30.11.2025 -- 162.913 // Zuwachs zum 31.10.2025: 9.801
Russlands Krieg gegen die Ukraine brachte Bronja unverhofft eine zweite Karriere. Wladimir Gennadijewitsch Kotschetkow, wie der Mann eigentlich hieß, hatte vor Jahren das Militär im Rang eines Oberstleutnants verlassen. Auch er wurde im Herbst 2022 im Alter von 51 Jahren in Kasan, der Hauptstadt Tatarstans, mobilisiert und brachte mit viel Schwung die anderen Neusoldaten im Kasaner Regiment auf Linie.
Schnell stieg Bronja zum Oberst auf und kommandierte seine Kasaner Jungs an der Front. Doch dem Ehrgeiz von Bronja (bedeutet Rüstung) setzte sein Alter Grenzen. Bei einem Kampfeinsatz Mitte August starb der Mann mit jetzt 52 Jahren. Nicht die Kugel eines Feindes hatte sein Leben beendet, sondern sein Herz sendete finito. Er wurde am 22.08.23 in Kasan begraben.
OM, 12.09.23
Alexej Tuschilkin, ein Waise aus Bratsk (Region Irkutsk), wartete neun Jahre lang auf eine Wohnung vom Staat. Er hatte die Miete für die Wohnung im Voraus bezahlt hatte, stand im Jahr 2022 trotzdem nur auf Platz 1047 in der Warteschlange für Wohnungen für Waisen.
"Meine Aussichten auf eine Wohnung hier sind überhaupt nicht gut. Ich kann keine Familie gründen, was ist das, eine Familie ohne Wohnung? Ich habe daran gedacht, einen Vertrag zu schließen und in die Ukraine zu gehen. Dort sind jetzt viele Waisenkinder im Einsatz, meine Freunde und Bekannten. Was habe ich zu verlieren? Ich habe weder ein Kind noch ein Kätzchen, also gehe ich", sagte Alexej im Jahr 2022.
Alexej heiratete und meldete sich beim Militär. Im Juli 23 schickte er „Grüße aus dem Ausbildungslager“ in Noworossijsk in der Region Krasnodar.
Das militärische Rekrutierungsbüro teilte seiner Frau kürzlich mit, dass Alexejs Abteilung am 15. August durch Drohnen zerstört wurde.
OM, 11.09.23
"Wir geben unsere eigenen nicht auf!", das ist eine Parole Russlands in seinem Krieg gegen die Ukraine. Sie steht für zwei Dinge, nämlich die Heimholung der "slawischen Brüder" ins russische Reich und für die Bereitschaft der russischen Soldaten, niemals ihre Waffenbrüder aufzugeben oder zurückzulassen.
Das durfte auch Denis Krawtschenko aus Kaliningrad erfahren. Der 21-jährige Soldat war ein typischer Kandidat für das Militär, ohne Eltern aufgewachsen, die Großmutter gab wenig Halt, den gab dafür das Militär. Denis war mittendrin, als im September 22 die russische Front in der Region Charkiw zusammenbrach.
Die russischen Soldaten rannten um ihr Leben und Denis ging irgendwo im Durcheinander verloren. Manche Kollegen meinten, er wäre gefangen genommen worden, ihm wäre die Munition ausgegangen. Das dachte auch das Kommando der "Baltischen Flotte", aber später ausgetauschte Soldaten meinten, ihn tot irgendwo gesehen zu haben.
Großmutter und Schwester suchten unermüdlich nach Denis, brachten manchen Bürokraten zum Schwitzen. Schließlich brachte ein DNA-Abgleich Erfolg - die wenigen menschlichen Überreste ließen sich anders nicht mehr identifizieren.
Am 18. August 23 wurde Denis Krawtschenko schließlich in Kaliningrad verabschiedet, gemeldet wurde sein Tod am 10.09.23.
OM, 10.09.23
Auch Juri Jurjewitsch Pawlow wird nicht mehr gegen sein Heimatland kämpfen. Der Stabschef und stellvertretende Kommandeur eines Materialunterstützungsbataillons einer Marinebrigade im Rang eines Majors wurde nämlich in der Ukraine geboren. Ganz genau ist er in einem Dorf in der Oblast Luhansk aufgewachsen, das zu UDSSR-Zeiten noch Woroschilowgrad hieß.
Zum Offizier wurde Juri dann im "Fernen Osten" Russlands ausgebildet, an einem Militärinstitut in Blagoweschtschensk am Amur. Nach seinem Abschluss 2009 kam er zurück auf die Krim und gehörte zu den in Sewastopol stationierten Marinebrigaden. Er kämpfte in Syrien und ab Oktober letzten Jahres auch in der Ukraine. An der Front in Richtung Saporoschje wurde er verwundet und starb schließlich im August 23 im Krankenhaus an seinen Verletzungen.
OM, 09.09.23
Sudak ist eine Stadt auf der Krim und ein Zentrum der Wein- und Sektherstellung auf der Halbinsel. Auch von dort wurden Männer eingezogen, um gegen ihr eigentliches Mutterland Ukraine zu kämpfen. Nachstehend eine der inzwischen häufigen Todesmeldungen von der Krim:
Freunde, am 9. August 2023 starb mein Bruder während eines Kampfeinsatzes. Romka (Roman Savalny) ist nicht mehr bei uns!
Mein Bruder wurde im Oktober letzten Jahres mobilisiert und kämpfte heldenhaft und erfüllte seine Pflicht gegenüber seinem Heimatland im Gebiet des nördlichen Militärbezirks.
Jeder, der Romka kannte und ihn auf seiner letzten Reise mit seiner Familie begleiten möchte, kommt morgen, 16. August, um 13:00 Uhr auf den Stadtfriedhof von Sudak.
Die Trauerfeier findet um 12:00 Uhr in der Fürbittekirche in Sudak statt.
Mein Bruder war ein freundlicher, wirklich guter Mensch und liebte es immer, von Familie und Freunden umgeben zu sein.
Kubanische Behörden berichten, sie hätten ein Netzwerk zur Rekrutierung von Kubanern für Russlands Armee aufgedeckt. Das schreibt das kubanische Außenministerium. Danach wären in Russland lebende Kubaner angeworben worden, Schlepper hätten zudem von Russland aus versucht, Männer in Kuba als Söldner anzuwerben. Hilfreich dabei ist wohl der hohe Söldner-Sold, den Russland bereit ist zu zahlen.
„Die Feinde Kubas versuchen, das Image des Landes zu schädigen und es als Komplizen hinzustellen“, heißt es in der Erklärung. Kuba beteilige sich nicht am Konflikt in der Ukraine und verurteile Söldnertum.
OM, 05.09.23
Konstantin Popov starb für die russische Welt- die Todesnachricht:
Der Schiedsrichter der Premier League der Krim-Fußballunion, Konstantin Popov, starb in der NVO-Zone. Dies teilte der Leiter des Schiedsrichter- und Inspektionsausschusses des FSC, Yuriy Vaks, der RIA Nowosti Krim mit.
„Leider ist Konstantin gestorben. Er wurde von einer Mine in die Luft gesprengt und kämpfte eine Woche lang im Krankenhaus um sein Leben, aber leider starb er. Es geschah in Richtung Donezk“, sagte Vaks.
Popov war 25 Jahre alt, er ging als Freiwilliger in die NVO-Zone.
Der Abschied vom Verstorbenen und die Beerdigung finden auf der Krim statt.
Wjatscheslaw Andreew ist ein rühriger Priester der Orthodoxie aus der ländlichen Siedlung Sosnovy Solonets in der Region Samara. Er hat einen eigenen Telegram-Kanal, sammelt Spenden für den Krieg und segnet gerne russische Soldaten an der Front. Und natürlich ist er ein begeisterter Unterstützer des seligen Evgeny Prigoschin.
