Die russische Teilrepublik Baschkortostan erleidet die höchsten Verluste in absoluten Zahlen aller russischen Regionen. Wir haben bereits über die baschkirisch, also muslimisch geprägte Region um Baimak berichtet und deren vielen Kriegsopfern.

Mit diesem Bericht wollen wir den Bezirk Belorezk vorstellen, dessen Bevölkerung zum überwiegende Teil aus christlich orthodoxen Russen besteht. Die Stadt Belorezk hat etwa 65.000 Einwohner, Tendenz fallend. Der gesamte Bezirk kommt auf etwa 100.000 Einwohner. Wirtschaftlicher Schwerpunkt der Stadt war bisher die Metallverarbeitung, die auf einem absterbenden Ast sitzt. An ihre Stelle soll in Zukunft der Tourismus treten.

Konkreter Anlass sind zwei Anzeigen zum Freiwilligendienst im Krieg gegen die Ukraine, die wir auf der VKontakte Seite des Bezirks gefunden haben, der aktiv für den Kriegsdienst wirbt und fast täglich die Todesopfer wieder begraben darf.

Anfang Dezember 2024 sind wir einer Falschmeldung aufgesessen, die eigentlich zunächst völlig in unser Bild der Geschehnisse in Russland passte. Nämlich dass das russische Militär bevorzugt die ethnischen Minderheiten in dem großen Land an vorderster Linie einsetzt und verheizt.

"Der letzte Kerek" war die Überschrift zu unserer Kurznachricht. Wir hatten damals die VKontakte-Seite der Autorin aufgesucht und eine ganz normale einheimische Frau aus Tschukotka gefunden.

Jetzt hat eine russische Medieninitiative die Geschichte hinter der Geschichte versucht zu recherchieren und dazu ein beeindruckendes Bild über das Leben in der eisigen Region Tschukotka im äußersten Nordosten Russlands geliefert.

Wir geben den Beitrag des russischsprachigen Projekts "Okno" (Fenster) übersetzt wieder:

Wargaschi 1

Schulbeginn im neuen Jahr in der Sekundarschule Nr. 1 in Wargaschi. Wargaschi ist eine Kleinstadt in der westsibirischen Region Kurgan mit etwa 10.000 Einwohnern.

Der Montag,13.01.25, beginnt mit dem Hissen der russischen Flagge und dem Abspielen der Nationalhymne. Für die richtige patriotische Stimmung sorgten Mitglieder der Jugendarmee (Link).

Bor panorama1

Panorama von Bor -- Foto: Алексей Буслаев -- Lizenz: frei

Mit dem chemischen Element "Bor" hat der Name der Stadt Bor nichts zu tun. Im Altslawischen bedeutete der Begriff Nadelwald und weist darauf hin, dass die Gegend um Bor besonders waldreich ist.

Die Stadt Bor hat 77.300 Einwohner, der gesamte Stadtbezirk 118.000 Bewohner. Bor liegt am linken Ufer der Wolga, auf der anderen Seite liegt die Hauptstadt der Oblast Nischni Nowgorod. Die beiden Städte sind durch zwei Brücken verbunden, es gibt aber auch eine Seilbahn und Tragflügelboote zwischen den beiden Städten.

Die Stadtbibliothek von Bor hat eine Liste aller im Krieg gegen die Ukraine getöteten Soldaten aus dem Stadtbezirk veröffentlicht. Insgesamt 78 Namen wurden benannt, wir konnten drei neue Gefallene zu unserer Datenbank hinzufügen.

Der Text und die Bemerkungen zu den einzelnen toten Soldaten geben das Denken der russischen Staatsdiener zu diesem Krieg deutlich wieder. Wir dokumentieren deshalb die Liste mit den Beschreibungen zu den getöteten Soldaten ungekürzt und nur sehr grob übersetzt.

Wenn man unser Schaubild zu den aktuellen russischen Kriegstoten etwas extrapoliert, dann kann jedermann erkennen, dass bis zu Beginn des vierten russischen Kriegsjahres, die von uns erfassten Kriegstoten die 100.000 Marke überschreiten werden.

Das wird auch dann passieren, wenn bis dahin die Waffen schweigen würden. Noch immer liegen viel zu viele getötete Soldaten zwischen den Fronten.

Um die russischen Opferzahlen plakativer darzustellen, wollen wir sie in diesem Beitrag in Relation zu zwei deutschen Großstädten stellen. Die Stadt Frankfurt ist die fünftgrößte Stadt in Deutschland, die Hansestadt Hamburg belegt nach Berlin den zweiten Platz.

Die Bevölkerung Russlands stagniert seit vielen Jahren und liegt bei etwa 146 Millionen Menschen. Das sind sieben Millionen weniger, als die Bevölkerung von Frankreich und Deutschland zusammengerechnet.

31 12 2024 russischeKriegstoteDie genaue Auswertung unserer Zahlen zum Ende des Jahres 2024 wird noch etwa sieben bis zehn Tage dauern. Noch überprüfen wir die vorliegenden Links, recherchieren Alter und Regionen von etwa 1.500 offenen Fällen.

An der absoluten Zahl der ermittelten Todesfälle russischer Soldaten wird sich nach unseren Erfahrungen wenig ändern. Wir können deshalb einige Informationen bereits jetzt veröffentlichen.

Das Schaubild links zeigt die Entwicklung der russischen Kriegstoten seit dem 31.12.2022. Die Kurve entwickelt sich ständig steiler, die Anzahl der täglich getöteten russischen Soldaten wächst andauernd.

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