Rostislav Andreevich OleinikRostislav Andreevich Oleinik, geboren 1992 in Nischneudinsk in der Region Irkutsk, war ein gemeiner Mörder, dazu noch ziemlich dumm. Laut Gerichtsprotokoll der Stadt Nischneudinsk vom Dezember 2018 besoff er sich zusammen mit einem Kumpan. Irgendwann gab es Streit, Rostilav nahm ein Messer und stach dem Kumpel zweimal in die Brust. Danach war der Rücken dran, wobei das Messer zerbrach. Mit einem neuen Messer ging es weiter: "Mindestens zehn Stiche in den Rücken und wo nötig."
Als er merkte, dass sein Opfer nicht mehr atmete, nahm er ihm sein Handy weg. Mit dem telefonierte er ein wenig, um es dann im Pfandhaus zu vesetzen. Das Gericht war erschüttert ob soviel Blödheit und urteilte auf 10 Jahre strenger Lagerhaft.
Auch im Knast wurde er nicht klüger, er ließ sich von der Gruppe Wagner verpflichten. Am 6. Juni wurde er in Nischneudinsk begraben.
OM, 21.06.23

Blagodarov DmitryDmitry Gennadievich Blagodarow, Söldner der Gruppe Wagner, gehört zu den Kriegstoten, die nirgendwo veröffentlicht, aber von Aktivisten aus Krasnodar dann doch auf einem der dortigen Friedhöfe gefunden wurden.
Er wurde 1985 geboren und Anfang Februar an der Front getötet.
Dmitry war bereits wegen Drogenkonsums vorbestraft, als er 2015/16 versuchte, Designerdrogen aus dem besetzten Donbass nach Russland zu schmuggeln. An der Grenze kontrolliert, behauptete er, dass er nur Vitaminpillen für Sportler bei sich trüge. Das Gericht meinte, dass es sich eher um 4-Fluoroamphetamin handeln würde und verurteilte ihn zu strengen 10 Jahren und 2 Monaten.
Langsam werden die Wagner-Söldner unter den Kriegstoten weniger, dafür sterben wieder mehr "normale" Soldaten.
OM, 21.06.23

Andrei YankovAndrei Yankov, 26-jähriger Unteroffizier aus Burjatien, wurde am 08.06.23 in seiner Heimat beigesetzt. Er war Lokomotivführer in der Hauptstadt Ulan-Ude. Das Besondere an ihm ist, dass er im Februar 23 zum Militärdienst mobilisiert wurde. Denn eigentlich war jene Mobilisierung nach Kriegsminister Schoigu bereits im Oktober 22 abgeschlossen.
Andrei steht stellvertretend für eine unbekannte Zahl an Männern aus den entlegenen Gebieten Russland, die einfach weiter zum Kriegsdienst eingezogen werden.
Die Menschenrechtsaktivistin Nadezhda Nizovkina berichtete, dass ab April 23 Bürger weitere Einberufungsbescheide erhielten. „Gemessen an der Zahl der an mich und meine Kollegen gerichteten Anfragen, bei der Vermeidung einer Mobilisierung zu helfen, hat das Ausmaß der Mobilisierung stark zugenommen. Besonders im April und Mai“, sagte die Anwältin.
OM, 21.06.23

Juri BaranowskiJeder russische Soldat, der im Krieg gegen die Ukraine getötet wird, ist danach ein Held, ein Beschützer der Bevölkerung. Sein Tod für die russische Sache reinigt ihn von allen Sünden. Solche Logik mag wohl bei kleinen Sündern wie Dieben oder Drogendealern aufgehen, bei schweren Verbrechen eher nicht. Denn da gibt es Opfer, die sich mit solch einer schnellen Heiligsprechung schwer tun.
Juri Baranowski, geboren 1971, wurde als Söldner der Gruppe Wagner am 6. März bei Bakhmut getötet. Am 31. Mai wurde er dann in seiner Heimatstadt Twer mit militärischen Ehren beigesetzt. Jetzt liegt er auf dem Friedhof Dmitrowo-Tscherkassy gemeinsam mit anderen gefallenen Helden.
Apropos Held - unser Juri gehört da zu einer ganz speziellen Sorte. Ende 2017 brach er zusammen mit einem Freund in dessen Auto zu einer Landpartie auf. Irgendwo außerhalb von Twer verpasste Juri seinem Freund etwa 30 Stiche mit einem Messer und tötete ihn. Und damit der auch wirklich tot war, säbelte er ihm den Kopf von den Schultern. Die Leiche vergrub er in der Nähe einer Straße.
Nach zwei Monaten wurde Juri gefasst und Mitte 2019 zu neun Jahren Lagerhaft verurteilt. Der Grund für jene Gewalttat erwies sich als banal: Juri mochte das Auto seines Freundes.
OM, 15.06.23 - Quellen I und II

