Marcel Mudarisowitsch Minullin

Fast ausschließlich Baschkiren wohnen im kleinen Dorf Werchnie Bischindy in Baschkortostan. Am 21.09.26 fand im Dorf das Begräbnis des Leutnants Marcel Mudarisowitsch Minullin statt, der im Krieg gegen die Ukraine getötet wurde.

Ob der vielen Gefallenen in Baschkortostan wurden solche Begräbnisse zur Routine und man gibt sich nur noch wenig Mühe, den Veranstaltungen zu etwas Würde zu verhelfen. Normalerweise erhalten Offiziere der russischen Armee eine prunkvolle Beisetzung mit Soldaten im Stechschritt und einem Trauermarsch einer Militärkapelle.

Die Ehrengarde tritt in ausgebeulten unterschiedlichen Uniformen an, die Uniformträger haben das Rentenalter locker erreicht und könnten Veteranen des Afghanistankrieges der Sowjetunion sein. Es wird wohl auch keine Ehrensalve und kein Marschlied einer Militärkapelle geben. 

Tanz im Hühnerhaus

Birobidschan ist die Hauptstadt des „Jüdischen Autonomen Gebiets“ im Fernen Osten Russlands. Direkt an dessen Stadtgrenze liegt das Dorf Ptichnik, was so viel wie Hühnerstall heißt. Im Dorfzentrum bekamen die Angehörigen von im Krieg gegen die Ukraine gefallenen Soldaten Orden überreicht. Dazu gab es obige Tanzaufführung der Dorfjugend, die wohl den Tod eines Soldaten darstellen soll. 

Als Zeichen des Tributs und der Dankbarkeit gegenüber unseren Soldaten und als Zeichen tiefen Respekts vor den Eltern der Verteidiger des Vaterlandes erhoben sich alle Anwesenden während der Zeremonie und riefen: „Ewiger Ruhm den Helden! Eine tiefe Verbeugung vor ihren Müttern und Vätern!“

Janranai

Das Foto zeigt das Dorf Janranai im Autonomen Kreis der Tschuktschen - ganz im nordöstlichen Teil Russlands. Das Dorf war mal das nördlichste Dorf in Tschukotka, es lag am östlichen Eingang zur  Tschaunbucht, bis es 2015 von staatlicher Seite aufgelöst wurde. Dabei war das Dorf noch jung, es wurde erst 1960 gegründet, als eine noch weiter nördliche Siedlung aufgegeben und mehrere Staatsfarmen zusammengelegt wurden. Die Haupterwerbszweige der Einheimischen waren Rentierzucht und Fischerei.

Seit dem zweiten Jahr des russischen Angriffskrieges auf die Ukraine haben wir die Meinung vertreten, dass dieser Krieg nicht ausschließlich militärisch entschieden wird.  Eine entscheidende Rolle spielt, wie sich die wirtschaftliche Situation der Kriegsparteien entwickelt. Die Ukraine hängt am Tropf der europäischen Staaten, solange diese Unterstützung bleibt, kann das Land knapp wirtschaftlich überleben. 

Russland hat sich seit langer Zeit ökonomisch auf diesen Krieg vorbereitet. Durch die sprudelnden Einnahmen aus dem Export von fossilen Brennstoffen konnte das Land Rücklagen bilden - Russland hat eine geringe Staatsverschuldung, im „Nationalen Wohlfahrtsfond“ wurden Erträge aus dem Rohstoffexport angespart und die staatlichen Devisen- und Goldreserven aufgestockt. Zu Beginn des Krieges haben zudem die stark steigenden Rüstungsausgaben zu einem Wirtschaftsboom geführt, verbunden mit steigenden Einkommen der Arbeiter und Angestellten.

Manche Ökonomen hatten den baldigen Kollaps der der russischen Wirtschaft ob der hohen Ausgaben vorhergesagt,  doch die die russische Wirtschaft blieb bisher einigermaßen resilient. 

Wir veröffentlichen zur aktuellen Situation einen Beitrag von Dr. Janis Kluge von der Stiftung Wissenschaft und Politik, der sich wissenschaftlich mit der russischen Kriegsökonomie beschäftigt und über dessen Ergebnisse wir schon mehrfach berichtet haben.

Timur Renatowitsch Lekarew

Wir befinden uns in der Stadt Gukowo in der Oblast Rostow am Don im Süden Russlands. Die Stadt hat noch 58.000 Bewohner und liegt nahe der Grenze zur Ukraine. Früher gab es dort acht Zechen in denen Steinkohle abgebaut wurde, inzwischen wurden alle geschlossen und hinterließen beträchtliche Schulden.

