Alexander TschumatschenkoWer glaubt, dass das russische Söldnerunwesen sich durch die Liquidierung der Gruppe Wagner langsam dem Ende neigt, täuscht sich gewaltig. Stattdessen treten andere Akteure an ihre Stelle, so wie die bereits hier öfters erwähnten Söldner des PMC Redut. Das Unternehmen soll dem russischen Verteidigungsministerium unterstehen, aber auch Gazprom und der russische Oligarch Oleg Deripaska sollen beteiligt sein. Wie auch immer, die Methoden zur Rekrutierung neuer Söldner gleichen denen der Gruppe Wagner:
Alexander Tschumatschenko saß aus uns unbekanntem Grund in der Justizvollzugskolonie Nr. 15 ein. Das Gefängnis befindet sich in Bataisk, einer russischen Großstadt in der Region Rostow am Don. Der Mann wurde durch PMC Redut für den Krieg gegen die Ukraine rekrutiert und landete im zweiten Zug der dritten Angriffsbrigade.
Seine Einheit kam am 19. August 2023 in der Nähe der Stadt Soledar unter Beschuss.  Danach war die Verbindung zu dem Mann unterbrochen und seine Angehörigen versuchten etwas über sein Schicksal zu erfahren. Ein paar Wochen später wurde Tschumatschenko ganz ohne Öffentlichkeit begraben.

Immer wieder findet man bei VKontakte noch getötete Söldner der Gruppe Wagner. Die Meldung über Alexander Anatolyevich Khaibulin stammt vom 30. Mai 23 von seiner Halbschwester, wurde dann aber schnell von ihr gelöscht, als die Hintergründe des Heldens bekannt wurden.
Alexander Khaibulin, geboren 11.06.1989, war 2015 Dauergast beim Gericht in Archangelsk: Diebstähle, Raubüberfälle und Vergewaltigung führten schließlich zu einer Gesamtstrafe von 11 Jahren. Besonders ekelhaft war die Tatsache, dass er sein Vergewaltigungsopfer auch noch mit Syphilis angesteckt hatte.
Auch Khaibulin wurde aus der Haft heraus für die Gruppe Wagner rekrutiert und bekam als Söldner drei Orden.  Getötet an unbekanntem Ort in der Ukraine.
VKontakte Eintrag

ivan martynovAus Omsk wurde im letzten Herbst der 25-jährige Iwan Martynow mobilisiert. Zum Training ging es zunächst in ein Zeltlager in der Nähe. Dort kam es zum Eklat. Iwan hatte sich wohl über seinen Vorgesetzten geärgert und nachdem er genügend getrunken hatte, schritt er zur Tat.
Ivan versetzte seinem Befehlshaber, Major Perewalovw, mit den Fäusten mindestens zwanzig Schläge auf den Kopf. Das stellte zumindest das Militärgericht später fest. Auf jeden Fall wurde der Major mit einem gebrochenen Nasenbein, einem Schädel-Hirn-Trauma und einer Gehirnblutung auf die Intensivstation eingeliefert. Im Februar 23 wurde Iwan dann zu zu sechs Jahren Gefängnis in einer Hochsicherheitskolonie verurteilt.
Auch Iwan fiel auf leere Versprechungen herein – für sechs Monate Dienst an der Front gäbe es die unverzügliche Freiheit. Die Gruppe Wagner war schon aus dem Rennen, jetzt war das Verteidigungsministerium mit Sturm-Z daran, die Häftlinge zu übertölpeln.
Iwan brachte es an der Front zum Kommandeur einer Selbstmordeinheit. „Fünfzehn von uns gingen, sechs kamen zurück“, sagte er einmal seiner Frau am Telefon. Zwei Monate früher kam er dann nach Hause – im Sarg.
OM, 02.11.23

Ein Konvoi mit Soldaten aus Tschuwaschien wurde Ende Oktober durch ukrainische HIMARS-Raketen getroffen und fast vollständig zerstört. Über die Verluste will der Militärkommisar von Tschwaschien Bakhtiyor Kholikov lieber nicht sprechen, will aber jeden verklagen, der unzutreffende Gerüchte und falsche Informationen weitergäbe.
Von der Front werden 19 tote und 40 verwundete Soldaten gemeldet, entsprechende Listen kursieren im Internet.
OM, 01.11.23