Evgeny Stanislavovich LevkovetsFür die Autoren von Krimiserien oder von Gangsterfilmen müssten eigentlich unsere kleinen Episoden über die aus der Haft rekrutierten Söldner der Gruppe Wagner eine ständige Inspiration sein. Man kann sich das alles nicht ausdenken.
Evgeny Stanislavovich Levkovets aus Nowgorod, 37 Jahre alt,  war mit Swetlana verheiratet, die 12 Jahre älter war. Ende 2018 hatte er Besuch von einem Freund, mit dem er zusammen becherte. Nach einiger Zeit schlief der Hausherr ein.
Als er wieder aufwachte, war er allein. In der Küche fand er seine Frau untenrum nackig und den Freund mit runtergelassener Hose. Neun Stiche mit dem Küchenmesser auf den Freund brachten ihm neun Jahre Lagerhaft.
Sein Vertrag mit Wagner fand auch kein glückliches Ende. Am 08.03.23 wurde er bei Bakhmut in den Tod geschickt.
OM, 14.06.23 / Link

Mineralnyje Wody ist eine Stadt im Süden Russlands in der Region Stawropol mit ca. 77.000 Einwohner. Die Region ist landwirtschaftlich geprägt und nicht gerade für Rebellion bekannt. Deshalb überrascht folgender Text aus einer lokalen VKontakte-Gemeinschaft mit 28.000 Abonnenten:

Im Krieg mit der Ukraine sterben weiterhin Männer aus Mineralnyje Wody.

Sie müssen immer noch leben und leben, aber stattdessen hat der Staat sie zu einem sinnlosen Gemetzel geschickt, das mehr Leben forderte als Afghanistan und Tschetschenien zusammen.

Shmailo Vitaly, ein Bewohner von Pobegailovka. Er starb am 10. Mai 2023 in der Nähe von Bachmut.

Malychin Juri. Starb in der Nähe von Cherson. Yuri ist von der Mineralny Cossack Society.

Kein Krieg.

Sergej LjaschkoSergej Ljaschko arbeitete als Tischler in der Region Rostow am Don. Seine Schwiegermutter hatte deutsche Wurzeln, in den Jahren nach 2000 zog sie nach Deutschland und nahm ihre Tochter samt Schwiegersohn Sergej gleich mit. 
Der machte sich selbständig mit dem Innenausbau von Gebäuden, fand sich aber in Deutschland nicht zurecht. Nach knapp 20 Jahren zog er ohne Frau und Töchter wieder zurück in seine alte Heimat: "Er hat die Hütte verlassen, um in den Krieg zu ziehen."
Im August 2022 verpflichtete sich Sergey bei der russischen Armee, am 11. September 22 wurde er im Alter von 45 Jahren in der Ukraine getötet. Erst Mitte Februar 23 wurde er begraben, aktuell erhielten seine Eltern einen beliebigen Orden.
OM, 12.06.23