Wenn manchmal einer seiner Schützlinge wie der Soldat Ljubitski an der Front getötet wird, dann spendet er mit wohl gewählten Worten Trost:
"Unser Landsmann Wladimir Ljubitski starb heldenhaft in Richtung Cherson. Wir wissen, dass dies kein Verlust, sondern eine Errungenschaft ist. Ein weiterer Krieger ergänzte die Armee des Königs des Himmels, die Familie erhielt einen himmlischen Schutzpatron und unsere Armee erhielt einen weiteren Fürsprecher und ein Gebetbuch.
Gott ruhe mit den Heiligen R.B. Krieger Wladimir, und beschleunige durch seine Gebete unseren Sieg."
OM, 01.09.23
Zur Zeit ist auffällig, dass unter den russischen Kriegstoten sich häufiger Männer von der Krim befinden. Dies konnten wir im ersten Kriegsjahr so nicht feststellen. Wir dokumentieren hier zwei Soldaten aus Sewastopol im Originaltext:
Heute wurden zwei weitere unserer Soldaten auf ihre letzte Reise geschickt: die Gefreiten Denis Sergejewitsch Klotschkow und Denis Jurjewitsch Wassiljew.
- Denis Sergeevich Klochkov wurde in Sewastopol geboren und wuchs dort auf, studierte an der 38. Schule und erhielt dann die Spezialisierung eines Drehers an einer Berufsschule. Er arbeitete in verschiedenen Unternehmen der Stadt. Im September 2022 wurde er zur Mobilmachung einberufen, nahm als motorisierter Schütze am SVO teil.
Denis Sergeevich starb in der Nähe des Dorfes Verbove in Richtung Saporoschje.
- Denis Yuryevich Vasiliev wurde ebenfalls in Sewastopol geboren und wuchs dort auf, studierte an der 48. Schule und dann an der Nachimow-Kadettenschule in St. Petersburg. Danach erhielt er seine Hochschulausbildung an der Sewastopoler Zweigstelle der Universität Plechanow.
Denis Jurjewitsch leistete Militärdienst in der 810. Sondergarde-Brigade der Schukow-Brigade des Marinekorps, diente dann im Rahmen eines Vertrags, führte Aufgaben in Syrien aus und ging in den Ruhestand. Im September 2022 wurde er ebenfalls zur Mobilmachung einberufen, war Artillerist.
Denis Jurjewitsch starb in der Nähe des Dorfes Aljoschki in der Region Cherson.
Erinnern wir uns an unsere Helden!
Jewgeni Siderow, Jahrgang 1981, kam aus Kondapoga, einer Kleinstadt in Karelien mit etwas über 30.000 Einwohnern. Seinem Profil auf VKontakte zu Folge waren seine Hobbys Fischen und Grillen. Und er suchte eine Partnerin. Warum er im Ukrainekrieg gelandet war, geht aus den wenigen Informationen nicht hervor. Dafür dürften die letzten Minuten im Leben von Jewgeni sich etwa so abgespielt haben:
Am 16.07.23 trat der Kommandant Michail Alexandrowitsch Tschischow vor seine Soldaten und gab Befehle. Der Mann war betrunken, sein Tross weigerte sich diese Anweisungen auszuführen.
Um sich durchzusetzen zwang der Befehlshaber seine Mannschaft auf die Knie, alle sollten ihre Waffen abgeben. Und um seinen Befehlen Nachdruck zu verleihen, gab der Mann -zumindest- einen Schuss ab. Der traf den schlafenden Jewgeni Siderow in die Brust.
Wie üblich gibt es nur wenige Nachrichten auf VKontakte zu diesen Vorfall. In Medien aus Karelien konnten wir keine Bestätigung finden, solche Vorfälle werden still vertuscht. Und sicher werden die Angehörigen von Jewgeni mit sehr viel Geld ruhig gestellt.
OM, 15.08.23
Oberleutnant Aleksey Alekseevich Melnikov, Kommandeur der 6. Kompanie, war ein wahrer Held. Mit seinen Männern hielt er sechs Angriffen der Ukrainer stand - trotz deren Exkalibur- und Streumunition. Schwer verletzt koordinierte er seine Leute und hielt die Stellung ganz alleine, so dass seine Leute ohne Verluste abziehen konnten und starb schließlich.
So oder noch viel ausschweifender kann man es in unendlich vielen Heldenerzählungen in den sozialen Medien lesen. Und es gibt sogar ein kurzes Video von der Ordensverleihung an die überlebende Mannschaft.
Doch auch die ukrainische Seite schläft nicht und veröffentlicht den Militärausweis und andere Dokumente des Oberleutnants, der sich nach ihren Angaben in ukrainischer Gefangenschaft befinde - schwer verletzt. Alles gefälscht, antwortet die russische Seite.
Doch seit wenigen Tagen kursiert jetzt ein Video, das einen schwer verletzten Soldaten im Krankenhausbett zeigt. Es soll sich Aleksey Alekseevich Melnikov handeln. Wir werden den Oberleutnant besser nicht in unsere Statistik aufnehmen.
OM, 15.08.23
Wjatscheslaw Ljamaew aus Wolgograd wurde am 20. Juli 23 begraben. Er gehörte zum Bataillon der Gefängnisinsassen "Sturm-Z" und wurde Anfang Mai 23 bei Bakhmut getötet. Auch er hatte gehofft, eine lange Haftstrafe durch das Töten in einem fremden Land abkürzen zu können.
Dabei fing alles mit einem Begräbnis an. Eine Gruppe junger Freunde feierte den Geburtstag eines 22-jährigen Tadschiken. Wahrscheinlich ging es hoch her, so dass es dem Hausbesitzer Alexander Bulak zu viel wurde. Es kam zum Konflikt mit dem Geburtstagskind.
Der Konflikt wurde unter "Freunden" gelöst. Der Hausbesitzer und Wjatscheslaw Ljamaew schnappten sich ihren tadschikischen Freund und zerrten ihn in einen Scheunenkeller. Dort musste das Opfer sein eigenes Grab schaufeln, das die beiden Freunde dann zuschütteten.
Dumm nur - sie hatten das Opfer nicht nach dessen Mobiltelefon durchsucht. Also wurde das Kellergrab wieder frei gelegt. Das Handy fanden sie nicht, dafür stellten sie fest, dass das Opfer noch lebte. Hausbesitzer Bulak schlug mit einem Spaten den Ausländer zu Tode.
Das Gericht in Wolgograd verurteilte beide Täter zu langen Haftstrafen - Alexander Bulak bekam 19 Jahre, Wjatscheslaw Ljamaew bekam 17 Jahre Haft in strenger Kolonie.
OM, 14.08.23
Alexei Smirnow, 39 Jahre, kam aus der Kleinstadt Tschulym in Sibirien und arbeitete als Kraftfahrer. Er wurde im Herbst 2022 mobilisiert, im Ural ausgebildet und kam über die Region Belgorod an die Front bei Luhansk.
Alexei erlitt an der Front einen Granatenschock. Das Pfeifen und die Explosionen der Granaten kann bei Soldaten eine schwere posttraumatische Belastungsstörung hervorrufen, so dass diese nicht mehr diensttauglich sind. Ständiges unkontrolliertes Zittern, Zucken, Panikattacken und Essstörungen können als Symptome auftreten.
Alexei bekam zudem durch die nassen Schützengräben eine Lungenentzündung, sein Kreislauf spielte verrückt, schmerzende Beine und Krampfadern waren die Folge, dazu ständige Kopfschmerzen.
Ende Mai 23 wurde Alexei nach Hause geschickt und kam ins Krankenhaus nach Nowosibirsk. Ende Juni wurde er aus dem Hospital entlassen und starb noch am gleichen Abend zuhause an einem Herzinfarkt.
