30.09.2026 -- 241.171// Zuwachs zum 31.08.2026: 11.032
Pavel Igorevich Evdokimov, 22 Jahre alt, kommt aus Schumerla in Tschuwaschien. Er studierte an der Sekundarschule Nr. 3 und absolvierte das Shumerlinsky Polytechnic College. Schon als Heranwachsender hat er bei der russischen Junarmija, die dem Verteidigungsministerium untersteht, Militärluft geschnuppert. So war es ganz selbstverständlich, dass er nach der Schule sich dem Militär vertraglich verpflichtete. Beim russischen Krieg gegen die Ukraine war er von Anfang an dabei, bis zum 2. Oktober - an diesem Tag starb er. In seiner Heimat wurde verbreitet, dass er an den Folgen eines Artilleriefeuers ums Leben kam.
Wie die Realität im Krieg tatsächlich aussieht, zeigt das Protokoll seines Vorgesetzten. Der gibt an, dass seine Gruppe eine zugewiesene Kampfmission in der Nähe der Siedlung Kreschanovk, Region Cherson, durchführte. Die Gruppe wurde umzingelt, während des Gefechts erhielt "Gefreiter Evdokimov Pavel Igorevich eine Schusswunde im oberen Teil des rechten Oberschenkels und in der Bauchhöhle". Der Verletzte konnte sich nicht bewegen, deshalb beriet die Gruppe sich, was zu tun wäre. Ergebnis: Sie schleppten Pavel, der bei Bewußtsein war, in einen Graben, ließen Munition für ihn zurück und die Angreifer zogen sich zurück. "Das weitere Schicksal von Private Evdokimov PI ist mir unbekannt", endet der Bericht.
Den Rest kann man sich denken, der 22-jährige gemeine Soldat Evdokimov starb unter erbärmlichen Schmerzen langsam in einem Graben - aber er hatte noch Munition um sich zu wehren. Denn Aufgeben ist keine Option.
OM, 20.11.22
Leninski ist ein kleiner Ort in Jakutien mit nicht einmal zweitausend Einwohnern. Von Moskau ist es Luftlinie etwa 5.000 km entfernt, mit dem Auto wären es sogar 3.000 km mehr. Und auch dort wurden Männer zum Krieg gegen die Ukraine verpflichtet. Im Bus ging es am 24. September 22 zum Flugzeug - die Anwesenheit aller wurde abgefragt.
Mal was ganz anderes wollen wir aus Russland berichten. Dabei ist der Anlass wieder mal ein toter russischer Soldat. Tamara Sarizkaja (Foto) meldete gestern lapidar aus Moskau: "Anton Vladimirovich Zakharov (Sacharow) starb!" Mehr erfährt man nicht, nur dass der Tote einen Bruder in der Nähe hat, der auch nicht viel mitteilsamer ist.
Dafür hat Tamara ein interessantes Profil auf VKontakte. Sie ist Sängerin in einer Bluesband "psycheDelta" und kann das ganz exquisit. Tamara ist ein gutes Beispiel dafür, dass Russland auch eine andere Seite besitzt - die man leider viel zu selten sieht und hört.
Also gönnt Euch ein paar Minuten mit einem Blues von "Blind Willie Johnson", den auch Led Zeppelin und Bob Dylan gecovert haben: "In my time of dying". Wobei wir wieder ganz unfreiwillig beim Thema in Russland wären. Und wenn bei dem folgenden Blues am Schluss ein Kanal verschwindet - es liegt an der Aufnahme und nicht an Eurer Anlage:
Julia S. aus Rostow am Don hat einen Freund im Krieg gegen die Ukraine verloren - Vladislav Zamay (Foto). Der war Offizier in der dritten Generation, aber offensichtlich nur aus Tradition. Julia beschreibt ihn als zutiefst bürgerlichen Menschen, der gerne angelt und gut kocht. Vladislav wurde mit der Mobilisierungswelle einberufen und am 2. November schon getötet.
Aber der Mann hätte schließlich seine Pflicht bis zum Ende erfüllt, das müsste man doch würdigen, meint Julia und hat einen Nachruf an die Presse geschickt. Doch die lokalen Medien finden solche Nachrichten nicht mehr interessant. "Aber für mich ist er eine Person, keine Statistik der Mobilsierung", schreibt sie auf VKontakte.
Rostow am Don gehört nicht zu den von uns beobachteten Regionen Russlands.
OM, 15.11.22
Hauptmann Timur Temirbekov wäre einer der Helden Russlands, schrieb die Komsomolskaya Pravda am 3. November 22:
"Der Held der Spezialoperation "Z" Captain Temirbekov stoppte den Vormarsch des Feindes.
Während der Eindämmung ukrainischer nationalistischer Einheiten durch russische Truppen in einer der taktischen Richtungen zeigte der Zugführer Kapitän Timur Temirbekov mehrere Tage lang unter schwerem feindlichem Artilleriefeuer Mut und Hingabe und leitete die Aktionen einer untergeordneten Artillerieeinheit. Als Ergebnis von Timurs kompetentem und professionellem Handeln sowie der Kohärenz seiner Einheit wurden 2 Artilleriezüge von Akatsiya-Haubitzen, 2 im Ausland hergestellte Haubitzen und 3 Mörsersektionen durch Batteriefeuer zerstört. Die Verluste der Militanten beliefen sich auf 50 Personen. Dank des Mutes und der Hingabe des Offiziers, der Professionalität seiner Untergebenen war es möglich, die Offensive der Nationalisten zu stoppen, was es unseren Truppen ermöglichte, in die Gegenoffensive zu gehen."
Heute, sechs Tage später, meldete der Leiter des Stadtbezirks "Stadt Izberbash" Magomed Isakow auf seinem Telegram-Kanal: "Timur Temirbekov, ein Bewohner von Izberbash, starb während seines Dienstes im Rahmen einer speziellen Militäroperation auf dem Territorium der Ukraine."
OM, 09.11.2022
Wir hatten über Alla Waltschuk berichtet, deren Sohn - wahrscheinlich - im Gefängnis saß und als Söldner der Gruppe Wagner freikam, aber im Ukrainekrieg getötet wurde. The Insider hat jetzt weitere Hintergründe veröffentlicht. Sohn Wassili Waltschuk , 1995 geboren in Rjasan, wurde wegen schwerer Körperverletzung mit Todesfolge zu neun Jahren Haft verurteilt. Er hatte 2018 wegen lauter Musik mitten in der Nacht mit seinen Nachbarn Streit bekommen. Junge Kadetten des Strafvollzugs feierten laut Geburtstag. Die Sache endete in einer Messerstecherei, bei der ein Kadett tödlich verletzt wurde. Wassili war ein Waffennarr, der in sozialen Netzwerken mit Schusswaffen posierte (Foto).
OM, 05.11.22
"Betrunkene Mobilisierte aus Nordossetien inszenierten eine Schlägerei in Saporischschja und schlachteten Kühe, stahlen ein Auto und eröffneten schließlich das Feuer.
Zuerst schlachteten sie 13 Kühe auf der Farm, auf der das russische Militär stationiert war, und warfen dann ihre Besitzerin aus dem Haus.
Außerdem griffen die Mobilisierten das Militär an, das in der Nähe der Farm diente, und schlugen sie. Danach stahlen sie ein Auto von örtlichen Arbeitern. An einem Kontrollposten wurden die Wehrpflichtigen gestoppt, aber sie eröffneten das Feuer und verwundeten einen russischen Sergeant. Offensichtlich verstanden die Mobilisierten selbst nicht ganz, was sie taten, und laut Augenzeugen waren sie fast bis zur Ohnmacht betrunken. Daraufhin wurden alle vier festgenommen."
Nein - das sind keine Propagandanachrichten aus der Ukraine sondern eine Meldung aus Ossetien vom 3. November 22. Saporischschja ist eine Großstadt im Süden der Ukraine - von Russland besetzt und annektiert.
OM 04.11.22
Die Mobilisierung in Russland dauert etwas mehr als einen Monat an und scheint laut Putin und Kriegsminister Shoigu sogar beendet zu sein. Doch erst ein Erlass von Putin könnte dem Spuk ein Ende bereiten – der liegt aber nicht vor.
Nowaja Gazeta hat sich die behördlich bestätigten Todesfälle angesehen (in Wirklichkeit sind es deutlich mehr):
- Mehr als 100 mobilisierte Menschen sind danach seit dem 21. September gestorben.
