15.09.2026 -- 233.026// Zuwachs zum 31.08.2026: 2.885
Das viele Geld, das man als Freiwilliger an der Front verdienen kann, lockt auch viele junge Männer an, wie wir in unseren Statistiken erkennen können.
Auch Kirill Alexejewitsch Trufanow ist so ein Fall. Kirill, geboren am 3. November 2005, kam aus einem Dorf in der Region Transbaikalien. In der Hauptstadt Tschita absolvierte er ab dem Jahr 2022 eine Ausbildung zum Meister für "Ausbau-, Bau- und Dekorationsarbeiten".
Im Mai 2024 brach er die Schule ab und schloss einen Vertrag mit dem russischen Militär. Das verdiente Geld kann er nicht mehr ausgeben, am 23. Oktober wurde er im Krieg getötet.
"Statt nach Halt zu suchen, fällst du ins Leere," so lautete das Motto von Kirill Wladimirowitsch Barejew, geboren am 24. Februar 2004. Kirill kam aus dem großen Dorf Jenotajewka im Süden Russlands in der Region Astrachan. Nach der Schule schloss Kirill eine Ausbildung zum Automechaniker ab und zog in die Hauptstadt Astrachan.
Dort ist Kirill -sprichwörtlich - ins Leere gefallen, denn er hat am 15. September 2024 einen Vertrag mit dem russischen Militär abgeschlossen, um am Krieg in der Ukraine teilzunehmen. Er hätte als Scharfschütze in einer Angriffseinheit fungiert, doch zum scharf Schießen hatte er nicht viel Zeit. Bereits am 15. Oktober 24 wurde Kirill Barejew getötet.
Am 11. November wurde Kirill in seinem Heimatdorf bestattet. Und zum Nachruf schickte die Bezirksverwaltung noch eine Lüge hinterher: "Er war ein einfacher Soldat, der unser Land mutig und ehrenvoll verteidigte."
Das Dorf Samburg liegt nördlich des Polarkreises und ist eine der abgelegensten Siedlungen im Autonomen Kreis der Jamal-Nenzen. Etwa 2.000 Bewohner leben im Dorf, die Mehrzahl sind Nenzen.
Am 10. November 2024 fand eine Trauerfeier für Wladimir Alexandrowitsch Segoi in der Dorfkirche statt. Wladimir, geboren am 19.03.2005, leistete seinen Wehrdienst und wurde wie so viele andere, zur Grenzsicherung in die Region Kursk abgestellt. Als im August ukrainische Truppen die Region besetzten, wurde auch Wladimir vertragswidrig ins Gefecht geworfen und bereits am 7. August 24 getötet.
Nach der Trauerfeier flog der Priester mit dem Hubschrauber zurück in die 230 km entfernte Stadt Tarko-Sale, dem Verwaltungszentrum des Bezirks.
Die Stadt Kirow liegt etwa 800 km nordöstlich von Moskau, sie ist die Hauptstadt der gleichnamigen Oblast. Ungefähr 475 Tausend Menschen leben in der industriell geprägten Stadt. Eine lokale Initiative hat die Namen aller Kriegstoten der Stadt Kirow auf VKontakte öffentlich gemacht und die Leser gebeten, weitere bisher unbekannte Namen zu nennen. Knapp 200 Namen sind so zusammengekommen.
Die Reaktionen in den Kommentaren sind meist betroffene Durchhalteparolen, kritische Stimmen sind ob der Repression kaum möglich. Aber diese Zusammenstellung zeigt auch, dass die russische Bevölkerung die ernormen Opferzahlen im Krieg gegen die Ukraine kennt und hinnimmt.
Wir verzichten auf eine Dokumentation jener Zusammenstellung und Diskussion, den Beitrag auf VKontakte findet man unter diesem Link. Man kann sich den Text via der Übersetzungsfunktion der Browser in deutscher Sprache darstellen lassen.
Am 8. Novemver 24 wurde im baschkirischen Dorf Werchnejarkejewo der Wehrpflichtige Timur Rischatowitsch Muchametow begraben. Timur wurde am 11. August 2002 dort geboren, hatte nach seiner Schulzeit eine Ausbildung an der Staatlichen Erdöluniversität Ufa abgeschlossen und wurde am 27. November 2023 zum Wehrdienst eingezogen.
Zunächst war er an der Militärakademie für Logistik in Pensa bei den Bodentruppen stationiert, aber seine Einheit wurde danach zu den Grenzschützern in die Region Kursk abkommandiert. Im August kam der Krieg auch in die Region Kursk und die russischen Wehrpflichtigen wurden ins Gefecht geworfen - entgegen all den zuvor beteuerten Versprechen der Staatsführung. Timur wurde am 7. August 24 in der Umgebung der Kleinstadt Sudscha getötet.
Video einer Dorbewohnerin:
In Russland gibt es zahlreiche Internetseiten, auf denen die Lebensläufe von im Krieg gegen die Ukraine gefallenen Soldaten dokumentiert werden. Meist sind es regionale Seiten, die von Bibliotheken oder Kulturinstitutionen betrieben werden und meist als Basis für patriotische Veranstaltungen für Kinder und Jugendliche Verwendung finden.
Ein etwas größeres Projekt war die Webseite "Für den Sieg!", auf der immerhin knapp 6.000 Lebensläufe gefallener Soldaten veröffentlicht wurden. Es scheint allerdings, dass in Russland die Einsicht zunimmt, dass der "Sieg" noch eine ganze Weile weg ist - wenn überhaupt. Und bis dahin werden solche großen Sammelprojekte von Staats wegen als Risiko eingeschätzt.
So schreiben die Macher auch aktuell: "Liebe Besucher der Website Für den Sieg! Mit großem Bedauern teilen wir Ihnen mit, dass die Veröffentlichungen ab dem 2. November aufgrund von Umständen, die außerhalb des Einflussbereichs der Autoren liegen, eingestellt wurden.
Vielen Dank für Ihre ständige Aufmerksamkeit und Unterstützung des Projekts!"
Alexander Nikolajewitsch Tjumin, geboren am 7. Mai.1976, kam aus der Großstadt Noginsk in der Oblast Moskau. Alexander war im Jahr 2023 als russischer Soldat verletzt in ukrainische Gefangenschaft geraten. Von einem Verhör gibt es ein Video mit dem Mann. Über acht Monate blieb er dann in ukrainischer Gefangenschaft, bis er im Zuge eines Gefangenenaustausches wieder zurück nach Russland kam.
Aber frei war Alexander danach nicht. Er kam zunächst in ein Filterlager, wo überpüft wurde, ob man in der Ukraine nicht einen Spion oder anderweitig unzuverlässigen Bürger aus ihm gemacht hatte. Und auch danach gab es keine Gnade: Alexander musste zurück an die Front, wurde der Angriffsabteilung der 114. Brigade zugeteilt. Am 10. Juni 2024 gab es den letzten Kontakt zu seinen Angehörigen, im Oktober wurde schließlich sein Tod gemeldet.
Mit dem "Mutorden" wurde posthum Viktor Neumin aus dem Süd-Ural ausgezeichnet, er starb im März dieses Jahres.
Beamte riefen die Mutter und den Bruder des Verstorbenen zu der Zeremonie, aber die Lieben sind überhaupt nicht glücklich über dieses Eisen. Tränen sind die einzige Reaktion auf solche „Auszeichnungen“. Sie braucht keine Orden, sondern einen lebenden Sohn an ihrer Seite.
Eine Mutter kann sich nie mit dem Verlust des Wertvollsten abfinden - ihres Kindes. Und die Behörden haben buchstäblich Zehntausende solcher trauernden Mütter „geschaffen“.
Der Krieg ist ein großes Leid für alle, und er muss sofort beendet werden.
Nachricht des Telegram-Kanals "Tscheljabinsk der Zukunft" vom 4.11.24
Andrej Wiktorowitsch Tschesak, geboren am 26.01.1967, mehrfach verurteilt wegen Raubes und räuberischer Erpressung. Er wurde auf dem Friedhof Chochrjakowskoje in der „Allee des Ruhmes“ beigesetzt. Auf dem Kreuz steht das Sterbedatum 20.05.2024. Dies ist derselbe Andrej Tschesak, über den 2013 alle udmurtischen Massenmedien schrieben.