Alexander Surenowitsch SargatjanAuch auf der Krim werden den Schülern Vorbilder präsentiert. Allerdings solche, die im Kampf gegen das Mutterland Ukraine getötet wurden. In der Stalnowskaja-Schule in Dschankoj hat man zweier solcher Helden gedacht, einer davon war gerade mal 22 Jahre alt.
Die Rede ist von Alexander Surenowitsch Sargatjan, der reaktionsschnell und mutig gewesen wäre. Ausgestattet mit unglaublichem Mut und selbstloser Liebe zum Vaterland hätte er die Leistung eines Kriegers, eine Leistung des Glaubens, der Pflicht und des Eids vollbracht. So zumindest erzählt es die Schule ihren Zöglingen.
Unser Alexander hatte es mit seinen 22 Jahren tatsächlich weit gebracht. Er saß seit dem Jahr 2020 eine Strafe von 6,5 Jahren in einer strengen Kolonie ab. Er war an einem Drogenhandel als kleines Licht beteiligt, sollte das Dope irgendwo in der Landschaft verstecken, dann ein Foto von dem Versteck machen und die Kooridinaten an seine Instruktoren weiterreichen. Dafür bekam er eine Prämie. Alexander flog auf, jener Drogenhändler natürlich nicht. Und auch eine vorzeitige Freiheit über die Gruppe Wagner ging schief. Alexander wurde am 06.12.2022 getötet.

Alexej SlowidowAlexej Slowidow, ein Freiwilliger aus Archangelsk, wurde im Ukrainekrieg verwundet und ist im Krankenhaus seinen Verletzungen erlegen. Er gehörte zu den entschiedenen Befürwortern des Krieges. Entsprechend war auch sein Nachruf formuliert:
"Schon vor 11 Jahren hatte Alexei das Gefühl, dass mit dem Vaterland etwas nicht stimmte, und er folgte dem Ruf des nationalen Führers. Als Mann, als Vater fühlte er sich verpflichtet, für die Verteidigung des Vaterlandes einzutreten und den Fehler seiner Väter zu korrigieren, der vor 30 Jahren zum Verlust der Souveränität unseres Landes führte.
Er wollte den Staat, in dem er geboren wurde, innerhalb der heiligen Grenzen des Vaterlandes wieder herstellen, für die unser Volk im Jahr 1945, für die unsere Großväter auf den Schlachtfeldern des Großen Vaterländischen Krieges ihr Leben ließen. Er setzte den Kampf um die Souveränität bereits in der heißen Phase der Konfrontation mit dem kollektiven Westen fort. Im Jahr 2022 meldete er sich freiwillig, diente in den Reihen der russischen Armee (Streitkräfte der Russischen Föderation), kämpfte fast ein Jahr lang im postukrainischen Gebiet in Richtung Saporoschje und befreite das russische Volk von der Unterdrückung durch den Nationalsozialismus."

Alexander PlotnikowAlexander Plotnikow ist Leiter der Verwaltung des Stadtbezirks Chlevensky der Region Lipezk mit etwa 25.000 Einwohnern. In einem Dorf seines Zuständigkeitsgebiets musste er Abschiedsworte für einen in der Ukraine gefallenen Soldaten vortragen:
Dieser Krieger wusste, was er tat und wusste, dass Russland niemals niederknien würde. Und dieser nationalistische Abschaum, der versucht, seinen Kopf zu erheben, wird zerstört. Und es wird nicht diskutiert!

Der Telegram-Kanal "Magadan aktuell" meldet aus dem fernen Osten:

Heute sind mindestens 93 Einwohner und Einheimische von Kolyma bei der „Sonderoperation“ ums Leben gekommen – 73 Menschen dienten in den russischen Streitkräften, 20 im Wagner PMC. Der jüngste der Toten war 18 Jahre alt.

