Gouverneur Limarenko bei einem "patriotischen" Konzert - "Alles für den Sieg" Anfang Juli 2024

Die Insel Sachalin liegt im äußersten Osten Russlands und wird von etwa 450 Tausend Menschen bewohnt. Auch hier schrumpft die Bevölkerung, 2010 waren es nach Wikipedia noch 500 Tausend Bewohner. Nach unserer Statistik sind inzwischen 639 Einwohner im Krieg gegen die Ukraine gefallen, bezogen auf die Bevölkerung ein außerordentlich hoher Wert.

Gouverneur der Insel ist Valery Limarenko, dessen Karriere vom Wissenschaftsmanager zu Ministerämtern der Regionalregierungen von Saratow und Nischni Nowgorod verlief und schließlich in Sachalin endete. Limarenko wurde in der ukrainischen Großstadt Charkiw geboren und ist dort aufgewachsen. In Sachalin vertritt er die Kriegspolitik Russlands konsequent mit und unterfüttert sie ideologisch, von ihm als "Wahrheit der Mutter" benannt. Wir geben seinen aktuellen Text zu einem Mediengipfel Anfang Juli 2024 übersetzt wieder:

Maxim Nikolaewitsch BajandinVerwaltung des Stadtbezirks Yusvinsky - 1. Juli 2024 um 14:05 -- Staatliche Organisation -- Link

Er fiel auf dem Schlachtfeld in der Nähe von Awdijiwka ...

Maxim Nikolaewitsch Bajandin, geboren am 24. April 1996 im Dorf Juswa, Bezirk Juswinsky. Er studierte von 2002 bis 2011 an der Yusvinskaya-Sekundarschule und schloss 9 Klassen ab. Den Erinnerungen von Schullehrern zufolge war Maxim ein ruhiger, effizienter, fleißiger und reaktionsfreudiger Schüler, der in allen Fächern gut abschnitt.

Nach seinem Schulabschluss trat er mit einem Abschluss als Traktorfahrer in die Zweigstelle der Juswinsky Landwirtschaftsschule ein. Nach seinem Abschluss an der Fachschule ging Maxim zum Militärdienst. Nachdem er ein Jahr lang seinen Militärdienst in der russischen Armee abgeleistet hatte, diente er weiterhin unter Vertrag in der Stadt Allabino in der Region Moskau. Am Ende seines Vertrags bei den Streitkräften der Russischen Föderation arbeitete er im Supermarkt Pyaterochka.

Am 24. Januar 2024 trat er erneut einen Vertrag für den Militärdienst bei den Streitkräften der Russischen Föderation bei. Er hatte den militärischen Rang eines Korporals. Der leitende Schütze des 2. Trupps des Angriffskompaniezuges des motorisierten Schützenbataillons Bayandin Maxim Nikolajewitsch starb im Militärdienst während einer militärischen Sonderoperation am 4. April 2024. in der Nähe der Stadt Avdeevka, Volksrepublik Donezk.

Wir trauern gemeinsam mit den Angehörigen des Verstorbenen. Die Erinnerung an den Krieger wird für immer in unseren Herzen bleiben. Er wird bei uns leben, solange wir uns erinnern.

Der Abschied von Bayandin Maxim Nikolaevich findet am 2. Juli 2024 im Kultur- und Freizeitzentrum Yusvinsky unter der Adresse Yusva, st. Krasnoarmeyskaya, 21a. Die Verabschiedung beginnt um 11.00 Uhr, die Trauerfeier um 12.00 Uhr.


 

Serpuchow

Blick auf Serpuchow, Oblast Moskau -- Urheber: Sergey Sebelev -- Lizenz: CC BY-SA 4.0

Etwa 90 km südlich der Hauptstadt Moskau liegt die Stadt Serpuchow mit über 130 Tausend Einwohnern. Das Stadtgebiet gehört zur Oblast Moskau und grenzt an die beiden Oblaste Tula und Kaluga. Serpuchow hat eine Geschichte, die bis ins 14. Jahrhundert zurück reicht und war früher mal eine reiche Stadt. Doch einige Industriebetriebe haben die Stadt verlassen, die Autoproduktion wurde eingestellt. Viele Stadtbewohner arbeiten in Moskau und pendeln täglich hin und her.

Auch Männer aus Serpuchow sterben im Krieg gegen die Ukraine. Unsere sicher nicht vollständige Liste zum 20.März 2024 zeigt 33 gefallene Soldaten.

Update:  Diesen Beitrag hatten wir am 29. März 24 veröffentlicht, aktuell haben wir einen Film von Mitte Mai 24 gefunden, der ebenfalls die Kriegstoten der Stadt dokumentiert. In diesem Film werden 69 Fälle aufgezählt, die Zahl hat sich also in den zwei Monaten mehr als verdoppelt. Wir stellen den Film an das Ende der von uns veröffentlichten Liste.