Im Jahr 2013 wurde er wegen Erpressung zu 3,6 Jahren Kolonie verurteilt. Zu diesem Zeitpunkt war er 46 Jahre alt.
Im Oktober 2012 soff er und zwei Komplizen in der Wohnung seines späteren Opfers.Nachdem er erfahren hatte, dass das Opfer ein Grundstück besaß, verlangte Tschesak, dass das Opfer Schutzgeld in Höhe von 50.000 Rubel zu zahlen hätte. Das Opfer weigerte sich, wurde geschlagen, mit einer Wäscheleine gefesselt und auf den Balkon gebracht. Vom Balkon aus begann er um Hilfe zu rufen. Er wurde in die Wohnung zurück gezerrt, erneut geschlagen und mit einem heißen Bügeleisen die Brust verbrannt, danach flüchteten die Täter.
2019 wurde Tschesak erneut verurteilt - das Zentrale Bezirksgericht von Tula verurteilte ihn wegen Raubes zu 2,4 Jahren in einer Kolonie. Die letzten zwei Monate dieser Strafe verbrachte er im IK-8 in Ischewsk.
Nach seiner Entlassung wurde er unter Verwaltungsaufsicht gestellt: 8 Jahre lang musste er sich zweimal im Monat bei der Polizei melden. Dies tat er unregelmäßig, weshalb er dreimal verurteilt wurde. Vielleicht wurde Tschesak dort dazu überredet, in seinem Alter in den Krieg zu ziehen. Er starb im Alter von 57 Jahren.
Marat Janybekowitsch Kurmambajew wurde am 23. November 1988 im kleinen Dorf Jubileiny in der Region Orenburg geboren. Nach der Schule machte er eine Ausbildung zum Fahrzeugmechaniker und arbeitete nach der Armee als Fahrer, Traktorfahrer und Maschienenbediener im örtlichen Landwirtschaftsbetrieb. Mit 24 Jahren heiratete er.
Nach dem Zusammenbruch der Staatsfarm gab es im Dorf keine Arbeit mehr und Marat begann, in andere Regionen des Landes zu reisen, um dort zu arbeiten. Um seine kleine Familie zu ernähren, er hatte eine Tochter und einen Sohn, nahm er jede Arbeit an.
Seiner Familie verschwieg er zunächst, dass er am 22. Juni 2024 einen Vertrag mit dem Militär zum Kriegsdienst abgeschlossen hatte. Bereits am 5. Juli war Marat an der Front im Einsatz und bekam das Rufzeichen "Kasache". Am 8. August 24 war der Krieg für Marat beendet. (Link)
Die Tschetschenen spielen im Krieg gegen die Ukraine eine merkwürdige Rolle. In der Öffentlichkeit trommeln sie zwar lautstark für den Krieg Putins, haben martialische Videos ins Netz gestellt, aber an der Front halten sich die tschetschenischen Einheit zurück. Sie agieren meist als Sperreinheiten, die verhindern, dass die russischen Angreifer zurückweichen. Und wenn sie dann überraschend an die Front geraten, weichen sie schnell zurück. "Wir wollen unser Leute nicht für Russland opfern", soll einer ihrer Kommandeure geäußert haben, als im August 24 ukrainische Einheiten Teile der Region Kursk besetzten.
Folgerichtig sind die Meldungen über tschetschenische Kriegstote rar. Der tschetschenische Machthaber Kadyrow möchte zudem seiner geschundenen Bevölkerung keine großen Opferzahlen zumuten. Man kann also mutmaßen, dass unsere veröffentlichten Zahlen zu Tschetschenien zu niedrig sind.
Wir haben heute einen kurzen Film über eine Ordensverleihung für im Krieg getöteten Tschetschenen aus der städtischen Siedlung Naurskaja (ca 10.000 Bewohner) veröffentlicht.
Wir konnten auf Grund dieses Videos sechs neue Namen nachtragen.
Nein - Nikita ist nicht der jüngste tote russische Soldat, über den wir hier berichten müssen, aber er steht an zweiter Stelle. Nikita Sergejewitsch Kostrikow, geboren am 27. Mai 2006, kam aus dem Dorf Werch-Sujetka mit etwa 2.000 Bewohnern in der Region Altai. Nikita wurde nach seinem 18. Geburtstag zum Wehrdienst einberufen und wäre Anfang Juni 2025 wieder heil zuhause gewesen.
Aber Nikita wurde ein "cooler" Job in der Computerabteilung einer Aufklärungseinheit versprochen, vielleicht durfte er auch Drohnen fliegen, dazu gab es eine ordentliche Prämie für die Unterschrift und danach ein gutes Gehalt. Da konnte Nikita nicht nein sagen.
Jetzt ist er tot, getötet am 17. September 2024 bei "der Erfüllung seiner Aufgaben", wie es im Nachruf heist. Und er hätte ein "kurzes, aber helles Leben gelebt".
Der Russlanddeutsche Daniel Engel, geboren am 20.08.1999, hat am 8. Juni 2022 auf einer VKontake-Seite zur Jobsuche folgenden Text inseriert:
"Daniel Engel, wir reinigen Baustellen jeglicher Komplexität! Während der Arbeiten und nach deren Abschluss sind wir für die Sauberkeit der Baustelle verantwortlich, Sie sind für die Kalkulation und Rückmeldung verantwortlich! 150 Rubel m² (rufen Sie 89527923237 oder 89005689342 an)."
Sein Bruder Sergej veröffentlichte am 1. November 2024 folgenden Text: "Bruder, schlaf gut! Und mögest du in Frieden ruhen. Ich vermisse dich sehr, du bist immer in meinem Herzen."
Andrej Andrejewitsch, 19 Jahre
Wir sind zutiefst betrübt, Ihnen mitteilen zu müssen, dass am 08.11.2024 unser geliebter Sohn, Enkel, Bruder, Neffe, zuverlässiger Freund und Kamerad zahlreicher Freunde und Kollegen, Andrej Andrejewitsch Antonow (geb. 19.03.2005), während der Erfüllung seiner dienstlichen Pflichten, während eines speziellen Militäreinsatzes, durch Mut und Heldentum verstorben ist.
Andrej war der gütigste, ehrlichste und gerechteste, tapferste und mutigste Mensch, eine Stütze für seine Verwandten, ein vorbildlicher Bruder, ein zuverlässiger und aufgeschlossener Freund. Es ist ein unersetzlicher Verlust für unsere Familie und zahlreiche Verwandte, ein schwerer Verlust für Klassenkameraden, Freunde und Kollegen.
Meldung aus Tuwa vom 11.11.24
Irina aus Ischewsk, der Hauptstadt von Udmurtien, suchte am 7. Oktober öffentlich nach ihrem Sohn. "Ich suche meinen Sohn Igor Sergejewitsch Agafonow, Rufzeichen ist mir unbekannt. Er hat am 16. August 2024 das zentrale Militärregistrierungs- und Einberufungsamt der Stadt Ischewsk verlassen, sich am 17. August 2024 bei mir gemeldet und es mir erzählt. Ab Rostow gab es keine Neuigkeiten mehr von ihm."
Irina wollte eigentlich ihren Sohn von dieser Entscheidung abhalten und ihn nicht gehen lassen - er ist trotzdem gegangen.
Wie zu erwarten war - die Suche ging nicht gut aus. Igor war bereits am 21. September tot. Am 30. Oktober 24 wurde Igor in Ischewsk begraben.
Alexander Igorewitsch Bajangujew kam aus der Kleinstadt Birjussinsk, die knapp 700 km westlich der Hauptstadt Irutsk liegt. Immerhin - der Ort hat einen Bahnhof an der Transsibirischen Eisenbahn. Alexander wurde am 18.08.2003 geboren und wuchs in einer sozialen Einrichtung auf. Seinen Eltern wurde das Sorgerecht entzogen.