Die Zahl der in der Ukraine getöteten Magadan-Bewohner ist neunmal höher als die Verluste der Kolyma-Bewohner während der beiden Tschetschenienkriege. Zehn Menschen starben damals.

Evgeniy RoshchinJewgeni Roschtschin, 23 Jahre, hatte Radioelektronik an der Militäruniversität vom Tscherepowez studiert,  Die Stadt liegt etwa 400 km nördlich von Moskau und ist die Hauptstadt der Oblast Wologda. Auf Grund seiner guten Noten sollte Jewgeni nach Ende seines Studiums Anfang August nach Moskau versetzt werden. Doch den jungen Mann zog es lieber in wärmere Gefilde  - so landete er schließlich in Sewastopol auf der Krim.
Doch das dortige Klima konnte er nur kurz genießen. Ende August wurde der junge Leutnant an die Front kommandiert und landete im Hotspot Bakhmut. Doch auch dort blieb er nur kurz. Nach drei Tagen setzte ein Granatsplitter seinem jungen Leben ein Ende.

Alexander ErmilovDie sibirische Kleinstadt Ust-Kut haben wir in einem Beitrag vom 01. Oktober vorgestellt. Unter den dort aufgeführten Wagner-Söldnern steht an 3. Stelle auch  Alexander Sergeevich Ermilow. Auch dieser wurde aus der Lagerhaft rekrutiert. Er hatte noch maximal drei Jahre Haft vor sich.
Das Bezirksgerichts Irkutsk verurteilte Ermiliow nämlich am 24. Dezember 2009 zu 15 Jahren Gefängnis, abzusitzen in einer Hochsicherheitskolonie.
Ermilov beging zusammen mit zwei Komplizen einen Raubüberfall mit dem Ziel, ein Auto zu stehlen.  Den  Autobesitzer prügelten sie mit einem Ast zu Tode, zogen den leblosen Körper in die Büsche und verscharrten ihn im Schnee.
Auch Alexander Ermilow wurde 2023 irgendwo an der Front in den Tod geschickt.

Ilja Eduardowitsch SamigullinDer Grenzschützer Ilja Eduardowitsch Samigullin hatte Anfang September einfach Pech. Er war zur falschen Zeit am völlig falschen Ort. Eigentlich kam der Beamte aus der Region Amur, das ist eine halbe Weltreise von der Region Brjansk entfernt, wo er am 03. September 23 Dienst hatte. Aus der Ukraine waren ausgerechnet dort wo Ilja Dienst hatte, russische Freischärler eingesickert. Es kam zu einem kurzen Schußwechsel, den der Grenzschützer nicht überlebte. Und wie es im russischen Märchenland dann so klingt: Jene Freischärler wollten unschuldige Zivilisten meucheln, aber der heldenhafte Kampf von Ilja hätte das verhindert.

In der russischen Welt ist es einfach, ein Held zu werden. Man muss nur im Krieg gegen die Ukraine getötet werden. Egal ob man vorher seine Frau geprügelt, mit dem Auto besoffen Fußganger überfahren hat und ob man zu langen Jahren Gefängnis verurteilt wurde. Der Tod adelt den Helden. Und die Verwandtschaft freut sich am Ende über die extra hohe Abfindung (Sarggeld, meist nur Sarg genannt). Nachstehend eine Meldung von der Krim im Original:
Viktor Viktorovich Panchishin"Am 04.09.23 verabschiedeten sie sich in Sewastopol vom Freiwilligen, Teilnehmer der speziellen Militäroperation Viktor Viktorovich Panchishin. Viktor Viktorovich wurde im Dorf Ternovka geboren und absolvierte dort die Schule. Sein Leben war nicht einfach: Er wurde von einer Mutter großgezogen.
Im Jahr 2017 wurde Viktor Wiktorowitsch vor Gericht gestellt und zu acht Jahren Gefängnis verurteilt. Er hatte seine Strafe praktisch abgesessen; es blieben ihm nur noch zwei Jahre. Aber Viktor Viktorovich wollte beweisen, dass er Respekt verdient, und ging, um sein Heimatland zu verteidigen.
So landete er an der Front des nördlichen Militärbezirks unter den Kämpfern der Sturm-Z-Einheit. Viktor Wiktorowitsch starb heldenhaft in einer erbitterten Schlacht im Gebiet Belogorowka in der Volksrepublik Lugansk. Ewige Erinnerung!"