- Der Ural ist führend in der Zahl der Beerdigungen. 39 tote Reservisten werden aus dieser Region gemeldet (können wir unbedingt bestätigen);
- Jeder fünfte Tote (insgesamt 23) - starb im Trainingslager. Die Todesursachen waren Schlägereien, Alkohol, Drogen, Suizid und Unfälle;
- Das Durchschnittsalter eines toten Reservisten liegt bei 34 Jahren.
OM 02.11.22
Sergei Serbezov wurde vom Leninsky-Bezirksgericht in Saratow am 15. Juli 2020 wegen bandenmäßigem Drogenhandels in großem Umfang zu 9,5 Jahren Gefängnis verurteilte. Seine Strafe saß er in der Kolonie Nr. 10 in der Umgebung von Saratow ab. Auch zu seiner Kolonie kamen die Rekrutierer der Gruppe Wagner und Serbezov unterschrieb einen Vertrag.
Am 29. September verließ der Mann die Kolonie, am 26. Oktober bekam seine Frau die Nachricht, dass ihr Mann als Deserteur erschossen worden wäre. Sergei Serbezov war Ukrainer und wollte nicht auf seine Landsleute schießen.
Die Frau des Gefangenen hatte sich zuvor an die russische Menschenrechtsorganisation „Russland hinter Gittern“ gewandt, um Hilfe zur Freilassung ihres Mannes zu erhalten. Deren Gründerin, die Journalistin Olga Romanowa, machte jetzt die Hinrichtung des Gefangenen öffentlich.
OM, 31.10.22
Jetzt braucht das russische Militär wirklich alle. Auch den größten Kritiker von Putins Krieg Igor Girkin - er wollte gleich "all in" im Ukrainekrieg gehen. Und Kriegserfahrung hat er ja.
Die Meldung auf seiner VKontakte-Seite ist kurz:
Igor Strelkow - 18. Okt. um 19:00 -- Link
Seit 14.10.2022 im aktiven Heer.
Der Telegram-Kanal https://t.me/idelrealii wird von Radio Free Europe betrieben, ist also von der US-Regierung finanziert. Er berichtet hauptsächlich aus den Wolgaregionen und richtet sich an ein russisches Publikum. Auch dieser Kanal berichtet von den Kriegstoten aus der Region. In einem kurzen Beitrag werden seine Ergebnisse zusammengefasst:
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Idel.Realität ⚡️1.699 Menschen aus den Republiken und Regionen der Wolga-Region starben im Krieg in der Ukraine
Nach Berechnungen von „Idel.Realii“ vom 28. Oktober starben mindestens 1.699 Menschen aus den Republiken und Regionen der Wolga-Region im Krieg , dessen Tod auf die eine oder andere Weise von russischer Seite anerkannt wurde.…
⚡️⚡️Tatarstan belegte in Bezug auf die Zahl der im Krieg mit der Ukraine getöteten Männer den 2. Platz in der Wolga-Region. Nur Baschkortostan hat die Nase vorn.
Während des achtmonatigen Krieges, der am 24. Februar vom Putin-Regime entfesselt wurde, starben in der Ukraine mindestens 166 Tatarstaner. Dies ist der zweite Platz unter den Republiken und Regionen des Föderationskreises Wolga. Den ersten Platz in Bezug auf die Zahl der Todesfälle im Föderationskreis Wolga belegt Baschkortostan: 252 Personen.
Auf Tatarstan folgen die Regionen Saratov und Orenburg sowie das Perm-Territorium.
Die wenigsten Toten gibt es in Mordowien: 22 Menschen.
Telegram-Link vom 28.10.22
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- Nur der Ordnung halber - unsere Feststellungen:
Baschkortostan 256, Tatarstan 191, Saratow 168, Orenburg 193, Perm 165, Mordowien 25.
OM, 30.10.22
Ramsan Kadyrow ist sauer. Durch Leichtsinnigkeit seiner Soldateska, die öffentlich Bilder ihres Quartiers verbreitet hatte, wurde deren Aufenthaltsort in einer Schule verraten - siehe Video.
Ein präziser Artillerieangriff in der Nacht brachte seinen Leuten den Tod. Jetzt zieht er Bilanz. „23 Soldaten wurden getötet und 58 verwundet. Davon wurden vier schwer verletzt. Ihr Leben ist nicht in Gefahr,“ schreibt er auf Telegram (in Deutsch).
Aber für jeden Muslim wäre es schließlich eine Ehre und große Freude, in einem heiligen Krieg sein Leben zu verlieren. Jeder Gläubige würde davon träumen, auf Allahs Weg zu sterben. Denn Ramsans Krieger kämpfen nicht mehr gegen Nazis und Militante, sondern gegen den Teufel (Streitkräfte von Iblis ) höchstpersönlich.
OM 28.10.2022
Vorher
Nachher
Alla W. aus Rajsan wirkt auf den Fotos in ihrem VKontakte-Profil einsam und verloren, aber auch hart. Im März hatte sie noch mitgeteilt, dass ihr Sohn 27 Jahre alt geworden wäre. Und er ließe seine Freunde grüßen. Und im Mai schrieb sie, dass sie in Ordnung wäre. Man hätte ihr Grüße von ihrem Sohn gebracht. Er bat seine Mutter, seinen Freunden Hallo zu sagen, er erinnere sich an sie alle. Heute schließlich teilte sie knapp mit, dass ihr Sohn in der Ukraine gestorben wäre - PMC Wagner - Sohn starb frei. Man konnte keinen übermäßigen Schmerz aus ihrem Beitrag herauslesen.
Mit etwas Phantasie ergibt sich daraus ein kleines Drama. Der Sohn saß wohl hinter Gittern, deshalb ließ er Grüße über seine Mutter ausrichten. Dort bekam er im Spätsommer wohl eine "Sie kommen aus dem Gefängnis frei"-Karte, wenn er sich der Soldateska der Gruppe Wagner anschlösse. Dieses Angebot hat er angenommen. Er starb am 12. Oktober, aber frei.
OM, 26.10.2022
Alle fünf russische Staatsbürger haben gemeinsam, dass sie am 29. September in der Oblast Swerdlosk mobilisiert, also zum Kriegsdienst einberufen wurden. Nach einer bis eineinhalb Wochen Vorbereitung ging es für alle in die Ukraine, sie wurden bei Cherson ins Kriegsgebiet geworfen. Seither haben ihre Angehörigen nichts mehr von ihnen gehört.
Sie starben alle, zu unterschiedlichen Zeiten, an unterschiedlichen Orten. In der Nacht vom 24. auf 25. Oktober erfuhren die Familien von ihrem Tod, am 25.10. wurden die Leichen geliefert.
OM, 25.10.22
Kann man eigentlich eine Armee diskreditieren? Das meinten in Deutschland mal die Bundeswehr, Soldatenverbände und weite Teile der Politik in Bezug auf obiges Tucholsky-Zitat. Bis das Bundesverfassungsgericht dem Spuk ein Ende setzte.
In Russland ist es ein Vergehen und jeder, der in irgend einer Form gegen den Krieg in der Ukraine ist, wird behördlich verfolgt. Aber richtig, bereits die Benutzung des Wortes "Krieg" ist strafbar, richtig wäre Sonderoperation. Denn nach Art. 20.3.3 des Gesetzes über Ordnungswidrigkeiten der Russischen Föderation werden Bürger, die der Diskreditierung der Armee für schuldig befunden wurden, mit einer Geldstrafe von 30.000 bis 50.000 Rubel bestraft. Und das sind inzwischen viele.
Insgesamt gingen bei russischen Gerichten etwa 4.800 Verfahren ein. Moskau steht an erster Stelle (632), St. Petersburg an zweiter Stelle (247), gefolgt von Krasnodar-Territorium (164), Krim (140), Kaliningrad (123), Perm-Territorium (82), Samara-Region (79), Komi (77), Karelien (73) und Archangelsk (70).
OM, 25.10.2022
Ivan Polyansky war ein junger Familienvater aus der Region Orenburg. Er lebte in einem kleinen Dorf zusammen mit seiner Frau und drei Kindern. Und Ivan gehörte zu den 300.000 Russen, die Ende September Anfang Oktober mobilisiert oder besser zum Dienst an der Front verpflichtet wurden, um das Blatt in der Ukraine doch noch zu wenden. Ivan verhielt sich wie ein ordentlicher Russe, erschien im Militärregistrierungs- und Rekrutierungsbüro und wurde in ein Ausbildungslager für die Mobilisierten nach Nizhnyaya Pavlovka geschickt, etwa zehn Kilometer von der Hauptstadt Orenburg entfernt.