Der Lebensweg solch entwurzelter jungen Leute führt häufig direkt zum russischen Militär. Alexander meldete sich im Juni 2024 freiwillig zum Kriegsdienst und gehörte wohl zu den Soldaten, die mit Motocross-Motorrädern aus dem Versandhaus an der Front agieren. Alexanders Aufgabe war es Nachschub an die Front zu bringen und Verwundete dort abzuholen. Bei einem Sturz brach er sich zwei Zehen, nach einem Tag im Krankenhaus musste er zurück zum Kriegseinsatz. Am 10. Oktober 2024 war sein junges Leben beendet. (Link)
Roman Olegowitsch Zaitschkin, 20 Jahre alt, kam aus dem Bezirk Sorokinsky mit weniger als 10.00 Bewohnern in der westsibirischen Region Tjumen. Er unterschrieb im Juli 2024 einen Vertrag mit dem russischen Militär, bereits am 15. August war er tot. Am 25. Oktober wurde er in seiner Heimat beigesetzt.
Die Bezirksverwaltung fabulierte im Nachruf: "Mit Ehre und Würde, mit Standhaftigkeit und Mut versuchte er unter Einsatz seines Lebens, Frieden und Ruhe in unserem Land zu bewahren."
Solche Sätze mögen dem autoritären russischen System geschuldet sein, doch unverständlich ist, dass in den zahlreichen Nachrufen und Komentaren zu Romans Tod, niemand die einfache Frage gestellt hat: Was ist das für ein Militär, das einen 20-jährigen Jungen ohne Erfahrung mit Krieg innerhalb weniger Tage/Wochen in den Tod geschickt hat?
Juri Wiktorowitsch Teptsow, 42 Jahre, kam aus dem Kurort Gorjatschi Kljutsch in der Region Krasnodar. Und richtig - im Stadtgebiet lag auch mal das militärische Trainingsgelände der Gruppe Wagner. Doch damit hatte Juri nichts zu tun. Er war ganz einfach in den Krieg gegen die Ukraine gezogen und hat ihn nicht überlebt.
Doch niemanden interessierte das, so hat seine Tante auf VKontakte am 25. Oktober 24 angekündigt, dass Juri am kommenden Tag beigesetzt würde. "Er war ein freundlicher Mann, auch wenn nicht alles im Leben gut lief," schrieb die Tante.
Eine schnelle Suche brachte wenig Erhellendes über Juri, aber es gab ein Urteil des Stadtgerichts von Gorjatschi Kljutsch. Danach war Juri am 26. Februar 2021 ganz ohne Corona-Schutzmaske in ein Lebensmittelgeschäft am Ort zum Einkaufen gegangen. Das Gericht verhängte eine Strafe vom 1.000 Rubel.
Offensichtlich scheint Juri aber kein prinzipielles Problem mit Masken gehabt zu haben, denn an der Front ließ er sich gerne mit Maske ablichten.
Unser geliebter Mann, der geliebte Sohn seiner Eltern, der geliebte Bruder seiner Schwestern, der ältere Bruder seiner Schwestern, der ältere Onkel seiner Tanten, der enge Freund vieler Verwandter, Freund von Freunden und Klassenkameraden, Aidasch Andreewitsch Hertek, wurde am 04.03.1999 geboren.
Er unterschrieb mutig seinen Militärvertrag, um sein Land zu verteidigen.
Wir sind zutiefst betrübt, seinen Verwandten und Freunden mitteilen zu müssen, dass er verstorben ist, während er furchtlos und heldenhaft seine militärischen Pflichten in einer speziellen Militäroperation erfüllte.
Aidasch ist einer von etwa 60 Tuwiner, die im Oktober 24 in ihrer Heimat begraben wurden.
Sergej Gennadjewitsch Tscherwow, geboren am 23.06.1978, wurde am 26. Oktober 24 im Bezirk Cholmogory in der Region Archangelsk beigesetzt.
Sergej hatte sich am 9. September 23 freiwillig zum Kriegsdienst in der russischen Armee gemeldet. Statt der üblichen Sprechblasen - Verteidiger des Vaterlandes, Kampf gegen Nazis, Ruf seines Herzens - nennt die Bezirksverwaltung den wirklichen Grund für Sergejs Entscheidung:
Sergej war arbeitslos, verdiente kein eigenes Geld und kümmerte sich stattdessen um den Haushalt, während seine Frau arbeitete. Aus dieser finanziellen Not heraus zog Sergej in den Krieg. Sein Tod brachte seiner Familie dann einen Geldregen - zwischen fünf und sieben Millionen Rubel.
Die Familie Zinkow kommst aus Donezk in der Region Rostow und ihre Geschichte ist eng mit Russlands Krieg gegen die Ukraine verbunden.
Andrej Zinkow, 19 Jahre alt, war Panzerfahrer in der russischen Armee. Anfang Oktober 2022 wurde sein Fahrzeug von einer ukrainischen Panzerabwehrgranate getroffen, sein Panzer brannte völlig aus, Andrej hatte keine Überlebenschance (Unsere Liste, Pos. 128).
Vater Juri Zinkow, 45 Jahre, suchte Rache und meldete sich daraufhin freiwillig an die Front. Ende Oktober 2023 wurde der Mann schwer verletzt, kam in ein Krankenhaus bei Rostow und danach in eine Einrichtung in St. Petersburg. Am 18. Januar 2024 starb er an seinen Verletzungen (Unsere Auflistung, Pos. 875).
Der älteste Sohn Alexander Zinkow, geboren am 19.07.2002, hat aus all diesen Erfahrungen seiner Familie nichts gelernt. Er meldete sich ebenfalls freiwillig zum Kriegsdienst, heiratete zunächst und zog im August 2024 an die Front. Am 19. Oktober 2024 beendete eine Gewehrkugel sein Leben (Link).
Alexej Gennadjewitsch Bojtsow war so ein entbehrlicher Soldat, nur als Kanonenfutter geeignet. Er wurde am 14. September 1981 geboren und kam aus dem Dorf Kusnezkowo in der Region Twer, das 2010 noch 143 Einwohner hatte. Die Hauptschule hat er nicht geschafft, dafür den Wehrdienst und danach gab es nichts mehr über ihn zu berichten, er hatte auch keine Familie.
Dafür unterzeichnet Alexej im September 2023 einen Vertrag mit dem Militär und wurde bereits am 30. November 2023 getötet. Bei solch unwichtigen Menschen dauert dann auch die Heimreise - am 29. Oktober 24 wurde er bestattet. Das Begräbnis fand im Nachbardorf Sloboda statt, das im Jahr 2010 noch genau 0 Bewohner aufwies.
Leider konnten wir das Alter von Ratibor Wladimirowitsch Jaungat nicht in Erfahrung bringen. Ratibor stammte aus der Umgebung von Salechard, der Hauptstadt des Autonomen Kreises der Jamal-Nenzen. Im Jahr 2024 hatte er sich beim russischen Militär verpflichtet und war Drohnenpilot in der Armee.
Man kann annehmen, dass auch Ratibor ein geschickter Zocker beim Spiel mit dem Computer war und so war der Umgang mit Drohnen für ihn nur logisch. Doch am Computer mag sein Motto in seinem Status bei VKontakte Gültigkeit haben - Leben, Sterben und das Ganze noch einmal.
Im Krieg dagegen gibt es kein weiteres Mal - Ratibor wurde am 22.10.24 in Salechard begraben.
Alexej Truchatschow, ein 46-jähriger Einwohner des Dorfes Zarechje, ist im Krieg in der Ukraine gefallen, berichtet der "Pitschewski Vestnik". Der Mann unterzeichnete am 25. April 2024 freiwillig einen Vertrag.
"Oft sagte er, dass er in den Kampf gegen die Nazis ziehen würde. Er hatte einen hartnäckigen, entschlossenen Charakter. Es war nicht leicht, ihn jedes Mal davon abzubringen“, sagte seine Frau Nadeschda.
Truchatschow starb am 9. Juni in der Region Luhansk während eines Beschusses. Die Militäreinheit, in der er diente, erklärte, dass „eine Evakuierung des Leichnams nicht möglich ist“.
Eine Telegram-Meldung aus Tambow vom 21.10.24. Zur Erläuterung - Alexej gehörte zu den Sturmtruppen, die mit hohen Verlusten gegen die ukrainischen Stellungen anrennen. Die Toten bleiben dann auf dem Feld liegen, denn diese Verluste jener entbehrlichen Soldaten zählen bei der russischen Armee sehr wenig.
