Ramsan KadyrowRamsan Kadyrow ist sauer. Durch Leichtsinnigkeit seiner Soldateska, die öffentlich Bilder ihres Quartiers verbreitet hatte, wurde deren Aufenthaltsort in einer Schule verraten - siehe Video.
Ein präziser Artillerieangriff in der Nacht brachte seinen Leuten den Tod. Jetzt zieht er Bilanz. „23 Soldaten wurden getötet und 58 verwundet. Davon wurden vier schwer verletzt. Ihr Leben ist nicht in Gefahr,“ schreibt er auf Telegram  (in Deutsch).
Aber für jeden Muslim wäre es schließlich eine Ehre und große Freude, in einem heiligen Krieg sein Leben zu verlieren. Jeder Gläubige würde davon träumen, auf Allahs Weg zu sterben. Denn Ramsans Krieger kämpfen nicht mehr gegen Nazis und Militante, sondern gegen den Teufel (Streitkräfte von Iblis ) höchstpersönlich.
OM 28.10.2022

Vorher

Nachher

Alla W. aus Rajsan wirkt auf den Fotos in ihrem VKontakte-Profil einsam und verloren, aber auch hart. Im März hatte sie noch mitgeteilt, dass ihr Sohn 27 Jahre alt geworden wäre. Und er ließe seine Freunde grüßen. Und im  Mai schrieb sie, dass sie in Ordnung wäre. Man hätte ihr Grüße von ihrem Sohn gebracht. Er bat seine Mutter, seinen Freunden Hallo zu sagen, er erinnere sich an sie alle. Heute schließlich teilte sie knapp mit, dass ihr Sohn in der Ukraine gestorben wäre - PMC Wagner - Sohn starb frei. Man konnte keinen übermäßigen Schmerz aus ihrem Beitrag herauslesen.
Mit etwas Phantasie ergibt sich daraus ein kleines Drama. Der Sohn saß wohl hinter Gittern, deshalb ließ er Grüße über seine Mutter ausrichten. Dort bekam er im Spätsommer wohl eine "Sie kommen aus dem Gefängnis frei"-Karte, wenn er sich der Soldateska der Gruppe Wagner anschlösse. Dieses Angebot hat er angenommen. Er starb am 12. Oktober, aber frei.
OM, 26.10.2022

Alle fünf russische Staatsbürger haben gemeinsam, dass sie am 29. September in der Oblast Swerdlosk mobilisiert, also zum Kriegsdienst einberufen wurden. Nach einer bis eineinhalb Wochen Vorbereitung ging es für alle in die Ukraine, sie wurden bei Cherson ins Kriegsgebiet geworfen. Seither haben ihre Angehörigen nichts mehr von ihnen gehört.
Sie starben alle, zu unterschiedlichen Zeiten, an unterschiedlichen Orten. In der Nacht vom 24. auf 25. Oktober erfuhren die Familien von ihrem Tod, am 25.10. wurden die Leichen geliefert.
OM, 25.10.22

Kann man eigentlich eine Armee diskreditieren? Das meinten in Deutschland mal die Bundeswehr, Soldatenverbände und weite Teile der Politik in Bezug auf obiges Tucholsky-Zitat. Bis das Bundesverfassungsgericht dem Spuk ein Ende setzte.
In Russland ist es ein Vergehen und jeder, der in irgend einer Form gegen den Krieg in der Ukraine ist, wird behördlich verfolgt. Aber richtig, bereits die Benutzung des Wortes "Krieg" ist strafbar, richtig wäre Sonderoperation. Denn nach Art. 20.3.3 des Gesetzes über Ordnungswidrigkeiten der Russischen Föderation werden Bürger, die der Diskreditierung der Armee für schuldig befunden wurden, mit einer Geldstrafe von 30.000 bis 50.000 Rubel bestraft. Und das sind inzwischen viele.
Insgesamt gingen bei russischen Gerichten etwa 4.800 Verfahren ein. Moskau steht an erster Stelle (632), St. Petersburg an zweiter Stelle (247), gefolgt von Krasnodar-Territorium (164), Krim (140), Kaliningrad (123), Perm-Territorium (82), Samara-Region (79), Komi (77), Karelien (73) und Archangelsk (70).
OM, 25.10.2022

