Anton UwarowOlesja Gontar - 4. Jul. 24 um 20:58 -- Link

Anton Uwarow. Gestorben bei der SWO (Spezielle Militäroperation). Ewiges Andenken. Toha ruhe in Frieden und Gott sei deiner Seele gnädig. Leben und leben lassen für diesen Mann. Wessen Krieg ist das? Wer wird diesen Sohn seiner Mutter zurückgeben? Niemand.....

Denis Mudarisowitsch Muchamedrakhimow, geboren am 28.05.1987, aus einer ländlichen Region der Oblast Tscheljabinsk hatte sich freiwillig gemeldet und sollte Anfang Mai von der Grenze bei Belgorod aus mit seiner Einheit die ukrainische Region Charkiw angreifen. Er wurde dabei getötet und blieb zunächst verschollen. Am 6. Juli 24 wurde er begraben.
Zwischen der offiziellen Nachricht seines Todes und der Wirklichkeit gibt es doch große Unterschiede. Denis war wohl häufig bei Schlägereien beteiligt, hatte seine oberen Vorderzähne komplett verloren und hätte mehrfache Erfahrungen mit Gehirnerschütterungen. Zwischen dem offiziellen Foto und einem aktuellen Bild gibt es nur wenig Ähnlichkeit. Für die Armee war er ein entbehrlicher Soldat: Am 24.04.24 hatte er sich verpflichtet, am 11. Mai 24 war er tot.

Njamsjurjun Jurjewitsch SatDas Sterben der tuwinischen Soldaten setzt sich weiter fort. Keine Region Russlands hat so hohe Opferzahlen wie die kleine buddhistisch geprägte Republik. Am 3. Juli 24 wurde der Tod des jungen Njamsjurjun Jurjewitsch Sat gemeldet. In der blumigen Sprache der Tuwiner werden Märchen erfunden, um diesen völlig überflüssigen Tod zu rechtfertigen:
Einer der seltenen Söhne Tuwas, der geliebte Sohn seiner Eltern, der geliebte Bruder seiner Verwandten, der beste Freund seiner Frau, der beliebteste Vater seiner einzigen Tochter, der angesehene Mann vieler Verwandter, Onkel, Tante, Bruder , Schwiegersohn, Schwager, Ehemann, treuer Freund seiner Familie, Unterfeldwebel der 55.115. Gebirgsgarde-Brigade von Kyzyl, Veteran der „Militärbewegung“, Träger des Ordens des Mutes und der Tapferkeit, Madyrlek , Yunus Yunus Yunus JEVITSCH in einer speziellen Militäroperation.
Wir sind zutiefst traurig, bekannt geben zu müssen, dass er sein Leben für das Mutterland gegeben hat und heldenhaft an dem feurigen Kampf teilgenommen hat, um den Frieden und die Ruhe des Volkes und des Mutterlandes vor den eindringenden Feinden zu schützen.
Das Bild unseres Sohnes, dessen Name in der Geschichte unseres Landes verewigt ist, wird für immer in den Herzen seiner Verwandten und Freunde bleiben.

Wir haben das "Buch der Erinnerung" aus Saratow dokumentiert, das knapp 900 Namen von gefallenen Soldaten im russischen Krieg gegen die Ukraine listet. Aus der Liste konnten wir noch 25 53 nicht erfasste Namen aufnehmen. Da wir nicht wissen, ob solche Dokumente nicht von heute auf morgen verschwinden, haben wir die gesamte Liste kopiert und durch Google sehr roh übersetzen lassen (Link). Interessant ist auch, wie im Verlauf des Krieges die einzelnen Namensblöcke immer länger werden.
Nachtrag: Übrigens viel mehr als die Namen der getöteten Soldaten ist in Saratow nicht zu erwarten. Die Regierung veröffentlicht die Namen, mehr nicht und die Presse recherchiert nicht weiter.
CK - 17.07.24

Wassili Gennadijewitsch BaschkowWassili Gennadijewitsch Baschkow, geboren 29.10.1990, kam aus der Stadt Schumerlja in Tschuwaschien. Er hatte eine Kadettenschule in Jekaterinburg besucht, was danach in seinem Leben so passierte wird verschwiegen.
Wassili unterschrieb am 19. April 2024 einen Militärvertrag und wurde bereits am 28. April getötet. Dazwischen lag die Anreise und eine Kurzausbildung, die in der Regel eine Woche dauert.
Wir dokumentieren deshalb sein Begräbnis am 22. Juni 24 in einem Dorf bei Schumerlja.

