15.08.2026 -- 225.397// Zuwachs zum 31.07.2026: 1.835
Der russische Dienst der BBC hat heute einen detaillierten Bericht über die im Kampf um die Stadt Bakhmut gefallenen Wagner-Söldner vorgelegt. Die Redaktion hat Listen über die Entschädigungszahlen für die getöteten Söldner zugespielt bekommen. Danach wurden 108 Milliarden Rubel an die Hinterbliebenen ausgezielt, also etwa 1,08 Milliarden Euro. Über die Entschädigungszahlungen für verletzte Soldaten wurde allerdings nichts bekannt. Für jeden gefallenen Söldner erhielten Angehörigen eine Prämie von fünf Millionen Rubel.
Im Prinzip bestätigen die Listen die Angaben von Jewgeni Prigoschin selbst, dass etwa 20.000 Söldner beim Kampf um Bakhmut gefallen sind. Allerdings gab Prigoschin an, dass etwa die Hälfte der Kriegstoten reguläre Söldner gewesen wären, die andere Hälfte aus der Haft rekrutierte Gefängnisinsassen. Diese Angabe stellte sich als falsch heraus. Tatsächlich dürften etwa 17.000 ehemalige Häftlinge sein und 3.000 normale Söldner.
"Die BBC erhielt eine vollständige Liste mit persönlichen Daten von 19.547 toten Wagner-Anhängern, von denen nicht 50 % Gefangene waren, wie Prigozhin behauptete, sondern insgesamt 88 % – das sind 17.175," schreibt die BBC.
Ebenfalls bestätigten die Zahlen, dass die Gruppe Wagner knapp 50.000 Häftlinge aus den russischen Strafanstalten rekrutiert hatte. "Wen brauchen wir? Der ideale Kandidat ist sozusagen ein Mann aus dem strengen Regime, kein Erstverurteilter. Er ist 30-45 Jahre alt, stark, selbstbewusst, zäh. ...Vorzugsweise mehr als einmal wegen Mord, schwerer Körperverletzung, Raub, Raubüberfall [verurteilt]. Wenn er ein paar Verwaltungsbeamte oder Polizisten [verprügelt hat] - das ist noch besser. Wir brauchen Ihre kriminellen Talente", sagte Prigozhin bei einer Rekrutierung im Straflager.
Im zentralen Teil Tschuwaschiens liegt das kleine Dorf Tschuwaschisch-Timjaschi mit 850 Einwohnern. Es hat auch schon bessere Tage erlebt, die Bevölkerung schrumpft. Aus diesem Dorf kam Aleksey Nikolajewitsch Radjukow, ein Veteran des sowjetischen Afghanistankrieges und folglich auch nicht mehr ganz jung. Mit seinen 57 Jahren und zahlreichen Medaillien für Mut glaubte Aleksey auch noch im Krieg gegen die Ukraine gebraucht zu werden. "Er konnte nicht zu Hause bleiben, als die Hydra der braunen Pest gegen Russland aufstieg," schrieb ein unbekannter Autor in seinem Nachruf. Aleksey wurde am 24. März 24 getötet.
Der nächste hochrangige russische Offizier, der am 20. Mai 24 getötet wurde, dürfte ebenfalls ein Opfer des Raketenangriffs auf einen Kommandoposten in der Region Luhansk sein. In der Nachricht seines Todes fehlen allerdings genauere Angaben.
Dabei handelt es sich um Oberst Roman Wiktorowitsch Guryanow, geboren am 10.03.1978, aus der Kleinstadt Bikin in der Region Chabarowsk. Auch Gryanow hat sich Meriten in Syrien verdient und an seine breite Brust geheftet. Er soll eine ABC-Schutzeinheit kommandiert haben, viel mehr ist nicht bekannt.
Am 20. Mai gab es einen weitreichenden Raketenangriff der ukrainischen Armee auf ein Dorf in der Region Luhansk. Ziel war eine Akademie des Innenministeriums der Luhansker Regierung, die auch als Kommandoposten der russischen Armee diente. In dem Gebäudekomplex fand gerade eine Besprechung hochrangiger Offiziere statt. Nach einem Telegramkanal wurden 13 Militärangehörige getötet und weitere 26 verletzt.
Zumindest ein Todesopfer können wir inzwischen benennen. Es ist Oberst Igor Gennadjewitsch Micherkin, geb. am 27. Mai 1979 in der Stadt Tscheboksary, Republik Tschuwaschien. Seine Schwester meldete seinen Tod.
Im von Russland besetzten Teil der Ukraine wird nach dem Soldaten Dmitri Wladimirowitsch Kurlygin gesucht, geboren am 1. Februar 1989 aus Mordwinien. Der Mann war wohl von Kameraden verprügelt und gehänselt worden, um "Kampfzahlungen" von ihm zu erpressen. Nach Rückkehr von einem Kampfeinsatz entledigte Dimitri, anngeblich betrunken, sich seiner Peiniger. Mit einem Maschinengewehr AK-74 erschoss er in der Nacht vom 29. Mai 24 laut Steckbrief die Soldaten Alexander Petrowitsch Kalimanow, Alexej Wladimirowitsch Saposchnikow und Ruslan Andrejewitsch Goltjajew. Mit einem Lada floh dann Dmitri vom Tatort.
Dmitri Wladimirowitsch Kurlygin war ein Sturm-V Soldat, der aus einer Haftanstalt für das russische Militär rekrutiert wurde. Er saß eine Strafe von 15 Jahren in einer Hochsicherheitskolonie ab.
Roman Litasow ist am 19. Mai 24 an der Front bei der ukrainischen Stadt Tschassiw Jar getötet worden. Ende Mai wurde sein Tod das beherrschende Thema in der russischen Stadt Omsk und viele meinten, darüber berichten zu müssen. Aber zunächst das Aktuelle:
Roman Litasow, geb. 31.05.1988, hatte sich wahrscheinlich bereits 2022 der Gruppe Wagner angeschlossen. Ein genaues Datum ist nicht bekannt. Sein Kampfname war "Litagor" und er galt als harter Bursche. Nebenbei veröffentlichte er noch seine Erfahrungen auf einem Telegram-Kanal. Roman überlebte Wagner und schloss sich nach einiger Zeit den Hooligans der Hispaniola-Einheiten an. Dort fand er sein Ende.
Vor dem Krieg war Roman ein Fitnesstrainer in einem großen Club in Omsk. Nebenbei betätigte er sich noch als Amateurschauspieler wie auf dem Foto. 2021 gab es einen Konflikt mit der Schriftstellerin, Feministin und Aktionistin Daria Serenko. Er hatte wie viele andere Russen einen grob abfälligen Kommentar in deren sozialem Netzwerk hinterlassen: „Das Tier ist fertig. Femki sind keine Menschen. Grüße aus Posdnjakow."
Das Fitnessstudio entließ darauf Roman, der ein Jahr später seine Karriere als Söldner startete. Wir veröffentlichen dazu in der Rubrik "Gefallene Soldaten" einen langen Beitrag einer Frau samt aller Kommentare aus VKontakte, die diesen Konflikt betreffen.
Daria Serenko hat sich auf Twitter zu seinem Tod geäußert.
Unser Landsmann, Teilnehmer der Sonderoperation Viktor Alexandrowitsch Beduschew, ist gestorben.
Er wurde am 11. April 1999 in Jogač geboren. Er studierte an der Yogachi-Schule, trieb Sport und verteidigte die Ehre der Schule bei kommunalen und regionalen Wettbewerben. Er war Mitglied einer ländlichen Sportmannschaft, die an Nationalfeiertagen auftrat. Nach der Schule ging er zur Arbeit, diente in der Armee und nahm 2023 an einem Sondereinsatz teil.
Während seines Urlaubs im Februar dieses Jahres kam Victor in seine Heimatschule, besuchte seine Lieblingslehrer, brachte Blumen mit und erzählte ihnen von seinen Plänen für ein zukünftiges friedliches Leben. Er kam aus dem Krankenhaus zurück, nachdem er im Kampf verwundet worden war und wollte nun gewinnen. Victor sagte, dass solche Tests nicht nur körperliche, sondern auch moralische Stärke erfordern. Er betonte auch, wie wichtig es sei, bereit zu sein, das eigene Vaterland zu verteidigen.