Nikita Denissowitsch WeslopolowVersuchen wir die Geschichte von Anfang zu erzählen. Als 2014 der russische Angriffskrieg im Donbass gestartet wurde, entstand das sogenannte Somalia-Bataillon, zusammengesetzt aus vielen russischen Freiwilligen. Das Bataillon wurde so etwas wie die schnelle Eingreiftruppe im russisch besetzten Donbass. Sie wurde befehligt durch Michail Tolstych, Kampfname Giwi, der Anfang 2017 in einer Garnison seiner Einheit durch eine Schmel-Rakete getötet wurde. Inzwischen ist das Somalia-Bataillon eine reguläre russische Einheit.

In diesem Bataillon kämpfte auch Nikita Denissowitsch Weslopolow, geboren am 21. Juni 2005, aus der Stadt Krasnokamensk im Transbaikal-Territorium als Freiwilliger. Allerdings so ganz freiwillig auch wieder nicht.

Kowrow

Telegram - 01.07.24

In der Stadt Kowrow in der Region Wladimir wurde die Fotoausstellung „Frauenleid“ eröffnet. Bei den Exponaten handelt es sich um Fotografien der Mütter und Ehefrauen der verstorbenen Teilnehmer der Invasion in der Ukraine. Veranstalter war die von Putin gegründete Staatsstiftung „Verteidiger des Vaterlandes“. Dies berichtete die Lokalzeitung Znamya Truda.

KasanRekrut

Den aktuellen Rekrutierungsaufruf aus Tatarstan wollen wir noch nachreichen. Wir haben im Bericht zum Monat Juni  darüber geschrieben. 1,5 Millionen Rubel entsprechen etwa 15.000 €, also knapp dem zweifachen Jahreseinkommens eines Durchschnittsverdieners. Der übersetzte Text lautet:

Treten Sie der Armee des Sieges bei! Auf einmal bei Vertragsabschluss vor dem 31. Juli 2024 in Tatarstan DO 1.500.000 RUB.
Rufzeichen „YAKTA“, WIR UNTERRICHTEN, HELFEN, UNTERSTÜTZEN, 8 (800) 222 59 00

Sobinka

Sobinka - das ist eine Stadt mit etwa 17.000 Einwohnern, die 40 km westlich der Gebietshauptstadt Wladimir liegt. Wenn man nach Sehenswürdigkeiten der Stadt sucht, dann werden bevorzugt Denkmäler angegeben. Eines gibt es für die gefallenen Soldaten des zweiten Weltkrieges, ein anderes für Karl Marx und es gibt auch ein Denkmal für die im Krieg gegen die Ukraine getöteten Stadtbewohner. Vorausschauend hat man etwas Platz gelassen für künftige Kriegstote, besonders wählerisch war man auch nicht. Das berichtet eine lokale Initiative über neue Einträge:

SchulmuseumIstra

Dedowsk ist eine Stadt 40 km von Moskau entfernt mit etwa 30.000 Einwohnern. Am Stadtrand gibt es ein Internat für Schüler mit Behinderungen mit dem schönen Namen "Dorf des Internats des Großvaters". Das Foto zeigt eine Veranstaltung der Schule zum Gedenken an einen ehemaligen Schüler, der im Krieg gegen die Ukraine als Söldner der Gruppe Wagner gefallen ist. Ganz links steht übrigens dessen Schwester.

Telegram -- 24.06.24

Alexej Iwanowitsch LjapinAm frühen Morgen des 17. Juni 2024 wurde Oberst Alexej Iwanowitsch Ljapin, Leiter der ROSN PU für die Regionen Belgorod und Woronesch mit dem Rufzeichen „Swesda“, bei der persönlichen Durchführung eines Kampfeinsatzes in die Luft gesprengt und starb heldenhaft.

Von den ersten Tagen an der Spezialoperation führte er Kampfeinsätze an der russisch-ukrainischen Grenze und darüber hinaus durch. Am 2. Mai wurde er 47 Jahre alt.

Nach seinem Abschluss an der nach G.K. benannten Höheren Militärkommandoschule für Kommunikation in Uljanowsk. Alexey Ordzhonikidze unternahm eine lange militärische Reise durch Tadschikistan und den Kaukasus. Er leitete erfolgreich Spezialeinheiten in verschiedenen Regionen unseres Landes (Regionen Tscheljabinsk, Sachalin, Orenburg) und arbeitete mehrere Jahre in der Zentrale.