Der Bürgermeister der Stadt und der Militärkommissar verteilten am 12. August Orden an die Familien von drei im Krieg gegen die Ukraine gefallenen Soldaten. Danach wurde ein Foto mit den Hinterblieben aufgenommen. Leider gab der Bürgermeister nicht an, welches Foto zu welchem getöteten Soldaten gehört. Folgt man der Reihenfolge der Namen und der Fotos, dann müsste die obige Aufnahme die Angehörigen von Timur Renatowitsch Lekarew zeigen. Daraus ergibt sich dann folgende Geschichte:

Werbung DrohnenpilotDas russische Militär sucht verstärkt intelligente, technikaffine junge Leute für ihre Drohneneinheiten an der Front in der Ukraine. Versprochen wird ein Vertrag für ein Jahr, eine gründliche Ausbildung und danach Zugang zu staatlich finanzierten Ausbildungs- und Studienprogrammen (siehe Werbeanzeige links, deutsche Übersetzung).

Die Risiken dieses Militäreinsatzes werden nicht erwähnt oder heruntergespielt. Dabei sind Drohneneinheiten ein bevorzugtes Ziel der ukrainischen Abwehr, wie ein aktuelles Beispiel zeigt:

Timur, ein junger Mann aus der russischen Teilrepublik Altai, wurde nach seiner Ausbildung am Gnezdilow-Polytechnikum zum Wehrdienst eingezogen und dort als Drohnenpilot verpflichtet. Wir dokumentieren den übersetzten VKontakte-Bericht und einige ausführliche Leserkommentare dazu. Einen weiteren entsprechenden Fall findet ihr hier.

In diesem Beitrag fassen wir alle uns bekannten Zahlungen an die Freiwilligen zusammen, die mit dem russischen Militär einen Vertrag zum Dienst in der Kriegszone in der Ukraine abschließen. Viel hat sich in den letzten Monaten nicht geändert. Die Antrittsprämien für den Vertragsdienst bleiben auf hohem Niveau und überfordern manche Haushalte der Regionen. Es gibt Meldungen, dass das russische Militär nicht mehr genügend Freiwillige gewinnen kann, um die Verluste an der Front zu ersetzen. Belastbare Zahlen gibt es allerdings nicht.

All die vielen Rubel, die der russische Staat an die Freiwilligen ausschüttet, zerrinnen den Soldaten an der Front zwischen den Fingern. Da gilt es zunächst teure Ausrüstung wie Schutzwesten und Brillen, Helme und Schuhwerk zu besorgen, denn die Armee stellt nur das Notwendigste. Und dann gibt es noch ein mafiöses System an der Front, das die neu angekommenen Soldaten regelrecht finanziell aussaugt.

In diesem Beitrag fassen wir alle uns bekannten Zahlungen an die Freiwilligen zusammen, die mit dem russischen Militär einen Vertrag zum Dienst in der Kriegszone in der Ukraine abschließen. Seit unserer letzten Veröffentlichung Ende Juli haben einige Regionen ihre Antrittsprämien angepasst. Wenn eine Region Probleme hatte, ihre von Moskau vorgegeben Quoten zu erreichen, wurden die Zahlungen erhöht. Im Fall dass eine Region ausreichend Zeitsoldaten stellen kann, wurden die Zahlungen reduziert. Im Juli zahlten die Regionen im Durchschnitt 2.167.000 Rubel als Prämie, Anfang September 2026 erhöhte sich der Durchschnittsbetrag auf 2.339.000 Rubel.

Es gibt Meldungen, dass das russische Militär nicht mehr genügend Freiwillige gewinnen kann, um die Verluste an der Front zu ersetzen. Belastbare Zahlen gibt es allerdings nicht.

All die vielen Rubel, die der russische Staat an die Freiwilligen ausschüttet, zerrinnen den Soldaten an der Front zwischen den Fingern. Da gilt es zunächst teure Ausrüstung wie Schutzwesten und Brillen, Helme und Schuhwerk zu besorgen, denn die Armee stellt nur das Notwendigste. Und dann gibt es noch ein mafiöses System an der Front, das die neu angekommenen Soldaten regelrecht finanziell aussaugt.

Viktor MayerIm Zusammenhang mit unseren Beiträgen über die Russlanddeutschen, die im Krieg gegen die Ukraine gefallen sind, wollen wir noch einen Bericht über den Russlanddeutschen Viktor Mayer nachschieben. 

Viktors Großeltern wurden während der Stalinära nach Kasachstan zwangsumgesiedelt. Viktor wurde in Kasachstan am 03.04.1977 geboren. Als er sieben Jahre alt war, zog die große Familie in das Dorf Nowotsimljanskaja in der Region Rostow am Don. Dort wurde der Strom Don zu einem riesigen See aufgestaut, dessen Fläche 2.700 km² umfasst. 