Sergej Borisowitsch Schobanow Sergej Borisowitsch Schobanow, 29 Jahre, stammt aus Elektrougli, einer Kleinstadt am Rande Moskaus. Überall wo er antrat, war er einer der Besten. Im Judo, im Sambo und im Universalkampf war er Meister, sein Militärstudium an der Hochschule von Ryzan beendete er mit Auszeichnung. Und im Krieg gegen die Ukraine schlug der Oberleutnant einer Fallschirmjägereinheit dem Gegner so manches Schnippchen.
Verletzungsbedingt musste er im Winter eine Auszeit nehmen. Die nutzte er, um als Redner junge Studenten für das Militär und den Krieg zu begeistern. Unterstützt wurde er von seinem Vater, der den Zuhörern erklärte, wie er solch einen tollen Burschen großgezogen und welche Pläne und Wünsche Sergej für sein Leben hatte.
Die jungen Menschen waren nach Angaben der Berichterstatter beeindruckt von solch einem lebendigen Beispiel eines Patrioten. Der zudem damit seine Schulden gegenüber dem Mutterland zurückgezahlt habe, wie ein anwesender Bürgermeister formulierte.
Kein Thema bei den Veranstaltungen war, dass im Krieg auch die eigenen Soldaten getötet werden.
So auch Sergej - am 31.August 23 war für ihn Schluss.
Sergej Borisowitsch SchobanowQuellen: 1,2,3

Syldys Walerjewitsch DarganKein Jubiläum, aber eine runde Zahl: Heute haben wir den 400. Tuwiner eingetragen, der im Ukrainekrieg gefallen ist. Keine Region hat mehr Opfer zu verzeichnen - gemessen an der Bevölkerung. Es handelt sich um Syldys Valerevich Dargan, über den wir nur wissen, dass er am 01.09.23 getötet wurde. Da die Meldungen aus Tuwa alles Übliche sprengen, geben wir diese im Original (mit Google übersetzt) wieder:
"Deine Liebe ist wunderschön, deine Stimme ist voller Glück, die Wärme eines Jungen, die Liebe deiner Frau, die Liebe deiner Frau, die Liebe deines Lebens, die Liebe deines Lebens, die Liebe deines Lebens, die Liebe Ihres Lebens, der Liebe Ihres Lebens, der Liebe Ihres Lebens, der Liebe Ihres Lebens, wir hören uns die Geschichte von Dargan Syldys Valerevich Dargan an, der am 1. September 2023 im Bezirk Krasnojarsk verhaftet wurde. Hören wir einander zu, bevor wir uns hinsetzen.
Kharylzaalazhir Telefonnummer: Ak Shonchalai,
Stimme: Ulyana Dargan, 89016785383."

Mark Die letzten Worte für einen gefallenen Soldaten sprach Priester Mark aus der Region Lipezk:
"Der heilige Philaret Drozdov schreibt: „ABER KRIEG IST EIN HEILIGER FALL FÜR JENE, DIE IHN AUS DER NOTWENDIGKEIT, ZUR VERTEIDIGUNG DER WAHRHEIT, DES GLAUBENS, DES VATERLANDES FÜHREN.“ Wer in diesem Kampf mit Waffen kämpft, vollendet die Heldentat des Glaubens und der Wahrheit, die die christlichen Märtyrer durch das Bekenntnis des Glaubens und der Wahrheit, durch Leiden und Tod für dieses Bekenntnis vollbracht haben. Und indem er Wunden akzeptiert und sein Leben in dieser Schlacht spielt, folgt er der Spur der Märtyrer zur unangemessenen Krone."