Arkadi Alexejewitsch MichailowDie Halbinsel Taimyr liegt ganz im Norden des asiatischen Teils Russland - siehe unsere Berichte (Teil I, Teil II). Ende Mai 2024 ist ein sehr junger Bewohner dieser wenig besiedelten Region im Krieg gegen die Ukraine getötet worden. Arkadi Alexejewitsch Michailow war gerade mal 21 Jahre alt und stammte aus dem Dorf Nowaja (Bezirk Taimyr Dolgano-Nenzen). Das ist alles was wir über ihn wissen.
Das Dorf Nowaja hatte 2020 gerade mal 266 Bewohner. Es gibt dort eine Grundschule, einen Kindergarten, eine Erste-Hilfe-Station, ein Wohnungs- und Kommunaldienstleistungsunternehmen, ein Geschäft, ein Lebensmittelgeschäft, ein Postamt, ein Dieselkraftwerk, ein ländliches Kulturzentrum und eine Bibliothek.
Die jährliche Durchschnittstemperatur beträgt - 13° Celsius, acht bis neun Monate liegt Schnee, die Menschen leben von der Jagd und Fischerei. Die überwiegende Mehrzahl der Bewohner sind Dolganen, ein turksprachiges indigenes Volk. Etwas über 8.000 Menschen bezeichnen sich als Dolganen, davon leben etwa 5.500 auf Taimyr.

Dmitri Walerjewitsch Kazantsew"In unserer Stadt Sredneuralsk herrscht erneut Trauer. Unser Landsmann und Held Dmitri Kazantsew ist verstorben. Ewige Erinnerung. Helden sterben nicht. Zum Gedenken an den Krieger," schrieb eine Gruppe von Bewohnern der Stadt, die Unterstützung für die russischen Soldaten im Krieg leisten. Sredneuralsk ist übrigens eine Stadt mit etwa 20.000 Bewohnern in der Region Swerdlowsk.
Der Soldat Dmitri Walerjewitsch Kazantsew ist wieder ein gutes Beispiel, wie die russische Armee mit ihren Freiwilligen verfährt. Dmitri arbeitete zehn Jahre lang als Ölabfüller für eine Firma in Sredneuralsk. Auch er erhoffte sich ein besseres Leben durch die hohen Verdienstmöglichkeiten bei der Armee. Am 5. Juni 2024 schloss er einen Vertrag ab, am 25. Juni war er bereits tot, beerdigt am 2. Juli 24.
Man kann getrost den Begriff Held für Dmitri bezweifeln, aber richtig falsch ist die Aussage, dass Helden nicht sterben. Sie sterben ziemlich schnell und genau so schnell sind sie von der Öffentlichkeit vergessen.

Alexander Alexandrowitsch SchamachowAlexander Alexandrowitsch Schamachow kam aus dem Dorf Werchowaschje in der Region Wologda. Auch er ist im Krieg gegen die Ukraine gefallen - ganz sicher als Freiwilliger, obwohl in den vielen Todesnachrichten nichts davon angegeben ist. Die Verwaltung schrieb am 1. Juli:
"Er starb, während er einen Kampfeinsatz durchführte und im Kampf Mut und Heldentum bewies und seinem Eid treu blieb. Wir drücken der Familie und den Freunden von Alexander, der sein Leben für die Sicherheit und Zukunft unseres Landes gegeben hat, unser tiefes und aufrichtiges Beileid aus. Das ist ein irreparabler Verlust. Alle Bewohner des Bezirks Werchowaschski trauern mit Ihnen."
Wir hätte da noch eine Frage: Wie alt war denn Alexander Schachmanow, als er in den Krieg zog?