Dieser Mann besaß einzigartige Eigenschaften – olympische Ruhe, Professionalität in verschiedenen Bereichen, gesunde Abenteuerlust, Mitarbeiterkultur und Ethik. Immer respektvoll und gleichzeitig fordernd gegenüber seinen Untergebenen, beteiligte er sich durch persönliches Beispiel an Feindseligkeiten, ohne sich hinter dem Rücken seiner Kameraden zu verstecken.

Königreich des Himmels an den Krieger Alexy.

Umary Schule

Urmary - das ist eine Siedlung in der russischen Teilrepublik Tschuwaschien mit etwa 5.200 Einwohnern. Die örtliche Sekundarschule hat Anfang Mai eine eigene Heldengasse eingeweiht, zu Ehren ihrer ehemaligen Schüler, die in den Kriegen Russlands gefallen sind. Es handelt sich dabei um elf Kriegstote, wovon neun im Krieg gegen die Ukraine getötet wurden - ziemliche viele für den kleinen Ort. Zwei dieser Namen waren noch nicht in unserer Liste.

Im Zentrum der Veranstaltung der Sekundarschule stand die Vermittlung von russischen Werten, wie fast alle öffentlichen Bildungseinrichtungen in Russland das im Moment tun. Wir geben den Wortlaut als übersetzten Originaltext wieder. Die Teilnehmerliste haben wir weggelassen.

Igor Berezkin27.06.24 -- Link

Ein Mitarbeiter des Heizkraftwerks Anadyr starb während einer speziellen Militäroperation

Bei der Durchführung von Kampfeinsätzen einer speziellen Militäroperation starb ein Bewohner der Bezirkshauptstadt, der 34-jährige Igor Berezkin. An der Front war der Freiwillige Granatwerfer in einem motorisierten Schützenbataillon. Vor seiner Abreise in den nördlichen Militärbezirk arbeitete er im Heizkraftwerk Anadyr, berichtet die Nachrichtenagentur Tschukotka unter Berufung auf den Pressedienst der Verwaltung des Stadtbezirks Anadyr.

Igor Berezkin wurde am 17. Mai 1989 im Dorf Lamutskoye in der Region Anadyr geboren. Im Jahr 2009 schloss er die Berufsschule in Anadyr ab und erlangte den Beruf als Mechaniker. Er diente in der Armee im jakutischen Dorf Tiksi. Er und seine Familie zogen 2016 in die Landeshauptstadt. Er arbeitete im Wärmekraftwerk Anadyr als Bulldozerführer.

Igor Berezkin beschloss am 7. März 2023, für das Vaterland einzustehen. An der Front diente er im Rang eines Unterfeldwebels und war Granatwerfer in einem motorisierten Schützenbataillon. Er starb am 7. Mai dieses Jahres während der Durchführung von Kampfeinsätzen einer speziellen Militäroperation.

Igor bleibt mit einer großen Familie zurück – seiner Mutter, seinem Vater, seiner Frau, zwei minderjährigen Töchtern, seinem Bruder und seiner Schwester. Wir sprechen Familie und Freunden unser tiefstes Beileid für diesen unwiederbringlichen Verlust aus. „Die Verwaltung des Stadtbezirks wird der Familie des verstorbenen Soldaten alle notwendige Hilfe und materielle Unterstützung gewähren “, heißt es in der Mitteilung.

Die Verwaltung des Zivilschutzes von Anadyr wird Sie zusätzlich über Datum und Uhrzeit der Verabschiedung des Kämpfers informieren.


 

Mawrino Teil3

Mawrino ist ein sehr kleines Dorf im Gebiet der städtischen Siedlung Frjanowo des Stadtbezirks Schtschelkowo, 2010 wurden gerade mal 15 Dorfbewohner gezählt. Von der Ringstraße rund um Moskau ist Mawrino etwa 50 km entfernt. Wir haben über dieses kleine Dorf schon mehrfach berichtet, denn auf dem örtlichen Friedhofsgelände war Ende 2022 ein Wagnerfriedhof entstanden, der sich so langsam füllte. (Bericht eins, zwei)

Obwohl der Friedhof nahe Moskau liegt ist sein Zustand miserabel. Es gibt zwar ein mächtiges Wagner-Denkmal, aber die Gräber werden nicht gepflegt (Bild Mitte). Jetzt haben die Grabpflege Anwohner übernommen (Bild rechts) und eine Liste veröffentlicht, die die Namen der dort begrabenen Söldner nennt. Die Liste wurde über die sozialen Netzwerke verbreitet, damit die Familien über den Verbleib ihrerer Angehörigen Bescheid wissen.

Artem Aleksejewitsch SatalkinDie russische Staatsduma beschloss im April 2024, dass junge Männer, die ihren Wehrdienst ableisten, vom ersten Tag an sich für einen Vertragsdienst verpflichten können. Diese Soldaten können dann auch im Krieg gegen die Ukraine eingesetzt werden. Und so geschieht es, dass solch junge Leute fast ohne Vorbereitung an die Front geworfen werden - genau so wie die vielen Freiwilligen, über die wir hier berichten.