„Die Generation von 1914 ist gestorben im Krieg, auch wenn sie seinen Granaten entkam.“
– Im Westen nichts Neues von Erich Maria Remarque 1928
Eduard Aidarovich Sufiyanov kam aus dem Dorf Druzhinino in der Oblast Swerlowsk. Der Vertragssoldat und Unteroffizier habe seine Pflicht bis zum Ende erfüllt. Er wäre ein Beispiel für Mut und Selbstlosigkeit gewesen und hätte den Frieden und die Sicherheit Russlands vor Nationalsozialismus und Neofaschismus verteidigt, heißt es in seinem Nachruf auf der VKontakte-Seite des Dorfes. Im Juni wurde Eduard in der Region Donezk getötet und am 5. Juli in seinem Heimatdorf begraben.
Eduard ist einer von den weit über 20.000 Kriegstoten, die wir hier namentlich vorgestellt haben. Und er ist gleichzeitig der 1.000. Gefallene der Region Swerdlowsk in unseren Liste, die damit als erste Region in den vierstelligen Bereich wechselt.
OM, 30.07.23
Juri Chartschelawa stammte aus dem Dorf Starojurjewo in der Region Tambow und war 61 Jahre alt. Als Freiwilliger der Bars13-Einheit kämpfte er in der Ukraine. Am 16. Juni 23 wurde er getötet.
Seine Tochter schrieb zur Meldung seines Todes: "Zum ersten Mal, dass ich so schreibe, sind die Gedanken noch nicht gesammelt. Passt nicht in meinen Kopf. Ich liebe ihn sehr. Ich kann es nicht verstehen."
Viel weniger verständlich ist eigentlich die Tatsache, dass ein 61-jähriger Mann meint, in den Krieg ziehen müssen. Wahrscheinlich wurde auch er durch das hohe Salär angeworben, mit dem der Staat die Armen in den Krieg lockt. Und die Tochter kann sich jetzt über die Höhe der stattlichen Abfindung freuen, die locker für eine Eigentumswohnung reicht.
OM, 27.07.23
Jaroslaw Astaschkow, 21 Jahre, wurde in der Region Gomel, Weißrussland geboren. Die Ehe seiner Eltern ging schief, der Vater zog zurück in seine russische Heimat. Die Großeltern zogen den kleinen Jaroslwaw auf. Doch kaum volljährig wechselte auch der junge Mann nach Russland und trat in die Rjasaner Fallschirmjäger-Schule ein. Im Rang eines Korporals wollte er zum Kriegsbeginn die Ukraine erobern.
Bereits am 18. April 2022 war auch das Soldatentum beendet. Jaroslaw war verschollen - irgendwo lag sein toter Körper in den Weiten der Ukraine. Seine Verwandten suchten nach ihm über alle möglichen und unmöglichen Kanäle. Sogar ein Hellseher wurde engagiert.
Es dauerte bis zum Frühjahr 23 bis Jaroslaw gefunden wurde. Ein kleines Medaillon brachte die richtige Spur. 14 Monate nach seinem Tod wurde der Körper von Rostow nach Weißrussland überführt.
Am 27. Juni 23 sollte Jaroslaw Astaschkow auf dem Stadtfriedhof von Oktjabrski/Belarus begraben werden. Alles war versammelt - Angehörige, Nachbarn, örtliches Militär und Polizei. Eine Grube war ausgehoben um den Zinksarg aufzunehmen. Nur der kam nicht. Nach langem Warten zog die Trauergemeinde von dannen.
Den Grund fand man dann auch heraus - es ging um das liebe Geld. Vater und Mutter stritten sich bis zuletzt, wo der Sohnemann begraben werden sollte. Es setzte sich der Vater durch mit dem Argument - dass eine ordentliche Bestattung in Russland mit einer außerordentlichen Summe Abfindung belohnt würde - natürlich zugunsten der Eltern.
OM, 23.07.23
Konstantin Oskin aus der Region Tambow verbüsste ab seinem 14. Lebensjahr Strafen in Gefängnissen und Strafkolonien. Jetzt war er 34 Jahre alt, wollte frei sein, deshalb unterschrieb er einen Vertrag mit der Armee und kam zum Angriffskommando "Sturm-Z". Der Volksmund nennt das Bataillon inzwischen "Selbstmordkommando".
So endete das Leben von Konatantin vorhersehbar. Im April 23 Vertrag unterzeichnet, am 23. Mai 23 getötet und einen Monat später im Dorf Devitsa im Bezirk Usmansky begraben.
OM, 19.07.23
Es gibt viele Versionen in der Populärwissenschaft, die die Phasen menschlicher Empfindungen bei Trauer oder Trennung darstellen. Meistens kommt an zweiter Stelle die Wut.
So könnte man das augenblickliche Gefühl charakterisieren, das in den russischen sozialen Medien vorherrscht. Am Anfang des Krieges konnten die Menschen kaum glauben, dass jenes kriegerische Unterfangen der eigenen Regierung zu großen Verlusten führen würde.
Jetzt ist man wütend auf die Ukrainer, die sich so nachhaltig wehren. Man schimpft sie Nazis, Banderisten, dreckiges Pack, Untermenschen - je nach Bildung und Laune. Die eigene Regierung öffentlich zu verurteilen, traut sich öffentlich kaum jemand.
Aber egal ob der eigenen menschlichen Verluste, egal ob neue Soldaten eingezogen werden, egal ob der Teuerung und der Unmöglichkeit in viele Länder zu reisen, es herrscht das Motto vor:
Haupsache Gewinnen!
Will sagen - solange es noch Hoffnung auf einen Sieg gibt, unterstützt ein großer Teil der Bevölkerung ihre Regierung. Es wird noch dauern, bis man zum Verhandeln bereit ist.
OM, 19.07.23
Artem Alexandrovich Komissarov, geb. 1980, hatte ein ernsthaftes Drogenproblem. In Tschistopol, einer Stadt in der russischen Teilrepublik Tatarstan, stand er deshalb schon mehrfach vor Gericht. Der Mann lebte noch bei seiner Mutter, der dessen ausschweifender Lebensstil so gar nicht passte. Im März 2022 wollte sie ihn deshalb aus dem Haus werfen.
Artem war wie häufig betrunken, nahm ein Messer und erstach seine 65-jährige Mutter.
Danach soff der Mann in Ruhe weiter, bis schließlich ein Verwandter sich um die Mutter Sorgen machte und die Tat entdeckte.
Artem leugnete nichts und bekam 10 Jahre Lagerhaft, die er gegen einen Vertrag mit der Gruppe Wagner eintauschte. Mitte Juni 23 wurde in Tschistopol sein Tod gemeldet.
OM, 13.07.23
Jewgeni Oznobikhin, 26 Jahre alt, war ein schlimmer Finger. In der Großstadt Nischni Tagil in der Region Swerdlowsk beschäftigte er sich schwerpunktmäßig mit Diebstahl und Raub. Im April 2021 hatte er mal wieder ein Strafe abgesessen, sogleich wurde er wieder in seiner Branche aktiv. Er wurde festgenommen, bekam bis zum Prozess Hausarrest, aus dem er sich recht schnell von dannen machte. Obwohl überall nach ihm gefahndet wurde, blieb er in seiner Heimatstadt Nischni Tagil.
Beim Einbruch in eine Wohnung wurde Jewgeni vom Mieter erwischt, der ihn in ein Zimmer einsperrte und die Polizei rief. Jewgeni kam erneut ins Gefängnis, im Mai 2022 begann der Prozess, der sofort an ein anderes Gericht weitergeleitet wurde.