Auch die scheinbar unerschöpflichen Reserven an schwerem Gerät werden manchmal knapp in der russischen Armee. Deshalb rüstet das Militär seine Angriffseinheiten neuerdings mit billigen Motocross-Rädern aus chinesischen Versandhauskatalogen aus (Alibaba - AliExpress). Eine neue Form der Kavallerie wurde so geschaffen.
Die Todesrate unter solch ungeschützt fahrenden Soldaten ist entsprechend groß. Ein aktuelles Beispiel:
Ein Mann aus Transbaikalien ist bei der SWO (speziellen Militäroperation) ums Leben gekommen. Er hat eine Frau und einen einjährigen Sohn zu Hause.
Wladislaw Fomin war 29 Jahre alt, er wurde in Tschara geboren. Der Mann besuchte die erste Schule und arbeitete dann im zentralen Bezirkskrankenhaus und bei den „Wohnungs- und Versorgungsbetrieben von Tschara“. Wladislaw starb am 6. September.

Oleg Anatoljewitsch Ganzurow, geboren am 9. Mai 1991, stammte aus dem kleinen Dorf Bolschoi Lug (Große Wiese) in Burjatien. Nach seinem Wehrdienst blieb er bei der Armee und stieg auf bis zum Leutnant mit einer stolzen Sammlung Orden. Seine kriegerische Laufbahn wurde am 22.07.2026 beendet. Natascha schreibt dazu in einem Kommentar:
Alles schön und gut, alles klar, Medaillen, alles wie es sein soll …, aber der Verdienst gebührt gerade den Jungs, die er wissentlich in den sicheren Tod geschickt hat – solche Kommandeure darf es nicht geben! Die Jungs, die er dorthin geschickt hat, können bis heute nicht evakuiert werden, und das dauert, nur mal kurz, ein halbes Jahr und länger …, und hier wurden sie so schnell evakuiert, dass er noch nicht einmal Zeit hatte, „verdorben“ zu werden, während die Angehörigen der einfachen, gewöhnlichen Soldaten warten müssen – vielleicht wird ja etwas von eurem Bruder, Ehemann oder Sohn zurückgebracht! Früher oder später kommt alles wie ein Bumerang zurück – möge er im Jenseits für die zahlreichen Leben Rechenschaft ablegen!
Durch die ersten Erkältungskrankheiten sind wir im Moment etwas in Schwierigkeiten. Trotzdem habe ich heute den Monatsabschluss Juli 2026 freigeschaltet, obwohl er nur oberflächlich Korrektur gelesen wurde. Sollten noch Fehler im Fließtext sein, werden diese im Laufe des morgigen Tages korrigiert - versprochen. Die Tabellen & veröffentlichten Zahlen dagegen wurden überprüft.
CK, 25.08.2026
Die Opferlisten der russischen Regionen haben wir in den letzten Tagen bis Ende Juli 2026 aktualisiert. Eine Zusammenfassung des Monats Juli ist in den kommende Tagen zu erwarten.
Folgende Regionallisten wurden neu angelegt:
OM, 24.08.26
Im kalten Winter 2022 in Ischewsk, der Hauptstadt der russischen Teilrepublik Udmurtien, sang eine Gruppe Friedensdemonstranten das Lied „Möge es immer Sonenschein geben“. Wir haben darüber berichtet. Das Lied, aus der Perspektive eines kleinen Jungen, ist ein Apell an uns Menschen, den Frieden zu sichern. Das Lied gehört(e) zur sowjetischen Jugendkultur und wurde auch von den jungen Pionieren in der DDR gerne gesungen. Hier eine Version von Pete Seeger.
Der russische Refrain lautet etwa so:
Möge es immer Sonnenschein geben,
möge es immer blauen Himmel geben,
möge es immer Mama geben,
möge es immer mich geben!
In Anbetracht dieses Jahrhundertsommers können wir feststellen: Den ewigen Sonnenschein und den immer blauen Himmel haben wir. Den Frieden dagegen noch nicht.
OM, 11.08.26
Wir haben unsere Liste mit den deutschen Namen der Kriegstoten bis zum Juni 2026 aktualisiert. Insgesamt sind es jetzt 1.855 Namen.
Bitte beachtet - all diese Kriegstoten müssen nicht unbedingt einen russlanddeutschen Hintergrund haben. Sicher gibt es darunter auch einige Russen, die nur noch den Namen führen, aber mit russlanddeutscher Kultur nichts zu tun haben. Es ist durchaus auch möglich, dass sich darunter auch jüdische Namen befinden, die aus dem deutschen Sprachraum nach Osten gewandert sind.
Typisches Beispiel dafür ist der Nachname „Katzenelnbogen“, den wir einigemale in Russland angetroffen haben. Katzenelenbogen ist eine Kleinstadt am Rande des Taunus, den Namen hat eine jüdische Dynastie angenommen, die dort im Mittelalter gegründet wurde.
Und natürlich - es ist auch möglich, dass wir uns bei einigen der Namen getäuscht haben und diese eine andere Herkunft haben.
CK, 07.08.26
Die Opferlisten der russischen Regionen haben wir in den letzten Tagen bis Ende Juni 2026 aktualisiert. Eine Zusammenfassung des Monats Juni ist in den kommende Tagen zu erwarten.
Folgende Regionallisten wurden neu angelegt:
OM, 02.08.26
Da wir jeden Tag mehrere Kurzzeitsoldaten unter den russischen Kriegstoten finden, haben wir etwas umgestellt. Diese Personalien sind aus unserer Rubrik „Personalien & Kurznachrichten“ verschwunden, wir haben dafür eine neue Rubrik „Ohne viele Worte“ erstellt. Dort findet man nur den Namen des Kurzzeitsoldaten und das Datum der Veröffentlichung. Mit einem Klick auf den Namen erhält man das übliche Profil dieses Menschen.
Zunächst haben wir unsere letzte Veröffentlichung der 12 Kurzzeitsoldaten dort eingestellt, der Beitrag ist deshalb von der Titelseite verschwunden. In den nächsten Tagen werden wir täglich mehrere neue Kurzzeitsoldaten veröffentlichen, die bisher auf Halde liegen.
Auf Anfrage einiger Leser haben wir unserer Tabelle mit den vermutlich russlanddeutschen Kriegstoten noch eine Liste der regionalen Verteilung hinzugefügt.
Wie zu erwarten kommen die meisten dieser Kriegstoten aus Sibirien: Region Altai, Omsk und Nowosibirsk.
Das Übersetzen der russischen Namen ins Deutsche ist ein Kapitel für sich. Wir machen das mit dem Übersetzungsprogramm von DeepL. Allerdings ist das Ergebnis so, dass man alle Namenübersetzungen überprüfen muss. Spätestens nach einigen Namen fällt das Programm wieder ins Englische zurück und die Ergebnisse sind nur schwer lesbar. Manchmal vergisst das Programm auch Endungen oder wirft Zeichen mit fremden, nicht deutschen Akzentzeichen aus.
Beim Durchgehen der übersetzten Namen markieren wir die deutschen mit einem Sonderzeichen, damit wir diese in eine extra Tabelle überführen können. Was macht DeepL zuletzt? Haben wir solch einen Namen markiert und verbessern in der Folge weitere Namen, dann markiert KI diese auch mit jenem Sonderzeichen. So rutschen auch russische Namen automatisch in unsere Tabelle der Russlanddeutschen.
Folglich - alles muss erneut korrigiert werden.
Es ist alles zusammen gekommen, die Hitze der letzten Tage, die unsere Arbeitsmoral untergraben hat, durch die hessischen Ferien bedingte dünne Besetzung und schließlich ist unsere EDV-Erfassung auch noch abgestürzt. So dauerte unsere Zusammenfassung des Monats Mai länger als geplant. Wir bitten um Entschuldigung.
Die Todeslisten aller russischen Regionen sind jetzt bis zum Monat Mai 2026 aktuell. Die übliche Zusammenfassung werden wir bis zum 16.07.26 vorlegen.
Folgende Regionallisten wurden neu angelegt:
Wir hatten etwas Probleme mit unserer internen IT, deshalb haben wir uns mit dem Monat April 2026 weiter verspätet und konnten auch keine aktuellen Themen einschieben. Die Zusammenfassung werden wir am morgigen Donnerstag vorlegen.
