31.08.2026 -- 230.141// Zuwachs zum 31.07.2026: 6.580
Wir wollen auf eine Fotoserie aus einem recht abgelegenen baschkirischen Dorf hinweisen, die die Beisetzung des 54-jährigen Eduard Schakmaew zeigt, der im Krieg gegen die Ukraine getötet wurde. Über den Mann wissen wir so gut wie nichts, aber die Fotos dokumentieren sehr gut die Lebensumstände dieser einfachen Menschen aus den Weiten Russlands.
Es wäre sehr kalt über das Jahr, wird über das Dorf Leboter (ca. 600 Einwohner) in der Region Tomsk berichtet - ein Klima wie in den Regionen des hohen Nordens. Aber immerhin wäre das Dorf vergast, was bedeutet, es ist an das Gasnetz angeschlossen. Darauf warten viele Dörfer in ganz Russland schon lange.
Jewgeni Michailowitsch Kriwenko kam aus Leboter, der nicht zu seinem eigenen Vorteil in den Krieg gezogen wäre. "Er lebte nicht sehr reich, sein Haus zerfiel. Er wollte seiner Mutter im Alter helfen. Vor einem Monat hat er ihr ein Haus gekauft, aber leider ist er bei einem weiteren Kampfeinsatz gestorben," heißt es im Nachruf. Jewgeni wurde Ende August getötet.
Wirklich edel war das wahrlich nicht. Er zog in den Krieg, um in einem fremden Land anderen Menschen deren Häuser zu zerbomben und sie zu töten - nur um seiner Mutter zu helfen?
Die Republik Tuwa ist die russische Region mit grassierender Armut und der mit Abstand höchsten Anzahl an Kriegstoten, gemessen an der Bevölkerung. Und auch im September wird dieser Abstand noch größer werden. Denis Daiyntschjewitsch Duptschaa wurde am 11. Juli 2024 beim ukrainischen Dorf Torez getötet. Am 15. September wurde sein Tod gemeldet:
Liebe Leute!
Unser geliebter Mann, der einzige Sohn seiner Eltern, der Bruder seiner Schwestern, der Bruder seines Bruders, der Bruder seiner Frau, der geliebte Vater seines Sohnes und seiner Tochter, die Hoffnung seiner Verwandten, der vertrauenswürdige Freund seiner Familie , der stolze Sohn seines Landes Denis Daiyntschjewitsch Duptschaa (Spitzname Tschadan), geboren am 04.06.1985.
Am 11. Juli 2024, während des Kampfes um das Vaterland, das Heimatland, die Zukunft des Volkes, die Freiheit des Dorfs Torezk, ist er heldenhaft verstorben, das müssen wir leider mitteilen.
"Man müsste die gesamte Ukraine einfach dem Erdboden gleichmachen", schreibt ein wütender Aleksej in einem Kommentar zu einer Nachricht der Stadt Dobrjansk. Die Stadt aus der Region Perm hat den Tod eines jungen Einwohners im Krieg gegen die Ukraine gemeldet. Die restlichen knapp 30 Kommentare waren mitfühlender im Ton, aber niemand sprach das Offensichtliche an.
Denn Sergej Wladimirowitsch Baranzew, geboren am 11. März 2004 in dieser Stadt, schloss im Jahr 2020 dort auch die Schule ab und hätte danach in verschiedenen Organisationen der Stadt gearbeitet. Was so viel heißt, er hatte keine Berufsausbildung und höchstens gejobbt.
Aber am 15. Juli 2024 verdingte Sergej sich beim russischen Militär für den Kriegsdienst, von einem vorher abgeleisteten Wehrdienst wird nichts berichtet. Und bereits am 13. August 24 wurde Sergej Baranzew bei einem Kampfeinsatz im Dorf Schelanne in der Ukraine getötet.
Ein junger Mann, wohnhaft weit über 1.000 km Luftlinie vom Donbass entfernt, ohne militärische Ausbildung, landet schon nach vier Wochen im Kampfgebiet und wird getötet - aber niemand findet das befremdlich.
"Beileid an Freunde und Familie", kondoliert Swetlana. "Sergej war ein geselliger und freundlicher junger Mann."
Ab dem Alter von 12 Jahren soll Alijon Utkirowitsch Beljakow, geboren am 21. September 2001, Mitglied der Kosakengesellschaft im kleinen Dorf Preobraschenski in der Region Krasnojarsk gewesen sein. Er hätte dort aktiv an Militär- und Dorfveranstaltungen teilgenommen, schreiben die Kosaken.
Solche Kosakenverbindungen sind eine Mischung aus Bewahrer der russischen Kultur und Werte, Pfadfinder und Militärformationen, die auch zu öffentlichen Aufgaben herangezogen werden.
Kein Wunder also, dass Alijon meinte, auch seinen Teil zum russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine beitragen zu müssen. Oder es ging ihm um das viele Geld oder beides.
Es ist nicht genau feststellbar, wann Aljon einen Vertrag mit dem russischen Militär abschloss. Aber am 20. August wurde eine öffentliche Suchanfrage nach ihm gestartet. Dort schreibt seine Schwester Regina:
"(Alijon) begab sich am 7. August 2024 zum Militärstützpunkt und wird seit dem 9. August 2024 vermisst."
Am 11. September 24 wurde Alijon in seiner Heimat beigesetzt.
In einem Interview mit dem Künstler Anatoli Felixowitsch Osmolowski, der inzwischen Russland ebenfalls verlassen hat, haben wir eine Aussage gefunden, die sehr gut zu unseren Eindrücken und Erfahrungen aus all den vielen von uns dokumentierten Todesmeldungen passt:
Dieses (russische) Regime steht ideologisch dem Faschismus nahe, und dort steht der Tod immer im Mittelpunkt der Ideologie. Sie steht im Mittelpunkt. Und das Ziel des Regimes ist der Wunsch nach dem Tod. „Russland oder Tod“, wie Limonow (siehe auch). Sie hassen das Leben in all seinen Formen. Der Tod ist für sie die höchste Poesie. Und gerade weil sie nicht das Leben, sondern den Tod im Zentrum des ideologischen Kosmos haben, denke ich, dass das alles nicht lange anhalten wird. Die Vergöttlichung des Todes ist ein Zeichen.
Eine schnelle Reise in den "Fernen Osten" Russlands bringt uns diesmal nach Magadan. Die Stadt mit knapp 100.000 Bewohnern hat einen ganzjährig eisfreien Hafen und hat deshalb auch eine militärische Bedeutung für Russland. Entstanden ist die Stadt vor etwa 90 Jahren aus einem Fischerdorf, erbaut durch Zwangsarbeiter und Verbannte.
Aus Magadan kam Iwan Walerjewitsch Komarnizki, geboren am 17.05.2000, der in einer dysfunktionalen Familie aufwuchs, aber selbst ein geordnetes Leben führte.
Im Januar 2019 besuchte Iwan zusammen mit einem Freund seine Mutter in ihrer Wohnung. Er wollte sie wegen ihres hohen Alkoholkonsums und der Verwahrlosung ihrer Wohnung zur Rede stellen. Um diese Angelegenheit etwas sachlicher angehen zu können, hatten sich beide zuvor auch ein paar Schlückchen genehmigt.
In der Wohnung angekommen, trafen sie wie erwartet seine Mutter beim Saufen mit einem Bekannten an. Jener Bekannte bekannte sich in der der darauf folgenden hitzigen Debatte als nichtschuldig an der Trunksucht der Mutter und meinte, die Frau würde auch ohne ihn saufen. Das führte zu einer weiteren Eskalation - die beiden jungen Männer verprügelten jenen Bekannten mit Schlägen auf Kopf und Körper.
Als der Mann dann blutüberströmt die Wohnung verlassen wollte, stürzte er auch noch die Treppe hinunter. Auf Grund schwerer Kopfverletzungen verstarb jener Bekannte in der Klinik. Iwan wurde vom Gericht im Sommer 2019 zu sechs Jahren, sein Freund zu fünf Jahren Haft verurteilt.