Ivan PolyanskyIvan Polyansky war ein junger Familienvater aus der Region Orenburg. Er lebte in einem kleinen Dorf zusammen mit seiner Frau und drei Kindern. Und Ivan gehörte zu den 300.000 Russen, die Ende September Anfang Oktober mobilisiert oder besser zum Dienst an der Front verpflichtet wurden, um das Blatt in der Ukraine doch noch zu wenden. Ivan verhielt sich wie ein ordentlicher Russe, erschien im Militärregistrierungs- und Rekrutierungsbüro und wurde in ein Ausbildungslager für die Mobilisierten nach Nizhnyaya Pavlovka geschickt, etwa zehn Kilometer von der Hauptstadt Orenburg entfernt.
Solch junge Leute wie Ivan sind aktuell beim russischen Militär stark nachgefragt. Denn Ivan hatte gedient, war am Granatwerfer ausgebildet und kannte sich allgemein gut mit Waffen aus.
Was im Ausbildungslager dann geschah bleibt unklar. Klar ist nur, dass Ivan Polyansky tot ist, ohne dass er auch nur in die Nähe der Front gelangt wäre. Ivan wurde bereits am 21. Oktober beigesetzt – mit militärischen Ehren. Ansonsten „ermitteln“ das Militärkommissariat der Region Orenburg und die Militärermittlungsabteilung des Zentralen Militärbezirks.
Wäre noch zu erwähnen, dass Ivan Polyansky eigentlich gar nicht hätte mobilisiert werden dürfen. Denn Väter von drei oder mehr minderjährigen Kindern sind gemäß den Anweisungen des Generalstabs befreit.
OM, 24.10.2022

Ivan Polyansky

Die Oblast Omsk ist ein schweigsame Region in Bezug auf Todesopfer im Ukrainekrieg. Über Wochen melden die Behörden keine gefallenen Soldaten, manchmal finden sich auf VKontakte entsprechende Meldungen. Zwischen dem 10. und 20. Oktober zum Beispiel konnten wir in zwei lokalen Medien keine einzige Nachricht finden. Dafür veröffentlicht die Regierung neue Budgetzahlen.
112 Millionen Rubel wurden den Familien der Omsker Soldaten ausgezahlt, die bei der "Sonderoperation" getötet wurden. Da für jeden Gefallenen eine Million ausgeschüttet wird, bedeutet das 112 Todesfälle in der Ukraine. Hier zeigt sich auch die Schweigsamkeit der örtlichen Medien. Bisher haben wir nur 83 Kriegstote gefunden.
OM, 21.10.22

Offizielle Daten über die gefallenen russischen Soldaten im Krieg gegen die Ukraine erfährt man kaum. Doch ein Blick in die Budgets der Regionen kann helfen, die Todeszahlen aufzuklären. Am 17. Oktober teilte das Ministerium für Sozialpolitik der Region Nischni Nowgorod mit, dass für die Soldaten der Region, die in der Ukraine ums Leben kamen, Aufwendungen aus dem Regionalhaushalt in Höhe von 224 Millionen Rubel angefallen sind.
Da die Angehörigen toter Soldaten zwei Millionen Rubel erhalten, wurden für 112 Gefallenen Gelder ausbezahlt. Da es immer etwas dauert, bis die Angehörigen alle bürokratischen Hürden genommen haben, bestätigt dies in etwa unsere Zählung von 129 Todesmeldungen.
OM, 20.10.22

