Wladimir Gennadijewitsch KotschetkowRusslands Krieg gegen die Ukraine brachte Bronja unverhofft eine zweite Karriere. Wladimir Gennadijewitsch Kotschetkow, wie der Mann eigentlich hieß, hatte vor Jahren das Militär im Rang eines Oberstleutnants verlassen. Auch er wurde im Herbst 2022 im Alter von 51 Jahren in Kasan, der Hauptstadt Tatarstans, mobilisiert und brachte mit viel Schwung die anderen Neusoldaten im Kasaner Regiment auf Linie.
Schnell stieg Bronja zum Oberst auf und kommandierte seine Kasaner Jungs an der Front. Doch dem Ehrgeiz von Bronja (bedeutet Rüstung) setzte sein Alter Grenzen. Bei einem Kampfeinsatz Mitte August starb der Mann mit jetzt 52 Jahren. Nicht die Kugel eines Feindes hatte sein Leben beendet, sondern sein Herz sendete finito. Er wurde am 22.08.23 in Kasan begraben.
OM, 12.09.23

Alexej TuschilkinAlexej Tuschilkin, ein Waise aus Bratsk (Region Irkutsk), wartete neun Jahre lang auf eine Wohnung vom Staat. Er hatte die Miete für die Wohnung im Voraus bezahlt hatte, stand im Jahr 2022 trotzdem nur auf Platz 1047 in der Warteschlange für Wohnungen für Waisen.
"Meine Aussichten auf eine Wohnung hier sind überhaupt nicht gut. Ich kann keine Familie gründen, was ist das, eine Familie  ohne Wohnung?  Ich habe daran gedacht, einen Vertrag zu schließen und in die Ukraine zu gehen. Dort sind jetzt viele Waisenkinder im Einsatz, meine Freunde und Bekannten. Was habe ich zu verlieren? Ich habe weder ein Kind noch ein Kätzchen, also gehe ich", sagte Alexej im Jahr 2022.
Alexej heiratete und meldete sich beim Militär. Im Juli 23 schickte er „Grüße aus dem Ausbildungslager“ in Noworossijsk in der Region Krasnodar.
Das militärische Rekrutierungsbüro teilte seiner Frau kürzlich mit, dass Alexejs Abteilung am 15. August durch Drohnen zerstört wurde.
OM, 11.09.23

Denis Kravchenko"Wir geben unsere eigenen nicht auf!", das ist eine Parole Russlands in seinem Krieg gegen die Ukraine. Sie steht für zwei Dinge, nämlich die Heimholung der "slawischen Brüder" ins russische Reich und für die Bereitschaft der russischen Soldaten, niemals ihre Waffenbrüder aufzugeben oder zurückzulassen.
Das durfte auch Denis Krawtschenko aus Kaliningrad erfahren. Der 21-jährige Soldat war ein typischer Kandidat für das Militär, ohne Eltern aufgewachsen, die Großmutter gab wenig Halt, den gab dafür das Militär. Denis war mittendrin, als im September 22 die russische Front in der Region Charkiw zusammenbrach.
Die russischen Soldaten rannten um ihr Leben und Denis ging irgendwo im Durcheinander verloren. Manche Kollegen meinten, er wäre gefangen genommen worden, ihm wäre die Munition ausgegangen. Das dachte auch das Kommando der "Baltischen Flotte", aber später ausgetauschte Soldaten meinten, ihn tot irgendwo gesehen zu haben.
Großmutter und Schwester suchten unermüdlich nach Denis, brachten manchen Bürokraten zum Schwitzen. Schließlich brachte ein DNA-Abgleich Erfolg - die wenigen menschlichen Überreste ließen sich anders nicht mehr identifizieren.
Am 18. August 23 wurde Denis Krawtschenko  schließlich in Kaliningrad verabschiedet, gemeldet wurde sein Tod am 10.09.23.
OM, 10.09.23