Russland gehen die Soldaten aus. In der Region Belgorod an der Grenze kommt es immer wieder zu Kämpfen zwischen russischen Aufständischen und der Armee bzw. dem Grenzschutz. Diverse Telegramkanäle berichten ganz konkret davon, dass inzwischen junge Wehrpflichtige dort zur Bewachung der Grenze eingesetzt werden, ohne Ausbildung und mit Gewehren ohne Patronen. Hier kann deren Einsatz nicht verweigert werden, da es um den Schutz der Außengrenze geht.
Bereits 2022 kamen dort durch Beschuss vier junge Männer ums Leben: der 19-jährige Nikita Koshelev aus der Region Nischni Nowgorod, der 20-jährige Denis Taskaev aus der Region Nowosibirsk, der 19-jährige Afanasy Podaev aus der Region Tjumen und Dalmir Akmaev.
Mindestens drei weitere Wehrpflichtige starben beim Beschuss von Shebekin am 19. Januar: Der 20-jährige Ilya Batynov aus Penza, der 21-jährigen Oleg Vutly und des 19-jährigen Efim Ivanov aus der Region Moskau.
Bei den aktuellen Vorfällen wird über den Tod von weiteren fünf Wehrpflichtigen berichtet. Hier sind die Namen noch nicht bekannt.
OM, 11.06.23

Viktor TerentievViktor Terentiev wäre so etwas wie ein Freiwilliger, meinten die Beamten vom Militärkommisariat der Stadt Wolschski in der Region Wolgograd. Sicher ist, Viktor ist tot, getötet beim Sturm auf Bakhmut. Er wurde dann doch mit militärischen Ehren bestattet.
Die Sturmtruppe von Viktor war das Bataillon "Sturm", die Nachfolger der Gruppe Wagner. Und wie deren Kämpfer hatte auch Vikor eine bewegte Vergangenheit.
Im Dezember 2019 becherte er mit Saufkumpanen, einer davon beleidigte die Gattin des Wohnungsinhabers, wo das Gelage stattfand. Nach mindestens zehn Tritten war die Ordnung wieder hergestellt, Viktor schlief irgendwann ein. Am Morgen wurde er verhaftet, sein Opfer lag derweil bewusstlos auf der Intensivstation.
Das hätte zu mildernden Umständen gereicht - nur Viktor hatte Jahre zuvor bereits ein anderes Opfer zu Tode geprügelt. Jetzt durfte er beim Kommando Sturm für kurze Zeit seinen Aggressionen freien Lauf lassen.
OM, 07.06.23

Nischni Tagil

Nischni Tagil ist eine Großstadt in der Oblast Swerdlowsk. Wichtigstes Industrieunternehmen der Stadt ist Uralwagonsawod, der weltgrößte Hersteller von Kampfpanzern. Mitte Mai wurden vier Einwohner an einem Tag bei der Erstürmung von Bakhmut getötet. Nein - keine Ex-Sträflinge von der Gruppe Wagner, sondern normale Bürger, die im Herbst 2022 mobilisiert wurden. Sie gehörten zu den "entbehrlichen" Soldaten, Männer ohne besondere Eigenschaften, die man auf die gefährlichsten Missionen schickt, weil deren Tod keinen wirklichen militärischen Verlust darstellt.
Für Anatoly Antonov, Anton Gabdrafitov, Sergey Gavrilov und Dmitry Perevoznikov fand zumindest zuhause am 23.05. eine Trauerveranstaltung statt.
OM, 07.06.23

Vladimir Vyacheslavovich MarkaryanEin Foto einer Urkunde der "Regierung" von Luhansk und die passende Medaille, die alle getöteten Wagner-Söldner erhalten, wurden von einem Moskauer Bürger ins Netz gestellt. Es gab keine weiteren Informationen.
Normalerweise hätten wir jetzt jenen gefallenen Söldner auch bei der Stadt Moskau eingruppiert. Aber weil der Name auf eine armenische Herkunft deutete und in Russland nicht weit verbreitet ist, haben wir uns etwas mehr Mühe gemacht.
Vladimir Vyacheslavovich Markaryan war 2016 gerade 26 Jahre alt, als er seiner Ex-Freundin am Rande eines Dorfes in der Region Rostow auflauerte. Betrunken vergewaltigte er die junge Frau, erwürgte sie danach mit seinem T-Shirt und entsorgte die Leiche auf einer Mülldeponie.
Das Bezirksgericht Rostow verurteilte den Mann deshalb zu 17 Jahren Haft in einer Kolonie des "strengen Regimes". Bei der Wahl - noch zehn Jahre weitere Haft oder ein halbes Jahr bei der Gruppe Wagner und danach frei - hat er wieder die falsche Entscheidung getroffen. Im Mai 23 wurde er an der Front getötet.
OM, 30.05.23