Solch junge Leute wie Ivan sind aktuell beim russischen Militär stark nachgefragt. Denn Ivan hatte gedient, war am Granatwerfer ausgebildet und kannte sich allgemein gut mit Waffen aus.
Was im Ausbildungslager dann geschah bleibt unklar. Klar ist nur, dass Ivan Polyansky tot ist, ohne dass er auch nur in die Nähe der Front gelangt wäre. Ivan wurde bereits am 21. Oktober beigesetzt – mit militärischen Ehren. Ansonsten „ermitteln“ das Militärkommissariat der Region Orenburg und die Militärermittlungsabteilung des Zentralen Militärbezirks.
Wäre noch zu erwähnen, dass Ivan Polyansky eigentlich gar nicht hätte mobilisiert werden dürfen. Denn Väter von drei oder mehr minderjährigen Kindern sind gemäß den Anweisungen des Generalstabs befreit.
OM, 24.10.2022

Die Oblast Omsk ist ein schweigsame Region in Bezug auf Todesopfer im Ukrainekrieg. Über Wochen melden die Behörden keine gefallenen Soldaten, manchmal finden sich auf VKontakte entsprechende Meldungen. Zwischen dem 10. und 20. Oktober zum Beispiel konnten wir in zwei lokalen Medien keine einzige Nachricht finden. Dafür veröffentlicht die Regierung neue Budgetzahlen.
112 Millionen Rubel wurden den Familien der Omsker Soldaten ausgezahlt, die bei der "Sonderoperation" getötet wurden. Da für jeden Gefallenen eine Million ausgeschüttet wird, bedeutet das 112 Todesfälle in der Ukraine. Hier zeigt sich auch die Schweigsamkeit der örtlichen Medien. Bisher haben wir nur 83 Kriegstote gefunden.
OM, 21.10.22
Offizielle Daten über die gefallenen russischen Soldaten im Krieg gegen die Ukraine erfährt man kaum. Doch ein Blick in die Budgets der Regionen kann helfen, die Todeszahlen aufzuklären. Am 17. Oktober teilte das Ministerium für Sozialpolitik der Region Nischni Nowgorod mit, dass für die Soldaten der Region, die in der Ukraine ums Leben kamen, Aufwendungen aus dem Regionalhaushalt in Höhe von 224 Millionen Rubel angefallen sind.
Da die Angehörigen toter Soldaten zwei Millionen Rubel erhalten, wurden für 112 Gefallenen Gelder ausbezahlt. Da es immer etwas dauert, bis die Angehörigen alle bürokratischen Hürden genommen haben, bestätigt dies in etwa unsere Zählung von 129 Todesmeldungen.
OM, 20.10.22
In der Region Irkutsk haben bis zum 12. Oktober 120 Familien aufgrund des Todes eines Soldaten in der Ukraine Pauschalzahlungen erhalten. Dies wurde von der stellvertretenden Ministerin für soziale Entwicklung der Region Irkutsk Svetlana Ievleva mitgeteilt. Jede Familie erhält in diesem Fall eine Zahlung von einer Million Rubel, das entspricht etwa 16.500 €. Wir haben aktuell 109 Todesfälle gelistet.
OM,19.10.22
Es ist wie bei den gefallenen russischen Soldaten im Ukrainekrieg, wo der Schwerpunkt bei den ärmeren Regionen, den ethnischen Minderheiten und den Randgebieten des großen Russlands liegt. Kein Wunder, dass Einwohner armer Regionen der Russischen Föderation häufiger für den Krieg mit der Ukraine mobilisiert werden.
Seit zwei Wochen wurden mindestens 213,2 Tausend Menschen in 53 Regionen einberufen, wie die Publikation „Important Stories“ und das Conflict Intelligence Team nach Analyse der Ergebnisse der ersten Mobilisierungswelle herausfanden. Gleichzeitig stellte sich heraus, dass mehr Menschen aus armen Regionen einberufen werden.
Beispielsweise ist in der Region Krasnojarsk der Anteil der Mobilisierten 4,5-mal höher als der erklärte Durchschnitt für Russland. In Burjatien - 3,6-mal mehr, in Sewastopol - 3,3-mal mehr. Unter den Republiken und Regionen der Wolga-Region ist die Region Uljanowsk führend in diesem Indikator. Dort ist der Anteil der Mobilisierten fast dreimal höher als der erklärte Durchschnitt für Russland. Es folgen Mari El und die Region Saratow (1,26-mal mehr), die Region Nischni Nowgorod (1,17-mal mehr) und Tschuwaschien (1,12-mal mehr).
OM, 06.10.22
Irina B. ist Lehrerin an der Schule Nr. 12 in einem Dorf in der russischen Oblast Krasnodar. Ihr jüngster Sohn ist gerade mit 23 Jahren im Ukrainekrieg gefallen, wie soll man über Krieg und Tod mit den Schulkindern reden? Die Schule erklärte ihren Kindern das dann so:
Der Sohn starb,
• damit in der Ukraine die russische Hymne auf Russisch gesungen werden kann;
• damit die russische Flagge in den Schulen der Ukraine gehisst werden kann;
• damit Kinder ohne Angst Bücher russischer Schriftsteller aus Bibliotheken nehmen können;
• damit sie am 9. Mai St. Georgs-Bänder tragen können.
OM, 04.10.22
Wladimir Barsuk aus der Region Komi hatte wohl nicht viel Glück im Leben. Er war erst 32 Jahre alt, zog Anfang September als Freiwilliger in den Ukrainekrieg und kam aktuell im Sarg zurück in seine Heimat. Wo und wie er getötet wurde, wissen wir nicht, kein Foto wurde von ihm veröffentlicht, aber sein Tod wurde nicht mit den üblichen Floskeln wie Kampf gegen die Nazis, Verteidiger der Heimat oder Heldentod gemeldet. Sondern mit der Frage: „Interessanterweise, wenn die großen Köpfe im Kreml den 24. Februar 2022 nicht als Beginn einer speziellen Militäroperation auf dem Territorium der Ukraine angekündigt hätten, hätten all diese Tragödien, die uns seit mehr als sieben Monaten verfolgen, verhindert werden können?“
In den Kommentaren zu dieser Meldung auf Vkontakte wurden überwiegend ähnliche Meinungen vertreten. OM, 02.10.2022
Nachtrag: Das ging schnell, Meldung wurde nach sehr kurzer Zeit gelöscht. Hier das archivierte Original.
Igor Kusk war der Anführer der Verbrecherbande Kuskovsky, deren spektakulärstes Verbrechen der Mord an einem Generaldirektor einer tatarischen Firma war. Boris Vayman, der als einer der Erbauer von Tatarstan gilt, wurde 2004 in Kasan am Eingang des Büros seiner Firma erschossen. Kusk wurde gefasst und zu 23 Jahren Haft in einer "strengen Kolonie" verurteilt. Jetzt bekam er die Chance als 55 jähriger Mann freizukommen. Er ließ sich durch die Wagner-Gruppe anwerben und kämpfte ab dem 27. Juli bei Donezk an der Front.
Im heißesten Frontabschnitt bei Bakhmut wird schnell gestorben und dort traf ihn ein Granatsplitter am Kopf. Er wurde auf dem Walk of Fame des Stadtfriedhofs im Dorf Krasny Klyuch beigesetzt. OM, 23.09.22
Keine drei Wochen im Ukrainekrieg und schon ist der zweite Baschkire des Shaimuratov-Bataillons wieder zuhause - als Cargo 200. Albert Abdullin, ein 49-jähriger Reservekorporal, lebte zwar seit einiger Zeit in Tatarstan, aber als in Baschkirien Kriegsfreiwillige gesucht wurden, bewarb er sich um einen Platz im Freiwilligenbataillon. Am 19. September 22 wurde sein Tod bekannt.
OM, 20.09.22
- Kaum geschrieben tritt schon der dritte Freiwillige des Shaimuratov-Bataillons als Cargo 200 seine Reise zurück in die Heimat an. Ilshat Imangulov, 43 Jahre alt und hat als Soldat im Krieg gegen Georgien gedient. Bereits am 21. September soll er im Dorf Smakovo in Baschkirien bestattet werden.