„Er wird in unseren Herzen als wahrer Held bleiben, der sein Leben für die Zukunft unseres Landes gegeben hat. Wir werden uns stets mit Respekt und Dankbarkeit an ihn erinnern. Ewiger Ruhm und gesegnete Erinnerung an unseren Helden-Landsmann“, sagte die Bezirksverwaltung Turochak in einer Erklärung.
Stanislaw Wladimirowitsch Melnikow, geboren am 5. November 1988, stammt aus der usbekischen Stadt Yangiyer. Irgendwann hat es den Mann ins russische Obninsk, Kaluga Oblast, verschlagen. Allgemein werden die Zuwanderer aus den südlichen ehemaligen Sowjetrepubliken nicht mit Freuden in die russische Gesellschaft aufgenommen. Aber es gibt einen Weg: Stanislaw wurde am 26. Juli 2022 russischer Staatsbürger, am 22. August 22 trat er seinen Militärdienst an - freiwillig.
Zumindest für Stanislaw hat sich der Pass nicht ausgezahlt. Am 4. Mai 2024 wurde er getötet.
Es ist jetzt beinahe ein Jahr her, seit die Gruppe Wagner den Aufstand gegen die russische Armee probte. Nach dem Tod Prigoschins wurde der militärische Teil aufgelöst oder in die reguläre Armee integriert. Doch noch immer finden wir Meldungen über getötete Söldner, die wir bisher nicht registriert hatten:
Im Krieg mit der Ukraine starb ein Bewohner des Bezirks Kowrowski in der Region Wladimir, Wjatscheslaw Wladimirowitsch Bakajew, der für die Gruppe Wagner gekämpft hatte. Er starb am 14. März 2023, was jedoch erst jetzt bekannt wurde. Ein Bürger der Region entdeckte sein Grab mit der Aufschrift „Ein Kämpfer, der sein Leben für Russland gab“ auf dem neuen Kowrow-Friedhof in der Nähe des Dorfes Igumnowo.
Bakajew wurde aus der Kolonie für den Krieg rekrutiert. Im Jahr 2022 verurteilte ihn das Gericht wegen Diebstahls zu einer Gefängnisstrafe von zwei Jahren und sechs Monaten. Zuvor war Bakajew wegen Diebstahls und versuchten Drogenverkaufs verurteilt worden.
Das Foto zeigt ein Begräbnis Mitte Mai im Dorf Mursalimkino in Baschkortostan. Das Dorf hatte etwas mehr als 2.000 Einwohner - fallende Tendenz. Der junge Mann, der begraben wurde, heißt Azat Samigullin und wurde am 16. März 1999 in Mursalimkino geboren.
Er meldete sich freiwillig zum Krieg, sein Vertrag lief am 30. Oktober 2023 aus. Aber Azat machte mit dem Kriegsdienst weiter - ob freiwillig oder ob er nicht entlassen wurde, wissen wir nicht. Am 26. Januar 24 schied er dann endgültig aus.
Die Stadt Marx liegt in der russischen Oblast Saratow und hat etwas über 30.000 Einwohner. Nicht weit davon entfernt liegt die Stadt Engels mit über 200.000 Einwohnern. Früher waren beide Städte fest in der Hand der Wolgadeutschen, Engels war Verwaltungssitz der autonomen Wolgadeutschen Republik. Doch auf Befehl Stalins wurde die deutschstämmigen Bewohner deportiert.
Aus der Stadt Marx kommt folgender Nachruf über einen im Krieg gefallenen Soldaten:
Infolge einer speziellen Militäroperation starb Korporal Denis Aleksandrovich Sinelnikow. Dies gab der Leiter des Bezirks Marksowsky, Dmitri Romanow, heute in den sozialen Netzwerken bekannt.
Denis Alexandrowitsch wurde in Engels geboren. Er studierte in Marx, wo er die Schule und die Berufsschule 46 abschloss.
Der Abschied des Soldaten findet am 23. Mai statt.
Rechtzeitig zu seinem Geburtstag am 1. Juni wurde ein Denkmal für Jewgeni Prigoschin auf dem Porochow-Friedhof in St. Petersburg eingeweiht.
Der russische Oligarch und Anführer der Gruppe Wagner war am 23. August 23 beim Absturz seiner Privatmaschine ums Leben gekommen. Die Umstände des Absturzes sind unbekannt und werden es wohl auch bleiben.
In Russland ist Prigoschin ein Volksheld, weil er den ukrainischen Ort Bakhmut eingenommen hatte und weil seine Soldaten eine effektive Waffe Russlands waren. Auch die Tatsache, dass Prigoschin mehr als 20.000 Söldner im Kampf gegen die Ukraine geopfert hat, ändert daran nichts. Jetzt pilgern die russischen Bürger in großer Anzahl zu seinem Grab und legen Blumen nieder.
Eduard Jurowitsch Batotsyrenow war ein anerkannter Wissenschaftler am Baikal-Institut für Umweltmanagement in Ulan-Ude in Burjatien. Er wurde am 27. September 1978 in einem Dorf in Burjatien geboren und studierte ab 1995 an der Universität in Tomsk mit dem Schwerpunkt Geographie-Ökologie. Eduard veröffentlichte zahlreiche wissenschaftliche Arbeiten zu Flora, Geographie und Umweltproblemen Burjatiens. Er war wohl ein talentierter Forscher und initiierte auch Reisen zu den archäologischen Stätten der Republik.
Ab 2020 war er beim Baikal-Institut angestellt und spezialisiert auf die Bereiche Geoökologie, ökologischer Tourismus, Naturschutz und Freizeitumweltmanagement.
Privat hatte Eduard drei Söhne und war der Ex-Ehemann der burjatischen Umweltministerin Natalya Tumureeva.
Aus unbekannten Gründen zog es auch den Ökologen in den Krieg gegen die Ukraine. Er meldete sich im Sommer 2023 freiwillig zum russischen Militär und bereits im Herbst brach der Kontakt zu seiner Familie ab. Am 12. Oktober wurde er getötet und es dauerte eine ganze Weile bis seine Angehörigen die Nachricht erhielten. Am 4. Juni 24 soll auch Eduard endlich bestattet werden.
Nachtrag: Das ist bereits der dritte russische Ökologe, den wir kennen und der in den Krieg gezogen ist. Vorher hatten wir über Michail Alexejewitsch Mitrochow aus Baschkirien und Maxim Perewezentsew aus Swerdlowsk berichtet.
Söldnertum ist auch in Kasachstan verboten. Die Regierung des Landes will sich im Krieg Russlands gegen die Ukraine neutral verhalten, wer am Krieg teilnimmt riskiert eine Freiheitsstrafe von fünf bis neun Jahren. Und doch dürften die ethnischen Kasachen die größte Gruppe stellen, die auf Seiten Russlands sterben. Medet Akischew veröffentlicht regelmäßig die kasachischen Männer, die im Krieg gefallen sind über seinen VKontakte-Account.
Ein pro-russischer Telegram-Kanal aus der besetzten ukrainischen Hafenstadt Kertsch berichtet, dass am 17. Mai 24 ein kaschischer Bürger in Kertsch begraben wurde. Auch er war im Krieg gefallen und hatte sich wohl mit seinem Kriegsdienst einen russischen Pass eingehandelt.
Wladimir Nikolajewitsch Tischtschenko (Foto) wurde am 18. Juni 1991 in Kasachstan, Region Dschambul, Bezirk Kordai, Dorf Karasu geboren. Nach der Schule trat er in die Armee ein und diente 2013 am Militärinstitut für interne Truppen des Innenministeriums der Republik Kasachstan in der Stadt Petropawlowsk. 2016 verließ er seine Heimat Kasachstan. Wir wissen dass solche Einwanderer aus den südlichen Staaten der ehemaligen Sowjetunion in Russland nicht gut gelitten sind. In der Todesnachricht wird das dann so formuliert: "Im Interesse seiner Familie und seiner Kinder beschloss er, sich für die Sicherheit des Landes einzusetzen. Im September 2022 trat Wladimir in die Reihen der russischen Armee ein und leistete seinen Militärdienst mit Ehre und Würde. An der Front fand der Soldat eine andere Familie – seine Kameraden."