Valentin Michailowitsch GeikoEin russischer Berufssoldat, Valentin Michailowitsch Geiko - Rufzeichen Nebel, wurde am 19. Juni 24 beim Versuch getötet, einige Inseln im Dnjepr zu erobern. In russischen Telegram-Kanälen wurde über den jungen Offizier, geboren 1990, in den hellsten Tönen gejubelt.  Die verbreiteten Heldengeschichten wären auch für eine Neuauflage von Grimms Märchen zu unrealistisch, wir wollen hier nur die Jahre als Berufssoldat von Valentin wiedergeben.
Angefangen hatte Valentin Geiko im Jahr 2011 als Unteroffizier bei einer Spezialeinheit des russischen Geheimdienstes. Zwei Jahre später war er in Dagestan stationiert, um die dortigen Unruhen zu unterdrücken.
Von 2014 bis 2019 war er dann mit seinen Kollegen im Donbass als "Separatist" verkleidet aktiv, eine Tatasche, die Russland immer geleugnet hat.
Danach ging es nach Syrien, wo er mithalf, das System des Diktators Assad zu stützen. Und als Russland den Krieg gegen die Ukraine begann, war er auch vom ersten Tag an dabei.
In all dieser Zeit stieg Valentin in der militärischen Rangordnung nach oben. Obwohl er keine Offiziersausbildung durchlaufen hatte, bekam er im Frühjahr 2023 seinen ersten Offizierstitel als Unterleutnant. Kurz vor seinem Tod stieg er dann zum Leutnant auf, der Befehl dazu traf nicht rechtzeitig ein. So ging Valentin mit seinen Soldaten in den Tod, als Leutnant hätte er den Einsatz nicht selbst führen müssen.

Bei Bakhmut sind ungefähr 20.000 Söldner der Gruppe Wagner getötet worden. Faktisch bedeutet das, dass zum Beispiel beinahe alle Männer im wehrfähigen Alter der Stadt Worms (84.000 Einwohner) beim Kampf um Bakhmut gefallen wären.
Wir haben in unseren Listen etwa 6.000 Namen erfasst. Das liegt zum Teil daran, dass bei Todesnachrichten nicht angegeben war, dass es sich um einen getöteten Söldner gehandelt hatte. Trotzdem - die Dunkelziffer ist groß, besonders weil es sich häufig um Langzeit-Sträflinge handelte, mit denen auch die Familie gebrochen hatte.

Ein Film mit etwa 300 Söldnern wurde zum 9. Mai veröffentlicht, zum jährlichen Siegesfest über Nazi-Deutschland. Das Video dauert 36 Minuten, man muss sich das nicht ansehen. Da wir einige neue Namen auch aus diesem Film erfahren haben, dokumentieren wir ihn.

Alexander Alexandrowitsch AwerkinDie Stadt Udolija liegt in der Oblast Twer, etwa 300 km nordwestlich von Moskau. Wie so viele Städte in den Weiten Russlands leidet die Stadt an Schwindsucht - 2010 hatte sie noch 31.000 Einwohner, 2021 wurden nur noch 26.000 gezählt. Wichtigstes Unternehmen in der Nähe ist ein Kernkrafwerk mit 4.000 Megawatt Leistung.
Aus der Stadt kam Alexander Alexandrowitsch Awerkin, dort geboren am 27. Juni 1991. Im Jahr 2007 beendete er die Schule und danach war nichts? Zumindest berichtet keiner der vielen Nachrichten etwas über Ausbildung, Wehrdienst oder Beruf. Nur in zwei Dingen sind sich alle sicher. Am 3. Mai 24 schloss er freiwillig einen Vertrag mit dem russischen Militär, der bereits am 1. Juni 24 mit seinem Tod beendet wurde. Viel wird der Mann im Krieg nicht bewegt haben, eben das übliche Kanonenfutter. Die Stadtverwaltung fasste sich dann auch kurz: "Ewige Erinnerung an den Helden!"