Artem Aleksejewitsch Satalkin, geboren am 25. Februar 2006, ist der bisher jüngste russische Soldat in unserer Statistik, der im Krieg gegen die Ukraine gefallen ist. Er stammte aus Tscherepowez, einer Großstadt in der Oblast Wologda. Getötet wurde Artem am 27. Mai 2024, also etwa drei Monate nach seinem 18. Geburtstag. Wir wissen nicht, warum sich Artem für den Vertragsdienst entschieden hat. In den Kommentaren ist auch davon die Rede, dass er sich damit einer längeren Gefängnisstrafe entledigen wollte. Aber bestätigt wurde dies nicht in den vielen Nachrichten zu seinem Tod.

Aus manch einem Kommentar der Leser kann man das Entsetzen über den frühen Tod von Artem heraushören. Doch die staatlichen Institutionen reagieren auf ihre Weise - die ehemaligen Schulen von Artem mussten lange Beiträge über ihren Schüler auf VKontakte absondern. Den Ausführlichsten wollen wir hier dokumentieren:

Worontsowo

Dorf Worontsowo auf Taimyr -- Foto: Полярник таймыра -- Lizenz: CC BY-SA 4.0

Bleiben wir noch etwas in den extrem kalten Regionen Russlands. Über die Halbinsel Taimyr haben wir hier schon berichtet, heute geht es um ein kleines Dorf Worontsowo in der Region. Es liegt an der Mündung des Jenissei, kurz bevor er in den Jenissei-Golf der Karasee mündet , im südwestlichen Teil der Taimyr-Halbinsel . Von der Hauptstadt Krasnojarsk ist das Dorf 2.390 km entfernt.  Das Dorf hatte 2010 noch 253 Einwohner und ist schwer zu erreichen: Mit dem Schiff nur von Juni bis Anfang Oktober, die nächste Stadt Dudinka erreicht man von Ende Juni bis Ende September mit dem Motorschiff "Hansuta Japtune" einmal in 2 Wochen, in der übrigen Zeit des Jahres - mit dem Hubschrauber, einmal in 2 Wochen.

Auch aus diesem kleinen Ort hat sich ein junger Mann für den Krieg in der Ukraine verpflichtet.

Wassili Alexandrowitsch Skudarnow Wladimir Wassiljewitsch Maschlajew
Telegram -- 25.07.24 Telegram -- 25.06.24

Morgen um 13:00 Uhr wird im Dorf Kebezen Wassili Alexandrowitsch Skudarnow beigesetzt, der bei der Ausübung seines Militärdienstes während einer Sonderoperation ums Leben kam.

Er wurde am 27. April 1980 geboren, meldete sich im Juli 2023 freiwillig zur Front und starb am 13. Juni 2024, teilte die Bezirksverwaltung Turochak in einer Erklärung mit.

Vasily erfüllte ehrlich und selbstlos seine Militärpflicht, gab sein Leben im Namen der Sicherheit unseres Landes, für die friedliche und freie Zukunft unseres Volkes. Er zeigte ein Beispiel für unermesslichen Mut, Heldentum, Ausdauer und Hingabe und blieb seinem Eid bis zur letzten Minute treu. Er war mutiger als alle Worte über Mut.

Der Tod eines geliebten Menschen ist eine große Trauer und eine schwierige Prüfung, aber es ist unsere gemeinsame Pflicht, das unsterbliche Andenken der Teilnehmer des Nordmilitärbezirks zu ehren und von Generation zu Generation weiterzugeben.

Während einer speziellen Militäroperation starb ein Soldat der Altai-Republik, Wladimir Wassiljewitsch Maschlajew .

Er wurde am 1. Juni 1988 im Dorf Verkh-Belo-Anuy im Bezirk Ust-Kansky geboren. Nach seinem Schulabschluss wurde er in die Streitkräfte der Russischen Föderation eingezogen und diente als Fahrermechaniker in der 74. Garde-Motorschützenbrigade in Jurga.

Im Jahr 2010 begann er in der Abteilung des Innenministeriums im Bezirk Ust-Kansky zu arbeiten. Im Januar 2024 trat er für die Verteidigung seines Heimatlandes ein und meldete sich freiwillig für einen Sondereinsatz.

Jeder, der ihn kannte, spricht von ihm als einem zuverlässigen, ehrlichen und willensstarken Menschen.

Die Abschiedszeremonie findet am 26. Juli von 11:00 bis 12:30 Uhr im regionalen Kulturhaus in Ust-Kan statt.