Die Republik Altai grenzt an Kasachstan, China und Mongolei. Sie liegt malerisch im Altaigebirge, ist aber dünn besiedelt. Nur etwas über 200.000 Menschen leben dort. Gemessen an der Bevölkerung sterben sehr viele der Bewohner im Krieg gegen die Ukraine.
Aus der Republik Altai zog es auch Andrej Nikolajewitsch Baschin in diesen Krieg. Er hatte den Beruf eines Maurers und Gas-Elektroschweißers erlernt, war 47 Jahre alt und meldete sich freiwillig zum Kriegsdienst. Im Dezember 2022 wurde er Teil der Freiwilligenabteilung Bars, wahrscheinlich für ein halbes Jahr. Und weil die Sache für ihn gut ging, unterschrieb er am 1. Dezember 23 einen Einjahresvertrag mit dem russischen Militär. Den konnte er nicht bis zum Ende erfüllen, am 20. Mai wurde er im Dorf Myama im Altai beerdigt.
In der russischen Region Swerdlowsk gibt es eine Stadt mit dem schönen Namen Asbest. Von dort kam Sergej Michailowitsch Korotajew, der im Jahr 2004 wegen eines Raubüberfalls und Doppelmordes zu 25 Jahren Haft verurteilt wurde. Ende 2022 beantragte der Mann, die verbleibende Strafe durch Zwangsarbeit zu ersetzen, was abgelehnt wurde.
Eine neue Chance auf Freiheit ergab sich durch die Sturm-V Einheiten. Ende September 2023 verpflichtete sich Sergej bei einem solchen Selbstmordkommando und einen Monat war er dann auch erwartungsgemäß tot. Oder auch nicht - die Militäreinheit verdächtigte ihn, ein Deserteur zu sein.
Das brachte seine Familie in Aufregung, denn dann bliebe ja die erwartete Todesprämie aus. Also befragten seine Angehörigen die Kameraden von Sergej, wo er denn geblieben sei. Es stellte sich heraus, dass er tatsächlich getötet worden war. Seine Kollegen hatten ihn gleich an Ort und Stelle begraben, damit keine Tiere ihn fressen sollten.
Am 15. Mai wurde Sergej schließlich ganz offiziell und mit Salutschüssen in Asbest begraben.
Tariq Al Asaad kam aus dem Bezirk Al-Maafer im Jemen. Er hatte sich als Söldner dem russischen Militär angeschlossen und kämpfte an der Front in der Nähe von Kreminna.
Tariq hatte sich im Herbst 2023 für den Kriegsdienst gemeldet. Dafür gab es eine gute Bezahlung und den russischen Pass. Den wird er nicht mehr brauchen, er wurde in der ersten Woche des Monats Mai getötet. Seine Frau und sein Sohn leben in Moskau.
Wir haben unserer Liste der Zusammenstellungen anderer Medien eine weitere Region zugefügt. Die kritische Initiative Vornadzor hat eine neue Liste veröffentlicht. Sie hat für die Region Woronesch insgesamt 852 Menschen gefunden, die im Krieg gegen die Ukraine getötet wurden. Leider ist die Liste sehr spartanisch ausgeführt und verlinkt nicht auf die Originalinformation.
Kanasch ist eine Stadt mit ca. 45.000 Einwohnern in der russischen Teilrepublik Tschuwaschien. Eine Sekundarschule der Stadt hat im Mai feierlich einen Heldenschreibtisch eingeweiht. Der ehemalige Schüler Maxim Wladislawowitsch Eremejew war am 26. März bei einem russischen Angriffsversuch getötet worden. Seine Schwester durfte während der Feier an diesem Heldenschreibtisch sitzen (Foto). Die Schule schreibt dazu: "Wir sind stolz darauf, dass ein so heldenhafter Mensch wie Maxim Wladislawowitsch Eremejew an unserer Schule studiert hat. Seine Leistung wird unsere Schüler dazu inspirieren, in Studium und Sport hohe Ergebnisse zu erzielen und die besten Persönlichkeitsmerkmale zu entwickeln."
Gewagte Äußerungen, denn besonders intelligent kann Maxim nicht gewesen sein. Er hatte sich im November 22 für ein Jahr beim Militär verpflichtet und war am 14.11 23 vertragsgemäß entlassen worden. Statt froh zu sein, das eine Jahr überlebt zu haben, zog er am 26. Februar 24 erneut in den Krieg - für genau einen Monat.
Die Behörden von der kleinen russischen Teilrepublik Kabardino-Balkarien hatten für das Jahr 2022 Entschädigungszahlungen für 85 im Krieg gegen die Ukraine getöteten Bürger bezahlt. Wir kannten nur die Namen von 62 Personen, 23 blieben unbekannt. Jetzt ist wieder ein neuer Name aufgetaucht.
Oberleutnant Alan Gedgagow wäre in der Ukraine im Jahr 2022 getötet worden, schrieb die Verwaltung der Region Tersky am 9. Mai in ihrem Telegram-Kanal und berichtete über die Eröffnung von Gedenktafeln für Teilnehmer im Krieg gegen die Ukraine an einer Schule im Dorf Werchnij Akbasch. Laut Tafel wurde Alan am 18.05.1998 geboren und am 29.09.2022 getötet.
Es sind immer wieder die selben Geschichten, von denen wir hier berichten müssen. In der Region Perm gibt es das Städtchen Dobrjanka mit über 30.000 Einwohnern. Es liegt malerisch am Ufer der Kama, die dort zu einem großen See aufgestaut ist. Aus einem Dörfchen der Region kam Wjatscheslaw Alexandrowitsch Bachmatow, geboren 1996. Er hatte offensichtlich keinen Beruf gelernt, arbeitete nach dem Wehrdienst als Zimmermann, Betonarbeiter und als Mechaniker. Am 21. Januar 24 unterschrieb er beim Militär für den Kriegsdienst, am 26. Februar war er tot.
Im Nachruf fabuliert dann eine lokale Internetseite: "Mit brennenden Augen ging er los, um sein Heimatland zu verteidigen. Er betrachtete es als seine Pflicht und Ehre. Er sagte: Wer sonst, wenn nicht ich. Er kämpfte immer für Gerechtigkeit und liebte die Ordnung in allem. Im Herzen war er ein sehr bescheidener und verletzlicher Mensch."

Alexej Bazujew stammt ursprünglich aus Gain, Bezirk Komi-Permyak in der Region Perm. Der junge Mann lebte in Perm, arbeitete als Hausmeister in einer der Kirchen der Regionalhauptstadt und arbeitete als Taxifahrer. Alexey Bazuev hat vor kurzem geheiratet, seine Frau erwartet ein Kind. Aber er hatte keine Zeit, sein Erstgeborenes zu sehen, er meldete sich vor weniger als einem Monat freiwillig für den nördlichen Militärbezirk. Und er ist gestorben. Der verstorbene Soldat hinterließ eine schwangere Frau und eine kranke Mutter.
ProPerm.ru vom 12.05.24
Viele Nachrichten über gefallene Soldaten werfen mehr Fragen auf, als sie beantworten. Nadja Chomjuk aus Moskau schreibt zum Beispiel auf VKontakte: "Mein Bruder, Alexej Wladimirowitsch Simakow, geboren am 27.01.1975, ging am 05.03.2023 in den nördlichen Militärbezirk, war in Bachmut, verwundet am 06.02.2023, lag 10 Monate im Koma. Gestorben am 04.03.2024." Das ist traurig genug.
Dazu veröffentlicht sie das Foto eines jungen Mannes, das definitiv nicht zum Alter des Soldaten passt. So etwas kommt hin und wieder vor, die Menschen wollen ein positives Bild ihrer getöteten Angehörigen zeichnen. Die wahrscheinlichste Möglichkeit dürfte sein, dass es sich um einen in einer Strafanstalt rekrutierten Söldner der Gruppe Wagner handelt. Von langjährigen Insassen der Lager gibt es selten aktuelle Fotos. Dazu passt auch das Datum seiner schweren Verletzung und der Ort - die Gruppe Wagner stürmte unter schweren Verlusten Bakhmut zu dieser Zeit.
