Eine Einschätzung von OskarMaria

19.03Der russische Krieg gegen die Ukraine hat inzwischen sicher über 170.000 russischen Soldaten (siehe Tabelle am Ende des Beitrages)  das Leben gekostet, mindestens 600.000 wurden mehr oder weniger bleibend verletzt.

In der ersten Angriffswelle zu Beginn des Krieges im Jahr 2022 waren die Toten überwiegend Berufs- und Zeitsoldaten der russischen Armee, im Herbst 2022 gab es eine Teilmobilisierung in der Bevölkerung – von nun an starben auch normale Bürger, also Ehemänner, Arbeiter und Angestellte.

Doch um wirkliche Erfolge im Krieg vorweisen zu können, reichte die Kampfkraft dieser Soldaten nicht aus. Die Gruppe Wagner zeigte wie es gehen konnte.

Falls ihr Ladoschskaja nicht kennt, das ist eine Staniza in der Region Krasnodar am Ufer des Flusses Kuban. Eine Staniza ist ein Kosakendorf, die Staniza Ladoschskaja hat immerhin etwa 14.000 Einwohner.

Die Gegend um Ladoschskaja ist landwirtschaftlich geprägt. Die russische Wikipedia listet die sonstigen Betriebe wie folgt auf:  Eine Pelzfarm züchtet Nerze, eine Brennerei (geschlossen), eine Kalibrieranlage, ein Aufzug, ein Pflanzenzuchtbetrieb, zahlreiche Sammelstellen für Eisenschrott, 2 Ziegeleien, eine staatliche technische Inspektionsstation und eine Brüterei.

Der Ort hat vier Kindergärten und drei Sekundarschulen, den Kindergarten Nr. 7 wollen wir heute besuchen.

Der Kindergarten Nr. 7 veranstaltet neben den üblichen Kinderaktivitäten überraschend viele militärisch patriotische Spiele und setzt sie auf ihrer VKontakte-Seite richtig ins Bild.

Da weben Kinder Tarnnetze (Video links, inzwischen von der VKontakte-Seite gelöscht), andere spielen Grenzschützer gegen Speznas (russische Sondereinheiten des militärischen Geheimdienstes). Kindergartenkinder posieren mit den Fotos gefallener Soldaten aus dem Ukrainekrieg oder spielen mit aktiven Soldaten zusammen Wettbewerbe und Staffelläufe. All das geschieht, damit die Kinder stolz auf ihr Land Russland und seine Armee werden sollen.

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Balettaufführung zum Jahr des "Verteidigers des Vaterlandes" des Polydisziplinären Kollegs in Jeisk

Im Monat Februar 2025 waren 10 Prozent aller von uns erfassten russischen Kriegstoten nach dem 1. Januar 2000 geboren. Wir halten genau diesen Stichtag für relevant, weil alle diese jungen Menschen unter der Präsidentschaft von Wladimir Putin geboren wurden. Die Gründe, warum so viele junge Männer in den Krieg ziehen sind vielfältig - manche werden übertölpelt, andere sind in der Ausbildung gescheitert, viele lockt das viele Geld, einige entziehen sich einem Urteil und Haft und generell wurden die meisten der jungen Männer in ihrer gesamten Entwicklung zu einem militärischen Patriotismus erzogen.

Schule und Studium sind mit dem Soldatentum fest verwoben. Die jungen Leute erreichen ihre Ziele schneller, wenn sie bei den vielfältigen Angeboten der Jugendarmee (Junarmija) innerhalb der Ausbildungseinrichtung mitmachen und deren gängige Narrative übernehmen: Russland ist ein bedrohtes Land, es verteidigt seine Kultur in der Ukraine, die dort gefallenen Soldaten sind Helden und leben ewig weiter...

Am Beispiel des Polydisziplinären Kollegs in Jeisk wollen wir dieses Ineinander von Ausbildung und Militarismus aufzeigen. Am 27. Februar 2025 fand auf dem Gelände und in der Aula des Kollegs eine Gedenkveranstaltung für die im Krieg gegen die Ukraine gefallenen Absolventen statt. Siehe auch Video am Ende des Beitrags

Abschied

Wie die Suche nach Kriegstoten zu einer Einnahmequelle für ihre Frauen wird

Das ukrainische Projekt „Ich will jemanden finden“, das bei der Suche nach vermissten Russen hilft, hat nach eigenen Angaben in den drei Jahren des Krieges mehr als 60 Tausend Suchanfragen erhalten. Im Januar 2025 erhielt das Projekt mehr als 8.000 Anträge, was einen Rekord für den Krieg darstellt.

Die genaue Zahl der im Krieg mit der Ukraine vermissten russischen Soldaten lässt sich noch nicht ermitteln. Anna Ziwilewa, Putins Nichte und Leiterin der Stiftung „Verteidiger des Vaterlandes“, schätzt die Zahl auf 45.000, während die ukrainische Seite vermuet, dass etwa 60.000 Russen an der Front verschollen sein könnten. So oder so suchen russische Ehefrauen weiterhin nach ihren Männern, und einige nutzen das Kriegsthema, um ihre Social-Media-Konten zu promoten und damit Geld zu verdienen.

Projekt „Ich will jemanden finden“

Suchanfragen

Der staatliche ukrainische Telegramkanal befasst sich mit der Suche nach vermissten Soldaten der russischen Armee. Etwa 60.000 Suchanfragen sollen inzwischen dort eingegangen sein, im Januar 2025 waren es danach 8.548 Suchanfragen, die bisher höchste Zahl.

Um die Suche nach einem vermissten russischen Soldaten einzuleiten, können russische Angehörige eine Anfrage an den Telegram-Bot "@hochunaiti_bot" stellen. Die Zahl der Vermissten lässt sich anhand indirekter Daten abschätzen. 

Im Dezember 2024 sagte die stellvertretende Verteidigungsministerin und Nichte Putins, Anna Zivilewa, bei einem Treffen in der Staatsduma , dass seit Beginn des Krieges bei Angehörigen von Militärangehörigen 48.000 DNA-Tests zur Identifizierung der sterblichen Überreste durchgeführt worden seien.

Nachfolgend die Angaben des ukrainische Telegramkanals:

Der Krieg Russlands gegen die Ukraine geht in das vierte Jahr und alle Medien haben darüber berichtet. Da wollen wir keinen weiteren Besinnungsaufsatz hinzufügen. Aber ein paar unserer Gedanken und Gefühle wollen wir einwerfen. Die Gefühle zuerst.

Die Durchsicht all der Meldungen zum Tod der russischen Soldaten hat uns häufig innerlich zum Kochen gebracht. All diese Lügen über die angeblichen Kriegsgründe Russlands, all die Verklärung der toten Soldaten zu Helden und all das Ignorieren des Offensichtlichen in einer Dauerschleife ohne Ende sind schwer zu ertragen.

Gerne hätte wir in den Kommentaren zu den Meldungen diese zurechtgebogen. Aber das hätte nur den Ausschluss unserer Accounts in den russischen Sozialen Medien zur Folge gehabt und damit unsere Arbeit erschwert.

Nun kommt aus den USA die selbe verlogene Rhetorik wie aus Russland. Die Ukraine ist schuld am Krieg, Zelensky ist ein Diktator und Russland hat sich seine Eroberungen mit dem Blut seiner Soldaten redlich verdient. Dazu will Präsident das Dreifache der amerikanischen Militärlieferungen zurückgezahlt bekommen, ausgezahlt in Seltenen Erden.

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