Ryrkaipij

Blick auf Ryrkaipij von der Straße aus Richtung Kap Schmidt. In der Mitte der Koschewnikow-Felsen, die westliche „Hälfte“ des Kaps Schmidt; davor die Nordbucht der Tschuktschensee (Ende April 2006) -- Foto: Шабанов -- Lizenz: CC BY-SA 3.0

Ryrkaipij ist ein kleines Dorf ganz im Nordosten Russlands im Autonomen Kreis der Tschuktschen. Es liegt an der Küste der Tschuktensee, ein Randmeer des Arktischen Ozeans. Ganz in der Nähe liegt das Kap "Otto Schmidt", benannt nach einem russischen Polarforscher und eine Militärsiedlung mit gleichem Namen.

Nicht weit entfernt vom Dorf  gibt es eine sehr große Walross-Kolonie an einer Klippe. 2017 sprangen mehr als 100 Walrosse aus Angst vor einem Eisbären von der Klippe in den Tod und wurden ein gefundenes Fressen für noch mehr Eisbären. Im Dezember 2019 trafen über 50 Eisbären auf der Suche nach Nahrung dort ein. Das öffentliche Leben im Dorf kam zum Erliegen und man dachte darüber nach, die Siedlung ganz aufzugeben.

Aber auch generell geht es begab mir Ryrkaipij  - 2010 lebten noch 766 Einwohner dort, 2021 waren es nur noch 527. Wir schreiben das alles, weil Alexej Memlyragtyn, 1985 geboren in Ryrkaipij , jetzt auch im Krieg gegen die Ukraine getötet wurde.

Rodomir Wassiljewitsch Irgit

22.05.1991 – 18.08.2022

Biografie/Essay
Raj, Rada und Rodion wurden im Dorf Teeli, Bai-Taiginsky kozhuun, geboren. Als die Eltern beschlossen, nach Kyzyl zu ziehen, war ihr jüngster Sohn kaum ein Jahr alt. Das Familienoberhaupt, Wassili Baldanowitsch, ein sehbehinderter Mensch, bekam eine Stelle als Näher und Kraftfahrer in der UPP-Organisation Kyzyl, und seine Mutter, Tschechekmaa Sodunamovna, bekam eine Stelle als Krankenschwester in einem onkologischen Krankenhaus. Bereits in Kyzyl wurden Rustam, Rimma, Rodomir und Rita geboren. Im Zuhause einer großen Familie herrschten stets Ordnung und eine freundliche Atmosphäre. Die Kinder sorgten nach ihrem eigenen Dienstplan für Ordnung, erledigten ihre Hausaufgaben pünktlich und meldeten sich beim Vater, der genau darauf achtete, dass die Kinder in der Schule gut lernten und sich vorbildlich benahmen. Er war der Hauptmann in der Küche, trotz sehr schlechter Sehkraft kochte Wassili Baldanowitsch hervorragend. Und Mutter, fleißig wie eine Biene, schaffte es zu arbeiten, Hausarbeiten zu erledigen und die Kinder zu streicheln. „Nach dem plötzlichen Tod meiner Mutter konnte mein Vater nicht mehr arbeiten, er war so am Boden zerstört über den unerwarteten Weggang seiner geliebten Frau. Rodomir war gerade erst in die erste Klasse gekommen “, sagt Rada Wassiljewna, „ von uns – sieben Kindern – blieben vier übrig.“ Rodion starb in einem sehr jungen Alter, unsere jüngste und geliebte Schwester Rita starb nach kurzer Krankheit, sie hatte gerade ihr Polytechnisches Institut abgeschlossen und schmiedete große Pläne für ihr Leben, und dann starb unser allseits beliebter und treuer Begleiter Rodomir ... ”