Juri Jurjewitsch PawlowAuch Juri Jurjewitsch Pawlow wird nicht mehr gegen sein Heimatland kämpfen. Der Stabschef und stellvertretende Kommandeur eines Materialunterstützungsbataillons einer Marinebrigade im Rang eines Majors wurde nämlich in der Ukraine geboren. Ganz genau ist er in einem Dorf in der Oblast Luhansk aufgewachsen, das zu UDSSR-Zeiten noch Woroschilowgrad hieß.
Zum Offizier wurde Juri dann im "Fernen Osten" Russlands ausgebildet, an einem Militärinstitut in Blagoweschtschensk am Amur. Nach seinem Abschluss 2009 kam er zurück auf die Krim und gehörte zu den in Sewastopol stationierten Marinebrigaden. Er kämpfte in Syrien und ab Oktober letzten Jahres auch in der Ukraine. An der Front in Richtung Saporoschje wurde er verwundet und starb schließlich im August 23 im Krankenhaus an seinen Verletzungen.
OM, 09.09.23

Sudak ist eine Stadt auf der Krim und ein Zentrum der Wein- und Sektherstellung auf der Halbinsel. Auch von dort wurden Männer eingezogen, um gegen ihr eigentliches Mutterland Ukraine zu kämpfen. Nachstehend eine der inzwischen häufigen Todesmeldungen von der Krim:
Roman SavalnyFreunde, am 9. August 2023 starb mein Bruder während eines Kampfeinsatzes. Romka (Roman Savalny) ist nicht mehr bei uns!
Mein Bruder wurde im Oktober letzten Jahres mobilisiert und kämpfte heldenhaft und erfüllte seine Pflicht gegenüber seinem Heimatland im Gebiet des nördlichen Militärbezirks.
Jeder, der Romka kannte und ihn auf seiner letzten Reise mit seiner Familie begleiten möchte, kommt morgen, 16. August, um 13:00 Uhr auf den Stadtfriedhof von Sudak.
Die Trauerfeier findet um 12:00 Uhr in der Fürbittekirche in Sudak statt.
Mein Bruder war ein freundlicher, wirklich guter Mensch und liebte es immer, von Familie und Freunden umgeben zu sein.

Kubanische Behörden berichten, sie hätten ein Netzwerk zur Rekrutierung von Kubanern für Russlands Armee aufgedeckt. Das schreibt das kubanische Außenministerium. Danach wären in Russland lebende Kubaner angeworben worden, Schlepper hätten zudem von Russland aus versucht, Männer in Kuba als Söldner anzuwerben. Hilfreich dabei ist wohl der hohe Söldner-Sold, den Russland bereit ist zu zahlen.
„Die Feinde Kubas versuchen, das Image des Landes zu schädigen und es als Komplizen hinzustellen“, heißt es in der Erklärung. Kuba beteilige sich nicht am Konflikt in der Ukraine und verurteile Söldnertum.
OM, 05.09.23

Konstantin PopovKonstantin Popov starb für die russische Welt- die Todesnachricht:
Der Schiedsrichter der Premier League der Krim-Fußballunion, Konstantin Popov, starb in der NVO-Zone. Dies teilte der Leiter des Schiedsrichter- und Inspektionsausschusses des FSC, Yuriy Vaks, der RIA Nowosti Krim mit.
„Leider ist Konstantin gestorben. Er wurde von einer Mine in die Luft gesprengt und kämpfte eine Woche lang im Krankenhaus um sein Leben, aber leider starb er. Es geschah in Richtung Donezk“, sagte Vaks.
Popov war 25 Jahre alt, er ging als Freiwilliger in die NVO-Zone.
Der Abschied vom Verstorbenen und die Beerdigung finden auf der Krim statt.

Wjatscheslaw AndreewWjatscheslaw Andreew ist ein rühriger Priester der Orthodoxie aus der ländlichen Siedlung Sosnovy Solonets in der Region Samara. Er hat einen eigenen Telegram-Kanal, sammelt Spenden für den Krieg und segnet gerne russische Soldaten an der Front. Und natürlich ist er ein begeisterter Unterstützer des seligen Evgeny Prigoschin.
Wenn manchmal einer seiner Schützlinge wie der Soldat Ljubitski an der Front getötet wird, dann spendet er mit wohl gewählten Worten Trost:
"Unser Landsmann Wladimir Ljubitski starb heldenhaft in Richtung Cherson. Wir wissen, dass dies kein Verlust, sondern eine Errungenschaft ist. Ein weiterer Krieger ergänzte die Armee des Königs des Himmels, die Familie erhielt einen himmlischen Schutzpatron und unsere Armee erhielt einen weiteren Fürsprecher und ein Gebetbuch. 
Gott ruhe mit den Heiligen R.B. Krieger Wladimir, und beschleunige durch seine Gebete unseren Sieg."
OM, 01.09.23