Die Schoren - das ist ein kleines indigenes Volk, das hauptsächlich in der russischen Region Kemerowo siedelt. Das kleine turksprachige Volk zählt gerade mal noch 15.000 Personen. Ihrer traditionelle Lebensweise mit Fischfang, Jagd und Holzwirtschaft können sie kaum nachgehen, da fast alles durch einen Nationalpark untersagt ist.

„Es sind nur noch sehr wenige von uns Schoren übrig. Unser Volk stirbt aus“, sagt ein Dorfbewohner. "Junge Leute ziehen in die Städte. Oder sie trinken sich zu Tode, da wir keine Immunität gegen Alkohol haben. Warum trinken sie sich zu Tode? Weil es keine Arbeit gibt."

So fallen die jungen Menschen auf die staatliche Propaganda herein und ziehen in den Krieg gegen die Ukraine. In einem 600 Seelendorf zählt man bereits drei Kriegstote, Verletzte oder Verstümmelte kommen noch dazu.

Für weitere Informationen empfehlen wir den Bericht von Radio Free Europe aus Sibirien - mit dem Google-Übersetzungsprogramm leicht lesbar.

Vitaly Borisovich KirsanovVitaly Borisovich Kirsanov kam aus Selenodolsk, eine beinahe 100 Tausend Einwohner große Stadt in Tatarstan. Er war dort auch mal Kommandant der Feuerwehr. Statt Feuer in der eigenen Stadt zu löschen, zündete er lieber Feuer auf fremdem Territorium an. Konkret gehörte er zu den  "Separatisten" des Donbass und war seit 2014 dort mal Panzerkommandant, Kommandeur einer Mörserbesatzung und vieles andere mehr.
Beim richtigen Krieg gegen die Ukraine konnte Vitaly natürlich nicht zuhause bleiben. Im April 2022 meldete er sich freiwillig, Ende August 23 starb er nach einer Verwundung im Krankenhaus.
In seiner Heimatstadt war Vitaly auch Funktionär der Kommunistischen Partei Russlands - genauer, er war Ideologiesekretär des Regionalkomitees, was immer das auch bedeuten mag. So gehörten der Partei auch die Abschiedsworte: "Heute verabschieden wir uns von einem überzeugten Kämpfer, einem Patrioten, ein Kommunist, ein Bürger mit einem großen C. Sein gesellschaftspolitischer Weg zeigt uns, dass er ein helles, gutes Leben führte, wie ein Meteor."
OM, 23.09.23

Dmitri Andrejewitsch SamolygaSohn Dmitri Andrejewitsch Samolyga aus Kemerowo

Heute ist es genau ein Jahr her, seit er gestorben ist, mein einziger Sohn. Ein Jahr voller Schmerz, Melancholie, Bitterkeit, Tränen. Ein Lebensjahr ohne Leben.
Es ist so seltsam und beängstigend zu erkennen, dass man nie wieder einen Menschen sehen wird ... Besonders die Person, die man von ganzem Herzen liebt ...
Wenn man nur flucht und Schluss mit jemand macht, hat man eine Chance ... es gibt eine Chance Ihn in der Menge zu treffen, zusammenzustoßen und alles zu verändern.
Wenn ein Mensch in die Ewigkeit geht, gibt es keine Chancen. Zurück bleiben ein Foto, ein Grab und ein Meer von Erinnerungen, Erinnerungen, die einem die Kraft zum Leben und zum Atmen geben und die einen gleichzeitig zerreißen.
Du lebst, du tust etwas, aber warum? Es gibt keine Antwort... Du versuchst, die Menschen anzulächeln und so zu tun, als würdest du wieder atmen, aber tatsächlich wandelt deine Hülle auf dieser Erde, es scheint dasselbe zu sein, aber etwas darin ist für immer kaputt und kann nicht repariert werden.. .
Du fehlst mir wirklich, mein Held

Artem Govorukhin Sohn Artem Govorukhin, 20 Jahre:

Gestern ist die letzte Hoffnung gestorben. Oder besser gesagt, ihre geisterhaften Krümel. Aber gestern war Artems 21. Geburtstag. Und gestern konnte ich meine Hand nicht heben, um zu schreiben, dass Artem gestorben ist.
Er ist Anfang Juli gestorben und wird nun immer 20 Jahre alt sein. Nicht mehr und nicht weniger. Sobald wir die Gelegenheit haben, uns von ihm zu verabschieden, werden wir Sie auf jeden Fall informieren. Das ist alles für den Moment...
Obwohl nein, nicht alles. Wir sind alle verschieden. Wenn einer von Ihnen das Bedürfnis hat, Kerzen anzuzünden, Gottesdienste zu bestellen, Gebete zu verrichten, sich an Krishna, Buddha usw. zu wenden. - Es ist Ihr gutes Recht, das macht uns nichts aus.
Aber bitte informieren Sie uns nicht über all das. Wir haben unsere eigene Meinung zu verschiedenen Arten von Religionen. Und schließen wir hier die religiöse Frage ab. Jeder trifft seine eigene Wahl. Jeder hat sein eigenes Leben.
Und wir lernen, in neuen Realitäten zu leben ...


Noch bevor in Russland die Teilmobilisierung angekündigt wurde, zog es Renat Elmanbetov aus dem Dorf Nariman im Bezirk Nogai in Dagestan an die Front. Er ging als Freiwilliger zum tschetschenischen Akhmat-Bataillon und schon nach drei Monaten bekam er Auszeichnungen. Er wäre zweimal verwundet worden, hätte selbst verletzte Kollegen vom Schlachtfeld gezogen, unser Held, heißt es in der Laudation zur Verleihung des "Mutordens" Ende Novemver 2022. Die örtliche Presse schrieb weiter: "Renat, wir sind stolz auf Dich!"
Sehr viel kürzer fielen die Meldungen dann Mitte August 23 aus. Die offizielle Zeitung des Bezirks Nogai vermeldete die Beerdigung von Renat Elmanbetov, die am 24. August in Stawropol stattfand.
OM, 17.09.23

Wladimir Gennadijewitsch KotschetkowRusslands Krieg gegen die Ukraine brachte Bronja unverhofft eine zweite Karriere. Wladimir Gennadijewitsch Kotschetkow, wie der Mann eigentlich hieß, hatte vor Jahren das Militär im Rang eines Oberstleutnants verlassen. Auch er wurde im Herbst 2022 im Alter von 51 Jahren in Kasan, der Hauptstadt Tatarstans, mobilisiert und brachte mit viel Schwung die anderen Neusoldaten im Kasaner Regiment auf Linie.
Schnell stieg Bronja zum Oberst auf und kommandierte seine Kasaner Jungs an der Front. Doch dem Ehrgeiz von Bronja (bedeutet Rüstung) setzte sein Alter Grenzen. Bei einem Kampfeinsatz Mitte August starb der Mann mit jetzt 52 Jahren. Nicht die Kugel eines Feindes hatte sein Leben beendet, sondern sein Herz sendete finito. Er wurde am 22.08.23 in Kasan begraben.
OM, 12.09.23

Alexej TuschilkinAlexej Tuschilkin, ein Waise aus Bratsk (Region Irkutsk), wartete neun Jahre lang auf eine Wohnung vom Staat. Er hatte die Miete für die Wohnung im Voraus bezahlt hatte, stand im Jahr 2022 trotzdem nur auf Platz 1047 in der Warteschlange für Wohnungen für Waisen.
"Meine Aussichten auf eine Wohnung hier sind überhaupt nicht gut. Ich kann keine Familie gründen, was ist das, eine Familie  ohne Wohnung?  Ich habe daran gedacht, einen Vertrag zu schließen und in die Ukraine zu gehen. Dort sind jetzt viele Waisenkinder im Einsatz, meine Freunde und Bekannten. Was habe ich zu verlieren? Ich habe weder ein Kind noch ein Kätzchen, also gehe ich", sagte Alexej im Jahr 2022.
Alexej heiratete und meldete sich beim Militär. Im Juli 23 schickte er „Grüße aus dem Ausbildungslager“ in Noworossijsk in der Region Krasnodar.
Das militärische Rekrutierungsbüro teilte seiner Frau kürzlich mit, dass Alexejs Abteilung am 15. August durch Drohnen zerstört wurde.
OM, 11.09.23