Rodomir sieht aus wie seine Mutter, aber charakterlich ähnelt er seinem Vater. Sein Regal in seinem Schrank war immer in bester Ordnung. Er trug nie schmutzige oder zerknitterte Kleidung. Wenn er anfing, etwas zu tun, würde er es auf jeden Fall zu Ende bringen und die Arbeit effizient erledigen. Dasselbe verlangte er auch von seinen Brüdern und Schwestern. Als der Frühling kam, war er für den Garten verantwortlich. Ich entschied, was gepflanzt werden musste, wie ich es pflegte und bewässerte. Unter seiner sorgfältigen Aufsicht wuchsen Kräuter und Gemüse rasant. Rodomir hat in der Schule gut gelernt. Ich ging nicht gern zur Tafel, aber ich konnte immer jede Frage des Lehrers beantworten. Am liebsten kickte er auf der Straße Fußball, spielte Tischtennis und interessierte sich sogar irgendwie für Bogenschießen. „Wir lebten in der Gegend der Lederfabrik, es gab ein verlassenes sumpfiges Grundstück, das die Anwohner in eine Mülldeponie verwandelten “, sagt Rada Wassiljewna. „ Rodomir und seine Freunde haben es geräumt und dort ein Fußballfeld angelegt .“ . Und nach seiner Rückkehr aus der Armee im Jahr 2011 baute mein Bruder mit seinen eigenen Händen eine Tischtennisplatte und Sport-Reckstangen für die Jungen. Da er weder rauchte noch trank, versuchte er, die einheimischen Kinder für Sport zu begeistern und ihnen beizubringen, klug zu sein. Er selbst träumte schon früh davon, eine Uniform zu tragen und wollte als Rettungsschwimmer arbeiten. Später sagte ihm ein Lama, dass er eine Uniform mit Schultergurten tragen würde. Lediglich Rodomir konnte sich nach der Schule nicht einschreiben, und als er von der Armee zurückkam, zerbrach er sich einige Zeit den Kopf: Welche Uniform sollte er tragen? Und eines Tages tauchte er unerwartet in Militäruniform nach Hause auf, so fröhlich und glücklich. Er teilte uns mit, dass er einen Vertrag unterschrieben habe und bald in den Dienst gehen werde. Wir haben uns für ihn gefreut. Er ist gutaussehend und sportlich – die Militäruniform stand ihm sehr gut.“

Rodomir Wassiljewitsch diente im Militärdienst als Gefreiter als Mechaniker in einer Reparaturfirma im 82. separaten Reparatur- und Restaurierungsbataillon der Militäreinheit 21981. Er begann seinen Militärdienst im Mai 2014, nachdem er einen Vertrag mit dem 74. separaten Guards Motorized Rifle abgeschlossen hatte Swenigorod-Berliner Orden der Kutusow- und Suworow-Brigade als leitender Chemiker eines Strahlen-, chemischen und biologischen Schutzzuges im Rang eines Unterfeldwebels. „Der Militärdienst gefiel ihm sehr. Seine Uniformen hingen immer in perfekter Ordnung in seinem Schrank, die er anzog und vor uns zur Schau stellte und uns erklärte, welche Uniform und zu welchem ​​Anlass wir tragen sollten “, sagt seine Schwester Rimma Wassiljewna. „ Er war sehr stolz darauf, ein zu sein.“ Soldat. Seine Nichte vergötterte ihn, den er liebevoll Bun nannte, sie vergötterte ihn auch, bewunderte ihn und sagte immer: „Mein Onkel ist so stark und so hübsch!“ Er kam immer mit Geschenken, Rodomir hatte eine großzügige Seele, er kümmerte sich um uns wie ein Ältester, obwohl er unser jüngerer Bruder war. Wahrscheinlich, weil wir schon früh ohne unsere Mutter und unseren Vater zurückblieben, die den Weggang meiner Mutter nicht überlebt hatten und einige Jahre später ebenfalls gingen.“

Als der Militärvertrag endete, kehrte Rodomir Irgit nach Tuwa zurück. Er beschloss, etwas Zeit dem zivilen Leben zu widmen. Zunächst begann der Mann mit dem Bau eines großen Hauses, in dem er seine Schwestern unterbringen wollte. Gleichzeitig gelang es ihm, seinen vielen Freunden zu helfen und ihre Häuser zu bauen. Die Frau seines Freundes, Ailuna Scholbanowna, sprach darüber, was für ein ungewöhnlich aufgeschlossener und gutherziger Mensch Rodomir war: „Er lehnte nie alle seine Freunde ab, und wenn es darum ging, ein Haus zu bauen, wandten sich alle an ihn. Obwohl Rodomir keine besondere Ausbildung hatte, wusste er, wie man Häuser perfekt entwirft, und gab Ratschläge: wie man ein Haus auf einem Grundstück platziert, wo welche Räume sein sollten und dergleichen. Und er selbst beteiligte sich aktiv am Bau. Und als einer seiner Freunde ein Kind mit einer schweren Krankheit bekam, übernahm er freiwillig die Schirmherrschaft für ihn – viele Male brachte er es persönlich zu Ärzten außerhalb von Tuwa. Er war eine Autorität unter seinen Freunden, sie hörten ihm zu, respektierten ihn und liebten ihn sehr.“

Als die Sondermilitäroperation begann, kündigte Rodomir seinen Schwestern an, dass er freiwillig in die Ukraine gehen werde, ohne auf die Mobilmachung zu warten. Eine Woche vor seiner Abreise versammelte er seine Freunde, verwöhnte jeden mit seinen eigenen marinierten Kebabs und sagte dann: „Ich muss in die Ukraine, um diese Faschisten zu beruhigen – ich werde ihnen die Ohren abschneiden und sie als Trophäe zurückbringen.“ Seine Freunde konnten ihn nur unterstützen, weil sie wussten, dass niemand ihn vom Gegenteil überzeugen konnte, wenn Rodomir eine Entscheidung treffen würde.