Zur Zeit ist auffällig, dass unter den russischen Kriegstoten sich häufiger Männer von der Krim befinden. Dies konnten wir im ersten Kriegsjahr so nicht feststellen. Wir dokumentieren hier zwei Soldaten aus Sewastopol im Originaltext:
Heute wurden zwei weitere unserer Soldaten auf ihre letzte Reise geschickt: die Gefreiten Denis Sergejewitsch Klotschkow und Denis Jurjewitsch Wassiljew.
Denis Sergeevich Klochkov- Denis Sergeevich Klochkov wurde in Sewastopol geboren und wuchs dort auf, studierte an der 38. Schule und erhielt dann die Spezialisierung eines Drehers an einer Berufsschule. Er arbeitete in verschiedenen Unternehmen der Stadt. Im September 2022 wurde er zur Mobilmachung einberufen, nahm als motorisierter Schütze am SVO teil.
Denis Sergeevich starb in der Nähe des Dorfes Verbove in Richtung Saporoschje.

Denis Yuryevich Vasiliev- Denis Yuryevich Vasiliev wurde ebenfalls in Sewastopol geboren und wuchs dort auf, studierte an der 48. Schule und dann an der Nachimow-Kadettenschule in St. Petersburg. Danach erhielt er seine Hochschulausbildung an der Sewastopoler Zweigstelle der Universität Plechanow.
Denis Jurjewitsch leistete Militärdienst in der 810. Sondergarde-Brigade der Schukow-Brigade des Marinekorps, diente dann im Rahmen eines Vertrags, führte Aufgaben in Syrien aus und ging in den Ruhestand. Im September 2022 wurde er ebenfalls zur Mobilmachung einberufen, war Artillerist.
Denis Jurjewitsch starb in der Nähe des Dorfes Aljoschki in der Region Cherson.
Erinnern wir uns an unsere Helden!

Jewgeni SiderowJewgeni Siderow, Jahrgang 1981, kam aus Kondapoga, einer Kleinstadt in Karelien mit etwas über 30.000 Einwohnern. Seinem Profil auf VKontakte zu Folge waren seine Hobbys Fischen und Grillen. Und er suchte eine Partnerin. Warum er im Ukrainekrieg gelandet war, geht aus den wenigen Informationen nicht hervor. Dafür dürften die letzten Minuten im Leben von Jewgeni sich etwa so abgespielt haben:
Am 16.07.23 trat der Kommandant Michail Alexandrowitsch Tschischow vor seine Soldaten und gab Befehle. Der Mann war betrunken, sein Tross weigerte sich diese Anweisungen auszuführen.
Um sich durchzusetzen zwang der Befehlshaber seine Mannschaft auf die Knie, alle sollten ihre Waffen abgeben.  Und um seinen Befehlen Nachdruck zu verleihen,  gab der Mann -zumindest- einen Schuss ab. Der traf den schlafenden Jewgeni Siderow in die Brust.
Wie üblich gibt es nur wenige Nachrichten auf VKontakte zu diesen Vorfall. In Medien aus Karelien konnten wir keine Bestätigung finden, solche Vorfälle werden still vertuscht. Und sicher werden die Angehörigen von Jewgeni mit sehr viel Geld ruhig gestellt.
OM, 15.08.23