In der Region Irkutsk haben bis zum 12. Oktober 120 Familien aufgrund des Todes eines Soldaten in der Ukraine Pauschalzahlungen erhalten. Dies wurde von der stellvertretenden Ministerin für soziale Entwicklung der Region Irkutsk Svetlana Ievleva mitgeteilt. Jede Familie erhält in diesem Fall eine Zahlung von einer Million Rubel, das entspricht etwa 16.500 €.  Wir haben aktuell 109 Todesfälle gelistet.
OM,19.10.22

Es ist wie bei den gefallenen russischen Soldaten im Ukrainekrieg, wo der Schwerpunkt bei den ärmeren Regionen, den ethnischen Minderheiten und den Randgebieten des großen Russlands liegt. Kein Wunder, dass Einwohner armer Regionen der Russischen Föderation  häufiger für den Krieg mit der Ukraine mobilisiert werden.
Seit zwei Wochen wurden mindestens 213,2 Tausend Menschen in 53 Regionen einberufen, wie die Publikation „Important Stories“ und das Conflict Intelligence Team nach Analyse der Ergebnisse der ersten Mobilisierungswelle herausfanden. Gleichzeitig stellte sich heraus, dass mehr Menschen aus armen Regionen einberufen werden.
Beispielsweise ist in der Region Krasnojarsk der Anteil der Mobilisierten 4,5-mal höher als der erklärte Durchschnitt für Russland. In Burjatien - 3,6-mal mehr, in Sewastopol - 3,3-mal mehr. Unter den Republiken und Regionen der Wolga-Region ist die Region Uljanowsk führend in diesem Indikator. Dort ist der Anteil der Mobilisierten fast dreimal höher als der erklärte Durchschnitt für Russland. Es folgen Mari El und die Region Saratow (1,26-mal mehr), die Region Nischni Nowgorod (1,17-mal mehr) und Tschuwaschien (1,12-mal mehr).
OM, 06.10.22

Irina B. ist Lehrerin an der Schule Nr. 12 in einem Dorf in der russischen Oblast Krasnodar. Ihr jüngster Sohn ist gerade mit 23 Jahren im Ukrainekrieg gefallen, wie soll man über Krieg und Tod mit den Schulkindern reden? Die Schule erklärte ihren Kindern das dann so:
Der Sohn starb,
• damit in der Ukraine die russische Hymne auf Russisch gesungen werden kann;
• damit die russische Flagge in den Schulen der Ukraine gehisst werden kann;
• damit Kinder ohne Angst Bücher russischer Schriftsteller aus Bibliotheken nehmen können;
• damit sie am 9. Mai St. Georgs-Bänder tragen können.
OM, 04.10.22

Wladimir Barsuk aus der Region Komi hatte wohl nicht viel Glück im Leben. Er war erst 32 Jahre alt, zog Anfang September als Freiwilliger in den Ukrainekrieg und kam aktuell im Sarg zurück in seine Heimat. Wo und wie er getötet wurde, wissen wir nicht, kein Foto wurde von ihm veröffentlicht, aber sein Tod wurde nicht mit den üblichen Floskeln wie Kampf gegen die Nazis, Verteidiger der Heimat oder Heldentod gemeldet. Sondern mit der Frage: „Interessanterweise, wenn die großen Köpfe im Kreml den 24. Februar 2022 nicht als Beginn einer speziellen Militäroperation auf dem Territorium der Ukraine angekündigt hätten, hätten all diese Tragödien, die uns seit mehr als sieben Monaten verfolgen, verhindert werden können?“
In den Kommentaren zu dieser Meldung auf Vkontakte wurden überwiegend ähnliche Meinungen vertreten. OM, 02.10.2022
Nachtrag:
Das ging schnell, Meldung wurde nach sehr kurzer Zeit gelöscht. Hier das archivierte Original.