Ende November 2022 startete dann endlich der Prozess - nicht wirklich. Denn Jewgeni Oznobikhin hatte sich wieder der Gerichtsbarkeit entzogen. Am 23. Januar 23 resignierten dann die Richter: "Es gibt keine wirkliche Möglichkeit für den Angeklagten, am Prozess teilzunehmen." Unser Dieb hatte sich der Gruppe Wagner angeschlossen und kämpfte irgendwo in der Ukraine.
Natürlich nahm die Sache kein glückliches Ende - am 30.03.23 wurde Jewgeni getötet. Begraben ist er jetzt in der Ehrengasse des Friedhofs, viele Kränze bedecken sein Grab, über dem die Wagner-Fahne flattert. Jewgeni Oznobikhin ist jetzt ein Held.
OM, 13.07.23
Bisher sind die Bürger Moskaus unter den getöteten Soldaten im Ukrainekrieg kaum in Erscheinung getreten. Die Silowiki beschützen ihre Familien und stationieren ihre eingezogenen Männer weit hinter der Front.
Doch inzwischen nicht weit genug von den Kampflinien entfernt, denn am 31.05.23 starben sieben Moskowiter bei einem Raketenangriff, ein weiterer wurde vermisst gemeldet:
Juri Pomaskin kommt aus der Region Perm in Russland. Auf VKontakte vertritt er seine eigene Meinung zum Ukrainekrieg. Er glaubt, dass es eigentlich darum geht, den slawischen Genpool deutlich zu reduzieren. Denn wenn junge Männer aus Russland und der Ukraine massenhaft sterben, wird die slawische Rasse marginalisiert. An ihre Stelle treten dann andere Ethnien.
Man hat es geahnt - es ist lang ausgearbeiteter Plan der jüdischen Weltverschwörung. Die Akteure sitzen auf beiden Seiten der Front und haben jüdische Wurzeln. Jetzt hetzen sie die Slawen gegeneinander auf, um am Ende über diese zu herrschen.
OM, 07.07.23
Alexei Pronin ist das erste prominente Opfer der "Sturm"-Brigaden, die die Söldner der Gruppe Wagner an der Front abgelöst haben. Das Prinzip ist das Gleiche - man rekrutiert Soldaten aus dem Vorrat an Strafgefangenen und verspricht die Begnadigung nach einem halben Jahr an der Front.
Alexei Pronin war Freund und Geschäftspartner des Möbeloligarchen Michail Krawtschenko. 2011 sollte Alexei im Auftrag und mit Geld von Krawtschenko große Grundstücke im Zentrum von Rjasan aufkaufen, die zu einem insolventen Filmkopierwerk gehörten. Ein Gericht vereitelte die Transaktion, der Möbelgigant forderte seine beträchtlichen Vorinvestitionen zurück.
Pronin entschied, dass es einfacher wäre, den Möbelunternehmer loszuwerden. Er organisierte im Januar 2012 mit Angestellten eines "Sicherheitsunternehmens" einen Hinterhalt, ließ mit einem Auto die Straße blockieren und einer seiner Leute erschoss den Unternehmer.
Das Verbrechen wurde schnell aufgeklärt - Alexei Pronin wurde zu 16 Jahren Gefängnis verurteilt. Mitte Juni 23 wurde er im Krieg gegen die Ukraine getötet.
OM, 06.07.23
Alexander Klimov, 31 Jahre aus der Region Wolgograd, hatte so einiges auf dem Kerbholz: 2015 bat er ein minderjähriges Mädchen um dessen Telefon, um schnell irgendwo anzurufen. Er verschwand mit dem Handy auf der Stelle. 2018 wurde er betrunken am Steuer erwischt. 2019 attakierte er einen Taxifahrer mit einem Messer und forderte dessen Handy, Bargeld und Autoschlüssel.
Die übliche Abfolge - Haft, Wagner, Tod - hatte bei Alexander allerdings einen besonderen Aspekt. Der Mann war in einer medizinischen Abteilung untergebracht, war also ernsthaft erkrankt. Zu krank für die Justizanstalt, aber tauglich für die Front?
OM, 05.07.23
Alexander Melnikov war ein Beamter des Föderationskreises Ural. Genau genommen war er ab 2013 stellvertretender Leiter der Kleinstadt Aramil im Ural. Doch nach vier Jahren wurde er wegen Korruption gefasst und saß seit 2018 für neun Jahre im Gefängnis, dazu gab es noch eine Geldstrafe in Höhe von 4,7 Millionen Rubel. Alexander hatte sich mit einer Wohnung im Wert von 2,3 Millionen Rubel bestechen lassen.
Mitte Juni 23 wurde Alexander Melnikov begraben. Der 53-Jährige wollte es mit Wagner an der Front versuchen. Die Rechnung ging nicht auf.
OM, 04.07.23

Maxim lebte in der sibirischen Großstadt Miass in der Oblast Tscheljabinsk. In der Umgebung gibt es Goldvorkommen, die zum raschen Wachstum der Stadt beigetragen haben. Mit dem schnöden Mammon hatte Maxim ein besonderes Verhältnis. Bereits mit 18 Jahren stand er vor Gericht, weil er ein Auto gestohlen hatte. Und im Jahr 2022 stand er erneut wegen Diebstahls vor Gericht. Neben einem Wolf auf der Brust hatte er sich ein Dollar-Zeichen auf den Ringfinger tätowieren lassen. Laut seinem VKontakte-Status hat er sich für Programmiersprachen interessiert, doch das schnelle Geld verdient ein Russe heute im Krieg - mit meist tödlichem Ausgang. Maxim Wiktorowitsch Kriwodanow (21.03.1992 - 22.01.2025).
Wir haben heute alle russischen Regionen mit den Daten des Oktobers aktualisiert. Es wurden drei neue Listen angelegt:
Wir werden für eine kurze Zeit nicht erreichbar sein - einfach später wieder kommen.
Unter den Positionen 1021 und 1022 der Region Krasnojarsk haben wir die im Beitrag „Die Särge sind natürlich geschlossen“ genannten Alexej und Michail Leschok bereits gelistet. Der Originalbeitrag über Alexej ist nicht mehr verfügbar, deshalb haben wir auf eine Zweitveröffentlichung verlinkt. Der Status von Michail Leschok auf VKontakte ist allerdings weiterhin online, dort findet man noch weitere Fotos. Den dritten Bruder Wladimir haben wir bisher noch nicht in unserer Datenbank.
Am 8. November 1939 explodierte um 21:20 h im Bürgerbräukeller in München eine Bombe. Sie galt Adolf Hitler, der zwei Monate zuvor den Angriffskrieg gegen Polen gestartet hatte. Allerdings hatte der „Führer" wegen schlechten Wetters seine Zeitplanung umgestellt und war bereits auf der Rückreise. Wäre das Attentat erfolgreich gewesen, wäre der Welt - vielleicht - jener zweite Weltkrieg erspart geblieben und jene begonnen Kampfhandlungen wären eingestellt worden.
Der schwäbische Tischler Georg Elsner hatte jenes Attentat akribisch geplant, er wurde kurz vor Kriegsende im KZ Dachau ermordet.
Jenes Attentat hat auch im deutschen Grundgesetz Eingang gefunden. In Artikel 20 Absatz 4 der Verfassung heißt es: „Gegen jeden, der es unternimmt, diese Ordnung zu beseitigen, haben alle Deutschen das Recht zum Widerstand, wenn andere Abhilfe nicht möglich ist.“
Auch in Russland bedarf es dringend solch mutiger Menschen, die jenem blutigen & verbrecherischen Gemetzel in der Ukraine ein Ende setzen.
Günter W. Berger, 08.11.25
Die hohen Verlustzahlen der russischen Armee stellen uns aktuell vor unlösbare Probleme. Wir können pro Tag etwa 300 Meldungen verarbeiten bei sechs Arbeitstagen in der Woche. Folglich kommen wir im Moment jeden Tag mit etwa 100 bis 150 Meldungen in den Rückstand.