Soweit ist jene Geschichte durch die Gerichtsakten belegt, aber wir wissen nicht, wann und warum Iwan einen Vertrag mit dem russischen Militär unterzeichnete und als Sturm-V Soldat in den Krieg zog. Denn spätestens im Frühjahr 2025 wäre er entlassen worden. So wurde er am 20. August 24 irgendwo im Kriegsgebiet getötet.
Ein russischer Soldat wurde wahrscheinlich durch eine von einer Drohne abgeworfenen Granate verletzt. Zahlreiche kleine und große Granatsplitter haben seine Haut perforiert und er liegt im Dreck eines Feldes in der Region Charkiw mit inneren und äußeren Verletzungen. Das ist nichts Neues und passiert täglich irgendwo im Kriegsgebiet. Doch moderne Technik ermöglicht es, das reale Sterben dieses Soldaten in Farbe in guter Qualität zu filmen und über das Internet zu verbreiten.
Wer die entsprechenden Kanäle kennt, kann solche Videos aus ukrainischen oder russischen Quellen anschauen. Sie sorgen für keine neuen Erkenntnisse des Kriegsgeschehens, sondern zeigen nur die tödliche Grausamkeit jenes Krieges. Da gibt es keinen heldenhaften Tod, wie dieser in Russland den eigenen Kriegstoten meist angedichtet wird, sondern nur Dreck, grausamer Schmerz, menschliches Leid und ein sinnloser Tod.
Hin und wieder zeigen wir solch ein aktuelles Beispiel, warnen aber vor schwer erträglichen Bilder, die nicht für junge Menschen geeignet sind.
Der junge Mann auf dem Foto hieß Roman Kudrjaschow, geboren am 15. März 2001 und kam aus der Großstadt Murmansk, die im europäischen Teil Russlands nördlich des Polarkreises liegt. Auch Roman ist im Krieg gegen die Ukraine getötet worden, irgendwann im August 2024, sein Tod wurde nur in einem nicht öffentlichen Kanal gemeldet.
Roman war im Jahr 2021 beim russischen Militär und lebte in einer Dienstwohnung seit kurzem mit seiner Freundin zusammen. Er hatte finanzielle Probleme und arbeitete deshalb in seiner freien Zeit für einen Kurierdienst. Jener Kurierdienst stellte sich als Botendienst für die Verteilung von Drogen heraus - die Anweisungen kamen anonym aus dem Internet. Romans Aufgabe war es, zu einem Versteck zu fahren, die Koordinaten bekam er aus jener anonymen Quelle und die dort deponierten Drogen zuzustellen.
Roman wurde von der Polizei erwischt und kam im Jahr 2022 vor ein Militärgericht. Er war geständig und bekam deshalb nur sechs Jahre Haft - ansonsten hätte jene Strafe weit höher ausfallen können. Der Rest der Geschichte kennen unsere Leser aus zahlreichen anderen Berichten. Roman wollte seine Haft verkürzen, schloss einen Sturm-V-Vertrag mit dem russischen Militär und verkürzte damit nur sein Leben.
Dajana Nikolajewna Nuglajewa arbeitete als Krankenwagenfahrerin in Elista, der Hauptstadt der russischen Teilrepublik Kalmückien. Sie hätte im Jahr 2023 ihren Abschluss in Allgemeinmedizin gemacht, schreibt die Medizinische Hochschule Kalmückien und erklärt nicht, warum Diana dann einen Krankenwagen fuhr. Sie wäre zu jener "speziellen Militäroperation" eingezogen worden, heißt es weiter, was auch nicht stimmen kann, denn seit 2022 wurde niemand mehr zwangsrekrutiert. Und schließlich hätte sie als Sanitäterin in einem Krankenhaus im Kriegsgebiet gearbeitet, was wahrscheinlich auch nicht richtig ist. Denn ein anderes Foto zeigt Diana nicht als Sanitäterin, sondern in russischer Armeeuniform. Auf jeden Fall gehört auch Diana zu den bisher wenigen Frauen, die als Soldatinnen im Krieg gefallen sind.
"Diana war ein tolles Mädchen, eine freundliche, sympathische, fröhliche Person. Sie liebte ihren Sohn so sehr. Sie wird für immer in unseren Herzen bleiben, ihre Erinnerung wird ewig leben", schreibt ihre Hochschule.
Das Dorf Bolschaja Dschalga in der Region Stawropol bewohnten um das Jahr 1900 vornehmlich "Kleinrussen", wie die Ukrainer oft abwertend tituliert werden. Heute hat das Dorf etwa 3.000 Einwohner in einer durch Landwirtschaft geprägten Gegend. Aus diesem Dorf kam Andrej Anatoljewitsch Sutyrin, geboren am 28.01.2004.
Er hatte Elektriker gelernt, wurde im Jahr 2022 zum Militär eingezogen und unbeschadet Ende Juni 23 entlassen. Doch statt zu arbeiten, hatte der junge Mann andere Pläne. Im September reiste er in die tschetschenische Hauptstadt Grosny und schloss sich der Privatarmee des dortigen Chefs Ramsan Kadyrow an - dem Achmat-Regiment. In einem Dorf bei Bachmut wurde er am 23.12.23 getötet.
Strahinja Bjelica, 30 Jahre alt aus Belgrad, starb an der Front in der Ukraine. Er hatte sich als Freiwilliger beim russischen Militär verdingt. Freunde aus Serbien meldeten, dass er am 9. August 24 getötet wurde. Bjelica stand laut seinen Freunden lange Zeit an der Front.
„Strahinja war stolz darauf, dass er freiwillig in den Krieg zog. Er betrachtete es als seine Aufgabe, für den Glauben, das Kreuz und die Orthodoxie zu dienen. Er wollte nützlich sein, hilfreich sein...“, sagt einer der Freunde des Serben.
Eine aktuelle Begebenheit aus Sterlitamak schnell erzählt. Sterlitamak ist die zweitgrößte Stadt Baschkiriens mit knapp 280.000 Einwohnern und liegt im Süden der russischen Teilrepublik.
Anfang 2022 verließ dort Witali Fjodorowitsch Ormanji seine Wohnung und war zunächst nicht mehr gesehen. Bis er Ende 2023 sich in die Wohnung seiner Ex-Frau schlich, ihren 16-jährigen Sohn fesselte und die Frau nach deren Ankunft zuhause brutal ermordete.
Witali wurde verhaftet und kam in die Psychiatrie. Zu einem Prozess kam es nicht, Witali durfte sich in der Ukraine an der Front bewähren. Erfahrung mit der Tötung von Menschen hatte er ja. Anfang September 24 reagierte dann die Öffentlichkeit in Sterlitamak erleichtert, Witali würde nicht frei und unbescholten zurück kommen. Er war selbst an der Front getötet worden.
УК РФ
Статья 353. Планирование, подготовка, развязывание или ведение агрессивной войны
Die Übersetzung:
Strafgesetzbuch der Russischen Föderation
Artikel 353. Planung, Vorbereitung, Entfesselung oder Führung eines Angriffskrieges
Leninsk-Kusnezki ist eine Stadt in der Region Kemerowo im Kohlebecken Russlands, kurz Kusbass genannt. Aus dieser Stadt kam Alexander Pawlowitsch Kagan, geboren am 2. April 1987, der am 9. Juli im Krieg gegen die Ukraine getötet wurde. Dazu schreibt die lokale Nachrichtenseite:
Wir sind stolz! Wir werden uns für immer erinnern! Alexander Pawlowitsch Kagan starb heldenhaft und zahlte seine Schulden gegenüber dem Mutterland zurück. Der Abschied von ihm findet am 2. September an der Adresse Leninsk-Kusnezki, Kirow-Platz 7, in der Kirche der Heiligen Neuen Märtyrer und Beichtväter statt.
In unserem Bericht über die russischen Kriegstoten vom August 24 haben wir auch über den Umgang der russischen Armee mit ihren eigenen Soldaten einen kurzen Absatz geschrieben. In diesem Video zeigen wir eine Bestrafung eines russischen Soldaten, der von seinen Vorgesetzten im Dienst betrunken angetroffen wurde. Das Video stammt von Anfang September 24.
Im Norden des fernen Ostens in der Region Tschukotka sammelt die Nationalgarde auf "freiwilliger" Basis Schrotgewehre und Pump-Guns für den Krieg in der Ukraine ein.