Nikita Sergejewitsch MalyschewDas ist die kurze Geschichte von Nikita Sergejewitsch Malyschew aus dem kleinen Dorf Poperetschnoje mit knapp 400 Bewohnern in Burjatien. Aus diesem Dorf sind mit Nikita bereits sechs Männer im Krieg in der Ukraine gefallen. Wir haben das Dorf zusammen mit allen übersetzten Nachrufen an anderer Stelle veröffentlicht.

Nikita ist der bisher jüngste russische Soldat, der im Krieg in der Ukraine gefallen ist.

Als Nikita am 07. April 2008 geboren wurde, da lief gerade die zweite Amtszeit von Präsident Wladimir Putin ab und er konnte nach der Verfassung nicht mehr kandidieren. Am 7. Mai 2008 übergab er für einen Wahlperiode an seinen Platzhalter Dimitri Medwedew.

Als Nikita sechs Jahre alt war, startete der erste Krieg Russlands - getarnt als Separatistenaufstand - im ukrainischen Donbass. Und als Nikita noch 13 Jahre alt war, griff die russische Armee im Februar 2022 die ganze Ukraine an.

Grigori Andrejewitsch DjatschkowDer erste Skandal um das kurze Leben von Grigorij Andrejewitsch Djatschkow begann im August 2025. Gregorij lebte in der sibirischen Großstadt Tjumen und war am 21. Juli 2025 volljährig geworden. Bereits einen Monat danach , am 22. August, unterzeichnete er einen Vertrag mit dem russischen Militär. Seine Mutter Angela hatte ihn nicht aufgehalten. 

Der zweite Skandal folgte zugleich. Ohne militärische Vorkenntnisse und kaum an der Front angekommen, wurde Grigorij sofort als Fahrer-Mechaniker in einem Angriffszug eingesetzt. Seine gewissenlosen Kommandanten schickten den jungen Kerl vom 16. auf den 17. September auf seinen ersten Kampfeinsatz, von dem er nicht zurückkehrte. Seit dem 23. September galt er als vermisst.

Und weil das nicht alles schlimm genug ist, gab es dann auch noch kafkaeske Umstände rund um die Beisetzung von Grigorij, die zeigen, wie die militärische Bürokratie noch in der sowjetischen Vergangenheit feststeckt.

Halbstadt Altai Krai 1

 Dorf Halbstadt im Deutschen Nationalbezirk in der Region Altai -- Foto: vlakon1986 -- Lizenz: CC BY-SA 3.0

Wir befinden uns im Westen der Region Altai nahe der Grenze zu Kasachstan. Die Gegend ist landwirtschaftlich geprägt und liegt am Rande der Kulundasteppe. Zentrum des Gebiets ist die Stadt Slawgorod mit rund 27.000 Bewohnern - Tendenz stark fallend. Das Gebiet um Slawgorod ist das verbliebene Hauptsiedlungsgebiet der Russlanddeutschen. Deren Zentrum ist der Deutsche Nationalbezirk, der an den Bezirk Slawgorod angrenzt.

Zur Zeiten der Perestroika gab es im deutschen Nationalbezirk noch etwa 18.400 Russlanddeutsche, im Jahr 2010 sind davon gerade noch 4.700 geblieben.

Auf Grund der bescheidenen Lebenssituation melden sich auch viele Bewohner dieser Region freiwillig zum Krieg gegen die Ukraine und werden getötet.

Iwan Jurjewitsch Köberlein

Iwan Jurjewitsch Köberlein

Wer aus Oberschwaben in Baden-Württemberg kommt, hat sicher mal was von der Rockband „Schwoißfuß“ gehört, der Gründer hört auf den Nachnamen Köberlein. Dieser Nachname kommt aus dieser Region.
Der Tod von Iwan Jurjewitsch Köberlein wurde nur durch eine Liste des ukrainischen Projekts „Ich will leben“ bekannt. Iwan wurde am 23.12.1992 geboren, stammte aus der westsibirischen Großstadt Omsk und wurde am 2. Januar 2024 in der Ukraine getötet.
Iwan saß wegen mehrfachen Diebstahls in Haft und stand danach unter staatlicher Aufsicht: Obligatorisches Erscheinen bei der Behörde für innere Angelegenheiten am Wohnort, Aufenthaltsort oder tatsächlichen Aufenthaltsort 2 (zwei) Mal pro Monat zur Meldung, Verbot, die Stadt Omsk zu verlassen, Verbot, sich nachts zwischen 22:00 und 06:00 Uhr außerhalb der Wohnräume aufzuhalten.
Beziehungen nach Deutschland haben wir bei Iwan nicht gefunden,