Alle russischen Regionen wurden bereits mit den Daten des Monats April 2026 aktualisiert.
Folgende Listen wurden neu angelegt:
Wir haben alle russischen Regionen mit den Daten des Monats März 2026 aktualisiert.
Folgende Listen wurden neu angelegt:
Die ausführliche Zusammenfassung zum Monat März 2026 und die erfassten Daten zum April 2026 werden wir bis spätestens 12. Mai vorlegen können.
CK, 11.05.2026
Wir sind gerade im Stress und bereiten den Abschluss des Monats März 2026 vor. So haben wir versehentlich einen unfertigen Beitrag online gestellt: „Für Glaube und Vaterland in Nowomoskowsk“. Wir bitten um Entschuldigung.
Wir haben den Beitrag wieder versteckt, er wird erst in den nächsten Tagen - dann hoffentlich komplett - veröffentlicht.
OM 07.05.2026
Am Abend des 5. Mai 2026 war unsere Domain „oskarmaria.de“ nicht zu erreichen. Nach hektischen Versuchen, das Problem auf unserem Webserver zu suchen, mussten wir feststellen, dass wir nichts unternehmen können. Die Namensauflösung für de-Domains war bei Denic gestört. Über unsere zweite Domain https://www.gibtsnet.eu sind wir weiterhin & ungestört zu erreichen.
Zum Beitrag über die beiden in Russland inhaftierten Frauen Natalia Leonhardt und Daria Jegerewa wollen wir noch einige Anmerkungen nachreichen.
Nach der Verhaftung der beiden Frauen wurde zunächst nur der Name von Daria Jegerewa bekannt. Die Familie von Frau Leonhardt wollte, dass ihr Name nicht genannt werden solle. Sie versprachen sich so bessere Chancen vor Gericht. Das ist nicht eingetreten.
Aber dazu passt: Wir hatten beim Unterstützerkomitee angefragt, ob wir ein Foto benutzen können, das beide Frauen zeigt. Am folgenden Tag haben wir die Erlaubnis bekommen, die dann wenig später zurückgezogen wurde. Die Verantwortliche hatte unsere Webseite besucht und meinte danach, dass eine Fotoveröffentlichung in unserem Kontext den beiden Frauen eher schaden würde. Wir wollen das nicht weiter kommentieren.
Russische Freiwillige, die in den ersten drei Monaten nach Vertragsunterzeichnung an der Front getötet wurden, stellen wir unter der Überschrift „Ohne viele Worte“ vor. Da es zu viele waren, haben wir zunächst maximal einen Gefallenen pro Tag veröffentlicht. Aktuell ist die Situation so, dass es in vielen Regionen inzwischen untersagt ist, die genauen Daten anzugeben, wann der Vertrag unterschrieben und wann der Freiwillige getötet wurde. Neue Freiwillige sollen durch solch eine Wahrheit nicht abgeschreckt werden, meinen die russischen Behörden.
Wir haben uns deshalb entschieden, wieder alle Kurzzeitsoldaten zu veröffentlichen, die wir registrieren. Das sind meist Männer aus Burjatien, da in dieser Region - teilweise - noch immer ausführliche Nachrufe publiziert werden. Burjatien steht stellvertretend für alle russischen Regionen, wie unser aktuelles Beispiel aus Transbaikalien zeigt. Im Bezirk Krasnotschikoisky haben wir unter 128 Gefallenen insgesamt 36 Kurzzeitsoldaten gefunden.
Eine aktuelle Liste der Antrittsprämien aller rusischen Regionen, die der russische Staat für Zeitsoldaten bezahlt, haben wir hier veröffentlicht.
Wir haben alle russischen Regionen mit den Daten des Monats Februar 2026 aktualisiert.
Folgende Listen wurden neu angelegt:
Die ausführliche Zusammenfassung zum Februar 2026 und die erfassten Daten zum März 2026 werden wir bis spätestens 10. April vorlegen können.
OM, 09.04.2026
Vielleicht ist euch aufgefallen, dass wir sehr häufig Personen aus Burjatien vorstellen. In unserer Rubrik der Kurzzeitsoldaten (Ohne viele Worte) sind überwiegend Gefallene aus Burjatien vertreten. Das hat einfache Gründe - in Burjatien werden gewohnheitsmäßig ausführliche Nachrufe auf die im Krieg getöteten Landeskinder veröffentlicht. So erfahren wir viele Details. Das kommt in anderen Regionen eher selten vor, häufig werden auch mißliebige Daten gezielt verheimlicht. So zum Beispiel dass die getöteten Soldaten aus der Haft an die Front entlassen wurden, dass sie nur eine kurze Überlebensdauer hatten, usw. In einigen Regionen wie Baschkortostan sind inzwischen solche detaillierten Nachrichten verboten, häufig wird sogar das Alter verschwiegen.
So muss Burjatien als Beispiel herhalten, wenn es um Kurzzeitsoldaten, jugendliche Dummköpfe und Häftlinge geht. Es wird in allen anderen Regionen nicht viel anders sein.
Wir haben alle russischen Regionen mit den Daten des Monats Januar 2025 aktualisiert.
Es wurden neun neue Listen angelegt:
Die ausführliche Zusammenfassung zum Januar 2026 und die erfassten Daten zum Februar 2026 werden wir bis spätestens 13. März vorlegen können.
OM, 12.03.26
Der Trend bei den Nachrufen hält an - konkrete Daten werden nicht mehr angegeben. So will es die russische Regierung. Damit kann man nicht mehr abschätzen, wie lange der Zeitvertrag mit dem Militär dauerte oder besser, wie schnell der Soldat nach Vertragsunterzeichnung getötet wurde. Auch wird die Feststellung verhindert, wie lange der getötete Soldat irgendwo an der Front liegen blieb.
Normalerweise haben wir max. einen Kurzzeitsoldaten pro Tag in unserer Rubrik „Ohne viele Worte“ veröffentlicht. Das haben wir heute ausnahmsweiße verändert und alle Kurzzeitsoldaten gelistet, die uns im Zeitraum vom 19. bis 20. Januar 26 aufgefallen sind. Als Beleg dafür, dass auch weiterhin viele russischen Freiwilligen nur kurze Zeit an der Front überleben, auch wenn diese Tatsache unterdrückt werden soll.
CK, 23.02.26

Nachdem die Aufmerksamkeit zu unseren Veröffentlichungen wächst, eine kurze Information zu OskarMaria.
Unter diesem Pseudonym war der Initiator im Internet seit über 25 Jahren recht unregelmäßig präsent. Ab dem Jahr 2014 hat er hier über die Situation in den von Russland besetzten Gebieten des Donbass geschrieben. Als einer der ersten Journalisten überhaupt informierte er über die damals neu gegründete Gruppe Wagner.
Beruflich war er seit den 80-iger Jahren Geschäftsführer von diversen Medienunternehmen im Printbereich. Jetzt im Ruhestand, Kinder erwachsen, bleibt etwas mehr Zeit, die gesammelten Erfahrungen zusammen mit wenigen Mitstreitern für dieses Projekt zu nutzen.
Nachtrag: OskarMaria– das ist eine kleine Verbeugung vor dem beinahe vergessenen Schriftsteller Oskar Maria Graf. In Zeiten der Bücherverbrennungen wurden seine Werke von den Nazis verschont, ja sogar teilweise empfohlen. „Verbrennt mich!“ schrieb er 1933 in der Wiener Arbeiterzeitung, „nach meinem ganzen Leben und nach meinem ganzen Schreiben habe ich das Recht, zu verlangen, dass meine Bücher der reinen Flamme des Scheiterhaufens überantwortet werden und nicht in die blutigen Hände und die verdorbenen Hirne der braunen Mordbanden gelangen!“ Schließlich floh er in die USA – dort lebte er in bescheidenen Verhältnissen. Deutschland wollte den unbequemen Mann nach dem Krieg nicht wieder haben. Er starb 1967 in New York.
Literaturempfehlung: Wir sind Gefangene - Autobiograhie 1927.