Wäre noch zu erwähnen, dass Ilshat Imangulov gleichzeitig der 200. tote Baschkirensoldat im Ukrainekrieg ist, den wir hier dokumentieren konnten. OM, 20.09.22
- Es geht schnell weiter: Vadim Kucherbaev ist der vierte Freiwillige Shaimuratov-Bataillons dessen Ableben in der Ukraine gemeldet wird. Der Mann war knapp 45 Jahre alt und hatte bereits 2001/2002 im Tschetschenienkrieg Kampferfahrung gesammelt.
Wann er im Krieg gefallen ist, wurde nicht mitgeteilt. Aber auch er dürfte weniger als drei Wochen in der Ukraine gekämpft haben. OM, 23.09.22
- Marcel Yamansarin, wurde am 1. Oktober bestattet. Er kommt aus Meleuz, war 34 Jahre alt und ist der 5. gefallene Freiwillige aus dem Shaimuratov-Bataillon, dessen Tod bekannt wurde. Den genauen Todeszeitunkt und den Ort in der Ukraine erfährt man leider nicht. OM, 03.10.22
- Almaz Khusainovich Khairitdinov ist der sechste aus dem Freiwilligen-Bataillon. 28 Jahre wurde er alt und wird am 4.10. bestattet. OM, 04.10.22
Nach Burjatien verzeichnet Dagestan in absoluten Zahlen die höchste Zahl an gefallenen Soldaten im Ukrainekrieg – im Augenblick haben wir 243 Tote aufgeführt.
Nach der aktuellen russischen Mobilmachung sollen weitere Bewohner Dagestans an die Front. Das trifft nicht unbedingt auf Zustimmung, wie dieses kleine Video zeigt.
Die Rekrutierungsoffizierin argumentiert, dass die Einheimischen für die Zukunft des Landes kämpfen sollen. „Wir haben nicht einmal eine Gegenwart, von welcher Zukunft redest du“, antwortet ein Mann aus Dagestan.

Eine steile Karriere hatte Konstantin Alexejewitsch Poleschajew (14.08.1972 - 21.09.2026) hinter sich. Im Jahr 1996 beendete er sein Studium in der Ukraine als Bauingenieur für Straßen- und Flugplatzbau. Bereits neun Jahre später war er Leiter der Straßenbaubehörde in Belgorod. Schließlich wurde er im Jahr 2015 zum Bürgermeister der Großstadt Belgorod gewählt und vier Jahre später wurde er zum stellvertretenden Gouverneur der Oblast Belgorod ernannt. Aber auch Konstantin ließ sich schmieren, er nahm einen Porsche Panamera und einen Range Rover gegen Gefälligkeiten von einem Bauunternehmen an. Im August 2024 wurde er zu fünf Jahren Haft in einer Hochsicherheitsstrafanstalt verurteilt. Statt in den Knast ging Konstantin an die Front. Eine ukrainische Drohne beendete sein Leben.
An Themen für unsere Titelseite mangelt es uns wahrlich nicht. Leider frisst die Erfassung der vielen Kriegstoten einen Großteil unserer Zeit auf.
Damit wir nicht weiter in Rückstand geraten, konzentrieren wir uns im Moment auf die Erfassung all der vielen russischen Gefallenen.
Im Monat September 26 gibt es zudem eine Besonderheit. Von den über 10.000 erfassten Kriegstoten stammt die Mehrzahl nicht aus dem aktuellen Kriegsgeschehen, sondern aus dem Abgleich mit anderen regionalen und überregionalen Listen.
Die staatliche Berufsschule in der Großstadt Bijsk in der Region Altai hat eine Liste ihrer Absolventen veröffentlicht, die im Krieg gegen die Ukraine gefallen sind. Insgesamt 47 Namen haben wir gezählt. Darunter waren 13 Kurzzeitsoldaten.
Deren Namen haben wir heute in der Rubrik „Ohne viele Worte“ eingestellt, allerdings haben wir auf eine Strukturierung diesmal verzichtet. Wir haben die übersetzten Texte ohne Änderungen veröffentlicht. Sie sind recht kurz, da kann man es schon mal so machen.
Auch an diesem Beispiel bestätigt sich, dass etwa 30% aller Freiwilligen in kürzester Zeit an der Front getötet werden.
Es gibt auch einige Wagner-Söldner unter den Kurzzeitsoldaten, diese dürften alle aus den Haftanstalten stammen.
Die russischen lokalen Nachrichten- und Unterhaltungsseiten im Internet sind mit viel Werbung vollgepflastert. Ganz besonders ärgerlich ist eine besondere Werbeform - die Orginalseite, die man lesen möchte, verschwindet und wird durch eine Bildschirm füllende Werbeanzeige ersetzt. Man kann diese Werbung nur dadurch umgehen, dass man die Seite verlässt und danach neu aufruft. Aber damit nicht genug - man ruft eine Nachrichtenseite auf, zum Beispiel aus Saratow und bekommt Werbung zum Beispiel der „Deutschen Telekom“ oder von „Aldi Talk“ auf den Bildschirm gebeamt. Technisch ist das einfach zu realisieren. Man ist mit einer deutschen IP-Adresse unterwegs und die Werbung wird entsprechend angepasst.
Allerdings muss man sich fragen, warum Firmen wie die Telekom oder Aldi ihren Werbeagenturen erlauben, auf russischen Webseiten sehr dubiose Anzeigeninhalte zu schalten. Und letztlich auch zur Finanzierung dieser russischen systemkonformen Medien beitragen.
Die Liste der deutschen Namen unter den russischen Kriegstoten wird immer länger. Im August sind erneut 60 deutsch klingende Nachnamen dazu gekommen. Es ist zu erwarten, dass wir in wenigen Tagen die Zahl von 2.000 erreichen werden. Wir veröffentlichen dazu auch die regionale Verteilung dieser Namen. Diese stimmt grob auch mit den Siedlungsgebieten der in Russland verbliebenen Russlanddeutschen überein.
Sicher gibt es darunter auch Russen, die nur noch den Namen führen, aber mit russlanddeutscher Kultur nichts zu tun haben. In der Liste befinden sich wahrscheinlich auch jiddische Namen, die aus dem deutschen Sprachraum nach Osten gewandert sind, wie zum Beispiel der Nachname „Zuckermann“ in unserer Liste.
Die Opferlisten der russischen Regionen haben wir in den letzten Tagen bis Ende August 2026 aktualisiert.
Eine Zusammenfassung dieses Monats ist in den kommenden Tagen zu erwarten.
Folgende Regionallisten wurden neu angelegt:
OM, 16.09.26
Durch die ersten Erkältungskrankheiten sind wir im Moment etwas in Schwierigkeiten. Trotzdem habe ich heute den Monatsabschluss Juli 2026 freigeschaltet, obwohl er nur oberflächlich Korrektur gelesen wurde. Sollten noch Fehler im Fließtext sein, werden diese im Laufe des morgigen Tages korrigiert - versprochen. Die Tabellen & veröffentlichten Zahlen dagegen wurden überprüft.
CK, 25.08.2026
Die Opferlisten der russischen Regionen haben wir in den letzten Tagen bis Ende Juli 2026 aktualisiert. Eine Zusammenfassung des Monats Juli ist in den kommenden Tagen zu erwarten.
Folgende Regionallisten wurden neu angelegt:
OM, 24.08.26
Im kalten Winter 2022 in Ischewsk, der Hauptstadt der russischen Teilrepublik Udmurtien, sang eine Gruppe Friedensdemonstranten das Lied „Möge es immer Sonenschein geben“. Wir haben darüber berichtet. Das Lied, aus der Perspektive eines kleinen Jungen, ist ein Apell an uns Menschen, den Frieden zu sichern. Das Lied gehört(e) zur sowjetischen Jugendkultur und wurde auch von den jungen Pionieren in der DDR gerne gesungen. Hier eine Version von Pete Seeger.
Der russische Refrain lautet etwa so:
Möge es immer Sonnenschein geben,
möge es immer blauen Himmel geben,
möge es immer Mama geben,
möge es immer mich geben!
In Anbetracht dieses Jahrhundertsommers können wir feststellen: Den ewigen Sonnenschein und den immer blauen Himmel haben wir. Den Frieden dagegen noch nicht.
OM, 11.08.26
Wir haben unsere Liste mit den deutschen Namen der Kriegstoten bis zum Juni 2026 aktualisiert. Insgesamt sind es jetzt 1.855 Namen.
Bitte beachtet - all diese Kriegstoten müssen nicht unbedingt einen russlanddeutschen Hintergrund haben. Sicher gibt es darunter auch einige Russen, die nur noch den Namen führen, aber mit russlanddeutscher Kultur nichts zu tun haben. Es ist durchaus auch möglich, dass sich darunter auch jüdische Namen befinden, die aus dem deutschen Sprachraum nach Osten gewandert sind.