Maxim Wladimirowitsch Schneidmüller

Maxim Schneidmüller

Der Tod von Maxim wurde durch eine Liste aus der Stadt Slawgorod in der Region Altai bekannt. 60 Kriegstote aus der Stadt mit gerade mal 27.000 Einwohnern wurden aufgezählt - darunter auch viele deutsche Nachnamen.
Maxim Schneidmüller wurde am 29.01.2003 geboren und am 06.09.25 in der Ukraine getötet. Anfang Oktober 2025 suchte seine Ehefrau öffentlich nach ihm. Warum er in den Krieg zog, war nicht zu erfahren.
Das Foto mit der Maschinenpistole stammt aus seinem persönlichen VKontakte-Account, er war damals 16 Jahre alt.
Ein russlanddeutscher Hintergrund ist sehr sicher, in Slawgorod lebt eine bedeutende deutsche Minderheit - siehe auch unseren kommenden Beitrag über die Region um die Stadt.

Witali Alexandrowitsch Günter 

Witali Günter

Witali Alexandrowitsch Günter (14.10.1978 - 14.12.2025) stammte aus dem Dorf Borowicha mit über 6.000 Bewohnern in der Region Altai. Das Dorf ist durch den Bau der Westsibirischen Eisenbahn entstanden. Und Witali  nennt als Arbeitgeber auch die Russische Eisenbahn.

Witali scheint zuletzt in St. Petersburg gelebt zu haben, das gibt er zumindest auf seinem VKontakte-Status an.

Sein Motto: Wie schmerzhaft es ist, sich in Menschen zu irren. Das Schicksal selbst lehrt uns eine Lektion… Wenn du ihnen deine Seele auf dem Silbertablett anbietest… bespucken sie sie…

Sein letzter Eintrag in seinem Status stammt aus dem April 2025, danach zog er in den Krieg.

Warum Witali sich freiwillig meldete, konnten wir nicht erfahren. Es gibt schwache Hinweise, auf einen russlanddeutschen Hintergrund.

Im Zeitraum zwischen Januar und April 2025 haben wir 258 Namen unter den russischen Kriegstoten entdeckt, die deutschen Ursprungs sein können - aber nicht sein müssen. Insgesamt dürften es inzwischen mehr als 1.800 russische Kriegstote geben, deren Namen auf eine russlanddeutsche Abstammung schließen lassen. Um uns nicht zu wiederholen, verweisen wir auf unseren entsprechenden Beitrag vom Mai 2025. 

In der folgenden Liste sind die Namen nach Regionen und Erfassungsdatum sortiert.

Alkatwaam

Dorf Alkatwaam in Tschukotka

Das Dorf Alkatwaam in Tschukotka kann man nicht über eine Straße erreichen. Es gibt eine etwa 20 km lange Schotterpiste zum nächsten Ort und an die Küste des Beringmeers, wo sich ein Hafen und ein kleiner Flugplatz befindet.  Das Dorf besitzt eine Schule, einen Kindergarten, eine Bibliothek, ein Gemeindezentrum, eine Krankenstation, ein Postamt, einen Laden und eine Bäckerei. Die Bewohner leben von der Rentierzucht und dem Fischfang.

Aber auch dieses Dorf hat die Schwindsucht, 2010 lebten dort noch 299 Menschen, im Jahr 2023 zählte man nur noch 166. Bisher haben wir  sechs Männer erfasst, die im fernen Krieg in der Ukraine getötet wurden:

Alischer und Artem

Der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine dauert jetzt über vier Jahre und es war nur eine Frage der Zeit, bis wir einen neuen Geburtsjahrgang unter den russischen Kriegstoten antreffen würden. Heute können wir euch die ersten russischen Kriegstoten vorstellen, die im Jahr 2008 geboren wurden. Zu Beginn des Krieges waren die beiden Jungs gerade mal 14 Jahre alt und beide hatten es nach ihrem 18. Geburtstag offensichtlich eilig, sich freiwillig zum Kriegsdienst in der Ukraine zu melden.

Alischer Alexejewitsch Swirin (Foto links) wurde am 21. Februar 2008 geboren und kam aus dem Bezirk Pawlowsk-Possad in der Oblast Moskau.  Artem Nikolajewitsch Derewzow (Foto rechts) wurde am 25.02.2008 in der Stadt Borsja in Transbaikalien geboren und am 5. Mai 2026 getötet. Alischer und Artem - beide waren gerade mal 70 Tage lang 18 Jahre alt.