Igor KuskIgor Kusk war der Anführer der Verbrecherbande Kuskovsky, deren spektakulärstes Verbrechen der Mord an einem Generaldirektor  einer tatarischen Firma war. Boris Vayman, der als einer der Erbauer von Tatarstan gilt,  wurde 2004 in Kasan am Eingang des Büros seiner Firma erschossen. Kusk wurde gefasst und zu 23 Jahren Haft in einer "strengen Kolonie" verurteilt. Jetzt bekam er die Chance als 55 jähriger Mann freizukommen. Er ließ sich durch die Wagner-Gruppe anwerben und kämpfte ab dem 27. Juli bei Donezk an der Front.
Im heißesten Frontabschnitt bei Bakhmut wird schnell gestorben und dort traf ihn ein Granatsplitter am Kopf. Er wurde auf dem Walk of Fame des Stadtfriedhofs im Dorf Krasny Klyuch beigesetzt. OM, 23.09.22

Albert AbdullinKeine drei Wochen im Ukrainekrieg und schon ist der zweite Baschkire des Shaimuratov-Bataillons wieder zuhause - als Cargo 200. Albert Abdullin, ein 49-jähriger Reservekorporal, lebte zwar seit einiger Zeit in Tatarstan, aber als in Baschkirien Kriegsfreiwillige gesucht wurden, bewarb er sich um einen Platz im Freiwilligenbataillon. Am 19. September 22 wurde sein Tod bekannt.
OM, 20.09.22

Ilshat Imangulov- Kaum geschrieben tritt schon der dritte Freiwillige des Shaimuratov-Bataillons  als Cargo 200 seine Reise zurück in die Heimat an. Ilshat Imangulov, 43 Jahre alt und hat als Soldat im Krieg gegen Georgien gedient. Bereits am 21. September soll er im Dorf Smakovo in Baschkirien bestattet werden.
Wäre noch zu erwähnen, dass Ilshat Imangulov gleichzeitig der 200. tote Baschkirensoldat im Ukrainekrieg ist, den wir hier dokumentieren konnten. OM, 20.09.22

Vadim Kucherbaev- Es geht schnell weiter: Vadim Kucherbaev ist der vierte Freiwillige Shaimuratov-Bataillons dessen Ableben in der Ukraine gemeldet wird. Der Mann war knapp 45 Jahre alt und hatte bereits 2001/2002 im Tschetschenienkrieg Kampferfahrung gesammelt.
Wann er im Krieg gefallen ist, wurde nicht mitgeteilt. Aber auch er dürfte weniger als drei Wochen in der Ukraine gekämpft haben. OM, 23.09.22
Marcel Yamansarin- Marcel Yamansarin,
wurde am 1. Oktober bestattet. Er kommt aus Meleuz, war 34 Jahre alt und ist der 5. gefallene Freiwillige aus dem Shaimuratov-Bataillon, dessen Tod bekannt wurde. Den genauen Todeszeitunkt und den Ort in der Ukraine erfährt man leider nicht. OM, 03.10.22
Almaz Khusainovich Khairitdinov- Almaz Khusainovich Khairitdinov
ist der sechste aus dem Freiwilligen-Bataillon. 28 Jahre wurde er alt und wird am 4.10. bestattet. OM, 04.10.22

Nach Burjatien verzeichnet Dagestan in absoluten Zahlen die höchste Zahl an gefallenen Soldaten im Ukrainekrieg – im Augenblick haben wir 243 Tote aufgeführt.
Nach der aktuellen russischen Mobilmachung sollen weitere Bewohner Dagestans an die Front. Das trifft nicht unbedingt auf Zustimmung, wie dieses kleine Video zeigt.
Die Rekrutierungsoffizierin argumentiert, dass die Einheimischen für die Zukunft des Landes kämpfen sollen. „Wir haben nicht einmal eine Gegenwart, von welcher Zukunft redest du“, antwortet ein Mann aus Dagestan.