"Die Notwendigkeit von Schrotflinten bei einer speziellen Militäroperation wird damit begründet, dass sie sich bei der Bekämpfung feindlicher Drohnen bewährt haben. Es wird betont, dass doppelläufige Schrotflinten und Pump-Action-Schrotflinten bessere Chancen haben, schnelle und kleine Drohnen zu entschärfen als Kampfhandfeuerwaffen", schreibt die Nachrichtenagentur des "Autonomen Kreises der Tschuktschen". Die Waffen werden von der Nationalgarde entgegen genommen, bisher wurden 12 solche Gewehre gegen Spendenquittung abgegeben.
Man muss wissen, dass viele Tschuktschen von der Jagd leben, und deshalb dort ein Gewehr zum normalen Haushalt gehört. Zudem benötigen die Familien diese Waffen zum Schutz vor Eisbären, die sich gerne in der Nähe der Siedlungen aufhalten.
Ein Mann mit einem schwierigen Schicksal bedeutet nach unserer Erfahrung nichts Gutes. Meist benutzen die russischen Autoren dieses Begrifflichkeit, wenn ein Mann sich wegen einer Strafermittlung oder Verurteilung bei der Armee verdingt hatte und im Krieg getötet wurde. Vielleicht trifft das auch auf Danila Sergejewitsch Owsjannikow, dem sehr jungen Mann mit schwierigem Schicksal.
Danila, geboren am 4. November 2005, kam aus der russischen Stadt Kostroma, die etwa 300 km nordöstlich von Moskau liegt. Seine Ausbildung an der Berufsschule hat er abgebrochen und sich freiwillig (?) zum Kriegsdienst gemeldet - Rufzeichen Boxer.
"Er wollte immer zeigen, dass er im Leben viel erreichen würde. Er hatte vielleicht nicht immer Erfolg, wie viele Jungen, aber er versuchte es", heißt es in seinem Nachruf. Viel ist es nicht geworden, Danila wurde in der Nacht vom 8. auf 9. August getötet, als seine Kolonne in der Region Kursk durch ukrainische Raketen komplett zerstört wurde. Siehe unseren Bericht.
Kargopol ist eine der ältesten Stadte in der Region Archangelsk mit weniger als 9.000 Einwohnern. Ein Soldat aus der Stadt wurde bei jenem HIMARS-Angiff in der Nacht vom 8. auf 9. August getötet. Die Verwaltung der Stadt schrieb darauf folgenden Nachruf:
Michail Anatoljewitsch Sofronow starb bei der Erfüllung von Aufgaben während einer speziellen Militäroperation auf dem Gebiet der Region Kursk am 9. August 2024.
Michail Anatoljewitsch, geboren am 2. Oktober 1974, ist Absolvent der Uchotskaja-Sekundarschule, er war ein fröhlicher, freundlicher, sympathischer Mensch, immer bereit zu helfen.
Während seines Dienstes blieb M.A. Sofronov dem Militäreid treu, hielt sich heilig an die Verfassung der Russischen Föderation, hielt sich strikt an die Anforderungen der Militärvorschriften und Befehle der Kommandeure, erfüllte seine Pflicht mit Würde, war mutig und entschlossen, ein wahrer Patriot sein Land.
Pawel Alexandrowitsch Tscheremisin aus der russischen Region Karelien ist am 6. Juni 2024 im Krieg gegen die Ukraine getötet worde. Zu seinem Tod finden sich einige Einträge bei VKontakte, nur nennt niemand sein Alter oder Geburtsdatum. Auf Grund seines jugendlichen Aussehens haben wir versucht etwas mehr über Pawel zu erfahren und sind fündig geworden. Aber gleich vorneweg - sein Alter konnten wir nicht recherchieren.
Dafür fanden wir ein Urteil des Stadtgerichts Segescha vom 29. März 2023. Darin wird Pawel so charkterisiert: Er hat eine Meldepflicht und einen ständigen Wohnsitz, wird vom örtlichen Polizeikommissar zufriedenstellend beschrieben, es liegen keine Beschwerden über das Verhalten zu Hause vor, ist ledig, hat ein unterhaltsberechtigtes kleines Kind und ist nicht erwerbstätig, nicht bei der Agentur für Arbeit gemeldet; keine Vorstrafen. Am Ende des Urteils wird Pawel zu einer fünfjährigen Strafe wegen des versuchten Handels mit Drogen verurteilt.
Den Rest der Geschichte kann man sich getrost zusammenreimen. Pawel wurde vor oder während der Haft zu einem Sturm-V Kommando rekrutiert. So kam er frei, musste aber bei Angriffen ganz vorne dabei sein.
„Wir wollen es nicht glauben, es scheint, als würde es an der Tür klingeln, wir werden uns umarmen und weinen, dass das nicht so ist ... Unsere kleine, warme Sonne ...“, schrieb seine Mutter.
Manchmal stolpert man über alte Fälle. Jedes Jahr zum Geburtstag von Wladimir Igorewitsch Nozdrin veröffentlichen Freunde auf VKontakte eine Todesanzeige. Geht man der Sache nach, dann findet man einen Donbass-Separatisten der ersten Stunde. Dumm nur, dass auch dieser "Separatist" gar nicht aus dem Donbass stammte, sondern aus der russischen Stadt Rostow am Don.
Wladimir wurde am 22.04.1984 dort geboren und bei einer der vielen Kampfhandlungen an der Demarkationslinie am 12.06.2017 getötet.
Ab 1. August 2014 kämpfte er in der LPR (ab 24. September - CheGuevara Brigade), dann ab 11. Mai 2015 in der DPR (GRU-Spezialeinheiten).
Artem Jurjewitsch Turowtsew kam aus dem Dorf Krasnoswobodnoje in der Region Tambow. Das ist beinahe alles, was wir über den russischen Soldaten wissen.
Aber auch Artem befand sich in jener Kolonne, die in der Nacht vom 8. und 9. August in der Region Kursk durch einen HIMARS-Raketenangriff der ukrainischen Armee komplett zerstört wurde.
Im Nachruf schreibt die Dorfgemeinde: "Für seine Landsleute und Einwohner Russlands wird Artjom Jurjewitsch für immer ein Beispiel der Loyalität gegenüber dem Vaterland bleiben. Wir werden sein Andenken für immer in unseren Herzen behalten...
P. S. KRIEG WIRD NUR VON DENEN GELIEBT, DIE DURCH IHN BEREICHERT WERDEN. WIR ALLE WOLLEN DEN FRIEDEN, ABER WIR KÖNNEN IHN NOCH NICHT ERREICHEN...."
Telegram - 17.08.2024 - Antikriegsprojekt der Region Stawropol:
Ein Soldat aus Mineralnyje Wody starb in der Nähe von Kursk.
Der Name des Verstorbenen war Viktor Okunew. Er war 43 Jahre alt. Den Fotos zufolge war der Mann ein Vertragssoldat.
Ich werde nicht müde, zu wiederholen, dass der Krieg gegen die Ukraine beendet werden muss. Er wird die Toten nicht zurückbringen, aber er wird das endlose Fließband des Todes zugunsten eines verrückten alten Tschekisten stoppen, der am Ende seines Lebens steht. Männer haben im zivilen Leben etwas zu tun!
Nein zum Krieg!
Namensliste der verstorbenen Soldaten aus Mineralnyje Wody (70 Namen):
https://teletype.in/@otkrovenya_minvod/spisok-pogibshih-minvody
Allgemeine Liste der Opfer aus der gesamten Region Stawropol (1255 Namen):
https://teletype.in/@otkrovenya_minvod/spisok-pogibshih-stavropolye
Warum findet das russische Militär immer wieder neue Soldaten als Freiwillige, wenn doch klar ist, dass die Chance den Militärdienst gesund zu überleben recht klein ist? Natürlich spielen die hohen Zahlungen des Staats eine Rolle, dieses Risiko einzugehen. Manchmal findet man die Antwort auch in den Lebensläufen der Soldaten.