Oberleutnant Aleksey Alekseevich Melnikov, Kommandeur der 6. Kompanie, war ein wahrer Held. Mit seinen Männern hielt er sechs Angriffen der Ukrainer stand - trotz deren Exkalibur- und Streumunition. Schwer verletzt koordinierte er seine Leute und hielt die Stellung ganz alleine, so dass seine Leute ohne Verluste abziehen konnten und starb schließlich.
So oder noch viel ausschweifender kann man es in unendlich vielen Heldenerzählungen in den sozialen Medien lesen. Und es gibt sogar ein kurzes Video von der Ordensverleihung an die überlebende Mannschaft.
Doch auch die ukrainische Seite schläft nicht und veröffentlicht den Militärausweis und andere Dokumente des Oberleutnants, der sich nach ihren Angaben in ukrainischer Gefangenschaft befinde - schwer verletzt. Alles gefälscht, antwortet die russische Seite.
Doch seit wenigen Tagen kursiert jetzt ein Video, das einen schwer verletzten Soldaten im Krankenhausbett zeigt. Es soll sich Aleksey Alekseevich Melnikov handeln. Wir werden den Oberleutnant besser nicht in unsere Statistik aufnehmen.
OM, 15.08.23

Wjatscheslaw LjamaewWjatscheslaw Ljamaew aus Wolgograd wurde am 20. Juli 23 begraben. Er gehörte zum Bataillon der Gefängnisinsassen "Sturm-Z" und wurde Anfang Mai 23 bei Bakhmut getötet. Auch er hatte gehofft, eine lange Haftstrafe durch das Töten in einem fremden Land abkürzen zu können.
Dabei fing alles mit einem Begräbnis an. Eine Gruppe junger Freunde feierte den Geburtstag eines 22-jährigen Tadschiken. Wahrscheinlich ging es hoch her, so dass es dem Hausbesitzer Alexander Bulak zu viel wurde. Es kam zum Konflikt mit dem Geburtstagskind.
Der Konflikt wurde unter "Freunden" gelöst. Der Hausbesitzer und Wjatscheslaw Ljamaew schnappten sich ihren tadschikischen Freund und zerrten ihn in einen Scheunenkeller. Dort musste das Opfer sein eigenes Grab schaufeln, das die beiden Freunde dann zuschütteten.
Dumm nur - sie hatten das Opfer nicht nach dessen Mobiltelefon durchsucht. Also wurde das Kellergrab wieder frei gelegt. Das Handy fanden sie nicht, dafür stellten sie fest, dass das Opfer noch lebte. Hausbesitzer Bulak schlug mit einem Spaten den Ausländer zu Tode.
Das Gericht in Wolgograd verurteilte beide Täter zu langen Haftstrafen - Alexander Bulak bekam 19 Jahre, Wjatscheslaw Ljamaew bekam 17 Jahre Haft in strenger Kolonie.
OM, 14.08.23

Alexei Smirnow, 39 Jahre, kam aus der Kleinstadt Tschulym in Sibirien und arbeitete als Kraftfahrer. Er wurde im Herbst 2022 mobilisiert, im Ural ausgebildet und kam über die Region Belgorod an die Front bei Luhansk.
Alexei erlitt an der Front einen Granatenschock. Das Pfeifen und die Explosionen der Granaten kann bei Soldaten eine schwere posttraumatische Belastungsstörung hervorrufen, so dass diese nicht mehr diensttauglich sind. Ständiges unkontrolliertes Zittern, Zucken, Panikattacken und Essstörungen können als Symptome auftreten.
Alexei bekam zudem durch die nassen Schützengräben eine Lungenentzündung, sein Kreislauf spielte verrückt, schmerzende Beine und Krampfadern waren die Folge, dazu ständige Kopfschmerzen.
Ende Mai 23 wurde Alexei nach Hause geschickt und kam ins Krankenhaus nach Nowosibirsk. Ende Juni wurde er aus dem Hospital entlassen und starb noch am gleichen Abend zuhause an einem Herzinfarkt.

„Die Generation von 1914 ist gestorben im Krieg, auch wenn sie seinen Granaten entkam.“
– Im Westen nichts Neues von Erich Maria Remarque 1928