Typisches Beispiel dafür ist der Nachname „Katzenelnbogen“, den wir einigemale in Russland angetroffen haben. Katzenelenbogen ist eine Kleinstadt am Rande des Taunus, den Namen hat eine jüdische Dynastie angenommen, die dort im Mittelalter gegründet wurde.
Und natürlich - es ist auch möglich, dass wir uns bei einigen der Namen getäuscht haben und diese eine andere Herkunft haben.
CK, 07.08.26
Die Opferlisten der russischen Regionen haben wir in den letzten Tagen bis Ende Juni 2026 aktualisiert. Eine Zusammenfassung des Monats Juni ist in den kommende Tagen zu erwarten.
Folgende Regionallisten wurden neu angelegt:
OM, 02.08.26
Da wir jeden Tag mehrere Kurzzeitsoldaten unter den russischen Kriegstoten finden, haben wir etwas umgestellt. Diese Personalien sind aus unserer Rubrik „Personalien & Kurznachrichten“ verschwunden, wir haben dafür eine neue Rubrik „Ohne viele Worte“ erstellt. Dort findet man nur den Namen des Kurzzeitsoldaten und das Datum der Veröffentlichung. Mit einem Klick auf den Namen erhält man das übliche Profil dieses Menschen.
Zunächst haben wir unsere letzte Veröffentlichung der 12 Kurzzeitsoldaten dort eingestellt, der Beitrag ist deshalb von der Titelseite verschwunden. In den nächsten Tagen werden wir täglich mehrere neue Kurzzeitsoldaten veröffentlichen, die bisher auf Halde liegen.
Auf Anfrage einiger Leser haben wir unserer Tabelle mit den vermutlich russlanddeutschen Kriegstoten noch eine Liste der regionalen Verteilung hinzugefügt.
Wie zu erwarten kommen die meisten dieser Kriegstoten aus Sibirien: Region Altai, Omsk und Nowosibirsk.
Das Übersetzen der russischen Namen ins Deutsche ist ein Kapitel für sich. Wir machen das mit dem Übersetzungsprogramm von DeepL. Allerdings ist das Ergebnis so, dass man alle Namenübersetzungen überprüfen muss. Spätestens nach einigen Namen fällt das Programm wieder ins Englische zurück und die Ergebnisse sind nur schwer lesbar. Manchmal vergisst das Programm auch Endungen oder wirft Zeichen mit fremden, nicht deutschen Akzentzeichen aus.
Beim Durchgehen der übersetzten Namen markieren wir die deutschen mit einem Sonderzeichen, damit wir diese in eine extra Tabelle überführen können. Was macht DeepL zuletzt? Haben wir solch einen Namen markiert und verbessern in der Folge weitere Namen, dann markiert KI diese auch mit jenem Sonderzeichen. So rutschen auch russische Namen automatisch in unsere Tabelle der Russlanddeutschen.
Folglich - alles muss erneut korrigiert werden.
Es ist alles zusammen gekommen, die Hitze der letzten Tage, die unsere Arbeitsmoral untergraben hat, durch die hessischen Ferien bedingte dünne Besetzung und schließlich ist unsere EDV-Erfassung auch noch abgestürzt. So dauerte unsere Zusammenfassung des Monats Mai länger als geplant. Wir bitten um Entschuldigung.
Die Todeslisten aller russischen Regionen sind jetzt bis zum Monat Mai 2026 aktuell. Die übliche Zusammenfassung werden wir bis zum 16.07.26 vorlegen.
Folgende Regionallisten wurden neu angelegt:
Wir hatten etwas Probleme mit unserer internen IT, deshalb haben wir uns mit dem Monat April 2026 weiter verspätet und konnten auch keine aktuellen Themen einschieben. Die Zusammenfassung werden wir am morgigen Donnerstag vorlegen.
Alle russischen Regionen wurden bereits mit den Daten des Monats April 2026 aktualisiert.
Folgende Listen wurden neu angelegt:
Wir haben alle russischen Regionen mit den Daten des Monats März 2026 aktualisiert.
Folgende Listen wurden neu angelegt:
Die ausführliche Zusammenfassung zum Monat März 2026 und die erfassten Daten zum April 2026 werden wir bis spätestens 12. Mai vorlegen können.
CK, 11.05.2026
Wir sind gerade im Stress und bereiten den Abschluss des Monats März 2026 vor. So haben wir versehentlich einen unfertigen Beitrag online gestellt: „Für Glaube und Vaterland in Nowomoskowsk“. Wir bitten um Entschuldigung.
Wir haben den Beitrag wieder versteckt, er wird erst in den nächsten Tagen - dann hoffentlich komplett - veröffentlicht.
OM 07.05.2026
Am Abend des 5. Mai 2026 war unsere Domain „oskarmaria.de“ nicht zu erreichen. Nach hektischen Versuchen, das Problem auf unserem Webserver zu suchen, mussten wir feststellen, dass wir nichts unternehmen können. Die Namensauflösung für de-Domains war bei Denic gestört. Über unsere zweite Domain https://www.gibtsnet.eu sind wir weiterhin & ungestört zu erreichen.
Zum Beitrag über die beiden in Russland inhaftierten Frauen Natalia Leonhardt und Daria Jegerewa wollen wir noch einige Anmerkungen nachreichen.
Nach der Verhaftung der beiden Frauen wurde zunächst nur der Name von Daria Jegerewa bekannt. Die Familie von Frau Leonhardt wollte, dass ihr Name nicht genannt werden solle. Sie versprachen sich so bessere Chancen vor Gericht. Das ist nicht eingetreten.
Aber dazu passt: Wir hatten beim Unterstützerkomitee angefragt, ob wir ein Foto benutzen können, das beide Frauen zeigt. Am folgenden Tag haben wir die Erlaubnis bekommen, die dann wenig später zurückgezogen wurde. Die Verantwortliche hatte unsere Webseite besucht und meinte danach, dass eine Fotoveröffentlichung in unserem Kontext den beiden Frauen eher schaden würde. Wir wollen das nicht weiter kommentieren.

Nachdem die Aufmerksamkeit zu unseren Veröffentlichungen wächst, eine kurze Information zu OskarMaria.
Unter diesem Pseudonym war der Initiator im Internet seit über 25 Jahren recht unregelmäßig präsent. Ab dem Jahr 2014 hat er hier über die Situation in den von Russland besetzten Gebieten des Donbass geschrieben. Als einer der ersten Journalisten überhaupt informierte er über die damals neu gegründete Gruppe Wagner.
Beruflich war er seit den 80-iger Jahren Geschäftsführer von diversen Medienunternehmen im Printbereich. Jetzt im Ruhestand, Kinder erwachsen, bleibt etwas mehr Zeit, die gesammelten Erfahrungen zusammen mit wenigen Mitstreitern für dieses Projekt zu nutzen.
Nachtrag: OskarMaria– das ist eine kleine Verbeugung vor dem beinahe vergessenen Schriftsteller Oskar Maria Graf. In Zeiten der Bücherverbrennungen wurden seine Werke von den Nazis verschont, ja sogar teilweise empfohlen. „Verbrennt mich!“ schrieb er 1933 in der Wiener Arbeiterzeitung, „nach meinem ganzen Leben und nach meinem ganzen Schreiben habe ich das Recht, zu verlangen, dass meine Bücher der reinen Flamme des Scheiterhaufens überantwortet werden und nicht in die blutigen Hände und die verdorbenen Hirne der braunen Mordbanden gelangen!“ Schließlich floh er in die USA – dort lebte er in bescheidenen Verhältnissen. Deutschland wollte den unbequemen Mann nach dem Krieg nicht wieder haben. Er starb 1967 in New York.
Literaturempfehlung: Wir sind Gefangene - Autobiograhie 1927.