Juri Andrejewitsch Talbuninin, geboren am 11.11.1998, kam aus der großen Siedlung Mogoituy in Transbaikalien. Ende Juni 24 unterschrieb er einen Vertrag, am 1. August 24 starb er im Krankenhaus an seinen Verletzungen. Er war sicher weniger als 14 Tage an der Front. Im Nachruf schreibt die Ortsverwaltung:
Bis zu seinem 16. Lebensjahr lebte er mit seinen Eltern im Dorf Nomokonowo. Dann zog er nach Mogoituy und lebte bei seinem Onkel. Absolvent von neun Klassen. Verheiratet. Arbeitete von 2018 bis 2020 als Hilfsarbeiter im Café Bagulnik. Er arbeitete auch als Metzger im Café ODON und bekam dann eine Anstellung im Straßendienst des Dorfes Zabaikalsk.
Im Februar 2024 bekam er eine Stelle als Lader-Spedition bei Partners Noyabrsk LLC (Novaya Chara, Udokan Copper). Er hat 2 Monate lang in einer Schicht gearbeitet.
Artem Dobrodumski war ein 22-jähriger Wehrpflichtiger, der bei der ukrainischen Offensive in der Region Kursk getötet wurde. Der junge Mann kam aus der Stadt Schachti in der Region Rostow am Don.
Sein Tod wurde durch den Karate-Klub bekannt gemacht, für den er wohl mehrfach erfolgreich antrat. Die Tatsache, dass Artem ein Wehrpflichtiger war, löschte der Karate-Club umgehend.

Eine der vielen Ethnien im Kaukasus sind die Tabassaranen. Ihr Hauptsiedlungsgebiet ist Dagestan, dort leben rund 126.000 Tabassaranen im bergigen Südosten. Chutschni ist ein Dorf mit 3.800 Bewohnern und Zentrum des Tabasseran-Bezirks in Dagestan. In Chutschni wurden Anfang September 2026 an der örtlichen Schule drei Gedenktafel enthüllt, um die im Krieg gegen die Ukraine gefallenen Bezirksbewohner zu ehren. Einer davon ist Temirlan Ullubijewitsch Dschabrailow. Er wäre 32 Jahre alt geworden, schreibt die Bezirksverwaltung mit hellseherischen Fähigkeiten. Denn laut Tafel wird Temirlan erst am 24. Oktober 2026 sterben.
Durch die ersten Erkältungskrankheiten sind wir im Moment etwas in Schwierigkeiten. Trotzdem habe ich heute den Monatsabschluss Juli 2026 freigeschaltet, obwohl er nur oberflächlich Korrektur gelesen wurde. Sollten noch Fehler im Fließtext sein, werden diese im Laufe des morgigen Tages korrigiert - versprochen. Die Tabellen & veröffentlichten Zahlen dagegen wurden überprüft.
CK, 25.08.2026
Die Opferlisten der russischen Regionen haben wir in den letzten Tagen bis Ende Juli 2026 aktualisiert. Eine Zusammenfassung des Monats Juli ist in den kommende Tagen zu erwarten.
Folgende Regionallisten wurden neu angelegt:
OM, 24.08.26
Im kalten Winter 2022 in Ischewsk, der Hauptstadt der russischen Teilrepublik Udmurtien, sang eine Gruppe Friedensdemonstranten das Lied „Möge es immer Sonenschein geben“. Wir haben darüber berichtet. Das Lied, aus der Perspektive eines kleinen Jungen, ist ein Apell an uns Menschen, den Frieden zu sichern. Das Lied gehört(e) zur sowjetischen Jugendkultur und wurde auch von den jungen Pionieren in der DDR gerne gesungen. Hier eine Version von Pete Seeger.
Der russische Refrain lautet etwa so:
Möge es immer Sonnenschein geben,
möge es immer blauen Himmel geben,
möge es immer Mama geben,
möge es immer mich geben!
In Anbetracht dieses Jahrhundertsommers können wir feststellen: Den ewigen Sonnenschein und den immer blauen Himmel haben wir. Den Frieden dagegen noch nicht.
OM, 11.08.26
Wir haben unsere Liste mit den deutschen Namen der Kriegstoten bis zum Juni 2026 aktualisiert. Insgesamt sind es jetzt 1.855 Namen.
Bitte beachtet - all diese Kriegstoten müssen nicht unbedingt einen russlanddeutschen Hintergrund haben. Sicher gibt es darunter auch einige Russen, die nur noch den Namen führen, aber mit russlanddeutscher Kultur nichts zu tun haben. Es ist durchaus auch möglich, dass sich darunter auch jüdische Namen befinden, die aus dem deutschen Sprachraum nach Osten gewandert sind.
Typisches Beispiel dafür ist der Nachname „Katzenelnbogen“, den wir einigemale in Russland angetroffen haben. Katzenelenbogen ist eine Kleinstadt am Rande des Taunus, den Namen hat eine jüdische Dynastie angenommen, die dort im Mittelalter gegründet wurde.
Und natürlich - es ist auch möglich, dass wir uns bei einigen der Namen getäuscht haben und diese eine andere Herkunft haben.
CK, 07.08.26
Die Opferlisten der russischen Regionen haben wir in den letzten Tagen bis Ende Juni 2026 aktualisiert. Eine Zusammenfassung des Monats Juni ist in den kommende Tagen zu erwarten.
Folgende Regionallisten wurden neu angelegt:
OM, 02.08.26
Da wir jeden Tag mehrere Kurzzeitsoldaten unter den russischen Kriegstoten finden, haben wir etwas umgestellt. Diese Personalien sind aus unserer Rubrik „Personalien & Kurznachrichten“ verschwunden, wir haben dafür eine neue Rubrik „Ohne viele Worte“ erstellt. Dort findet man nur den Namen des Kurzzeitsoldaten und das Datum der Veröffentlichung. Mit einem Klick auf den Namen erhält man das übliche Profil dieses Menschen.
Zunächst haben wir unsere letzte Veröffentlichung der 12 Kurzzeitsoldaten dort eingestellt, der Beitrag ist deshalb von der Titelseite verschwunden. In den nächsten Tagen werden wir täglich mehrere neue Kurzzeitsoldaten veröffentlichen, die bisher auf Halde liegen.
Auf Anfrage einiger Leser haben wir unserer Tabelle mit den vermutlich russlanddeutschen Kriegstoten noch eine Liste der regionalen Verteilung hinzugefügt.
Wie zu erwarten kommen die meisten dieser Kriegstoten aus Sibirien: Region Altai, Omsk und Nowosibirsk.
Das Übersetzen der russischen Namen ins Deutsche ist ein Kapitel für sich. Wir machen das mit dem Übersetzungsprogramm von DeepL. Allerdings ist das Ergebnis so, dass man alle Namenübersetzungen überprüfen muss. Spätestens nach einigen Namen fällt das Programm wieder ins Englische zurück und die Ergebnisse sind nur schwer lesbar. Manchmal vergisst das Programm auch Endungen oder wirft Zeichen mit fremden, nicht deutschen Akzentzeichen aus.
Beim Durchgehen der übersetzten Namen markieren wir die deutschen mit einem Sonderzeichen, damit wir diese in eine extra Tabelle überführen können. Was macht DeepL zuletzt? Haben wir solch einen Namen markiert und verbessern in der Folge weitere Namen, dann markiert KI diese auch mit jenem Sonderzeichen. So rutschen auch russische Namen automatisch in unsere Tabelle der Russlanddeutschen.
Folglich - alles muss erneut korrigiert werden.
Es ist alles zusammen gekommen, die Hitze der letzten Tage, die unsere Arbeitsmoral untergraben hat, durch die hessischen Ferien bedingte dünne Besetzung und schließlich ist unsere EDV-Erfassung auch noch abgestürzt. So dauerte unsere Zusammenfassung des Monats Mai länger als geplant. Wir bitten um Entschuldigung.
Die Todeslisten aller russischen Regionen sind jetzt bis zum Monat Mai 2026 aktuell. Die übliche Zusammenfassung werden wir bis zum 16.07.26 vorlegen.
Folgende Regionallisten wurden neu angelegt:
Wir hatten etwas Probleme mit unserer internen IT, deshalb haben wir uns mit dem Monat April 2026 weiter verspätet und konnten auch keine aktuellen Themen einschieben. Die Zusammenfassung werden wir am morgigen Donnerstag vorlegen.