Die Geschichten im postsowjetischen Raum sind manchmal kompliziert. Da hätten wir den turkmenischen Staatsbürger Sergej Grigorjan. Der junge Mann wurde 1997 in Turkmenistan geboren, kommt aber aus einer armenischen Familie. Seine Mutter arbeitet als Krankenschwester in einer Kinderklinik in Türkmenbaşy, einer Hafenstadt am Kaspischen Meer in Turkmenistan.
Im Herbst 2022 verpflichtete sich Sergej beim russischen Militär für ein halbes Jahr und zog in den Krieg gegen die Ukraine. Er wurde verwundet und lag in Donezk im Krankenhaus. Seinen Militärvertrag verlängerte er nicht. Mit den 15.000 Dollar Sold kam er zurück nach Turkmenistan und kaufte seiner Mutter eine Einzimmerwohnung in Türkmenbaşy.
Auf Instagram veröffentlichte Sergej seine Abenteuer und machte so die örtliche Justiz auf sich aufmerksam. Denn auch in Turkmenistan ist Söldnertum verboten. Allein für Söldnertum sieht das Strafgesetzbuch eine Strafe von sieben bis zehn Jahren Gefängnis vor. Wenn nachgewiesen wird, dass der Soldat während des Krieges jemanden getötet hat, erhöht sich die Haftstrafe auf 10 bis 25 Jahre mit oder ohne Vermögensbeschlagnahme.
Also verkaufte Sergejs Mutter die Wohnung wieder, um mit dem Geld die örtliche Polizei zu schmieren, damit diese beide Augen im Fall von Sergej zudrücken. So blieb der junge Mann unbehelligt.
Ein Journalist fragte ihn zuletzt, warum Sergej nicht für seine historische Heimat Berg-Karabach gekämpft habe. Er antwortete, dass die meisten seiner Freunde Aserbaidschaner seien und er sich daher nicht an diesem Konflikt beteiligen könne.
Wie gesagt, die Geschichten im postsowjetischen Raum sind kompliziert.
Zur Orientierung - Ussurijsk ist eine Großstadt in der Region Primorje im Fernen Osten Russlands. Die Stadt hat etwa 180.000 Einwohner, sie ist 60 km von der chinesischen Grenze und genau so weit vom pazifischen Ozean entfernt.
In einem lokalen Telegram-Kanal wurde jetzt ein Video veröffentlich, das kurz und knapp 75 Namen mit Foto und Geburts-, bzw. Sterbedatum von im Krieg gegen die Ukraine getöteten Soldaten aus Ussurijsk nennt. Wir haben drei fünf Namen nachgetragen.

Andrej Viktorowitsch Reznikow wurde am 12.05.1970 in der Region Krasnodar geboren. Nach seinem Wehrdienst wurde er Mitglied der berüchtigten OMON-Einheiten (Nationalgarde). Er kämpfte im Krieg gegen die Tschetschen und war an Antiterror-Aktionen beteiligt.
Als er aus Altersgründen aus dem Dienst ausscheiden musste, hatte er immer noch nicht genug vom Krieg. Im Jahr 2014 verkleidete er sich als Separatist und beteiligte sich am ersten Krieg gegen die Ukraine.
Danach gab es im Kriegshandwerk für Andrej nichts mehr zu verdienen, er zog um nach Burjatien, heiratete und arbeitete im Schichtdienst. Doch sein bürgerliches Leben war nicht von Dauer. Im Januar 2026 unterzeichnete er einen Militärvertrag, der bereits am 23. Mai 2026 von ukrainischer Seite gekündigt wurde.
Im kalten Winter 2022 in Ischewsk, der Hauptstadt der russischen Teilrepublik Udmurtien, sang eine Gruppe Friedensdemonstranten das Lied „Möge es immer Sonenschein geben“. Wir haben darüber berichtet. Das Lied, aus der Perspektive eines kleinen Jungen, ist ein Apell an uns Menschen, den Frieden zu sichern. Das Lied gehört(e) zur sowjetischen Jugendkultur und wurde auch von den jungen Pionieren in der DDR gerne gesungen. Hier eine Version von Pete Seeger.
Der russische Refrain lautet etwa so:
Möge es immer Sonnenschein geben,
möge es immer blauen Himmel geben,
möge es immer Mama geben,
möge es immer mich geben!
In Anbetracht dieses Jahrhundertsommers können wir feststellen: Den ewigen Sonnenschein und den immer blauen Himmel haben wir. Den Frieden dagegen noch nicht.
OM, 11.08.26
Wir haben unsere Liste mit den deutschen Namen der Kriegstoten bis zum Juni 2026 aktualisiert. Insgesamt sind es jetzt 1.855 Namen.
Bitte beachtet - all diese Kriegstoten müssen nicht unbedingt einen russlanddeutschen Hintergrund haben. Sicher gibt es darunter auch einige Russen, die nur noch den Namen führen, aber mit russlanddeutscher Kultur nichts zu tun haben. Es ist durchaus auch möglich, dass sich darunter auch jüdische Namen befinden, die aus dem deutschen Sprachraum nach Osten gewandert sind.
Typisches Beispiel dafür ist der Nachname „Katzenelnbogen“, den wir einigemale in Russland angetroffen haben. Katzenelenbogen ist eine Kleinstadt am Rande des Taunus, den Namen hat eine jüdische Dynastie angenommen, die dort im Mittelalter gegründet wurde.
Und natürlich - es ist auch möglich, dass wir uns bei einigen der Namen getäuscht haben und diese eine andere Herkunft haben.
CK, 07.08.26
Die Opferlisten der russischen Regionen haben wir in den letzten Tagen bis Ende Juni 2026 aktualisiert. Eine Zusammenfassung des Monats Juni ist in den kommende Tagen zu erwarten.
Folgende Regionallisten wurden neu angelegt:
OM, 02.08.26
Da wir jeden Tag mehrere Kurzzeitsoldaten unter den russischen Kriegstoten finden, haben wir etwas umgestellt. Diese Personalien sind aus unserer Rubrik „Personalien & Kurznachrichten“ verschwunden, wir haben dafür eine neue Rubrik „Ohne viele Worte“ erstellt. Dort findet man nur den Namen des Kurzzeitsoldaten und das Datum der Veröffentlichung. Mit einem Klick auf den Namen erhält man das übliche Profil dieses Menschen.
Zunächst haben wir unsere letzte Veröffentlichung der 12 Kurzzeitsoldaten dort eingestellt, der Beitrag ist deshalb von der Titelseite verschwunden. In den nächsten Tagen werden wir täglich mehrere neue Kurzzeitsoldaten veröffentlichen, die bisher auf Halde liegen.
Auf Anfrage einiger Leser haben wir unserer Tabelle mit den vermutlich russlanddeutschen Kriegstoten noch eine Liste der regionalen Verteilung hinzugefügt.
Wie zu erwarten kommen die meisten dieser Kriegstoten aus Sibirien: Region Altai, Omsk und Nowosibirsk.
Das Übersetzen der russischen Namen ins Deutsche ist ein Kapitel für sich. Wir machen das mit dem Übersetzungsprogramm von DeepL. Allerdings ist das Ergebnis so, dass man alle Namenübersetzungen überprüfen muss. Spätestens nach einigen Namen fällt das Programm wieder ins Englische zurück und die Ergebnisse sind nur schwer lesbar. Manchmal vergisst das Programm auch Endungen oder wirft Zeichen mit fremden, nicht deutschen Akzentzeichen aus.
Beim Durchgehen der übersetzten Namen markieren wir die deutschen mit einem Sonderzeichen, damit wir diese in eine extra Tabelle überführen können. Was macht DeepL zuletzt? Haben wir solch einen Namen markiert und verbessern in der Folge weitere Namen, dann markiert KI diese auch mit jenem Sonderzeichen. So rutschen auch russische Namen automatisch in unsere Tabelle der Russlanddeutschen.
Folglich - alles muss erneut korrigiert werden.
Es ist alles zusammen gekommen, die Hitze der letzten Tage, die unsere Arbeitsmoral untergraben hat, durch die hessischen Ferien bedingte dünne Besetzung und schließlich ist unsere EDV-Erfassung auch noch abgestürzt. So dauerte unsere Zusammenfassung des Monats Mai länger als geplant. Wir bitten um Entschuldigung.