Andrei BocharovTäglich kann man in der Region Wolgograd gefallene Soldaten begraben. Inzwischen ist unsere Liste auf über 200 Tote im Ukrainekrieg angewachsen. Aber sicher sind es wesentlich mehr, da offiziell keine Daten herausgegeben werden. Das scheint der Politik nicht zu reichen.
Aktuell veröffentlichte der Wolograder Gouverneur Andrei Bocharov die Zahl der Freiwilligen, die die Region in den Ukrainekrieg schicken will oder bereits geschickt hat. Nicht ohne Stolz berichtet der Mann, dass Wologograd  inzwischen 1.326 Freiwillige aufbiete, die Krim nur etwa 1.200 Freiwillige gewonnen habe, dass in der Region Brjansk etwa 800 Einwohner dem Peresvet-Bataillon beigetreten seien, ca. 700 Freiwillige kommen aus Nordossetien, 800 von der Region Nowosibirsk, 950 von Woronesch und 850 aus Kursk. OM 20.09.2022

Im Süden Sibiriens liegt die kleine russische Republik Chakassien mit etwa einer halben Million Einwohnern. Beim Lesen der dortigen Internetmedien - z.B. https://vg-news.ru/ - bekommt man eine Gänsehaut. Zu Beginn des Ukrainekrieges musste jeder leitende Staatsbeamte dort abwechselnd öffentlich erklären, warum die "Sonderoperation" in der Ukraine richtig, wichtig und nützlich für Russland wäre. Und aktuell wird jede Propagandameldung der russischen Staatsführung über die Erfolge der Armee so abgehandelt, dass die Ukraine längst völlig ausgelöscht sein müsste.
Wer wie Deutschland die Ukraine in ihrem Abwehrkampf unterstützt, steht auch im Fokus der Berichterstattung in Chakassien. Da kommt es gelegen, dass aktuell der Spiegel wie gewohnt alarmistisch, den Untergang der deutschen Ökonomie befürchtet hat. Denn Energiepreise und Corona hätten der stark zugesetzt, selbst Traditionsunternehmen wie Hakle und Goertz wären insolvent. Das freut doch die Menschen in Chakassien, wenn Deutschland ob seiner Russland-Sanktionen auf die Nase fällt und deshalb hat man schnell, den gesamten Artikel in russisch ins Netz gestellt. OM, 19.09.22

Denis Dinarovich FatkhutdinovBaschkortostan schickt zwei Bataillone mit Freiwilligen in den Krieg gegen die Ukraine. Benannt wurden die Abteilungen nach zwei Kriegsveteranen , Shaimuratov und Dostavalov. Seit Ende August ist das erstgenannte Bataillon bereits im Kampfeinsatz, das andere soll aktuell eingreifen.
Kaum im Krieg angekommen, wird schon der erste Tote vermeldet. Der 28.jährige Automechaniker Denis Dinarovich Fatkhutdinov wurde am 11. September getötet - irgendwo an der Front in der Ukraine. Der Mann war einer der Ersten, die sich freiwillig gemeldet hatten und ist folgerichtig auch als Erster gestorben.
Um den Blutzoll zu rechtfertigen, wurden erneut alte Märchen aufgewärmt: "Sie schützen die Menschen im Donbass vor faschistischen bösen Geistern. Wir werden uns an alle erinnern, die nicht gekommen sind, wir werden stolz darauf sein, dass wir mit so würdigen Menschen und Helden wie Denis aufgewachsen sind und auf demselben Land gelebt haben, " predigte der örtliche Militärkommissar am Grab. OM, 18.09.2022

TjumenSpirituellFreiwillige Soldaten aus der russischen Oblast Tjumen wollten vor der Abreise ins ukrainische Kriegsgebiet sich von allem befreien. Zu diesem Zweck reiste der Rektor der Kosakenkirche Tjumen in die Region Nischni Nowgorod, wo die Freiwilligen auf ihren Kriegsdienst vorbereitet wurden. Fünfzehn Soldaten gestanden ihre Sünden und beichteten, drei wurden sogar getauft. Und weil er schon da war, segnete der Geistliche auch noch allerlei Kriegsgerät.