20.000 Wagner-SöldnerAm 19. April 24 hatten wir über ein Wagner-Denkmal berichtet, das auf einem Gelände der Stadt Gorjatschi Kljutsch errichtet wurde. Dort war in früheren Jahren bereits eine Kapelle der Gruppe Wagner eingeweiht worden. Dessen formaler Inhaber Jewgeni Prigoschin und der militärische Leiter Dmitri Utkin wurden dort überlebensgroß abgebildet.
Wir müssen allerdings noch ein weiteres Denkmal auf jenem Gelände nachtragen, das bereits im Herbst 2023 entstanden ist. Auf drei Granitplatten sind die Erkennungsmarken aller Gruppe Wagner Söldner eingetragen, die im Krieg gegen die Ukraine getötet wurden. Über 20.000 Marken sollen es sein, wird berichtet.
Die Personen, die zu den Marken gehören, konnten in wenigen Fällen identifiziert werden. Wir werden diese in unsere Juli-Statistik aufnehmen.
20000 Wagner

Oleg Wladimirowitsch SchalfidskiIm Dezember 2023 unterzeichnete Oleg Wladimirowitsch Schalfidski  einen Vertrag mit dem russischen Militär, das genaue Datum ist unbekannt. Er kam aus dem einem kleinen Dorf Krasnaja Slobodka in der Region Orenburg und musste von dort in das 1.500 km entfernte Donezk reisen. Eine Einweisung und Kurzausbildung dürfte auch noch erfolgt sein, trotzdem wurde Oleg bereits am 26. Dezember 23 irgendwo an der Front getötet. Zurück dauerte es erheblich länger, erst Ende Juni wurde er in seiner Heimat bestattet.
Um die Sinnlosigkeit seines Todes zu kaschieren, fielen beim Begräbnis große Worte: "Oleg Wladimirowitsch wird als echter Held in die Geschichte eingehen. Für seinen Mut und seine Tapferkeit wurde ihm posthum der Orden des Mutes verliehen... Jeder Soldat, der für den Frieden, für das Glück seiner Familie und von uns allen, für Sicherheit und Freiheit gestorben ist, hinterlässt eine ewige Erinnerung an sich selbst und tiefe Trauer!"
Wenn Oleg wegen des Geldes in den Krieg gezogen ist, dann stimmt zumindest das "Glück seiner Familie". Denn diese kann sich über ein beträchliches Sümmchen freuen.

Alexej Panifilowitsch WassiljewDass ein guter Reporter oder Schreiberling nicht unbedingt mit überragender Intelligenz ausgestattet sein muss, zeigte das Beispiel von Alexej Panifilowitsch Wassiljew. Der Mann arbeitete 15 Jahre lang bei der "Iswestija" der Republik Udmurtien und wurde von der Chefredaktion als "Reporter von Gott" bezeichnet. Er wäre immer und überall der Erste gewesen.
Im Dezember 2023 kam Alexej Wassiljew in den Sinn, es mal mit dem Töten von Menschen zu versuchen. Als guter Reporter hatte er sich schon das Segeln, Drachenfliegen und den Umgang mit Waffen auf dem Schießstand beigebracht. Also warum nicht in den Krieg gegen die Ukraine ziehen? Wenn man alle ethischen Gründe beiseite schiebt, warum der Mann besser die Finger davon lassen sollte, dann wäre da noch sein Alter. Denn Alexej war 1961 geboren.
Wobei wir wieder beim ersten Satz dieser Nachricht wären. Aus Erfahrung wurde Alexej dann auch nicht klüger - bereits am 23. März 24 war er tot.

Tschetschek Ool Dembilowitsch MonguschDie kleine russische Teilrepublik Tuwa hat mit etwa 300 Tausend Einwohnern höhere Opferzahlen als die Hauptstadt Moskau mit 11,5 Millionen. Zum Ende des Monats Juni 2024 dürften es mindestend 610 Kriegstote sein, die wir gefunden haben. Damit erreicht Tuwa beinahe die Marke von 200 Toten auf 100 Tausend Einwohnern - mit Abstand die höchste Zahl in ganz Russland.
Nachstehend eine  Meldung vom 24. Juni:
Unser lieber, enger Mann, ein starker Unterstützer seiner Frau, ein liebevoller Vater seiner Söhne, ein wunderschöner jüngerer Bruder seiner Cousins, ein geliebter Bruder seiner Verwandten, ein Schwager, ein Schwager, ein Schwager, ein Schwager, ein geliebter Onkel seiner Tanten, ein Kollege von Tschetschek-Ool Dembilowitsch Mongusch (11.07.1976), Verwandte, Freunde und Verwandte verkünden den Tod des einfachen Soldaten des Landes, der am 15.06.2024 sein Leben für die Verteidigung des Landes gab.
Nachtrag: Die Überschrift ist mit Bedacht gewählt, denn durch das Sarggeld ist die Familie plötzlich reich.