Kaum berichtet man über den neuen russischen "Volks"-Sturm, schon überschlagen sich die Ereignisse. Aus der Region Rostow am Don wird berichtet, dass 39 Soldaten, alles ehemalige Häftlinge, aus der Kaserne desertiert sind. Ein Offizier der "Volksrepublik Luhansk", der die Soldaten aufhalten wollte, wurde von ihnen getötet.
Die Flucht ereignete sich bereits am 24. Mai. Die Soldaten verließen unerlaubt und bewaffnet ein Militärgelände jener selbsternannten Republik Luhansk.  Man geht davon aus, dass die Deserteure sich Zivilkleidung und Autos beschafft haben und  sich jetzt auf der Flucht irgendwo im russischen Süden befinden.
OM, 26.05.23

Anton Alekseevich TuchvatulinAnton Alekseevich Tuchvatulin schien ein lustiger junger Mann  zu sein. Sein Foto zeigt ihn mit weißer Perücke, Victory-Zeichen und einem breiten Lächeln. Das passt gar nicht zu den grimmigen Jungs vom tschetschenischen Akhmat-Bataillon, von dem er sich als Söldner anwerben ließ. Genau so wenig wie zur Meldung seines Todes, die über deren Telegramkanal verbreitet wurde:
"Unser lieber Bruder Tukhvatulin Anton Alekseevich , ein Spezialeinheitskämpfer „AKHMAT“ (Kampfname Makler), starb heldenhaft, indem er sich mit einer Granate in die Luft sprengte, um sich nicht den Satanisten zu ergeben. Hier sind sie die Seeleute unserer Tage – die wahren Helden und Krieger. Zu ihnen sollten die jüngere Generation und unsere Nachkommen aufschauen!"
OM, 25.05.23

Aus Dagestan erreicht uns ein Video über eine Veranstaltung anlässlich der Anbringung einer Gedenktafel für einen in der Ukraine gefallenen jungen Mann aus Dagestan. Der Begleittext passt zu unserem Heldenthema:
"In den einfachsten Schulen wachsen echte Männer heran, Verteidiger unseres Vaterlandes, für die die Konzepte Patriotismus und Wehrpflicht untrennbar miteinander verbunden sind. 
Ihre Namen werden für immer in der Geschichte der Bildungseinrichtungen und ihrer Heimatstadt verankert bleiben.
Für Schüler der MBOU „Secondary School 8“ und die gesamte jüngere Generation wird Nizamutin Kurbanov ein Vorbild sein – was ein Dagognit, Dagestaner, Russe sein sollte. 
Heute, am 6. Mai, eröffnen wir eine Gedenktafel in seiner Heimatschule."
(Das Video besser im Vollbild anschauen)

Aus einer Nachricht der Territorialabteilung Iljinski, Ostregion Moskau:
Helden finden sich nicht nur auf den Seiten von Lehrbüchern. In Russland liegt die Fähigkeit, eine Leistung zu erbringen, auf genetischer Ebene im Blut.
Für den russischen Soldaten sind Mut, Standhaftigkeit und Todesverachtung auch heute noch spürbar, angesichts des unvollendeten Nationalsozialismus.