Alle russischen Regionen wurden bereits mit den Daten des Monats April 2026 aktualisiert.
Folgende Listen wurden neu angelegt:
Wir haben alle russischen Regionen mit den Daten des Monats März 2026 aktualisiert.
Folgende Listen wurden neu angelegt:
Die ausführliche Zusammenfassung zum Monat März 2026 und die erfassten Daten zum April 2026 werden wir bis spätestens 12. Mai vorlegen können.
CK, 11.05.2026
Wir sind gerade im Stress und bereiten den Abschluss des Monats März 2026 vor. So haben wir versehentlich einen unfertigen Beitrag online gestellt: „Für Glaube und Vaterland in Nowomoskowsk“. Wir bitten um Entschuldigung.
Wir haben den Beitrag wieder versteckt, er wird erst in den nächsten Tagen - dann hoffentlich komplett - veröffentlicht.
OM 07.05.2026
Am Abend des 5. Mai 2026 war unsere Domain „oskarmaria.de“ nicht zu erreichen. Nach hektischen Versuchen, das Problem auf unserem Webserver zu suchen, mussten wir feststellen, dass wir nichts unternehmen können. Die Namensauflösung für de-Domains war bei Denic gestört. Über unsere zweite Domain https://www.gibtsnet.eu sind wir weiterhin & ungestört zu erreichen.
Zum Beitrag über die beiden in Russland inhaftierten Frauen Natalia Leonhardt und Daria Jegerewa wollen wir noch einige Anmerkungen nachreichen.
Nach der Verhaftung der beiden Frauen wurde zunächst nur der Name von Daria Jegerewa bekannt. Die Familie von Frau Leonhardt wollte, dass ihr Name nicht genannt werden solle. Sie versprachen sich so bessere Chancen vor Gericht. Das ist nicht eingetreten.
Aber dazu passt: Wir hatten beim Unterstützerkomitee angefragt, ob wir ein Foto benutzen können, das beide Frauen zeigt. Am folgenden Tag haben wir die Erlaubnis bekommen, die dann wenig später zurückgezogen wurde. Die Verantwortliche hatte unsere Webseite besucht und meinte danach, dass eine Fotoveröffentlichung in unserem Kontext den beiden Frauen eher schaden würde. Wir wollen das nicht weiter kommentieren.
Russische Freiwillige, die in den ersten drei Monaten nach Vertragsunterzeichnung an der Front getötet wurden, stellen wir unter der Überschrift „Ohne viele Worte“ vor. Da es zu viele waren, haben wir zunächst maximal einen Gefallenen pro Tag veröffentlicht. Aktuell ist die Situation so, dass es in vielen Regionen inzwischen untersagt ist, die genauen Daten anzugeben, wann der Vertrag unterschrieben und wann der Freiwillige getötet wurde. Neue Freiwillige sollen durch solch eine Wahrheit nicht abgeschreckt werden, meinen die russischen Behörden.
Wir haben uns deshalb entschieden, wieder alle Kurzzeitsoldaten zu veröffentlichen, die wir registrieren. Das sind meist Männer aus Burjatien, da in dieser Region - teilweise - noch immer ausführliche Nachrufe publiziert werden. Burjatien steht stellvertretend für alle russischen Regionen, wie unser aktuelles Beispiel aus Transbaikalien zeigt. Im Bezirk Krasnotschikoisky haben wir unter 128 Gefallenen insgesamt 36 Kurzzeitsoldaten gefunden.
Eine aktuelle Liste der Antrittsprämien aller rusischen Regionen, die der russische Staat für Zeitsoldaten bezahlt, haben wir hier veröffentlicht.
Wir haben alle russischen Regionen mit den Daten des Monats Februar 2026 aktualisiert.
Folgende Listen wurden neu angelegt:
Die ausführliche Zusammenfassung zum Februar 2026 und die erfassten Daten zum März 2026 werden wir bis spätestens 10. April vorlegen können.
OM, 09.04.2026
Vielleicht ist euch aufgefallen, dass wir sehr häufig Personen aus Burjatien vorstellen. In unserer Rubrik der Kurzzeitsoldaten (Ohne viele Worte) sind überwiegend Gefallene aus Burjatien vertreten. Das hat einfache Gründe - in Burjatien werden gewohnheitsmäßig ausführliche Nachrufe auf die im Krieg getöteten Landeskinder veröffentlicht. So erfahren wir viele Details. Das kommt in anderen Regionen eher selten vor, häufig werden auch mißliebige Daten gezielt verheimlicht. So zum Beispiel dass die getöteten Soldaten aus der Haft an die Front entlassen wurden, dass sie nur eine kurze Überlebensdauer hatten, usw. In einigen Regionen wie Baschkortostan sind inzwischen solche detaillierten Nachrichten verboten, häufig wird sogar das Alter verschwiegen.
So muss Burjatien als Beispiel herhalten, wenn es um Kurzzeitsoldaten, jugendliche Dummköpfe und Häftlinge geht. Es wird in allen anderen Regionen nicht viel anders sein.
Wir haben alle russischen Regionen mit den Daten des Monats Januar 2025 aktualisiert.
Es wurden neun neue Listen angelegt:
Die ausführliche Zusammenfassung zum Januar 2026 und die erfassten Daten zum Februar 2026 werden wir bis spätestens 13. März vorlegen können.
OM, 12.03.26
Der Trend bei den Nachrufen hält an - konkrete Daten werden nicht mehr angegeben. So will es die russische Regierung. Damit kann man nicht mehr abschätzen, wie lange der Zeitvertrag mit dem Militär dauerte oder besser, wie schnell der Soldat nach Vertragsunterzeichnung getötet wurde. Auch wird die Feststellung verhindert, wie lange der getötete Soldat irgendwo an der Front liegen blieb.
Normalerweise haben wir max. einen Kurzzeitsoldaten pro Tag in unserer Rubrik „Ohne viele Worte“ veröffentlicht. Das haben wir heute ausnahmsweiße verändert und alle Kurzzeitsoldaten gelistet, die uns im Zeitraum vom 19. bis 20. Januar 26 aufgefallen sind. Als Beleg dafür, dass auch weiterhin viele russischen Freiwilligen nur kurze Zeit an der Front überleben, auch wenn diese Tatsache unterdrückt werden soll.
CK, 23.02.26

Nachdem die Aufmerksamkeit zu unseren Veröffentlichungen wächst, eine kurze Information zu OskarMaria.
Unter diesem Pseudonym war der Initiator im Internet seit über 25 Jahren recht unregelmäßig präsent. Ab dem Jahr 2014 hat er hier über die Situation in den von Russland besetzten Gebieten des Donbass geschrieben. Als einer der ersten Journalisten überhaupt informierte er über die damals neu gegründete Gruppe Wagner.
Beruflich war er seit den 80-iger Jahren Geschäftsführer von diversen Medienunternehmen im Printbereich. Jetzt im Ruhestand, Kinder erwachsen, bleibt etwas mehr Zeit, die gesammelten Erfahrungen zusammen mit wenigen Mitstreitern für dieses Projekt zu nutzen.
Nachtrag: OskarMaria– das ist eine kleine Verbeugung vor dem beinahe vergessenen Schriftsteller Oskar Maria Graf. In Zeiten der Bücherverbrennungen wurden seine Werke von den Nazis verschont, ja sogar teilweise empfohlen. „Verbrennt mich!“ schrieb er 1933 in der Wiener Arbeiterzeitung, „nach meinem ganzen Leben und nach meinem ganzen Schreiben habe ich das Recht, zu verlangen, dass meine Bücher der reinen Flamme des Scheiterhaufens überantwortet werden und nicht in die blutigen Hände und die verdorbenen Hirne der braunen Mordbanden gelangen!“ Schließlich floh er in die USA – dort lebte er in bescheidenen Verhältnissen. Deutschland wollte den unbequemen Mann nach dem Krieg nicht wieder haben. Er starb 1967 in New York.
Literaturempfehlung: Wir sind Gefangene - Autobiograhie 1927.