Aktuell haben wir etwa 7.000 Kriegstote aus dem Oktober bearbeitet - also die regionale Herkunft, das Alter und weitere Informationen in unsere Datenbank eingetragen. Es wird also noch mindestens 12 Tage dauern, bis wir den Monat Oktober 2025 komplett abschließen können.
An den von uns bereits veröffentlichten Zahlen wird sich allerdings nur marginal etwas ändern.
Alle russischen Regionen wurden jetzt mit den Daten des Monats September 2025 aktualisiert.
Folgende neue Listen wurden angelegt:
Die Monatszusammenfassung 09/25 werden wir bis zum 14.10.25 auch fertig bekommen.
Uff....
Aus aktuellem Anlass wollen wir darauf hinweisen, dass wir in unserer Statistik der russischen Kriegstoten in der Regel keine ausländischen Söldner erfassen, die auf der Seite von Russland kämpften. Wir wissen, dass nordkoreanische Einheiten in der Region Kursk am Krieg teilgenommen haben, dass Russland in Nepal, Indien, China, in afrikanischen Staaten und in Kuba aktiv Söldner angeworben hat und viele dieser Männer im Einsatz auch getötet wurden. Und auf Baustellen und in Wirtschaftsbetrieben gibt es Razzien auf Arbeiter ohne russischen Aufenthaltstitel. Da es aber keine öffentlichen Meldungen der russischen Armee über die eigenen Verluste gibt, erfahren wir nichts über diese Kriegsopfer.
Ausnahmen sind dann gegeben, wenn die Ukraine den Tod von Söldnern öffentlich macht oder wenn die ausländischen Soldaten in Russland gelebt und verwurzelt waren. Dann gibt es Meldungen in den lokalen Medien und auch eine Beisetzung auf russischem Boden.
Ein Ableger der staatlichen Initiative „Ich will (jemanden) finden" mit Namen „Ich will leben“ hat heute eine Liste mit gefallenen Söldnern aus Tadschikistan veröffentlicht, die 446 Namen enthält. Die Initiative schreibt dazu:
„Russische Nationalisten haben gemeinsam mit der Polizei eine Jagd auf (Arbeits-)Migranten organisiert: Gefangene werden gezwungen, Verträge zu unterzeichnen, um im Krieg zu kämpfen. Ihnen drohen Abschiebung oder Gefängnis. Duschanbe ignoriert all das weiterhin.“
Stand 30.09.2025 wurden im September 8.626 Kriegstote neu in unsere Datenbank aufgenommen - so viele wie noch nie. Die hohe Zahl an getöteten russischen Soldaten überfordert uns im Moment. Für all diese Namen müssen ja noch die persönlichen Daten festgestellt werden - also Herkunft, Alter, usw. Im Moment haben wir etwa 6.000 davon bearbeitet, wir werden also noch mindestens 12 Tage für unsere übliche Monatszusammenstellung benötigen. Eine vorläufige Zusammenstellung veröffentlichen wir in den kommenden Tagen.
Die monatlich im Jahr 2025 erfassten Toten:
| Januar | 5.360 |
| Februar | 5.578 |
| März | 5.018 |
| April | 3.894 |
| Mai | 3.245 |
| Juni | 4.592 |
| Juli | 7.084 |
| August | 7.224 |
| September | 8.626 |
| Summe 2025 | 50.621 |
| Durchschnitt Monat | 5.625 |
An der Front in der Ukraine wären die Kampfhandlungen leicht zurück gegangen oder zumindest nicht eskaliert, lesen wir aus den Mitteilungen der beiden Kriegsparteien heraus. Doch mit unserer Statistik der Kriegstoten können wir das nicht bestätigen. Natürlich wissen wir, dass die Informationen sehr zeitversetzt bei uns ankommen, aber die Zahlen gehen ständig weiter nach oben. Und im September 2025 gibt es keine außergewöhnlichen Sonderinformationen, wie die vorgestellten Listen der staatlich ukrainischen Initiative "Ich will finden" in den Monaten zuvor.
Doch wenn wir die von uns bisher erfassten Zahlen auf den ganzen Monat hochrechnen, dürften im September mehr als 8.000 neue Kriegstote dazu kommen. Der höchste Wert seit Beginn des Krieges.
24.09.25
In der ersten Hälfte des Septembers 2025 haben wir 4.022 getötete russische Soldaten neu erfasst. In einem halben Monat sind mehr Gefallene zusammengekommen als im Monat April 25 oder Mai 25. Wie üblich sind auch ein paar Auswertungen von Videos und Denkmälern dabei mit Gefallenen der vorherigen Jahre, aber der Anteil ist nicht sehr hoch.
Daraus ergeben sich die folgenden Zahlen nach unseren bewährten Schätzungen:
| Kriegstote 15.09.25 | 137.845 |
| Geschätzt (nur 60% erfasst) |
230.000 |
| Versehrte Soldaten | 804.000 |
| Kriegsopfer gesamt | 1.034.000 |
Die monatlich im Jahr 2025 erfassten Toten:
| Januar | 5.360 |
| Februar | 5.578 |
| März | 5.018 |
| April | 3.894 |
| Mai | 3.245 |
| Juni | 4.592 |
| Juli | 7.084 |
| August | 7.224 |
| bis 15. September | 4.022 |
Alle im Monat August 2025 gefundenen russischen Kriegstoten sind jetzt in den entsprechenden Tabellen der Regionen eingepflegt.
Auf Grund der hohen Verlustzahlen sind einige Tabellen neu dazu gekommen:
Die ausführliche Zusammenfassung des Monats August wollen wir bis zum 11.09.25 vorlegen.
Vor mehr als 20 Jahren hatte ich einen Versuch gestartet, englische Texte mit einem Übersetzungsprogramm in die deutsche Sprache übersetzen zu lassen. Ich habe den Versuch schnell abgebrochen, weil das Ergebnis völlig unbrauchbar war. Also habe ich weiter einen professioneller Übersetzer an die Texte gesetzt.
Dank KI-gesteuerter Übersetzungsprogramme sind die Ergebnisse im heutigen Arbeitsalltag inzwischen mehr als brauchbar, ohne diese Hilfe wäre unsere Webseite nicht finanzierbar.
Seit Beginn des russischen Angriffskrieges haben sich zudem die Übersetzungen stetig verbessert. Bei normalen Texten gibt es kaum noch einen qualitativen Unterschied zwischen den beiden von uns benutzten Programmen "DeepL" und "Google Translate". In beiden Fällen nervt allerdings, dass beide Sprachmodelle ihre Basis in der englischen Sprache haben. Begriffe wie Firmennamen, Namen von Institutionen usw. werden immer in der englischen Übersetzung ausgegeben.
Der Vorteil des von Google herausgegeben Browsers Chrome ist, dass man Webseiten sehr einfach in die gewünschte Sprache übersetzen kann. Das funktioniert für uns allerdings häufig nicht - lässt man sich eine russische Telegram-Seite mit Chrome anzeigen, bekommt man in der Regel keine brauchbare Übersetzung, Das Programm fabuliert etwas wild zusammen, weil es annimmt, die Texte wären in englischer Sprache geschrieben. Die selbe Reaktion hat man auch häufig beim russischen sozialen Netzwerk VKontakte und fast immer bei Odnoklasniki. Man fragt sich, warum ein Ki-Programm die russische Sprache in diesen Fällen nicht erkennt, besonders weil alle Texte zudem auch in kyrillischer Schrift geschrieben sind.