Eduard Aidarovich SufiyanovEduard Aidarovich Sufiyanov kam aus dem Dorf Druzhinino in der Oblast Swerlowsk. Der Vertragssoldat und Unteroffizier  habe seine Pflicht bis zum Ende erfüllt. Er wäre ein Beispiel für Mut und Selbstlosigkeit gewesen und hätte den Frieden und die Sicherheit Russlands vor Nationalsozialismus und Neofaschismus verteidigt, heißt es in seinem Nachruf auf der VKontakte-Seite des Dorfes. Im Juni  wurde Eduard in der Region Donezk getötet und am 5. Juli in seinem Heimatdorf begraben.
Eduard ist einer von den weit über 20.000 Kriegstoten, die wir hier namentlich vorgestellt haben. Und er ist gleichzeitig der 1.000. Gefallene der Region Swerdlowsk in unseren Liste, die damit als erste Region in den vierstelligen Bereich wechselt.
OM, 30.07.23

Juri ChartschelawaJuri Chartschelawa stammte aus dem Dorf Starojurjewo in der Region Tambow und war 61 Jahre alt. Als Freiwilliger der Bars13-Einheit kämpfte er in der Ukraine. Am 16. Juni 23 wurde er getötet.
Seine Tochter schrieb zur Meldung seines Todes: "Zum ersten Mal, dass ich so schreibe, sind die Gedanken noch nicht gesammelt. Passt nicht in meinen Kopf. Ich liebe ihn sehr. Ich kann es nicht verstehen."
Viel weniger verständlich ist eigentlich die Tatsache, dass ein 61-jähriger Mann meint, in den Krieg ziehen müssen. Wahrscheinlich wurde auch er durch das hohe Salär angeworben, mit dem der Staat die Armen in den Krieg lockt. Und die Tochter kann sich jetzt über die Höhe der stattlichen Abfindung freuen, die locker für eine Eigentumswohnung reicht.
OM, 27.07.23

Jaroslaw AstaschkowJaroslaw Astaschkow, 21 Jahre, wurde in der Region Gomel, Weißrussland geboren. Die Ehe seiner Eltern ging schief, der Vater zog zurück in seine russische Heimat. Die Großeltern zogen den kleinen Jaroslwaw  auf. Doch kaum volljährig wechselte auch der junge Mann nach Russland und trat in die Rjasaner Fallschirmjäger-Schule ein. Im Rang eines Korporals wollte er zum Kriegsbeginn die Ukraine erobern.
Bereits am 18. April 2022 war auch das Soldatentum beendet. Jaroslaw war verschollen - irgendwo lag sein toter Körper in den Weiten der Ukraine.  Seine Verwandten suchten nach ihm über alle möglichen und unmöglichen Kanäle. Sogar ein Hellseher wurde engagiert.
Es dauerte bis zum Frühjahr 23 bis Jaroslaw gefunden wurde. Ein kleines Medaillon brachte die richtige Spur. 14 Monate nach seinem Tod wurde der Körper von Rostow nach Weißrussland überführt.
Am 27. Juni 23 sollte Jaroslaw Astaschkow auf dem Stadtfriedhof von Oktjabrski/Belarus begraben werden. Alles war versammelt - Angehörige, Nachbarn, örtliches Militär und Polizei. Eine Grube war ausgehoben um den Zinksarg aufzunehmen. Nur der kam nicht. Nach langem Warten zog die Trauergemeinde von dannen.
Den Grund fand man dann auch heraus - es ging um das liebe Geld. Vater und Mutter stritten sich bis zuletzt, wo der Sohnemann begraben werden sollte. Es setzte sich der Vater durch mit dem Argument - dass eine ordentliche Bestattung in Russland mit einer außerordentlichen Summe Abfindung belohnt würde - natürlich zugunsten der Eltern.
OM, 23.07.23

Konstantin OskinKonstantin Oskin aus der Region Tambow verbüsste ab seinem 14. Lebensjahr Strafen in Gefängnissen und Strafkolonien. Jetzt war er 34 Jahre alt, wollte frei sein, deshalb unterschrieb er einen Vertrag mit der Armee und kam zum Angriffskommando "Sturm-Z". Der Volksmund nennt das Bataillon inzwischen "Selbstmordkommando".
So endete das Leben von Konatantin vorhersehbar. Im April 23 Vertrag unterzeichnet, am 23. Mai 23 getötet und einen Monat später im Dorf Devitsa im Bezirk Usmansky begraben.
OM, 19.07.23

Es gibt viele Versionen in der Populärwissenschaft, die die Phasen menschlicher Empfindungen bei Trauer oder Trennung darstellen. Meistens kommt an zweiter Stelle die Wut.