Doppelt
Wladimir: 25. Artem Kozhenkov // Nischni Nowgorod: 35 Artem Kozhenkov
Wolgograd: 01 Juri Agarkov // Pskow: 41 Juri Agarkow
Kutelev Stanislav, dreifach, Kostroma, Rjasan und Orenburg. Nur Orenburg
Nikolai Symov, Rjasan & Tschuwaschien - nur Tschuwaschien
Mamontov Mikhail - Krasnodar Teil 1 & Teil 2
Ivan Alekseevich Chulkov, Kostroma, Pos. 51/56
Elimov Alexey Michailowitsch , Kostroma & Tschuwaschien
Falsch einsortiert
Ruslan Khamitov, Tscheljabinsk, kein Söldner der Gruppe Wagner
Wir haben die Liste der russischen Regionen mit den Prämien für den Abschluss von -unbefristeten- Zeitverträgen mit dem Militär aktualisiert.
Seit unserer letzten Veröffentlichung Ende Juli haben einige Regionen ihre Antrittsprämien angepasst. Wenn eine Region Probleme hatte, ihre von Moskau vorgegeben Quoten zu erreichen, wurden die Zahlungen erhöht. Im Fall dass eine Region ausreichend Zeitsoldaten stellen kann, wurden die Zahlungen reduziert. Wir haben die Veränderungen in der Liste mit einem Sternchen (*) markiert.
In der Summe sind die bezahlten Prämien weiter angestiegen. Im Juli zahlten die Regionen im Durchschnitt 2.167.000 Rubel als Prämie, Anfang September 2026 erhöhte sich der Durchschnittsbetrag auf 2.339.000 Rubel.
Neu dabei sind Sonderzahlungen, die manche Regionen für Drohnenpiloten ausloben. Die Regionen Inguschetien, Kaliningrad, Pskow und die Stadt Sewastopol auf der Krim weisen diese Extrazahlungen aus. Eine besondere Pointe setzt die Region Komi - die Zeitsoldaten erhalten extra 100.000 Rubel bei Rückkehr, wohl wissend, dass nicht viele lebend von der Front nach Hause kommen werden.
Die russischen Behörden versuchen auf allen Ebenen zu verhindern, dass Informationen über Kriegstote das Land verlassen. Seit Beginn des russischen Krieges verschicken russische Bürger aus den verschiedensten Regionen Fotos und Videoaufnahmen über neue Kriegsgräber. Und zwar nicht an Geheimdienste, sondern zu den Telegram-Kanälen, die solche Informationen sammeln. Solch offene Info-Kanäle werden natürlich auch von den Geheimdiensten aller Länder gerne besucht, auch wenn diese mit Agententätigkeit nichts zu tun haben.
Nachstehend eine Presseerklärung des Regionalgerichts Jaroslawl vom 08.09.26:
Neuigkeiten vom 8. September 2026
Ein Einwohner von Jaroslawl, der Informationen über tote Soldaten weitergegeben hatte, wurde wegen Hochverrats verurteilt.
Das Regionalgericht Jaroslawl verurteilte heute einen 48-jährigen Einwohner wegen Hochverrats (Artikel 275 des Strafgesetzbuches der Russischen Föderation).
Das Gericht stellte fest, dass der Angeklagte Nikolai Schtscherbakow ab Oktober 2024 regelmäßig den Gedenkfriedhof aufsuchte und dort heimlich die Gräber von Militärangehörigen fotografierte und filmte. Der in Jaroslawl lebende Mann übermittelte die gesammelten Informationen anschließend per Instant Messenger an Vertreter der ukrainischen Geheimdienste.
Kriminelle Aktivitäten wurden von Beamten der FSB-Direktion für die Region Jaroslawl identifiziert und gestoppt.
Mit Urteil des Gerichts wurde Shcherbakov N. des Hochverrats (Artikel 275 des Strafgesetzbuches der Russischen Föderation) für schuldig befunden und zu einer Freiheitsstrafe von 14 Jahren in einer Strafkolonie mit strengem Regime verurteilt, gefolgt von einer Freiheitsbeschränkung von 1 Jahr und 6 Monaten.
Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.
Im Herbst 2022 hat die russische Armee 300.000 Reservisten für den Krieg in der Ukraine eingezogen. Diese mobilisierten Soldaten sind jetzt viereinhalb Jahre im Dienst in einem Krieg, bei dem kein Ende in Sicht ist.
Bei vielen Meldungen über im Krieg gefallenen Soldaten können wir nicht erfahren, ob der Kriegstote ein freiwilliger Zeitsoldat, ein Mobilisierter oder ein Berufssoldat war. Trotzdem finden wir jeden Tag Meldungen, die den Status des Gefallenen nennen. Und da sind einige mobilisierte Reservisten darunter.
Deshalb stellt sich die Frage, wie viele der mobilisierten Männer noch im Kriegsgebiet vorhanden sind? Janis Kluge, von der Stiftung Wissenschaft & Politik, hat dazu eine Antwort geliefert. Anhand der Zahlungen im Bundeshaushalt für die mobilisierten Soldaten, konnte er ihre Anzahl berechnen. Von den knapp 300.000 mobilisierten Männern waren im Juli 2024 noch 246.303 vorhanden, im Juli 2025 waren noch 168.594 verblieben. Neuere Zahlen gibt es noch nicht. Setzt sich der Schwund fort, so dürften aktuell nur noch etwa 100.000 Mobilisierte im Dienst sein.
Diese Mobilisierten wurden im letzten Jahr häufig unter Druck gesetzt, in einen Zeitvertrag zu wechseln (siehe hier). Der weit größere Teil wurde getötet oder ist kriegsuntauglich, also physisch oder psychisch schwer verletzt.
„Dies ist eine sehr ernste und verantwortungsvolle Angelegenheit. Wir unternehmen gemeinsam mit Ihnen und den Bürgermeistern der Gemeinden auf allen Ebenen größte Anstrengungen, diese Aufgabe mit Würde zu bewältigen“, sprach der Gouverneur von Irkutsk, Igor Kobzew (Foto links), zu den Parlamentariern der Regionalversammlung. Er meinte damit die Erfüllung der Quote an Freiwilligen für den Kriegsdienst, die der Region Irkutsk von Moskau auferlegt wurde. Auf seinen Antrag hin wurden die Prämien von 2,1 Millionen Rubel auf 1,8 Millionen reduziert. Verurteilte und Angeklagte erhalten eine Million Rubel und neu eingeführt wurde die Zahlung von 900.000 Rubel für Ausländer und Statenlose.
Der eingebrachte Gesetzesentwurf wurde überarbeitet und in zweiter Lesung angenommen. Die Behörden gehen wohl davon aus, dass sie ihre Vorgaben hauptsächlich durch die Strafverfolgungs- und Ausländerbehörden abdecken können. Das spart Geld.
In der russischen Teilrepublik Inguschetien im Kaukasus überbringt der Ministerpräsident die Beileidsbekundigungen für die im Krieg gegen die Ukraine getöteten Inguschen persönlich. Mitte August hatte er vier Familien aufzusuchen.
Laut Wladimir Slasteinin, dem Ministerpräsidenten, nehmen insgesamt mehr als zweitausend Einwohner Inguschetiens an den Kampfhandlungen bei der russischen Armee teil. Wir haben bisher 290 Kriegstote registriert, die tatsächliche Zahl dürfte deutlich höher liegen.
Der Telegram-Kanal „Fortanga“ schreibt zu den Kriegsversehrten:
Mehrere hundert Menschen erlitten schwere Verletzungen. Allein im Jahr 2025 wurden in Inguschetien 464 Teilnehmer an den Kampfhandlungen behandelt. Die genaue Zahl der Verletzten und derjenigen, die im Laufe der Kampfhandlungen eine Behinderung erlitten, wird nicht genannt. Die Verwundeten erhalten nicht immer die ihnen zustehenden Prothesen und sind gezwungen, sich bei verschiedenen Behörden zu beschweren.