Die Übersetzungen der russischen Namen sind allerdings für uns das größte Problem. Mit Google Translate bekommt man in der Regel nur eine englischsprachige Übersetzung, die man in Deutsch oft nur schwer aussprechen kann. Besser ist da DeepL, das Programm hat sich zudem in den letzten Jahren in dieser Disziplin stetig verbessert. Doch seit drei Monaten bringt es uns zu Verzweiflung. Unsere Namenslisten werden zerhackt, Namen doppelt übersetzt, Leerzeichen missachtet, Zeilenschaltungen vervielfacht und html-Code wird im Klartext gleich mitgeliefert. Aus den Listen macht das Programm ein wildes Durcheinander. Obwohl die reinen Namensübersetzungen besser wurden, können wir mit dem Ergebnis zunächst nichts anfangen. Das nennt man dann Fortschritt.
OM, 08.09.25
Im August hatten wir Urlaubszeit und zusätzlich für 14 Tage einen Totalausfall unserer Internetverbindung. Der vierte Techniker hat es dann geschafft, uns wieder eine stabile Verbindung herzustellen. In der Zwischenzeit mussten wir uns mit mobilem Internet behelfen.
Dazu sind die erfassten Kriegstoten noch einmal angestiegen. Einer der Gründe dafür ist die Liste der russischen Einheit "Schwarze Husaren", deren Auswertung glücklicherweise von anderer Stelle vorgenommen wurde.
| Monat | ermittelt |
| Januar 25 | 5.360 |
| Februar 25 | 5.578 |
| März 25 | 5.018 |
| April 25 | 3.894 |
| Mai 25 | 3.245 |
| Juni 25 | 4.592 |
| Juli 25 | 7.084 |
| August 25 | 7.224 |
Es wird jetzt noch ein paar Tage dauern bis wir die endgültige Auswertung vorlegen können.
Auf Grund der Ferienzeit und der Tatsache, dass wir im August wahrscheinlich einen neuen fragwürdigen Rekord mit den erfassten Kriegstoten aufstellen werden, wird es mindestens noch 10 Tage dauern, bis wir die übliche Zusammenfassung vorlegen können. Wir haben im Moment etwa 5.000 Gefallene in unserer Datenbank und so wie es aussieht werden wir über 7.000 getötete Soldaten erfassen.
Dann müssen wir die Namen noch übersetzen, damit sie für unsere westlichen Besucher überhaupt lesbar sind und schließlich in unsere Tabellen einpflegen...
01.09.25
Alle im Monat Juli 2025 gefundenen russischen Kriegstoten sind jetzt in den entsprechenden Tabellen der Regionen eingepflegt.
Auf Grund der hohen Verlustzahlen sind viele Tabellen neu dazu gekommen:
Die ausführliche Zusammenfassung des Monats Juli wollen wir bis zum 11.08.25 vorlegen.
Beim Blick auf den Kopf unserer Webseite könnt ihr sehen, dass wir im Monat Juli 6.973 russische Kriegstote erfasst haben. Das ist ein neuer Monatsrekord, der hauptsächlich durch die Auswertung von Videos, Denkmälern und Listen zusammen gekommen ist. Aber auch die aktuellen Todeszahlen sind wieder hoch.
| Monat | ermittelt |
| Januar 25 | 5.360 |
| Februar 25 | 5.578 |
| März 25 | 5.018 |
| April 25 | 3.894 |
| Mai 25 | 3.245 |
| Juni 25 | 4.592 |
| Juli 25 | 7.084 |
Auf Grund der Ferienzeit und der großen Anzahl an Kriegstoten wird die endgültige Auswertung noch etwa sieben bis zehn Tage dauern. Wir werden deshalb unsere vorläufige Abschätzung vorziehen und noch am 1. Augst 25 veröffentlichen.
Korrektur: Wir hatten eine Gruppe von 107 Namen gestern unterschlagen. Wir haben die Zahlen entsprechend korrigiert.
Quer durch ganz Russland von kleinen Gemeinden aufwärts zu Großstädten gab es in den letzten Wochen überall Gedenkveranstaltungen zu den Toten im Krieg gegen die Ukraine. Die Veranstaltungen werden in Videos und Fotoserien festgehalten. Es werden Denkmäler mit Tafeln eingeweiht, auf denen die Namen der Gefallenen eingraviert wurden. Bemerkenswert ist, dass die Veranstaltungen meist nur von Angehörigen, der lokalen Prominenz und den Militärvereinigungen besucht werden. Dazu kommen noch abkommandierte Jugendliche der Jugendarmee. Aber es sind niemals Veranstaltungen mit sehr vielen Teilnehmern.
Über die im Internet dokumentierten Videos und Fotos können wir viele neue Namen in unsere Listen aufnehmen - meist keine aktuellen Fälle, sondern Soldaten, deren Tod oft längere Zeit zurück liegt. Im aktuellen Monat Juli werden wahrscheinlich 6.000 neue Gefallene und mehr dazu kommen, ein neuer Monatsrekord, von dem man aber nicht auf die aktuelle Kriegssituation schließen sollte.
Durch den damit verbunden hohen Arbeitsaufwand werden wir mit neuen Beiträgen im Moment kürzer treten müssen.
Die Anzahl der russischen Kriegstoten nimmt nicht ab. Wir verarbeiten zur Zeit Listen aus Tatarstan, Baschkortostan, Kemerowo und Krasnojarsk mit Soldaten, deren Tod ein - bis zwei Jahre zurückliegt. Die Personen, um die es hier geht, treten als menschliche Wesen zurück, alles was wir notieren sind Name, Region, Geburts- und Todesdatum, dazu noch ihren militärischen Status falls verfügbar. Das andere verschwimmt in der schieren Menge der getöteten Soldaten.
Um wenigstens hin und wieder eine Person herauszugreifen, gibt es eine neue Rubrik links auf unserer Seite - KriegsGalerie. Hier wollen wir in Zukunft Fotos einzelner Personen oder Gegebenheiten kurz vorstellen, die uns im Wust all der Toten aufgefallen sind.
Alle im Monat Juni gefundenen russischen Kriegstoten sind jetzt in den entsprechenden Tabellen der Regionen eingepflegt. Auf Grund der weiter hohen Verlustzahlen sind wieder einige Tabellen neu dazu gekommen:
Nachdem die russischen Staatsausgaben für den Krieg in der Ukraine zu einem Aufschwung der russischen Ökonomie geführt haben, gehen die staatlichen Reserven langsam zur Neige. Wir wissen nicht, wie lange der Kreml noch den Krieg finanzieren kann, aber wir meinen, dass letztlich ein Waffenstillstand durch den wirtschaftlichen Niedergang Russlands erzwungen wird. Seit Beginn des Jahres häufen sich die schlechten Nachrichten über den Zustand der russischen Firmen.
Wie sich die ökonomische Situation für die Arbeiter in den Minen ganz im Norden Russlands auswirkt, beschreibt der Beitrag "Ohne Gehalt in der Arktis gestrandet". Er handelt von betrogenen Arbeitern in der arktischen "Stadt" Bilibino in Tschukotka, die wir hier vorgestellt haben.

Nachdem die Aufmerksamkeit zu unseren Veröffentlichungen wächst, eine kurze Information zu OskarMaria.
Unter diesem Pseudonym war der Initiator im Internet seit über 25 Jahren recht unregelmäßig präsent. Ab dem Jahr 2014 hat er hier über die Situation in den von Russland besetzten Gebieten des Donbass geschrieben. Als einer der ersten Journalisten überhaupt informierte er über die damals neu gegründete Gruppe Wagner.
Beruflich war er seit den 80-iger Jahren Geschäftsführer von diversen Medienunternehmen im Printbereich. Jetzt im Ruhestand, Kinder erwachsen, bleibt etwas mehr Zeit, die gesammelten Erfahrungen zusammen mit wenigen Mitstreitern für dieses Projekt zu nutzen.