Die Todeslisten aller russischen Regionen sind jetzt bis zum Monat Mai 2026 aktuell. Die übliche Zusammenfassung werden wir bis zum 16.07.26 vorlegen.
Folgende Regionallisten wurden neu angelegt:
Wir hatten etwas Probleme mit unserer internen IT, deshalb haben wir uns mit dem Monat April 2026 weiter verspätet und konnten auch keine aktuellen Themen einschieben. Die Zusammenfassung werden wir am morgigen Donnerstag vorlegen.
Alle russischen Regionen wurden bereits mit den Daten des Monats April 2026 aktualisiert.
Folgende Listen wurden neu angelegt:
Wir haben alle russischen Regionen mit den Daten des Monats März 2026 aktualisiert.
Folgende Listen wurden neu angelegt:
Die ausführliche Zusammenfassung zum Monat März 2026 und die erfassten Daten zum April 2026 werden wir bis spätestens 12. Mai vorlegen können.
CK, 11.05.2026
Wir sind gerade im Stress und bereiten den Abschluss des Monats März 2026 vor. So haben wir versehentlich einen unfertigen Beitrag online gestellt: „Für Glaube und Vaterland in Nowomoskowsk“. Wir bitten um Entschuldigung.
Wir haben den Beitrag wieder versteckt, er wird erst in den nächsten Tagen - dann hoffentlich komplett - veröffentlicht.
OM 07.05.2026
Am Abend des 5. Mai 2026 war unsere Domain „oskarmaria.de“ nicht zu erreichen. Nach hektischen Versuchen, das Problem auf unserem Webserver zu suchen, mussten wir feststellen, dass wir nicht unternehmen können. Die Namensauflösung für de-Domains war bei Denic gestört. Über unsere zweite Domain https://www.gibtsnet.eu sind wir weiterhin & ungestört zu erreichen.
Zum Beitrag über die beiden in Russland inhaftierten Frauen Natalia Leonhardt und Daria Jegerewa wollen wir noch einige Anmerkungen nachreichen.
Nach der Verhaftung der beiden Frauen wurde zunächst nur der Name von Daria Jegerewa bekannt. Die Familie von Frau Leonhardt wollte, dass ihr Name nicht genannt werden solle. Sie versprachen sich so bessere Chancen vor Gericht. Das ist nicht eingetreten.
Aber dazu passt: Wir hatten beim Unterstützerkomitee angefragt, ob wir ein Foto benutzen können, das beide Frauen zeigt. Am folgenden Tag haben wir die Erlaubnis bekommen, die dann wenig später zurückgezogen wurde. Die Verantwortliche hatte unsere Webseite besucht und meinte danach, dass eine Fotoveröffentlichung in unserem Kontext den beiden Frauen eher schaden würde. Wir wollen das nicht weiter kommentieren.
Russische Freiwillige, die in den ersten drei Monaten nach Vertragsunterzeichnung an der Front getötet wurden, stellen wir unter der Überschrift „Ohne viele Worte“ vor. Da es zu viele waren, haben wir zunächst maximal einen Gefallenen pro Tag veröffentlicht. Aktuell ist die Situation so, dass es in vielen Regionen inzwischen untersagt ist, die genauen Daten anzugeben, wann der Vertrag unterschrieben und wann der Freiwillige getötet wurde. Neue Freiwillige sollen durch solch eine Wahrheit nicht abgeschreckt werden, meinen die russischen Behörden.
Wir haben uns deshalb entschieden, wieder alle Kurzzeitsoldaten zu veröffentlichen, die wir registrieren. Das sind meist Männer aus Burjatien, da in dieser Region - teilweise - noch immer ausführliche Nachrufe publiziert werden. Burjatien steht stellvertretend für alle russischen Regionen, wie unser aktuelles Beispiel aus Transbaikalien zeigt. Im Bezirk Krasnotschikoisky haben wir unter 128 Gefallenen insgesamt 36 Kurzzeitsoldaten gefunden.
Eine aktuelle Liste der Antrittsprämien aller rusischen Regionen, die der russische Staat für Zeitsoldaten bezahlt, haben wir hier veröffentlicht.
Wir haben alle russischen Regionen mit den Daten des Monats Februar 2026 aktualisiert.
Folgende Listen wurden neu angelegt:
Die ausführliche Zusammenfassung zum Februar 2026 und die erfassten Daten zum März 2026 werden wir bis spätestens 10. April vorlegen können.
OM, 09.04.2026
Vielleicht ist euch aufgefallen, dass wir sehr häufig Personen aus Burjatien vorstellen. In unserer Rubrik der Kurzzeitsoldaten (Ohne viele Worte) sind überwiegend Gefallene aus Burjatien vertreten. Das hat einfache Gründe - in Burjatien werden gewohnheitsmäßig ausführliche Nachrufe auf die im Krieg getöteten Landeskinder veröffentlicht. So erfahren wir viele Details. Das kommt in anderen Regionen eher selten vor, häufig werden auch mißliebige Daten gezielt verheimlicht. So zum Beispiel dass die getöteten Soldaten aus der Haft an die Front entlassen wurden, dass sie nur eine kurze Überlebensdauer hatten, usw. In einigen Regionen wie Baschkortostan sind inzwischen solche detaillierten Nachrichten verboten, häufig wird sogar das Alter verschwiegen.
So muss Burjatien als Beispiel herhalten, wenn es um Kurzzeitsoldaten, jugendliche Dummköpfe und Häftlinge geht. Es wird in allen anderen Regionen nicht viel anders sein.
Wir haben alle russischen Regionen mit den Daten des Monats Januar 2025 aktualisiert.
Es wurden neun neue Listen angelegt:
Die ausführliche Zusammenfassung zum Januar 2026 und die erfassten Daten zum Februar 2026 werden wir bis spätestens 13. März vorlegen können.
OM, 12.03.26
Der Trend bei den Nachrufen hält an - konkrete Daten werden nicht mehr angegeben. So will es die russische Regierung. Damit kann man nicht mehr abschätzen, wie lange der Zeitvertrag mit dem Militär dauerte oder besser, wie schnell der Soldat nach Vertragsunterzeichnung getötet wurde. Auch wird die Feststellung verhindert, wie lange der getötete Soldat irgendwo an der Front liegen blieb.
Normalerweise haben wir max. einen Kurzzeitsoldaten pro Tag in unserer Rubrik „Ohne viele Worte“ veröffentlicht. Das haben wir heute ausnahmsweiße verändert und alle Kurzzeitsoldaten gelistet, die uns im Zeitraum vom 19. bis 20. Januar 26 aufgefallen sind. Als Beleg dafür, dass auch weiterhin viele russischen Freiwilligen nur kurze Zeit an der Front überleben, auch wenn diese Tatsache unterdrückt werden soll.
CK, 23.02.26
Nach aktuellen Berichten wurden von der russischen Behörde für das Internet "Roskomnadsor" alle „Sozialen Netzwerke“ des Meta-Konzerns abgeschaltet. Folglich sind Facebook, Instagram und der Nachrichtendienst Whatsapp in Russland nicht mehr zu erreichen. Für uns ist das beinahe bedeutungslos. Nur aus der russischen Teilrepublik Nordossetien-Alanien kamen manchmal Informationen via Instagram.
Schwieriger stellt sich die Situation bei Telegram dar. Viele Meldungen von unabhängigen & kritischen Gruppierungen kommen aus Russland über Telegram. Und auch staatliche Akteure nutzen dieses Medium häufig zur Präsentation und Dokumentation ihrer Arbeit. Im Moment berichten Nutzer aus Russland, dass sich Videos und Fotos nur langsam aufbauen - wenn überhaupt. Telegram ist also noch nicht ganz abgeschaltet, aber der Zugriff deutlich erschwert. Wir werden weiter berichten.
OM, 11.02.26
Wir haben jetzt alle russischen Regionen mit den Daten des Monats Dezember 2025 aktualisiert. Es wurden sechs neue Listen angelegt:
Die ausführliche Zusammenfassung zum Dezember 2025 und die erfassten Daten zum Januar 2026 werden wir bis spätestens 4. Februar vorlegen können.
CK, 01.02.26

Nachdem die Aufmerksamkeit zu unseren Veröffentlichungen wächst, eine kurze Information zu OskarMaria.