Eine Gruppe Lehrer hatten die Möglichkeit zu einer Audienz bei Wladimir Putin. Ein Mann berichtet von einem Ausflug zum Nordpol und auf Rückfrage berichtet er, zwei Eisbären gesehen zu haben. Das findet Wladimir interessant und erzählt, dass Orcas Eisbären in Stücke reißen und vertilgen würden (dafür konnte der Verfasser keine Belege finden). So wäre das Leben, meint Wladimir, der Stärkere frisst den Schwächeren, die Nahrungskette eben. Das sollen die Lehrer ruhig ihren Schülern beibringen. Und deshalb würde Russland ja auch die „Spezielle Militäroperation“ durchführen.
Jabloko ist die einzige Partei in Russland, die sich gegen den Angriffskrieg gegen die Ukraine ausspricht. Sie wurde durch Beschluss eines Moskauer Gerichts, von den kommenden Parlamentswahlen ausgeschlossen. Geklagt hatte die linksnationalistische Partei „Rodina“, die sich selbst nationalkonservativ nennt. Soviel zur allgemeinen Verwirrung.
In ihrer Klage warf Rodina der Partei Jabloko Uhrheberrechtsverletzungen vor. So hätte Jabloko ohne Genehmigung Zeilen aus dem Antikriegslied „Es soll immer Sonnenschein geben“ und die Zeile „Wenn es doch nur keinen Krieg gäbe“ aus Alexander Wolodins Theaterstück „Fünf Abende“ verwendet, sowie Umfragedaten des Lewada-Zentrums zitiert. Es gibt in der Klage weitere Vorwürfe ähnlicher Qualität.
Bliebe zum Schluss noch zu erwähnen: Der Sohn des Komponisten des Liedes „Es soll immer Sonnenschein geben“ hatte der Partei ganz offiziell die Erlaubnis zur Nutzung gegeben.
In den ersten sechs Monaten dieses Jahres hat Russland 43,5 Tonnen Gold verkauft. Aber es hat noch reichlich Reserven, Anfang Juli sollen sich noch 2.282 Tonnen Gold in den staatlichen Tresoren befunden haben. Trotzdem bedeutet dieser Verkauf den größten Rückgang der Goldreserven in den letzten 25 Jahre.
Der Goldverkauf dient in erster Linie der Deckung des russischen Haushaltsdefizits, der Staat muss immer höhere Ausgaben für den Krieg gegen die Ukraine finanzieren. Allerdings dürfte jenes verkaufte Gold meist im Land geblieben sein. In unsicheren Zeiten heben die Russen gerne ihre Rücklagen vom Konto ab und kaufen dafür Gold.
Die Kleinstadt Bad Ems liegt an der unteren Lahn und nur wenige Kilometer von der Stadt Koblenz entfernt. Bad Ems hatte seine Glanzzeit im 19. Jahrhundert. Es war die Kurstadt und Sommerresidenz von bedeutendem Adel und angesagten Künstlern. So führte zum Beispiel die Emser Depesche zum Französisch-Deutschen Krieg 1870/71.
Auch der russische Zar Alexander der II. verbrachte den Sommer gerne in Bad Ems. Dort unterzeichnete er am 30. Mai 1876 den „Emser Erlass“. Damit verbot er die Einfuhr und Veröffentlichung von Schriften in ukrainischer und belarussischer Sprache im Russischen Kaiserreich und stellte Zuwiderhandlungen unter Strafe. Eine kaiserliche Kommission hatte festgestellt, dass die Verwendung der ukrainischen Sprache staatsgefährdend wäre.
Dieses russische Überheblichkeitsdenken gegenüber den „Kleinrussen (Ukrainer)“ wirkt bis heute nach. Auf ihm basiert auch der propagandistische Überbau, mit dem der „Putinismus“ den russischen Angriffskrieg begründet.
Foto: Silin2005 -- Lizenz: Gemeinfrei -- Die Plakette wurde nach dem russischen Angriffskrieg 2022 von Unbekannten entfernt.
Wir hatten bereits über die Aussage der russischen Militätbloggerin Agnes Becker berichtet, die in ihrem Telegramkanal eine angeblich unabhängige Studie zitiert hatte. Danach würde die durchschnittliche Überlebensdauer eines Soldaten bei einem Angriff an den vordersten Positionen nur 20 - 35 Minuten betragen. Am letzten Mittwoch bestätigte der CIA-Direktor John Ratcliff diese Aussage:
„Unsere Erkenntnisse decken sich mit einigen Berichten aus offenen Quellen, die Sie möglicherweise im Zusammenhang mit der Ukraine gesehen haben: Die durchschnittliche Lebenserwartung eines russischen Rekruten, der derzeit auf dem Schlachtfeld in der Ukraine eintrifft, wird auf 20 bis 30 Minuten geschätzt.“
Durch den Einsatz von Drohnen mit KI-Unterstützung steigen jedoch die Verlustzahlen auch weit hinter der Front. Im folgenden Video sieht man solch eine Drohne, die zielgerichtet einen russischen Militärlaster ausschaltet. Vermutlich handelt es sich um die in Deutschland hergestellt HX-2 der Rüstungsfirma Helsing.
Die Kleinstadt Tschulym liegt etwa 130 km westlich der Hauptstadt Nowosibirsk. In der Stadt und im dazugehörigen Bezirk leben rund 20.000 Menschen - Tendenz rückläufig. Die Gegend ist landwirtschaftlich geprägt, etwa ein Drittel aller Erwerbstätigen arbeiten in diesem Bereich.
Ein Denkmal erinnert an die Toten aus den sowjetischen und russischen Kriegen. Im Krieg in Afghanistan sind zwei Soldaten aus dem Bezirk getötet worden, in den Tschetschenienkriegen wurden acht Männer getötet und im aktuellen Krieg gegen die Ukraine wurden bisher 113 Namen eingraviert.
Setzt man jene 113 Kriegtoten ins Verhältnis zur Bevölkerung, so würde jene Region an zweiter Stelle aller russischen Regionen in unserer entsprechenden Tabelle stehen.
Peter Frankopan ist Professor für Weltgeschichte an der Universität Oxford. In einem Essey über Wladimir Putin zitiert er den exilrussischen Telegram-Kanal „Astra“. Astra selbst zitiert in einem Beitrag eine/n Z-Blogger/in „Agna Becker“ der/die den Telegram-Kanal „Haus unter Lorbeeren“ betreibt. Agna Becker wiederum zitiert „unabhängige Studien von 'N' “ und damit kommen wir zur eigentlichen Nachricht.
Nach dieser Studie würde die durchschnittliche Überlebensdauer eines Soldaten bei einem Angriff an den vordersten Positionen nur 20 - 35 Minuten betragen. Laut der selben Studie betrage die „durchschnittliche Lebenserwartung“ eines Soldaten von der Zeit seiner Ankunft auf dem Übungsplatz bis zu seiner Abreise in den Kampfgebiet von zehn Tagen bis zu drei Wochen.
Ganz unrealistisch sind diese Aussagen nicht, wie unsere vielen Beispiele über Kurzzeitsoldaten zeigen. Wir haben Agna Becker angeschrieben und um einen Link auf die Originalveröffentlichung gebeten. Eine Antwort ist nicht zu erwarten.
„Ich freue mich auf meinen Tod“ ist der Titel einer bekannten Kantate von Johann Sebastian Bach. Die ist dem Autor spontan zum unten veröffentlichten - KI-generierten - Video eingefallen. In diesem werden 46 russische Soldaten vorgestellt, die alle aus der Großstadt Artjom oder deren näheren Umgebung in der Region Primorje stammen. Zur Erinnerung - die Region Primorje liegt im Fernen Osten Russlands. Die Soldaten im Video werfen ihre Waffen weg, lachen dabei und schreiten ins Nirwana.
Wieviel sinnvoller wäre es gewesen, wenn all diese Soldaten sich diesem verbrecherischen Krieg verweigert und gemeinsam ihre Waffen niedergelegt hätten? Sie wären zumindest lebend nach Hause gekommen. So dürfte auch diese KI-generierte Schmonzette keine Hilfe und Trost für ihre Angehörigen darstellen.
Im ersten Quartal 2026 floss beinahe jeder zweite Rubel aus dem russischen Staatshaushalt in das Militär. Das berichtet ein Mitarbeiter der deutschen Stiftung Wissenschaft und Politik in seinem aktuellen Rundschreiben. Ganz genau betragen die militärischen Ausgaben inzwischen 46% des gesamten russischen Haushalts.