Andrey Mikhailovich PrikazchikovDie Helden meiner Kindheit und Jugend sind von ihren Abenteuern immer lebend zurück gekommen. Das trifft auf die vielen "Helden" über die wir hier schreiben definitiv nicht zu. Aber auch der Begriff Held scheint langsam zu zerbröseln. "Gott bewahre, dass die Tochter ihren Heldenvater nicht vergisst," wird eine Todesnachricht von der Front kommentiert.
Konkret ging es um Andrey Mikhailovich Prikazchikov aus der Region Nischni-Nowgorod, der mit 32 Jahren Ende November bei Bakhmut getötet und jetzt in einer lokalen Schule als Neumitglied des "Unsterblichen Regiments" geehrt wurde.
Der war allerdings ein ganz besonderer "Held", der im Suff mit anderen notorischen Alkoholikern dumme Sachen angestellt hat. Nämlich den noch besoffeneren Mittrinkern gerne mal ein Smartphone für weiteren Stoff oder die Autoschlüssel für eine Spritztour geklaut hat. Und weil man sich ja noch mehr betäuben kann, sich hin und wieder mit richtig harten Drogen eingedeckt hat. Das Stadtgericht Pawlowsk hat ihn deshalb 2021 zu 4 Jahren und 2 Monaten strenger Haft verurteilt. Den Rest der Geschichte erspare ich mir.
OM, 23.05.23

Ende November hatten wir über eine Bande Krimineller berichtet, die im Volksmund "Trassoviki" genannt wurden. Deren Anführer Alexander Enaleev war 2013 zu 25 Jahren Lagerhaft verurteilt worden. Die Bande hatte in Zusammenarbeit mit korrupten Polizisten auf der Autobahn in Polizeiuniform Lastwagen angehalten, um deren Ladung und die Transporter zu versilbern. Fünf LKW-Fahrer wurden dabei getötet.
Auch Boss Alexander Enaleev zog die Wagner-Option im November 22 - ein halbes Jahr an der Front, dann winkt die Freiheit. Kurz vor Ablauf jener Frist war dann auch für ihn Schluss.
OM 22.05.23

Wladislaw Anatoljewitsch GrigorjewDer Krieg gegen die Ukraine begann bereits 2014, als die Krim annektiert wurde und und im Auftrag Russlands Igor Girkin mit russischen Geheimdienstsoldaten versucht hatte, den Donbass militärisch zu besetzten. Nach außen gab man vor, dass dies eine Revolte von Separatisten wäre. Oder Urlauber - wie z. B. Wladislaw Anatoljewitsch Grigorjew:
Geboren am 23. November 1988 in der Stadt Sosnovka, Gebiet Kirow. Er absolvierte die High School in seiner Heimatstadt. Wehrdienst bei der Einberufung in den Luftlandetruppen - im Rahmen des 217. Garde-Ordens von Kutusow, des Fallschirmregiments der 98. Garde-Luftlandedivision Svir Rotbanner-Orden von Kutusow, Division 2. Grades (Militäreinheit Nr. 62295 Stadt Iwanowo).
Er hatte auch Erfahrung mit der Teilnahme an Feindseligkeiten – nach dem Militärdienst ging er mit einem Vertrag nach Georgien. Im August 2014 meldete er sich freiwillig für den Donbass. In der Miliz trug er das Rufzeichen „Pturshchik“.
Am 31.08.2014 im Kampf um den Flughafen Luhansk getötet.
"... Sie kamen am 23. August am Schauplatz der Feindseligkeiten an. Und eine Woche später, am 31. August, als die Miliz, darunter Freiwillige aus Russland, den Flughafen Lugansk stürmte, wurde das Auto, in dem Vlad reiste, bombardiert ... Er gehörte zu einer Gruppe, die diejenigen deckte, die den Flughafen stürmten ..." Er wurde in der Stadt Sosnovka in der Region Kirow beigesetzt.
OM, 19.05.23

Vitaly TimofeevVitaly Timofeev, geboren 1991, war ein kleiner Drogenkurier aus Wolgograd. Zwischen August 2020 und Mitte Oktober 2020 bestand seine Aufgabe darin, eine größere Menge Drogen irgendwo abzuholen und danach in kleineren Portionen irgendwo wieder zu deponieren. Für jeden ausgeführten Job bekam er 250 - 300 Rubel, das sind etwa drei bis dreieinhalb Euro. Die Hintermänner dieses Geschäftes kannte er nicht, alles wurde über einen Telegram-Kanal abgewickelt.
Vitaly wurde von der Polizei erwischt und war geständig. Das Gericht bewertete Vorstrafen als strafverschärfend, sein Geständnis und eine diagnostizierte psychische Störung als strafmildernd und schickte den jungen Mann für 10,5 Jahre in eine verschärfte Strafkolonie. Das Urteil wurde dann auch im Frühjahr 2022 vom Bezirksgericht bestätigt.
Die Geschichte endet wie vorhersehbar: Vitaly wählte die Todesstrafe via Gruppe Wagner, nämlich Kanonenfutter an der Ukrainefront, mit einer geringen Chance auf Begnadigung. Am 16. April 23 wurde diese dann vollstreckt.  (Überschrift Zitat aus Todesmeldung)
OM, 16.05.23