Unter diesem Pseudonym war der Initiator im Internet seit über 25 Jahren recht unregelmäßig präsent. Ab dem Jahr 2014 hat er hier über die Situation in den von Russland besetzten Gebieten des Donbass geschrieben. Als einer der ersten Journalisten überhaupt informierte er über die damals neu gegründete Gruppe Wagner.
Beruflich war er seit den 80-iger Jahren Geschäftsführer von diversen Medienunternehmen im Printbereich. Jetzt im Ruhestand, Kinder erwachsen, bleibt etwas mehr Zeit, die gesammelten Erfahrungen zusammen mit wenigen Mitstreitern für dieses Projekt zu nutzen.
Nachtrag: OskarMaria– das ist eine kleine Verbeugung vor dem beinahe vergessenen Schriftsteller Oskar Maria Graf. In Zeiten der Bücherverbrennungen wurden seine Werke von den Nazis verschont, ja sogar teilweise empfohlen. „Verbrennt mich!“ schrieb er 1933 in der Wiener Arbeiterzeitung, „nach meinem ganzen Leben und nach meinem ganzen Schreiben habe ich das Recht, zu verlangen, dass meine Bücher der reinen Flamme des Scheiterhaufens überantwortet werden und nicht in die blutigen Hände und die verdorbenen Hirne der braunen Mordbanden gelangen!“ Schließlich floh er in die USA – dort lebte er in bescheidenen Verhältnissen. Deutschland wollte den unbequemen Mann nach dem Krieg nicht wieder haben. Er starb 1967 in New York.
Literaturempfehlung: Wir sind Gefangene - Autobiograhie 1927.
Doppelt
Wladimir: 25. Artem Kozhenkov // Nischni Nowgorod: 35 Artem Kozhenkov
Wolgograd: 01 Juri Agarkov // Pskow: 41 Juri Agarkow
Kutelev Stanislav, dreifach, Kostroma, Rjasan und Orenburg. Nur Orenburg
Nikolai Symov, Rjasan & Tschuwaschien - nur Tschuwaschien
Mamontov Mikhail - Krasnodar Teil 1 & Teil 2
Ivan Alekseevich Chulkov, Kostroma, Pos. 51/56
Elimov Alexey Michailowitsch , Kostroma & Tschuwaschien
Falsch einsortiert
Ruslan Khamitov, Tscheljabinsk, kein Söldner der Gruppe Wagner
Jabloko ist die einzige Partei in Russland, die sich gegen den Angriffskrieg gegen die Ukraine ausspricht. Sie wurde durch Beschluss eines Moskauer Gerichts, von den kommenden Parlamentswahlen ausgeschlossen. Geklagt hatte die linksnationalistische Partei „Rodina“, die sich selbst nationalkonservativ nennt. Soviel zur allgemeinen Verwirrung.
In ihrer Klage warf Rodina der Partei Jabloko Uhrheberrechtsverletzungen vor. So hätte Jabloko ohne Genehmigung Zeilen aus dem Antikriegslied „Es soll immer Sonnenschein geben“ und die Zeile „Wenn es doch nur keinen Krieg gäbe“ aus Alexander Wolodins Theaterstück „Fünf Abende“ verwendet, sowie Umfragedaten des Lewada-Zentrums zitiert. Es gibt in der Klage weitere Vorwürfe ähnlicher Qualität.
Bliebe zum Schluss noch zu erwähnen: Der Sohn des Komponisten des Liedes „Es soll immer Sonnenschein geben“ hatte der Partei ganz offiziell die Erlaubnis zur Nutzung gegeben.
In den ersten sechs Monaten dieses Jahres hat Russland 43,5 Tonnen Gold verkauft. Aber es hat noch reichlich Reserven, Anfang Juli sollen sich noch 2.282 Tonnen Gold in den staatlichen Tresoren befunden haben. Trotzdem bedeutet dieser Verkauf den größten Rückgang der Goldreserven in den letzten 25 Jahre.
Der Goldverkauf dient in erster Linie der Deckung des russischen Haushaltsdefizits, der Staat muss immer höhere Ausgaben für den Krieg gegen die Ukraine finanzieren. Allerdings dürfte jenes verkaufte Gold meist im Land geblieben sein. In unsicheren Zeiten heben die Russen gerne ihre Rücklagen vom Konto ab und kaufen dafür Gold.
Die Kleinstadt Bad Ems liegt an der unteren Lahn und nur wenige Kilometer von der Stadt Koblenz entfernt. Bad Ems hatte seine Glanzzeit im 19. Jahrhundert. Es war die Kurstadt und Sommerresidenz von bedeutendem Adel und angesagten Künstlern. So führte zum Beispiel die Emser Depesche zum Französisch-Deutschen Krieg 1870/71.
Auch der russische Zar Alexander der II. verbrachte den Sommer gerne in Bad Ems. Dort unterzeichnete er am 30. Mai 1876 den „Emser Erlass“. Damit verbot er die Einfuhr und Veröffentlichung von Schriften in ukrainischer und belarussischer Sprache im Russischen Kaiserreich und stellte Zuwiderhandlungen unter Strafe. Eine kaiserliche Kommission hatte festgestellt, dass die Verwendung der ukrainischen Sprache staatsgefährdend wäre.
Dieses russische Überheblichkeitsdenken gegenüber den „Kleinrussen (Ukrainer)“ wirkt bis heute nach. Auf ihm basiert auch der propagandistische Überbau, mit dem der „Putinismus“ den russischen Angriffskrieg begründet.
Foto: Silin2005 -- Lizenz: Gemeinfrei -- Die Plakette wurde nach dem russischen Angriffskrieg 2022 von Unbekannten entfernt.
Wir hatten bereits über die Aussage der russischen Militätbloggerin Agnes Becker berichtet, die in ihrem Telegramkanal eine angeblich unabhängige Studie zitiert hatte. Danach würde die durchschnittliche Überlebensdauer eines Soldaten bei einem Angriff an den vordersten Positionen nur 20 - 35 Minuten betragen. Am letzten Mittwoch bestätigte der CIA-Direktor John Ratcliff diese Aussage:
„Unsere Erkenntnisse decken sich mit einigen Berichten aus offenen Quellen, die Sie möglicherweise im Zusammenhang mit der Ukraine gesehen haben: Die durchschnittliche Lebenserwartung eines russischen Rekruten, der derzeit auf dem Schlachtfeld in der Ukraine eintrifft, wird auf 20 bis 30 Minuten geschätzt.“
Durch den Einsatz von Drohnen mit KI-Unterstützung steigen jedoch die Verlustzahlen auch weit hinter der Front. Im folgenden Video sieht man solch eine Drohne, die zielgerichtet einen russischen Militärlaster ausschaltet. Vermutlich handelt es sich um die in Deutschland hergestellt HX-2 der Rüstungsfirma Helsing.
Die Kleinstadt Tschulym liegt etwa 130 km westlich der Hauptstadt Nowosibirsk. In der Stadt und im dazugehörigen Bezirk leben rund 20.000 Menschen - Tendenz rückläufig. Die Gegend ist landwirtschaftlich geprägt, etwa ein Drittel aller Erwerbstätigen arbeiten in diesem Bereich.
Ein Denkmal erinnert an die Toten aus den sowjetischen und russischen Kriegen. Im Krieg in Afghanistan sind zwei Soldaten aus dem Bezirk getötet worden, in den Tschetschenienkriegen wurden acht Männer getötet und im aktuellen Krieg gegen die Ukraine wurden bisher 113 Namen eingraviert.
Setzt man jene 113 Kriegtoten ins Verhältnis zur Bevölkerung, so würde jene Region an zweiter Stelle aller russischen Regionen in unserer entsprechenden Tabelle stehen.
Peter Frankopan ist Professor für Weltgeschichte an der Universität Oxford. In einem Essey über Wladimir Putin zitiert er den exilrussischen Telegram-Kanal „Astra“. Astra selbst zitiert in einem Beitrag eine/n Z-Blogger/in „Agna Becker“ der/die den Telegram-Kanal „Haus unter Lorbeeren“ betreibt. Agna Becker wiederum zitiert „unabhängige Studien von 'N' “ und damit kommen wir zur eigentlichen Nachricht.
