DurchbruchAm 9. Dezember 2024 wurde in Russland landesweit der "Tag der Helden des Vaterlandes" durchgeführt. Wir befinden uns an diesem Tag im Südwesten Sibriens in der Oblast Kurgan - Luftlinie etwa 1.800 km von Moskau entfernt. Auch diese Region ist durch Abwanderung gekennzeichnet, in den Jahren um 1990 lebten noch 1,1 Millionen Menschen in der Oblast, heute nur noch 750.000.

Das Dorf Prorywnoe liegt nahe der Grenze zu Kasachstan, etwa 1.000 Menschen leben im Dorf und die örtliche Schule begeht mit all ihren Klassen am 9.12. beispielhaft den "Heldentag".

Auf der Webseite der Schule wird dokumentiert, welches Geschichtsbewusstsein den Schülern an diesem Tag vermittelt wurde und wie Russlands Krieg gegen die Ukraine als Verteidigung zu betrachten ist. Zudem hat das Dorf inzwischen drei Kriegstote zu beklagen.

Der übersetzte Text zu dem obigen Foto:

FreiwilligeJeder Mann, der im Rekrutierungsbüro gerade stehen kann, hat gute Chancen in die Reihen der Freiwilligen für den Kriegsdienst in der Ukraine aufgenommen zu werden - beinahe egal, wie alt der Bewerber ist. Der russischen Armee mangelt es an Personal, um die mindestens 30.000 Soldaten zu ersetzen, die das Militär in den verlustreichen Kämpfen im Donbass und in der Region Kursk jeden Monat verschleißt.

Wir wollen mit zwei kurzen Videos aus Russland die Ausbildung jener Freiwilligen zeigen, die eigentlich als Soldaten völlig ungeeignet erscheinen. Es sind verbrauchte Männer, durch harte Arbeit und/oder durch Alkoholmißbrauch früh gealtert, die auf ihre alten Tage noch einmal richtig viel Geld verdienen wollen.

All diese "Soldaten" werden an der Front nicht lange überleben. Es sind die, die bei den Angriffen ganz nach vorne geschickt werden, um vielleicht wieder eine Stellung zu erobern. Für das russische Militär sind das entbehrliche Soldaten, deren schnellen Tod man in Kauf nimmt.

Sergei SobjaninWenn es um Abschätzungen und Prognosen zum russischen Krieg gegen die Ukraine geht, bewegen wir uns -vorsichtig- auf dünnem Eis. Besonders im ersten Jahr des Krieges wurden wir mit unseren Zahlen zu den russischen Kriegstoten nicht ernst genommen. Viel zu niedrig war die häufigste Kritik.

Das hat sich inzwischen geändert, durch die hohen russischen Opferzahlen bedarf es keiner propagandistischen Überhöhung der russischen Verluste und auch die Erhebungen von BBC/Mediazone haben sich in weiten Teilen unseren Zahlen angenähert.

Über die verletzten russischen Soldaten haben wir überhaupt keine Daten. Wir multiplizieren einfach die Kriegstoten mit dem Faktor 3,5, entsprechend den Beobachtungen des US Center for Naval Analysis, dass auf jeden getöteten russischen Soldaten, im Durchschnitt etwa dreieinhalb Verwundete kommen. In unserer letzten Berechnung haben wir auf dieser Grundlage 510.000 Verletzte angegeben.

Der Bürgermeister der Stadt Moskau, Sergei Semjonowitsch Sobjanin (Foto), hat anlässlich der Einweihung eines Behandlungszentrums für Kriegsversehrte eine Rede gehalten und die Zahl von 600.000 Kriegsverletzten genannt.

Seine Rede mit einer Übersetzung ins Deutsche:

Ruza Strasse der Partisanen

 Rusa - Straße der Partisanen -- Foto:  NVO -- Lizenz: CC BY-SA 3.0

 Die Stadt Rusa liegt etwa 110 km westlich von Moskau in der Oblast Moskau. Rusa hat knapp 15.000 Bewohner und ist ob seiner malerischen Umgebung ein beliebtes Ausflugs- und Erholungsziel der Menschen aus den nahen Großstädten. Die Stadt ist über zwei Buslinien mit Moskau verbunden.

Rusa ist gleichzeitig auch das Verwaltungszentrum des Bezirks Rusa. Der kommt auf etwa 80.000 Bewohner, die größte Stadt des Bezirks ist Tutschkowo mit 23.000 Einwohnern und dem Zugbahnhof des Bezirks.

Im russischen sozialen Netzwerk VKontakte wurde Ende November ein Beitrag veröffentlicht, der die Opferzahlen des Bezirks im Krieg gegen die Ukraine zusammenstellte. Danach befänden sich 450 Soldaten aus dem Bezirk im Kriegsgebiet, 61 Soldaten sind inzwischen dort gefallen. Wir konnten auf Grund des Berichts 27 neue Namen in unsere Datenbank aufnehmen.

Der übersetzte Beitrag vom 29.11.2024:

Kindergarten Nr. 8 1

Es ist der 9. Dezember 2024 und wir befinden uns in den südlicheren Regionen Russlands. Der Kindergarten Nr. 8 „Aljonuschka“ aus dem Dorf Wolotschajewski in der Region Rostow am Don feiert den Tag der "Helden des Vaterlandes" und gedenkt der Toten im Krieg gegen die Ukraine.

Viktor Baturin Wir hatten gestern über den jungen Wehrdienstleistenden Nikita Konstantinowitsch Molotschkowski berichtet, der auf Grund einer gefälschten Unterschrift unter einen Militärvertrag an die Front geschickt und dort im August getötet wurde. Seine Klage gegen das russische Militär wurde  Anfang Dezember abgewiesen, einen Tag danach erhielt seine Familie ein Gutachten eines forensischen Instituts, das die Fälschung bestätigte.

Aus dem selben Ort, der Stadt Ocha auf der Insel Sachalin, kam ein zweiter Wehrdienstleistender mit dem selben Schicksal. Viktor Baturin wurde bei Angriffen am Bein und am Arm verletzt und wäre zumindest am Leben - haben wir geschrieben. Aber das System der Unmenschlichkeit im russischen Militär hat sich erneut gezeigt - auch Viktor Baturin ist jetzt tot. Verletzt und wahrscheinlich unbewaffnet musste er an einem neuen Angriff teilnehmen.

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