Erwin SchwabEnde April melden lokale Medien den Tod von Erwin Schwab aus Nowosibirsk, geboren 1992 . Der Mann stammt offensichtlich aus einer russlanddeutschen Familie. Und er ist der erste uns bekannte deutschstämmige Russe, der als Söldner der Gruppe Wagner im Ukrainekrieg gefallen ist. Erwin stammt aus dem kleinen Dorf Arisowo, etwa in der Mitte zwischen Omsk und Nowosibirsk, lebte aber offensichtlich in Nowosibirsk.
Eine kurze Recherche förderte leider wenig Erbauliches über den jungen Mann zu Tage. Er war bereits wegen Diebstahls vorbestraft, als er 2016 vom Bezirksgericht zu 10 Jahren Kolonie mit strengem Regime verurteilt wurde. Er hatte betrunken eine ältere Frau, die ihn bei sich zum Abendessen eingeladen hatte, zunächst mit seinen Händen bis zur Bewusstlosigkeit gewürgt. Danach ein Stromkabel aufgezwirbelt und mit den Drähten den Hals ganz zugedrückt bis sie starb.  Am Ende stahl er 29.000 Rubel aus der Wohnung und floh vom Tatort.
Auch Erwin Schwab hoffte auf Freiheit und schloss sich der Gruppe Wagner an. Am 12. April wurde er an der Front getötet.
OM, 14.05.23

Inguschetien ist eine kleine Kaukasusrepublik mit etwa 400.000 Einwohnern. Im Gegensatz zu anderen russischen Teilrepubliken ist die Bevölkerung dort sehr homogen - knapp 94% sind muslimische Inguschen. Dort bereitet sich eine Unabhängigkeitsbewegung auf den Zusammenbruch des russischen Staates vor, der dem Volk eine Chance auf Selbständigkeit bieten würde. 
Ein Auszug aus der Erklärung des Komitees für die Inguschische Unabhängigkeit:
Diese Entscheidung wird vor dem Hintergrund der schwerwiegenden Folgen getroffen, die das Inguschenvolk aufgrund der jahrelangen Besatzung und Gewalt durch das Russische Reich in all ihren Formen erleidet.
Diese schicksalhafte Entscheidung ist auf die Notwendigkeit zurückzuführen, sich auf den bevorstehenden Zusammenbruch der Russischen Föderation vorzubereiten, der unweigerlich zu einer Konfrontation innerhalb der russischen Eliten, aller Arten von PMCs und Banden führen wird, die von den kriminellen Behörden des Kremls geschaffen wurden. Die Entscheidung zielt auch darauf ab, die territoriale Integrität Inguschetiens (GIalgIayche) wiederherzustellen und seine Grenzen vor möglichen aggressiven Aktionen russischer Satelliten zu schützen.
OM, 10.05.23

Sergey KakschinSergey Kakschin aus Nischni Tagil in der Oblast Swerdlowsk suchte im Januar 2017 seine Ex-Ehefrau Daria Zembitskaya. Denn die war auf dem Weg zur Arbeit spurlos verschwunden. Zusammen mit der Polizei begab er sich auf die Suche nach ihr.
Ein paar Tage später fand man die Frau im Schnee begraben, nicht weit außerhalb der Stadt. Sie war geschlagen und schließlich erwürgt worden. Es war nicht schwer, den Ehemann als Täter zu identifizieren.
Sergey bekam 9,5 Jahre in einer Kolonie mit "strengem Regime".
Die Geschichte fand im November 22 ihren Abschluss. Sergey Kakschin starb als Söldner an der Front bei Bakhmut wie so viele andere Sträflinge, die sich der Gruppe Wagner verpflichtet haben.
Nach russischer Lesart hat er damit seine Sünden getilgt.
OM, 09.05.23