So könnte man das augenblickliche Gefühl charakterisieren, das in den russischen sozialen Medien vorherrscht. Am Anfang des Krieges konnten die Menschen kaum glauben, dass jenes kriegerische Unterfangen der eigenen Regierung zu großen Verlusten führen würde.

Jetzt ist man wütend auf die Ukrainer, die sich so nachhaltig wehren. Man schimpft sie Nazis, Banderisten, dreckiges Pack, Untermenschen - je nach Bildung und Laune. Die eigene Regierung öffentlich zu verurteilen, traut sich öffentlich kaum jemand.

Aber egal ob der eigenen menschlichen Verluste, egal ob neue Soldaten eingezogen werden, egal ob der Teuerung und der Unmöglichkeit in viele Länder zu reisen, es herrscht das Motto vor:

Haupsache Gewinnen!

Will sagen - solange es noch Hoffnung auf einen Sieg gibt, unterstützt ein großer Teil der Bevölkerung ihre Regierung. Es wird noch dauern, bis man zum Verhandeln bereit ist.
OM, 19.07.23

Artem KomissarovArtem Alexandrovich Komissarov, geb. 1980, hatte ein ernsthaftes Drogenproblem.  In Tschistopol, einer Stadt in der russischen Teilrepublik Tatarstan, stand er deshalb schon mehrfach vor Gericht. Der Mann lebte noch bei seiner Mutter, der dessen ausschweifender Lebensstil so gar nicht passte. Im März 2022 wollte sie ihn deshalb aus dem Haus werfen.
Artem war wie häufig betrunken, nahm ein Messer und erstach seine 65-jährige Mutter.
Danach soff der Mann in Ruhe weiter, bis schließlich ein Verwandter sich um die Mutter Sorgen machte und die Tat entdeckte.
Artem leugnete nichts und bekam 10 Jahre Lagerhaft, die er gegen einen Vertrag mit der Gruppe Wagner eintauschte.  Mitte Juni 23 wurde in Tschistopol sein Tod gemeldet.
OM, 13.07.23

Jewgeni OznobikhinJewgeni Oznobikhin, 26 Jahre alt, war ein schlimmer Finger. In der Großstadt Nischni Tagil in der Region Swerdlowsk beschäftigte er sich schwerpunktmäßig mit Diebstahl und Raub. Im April 2021 hatte er mal wieder ein Strafe abgesessen, sogleich wurde er wieder in seiner Branche aktiv. Er wurde festgenommen, bekam bis zum Prozess Hausarrest, aus dem er sich recht schnell von dannen machte. Obwohl überall nach ihm gefahndet wurde, blieb er in seiner Heimatstadt Nischni Tagil.
Beim Einbruch in eine Wohnung wurde Jewgeni vom Mieter erwischt, der ihn in ein Zimmer einsperrte und die Polizei rief. Jewgeni kam erneut ins Gefängnis, im Mai 2022 begann der Prozess, der sofort an ein anderes Gericht weitergeleitet wurde.
Ende November 2022 startete dann endlich der Prozess - nicht wirklich. Denn Jewgeni Oznobikhin hatte sich wieder der Gerichtsbarkeit entzogen. Am 23. Januar 23 resignierten dann die Richter: "Es gibt keine wirkliche Möglichkeit für den Angeklagten, am Prozess teilzunehmen." Unser Dieb hatte sich der Gruppe Wagner angeschlossen und kämpfte irgendwo in der Ukraine.
Natürlich nahm die Sache kein glückliches Ende - am 30.03.23 wurde Jewgeni getötet. Begraben ist er jetzt in der Ehrengasse des Friedhofs, viele Kränze bedecken sein Grab, über dem die Wagner-Fahne flattert. Jewgeni Oznobikhin ist jetzt ein Held.
OM, 13.07.23

Dmitry Viktorovich PostavnichiyBisher sind die Bürger Moskaus unter den getöteten Soldaten im Ukrainekrieg kaum in Erscheinung getreten. Die Silowiki beschützen ihre Familien und stationieren ihre eingezogenen Männer weit hinter der Front.
Doch inzwischen nicht weit genug von den Kampflinien entfernt, denn am 31.05.23 starben sieben Moskowiter bei einem Raketenangriff, ein weiterer wurde vermisst gemeldet:

  • Dmitry Viktorovich Postavnichiy, Oberleutnant (Foto)
  • Artem Rushanovich Khafizov
  • A.V. Kryukov
  • G. S. Malkov
  • V. A. Beletsky
  • S. A. Bessudnov
  • K. N. Malofeev
  • V. D. Merkulov wurde vermisst.