Am 01.08.1914 ist Deutschland in den Ersten Weltkrieg eingetreten, am 11. November 1918 unterzeichnete eine deutsche Delegation den Waffenstillstand. Berechnet man die Zeitspanne des Krieges, so kommt man auf 1.564 Tage Krieg.
Am 24.02.2022 begann die zweite russische Invasion der Ukraine. Bis zum heutigen Tag gerechnet sind das inzwischen 1.570 Tage Krieg, der Konflikt dauert also inzwischen länger als der Erste Weltkrieg - trotz zwischen 300.000 und 500.000 russischen und vermutlich 100.000 ukrainischen Kriegstoten, all den Kriegsversehrten und unermesslicher Zerstörung der Lebensgrundlage der Menschen in der Region. Und noch immer ist kein Ende in Sicht.
Und zur Erinnerung: Die erste russischen Invasion in der Ukraine fand bereits im Jahr 2014 statt, als Russland die Krim gewaltsam annektierte und russische Geheimdiensttruppen in den Donbass einsickerten.
Das Dorf Uinskoje liegt in der russischen Region Perm mit etwa 4.000 Bewohnern. Vermutlich wurde in diesem Dorf ein Versuchsballon gestartet. In einer Information auf der VKonatkte-Seite der „Verwaltung des Stadtbezirks Uinsky“ wurde eine Anzeige der Verwaltung veröffentlicht. Danach werden Frauen in der Region Perm für den Kriegseinsatz rekrutiert. Die Behörden versprechen ein Gehalt von 210.000 Rubel pro Monat und einen Bonus von 1,5 Millionen Rubel für die Unterzeichnung eines Vertrags mit dem russischen Verteidigungsministerium. Der Vertrag soll eine Laufzeit von einem Jahr beinhalten. (Allerdings können solche Verträge laut einem Erlass des Präsidenten so lange verlängert werden, solange die Mobilisierung nicht aufgehoben ist.)
Laut dem Informationstext können nur Frauen zwischen 18 und 35 Jahren einen Vertrag als Drohnenpilotin unterzeichnen, Frauen unter 45 Jahren dürfen sich für Positionen als Fahrerin für humanitäre Hilfstransporte bewerben.
Die Informationsseite wurde inzwischen gelöscht. Allerdings ist es uns gelungen, noch einen Screenshot der betreffenden Anzeige zu sichern (Original, deutsche Übersetzung.).
Die russische Zensur verbietet die genaue Berichterstattung über die vielen ukrainischen Drohnenangriffe auf Erdölraffinerien und Militärstützpunkte im ganzen Land. Die örtlichen Medien berichten deshalb nur sehr zögerlich über die Resultate und zitieren lieber staatliche Erfolgsmeldungen, dass wieder eine Vielzahl von Drohnen abgeschossen wurden.
In den Kommentaren zu den Berichten der großen lokalen Medien ließen die Bürger ihrer Wut freien Lauf und verspotteten Behörden und Regierung. Wir haben mehrfach solche Kommentare veröffentlicht.
In den letzten Tagen gab es erneut Drohnenangriffe auf die Region Krasnodar und St. Petersburg. Wieder wurde im Raum Krasnodar eine Erdöl verarbeitende Anlage in Brand gesetzt und bei St. Petersburg wurde ein Munitionslager angegriffen. Es kam zu Explosionen, die Bevölkerung in der Nähe wurde evakuiert.
Leserkommentare zu den Berichten von Fontanka in St. Petersburg sind jetzt nicht mehr möglich, die Funktion wurde deaktiviert.
Die russische Staatsbank hat eine neue Tabelle über ihre Währungsreserven bis einschließlich 1. Mai veröffentlicht. Danach verkauft die Zentralbank seit Jahresanfang monatlich eine beträchtliche Menge an Gold - insgesamt knapp 28 Tonnen.
Russland dürfte durch den Verkauf etwa 3,7 Milliarden Euro eingenommen haben. Das russische Staatsvermögen wird aber nur zu einem geringen Teil, wenn überhaupt, bei den Bürgern ankommen. Der Staat benötigt die Einnahmen, um seinen Krieg gegen die Ukraine zu finanzieren.
„Udmurtien gegen Koruption“ ist ein Telegram-Kanal, über den wir auch Meldungen über russische Kriegstote aus der russischen Teilrepublik Udmurtien beziehen. Der Gründer des Kanals, Iwan Elisejew, hatte bis zum Jahr 2021 das regionale Büro Alexej Nawalnys geleitet. Ende 2021 verließ auch Elisejew Russland, um einer Verhaftung zu entgehen.
„Udmurtien gegen Koruption“ wurde inzwischen in das russische Register der „ausländischen Agenten“ aufgenommen. Iwan Elisejew wurde aktuell vom russischen Innenministerium zur Fahndung ausgeschrieben.
Am 13. und 14. Mai startete Russland den größten Drohnenangriff auf Kiew und die gesamte Ukraine. Moskau setzte 1.567 Drohnen und 56 weitere Raketen ein. Allein in Kiew wurden 24 Menschen getötet.
Zwei Tage später griffen ukrainische Drohnen zum ersten Mal in großem Umfang die Region Moskau an. Ziele waren eine Erdölraffinerie und Betriebe mit militärischer Produktion. Mindestens drei Menschen wurden getötet.
Zum Bericht des Moskauer Internetportals MSK1 über die Schäden, gab es auch einige interessante Kommentare:
Das WZIOM ist ein staatliches Meinungsforschungsinstitut in Russland, das größte seiner Art im Land. Es veröffentlicht regelmäßig Untersuchungen über die Beliebtheitswerte des Präsidenten, der russischen Regierung und der Stimmung im Land. Im April 26 berichtete das Institut, dass die Zustimmungswerte zur Amtsführung des Präsidenten auf 65,6% gefallen wäre. Dem Ministerpräsidenten und seine Regierung bescheinigte das Institut Zustimmungswerte von 44,3%, bzw. 39,7%. Für eine deutsche Regierung wären das beruhigende Werte, im autoritären Staat Russland geht so etwas nicht.
Im Mai 2026 änderte WZIOM dann die Methodik - und siehe da, die Werte für Putin wurden besser. Zitat:
Laut den Ergebnissen einer gemeinsamen Umfrage unter Russen lag die Zustimmungsrate für die Leistung des Präsidenten im Zeitraum vom 4. Mai bis 10. Mai 2026 bei 66,8 %. Die positive Bewertung der Arbeit des Premierministers und der russischen Regierung in der vergangenen Woche betrug 42,2 % bzw. 38,9 %.
Damit kann Präsident Putin ganz gut leben und alle aktuellen politischen Probleme an seine Regierung adressieren.
Damit alles passt, hat WZIOM diesmal seine Methodik verändert. Statt einer reinen Telefonbefragung der Bürger, ist man jetzt zusätzlich von Haustüre zu Haustüre gegangen und hat die Menschen direkt angesprochen.
Frage an unsere Leser: Würden Sie in einem autoritären Staat eine ehrliche Antwort geben, wenn ein Unbekannter vor ihrer Tür steht und Sie nach Ihrer Meinung zum Präsidenten befragt? Auch wenn der Frager versichern würde, alles bliebe anonym?
Jeder deutsche Bundeskanzler wäre glücklich und froh, wenn er die Zustimmungswerte des russischen Präsidenten auch nur annähernd erreichen könnte. Die lagen seit Beginn des Angriffskrieges stabil bei über 80% in der russischen Bevölkerung.
Doch Unruhe kommt auf, das einzig verbliebene, unabhängige russische Meinungsforschungsinstitut, das Lewada-Zentrum, berichtet von ihrer letzten Umfrage vom 30.04.26:
Die Zustimmungswerte für Wladimir Putin als Präsident lagen im April 2026 bei 79 Prozent und sind in den vergangenen sechs Monaten kontinuierlich gesunken – um 8 Prozentpunkte seit September 2025. 16 Prozent der Befragten missbilligen die Amtsführung des Präsidenten (ein Anstieg um 5 Prozentpunkte seit September 2025). Dies ist das erste Mal seit Herbst 2022, dass dieser Wert unter 80 Prozent gefallen ist.