31 05 26Nach unserer bewährten Hochrechnung dürften die russischen Verluste inzwischen bei 356.000 Kriegstoten und zusammen mit den Kriegsversehrten bei 1,3 Millionen russischen Kriegsopfern liegen. Der britische Geheimdienst schätzt noch weit höhere Zahlen - er geht von 500.000 russischen Kriegstoten aus.

Kein Grund für den russischen Präsidenten in ernsthafte Friedensverhandlungen einzusteigen. Er bleibt bei seinen Maximalforderungen, die im Resultat die totale Unterwerfung der Ukraine unter das russische Diktat bedeuten würden und keine Garantie bieten, dass Russland erneut militärisch gegen die geschwächte Ukraine vorgehen würde.

Wir fragen uns täglich: Was ist das für eine russische Regierung, die jeden Monat zwischen 30.000 und 35.000 russische Männer durch Verletzung und Tod opfert, um wieder ein paar Quadratkilometer verwüstetes ukrainisches Land zu erobern?

Ayon Beisetzung

Beisetzung von Petr Wukwugwe (32 Jahre) und Konstantin Rochgyn (18 Jahre) am 21.04.26 auf der Insel Aion

Aion so heißt eine Insel  mit etwa 2.000 km² Fläche westlich der Tschaunbucht in der Ostsibirischen See ganz im Nordosten Sibiriens. Aion heißt auch das einzig bewohnte Dorf auf der Insel, dessen Bewohnerzahl stetig schrumpft - ob der kargen und kalten Lebensumstände und ob des Krieges gegen die Ukraine.

Alexei UminskyAlle großen Glaubensgemeinschaften in Russland unterstützen den russischen Angriffskrieg. Der russisch-orthodoxe Patriarch Kirill hat kürzlich eine Ikone an die russischen Streitkräfte übergeben, „mit dem Wunsch nach Gottes Hilfe und Kraft bei der Erreichung der für das Vaterland notwendigen Ergebnisse, die heute erzielt werden, auch auf dem Schlachtfeld.“ Aber auch die geistlichen Führer der russischen Muslime und der Buddhisten stehen hinter dem Kriegsabenteuer von Wladimir Putin. Einzige Ausnahme ist der in den USA geborene kalmückische Lama Telo Tulku Rinpoche, der sich schnell in die Mongolei absetzten musste.

Doch nicht alle orthodoxen Priester sind mit dem Kriegskurs ihrer Kirche einverstanden. Wer keine Gebete zur Unterstützung der russischen Armee spricht, wird aus seinem kirchlichen Amt schnell entfernt. Knapp 50 russisch-orthodoxe Prister wurden bereits deshalb entlassen. Bekanntestes Gesicht ist Alexej Anatoljewitsch Uminski (Foto links), der bis Januar 2024 Erzpriester des Moskauer Patriarchats und Rektor der Dreifaltigkeitskirche in Chochly bei Moskau war. 

Ernest Nikolajewitsch Saltykow

„Ein gesegnetes Andenken dem Helden! Meine Seele ist voller Trauer... Wie viele Kinder werden nie wieder nach Hause zurückkehren? Wie viele Mütter werden ihre Söhne nie wiedersehen? Wann wird das endlich ein Ende haben?!“, schreibt Nadeschda S. zum Tod von Ernest Nikolajewitsch Saltykow, 23 Jahre aus dem Dorf Jar-Sale

Getreidespeicher Bezirk Mamontow

Getreidespeicher im Bezirk Mamontowski -- Foto: pav1898  -- Lizenz: CC BY 3.0

Mit dem Bezirk Mamontowski führen wir unsere Reihe der ländlichen oder abgelegenen Bezirke in Russland fort, die beinahe vollständige Listen über die im Krieg gegen die Ukraine gefallenen Soldaten führen. In dieser Reihe haben wir den Bezirk  Krasnotschikoisky in Transbaikalien, die Stadt Arsenjew in der Oblast Primorje und den Bezirk Toptschicha in der Region Altai vorgestellt.

Der Bezirk Mamontowski liegt im Zentrum der Region Altai. Im Jahr 2025 wurden 17.263 Bewohner gezählt. Der Bezirk ist landwirtschaftlich geprägt mit einem Schwerpunkt im Getreideanbau. Die folgende Liste enthält  97 Kriegstote, umgerechnet bedeutet das 562 Tote auf 100.000 Bewohner. Ein sehr hoher Wert, die gesamte Region Altai kommt nach unserer Statistik vom März 2026 auf einen Wert von 148 Tote auf 100.000 Menschen.

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