Nachtrag: OskarMaria– das ist eine kleine Verbeugung vor dem beinahe vergessenen Schriftsteller Oskar Maria Graf. In Zeiten der Bücherverbrennungen wurden seine Werke von den Nazis verschont, ja sogar teilweise empfohlen. „Verbrennt mich!“ schrieb er 1933 in der Wiener Arbeiterzeitung, „nach meinem ganzen Leben und nach meinem ganzen Schreiben habe ich das Recht, zu verlangen, dass meine Bücher der reinen Flamme des Scheiterhaufens überantwortet werden und nicht in die blutigen Hände und die verdorbenen Hirne der braunen Mordbanden gelangen!“ Schließlich floh er in die USA – dort lebte er in bescheidenen Verhältnissen. Deutschland wollte den unbequemen Mann nach dem Krieg nicht wieder haben. Er starb 1967 in New York.
Literaturempfehlung: Wir sind Gefangene - Autobiograhie 1927.
Doppelt
Wladimir: 25. Artem Kozhenkov // Nischni Nowgorod: 35 Artem Kozhenkov
Wolgograd: 01 Juri Agarkov // Pskow: 41 Juri Agarkow
Kutelev Stanislav, dreifach, Kostroma, Rjasan und Orenburg. Nur Orenburg
Nikolai Symov, Rjasan & Tschuwaschien - nur Tschuwaschien
Mamontov Mikhail - Krasnodar Teil 1 & Teil 2
Ivan Alekseevich Chulkov, Kostroma, Pos. 51/56
Elimov Alexey Michailowitsch , Kostroma & Tschuwaschien
Falsch einsortiert
Ruslan Khamitov, Tscheljabinsk, kein Söldner der Gruppe Wagner
Ein Oberst, der Folter und Diebstahl in der Strafanstalt IK Nr. 15 untersuchte, wurde im Krieg getötet. Seine Angehörigen erfuhren von seiner Todesnachricht von der Bank.
Der FSIN-Oberst Alexander Wladimirowitsch Tscheprasow führte eine interne Untersuchung in der Kolonie Nr. 15 in Angarsk durch (Oblast Irkutsk), nachdem dort ein Gefangenenaufstand und ein Feuer stattgefunden hatten. Später wurde von Folter berichtet. Tscheprasow stieß auf ein großes Netzwerk von Sicherheitskräften und Geschäftsleuten, die Holz stahlen und ins Ausland schickten.
Er konnte die Sache nicht zu Ende untersuchen: Tscheprasow wurde selbst der Bestechung beschuldigt und zu 12 Jahren Strafkolonie verurteilt. Dort unterzeichnete er einen Vertrag, ging an die Front und verschwand spurlos.
Was mit ihm passiert ist, können seine Frau und Mutter nicht erfahren. Weder im Wehramt noch in der Militäreinheit selbst antwortet man ihnen. Es gibt auch keine offizielle Todesanzeige.
Aus dem Telegram-Kanal „Menschen vom Baikal“. Den gesamten Beitrag in russischer Sprache gibt es hier.
Der Telegram-Kanal „Udmurtien gegen Korruption“ hat einen Film vom Soldatenfriedhof der Stadt veröffentlicht. Abonnenten des Kanals haben auch Fotos der Soldatengräber eingereicht, allerdings nur von eineinhalb Reihen. „Das ist schwer anzusehen“, erklärten sie.
Wir konnten auf Grund dieser Fotos 21 Namen neu in unsere Datenbank aufnehmen.
Anmerkung: Es empfiehlt sich den Film in größerer Auflösung anzuschauen, dazu nur auf die Überschrift des Beitrags klicken.
Seit dem Jahr 2022 wurden in Usbekistan 338 Strafverfahren gegen eigene Bürger eingeleitet wegen Beteiligung an bewaffneten Konflikten im Ausland. Fast alle dürften auf Seiten Russlands im Krieg gegen die Ukraine gekämpft haben.
Laut usbekischer Darstellung wurde die überwiegende Mehrheit der Beteiligten durch Täuschung in den militärischen Konflikt hineingezogen oder nach Kontakt mit kriminellen Organisationen in Kampfgebiete geschickt. In seltenen Fällen erfolgte die Teilnahme aus finanziellen Gründen.
Eine unserer Informationsquellen aus Baschkortostan ist seit Beginn des Krieges der Telegram-Kanal „Aspekte Baschkortostan“. Er lieferte Einblicke in die bevölkerungsreichste russische Teilrepublik und veröffentlichte auch Namen der im Krieg gegen die Ukraine gefallenen Soldaten. Um nicht unter Zensurmaßnamen zu fallen, beschränkte sich der Kanal ausschließlich auf die Berichterstattung aus der Region und verzichtete auf Kommentierungen und Wertungen.
Das hat alles nichts geholfen. Am 21. November 25 wurde auch Aspekte als „ausländischer Agent“ eingestuft. Das russische Justizministerium schreibt in seiner Erklärung:
„Die Publikation verbreitete Falschinformationen über Entscheidungen und Maßnahmen russischer Regierungsstellen und lehnte die Militäroperation in der Ukraine ab. Sie war an der Erstellung und Verbreitung von Botschaften und Materialien ausländischer Agenten an die Öffentlichkeit beteiligt.“
Die Publikation „Aspekte – Baschkortostan“ wurde vom Team von Echo Moskwy in Ufa kurz nach der Schließung ihres Radiosenders im Frühjahr 2022 ins Leben gerufen. Die erste Sendung wurde am Morgen des 1. April 2022 auf dem YouTube-Kanal des Projekts ausgestrahlt. Seitdem konzentriert sich „Aspekte“ auf regionale Nachrichten.
Jetzt prangt über jedem Beitrag von Aspekte der großgeschriebene Satz: „18+ DAS VORLIEGENDE MATERIAL (INFORMATIONEN) WURDE VON EINEM AUSLÄNDISCHEN AGENTEN DER INTERNETPUBLIKATION „ASPEKTE VON BASCHKORTOSTAN” VERÖFFENTLICHT ODER BEZIEHT SICH AUF DIE TÄTIGKEIT EINES AUSLÄNDISCHEN AGENTEN DER INTERNETPUBLIKATION „ASPEKTE VON BASCHKORTOSTAN”.
Zwei Journalisten des Projekts, Ruslan Walijew und Jewgeni Konoplin, haben Russland inzwischen verlassen und leben in Deutschland.
Wladimir Wachidowitsch Otschkassow, geboren am 17.10.1998, lebte in der Stadt Kursk und war ein junger Idiot. Ohne große Suche wurden wir in zwei Strafverfahren fündig. Am 21.09.21 wurde er wegen öffentlichen Randalierens unter Alkohol zu einer Ordnungsstrafe verurteilt. Und am 10.01.23 bekam er eine Haftstrafe in einer Anstalt des strengen Regimes wegen Diebstahls eines Smartphones. Die Dauer wurde allerdings nicht veröffentlicht. Auch Wladimir wollte lieber sein Leben riskieren, als im Knast zu sitzen. Am 24.01.2025 suchte sein Bruder öffentlich nach ihm. Da war er schon tot, gefallen am 29.12.2024.
Im KI-generierten Video durfte er sich dann ordentlich von seiner Familie verabschieden.
Angesichts der hohen Verlustzahlen des russischen Militärs müssen alle Regionen zusammen ständig neue Zeitsoldaten anwerben. Wir hatten vor vor knapp einem Jahr geschrieben, dass Russland jeden Monat etwa 30.000 neue Soldaten für den Krieg in der Ukraine rekrutiert. Daran hat sich nichts geändert. Janis Kluge von der Stiftung Wissenschaft und Politik hat aktuell die Daten aus dem russischen Haushalt zur Personalbeschaffung ausgewertet. Danach akquiriert das Land auch im Jahr 2025 durchschnittlich etwa 30.000 Zeitsoldaten, um die Reihen der Armee wieder aufzufüllen (Diagramm).