Am 13. Juli 2022 reiste Rodomir Irgit nach Abakan und von dort mit dem Zug nach Jurga, wo er nach Abschluss der Ausbildung in die Ukraine ging. Er meldete sich Anfang August, rief seine Schwester Rimma an, erkundigte sich, wie es ihnen ginge, und mit der Aussage, dass er das nächste Mal im September anrufen würde, legte er auf.

„Ich kann nur Gutes über Rodomir sagen. Er kam 2014 zu unserer Einheit. Als ich ihn zum ersten Mal sah, war ich sehr überrascht – im Vergleich zu mir war er klein, und in meiner Position war ich jünger und musste ihm gehorchen, wir waren wie Shtepsel und Tarapunka (ein beliebtes Comic-Duo in der UdSSR – Anm. d. Red.) , wenn Sie verstehen, von wem ich spreche, war sogar am Telefon klar, dass sein Kollege und Freund Alexei bei diesen Worten lächelte. „ Ich dachte, er und ich würden Meinungsverschiedenheiten haben, aber wir haben eine echte Freundschaft entwickelt.“ Er hat mich immer ermutigt, unterstützt, wenn bei der Reparatur von Fahrzeugen etwas nicht geklappt hat, sagte er: „Lyokha, beruhige dich“ und lachte. Rodomir ging seine Arbeit immer mit Humor und einem Lächeln an und ließ sich nie entmutigen. Drei Jahre lang waren er und ich unzertrennlich – bei der Arbeit, beim Sport, wir schliefen sogar Schulter an Schulter. Rodomir war nicht arrogant, im Gegenteil, er half Neuankömmlingen, teilte seine Erfahrungen mit ihnen, sie nannten ihn „unseren kleinen Muk“... Wir werden uns immer an ihn erinnern!“

Am 29. September 2022 erhielten die Schwestern eine Nachricht vom örtlichen Militärregistrierungs- und Einberufungsamt: Rodomir ist verschwunden, sie müssen einen DNA-Test machen. Einige Monate später erhielten sie erneut einen Anruf mit der Bitte, DNA von ihrem Geschwister zur Verfügung zu stellen. Allerdings gibt es bis heute keine Neuigkeiten. „Wir wollen im Februar nach Shagaa nach Rostow am Don fahren und versuchen, seine sterblichen Überreste auf eigene Faust zu finden, um unseren geliebten Bruder in unserer Heimat würdevoll zu begraben. Sie sagen uns, wir sollen warten, aber wenn sie nur wüssten, wie schwer es ist zu warten, wie unerträglich es ist“, sagt Rimma Wassiljewna. Nach den fragmentarischen, dürftigen Informationen, die sie sammeln konnten, starb ihr Bruder, ihr kleines Blut, in der Nähe des Dorfes Berestovoe in der Volksrepublik Lugansk. Das letzte Mal, als ihn jemand sah, lag er schwer verwundet in einem Graben in einem Waldgürtel. Danach wurde dieses Gebiet von Neonazis besetzt, und nach ihrem Rückzug begannen die Arbeiten zur Feststellung der Identität der toten Soldaten, deren Überreste an den Orten der Zusammenstöße gefunden wurden. Die Schwestern hoffen, dass die sterblichen Überreste ihres Bruders in diesem Graben im Wald liegen, aber sie wurden nicht gefunden, weil es nicht genug Leute gab. Daher wurde Rodomir Irgit nicht für einen Staatspreis nominiert und der „Heldenschreibtisch“ und die Gedenktafel wurden an seiner Schule nicht enthüllt. Und es gibt kein Denkmal auf dem Walk of Fame, wo man Blumen niederlegen und „reden“ könnte, während man auf einer Bank in der Nähe des Grabes sitzt.

Rodomir Irgit war 31 Jahre alt, als er in den nördlichen Militärbezirk ging – sein ganzes Leben lag vor ihm. Während er sich um seine Schwestern kümmerte und seinen Freunden half, verschob er ständig den Aufbau seines Lebens. Obwohl ich in meinem Herzen von Familie und Kindern träumte. Er sagte, er müsse zuerst ein Haus für seine Schwestern bauen, dann das Haus seiner Eltern renovieren, dann ein Grundstück kaufen und sein eigenes Haus bauen und erst dann würde er sich erlauben zu heiraten. „Rodomir wollte für seine zukünftige Familie ein großes Haus von 10 x 13 Metern bauen, was bedeutet, dass er in seinen Träumen eine große Familie sah “, sagt Ailuna Sholbanovna. „ Wir kennen das Mädchen nicht, das er uns offiziell vorgestellt hätte – seine Freunde – vielleicht hatte er keine Zeit … Er war ein prominenter Bräutigam, viele Mädchen mochten ihn.“