Denis Kravchenko"Wir geben unsere eigenen nicht auf!", das ist eine Parole Russlands in seinem Krieg gegen die Ukraine. Sie steht für zwei Dinge, nämlich die Heimholung der "slawischen Brüder" ins russische Reich und für die Bereitschaft der russischen Soldaten, niemals ihre Waffenbrüder aufzugeben oder zurückzulassen.
Das durfte auch Denis Krawtschenko aus Kaliningrad erfahren. Der 21-jährige Soldat war ein typischer Kandidat für das Militär, ohne Eltern aufgewachsen, die Großmutter gab wenig Halt, den gab dafür das Militär. Denis war mittendrin, als im September 22 die russische Front in der Region Charkiw zusammenbrach.
Die russischen Soldaten rannten um ihr Leben und Denis ging irgendwo im Durcheinander verloren. Manche Kollegen meinten, er wäre gefangen genommen worden, ihm wäre die Munition ausgegangen. Das dachte auch das Kommando der "Baltischen Flotte", aber später ausgetauschte Soldaten meinten, ihn tot irgendwo gesehen zu haben.
Großmutter und Schwester suchten unermüdlich nach Denis, brachten manchen Bürokraten zum Schwitzen. Schließlich brachte ein DNA-Abgleich Erfolg - die wenigen menschlichen Überreste ließen sich anders nicht mehr identifizieren.
Am 18. August 23 wurde Denis Krawtschenko  schließlich in Kaliningrad verabschiedet, gemeldet wurde sein Tod am 10.09.23.
OM, 10.09.23

Juri Jurjewitsch PawlowAuch Juri Jurjewitsch Pawlow wird nicht mehr gegen sein Heimatland kämpfen. Der Stabschef und stellvertretende Kommandeur eines Materialunterstützungsbataillons einer Marinebrigade im Rang eines Majors wurde nämlich in der Ukraine geboren. Ganz genau ist er in einem Dorf in der Oblast Luhansk aufgewachsen, das zu UDSSR-Zeiten noch Woroschilowgrad hieß.
Zum Offizier wurde Juri dann im "Fernen Osten" Russlands ausgebildet, an einem Militärinstitut in Blagoweschtschensk am Amur. Nach seinem Abschluss 2009 kam er zurück auf die Krim und gehörte zu den in Sewastopol stationierten Marinebrigaden. Er kämpfte in Syrien und ab Oktober letzten Jahres auch in der Ukraine. An der Front in Richtung Saporoschje wurde er verwundet und starb schließlich im August 23 im Krankenhaus an seinen Verletzungen.
OM, 09.09.23

Sudak ist eine Stadt auf der Krim und ein Zentrum der Wein- und Sektherstellung auf der Halbinsel. Auch von dort wurden Männer eingezogen, um gegen ihr eigentliches Mutterland Ukraine zu kämpfen. Nachstehend eine der inzwischen häufigen Todesmeldungen von der Krim:
Roman SavalnyFreunde, am 9. August 2023 starb mein Bruder während eines Kampfeinsatzes. Romka (Roman Savalny) ist nicht mehr bei uns!
Mein Bruder wurde im Oktober letzten Jahres mobilisiert und kämpfte heldenhaft und erfüllte seine Pflicht gegenüber seinem Heimatland im Gebiet des nördlichen Militärbezirks.
Jeder, der Romka kannte und ihn auf seiner letzten Reise mit seiner Familie begleiten möchte, kommt morgen, 16. August, um 13:00 Uhr auf den Stadtfriedhof von Sudak.
Die Trauerfeier findet um 12:00 Uhr in der Fürbittekirche in Sudak statt.
Mein Bruder war ein freundlicher, wirklich guter Mensch und liebte es immer, von Familie und Freunden umgeben zu sein.

Go to top