Doppelt
Wladimir: 25. Artem Kozhenkov // Nischni Nowgorod: 35 Artem Kozhenkov
Wolgograd: 01 Juri Agarkov // Pskow: 41 Juri Agarkow
Kutelev Stanislav, dreifach, Kostroma, Rjasan und Orenburg. Nur Orenburg
Nikolai Symov, Rjasan & Tschuwaschien - nur Tschuwaschien
Mamontov Mikhail - Krasnodar Teil 1 & Teil 2
Ivan Alekseevich Chulkov, Kostroma, Pos. 51/56
Elimov Alexey Michailowitsch , Kostroma & Tschuwaschien
Falsch einsortiert
Ruslan Khamitov, Tscheljabinsk, kein Söldner der Gruppe Wagner
Die Rekrutierung von Zeitsoldaten für den russischen Angriffskrieg ist straff organisiert. Jede Region hat eine bestimmte Quote an neuen Freiwilligen zustellen, die von der Zentralregierung festgelegt wird. Die Regionalregierungen wiederum geben diese Quoten weiter und schreiben den Bezirken und Städten vor, wie viele Freiwillige diese akquirieren müssen. Die Höhe der ausgelobten Antrittsprämie richtet sich danach, wie schwierig es für die Regionalregierungen ist, neue Zeitsoldaten zu gewinnen.
Der russische Exilpolitiker Andrej Piwowarow berichtet nun, dass ihm 61 Gerichtsurteile vorliegen, in denen Regionalbeamte bestraft wurden, weil sie die gesetzten Quoten nicht erfüllen konnten. Eines der Beispiele handelt vom stellvertretenden Verwaltungsleiter der Großstadt Newinnomyssk in der Region Stawropol. Die Stadt konnte nur 80% der Quote an Freiwilligen erfüllen, der Beamte erhielt deshalb Ende des Jahres 2025 vom zuständigen Friedensrichter eine Geldstrafe von 30.000 Rubel (etwa 300 €).
Wir haben die Liste der russischen Regionen mit den Prämien für den Abschluss von -unbefristeten- Zeitverträgen mit dem Militär aktualisiert.
Seit unserer letzten Veröffentlichung Ende Juli haben einige Regionen ihre Antrittsprämien angepasst. Wenn eine Region Probleme hatte, ihre von Moskau vorgegeben Quoten zu erreichen, wurden die Zahlungen erhöht. Im Fall dass eine Region ausreichend Zeitsoldaten stellen kann, wurden die Zahlungen reduziert. Wir haben die Veränderungen in der Liste mit einem Sternchen (*) markiert.
In der Summe sind die bezahlten Prämien weiter angestiegen. Im Juli zahlten die Regionen im Durchschnitt 2.167.000 Rubel als Prämie, Anfang September 2026 erhöhte sich der Durchschnittsbetrag auf 2.339.000 Rubel.
Neu dabei sind Sonderzahlungen, die manche Regionen für Drohnenpiloten ausloben. Die Regionen Inguschetien, Kaliningrad, Pskow und die Stadt Sewastopol auf der Krim weisen diese Extrazahlungen aus. Eine besondere Pointe setzt die Region Komi - die Zeitsoldaten erhalten extra 100.000 Rubel bei Rückkehr, wohl wissend, dass nicht viele lebend von der Front nach Hause kommen werden.
Die russischen Behörden versuchen auf allen Ebenen zu verhindern, dass Informationen über Kriegstote das Land verlassen. Seit Beginn des russischen Krieges verschicken russische Bürger aus den verschiedensten Regionen Fotos und Videoaufnahmen über neue Kriegsgräber. Und zwar nicht an Geheimdienste, sondern zu den Telegram-Kanälen, die solche Informationen sammeln. Solch offene Info-Kanäle werden natürlich auch von den Geheimdiensten aller Länder gerne besucht, auch wenn diese mit Agententätigkeit nichts zu tun haben.
Nachstehend eine Presseerklärung des Regionalgerichts Jaroslawl vom 08.09.26:
Neuigkeiten vom 8. September 2026
Ein Einwohner von Jaroslawl, der Informationen über tote Soldaten weitergegeben hatte, wurde wegen Hochverrats verurteilt.
Das Regionalgericht Jaroslawl verurteilte heute einen 48-jährigen Einwohner wegen Hochverrats (Artikel 275 des Strafgesetzbuches der Russischen Föderation).
Das Gericht stellte fest, dass der Angeklagte Nikolai Schtscherbakow ab Oktober 2024 regelmäßig den Gedenkfriedhof aufsuchte und dort heimlich die Gräber von Militärangehörigen fotografierte und filmte. Der in Jaroslawl lebende Mann übermittelte die gesammelten Informationen anschließend per Instant Messenger an Vertreter der ukrainischen Geheimdienste.
Kriminelle Aktivitäten wurden von Beamten der FSB-Direktion für die Region Jaroslawl identifiziert und gestoppt.
Mit Urteil des Gerichts wurde Shcherbakov N. des Hochverrats (Artikel 275 des Strafgesetzbuches der Russischen Föderation) für schuldig befunden und zu einer Freiheitsstrafe von 14 Jahren in einer Strafkolonie mit strengem Regime verurteilt, gefolgt von einer Freiheitsbeschränkung von 1 Jahr und 6 Monaten.
Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.
Im Herbst 2022 hat die russische Armee 300.000 Reservisten für den Krieg in der Ukraine eingezogen. Diese mobilisierten Soldaten sind jetzt viereinhalb Jahre im Dienst in einem Krieg, bei dem kein Ende in Sicht ist.
Bei vielen Meldungen über im Krieg gefallenen Soldaten können wir nicht erfahren, ob der Kriegstote ein freiwilliger Zeitsoldat, ein Mobilisierter oder ein Berufssoldat war. Trotzdem finden wir jeden Tag Meldungen, die den Status des Gefallenen nennen. Und da sind einige mobilisierte Reservisten darunter.
Deshalb stellt sich die Frage, wie viele der mobilisierten Männer noch im Kriegsgebiet vorhanden sind? Janis Kluge, von der Stiftung Wissenschaft & Politik, hat dazu eine Antwort geliefert. Anhand der Zahlungen im Bundeshaushalt für die mobilisierten Soldaten, konnte er ihre Anzahl berechnen. Von den knapp 300.000 mobilisierten Männern waren im Juli 2024 noch 246.303 vorhanden, im Juli 2025 waren noch 168.594 verblieben. Neuere Zahlen gibt es noch nicht. Setzt sich der Schwund fort, so dürften aktuell nur noch etwa 100.000 Mobilisierte im Dienst sein.
Diese Mobilisierten wurden im letzten Jahr häufig unter Druck gesetzt, in einen Zeitvertrag zu wechseln (siehe hier). Der weit größere Teil wurde getötet oder ist kriegsuntauglich, also physisch oder psychisch schwer verletzt.
„Dies ist eine sehr ernste und verantwortungsvolle Angelegenheit. Wir unternehmen gemeinsam mit Ihnen und den Bürgermeistern der Gemeinden auf allen Ebenen größte Anstrengungen, diese Aufgabe mit Würde zu bewältigen“, sprach der Gouverneur von Irkutsk, Igor Kobzew (Foto links), zu den Parlamentariern der Regionalversammlung. Er meinte damit die Erfüllung der Quote an Freiwilligen für den Kriegsdienst, die der Region Irkutsk von Moskau auferlegt wurde. Auf seinen Antrag hin wurden die Prämien von 2,1 Millionen Rubel auf 1,8 Millionen reduziert. Verurteilte und Angeklagte erhalten eine Million Rubel und neu eingeführt wurde die Zahlung von 900.000 Rubel für Ausländer und Statenlose.
Der eingebrachte Gesetzesentwurf wurde überarbeitet und in zweiter Lesung angenommen. Die Behörden gehen wohl davon aus, dass sie ihre Vorgaben hauptsächlich durch die Strafverfolgungs- und Ausländerbehörden abdecken können. Das spart Geld.
In der russischen Teilrepublik Inguschetien im Kaukasus überbringt der Ministerpräsident die Beileidsbekundigungen für die im Krieg gegen die Ukraine getöteten Inguschen persönlich. Mitte August hatte er vier Familien aufzusuchen.
Laut Wladimir Slasteinin, dem Ministerpräsidenten, nehmen insgesamt mehr als zweitausend Einwohner Inguschetiens an den Kampfhandlungen bei der russischen Armee teil. Wir haben bisher 290 Kriegstote registriert, die tatsächliche Zahl dürfte deutlich höher liegen.