Aber auch ihre Schulden sind die Freiwilligen los - zumindest in nächster Zeit. Denn auf Antrag beim Gerichtsvollzieher, werden alle Schulden eingefroren und nicht vollstreckt. Und bei der Rückkehr - ob tot oder lebendig, hat man genug auf dem Konto, dass alle Schulden beglichen werden können. OM, 10.09.22

Heute wurde auch Samara entsprechend der Region Perm aktualisiert Auch hier machen die gelisteten Todesmeldungen russischer Soldaten eine Sprung. Statt bisher 66 einzelnen Meldungen wurden jetzt 93 Todesmeldungen registriert. OM, 30.08.22

Wir listen aus den russischen Regionen die Kriegstoten im Ukrainekrieg aus den Veröffentlichungen der lokalen Medien. In Perm sind das die Webseiten 59.ru, perm.kp.ru und chaikovskie.ru von denen wir die Mehrzahl aller Meldungen entnommen haben. Dazu kommen noch Hinweise auf Vkontakte, denen wir nachgehen.
In den letzten Tagen haben wir einen Vergleich mit einer russischsprachigen Liste vorgenommen, die vorwiegend die sozialen Medien wie Vkontakte und Telegram auswertet, wahrscheinlich auch mit Hilfe einiger Bots.
Dabei stellte sich heraus – bis Ende Mai waren die Ergebnisse der russischen Liste mit unseren Erkenntnissen fast identisch. Danach allerdings ergaben sich bei uns deutliche Lücken, unsere Liste ist von 89 Kriegstoten auf 109 angewachsen. Offensichtlich werden in Perm nicht mehr alle Todesfälle von den Behörden den Medien gemeldet. Oder es gibt eine freiwillige oder unfreiwillige Zensur, nicht über jeden gefallenen Soldaten zu schreiben. OM 30.08.22

Burjatien, die russische Republik in Fernen Osten, verzeichnet in absoluten Zahlen die höchsten Gefallenenzahlen im Krieg gegen die Ukraine. Fast täglich kommt "Cargo 200" in Ulan Ude an. Aber das scheint der dortigen Regierung egal, sie wirbt weiterhin für Freiwillige, die die neue Einheit „Baikal“ bilden sollen. Der Führungsstab stehe bereit, was fehlt sind die einfachen Soldaten, schreibt Baikal-Daily. Und ein Heimkehrer aus dem Krieg kommt zu Wort: „Leute, hört auf, zu Hause zu sitzen und alle möglichen Ketzereien im Internet zu lesen. Es gibt eine Sonderaktion, es gibt keinen Zucker, es gibt keinen Strand.“
Offensichtlich ist auch im armen Burjatien der Wunsch nicht besonders ausgeprägt,  tödliche Risiken einzugehen. So legt aktuell die Regierung als Antrittspräme noch einmal 100.000 Rubel oben drauf, statt bisher 100 gibt es jetzt 200 Tausend Rubel (ca. 3.300 €). OM, 23.08.22