Auch die russischen Militärausgaben sind weiter angestiegen. Janis Kluge schreibt: „Im 3. Quartal stiegen sie im Vergleich zum 2. Quartal um über 3,6 Billionen Rubel. Im Jahr 2024 betrugen die Militärausgaben im 3. Quartal nur 2,6 Billionen Rubel, was bedeutet, dass die Ausgaben – nominal – in diesem Jahr 38 % höher waren als im Vorjahr.“
Den gesamten Beitrag in englischer Sprache gibt es hier.
Ende April 2023 fand eine Gerichtsverhandlung im Dorf Debjesi in Urtmurtien statt. Angeklagt war Sergej Wladimirowitsch Golubkow, der bereits mehrfach wegen kleinerer Diebstähle zu Gefängnisstrafen verurteilt worden war. Diesmahl ging es wieder um einen Diebstahl. Sergej war in den Keller eines Mehrfamilienhauses eingedrungen, hatte das Türschloss aus der Halterung gerissen und einen Sack Saatkartoffeln geklaut - mit einem Gewicht von 38,55 kg und im Wert von etwa zehn €. Danach ging er mit einem Kumpel nach Hause, stellte den Kartoffelsack neben seinen Wohnzimmersessel und ging ins Bett. Essen konnte er die Kartoffeln nicht, denn am nächsten Tag beschlagnahmte die Polizei die Sore.
Sergej bekam am Ende der Verhandlung glatte zwei Jahre Haft verordnet, abzusitzen in einer Strafkolonie mit strengem Regime. Auch Sergej tauschte die Kolonie gegen den Kriegsdienst ein. In der Kreiszeitung „Neuer Weg“ vom 15.08.2025 wurde sein Tod gemeldet.
In der Oblast Uljanowsk wird für die Dauer des Krieges gegen die Ukraine das mobile Internet stark eingeschränkt. Dies beträfe in erster Linie Gebiete mit sensiblen Wirtschafts-, Regierungs- und Militäreinrichtungen. Dazu gibt es eine weiße Liste mit Webseiten und Funktionen, die nicht gesperrt würden, wie zum Beispiel der Regierungsdienstleister Gosuslugi, die russische Technologieplattform Yandex, die sozialen Netzwerke Vkontakte und Odnoklassniki, die Online-Marktplätze Ozon und Wildberries sowie das Zahlungssystem Mir. Doch es häufen sich Klagen, dass auch diese Dienste häufig nicht aufzurufen wären. Der Staat empfiehlt besser über lokale WLAN-Zugänge das Internet zu nutzen, da diese nicht eingeschränkt wären.
Inzwischen wird in vielen russischen Regionen das mobile Internet regelmäßig temporär abgeschaltet, wenn ukrainische Drohnen über Russlands Himmel auftauchen. Es wird befürchtet, dass die Drohnen auch über das russische mobile Internet Daten senden und empfangen könnten.
Das Dorf Werchnewiljuisk mit rund 6.500 Einwohnern liegt in der russischen Teilrepublik Sacha (Jakutien). Im Dorf gibt es ein Waisenhaus, einige jugendliche Bewohner hatten die Rockband „Chatan"gegründet. Die Brüder Wladimir und Wassili Klimowski, Andrej Kirillin, Aichal Fedotow und Konstantin Oppojew waren so gut, dass sie im Jahr 2017 das Waisenhaus bei einem bundesweiten Fernsehwettbewerb "Du bist super!" vertreten durften.
Die Karriere von Aichal Fedotow (Foto) hat acht Jahre später der Krieg gegen die Ukraine beendet. Der jakutische Telegram-Kanal "Die Toten aus Sacha" meldete seinen Tod.
Russische Soldaten rennen einen Feldweg entlang. Auf einer Strecke von etwa 200 Meter liegen links und rechts verteilt die Körper von getöteten Kameraden. Manche Soldaten versuchten im Gebüsch Schutz vor den Drohnen zu finden - meist erfolglos. Wir haben auf der kurzen Strecke etwa 25 Leichen gezählt.
Das ist das Produkt der aktuellen Taktik der russischen Armee mit kleinen Gruppen oder einzelnen Soldaten vorzurücken, um die ukrainische Verteidigung zu infiltrieren.
Man hofft, dass sich Soldaten hinter den ukrainischen Linien sammeln und den Nachschub für die ukrainischen Stellungen unterbrechen können. Hohe Verluste werden dabei billigend in Kauf genommen. Die getöteten Soldaten sind schwer zu bergen, zudem agieren die Kommandanten gerne mit dem Begriff vermisst, um die wahren Verluste zu verschleiern.
Das Video dokumentiert wieder einmal die grausame Realität dieses russischen Angriffskrieges. Das menschliche Leben gilt nichts. Für Kinder und Jugendliche ist das Video ungeeignet - Link.
Das Lewada-Zentrum in Moskau hat am 21.10.25 eine neue Umfrage veröffentlicht. Es ging um die materielle und finanzielle Unterstützung der Soldaten an der Front und um Hilfe für die vom Krieg betroffenen russischen Regionen durch die russischen Bürger. Das Lewada-Zentrum fasst das Ergebnis so zusammen:
Im vergangenen Jahr sammelten vier von zehn Befragten Geld und Hilfsgüter für Teilnehmer an der Spezialoperation. Jeder Vierte half Bewohnern von Grenzregionen, die von Militäraktionen betroffen waren. Diese Zahlen sind im Vergleich zum Vorjahr nahezu unverändert. Fast die Hälfte der Befragten ist bereit, 1.000 bis 2.000 Rubel pro Monat zu spenden, um die Armee zu unterstützen und die Gehälter der an Spezialoperationen teilnehmenden Soldaten zu erhöhen. Dieser Anteil ist in den zweieinhalb Jahren seit der letzten Umfrage unverändert geblieben.
Am 30. August wurde in der Großstadt Miass in der Oblast Tscheljabinsk der 20-jährige Danil Jurjewitsch Trubejew beigesetzt. Wann und wo Danil im Krieg gegen die Ukraine gefallen ist, wurde nicht mitgeteilt. Doch das Schicksal von Danil hat eine Vorgeschichte.
Bereits im Herbst 2024 war der damals neunzehn Jahre alte Danil in unkrainische Kriegsgefangenschaft geraten. Ukrainische Soldaten gruben vier russische Kämpfer aus dem Schutt eines eingestürzten Hauses aus, darunter auch Danil. In einer Befragung beklagte sich die ganze Gruppe, dass ihre Kommandeure sie bewusst im Stich gelassen hätten, indem sie sie mit einem Sturmgewehr gegen einen Panzer geschickt hätten (Video)
Bei einem Gefangenenaustausch wurde Danil dann im April 2025 gegen ukrainische Kriegsgefangene ausgetauscht. Da durch die Gefangenschaft nach russischem (und auch ukrainischem) Recht der Vertrag mit dem russischen Militär nicht beendet wird, musste auch Danil wieder zurück in den Krieg. Er hat den zweiten Einsatz an der Front nicht überlebt.
Auch die Oblast Samara kürzt die Antrittsprämie für Freiwillige drastisch. Ab dem 1. Januar 2025 hatte die Region 3,6 Millionen Rubel für jeden Freiwilligen ausgelobt, dazu kamen noch einmal 400.000 Rubel aus Moskau (insgesamt ca. 40.000 €). Ende Februar 25 wurde dann die regionale Präme auf 2,1 Millionen gesenkt.
Jetzt gibt es nur noch 400.000 Rubel in Samara plus jene 400.000 von der Zentralregierung, also in der Summe umgerechnet etwa 8.000 €. Über die Gründe gibt es viele unterschiedliche Meinungen, die wir am Beispiel von Tatarstan aufgelistet haben.