Ja, Rodomir Wassiljewitsch hatte keine Zeit, eine Familie zu gründen, aber es gibt immer noch eine Fortsetzung davon. Einmal hörte Ailuna Scholbanowna, dass Rodomir seinen Freunden gegenüber erwähnt hatte, dass er einen heranwachsenden Sohn habe, den er sehr liebte und der ihm half. Leider gibt es keine weiteren Details, die es den Schwestern und Freunden ermöglichen würden, den Jungen und seine Mutter zu finden, daher hoffen sie, dass das Mädchen, die Mutter von Rodomirs Sohn, nach der Lektüre dieses Aufsatzes antwortet. Schließlich ist das Baby eine Erweiterung seines Bruders, und obwohl sie ihn noch nicht gesehen haben, lieben sie ihn bereits von ganzem Herzen und ganzer Seele. Und wir sind sehr froh, dass es ihn gibt.


Rodomir Wassiljewitsch Irgit Rodomir Wassiljewitsch Irgit1
Rodomir Wassiljewitsch Irgit2 Rodomir Wassiljewitsch Irgit3
Rodomir Wassiljewitsch Irgit4 Rodomir Wassiljewitsch Irgit5

 

Michail Viktorowitsch ScharowTelegram -- 24.06.24

Am 21. Juni fand in der Stadt Jurga in der Region Kemerowo eine Abschiedsfeier für den verstorbenen Teilnehmer einer speziellen Militäroperation aus der Altai-Republik, Michail Viktorowitsch Scharow, statt.

Mikhail wurde am 22. September 1990 im Dorf Katanda im Bezirk Ust-Koksinsky geboren. Nach der Schule studierte er an der Gorno-Altai Agrarian College. Von 2009 bis 2011 leistete er Wehrdienst.

Im Jahr 2013 schloss er einen Vertrag mit den Streitkräften der Russischen Föderation ab. Er diente in Jurga, wo er mit seiner Familie lebte.

Von Anfang an an der Sonderoperation beteiligt. Im Jahr 2023 erhielt er den Rang eines Leutnants. Nachdem er den Titel erhalten hatte, verstand er, dass nun diejenigen, für die er verantwortlich war, hinter ihm standen. Die Sicherheit seiner Untergebenen war das Wichtigste, woran der Kommandant immer dachte, deshalb ging er gemeinsam mit ihnen persönlich zu allen Einsätzen. Bei einer dieser Aufgaben zur Evakuierung seiner Kameraden konnte er trotz seiner Verwundung durch Granatsplitter seine Pflicht erfüllen und die Jungs evakuieren.

Während eines Kampfeinsatzes am 9. November 2023 starb er einen Heldentod in der Nähe des Dorfes Vodyanoye, DVR. Für seinen Mut, seine Tapferkeit und sein Engagement bei der Ausübung seines Militärdienstes erhielt Leutnant Scharow staatliche Auszeichnungen – die Schukow-Medaille, die Medaille für die Teilnahme an einer besonderen Militäroperation, die Medaille für militärische Auszeichnung und den Orden des Mutes (posthum).

Er war ein liebevoller Ehemann, Sohn, Vater und Bruder. Er war ein echter Soldat und Offizier.

Seine Familie und Freunde werden ihn immer als einen freundlichen, sympathischen, starken und sehr guten Menschen in Erinnerung behalten.


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Lyssogorskaja

Auf unserer langen Reise durch ganz Russland sind wir heute im großen Dorf Lysogorskaja angekommen. Das Dorf liegt im Süden der Region Stawropol an den nördlichen Ausläufern des Kaukasus. Benannt ist das Dorf nach einem westlich gelegenen Berg mit dem russischen Namen Lyssaja gora, „Kahler Berg“. Das Dorf hat etwa 10.000 Einwohner und ist ganze sieben km lang.

Am 11. Juni 24 wurde auch in diesem Dorf eine Gedenkstätte für die im Krieg gegen die Ukraine gefallenen Soldaten eingeweiht.

Chimki

Chimki -- Foto: Сергей Алексеев -- Lizenz: CC BY 3.0

Chimki (Хи́мки) ist eine russische Stadt in der Oblast Moskau unmittelbar vor der nordwestlichen Stadtgrenze Moskaus. Sie hat etwa 260 Tausend Einwohner und liegt an der Bahnstrecke Sankt Petersburg–Moskau.

Uns liegen einige Fotos von Gräbern von im Krieg gegen die Ukraine gefallenen Soldaten aus Chimki vor. Die Fotos beziehen sich auf eine nicht öffentliche Quelle, deshalb dokumentieren wir sie hier nachstehend.

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