Nach dieser Studie würde die durchschnittliche Überlebensdauer eines Soldaten bei einem Angriff an den vordersten Positionen nur 20 - 35 Minuten betragen. Laut der selben Studie betrage die „durchschnittliche Lebenserwartung“ eines Soldaten von der Zeit seiner Ankunft auf dem Übungsplatz bis zu seiner Abreise in den Kampfgebiet von zehn Tagen bis zu drei Wochen.
Ganz unrealistisch sind diese Aussagen nicht, wie unsere vielen Beispiele über Kurzzeitsoldaten zeigen. Wir haben Agna Becker angeschrieben und um einen Link auf die Originalveröffentlichung gebeten. Eine Antwort ist nicht zu erwarten.
„Ich freue mich auf meinen Tod“ ist der Titel einer bekannten Kantate von Johann Sebastian Bach. Die ist dem Autor spontan zum unten veröffentlichten - KI-generierten - Video eingefallen. In diesem werden 46 russische Soldaten vorgestellt, die alle aus der Großstadt Artjom oder deren näheren Umgebung in der Region Primorje stammen. Zur Erinnerung - die Region Primorje liegt im Fernen Osten Russlands. Die Soldaten im Video werfen ihre Waffen weg, lachen dabei und schreiten ins Nirwana.
Wieviel sinnvoller wäre es gewesen, wenn all diese Soldaten sich diesem verbrecherischen Krieg verweigert und gemeinsam ihre Waffen niedergelegt hätten? Sie wären zumindest lebend nach Hause gekommen. So dürfte auch diese KI-generierte Schmonzette keine Hilfe und Trost für ihre Angehörigen darstellen.
Im ersten Quartal 2026 floss beinahe jeder zweite Rubel aus dem russischen Staatshaushalt in das Militär. Das berichtet ein Mitarbeiter der deutschen Stiftung Wissenschaft und Politik in seinem aktuellen Rundschreiben. Ganz genau betragen die militärischen Ausgaben inzwischen 46% des gesamten russischen Haushalts.
Am 01.08.1914 ist Deutschland in den Ersten Weltkrieg eingetreten, am 11. November 1918 unterzeichnete eine deutsche Delegation den Waffenstillstand. Berechnet man die Zeitspanne des Krieges, so kommt man auf 1.564 Tage Krieg.
Am 24.02.2022 begann die zweite russische Invasion der Ukraine. Bis zum heutigen Tag gerechnet sind das inzwischen 1.570 Tage Krieg, der Konflikt dauert also inzwischen länger als der Erste Weltkrieg - trotz zwischen 300.000 und 500.000 russischen und vermutlich 100.000 ukrainischen Kriegstoten, all den Kriegsversehrten und unermesslicher Zerstörung der Lebensgrundlage der Menschen in der Region. Und noch immer ist kein Ende in Sicht.
Und zur Erinnerung: Die erste russischen Invasion in der Ukraine fand bereits im Jahr 2014 statt, als Russland die Krim gewaltsam annektierte und russische Geheimdiensttruppen in den Donbass einsickerten.
Das Dorf Uinskoje liegt in der russischen Region Perm mit etwa 4.000 Bewohnern. Vermutlich wurde in diesem Dorf ein Versuchsballon gestartet. In einer Information auf der VKonatkte-Seite der „Verwaltung des Stadtbezirks Uinsky“ wurde eine Anzeige der Verwaltung veröffentlicht. Danach werden Frauen in der Region Perm für den Kriegseinsatz rekrutiert. Die Behörden versprechen ein Gehalt von 210.000 Rubel pro Monat und einen Bonus von 1,5 Millionen Rubel für die Unterzeichnung eines Vertrags mit dem russischen Verteidigungsministerium. Der Vertrag soll eine Laufzeit von einem Jahr beinhalten. (Allerdings können solche Verträge laut einem Erlass des Präsidenten so lange verlängert werden, solange die Mobilisierung nicht aufgehoben ist.)
Laut dem Informationstext können nur Frauen zwischen 18 und 35 Jahren einen Vertrag als Drohnenpilotin unterzeichnen, Frauen unter 45 Jahren dürfen sich für Positionen als Fahrerin für humanitäre Hilfstransporte bewerben.
Die Informationsseite wurde inzwischen gelöscht. Allerdings ist es uns gelungen, noch einen Screenshot der betreffenden Anzeige zu sichern (Original, deutsche Übersetzung.).
Die russische Zensur verbietet die genaue Berichterstattung über die vielen ukrainischen Drohnenangriffe auf Erdölraffinerien und Militärstützpunkte im ganzen Land. Die örtlichen Medien berichten deshalb nur sehr zögerlich über die Resultate und zitieren lieber staatliche Erfolgsmeldungen, dass wieder eine Vielzahl von Drohnen abgeschossen wurden.
In den Kommentaren zu den Berichten der großen lokalen Medien ließen die Bürger ihrer Wut freien Lauf und verspotteten Behörden und Regierung. Wir haben mehrfach solche Kommentare veröffentlicht.
In den letzten Tagen gab es erneut Drohnenangriffe auf die Region Krasnodar und St. Petersburg. Wieder wurde im Raum Krasnodar eine Erdöl verarbeitende Anlage in Brand gesetzt und bei St. Petersburg wurde ein Munitionslager angegriffen. Es kam zu Explosionen, die Bevölkerung in der Nähe wurde evakuiert.
Leserkommentare zu den Berichten von Fontanka in St. Petersburg sind jetzt nicht mehr möglich, die Funktion wurde deaktiviert.
Die russische Staatsbank hat eine neue Tabelle über ihre Währungsreserven bis einschließlich 1. Mai veröffentlicht. Danach verkauft die Zentralbank seit Jahresanfang monatlich eine beträchtliche Menge an Gold - insgesamt knapp 28 Tonnen.
Russland dürfte durch den Verkauf etwa 3,7 Milliarden Euro eingenommen haben. Das russische Staatsvermögen wird aber nur zu einem geringen Teil, wenn überhaupt, bei den Bürgern ankommen. Der Staat benötigt die Einnahmen, um seinen Krieg gegen die Ukraine zu finanzieren.
„Udmurtien gegen Koruption“ ist ein Telegram-Kanal, über den wir auch Meldungen über russische Kriegstote aus der russischen Teilrepublik Udmurtien beziehen. Der Gründer des Kanals, Iwan Elisejew, hatte bis zum Jahr 2021 das regionale Büro Alexej Nawalnys geleitet. Ende 2021 verließ auch Elisejew Russland, um einer Verhaftung zu entgehen.
„Udmurtien gegen Koruption“ wurde inzwischen in das russische Register der „ausländischen Agenten“ aufgenommen. Iwan Elisejew wurde aktuell vom russischen Innenministerium zur Fahndung ausgeschrieben.
Am 13. und 14. Mai startete Russland den größten Drohnenangriff auf Kiew und die gesamte Ukraine. Moskau setzte 1.567 Drohnen und 56 weitere Raketen ein. Allein in Kiew wurden 24 Menschen getötet.
Zwei Tage später griffen ukrainische Drohnen zum ersten Mal in großem Umfang die Region Moskau an. Ziele waren eine Erdölraffinerie und Betriebe mit militärischer Produktion. Mindestens drei Menschen wurden getötet.
Zum Bericht des Moskauer Internetportals MSK1 über die Schäden, gab es auch einige interessante Kommentare:
Das WZIOM ist ein staatliches Meinungsforschungsinstitut in Russland, das größte seiner Art im Land. Es veröffentlicht regelmäßig Untersuchungen über die Beliebtheitswerte des Präsidenten, der russischen Regierung und der Stimmung im Land. Im April 26 berichtete das Institut, dass die Zustimmungswerte zur Amtsführung des Präsidenten auf 65,6% gefallen wäre. Dem Ministerpräsidenten und seine Regierung bescheinigte das Institut Zustimmungswerte von 44,3%, bzw. 39,7%. Für eine deutsche Regierung wären das beruhigende Werte, im autoritären Staat Russland geht so etwas nicht.