Der Telegram-Kanal „Fortanga“ schreibt zu den Kriegsversehrten:
Mehrere hundert Menschen erlitten schwere Verletzungen. Allein im Jahr 2025 wurden in Inguschetien 464 Teilnehmer an den Kampfhandlungen behandelt. Die genaue Zahl der Verletzten und derjenigen, die im Laufe der Kampfhandlungen eine Behinderung erlitten, wird nicht genannt. Die Verwundeten erhalten nicht immer die ihnen zustehenden Prothesen und sind gezwungen, sich bei verschiedenen Behörden zu beschweren.
Eine Gruppe Lehrer hatten die Möglichkeit zu einer Audienz bei Wladimir Putin. Ein Mann berichtet von einem Ausflug zum Nordpol und auf Rückfrage berichtet er, zwei Eisbären gesehen zu haben. Das findet Wladimir interessant und erzählt, dass Orcas Eisbären in Stücke reißen und vertilgen würden (dafür konnte der Verfasser keine Belege finden). So wäre das Leben, meint Wladimir, der Stärkere frisst den Schwächeren, die Nahrungskette eben. Das sollen die Lehrer ruhig ihren Schülern beibringen. Und deshalb würde Russland ja auch die „Spezielle Militäroperation“ durchführen.
Jabloko ist die einzige Partei in Russland, die sich gegen den Angriffskrieg gegen die Ukraine ausspricht. Sie wurde durch Beschluss eines Moskauer Gerichts, von den kommenden Parlamentswahlen ausgeschlossen. Geklagt hatte die linksnationalistische Partei „Rodina“, die sich selbst nationalkonservativ nennt. Soviel zur allgemeinen Verwirrung.
In ihrer Klage warf Rodina der Partei Jabloko Uhrheberrechtsverletzungen vor. So hätte Jabloko ohne Genehmigung Zeilen aus dem Antikriegslied „Es soll immer Sonnenschein geben“ und die Zeile „Wenn es doch nur keinen Krieg gäbe“ aus Alexander Wolodins Theaterstück „Fünf Abende“ verwendet, sowie Umfragedaten des Lewada-Zentrums zitiert. Es gibt in der Klage weitere Vorwürfe ähnlicher Qualität.
Bliebe zum Schluss noch zu erwähnen: Der Sohn des Komponisten des Liedes „Es soll immer Sonnenschein geben“ hatte der Partei ganz offiziell die Erlaubnis zur Nutzung gegeben.
In den ersten sechs Monaten dieses Jahres hat Russland 43,5 Tonnen Gold verkauft. Aber es hat noch reichlich Reserven, Anfang Juli sollen sich noch 2.282 Tonnen Gold in den staatlichen Tresoren befunden haben. Trotzdem bedeutet dieser Verkauf den größten Rückgang der Goldreserven in den letzten 25 Jahre.
Der Goldverkauf dient in erster Linie der Deckung des russischen Haushaltsdefizits, der Staat muss immer höhere Ausgaben für den Krieg gegen die Ukraine finanzieren. Allerdings dürfte jenes verkaufte Gold meist im Land geblieben sein. In unsicheren Zeiten heben die Russen gerne ihre Rücklagen vom Konto ab und kaufen dafür Gold.
Die Kleinstadt Bad Ems liegt an der unteren Lahn und nur wenige Kilometer von der Stadt Koblenz entfernt. Bad Ems hatte seine Glanzzeit im 19. Jahrhundert. Es war die Kurstadt und Sommerresidenz von bedeutendem Adel und angesagten Künstlern. So führte zum Beispiel die Emser Depesche zum Französisch-Deutschen Krieg 1870/71.
Auch der russische Zar Alexander der II. verbrachte den Sommer gerne in Bad Ems. Dort unterzeichnete er am 30. Mai 1876 den „Emser Erlass“. Damit verbot er die Einfuhr und Veröffentlichung von Schriften in ukrainischer und belarussischer Sprache im Russischen Kaiserreich und stellte Zuwiderhandlungen unter Strafe. Eine kaiserliche Kommission hatte festgestellt, dass die Verwendung der ukrainischen Sprache staatsgefährdend wäre.
Dieses russische Überheblichkeitsdenken gegenüber den „Kleinrussen (Ukrainer)“ wirkt bis heute nach. Auf ihm basiert auch der propagandistische Überbau, mit dem der „Putinismus“ den russischen Angriffskrieg begründet.
Foto: Silin2005 -- Lizenz: Gemeinfrei -- Die Plakette wurde nach dem russischen Angriffskrieg 2022 von Unbekannten entfernt.
Wir hatten bereits über die Aussage der russischen Militätbloggerin Agnes Becker berichtet, die in ihrem Telegramkanal eine angeblich unabhängige Studie zitiert hatte. Danach würde die durchschnittliche Überlebensdauer eines Soldaten bei einem Angriff an den vordersten Positionen nur 20 - 35 Minuten betragen. Am letzten Mittwoch bestätigte der CIA-Direktor John Ratcliff diese Aussage:
„Unsere Erkenntnisse decken sich mit einigen Berichten aus offenen Quellen, die Sie möglicherweise im Zusammenhang mit der Ukraine gesehen haben: Die durchschnittliche Lebenserwartung eines russischen Rekruten, der derzeit auf dem Schlachtfeld in der Ukraine eintrifft, wird auf 20 bis 30 Minuten geschätzt.“
Durch den Einsatz von Drohnen mit KI-Unterstützung steigen jedoch die Verlustzahlen auch weit hinter der Front. Im folgenden Video sieht man solch eine Drohne, die zielgerichtet einen russischen Militärlaster ausschaltet. Vermutlich handelt es sich um die in Deutschland hergestellt HX-2 der Rüstungsfirma Helsing.
Die Kleinstadt Tschulym liegt etwa 130 km westlich der Hauptstadt Nowosibirsk. In der Stadt und im dazugehörigen Bezirk leben rund 20.000 Menschen - Tendenz rückläufig. Die Gegend ist landwirtschaftlich geprägt, etwa ein Drittel aller Erwerbstätigen arbeiten in diesem Bereich.
Ein Denkmal erinnert an die Toten aus den sowjetischen und russischen Kriegen. Im Krieg in Afghanistan sind zwei Soldaten aus dem Bezirk getötet worden, in den Tschetschenienkriegen wurden acht Männer getötet und im aktuellen Krieg gegen die Ukraine wurden bisher 113 Namen eingraviert.
Setzt man jene 113 Kriegtoten ins Verhältnis zur Bevölkerung, so würde jene Region an zweiter Stelle aller russischen Regionen in unserer entsprechenden Tabelle stehen.
Peter Frankopan ist Professor für Weltgeschichte an der Universität Oxford. In einem Essey über Wladimir Putin zitiert er den exilrussischen Telegram-Kanal „Astra“. Astra selbst zitiert in einem Beitrag eine/n Z-Blogger/in „Agna Becker“ der/die den Telegram-Kanal „Haus unter Lorbeeren“ betreibt. Agna Becker wiederum zitiert „unabhängige Studien von 'N' “ und damit kommen wir zur eigentlichen Nachricht.
Nach dieser Studie würde die durchschnittliche Überlebensdauer eines Soldaten bei einem Angriff an den vordersten Positionen nur 20 - 35 Minuten betragen. Laut der selben Studie betrage die „durchschnittliche Lebenserwartung“ eines Soldaten von der Zeit seiner Ankunft auf dem Übungsplatz bis zu seiner Abreise in den Kampfgebiet von zehn Tagen bis zu drei Wochen.
Ganz unrealistisch sind diese Aussagen nicht, wie unsere vielen Beispiele über Kurzzeitsoldaten zeigen. Wir haben Agna Becker angeschrieben und um einen Link auf die Originalveröffentlichung gebeten. Eine Antwort ist nicht zu erwarten.