Wjatscheslaw Witaljewitsch TretjakowKargopol ist eine der ältesten Städte im Norden Russlands mit aktuell 8.700 Einwohnern, Tendenz fallend. 1990 lebten noch etwa 13.000 Menschen in der Stadt. Sie liegt am linken Ufer des Flusses Onega und war in früheren Zeiten mal ein Handelszentrum.
Die Verwaltung des Bezirks strengt sich ganz besonders an, wenn sie den Tod seiner Bürger im Krieg gegen die Ukraine vermelden muss. Am 17. Juni 24 gab es den Tod von  Wjatscheslaw Witaljewitsch Tretjakow zu beklagen, einem Absolventen der örtlichen Oberschule:
Wjatscheslaw Witaljewitsch war ein guter Kampfgefährte, ein liebevoller Sohn, Bruder, Ehemann, Vater, Onkel und wahrer Freund. Er war ein großartiger Mensch, ein echter Mann.
Während seines Dienstes blieb er dem Militäreid treu, befolgte heilig die Verfassung der Russischen Föderation, erfüllte strikt die Anforderungen der Militärvorschriften und Befehle der Kommandeure und erfüllte seine Pflicht mit Würde.
Er war ein wahrer Patriot seines Landes! Unser Beileid gilt der Familie und den Freunden des Verstorbenen.

Dmitri Wadimowitsch KrasowskiDie veröffentlichten Lebensläufe der gefallenen russischen Soldaten enthalten häufig viele Merkwürdigkeiten, die offensichtlich sind, aber (wahrscheinlich absichtlich) nicht thematisiert werden.
Nehmen wir als Beispiel Dmitri Wadimowitsch Krasowski, geboren am 11.08.1987, der in Region Altai wohnte. Er absolvierte die 9. Klasse der Sekundarschule im Dorf Suslovo. "Danach besuchte er die Pawlowsker Landwirtschaftsschule, spezialisierte sich auf Rechtswissenschaften und schloss 2007 ab," heißt es in seinem Nachruf. Nun, mit 20 Jahren ist man kein Jurist, aber vielleicht Rechtsanwaltsgehilfe. Aber laut Nachruf arbeitete Dmitri danach in einem Stahlbetonwerk, bloß warum?
Im April 24 unterzeichnete er einen Militärvertrag und machte sich auf den langen Weg von Sibirien in den Donbass. Getötet wurde er bereits am 3. Juni 24. Auch diese kurze Verweildauer an der Front scheint niemand zu interessieren.

Andrei Igorewitsch FedorowDurch die Stadt Rschew fließt die Wolga und teilt sie in zwei Hälften. Die Stadt liegt in der Oblast Twer, der Stadtbezirk hat knapp 67 Tausend Einwohner.  Im Status einer VKontakte-Seite vom 14. Juni 24 erschien folgende Nachricht:
Der 32. offiziell in der Ukraine getötete Einwohner des Gemeindebezirks Rschew.
Heute, am 14. Juni, wurde die Leiche von Andrei Igorewitsch Fedorow, einem 1981 geborenen Einwohner der Stadt Rschew, der im Krieg in der Ukraine starb, nach Rschew überbracht.
Ort und Datum der Verabschiedung werden noch bekannt gegeben.