Doppelt
Wladimir: 25. Artem Kozhenkov // Nischni Nowgorod: 35 Artem Kozhenkov
Wolgograd: 01 Juri Agarkov // Pskow: 41 Juri Agarkow
Kutelev Stanislav, dreifach, Kostroma, Rjasan und Orenburg. Nur Orenburg
Nikolai Symov, Rjasan & Tschuwaschien - nur Tschuwaschien
Mamontov Mikhail - Krasnodar Teil 1 & Teil 2
Ivan Alekseevich Chulkov, Kostroma, Pos. 51/56
Elimov Alexey Michailowitsch , Kostroma & Tschuwaschien
Falsch einsortiert
Ruslan Khamitov, Tscheljabinsk, kein Söldner der Gruppe Wagner
Die Liste der russischen Regionen über die Prämien für den Abschluss von -unbefristeten- Zeitverträgen mit dem Militär haben wir aktualisiert. Weiterhin sind die Unterschiede in der Höhe der Zahlungen extrem unterschiedlich. Wenn eine Region Probleme hat, ihre von Moskau vorgegeben Quoten zu erreichen, werden die Zahlungen erhöht. Im Fall dass eine Region ausreichend Zeitsoldaten stellen kann, werden die Zahlungen reduziert. Wir haben die Veränderungen in der Liste mit einem Sternchen (*) markiert.
Die höchsten Zahlungen leisten im Moment St. Petersburg und die umgebende Oblast Leningrad mit 4.500.000 Rubel, umgerechnet etwa 47.000 €. Zahlreiche Regionen zahlen allerdings die Mindestsumme von 800.000 Rubel oder 8.400 €.
Zudem berechnen wir die Durchschnittsprämie über ganz Russland hinweg, allerdings ohne die von Russland besetzten Gebiete in der Ukraine. Größere Veränderungen könnten anzeigen, ob Russland Schwieigkeiten hat, genügend Zeitsoldaten zu rekrutieren. Das scheint nicht der Fall.
Im Juli 2026 zahlten die Regionen im Durchschnitt 2.167.000 Rubel als Prämie, Anfang September erhöhte sich der Durchschnittsbetrag leicht auf 2.339.000 Rubel und ist im September mit 2.280.000 Rubel wieder etwas gefallen.
Die Stadt Schelechow muss man nicht kennen, sie ist eine Satellitenstadt der Regionalhauptstadt Irkutsk und existiert hauptsächlich auf Grund eines großen Aluminiumwerkes. In der Stadt gibt es auch das „Irkutsker Anti-Pest-Institut“. Dort arbeitete Daria Schipilowa, eine 28jährige junge Frau, die von den Behörden mal als Labortechnikerin, mal als wissenschaftliche Mitarbeiterin bezeichnet wurde.
Höchst wahrscheinlich stimmt letztere Angabe, die junge Frau forschte zur Wirksamkeit von antibakteriellen Medikamenten gegenüber Pestbakterien. Sie nahm zudem am jährlichen Allrussischen Kongress für Infektionskrankheiten (März) und an den internationalen Übungen von Schnelleinsatzteams für Notfälle (August) teil.
Am 29. September wurde die Frau ins Krankenhaus eingeliefert mit Verdacht auf Pest, offizielle Diagnose: Lungenentzündung mit unbekannter Ursache. Daria starb am 1. Oktober - an Lungenpest. Angeblich wäre ihr ein Reagenzglas mit Pestbakterien zerbrochen - wobei die Betonung auf angeblich liegt.
Die Behörden stellen etwa 200 Personen unter Quarantäne, die mit ihr Kontakt hatten.
Die ganze Region um den Baikalsee geriet danach in Aufruhr, weil man den offiziellen Beschwichtigungen nicht glaubte. Weitere Erkrankungen wurden bisher nicht festgestellt. Allerdings mussten die Arbeiter im örtlichen Aluminiumwerk mit Schutzmasken zur Arbeit antreten.
Anmerkung: Vielleicht erinnert sich jemand unter unseren Lesern über jene geheimen Bio-Labore, die angeblich die USA in der Ukraine betreiben würden. Die Behauptungen darüber gehen auf eine langanhaltende Desinformationskampagne Russlands zurück, die auch im Zuge des Ukraine-Krieges immer wieder als Argument für die russische Invasion gebraucht wurden. Für deren Existenz gab und gibt es keinerlei Hinweise. Tatsächlich finden sich jetzt solche Labore in Russland.
Die Rekrutierung von Zeitsoldaten für den russischen Angriffskrieg ist straff organisiert. Jede Region hat eine bestimmte Quote an neuen Freiwilligen zustellen, die von der Zentralregierung festgelegt wird. Die Regionalregierungen wiederum geben diese Quoten weiter und schreiben den Bezirken und Städten vor, wie viele Freiwillige diese akquirieren müssen. Die Höhe der ausgelobten Antrittsprämie richtet sich danach, wie schwierig es für die Regionalregierungen ist, neue Zeitsoldaten zu gewinnen.
Der russische Exilpolitiker Andrej Piwowarow berichtet nun, dass ihm 61 Gerichtsurteile vorliegen, in denen Regionalbeamte bestraft wurden, weil sie die gesetzten Quoten nicht erfüllen konnten. Eines der Beispiele handelt vom stellvertretenden Verwaltungsleiter der Großstadt Newinnomyssk in der Region Stawropol. Die Stadt konnte nur 80% der Quote an Freiwilligen erfüllen, der Beamte erhielt deshalb Ende des Jahres 2025 vom zuständigen Friedensrichter eine Geldstrafe von 30.000 Rubel (etwa 300 €).
Wir haben die Liste der russischen Regionen mit den Prämien für den Abschluss von -unbefristeten- Zeitverträgen mit dem Militär aktualisiert.
Seit unserer letzten Veröffentlichung Ende Juli haben einige Regionen ihre Antrittsprämien angepasst. Wenn eine Region Probleme hatte, ihre von Moskau vorgegeben Quoten zu erreichen, wurden die Zahlungen erhöht. Im Fall dass eine Region ausreichend Zeitsoldaten stellen kann, wurden die Zahlungen reduziert. Wir haben die Veränderungen in der Liste mit einem Sternchen (*) markiert.
In der Summe sind die bezahlten Prämien weiter angestiegen. Im Juli zahlten die Regionen im Durchschnitt 2.167.000 Rubel als Prämie, Anfang September 2026 erhöhte sich der Durchschnittsbetrag auf 2.339.000 Rubel.
Neu dabei sind Sonderzahlungen, die manche Regionen für Drohnenpiloten ausloben. Die Regionen Inguschetien, Kaliningrad, Pskow und die Stadt Sewastopol auf der Krim weisen diese Extrazahlungen aus. Eine besondere Pointe setzt die Region Komi - die Zeitsoldaten erhalten extra 100.000 Rubel bei Rückkehr, wohl wissend, dass nicht viele lebend von der Front nach Hause kommen werden.
Die russischen Behörden versuchen auf allen Ebenen zu verhindern, dass Informationen über Kriegstote das Land verlassen. Seit Beginn des russischen Krieges verschicken russische Bürger aus den verschiedensten Regionen Fotos und Videoaufnahmen über neue Kriegsgräber. Und zwar nicht an Geheimdienste, sondern zu den Telegram-Kanälen, die solche Informationen sammeln. Solch offene Info-Kanäle werden natürlich auch von den Geheimdiensten aller Länder gerne besucht, auch wenn diese mit Agententätigkeit nichts zu tun haben.
Nachstehend eine Presseerklärung des Regionalgerichts Jaroslawl vom 08.09.26:
Neuigkeiten vom 8. September 2026
Ein Einwohner von Jaroslawl, der Informationen über tote Soldaten weitergegeben hatte, wurde wegen Hochverrats verurteilt.
Das Regionalgericht Jaroslawl verurteilte heute einen 48-jährigen Einwohner wegen Hochverrats (Artikel 275 des Strafgesetzbuches der Russischen Föderation).
Das Gericht stellte fest, dass der Angeklagte Nikolai Schtscherbakow ab Oktober 2024 regelmäßig den Gedenkfriedhof aufsuchte und dort heimlich die Gräber von Militärangehörigen fotografierte und filmte. Der in Jaroslawl lebende Mann übermittelte die gesammelten Informationen anschließend per Instant Messenger an Vertreter der ukrainischen Geheimdienste.
Kriminelle Aktivitäten wurden von Beamten der FSB-Direktion für die Region Jaroslawl identifiziert und gestoppt.
Mit Urteil des Gerichts wurde Shcherbakov N. des Hochverrats (Artikel 275 des Strafgesetzbuches der Russischen Föderation) für schuldig befunden und zu einer Freiheitsstrafe von 14 Jahren in einer Strafkolonie mit strengem Regime verurteilt, gefolgt von einer Freiheitsbeschränkung von 1 Jahr und 6 Monaten.
Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.
Im Herbst 2022 hat die russische Armee 300.000 Reservisten für den Krieg in der Ukraine eingezogen. Diese mobilisierten Soldaten sind jetzt viereinhalb Jahre im Dienst in einem Krieg, bei dem kein Ende in Sicht ist.