Daria DuginaDaria Dugina ist tot. Sie wurde heute in der Nähe von Moskau in ihrem SUV Prado von einer Autobombe getötet. Das berichten russische Medien. Daria Dugina war eine gelehrige Tochter ihres Vaters, des rechtsnationalistischen Politikers und Philosophen Alexander Dugin. Ganz im Duktus ihres Vaters sieht sie den Ukrainekrieg als Zusammenprall der globalistischen, von den USA gesteuerten Zivilisationsidee mit der eurasischen Idee einer konservativen Umwälzung unter Führung Russlands.
Beim Lesen ihrer Agenda wird man schnell an die Argumente der russischen Trollarmee erinnert, die westliche Medien in deren Kommentarbereich fluten und auch manche Internetseite betreiben. Kein Wunder, denn auf der Webseite ihres Vaters Geopolitika.ru werden genau jene Thesen formuliert, mit denen die Trolle dann die Kommentarbereiche füllen. Und offensichtlich waren Vater und Tochter auch mit der St. Petersburger Trollfabrik verbandelt, wie eine Facebook-Recherche ergeben hat.
Wer den Tod von Daria Dugina wollte, ist bisher unbekannt. Wahrscheinlich Zufall, aber zu erwähnen wäre in diesem Zusammenhang, dass vor ein paar Tagen Zemfira Suleymanova durch eine Mine im Donbass getötet wurde. Zemfira war das Cover-Girl der ultranationalistischen Limonow-Partei, die sich der Nachfolge der verbotenen Nationalbolschewistischen Partei Russlands verschrieben hat. Alexander Dugin war der Co-Vorsitzende der ehemaligen Partei. OM 20.08.22

Deutschland hisse die weiße Flagge, meldet die Online-Ausgabe der russischen Boulevard-Zeitung Moskovsky Komsomolets. Die Zeitung bezieht sich auf eine Debatte, die der FDP-Bundestagsvizepräsident Wolfgang Kubicki entfacht hat - nämlich Nord Stream II in Betrieb zu nehmen. Die Zeitung nennt auch noch einen weiteren Unterstützer der Inbetriebnahme - nämlich Klaus Ernst, seines Zeichens Vorsitzender des Bundestagsausschusses für Klimaschutz und Energie. Der Linken-Politiker gehört zu der Spezies von Querdenkern, die die USA für den Überfall Russlands auf die Ukraine mitverantwortlich machen. Die Zeitung zitiert Ernst, dass es sinnvoll wäre, wenn Berlin mit Russland über Gas verhandele. OM, 20.08.22

Ivan Nikolaevich AgafonovWie bei vielen der im Ukrainekrieg gefallenen burjatischen Soldaten fand die Trauerfeier für Ivan Nikolaevich Agafonov auch im Lukodrom von Ulan-Ude statt. Am 11. August wurde dort der Soldat Agafonov (Position 272) verabschiedet, er war im Ukrainekrieg getötet worden. Wann genau, wo und warum teilt die Verwaltung nicht mit.
Dabei hat das Verteidigungsministerium den Mann erst kürzlich öffentlich gelobt. "Im Kreuzfeuers hat Ivan mit mutigen und entschlossenen Aktionen drei Ukrainer persönlich eliminiert. Dem Feind, der erhebliche Verluste an Personal und Ausrüstung erlitten hatte, blieb keine andere Wahl, als sich zurückzuziehen. Dank der Professionalität und des Heldentums von Private Agafonov erreichte die Kolonne des Haubitzenartilleriebataillons pünktlich und ohne Verluste das angegebene Gebiet und unterstützte, nachdem sie vorteilhafte Schusspositionen eingenommen hatte, die weitere Offensive der russischen Truppen gezielt und mit massivem Artilleriefeuer,"  schrieb das Kriegsministerium vor gerade 14 Tagen. OM, 14.08.22

Radij Faritowitsch ChabirowRadij Faritowitsch Chabirow ist Präsident der russischen Republik Baschkirien und muss auch in Sachen Ukrainekrieg Flagge zeigen. Das Land hat zwei Bataillone aus Freiwilligen aufgestellt, die nach kurzer Übungszeit demnächst in die Ukraine geschickt werden sollen.
In den letzten Tagen hat der Mann beide Truppen auf ihren Übungsgeländen besucht, bevor es dann zum Kriegseinsatz in die Ukraine geht. Als besonderes Bonbon hat Chabirow jedem Soldaten einen Talismann überreicht. Abgebildet ist darauf ein altes baschkirisches Kampfschild. OM, 10.08.22

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