Juri PomaskinJuri Pomaskin kommt aus der Region Perm in Russland. Auf VKontakte vertritt er seine eigene Meinung zum Ukrainekrieg. Er glaubt, dass es eigentlich darum geht, den slawischen Genpool deutlich zu reduzieren. Denn wenn junge Männer aus Russland und der Ukraine massenhaft sterben, wird die slawische Rasse marginalisiert. An ihre Stelle treten dann andere Ethnien.
Man hat es geahnt - es ist lang ausgearbeiteter Plan der jüdischen Weltverschwörung. Die Akteure sitzen auf beiden Seiten der Front und haben jüdische Wurzeln. Jetzt hetzen sie die Slawen gegeneinander auf, um am Ende über diese zu herrschen.
OM, 07.07.23

Alexei ProninAlexei Pronin ist das erste prominente Opfer der "Sturm"-Brigaden, die die Söldner der Gruppe Wagner an der Front abgelöst haben. Das Prinzip ist das Gleiche - man rekrutiert Soldaten aus dem Vorrat an Strafgefangenen und verspricht die Begnadigung nach einem halben Jahr an der Front.
Alexei Pronin war Freund und Geschäftspartner des Möbeloligarchen Michail Krawtschenko. 2011 sollte Alexei im Auftrag und mit Geld von Krawtschenko große Grundstücke im Zentrum von Rjasan aufkaufen, die zu einem insolventen Filmkopierwerk gehörten. Ein Gericht vereitelte die Transaktion, der Möbelgigant forderte seine beträchtlichen Vorinvestitionen zurück.
Pronin entschied, dass es einfacher wäre, den Möbelunternehmer loszuwerden. Er organisierte im Januar 2012  mit Angestellten eines "Sicherheitsunternehmens" einen Hinterhalt, ließ mit einem Auto die Straße blockieren und einer seiner Leute erschoss den Unternehmer.
Das Verbrechen wurde schnell aufgeklärt - Alexei Pronin wurde zu 16 Jahren Gefängnis verurteilt. Mitte Juni 23 wurde er im Krieg gegen die Ukraine getötet.
OM, 06.07.23

Alexander KlimovAlexander Klimov, 31 Jahre aus der Region Wolgograd, hatte so einiges auf dem Kerbholz: 2015 bat er ein minderjähriges Mädchen um dessen Telefon, um schnell irgendwo anzurufen. Er verschwand mit dem Handy auf der Stelle. 2018 wurde er betrunken am Steuer erwischt. 2019 attakierte er einen Taxifahrer mit einem Messer  und forderte dessen Handy, Bargeld und Autoschlüssel.
Die übliche Abfolge - Haft, Wagner, Tod - hatte bei Alexander allerdings einen besonderen Aspekt. Der Mann war in einer medizinischen Abteilung untergebracht, war also ernsthaft erkrankt. Zu krank für die Justizanstalt, aber tauglich für die Front?
OM, 05.07.23

Alexander MelnikovAlexander Melnikov war ein Beamter des Föderationskreises Ural. Genau genommen war er ab 2013 stellvertretender Leiter der Kleinstadt Aramil im Ural. Doch nach vier Jahren wurde er wegen Korruption gefasst und saß seit 2018 für neun Jahre im Gefängnis, dazu gab es noch eine Geldstrafe in Höhe von 4,7 Millionen Rubel. Alexander hatte sich mit einer Wohnung im Wert von 2,3 Millionen Rubel bestechen lassen.
Mitte Juni 23 wurde Alexander Melnikov begraben. Der 53-Jährige wollte es mit Wagner an der Front versuchen. Die Rechnung ging nicht auf.
OM, 04.07.23

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