Innocent EttynkeuEs gibt noch etwa 15.000 Tschukschen in Russland, die zu den indigenen Völker gehören. Zur Zeit der Sowjetunion fand eine Russifizierung und Sowjetisierung der Tschuktschen statt, die keine Rücksicht auf ihre traditionelle Lebensweise und Kultur nahm. Um so schlimmer ist, dass gemessen an dem kleinen Volk, zur Zeit Männer aus dieser Region für den Krieg gegen die Ukraine angeworben werden.
Die Tschuktschen sind das Leben unter rauen Bedingungen gewohnt, deshalb werden sie bevorzugt eingesetzt.
Innocent Ettynkeu kam aus dem Dorf Alkatwaam in Tschukotscha (Foto). Auch dieses Dorf hat die Schwindsucht, 2010 lebten dort noch 299 Menschen, im Jahr 2023 zählte man nur noch 166. Innocent wurde am 30. Oktober 1966 in einem Dorf der Region Anadyr geboren, hat wahrscheinlich Tierpfleger/Tiermediziner gelernt und zog 2003 in das Dorf Alkatwaam. Er hätte dort bei verschiedenen Unternehmen gearbeitet, was übersetzt so etwas wie ohne feste Anstellung bedeutet.
So meldete sich auch Innocent im Oktober 2023 freiwillig. Er wurde bereits im Dezember 23 getötet. 
Der Leiter des Bezirks Anadyr Sergej Sawtschenko gab seinen Tod am 25. Juni 24 bekannt und fand auch die "richtigen" Worte: "Er gab sein Leben, um die Sicherheit seines Landes und seines Volkes zu gewährleisten. "

Im November 2018 überfiel eine Gruppe Männer den Leiter der staatlichen Immobilienagentur von Samara in seinem Wohnhaus. Seine Frau, ihre drei Kinder und ein zufällig anwesender Installateur wurden im Badezimmer eingesperrt, während dessen der Behördenleiter etwas gefoltert wurde. Die Angreifer schlugen ihn mit Metallstäben, verletzten ihn mit einem Messer und traten auf ihn ein.
Die Söldner handelten im Auftrag einer unbekannt gebliebenen Person. Es bestand der Verdacht, dass der Besitzer einer Brauerei so besonders günstig an ein Industriegelände kommen wollte.
Einer der Angreifer, Wassili Grak, wurde im August 2022 zu 14 Jahren Haft verurteilt.  Auch er ließ sich vom russischen Militär anwerben und kam frei. Am 3. Juni wurde er in der Ukraine getötet.

Alexej Anatoljewitsch PusakoAlexej Anatoljewitsch Pusako, 49 Jahre alt, freiwilliger Kriegsteilnehmer aus dem Dorf Monetny in der Region Swerdlowsk wurde am 24.05.24 getötet. Das Dorf heißt zudem übersetzt Münze oder Geld. Dazu passt dann auch die Erklärung des Gemeinderates zum Tod von Alexej:
Zu unserem großen Bedauern muss sich die Stadt von unserem Landsmann, Helden und Krieger verabschieden. Er hat seine Schulden gegenüber unserem Vaterland ehrenvoll und vollständig beglichen und ist am 24. Mai gestorben, als er die Aufgaben einer besonderen Militäroperation auf dem Gebiet der Stadt Makejewka in der Volksrepublik Donezk wahrnahm.

Ai Cherel Doorbekowitsch OorschakUnser gesegneter und geliebter Mann, der älteste Sohn seiner Eltern, der liebevolle Bruder seiner Schwester, der starke Rückhalt seiner geliebten Frau, der schöne Sohn, der geliebte Vater seiner Tochter, der geliebte Bruder vieler Onkel, Brüder und Schwestern, der vorbildliche Onkel seiner Brüder und Schwestern, Stolz, treuer Freund vieler Freunde, respektierter Schwiegersohn der Großeltern, fröhliche und fröhliche Enkelkinder.
Ai-Cherel Doorbekowitsch Oorschak, Unterleutnant, geboren am 11.02.1996, wurde mit zahlreichen Medaillen und Ehrenorden ausgezeichnet und verstarb am 18. Mai 2024 in jungen Jahren im Interesse des friedlichen Lebens der Menschen von unserem Land.
Ein Beitrag auf VKontakte im typischen tuwinischen Stil. Niemand hat das Leben der Tuwiner bedroht und trotzdem ist es das Volk mit der höchsten Todesrate im Krieg gegen die Ukraine bezogen auf die Bevölkerung. Die strukturarme Republik erlebt durch die Rubelmilliarden, die in das Land als  Sarggeld und Abfindungen bei Kriegsverletzungen fließen, einen tatsächlichen Aufschwung.