Bei vielen Meldungen über im Krieg gefallenen Soldaten können wir nicht erfahren, ob der Kriegstote ein freiwilliger Zeitsoldat, ein Mobilisierter oder ein Berufssoldat war. Trotzdem finden wir jeden Tag Meldungen, die den Status des Gefallenen nennen. Und da sind einige mobilisierte Reservisten darunter.
Deshalb stellt sich die Frage, wie viele der mobilisierten Männer noch im Kriegsgebiet vorhanden sind? Janis Kluge, von der Stiftung Wissenschaft & Politik, hat dazu eine Antwort geliefert. Anhand der Zahlungen im Bundeshaushalt für die mobilisierten Soldaten, konnte er ihre Anzahl berechnen. Von den knapp 300.000 mobilisierten Männern waren im Juli 2024 noch 246.303 vorhanden, im Juli 2025 waren noch 168.594 verblieben. Neuere Zahlen gibt es noch nicht. Setzt sich der Schwund fort, so dürften aktuell nur noch etwa 100.000 Mobilisierte im Dienst sein.
Diese Mobilisierten wurden im letzten Jahr häufig unter Druck gesetzt, in einen Zeitvertrag zu wechseln (siehe hier). Der weit größere Teil wurde getötet oder ist kriegsuntauglich, also physisch oder psychisch schwer verletzt.
„Dies ist eine sehr ernste und verantwortungsvolle Angelegenheit. Wir unternehmen gemeinsam mit Ihnen und den Bürgermeistern der Gemeinden auf allen Ebenen größte Anstrengungen, diese Aufgabe mit Würde zu bewältigen“, sprach der Gouverneur von Irkutsk, Igor Kobzew (Foto links), zu den Parlamentariern der Regionalversammlung. Er meinte damit die Erfüllung der Quote an Freiwilligen für den Kriegsdienst, die der Region Irkutsk von Moskau auferlegt wurde. Auf seinen Antrag hin wurden die Prämien von 2,1 Millionen Rubel auf 1,8 Millionen reduziert. Verurteilte und Angeklagte erhalten eine Million Rubel und neu eingeführt wurde die Zahlung von 900.000 Rubel für Ausländer und Statenlose.
Der eingebrachte Gesetzesentwurf wurde überarbeitet und in zweiter Lesung angenommen. Die Behörden gehen wohl davon aus, dass sie ihre Vorgaben hauptsächlich durch die Strafverfolgungs- und Ausländerbehörden abdecken können. Das spart Geld.
In der russischen Teilrepublik Inguschetien im Kaukasus überbringt der Ministerpräsident die Beileidsbekundigungen für die im Krieg gegen die Ukraine getöteten Inguschen persönlich. Mitte August hatte er vier Familien aufzusuchen.
Laut Wladimir Slasteinin, dem Ministerpräsidenten, nehmen insgesamt mehr als zweitausend Einwohner Inguschetiens an den Kampfhandlungen bei der russischen Armee teil. Wir haben bisher 290 Kriegstote registriert, die tatsächliche Zahl dürfte deutlich höher liegen.
Der Telegram-Kanal „Fortanga“ schreibt zu den Kriegsversehrten:
Mehrere hundert Menschen erlitten schwere Verletzungen. Allein im Jahr 2025 wurden in Inguschetien 464 Teilnehmer an den Kampfhandlungen behandelt. Die genaue Zahl der Verletzten und derjenigen, die im Laufe der Kampfhandlungen eine Behinderung erlitten, wird nicht genannt. Die Verwundeten erhalten nicht immer die ihnen zustehenden Prothesen und sind gezwungen, sich bei verschiedenen Behörden zu beschweren.
Eine Gruppe Lehrer hatten die Möglichkeit zu einer Audienz bei Wladimir Putin. Ein Mann berichtet von einem Ausflug zum Nordpol und auf Rückfrage berichtet er, zwei Eisbären gesehen zu haben. Das findet Wladimir interessant und erzählt, dass Orcas Eisbären in Stücke reißen und vertilgen würden (dafür konnte der Verfasser keine Belege finden). So wäre das Leben, meint Wladimir, der Stärkere frisst den Schwächeren, die Nahrungskette eben. Das sollen die Lehrer ruhig ihren Schülern beibringen. Und deshalb würde Russland ja auch die „Spezielle Militäroperation“ durchführen.
Jabloko ist die einzige Partei in Russland, die sich gegen den Angriffskrieg gegen die Ukraine ausspricht. Sie wurde durch Beschluss eines Moskauer Gerichts, von den kommenden Parlamentswahlen ausgeschlossen. Geklagt hatte die linksnationalistische Partei „Rodina“, die sich selbst nationalkonservativ nennt. Soviel zur allgemeinen Verwirrung.
In ihrer Klage warf Rodina der Partei Jabloko Uhrheberrechtsverletzungen vor. So hätte Jabloko ohne Genehmigung Zeilen aus dem Antikriegslied „Es soll immer Sonnenschein geben“ und die Zeile „Wenn es doch nur keinen Krieg gäbe“ aus Alexander Wolodins Theaterstück „Fünf Abende“ verwendet, sowie Umfragedaten des Lewada-Zentrums zitiert. Es gibt in der Klage weitere Vorwürfe ähnlicher Qualität.
Bliebe zum Schluss noch zu erwähnen: Der Sohn des Komponisten des Liedes „Es soll immer Sonnenschein geben“ hatte der Partei ganz offiziell die Erlaubnis zur Nutzung gegeben.
In den ersten sechs Monaten dieses Jahres hat Russland 43,5 Tonnen Gold verkauft. Aber es hat noch reichlich Reserven, Anfang Juli sollen sich noch 2.282 Tonnen Gold in den staatlichen Tresoren befunden haben. Trotzdem bedeutet dieser Verkauf den größten Rückgang der Goldreserven in den letzten 25 Jahre.
Der Goldverkauf dient in erster Linie der Deckung des russischen Haushaltsdefizits, der Staat muss immer höhere Ausgaben für den Krieg gegen die Ukraine finanzieren. Allerdings dürfte jenes verkaufte Gold meist im Land geblieben sein. In unsicheren Zeiten heben die Russen gerne ihre Rücklagen vom Konto ab und kaufen dafür Gold.
Die Kleinstadt Bad Ems liegt an der unteren Lahn und nur wenige Kilometer von der Stadt Koblenz entfernt. Bad Ems hatte seine Glanzzeit im 19. Jahrhundert. Es war die Kurstadt und Sommerresidenz von bedeutendem Adel und angesagten Künstlern. So führte zum Beispiel die Emser Depesche zum Französisch-Deutschen Krieg 1870/71.
Auch der russische Zar Alexander der II. verbrachte den Sommer gerne in Bad Ems. Dort unterzeichnete er am 30. Mai 1876 den „Emser Erlass“. Damit verbot er die Einfuhr und Veröffentlichung von Schriften in ukrainischer und belarussischer Sprache im Russischen Kaiserreich und stellte Zuwiderhandlungen unter Strafe. Eine kaiserliche Kommission hatte festgestellt, dass die Verwendung der ukrainischen Sprache staatsgefährdend wäre.
Dieses russische Überheblichkeitsdenken gegenüber den „Kleinrussen (Ukrainer)“ wirkt bis heute nach. Auf ihm basiert auch der propagandistische Überbau, mit dem der „Putinismus“ den russischen Angriffskrieg begründet.
Foto: Silin2005 -- Lizenz: Gemeinfrei -- Die Plakette wurde nach dem russischen Angriffskrieg 2022 von Unbekannten entfernt.
Wir hatten bereits über die Aussage der russischen Militätbloggerin Agnes Becker berichtet, die in ihrem Telegramkanal eine angeblich unabhängige Studie zitiert hatte. Danach würde die durchschnittliche Überlebensdauer eines Soldaten bei einem Angriff an den vordersten Positionen nur 20 - 35 Minuten betragen. Am letzten Mittwoch bestätigte der CIA-Direktor John Ratcliff diese Aussage:
„Unsere Erkenntnisse decken sich mit einigen Berichten aus offenen Quellen, die Sie möglicherweise im Zusammenhang mit der Ukraine gesehen haben: Die durchschnittliche Lebenserwartung eines russischen Rekruten, der derzeit auf dem Schlachtfeld in der Ukraine eintrifft, wird auf 20 bis 30 Minuten geschätzt.“
Durch den Einsatz von Drohnen mit KI-Unterstützung steigen jedoch die Verlustzahlen auch weit hinter der Front. Im folgenden Video sieht man solch eine Drohne, die zielgerichtet einen russischen Militärlaster ausschaltet. Vermutlich handelt es sich um die in Deutschland hergestellt HX-2 der Rüstungsfirma Helsing.