NachtWoelfe01"Ein helles Ereignis mit den Nachtwölfen" - so berichtet das Nikolo-Terebensky-Kloster (Region Twer) von einer Veranstaltung im April.
Zu Ehren eines im Krieg gegen die Ukraine getöteten Novizen des Klosters, war der Motorradklub "Night Wolfes" herangedonnert, um einen Gedenkstein zu errichten und Linden zu pflanzen. Angeführt wurde die Horde von deren Präsident Chirurg, bürgerlich Alexander Saldostanow, der auch gleich dokumentierte, dass zwischen der Haarpracht eines orthodoxen Priesters und eines Nachtwolfs kein großer Unterschied besteht (Foto).
Jener Novize, um den es bei dem Treffen ging, war wohl auch ein Nachtwolf und ging als Freiwilliger an die Front. "Er starb als wahrer Christ", schrieb das Kloster.NachtWoelfe02

OM, 09.05.23

Andrej LazarchukEs sind immer wieder die selben Geschichten: Andrej Lazarchuk, 29 Jahre, kommt aus der Region Jaroslawl. Aufgewachsen ist er zusammen mit seinen Geschwistern in einem Waisenhaus. Wenn man seinem Nachruf glauben kann, dann war er ein sehr guter Schüler. Geholfen hat es nichts, er verdiente schließlich sein Geld als einfachster Arbeiter.
2021 wurde er zu 10 Jahren Lagerhaft mit strengem Regime verurteilt. Er hatte irgend etwas zu tun mit " der illegalen Herstellung, Verkauf oder Weitergabe von Betäubungsmitteln, psychotropen Substanzen oder deren Analoga sowie illegaler Verkauf oder Weitergabe von Pflanzen, die Betäubungsmittel enthalten" - vermutlich Hanf. Ein großer Dealer war er sowieso nicht, im Waisenhaus meinte man, er wäre reingelegt worden.
Rettung nahte in Gestalt von Jewgeni Prigoschin. Ein halbes Jahr Dienst bei der Gruppe Wagner und man bekam die "Sie kommen aus dem Gefängnis frei - Karte". Auch Andrey Lazarchuk wählte diesen Ausgang, der eigentlich ein Weg ins Nichts ist.
Am 14. April wurde er in der Ehren-Allee der Stadt Pereslawl bestattet.
OM, 28.04.23

Wjatscheslaw TschepsarakowChakassien war schon immer besonders. Zu Beginn des Krieges gegen die Ukraine musste jeder leitende Staatsbeamte, egal ob Schuldirektor oder Leiter der Müllabfuhr, in den örtlichen Medien einen Besinnungsaufsatz abliefern - Thema: Warum die Spezialoperation gegen die Ukraine richtig und wichtig ist.
Aktuell könnte sich ein umtriebiger Einzelunternehmer namens Wjatscheslaw Tschepsarakow (Foto) aus der Hauptstadt für den "Darwin Award" bewerben. Der wollte unbedingt zur Söldnertruppe Wagner, unterschrieb am 25.02.23 einen Vertrag und war am 02.03.23 bereits tot. Schneller geht es kaum.
Auf der Beisetzung zeigte der Bürgermeister der Hauptstadt Abakan, Aleksey Lemin, dass er irgendwie auch nicht bei Sinnen ist: "Staatsterror und langjährige NS-Ideologie brechen Menschen. Der Kampf für das Vaterland gegen den Nationalsozialismus ist nicht nur ein Dienst. Dies ist eine Manifestation von Mut und Hingabe an Menschen auf höchstem Niveau. Der Mut unserer Kämpfer basiert auf einfachen, aber wichtigsten Werten: Menschlichkeit, Aufrichtigkeit und Hingabe. "
OM, 27.04.23

Go to top