Eduard MischchoschewDie drittgrößte Stadt in der sibirischen Region Krasnojarsk ist Atschinsk. Die Stadt hat ziemlich genau 100.000 Einwohner und liegt an der Transsibirischen Eisenbahn. Als große Industrieunternehmen beherbergt die Stadt ein Aluminium- und ein Zementwerk. Und dazu gibt es auch noch eine große Ölraffinerie. Man kann sich leicht vorstellen, dass dieses Trio für einige Umweltsünden in der Region verantwortlich ist.
Zum Glück hatte die Stadt in Eduard Mischchoschew einen engagierten Umweltschützer, der den öffentlichen Rat der Stadt Atschinsk für Ökologie leitete und auch darüber hinaus als aktiver Umweltschützer in der Region aktiv war.
Warum der nächste Ökologie einen Gefallen darin fand, sein Nachbarland anzugreifen und zu zerstören, ist schwer zu begreifen. Eduard meldete sich im Sommer 2022 freiwillig zum Krieg gegen die Ukraine und hatte den Rang eines Oberleutnants. "Sie werden sterben und wir werden ins Paradies gehen," hatte er auf seinen Kampfanzug genäht. Im Juni 24 ist dann Eduard auch nur gestorben, besser gesagt, er wurde getötet. Sein Auto wurde von einer Drone angegriffen. Begraben wurde er in seiner "kleinen Heimat", in seiner Geburtsstadt Baksan in Kabardino-Balkarien.
Siehe auch Eduard Jurowitsch BatotsyrenowMichail Alexejewitsch Mitrochow und Maxim Perewezentsew.

Dmitri Sergejewitsch LewinDie Kleinstadt Iwdel liegt über 500 km nördlich der Hauptstadt Jekaterinburg in der Taiga-Landschaft des Nordurals. Von dort kam Dmitri Sergejewitsch Lewin, geboren am 9. Mai 1980. Nach der Schule erfüllte er sich seinen Berufswunsch und wurde Baggerführer. In diesem Beruf arbeitete er dann auch die ganzen Jahre, heiratete und bekam zwei Töchter. Im Februar 24 wurde Dmitri sogar Großvater, eine seiner Töchter gebar einen Sohn.
Was Dmitri bewogen hat, in den Krieg zu ziehen, wissen wir nicht. Er hätte angeblich sein Vaterland verteidigen wollen, schrieb die lokale Nachrichtenseite von Iwdel. Fakt ist, sein Vaterland wurde nicht angegriffen und wahrscheinlich lockte auch Dmitri nur das viele Geld, das er als Baggerführer niemals hätte verdienen können.
Die Entscheidung stellte sich schnell als falsch heraus. Ab 21. März 24 versuchte sich Dmitri im Kriegshandwerk, am 21. Mai 24 war er bereits tot.
Seine Mutter erinnert sich an ihren Sohn, der als Kind freundlich, mitfühlend, fröhlich, bescheiden gewesen wäre. Der immer anderen zu Hilfe gekommen wäre, den Wald liebte, um dort Pilze und Beeren zu sammeln.

Dmitri Georgiewitsch BelychEin halbes Jahr lang hat Dmitri Georgiewitsch Belych die Schrecken des Krieges durchlebt. Der junge Mann, geboren am 7. Oktober 1998, kam aus einem Dorf in der Region Perm. Dmitri hatte sich am 9. Mai 2023 freiwillig für ein halbes Jahr zum Kriegsdienst gemeldet. Er wurde verletzt, kam aber heil nach Hause und hätte sich auf ein friedliches Leben freuen können.
Nicht so Dmitri - im Februar 2024 unterzeichnete er erneut einen Vertrag mit dem Militär.
"Auf den Ruf des Vaterlandes hin trat er zu dessen Verteidigung an, auf das Diktat seines Herzens hin verschonte er sein Leben nicht für jeden seiner Landsleute, für jeden von uns," schrieb ein Landsmann. Übersetzt heißt das, auf Grund seiner Kampferfahrung wurde Dmitri sofort an die Front kommandiert. Am 29. März 2024 bestätigte sich bereits die Überschrift dieses kleinen Beitrags.

Go to top