Jelena an Waffen geschult, danach ging es an die Front und sie musste Verwundete evakuieren und Leichenteile aufsammeln.
Wie genau Jelena getötet wurde ist unklar. Angeblich wäre sie von einem Auto angefahren worden. Am 25. September 24 wurde sie begraben.

WladimirGolubUnsere kleine Geschichte spielt in der tatarsischen Großstadt Nabereschnyje Tschelny und handelt von Wladimir Golub, 44 Jahre. Der Mann arbeitete bei dem Lastwagenhersteller Kamaz als Schweißer.
In seiner Freizeit hatte er vielfältige Interessen, nahm Gesangsunterricht und nahm Tiktok- und Youtube-Videos auf. Mit seiner Ehefrau hatte er 11 Kinder, dazu hatte er seit dem Jahr 2000 noch eine geheim gehaltene Beziehung, aus der drei Kinder hervorgingen.
Und weil das noch nicht genug ist, konvertierte Wladimir zum Judentum, trug nur noch Kippa und nannte sich Abraham Israilewitsch Melech.
Als die Sache mit der zweiten Beziehung aufflog, zog Wladimir/Abraham zuhause aus, bei der zweiten Frau ein und ließ sich scheiden. Seine berufstätige Ex-Ehefrau bekam Probleme mit dem Jugendamt, weil eine alleinerziehende und arbeitende Mutter mit 11 Kindern sicher überfordert ist.
Seinen neuen Namen ließ er sich in den Pass eintragen und wahrscheinlich wollte Abraham auch im Krieg seine vielfältigen finanziellen Probleme lösen. Im Juli 2024 schloß er einer Vertrag zum Kriegsdienst, zwei Monate später war er tot. Am 2. Oktober wurde er in der tatarischen Stadt Jelabuga begraben.

Wladimir mit Familie Nr. 1
Wladimir Golub

Ildar Saidow

Ildar Saidow hatte eine steile Kariere beim russischen Zoll hinter sich gebracht. Seit 1995 war er in leitender Funktion in verschiedenen Regionen Russlands tätig, bis er schließlich 2017 erst zum kommisarischen und dann zum regulären Leiter des Zolls von Astrachan, Wolgograd und Kalmückien im Rang eines Generalmajors aufstieg.
Doch fünf Jahre später stand er wegen Bestechlichkeit vor Gericht und wurde zu sieben Jahre Haft verurteilt.
Er wäre reingelegt worden, meint seine Frau und ein ehemaliger Mitarbeiter schrieb: "In solchen Strukturen gibt es oft zwei ungleiche Kategorien. Diejenigen, die inhaftiert wurden, und diejenigen, die nicht verurteilt werden. "
Auch Ildar zog die Option "Sie kommen aus dem Gefängnis frei" in einer Sturm-V Einheit, setzte damit alles auf eine Karte und verlor. Am 14 September erhielten seine Angehörigen die Nachricht seines Todes, er wurde in Tatarstan begraben.

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