Die Kleinstadt Tschulym liegt etwa 130 km westlich der Hauptstadt Nowosibirsk. In der Stadt und im dazugehörigen Bezirk leben rund 20.000 Menschen - Tendenz rückläufig. Die Gegend ist landwirtschaftlich geprägt, etwa ein Drittel aller Erwerbstätigen arbeiten in diesem Bereich.
Ein Denkmal erinnert an die Toten aus den sowjetischen und russischen Kriegen. Im Krieg in Afghanistan sind zwei Soldaten aus dem Bezirk getötet worden, in den Tschetschenienkriegen wurden acht Männer getötet und im aktuellen Krieg gegen die Ukraine wurden bisher 113 Namen eingraviert.
Setzt man jene 113 Kriegtoten ins Verhältnis zur Bevölkerung, so würde jene Region an zweiter Stelle aller russischen Regionen in unserer entsprechenden Tabelle stehen.
Peter Frankopan ist Professor für Weltgeschichte an der Universität Oxford. In einem Essey über Wladimir Putin zitiert er den exilrussischen Telegram-Kanal „Astra“. Astra selbst zitiert in einem Beitrag eine/n Z-Blogger/in „Agna Becker“ der/die den Telegram-Kanal „Haus unter Lorbeeren“ betreibt. Agna Becker wiederum zitiert „unabhängige Studien von 'N' “ und damit kommen wir zur eigentlichen Nachricht.
Nach dieser Studie würde die durchschnittliche Überlebensdauer eines Soldaten bei einem Angriff an den vordersten Positionen nur 20 - 35 Minuten betragen. Laut der selben Studie betrage die „durchschnittliche Lebenserwartung“ eines Soldaten von der Zeit seiner Ankunft auf dem Übungsplatz bis zu seiner Abreise in den Kampfgebiet von zehn Tagen bis zu drei Wochen.
Ganz unrealistisch sind diese Aussagen nicht, wie unsere vielen Beispiele über Kurzzeitsoldaten zeigen. Wir haben Agna Becker angeschrieben und um einen Link auf die Originalveröffentlichung gebeten. Eine Antwort ist nicht zu erwarten.
„Ich freue mich auf meinen Tod“ ist der Titel einer bekannten Kantate von Johann Sebastian Bach. Die ist dem Autor spontan zum unten veröffentlichten - KI-generierten - Video eingefallen. In diesem werden 46 russische Soldaten vorgestellt, die alle aus der Großstadt Artjom oder deren näheren Umgebung in der Region Primorje stammen. Zur Erinnerung - die Region Primorje liegt im Fernen Osten Russlands. Die Soldaten im Video werfen ihre Waffen weg, lachen dabei und schreiten ins Nirwana.
Wieviel sinnvoller wäre es gewesen, wenn all diese Soldaten sich diesem verbrecherischen Krieg verweigert und gemeinsam ihre Waffen niedergelegt hätten? Sie wären zumindest lebend nach Hause gekommen. So dürfte auch diese KI-generierte Schmonzette keine Hilfe und Trost für ihre Angehörigen darstellen.
Im ersten Quartal 2026 floss beinahe jeder zweite Rubel aus dem russischen Staatshaushalt in das Militär. Das berichtet ein Mitarbeiter der deutschen Stiftung Wissenschaft und Politik in seinem aktuellen Rundschreiben. Ganz genau betragen die militärischen Ausgaben inzwischen 46% des gesamten russischen Haushalts.
Am 01.08.1914 ist Deutschland in den Ersten Weltkrieg eingetreten, am 11. November 1918 unterzeichnete eine deutsche Delegation den Waffenstillstand. Berechnet man die Zeitspanne des Krieges, so kommt man auf 1.564 Tage Krieg.
Am 24.02.2022 begann die zweite russische Invasion der Ukraine. Bis zum heutigen Tag gerechnet sind das inzwischen 1.570 Tage Krieg, der Konflikt dauert also inzwischen länger als der Erste Weltkrieg - trotz zwischen 300.000 und 500.000 russischen und vermutlich 100.000 ukrainischen Kriegstoten, all den Kriegsversehrten und unermesslicher Zerstörung der Lebensgrundlage der Menschen in der Region. Und noch immer ist kein Ende in Sicht.
Und zur Erinnerung: Die erste russischen Invasion in der Ukraine fand bereits im Jahr 2014 statt, als Russland die Krim gewaltsam annektierte und russische Geheimdiensttruppen in den Donbass einsickerten.
Das Dorf Uinskoje liegt in der russischen Region Perm mit etwa 4.000 Bewohnern. Vermutlich wurde in diesem Dorf ein Versuchsballon gestartet. In einer Information auf der VKonatkte-Seite der „Verwaltung des Stadtbezirks Uinsky“ wurde eine Anzeige der Verwaltung veröffentlicht. Danach werden Frauen in der Region Perm für den Kriegseinsatz rekrutiert. Die Behörden versprechen ein Gehalt von 210.000 Rubel pro Monat und einen Bonus von 1,5 Millionen Rubel für die Unterzeichnung eines Vertrags mit dem russischen Verteidigungsministerium. Der Vertrag soll eine Laufzeit von einem Jahr beinhalten. (Allerdings können solche Verträge laut einem Erlass des Präsidenten so lange verlängert werden, solange die Mobilisierung nicht aufgehoben ist.)
Laut dem Informationstext können nur Frauen zwischen 18 und 35 Jahren einen Vertrag als Drohnenpilotin unterzeichnen, Frauen unter 45 Jahren dürfen sich für Positionen als Fahrerin für humanitäre Hilfstransporte bewerben.
Die Informationsseite wurde inzwischen gelöscht. Allerdings ist es uns gelungen, noch einen Screenshot der betreffenden Anzeige zu sichern (Original, deutsche Übersetzung.).
Die russische Zensur verbietet die genaue Berichterstattung über die vielen ukrainischen Drohnenangriffe auf Erdölraffinerien und Militärstützpunkte im ganzen Land. Die örtlichen Medien berichten deshalb nur sehr zögerlich über die Resultate und zitieren lieber staatliche Erfolgsmeldungen, dass wieder eine Vielzahl von Drohnen abgeschossen wurden.
In den Kommentaren zu den Berichten der großen lokalen Medien ließen die Bürger ihrer Wut freien Lauf und verspotteten Behörden und Regierung. Wir haben mehrfach solche Kommentare veröffentlicht.
In den letzten Tagen gab es erneut Drohnenangriffe auf die Region Krasnodar und St. Petersburg. Wieder wurde im Raum Krasnodar eine Erdöl verarbeitende Anlage in Brand gesetzt und bei St. Petersburg wurde ein Munitionslager angegriffen. Es kam zu Explosionen, die Bevölkerung in der Nähe wurde evakuiert.
Leserkommentare zu den Berichten von Fontanka in St. Petersburg sind jetzt nicht mehr möglich, die Funktion wurde deaktiviert.
Die russische Staatsbank hat eine neue Tabelle über ihre Währungsreserven bis einschließlich 1. Mai veröffentlicht. Danach verkauft die Zentralbank seit Jahresanfang monatlich eine beträchtliche Menge an Gold - insgesamt knapp 28 Tonnen.
Russland dürfte durch den Verkauf etwa 3,7 Milliarden Euro eingenommen haben. Das russische Staatsvermögen wird aber nur zu einem geringen Teil, wenn überhaupt, bei den Bürgern ankommen. Der Staat benötigt die Einnahmen, um seinen Krieg gegen die Ukraine zu finanzieren.
„Udmurtien gegen Koruption“ ist ein Telegram-Kanal, über den wir auch Meldungen über russische Kriegstote aus der russischen Teilrepublik Udmurtien beziehen. Der Gründer des Kanals, Iwan Elisejew, hatte bis zum Jahr 2021 das regionale Büro Alexej Nawalnys geleitet. Ende 2021 verließ auch Elisejew Russland, um einer Verhaftung zu entgehen.
„Udmurtien gegen Koruption“ wurde inzwischen in das russische Register der „ausländischen Agenten“ aufgenommen. Iwan Elisejew wurde aktuell vom russischen Innenministerium zur Fahndung ausgeschrieben.