„Ich freue mich auf meinen Tod“ ist der Titel einer bekannten Kantate von Johann Sebastian Bach. Die ist dem Autor spontan zum unten veröffentlichten - KI-generierten - Video eingefallen. In diesem werden 46 russische Soldaten vorgestellt, die alle aus der Großstadt Artjom oder deren näheren Umgebung in der Region Primorje stammen. Zur Erinnerung - die Region Primorje liegt im Fernen Osten Russlands. Die Soldaten im Video werfen ihre Waffen weg, lachen dabei und schreiten ins Nirwana.
Wieviel sinnvoller wäre es gewesen, wenn all diese Soldaten sich diesem verbrecherischen Krieg verweigert und gemeinsam ihre Waffen niedergelegt hätten? Sie wären zumindest lebend nach Hause gekommen. So dürfte auch diese KI-generierte Schmonzette keine Hilfe und Trost für ihre Angehörigen darstellen.
Im ersten Quartal 2026 floss beinahe jeder zweite Rubel aus dem russischen Staatshaushalt in das Militär. Das berichtet ein Mitarbeiter der deutschen Stiftung Wissenschaft und Politik in seinem aktuellen Rundschreiben. Ganz genau betragen die militärischen Ausgaben inzwischen 46% des gesamten russischen Haushalts.
Am 01.08.1914 ist Deutschland in den Ersten Weltkrieg eingetreten, am 11. November 1918 unterzeichnete eine deutsche Delegation den Waffenstillstand. Berechnet man die Zeitspanne des Krieges, so kommt man auf 1.564 Tage Krieg.
Am 24.02.2022 begann die zweite russische Invasion der Ukraine. Bis zum heutigen Tag gerechnet sind das inzwischen 1.570 Tage Krieg, der Konflikt dauert also inzwischen länger als der Erste Weltkrieg - trotz zwischen 300.000 und 500.000 russischen und vermutlich 100.000 ukrainischen Kriegstoten, all den Kriegsversehrten und unermesslicher Zerstörung der Lebensgrundlage der Menschen in der Region. Und noch immer ist kein Ende in Sicht.
Und zur Erinnerung: Die erste russischen Invasion in der Ukraine fand bereits im Jahr 2014 statt, als Russland die Krim gewaltsam annektierte und russische Geheimdiensttruppen in den Donbass einsickerten.
Das Dorf Uinskoje liegt in der russischen Region Perm mit etwa 4.000 Bewohnern. Vermutlich wurde in diesem Dorf ein Versuchsballon gestartet. In einer Information auf der VKonatkte-Seite der „Verwaltung des Stadtbezirks Uinsky“ wurde eine Anzeige der Verwaltung veröffentlicht. Danach werden Frauen in der Region Perm für den Kriegseinsatz rekrutiert. Die Behörden versprechen ein Gehalt von 210.000 Rubel pro Monat und einen Bonus von 1,5 Millionen Rubel für die Unterzeichnung eines Vertrags mit dem russischen Verteidigungsministerium. Der Vertrag soll eine Laufzeit von einem Jahr beinhalten. (Allerdings können solche Verträge laut einem Erlass des Präsidenten so lange verlängert werden, solange die Mobilisierung nicht aufgehoben ist.)
Laut dem Informationstext können nur Frauen zwischen 18 und 35 Jahren einen Vertrag als Drohnenpilotin unterzeichnen, Frauen unter 45 Jahren dürfen sich für Positionen als Fahrerin für humanitäre Hilfstransporte bewerben.
Die Informationsseite wurde inzwischen gelöscht. Allerdings ist es uns gelungen, noch einen Screenshot der betreffenden Anzeige zu sichern (Original, deutsche Übersetzung.).
Die russische Zensur verbietet die genaue Berichterstattung über die vielen ukrainischen Drohnenangriffe auf Erdölraffinerien und Militärstützpunkte im ganzen Land. Die örtlichen Medien berichten deshalb nur sehr zögerlich über die Resultate und zitieren lieber staatliche Erfolgsmeldungen, dass wieder eine Vielzahl von Drohnen abgeschossen wurden.
In den Kommentaren zu den Berichten der großen lokalen Medien ließen die Bürger ihrer Wut freien Lauf und verspotteten Behörden und Regierung. Wir haben mehrfach solche Kommentare veröffentlicht.
In den letzten Tagen gab es erneut Drohnenangriffe auf die Region Krasnodar und St. Petersburg. Wieder wurde im Raum Krasnodar eine Erdöl verarbeitende Anlage in Brand gesetzt und bei St. Petersburg wurde ein Munitionslager angegriffen. Es kam zu Explosionen, die Bevölkerung in der Nähe wurde evakuiert.
Leserkommentare zu den Berichten von Fontanka in St. Petersburg sind jetzt nicht mehr möglich, die Funktion wurde deaktiviert.
Die russische Staatsbank hat eine neue Tabelle über ihre Währungsreserven bis einschließlich 1. Mai veröffentlicht. Danach verkauft die Zentralbank seit Jahresanfang monatlich eine beträchtliche Menge an Gold - insgesamt knapp 28 Tonnen.
Russland dürfte durch den Verkauf etwa 3,7 Milliarden Euro eingenommen haben. Das russische Staatsvermögen wird aber nur zu einem geringen Teil, wenn überhaupt, bei den Bürgern ankommen. Der Staat benötigt die Einnahmen, um seinen Krieg gegen die Ukraine zu finanzieren.
„Udmurtien gegen Koruption“ ist ein Telegram-Kanal, über den wir auch Meldungen über russische Kriegstote aus der russischen Teilrepublik Udmurtien beziehen. Der Gründer des Kanals, Iwan Elisejew, hatte bis zum Jahr 2021 das regionale Büro Alexej Nawalnys geleitet. Ende 2021 verließ auch Elisejew Russland, um einer Verhaftung zu entgehen.
„Udmurtien gegen Koruption“ wurde inzwischen in das russische Register der „ausländischen Agenten“ aufgenommen. Iwan Elisejew wurde aktuell vom russischen Innenministerium zur Fahndung ausgeschrieben.
Am 13. und 14. Mai startete Russland den größten Drohnenangriff auf Kiew und die gesamte Ukraine. Moskau setzte 1.567 Drohnen und 56 weitere Raketen ein. Allein in Kiew wurden 24 Menschen getötet.
Zwei Tage später griffen ukrainische Drohnen zum ersten Mal in großem Umfang die Region Moskau an. Ziele waren eine Erdölraffinerie und Betriebe mit militärischer Produktion. Mindestens drei Menschen wurden getötet.
Zum Bericht des Moskauer Internetportals MSK1 über die Schäden, gab es auch einige interessante Kommentare:
Das WZIOM ist ein staatliches Meinungsforschungsinstitut in Russland, das größte seiner Art im Land. Es veröffentlicht regelmäßig Untersuchungen über die Beliebtheitswerte des Präsidenten, der russischen Regierung und der Stimmung im Land. Im April 26 berichtete das Institut, dass die Zustimmungswerte zur Amtsführung des Präsidenten auf 65,6% gefallen wäre. Dem Ministerpräsidenten und seine Regierung bescheinigte das Institut Zustimmungswerte von 44,3%, bzw. 39,7%. Für eine deutsche Regierung wären das beruhigende Werte, im autoritären Staat Russland geht so etwas nicht.
Im Mai 2026 änderte WZIOM dann die Methodik - und siehe da, die Werte für Putin wurden besser. Zitat:
Laut den Ergebnissen einer gemeinsamen Umfrage unter Russen lag die Zustimmungsrate für die Leistung des Präsidenten im Zeitraum vom 4. Mai bis 10. Mai 2026 bei 66,8 %. Die positive Bewertung der Arbeit des Premierministers und der russischen Regierung in der vergangenen Woche betrug 42,2 % bzw. 38,9 %.
Damit kann Präsident Putin ganz gut leben und alle aktuellen politischen Probleme an seine Regierung adressieren.
Damit alles passt, hat WZIOM diesmal seine Methodik verändert. Statt einer reinen Telefonbefragung der Bürger, ist man jetzt zusätzlich von Haustüre zu Haustüre gegangen und hat die Menschen direkt angesprochen.
Frage an unsere Leser: Würden Sie in einem autoritären Staat eine ehrliche Antwort geben, wenn ein Unbekannter vor ihrer Tür steht und Sie nach Ihrer Meinung zum Präsidenten befragt? Auch wenn der Frager versichern würde, alles bliebe anonym?