Im Mai 2026 änderte WZIOM dann die Methodik - und siehe da, die Werte für Putin wurden besser. Zitat:
Laut den Ergebnissen einer gemeinsamen Umfrage unter Russen lag die Zustimmungsrate für die Leistung des Präsidenten im Zeitraum vom 4. Mai bis 10. Mai 2026 bei 66,8 %. Die positive Bewertung der Arbeit des Premierministers und der russischen Regierung in der vergangenen Woche betrug 42,2 % bzw. 38,9 %.
Damit kann Präsident Putin ganz gut leben und alle aktuellen politischen Probleme an seine Regierung adressieren.
Damit alles passt, hat WZIOM diesmal seine Methodik verändert. Statt einer reinen Telefonbefragung der Bürger, ist man jetzt zusätzlich von Haustüre zu Haustüre gegangen und hat die Menschen direkt angesprochen.
Frage an unsere Leser: Würden Sie in einem autoritären Staat eine ehrliche Antwort geben, wenn ein Unbekannter vor ihrer Tür steht und Sie nach Ihrer Meinung zum Präsidenten befragt? Auch wenn der Frager versichern würde, alles bliebe anonym?
Jeder deutsche Bundeskanzler wäre glücklich und froh, wenn er die Zustimmungswerte des russischen Präsidenten auch nur annähernd erreichen könnte. Die lagen seit Beginn des Angriffskrieges stabil bei über 80% in der russischen Bevölkerung.
Doch Unruhe kommt auf, das einzig verbliebene, unabhängige russische Meinungsforschungsinstitut, das Lewada-Zentrum, berichtet von ihrer letzten Umfrage vom 30.04.26:
Die Zustimmungswerte für Wladimir Putin als Präsident lagen im April 2026 bei 79 Prozent und sind in den vergangenen sechs Monaten kontinuierlich gesunken – um 8 Prozentpunkte seit September 2025. 16 Prozent der Befragten missbilligen die Amtsführung des Präsidenten (ein Anstieg um 5 Prozentpunkte seit September 2025). Dies ist das erste Mal seit Herbst 2022, dass dieser Wert unter 80 Prozent gefallen ist.
Am 9. Mai feierte ganz Russland den Tag des Sieges über Nazideutschland. Aus Sicherheitsgründen wurden landesweit die Massenveranstaltungen mit Militärparaden und schwerem Gerät abgesagt. Doch kleinere Paraden fanden statt, häufig mit Bezug auf den Krieg gegen die Ukraine.
„Gesucht wird Valentin Michailowitsch Kulikow, geboren am 22.03.2007. Militäreinheit 75281. Er ging am 09.06.2025 in Redkodub auf Patrouille. Ab dem 11.06.2025 wurde er vermisst. Von der Einheit wurde berichtet, dass die Gruppe unter einen Mörserbeschuss geraten sei und die Soldaten sich zur Erhaltung der Truppe zerstreut hätten. Seine Mutter sucht nach ihm. Es gibt zwei Möglichkeiten: Entweder er ist gefangen oder er liegt in einem Buschversteck. Dort herrscht eine Temperatur von 40 Grad.“ Telegram vom 11.08.25 (Kopie).
Inzwischen wissen wir aus dem russischen Erbschaftsregister, dass Valentin am 11. Juni 2025 getötet wurde. Ein Foto und weitere Informationen haben wir nicht gefunden.
Was wir aber sicher wissen: Valentin wurde am 22.03.2025 18 Jahre alt. Erst danach konnte er einen Vertrag mit dem russischen Militär abschließen. Und militärische Vorkenntnisse hatte er auch nicht. 81 Tage oder nicht ganz drei Monate nach seinem 18. Geburtstag wurde Valentin an der Front verheizt.
Am 30. April begeht Russland zum ersten Mal den Tag der indigenen Völker. Vor Vertretern verschiedener Ethnien erklärt Wladimir Putin:
In der Russischen Föderation leben 47 indigene Völker. Jedes von ihnen ist ein integraler Bestandteil des Landes und seiner unverwechselbaren Vielfalt und trägt zudem einzigartige Bräuche, kulturelle Codes und nationale Eigenheiten. Jede ethnische Gruppe innerhalb der brüderlichen Völkerfamilie Russlands stellt das gemeinsame Erbe des Landes dar. Dessen Erhaltung, Wachstum und Wohlergehen bedeuten unmittelbar die Erhaltung und das Wachstum des gesamten multinationalen Volkes Russlands.
Perm - das ist die östlichste Millionenstadt in Europa und Hauptstadt der gleichlautenden Oblast. Ukrainische Langstreckendrohnen haben in der Nacht zum 29. April 2026 Rohöl verarbeitende Anlagen in der Stadt in Brand gesetzt. Eine riesige schwarze Rauchsäule steigt seither zum Himmel.
Der Gouverneur der Region, Dimitri Machonin, gibt Entwarnung: „Die Schadstoffwerte liegen im Normbereich und stellen keine Gefahr für die Einwohner von Perm dar.“ Im Bericht des Internetmediums 59.RU geht es in den Kommentaren hoch her. Einige Beispiele:
Am 17. April wurde der Vater des 43-jährigen christlichen Bloggers Vegan Christoljub Boschij (Foto links bei einer Anti-Kriegsdemonstration) informiert, dass er die Leiche seines Sohnes aus einer Strafkolonie in der Oblast Woronesch abholen könne. Sein Sohn hätte sich in seiner Zelle erhängt. Seine Familie hält einen Selbstmord für unwahrscheinlich: „Seinen religiösen Überzeugungen zufolge ist das eine Sünde“, sagten sie.
Vegan, der bürgerlich mal Dimitrij Kusnetzow hieß, war bekennender Christ, Kriegsgegner und Veganer. Er hatte sich in YouTube-Videos kritisch zur Rolle der Sowjetunion im 2. Weltkrieg geäußert und meinte zudem, dass der Islam nicht als Religion der Gewaltlosigkeit betrachtet werden sollte. Dafür bekam Vegan drei Jahre Haft in einer Strafkolonie.
Vegan war allerdings alles andere als ein weltabgewandter christlicher Fundamentalist, wie auch seine Einschätzung des russischen Präsidenten zeigt:
„Seit 25 Jahren regiert das Land ein verrückter, alter Geheimdienstler, der längst kein heimlicher, sondern ein offenkundiger Menschenfresser geworden ist, dessen jedes Wort per Definition eine Lüge ist. Polen hat Hitler 1939 dazu gezwungen, es anzugreifen.... Wir bedrohen niemanden, wir brauchen keine fremden Länder, Wehrpflichtige kämpfen nicht (im Krieg gegen die Ukraine, Red.), es wird keine Mobilmachung geben, ‚sie sind nicht da‘. Wir brauchen die Krim nicht, ich werde das Rentenalter nicht anheben, sie ist untergegangen (Flaggschiff Moskwa, Red.), ich werde die Verfassung nicht ändern, ich werde nicht für eine dritte Amtszeit kandidieren, ich werde mich nicht an der Macht festklammern und so weiter, man könnte die Liste noch sehr lange fortsetzen. Nur in einer Sache hat er nicht gelogen, nämlich als er sagte, ich zitiere RIA Novosti vom 12. 2. 2004: „Wenn man sieben Jahre lang so als Präsident arbeitet, kann man den Verstand verlieren.“
In den letzten Tagen sind russische Gerbera-Drohnen über der ukrainischen Region Sumy aufgetaucht und haben Flugblätter abgeworfen. Flugblätter über feindlichem Gebiet abzuwerfen ist eine bekannte Methode der psychologischen Kriegsführung, die man bereits aus dem zweiten Weltkrieg kennt. Im russischen Krieg gegen die Ukraine werden Flugblätter aus der Luft von beiden Seiten verwendet, meist um die gegnerischen Soldaten zur Kapitulation aufzufordern.
Neu ist allerdings, dass Russland versucht, mit der Weltpolitik Ängste bei der Zivilbevölkerung auszulösen. Und wer wäre da besser geeignet als der amerikanische Präsident? So bildet jenes Flugblatt die aktuelle politische Situation nach. Donald Trump wendet sich von der Ukraine ab (was er eigentlich schon länger tut) und kümmert sich um seinen eigenen Krieg gegen den Iran. Der Text: „Die Hilfe für die Ukraine gehört der Vergangenheit an!“