Staraja Kulatka

Staraja Kulatka ist ein Dorf städtischen Typs im Süden der Oblast Uljanowsk, seine Bewohner sind überwiegend Tataren. Um die Jahrtausendwende lebten noch 6.000 Menschen im Dorf, heute sind es nur noch 4.000.

Am 17. Juni 25 wurde im Dorf  Ildar Rawilewitsch Achtjamow bestattet, der im Krieg gegen die Ukraine getötet wurde. Ildar war ein Sturm-V Soldat, die peinliche Tatsache wurde im Nachruf verschwiegen. Im Juli 2023 war er zu fünfeinhalb Jahren Haft verurteilt worden. Beim Kauf von gebrauchten Autoteilen hatte er Streit mit dem Verkäufer und verprügelte ihn mit einem Mittäter. Danach setzten sie das Opfer in ein Auto und warfen ihn schließlich in den Fluss. 

Jede zweite Schicht in Russland sitzt derzeit ohne Bezahlung fest

Schichtarbeiter

Schichtarbeiter

In diesem Monat wurde ein weiterer Fall von Nichtzahlung von Gehältern bekannt. Die Hafenarbeiter der Mine „Spiridonowskaja“ sprechen von einer Verzögerung von mehr als drei Wochen – die Mine selbst steht kurz vor dem Bankrott. Im Frühjahr konnten die Mitarbeiter der Firma „Zimtek“ mehrere Monate lang nicht von Tschukotka nach Hause fliegen – das Unternehmen weigerte sich, sowohl die Gehälter zu zahlen als auch die Tickets zu kaufen. Über ähnliche Situationen berichteten der Redaktion Schichtarbeiter von mindestens zwei weiteren Unternehmen.

Aus der Republik Mordwinien haben wir bisher selten berichtet. Die Mordwinen sind ein finno-ugrisches Volk, das in der russischen Teilrepublik etwa 40% der Bewohner stellt. Aus Mordwinien (oder Mordowien) kommt eine unterdurchschnittliche Zahl von Toten im russischen Angriffskrieg. Die Hauptstadt ist Saransk, die zusammen mit der zweitgrößten und nicht weit entfernt liegenden Stadt Rusajewka das wirtschaftliche Zentrum Mordwiniens bildet. Das Dorf Susgarje, aus dem wir berichten, ist nur sieben Kilometer  von Rusajewka entfernt.

Aus Susgarje kam ein junger Rapper mit recht dubiosem Lebenslauf. Über Nikita Doroschkin, der sich den deutschen Namen "Bastard" gab, handelt dieser Beitrag.

Wie Russen durch die Hand von Kriegsheimkehrern ums Leben kommen

Ilja Bykow Dieser Beitrag besteht aus zwei Teilen. Zunächst der Artikel von Oknopress über die Morde von Kriegsteilnehmern, die von der Front nach Hause zurückgekommen sind. Oknopress beleuchtet dabei vier von einander unabhängige Fälle.

Im zweiten Teil dokumentieren wir die 138 Kommentare auf einen Beitrag im russischen Odnoklassniki (Klassenkameraden), der sich ebenfalls auf  einen der vorgestellten Fälle bezieht - den Tod von Ilja Bykow. Die Kommentare geben ganz gut die Spannbreite des Denkens der russischen Bürger wieder. Diese mussten bei kritischen Kommentaren in diesem Zusammenhang keine Rücksicht darauf nehmen, eventuell wegen Diskreditierung der russische Armee belangt zu werden.

Das Grab von Ilja Bykow

Koltsowo Biopark

Bau eines Biotechnoparks in Koltsowo, Gebiet Nowosibirsk -- Foto: K.Artem.1 -- Lizenz:  CC BY-SA 4.0

An der Stadtgrenze von Nowosibirsk liegt die Stadt Koltsowo, die sich stolz Wissenschaftsstadt nennt. Der Grund dafür ist ein dort angesiedeltes staatliches Forschungszentrum für Virologie und Biotechnologie. Um dieses Biolaboratorium herum haben sich zahlreiche Start-Ups gebildet. Zudem gibt es Unternehmen, die sich mit der Herstellung von Naturkosmetik, Tierarzneimitteln, Diabetesprodukten und Software beschäftigen. Koltsowo wächst schnell und hat heute rund 21.000 Einwohner. 

Am 12. April 25 eröffnete die Partei "Einiges Russland" eine temporäre Gedenkstätte für die getöteten Soldaten der Stadt im Krieg gegen die Ukraine.

Vor dem Angriff

Schwarze Husaren bereiten sich auf einen Angriff vor (Mai 25)

In keiner russischen Militäreinheit gibt es solch hohe Verluste wie bei den „Schwarzen Husaren“. Seit Beginn des russischen Angriffskrieges wurden mindestens 7.436 Soldaten getötet und weitere 5.253 gelten als vermisst. Die Einheit musste folglich ihren gesamten Bestand an Soldaten bisher dreimal ersetzen 

Die ukrainische staatliche Initiative „Ich will finden“ hat jetzt eine Liste aller gefallenen Soldaten der Einheit veröffentlicht. Stichproben haben deren Echtheit bestätigt.

Am 12. Juni 25 veröffentlichte der britische Geheimdienst das kleine Video links. Jeder Punkt soll einen verletzten oder toten russischen Soldaten darstellen. So kommen eine Million Punkte zusammen. Es stellt sich deshalb die Frage, ob diese Angaben richtig sind oder bloße Propaganda.

Wir haben Stand 15. Juni 25 insgesamt 116.907 getötete russische Soldaten aus offenen Quellen gefunden. Das ist die einzige zuverlässige Größe. Alle anderen Zahlen sind Schätzungen mit großem Fehlerpotential. Wir können deshalb die Zahl von einer Million russischen Kriegsopfern weder bestätigen noch dementieren. 

Ermolino 6

Ermolino (Jermolino) ist ein Dorf in der Oblast Nowgorod mit etwa 1.300 Bewohnern. Es liegt nur etwa 7 km Luftlinie von Weliki Nowgorod entfernt, der Hauptstadt der Oblast. Man kann also davon ausgehen, dass manche der Kriegstoten aus der Großstadt in dieser ländlichen Umgebung bestattet werden. Weliki Nowgorod hat im Jahr 2025 rund 223 Tausend Einwohner, für die gesamte Oblast haben wir eine überdurchschnittliche Anzahl an Kriegstoten ermittelt.

Wir haben über diesen Friedhof schon mehrfach berichtet - er dokumentiert eindrucksvoll die wachsende Anzahl an gefallenen Soldaten aus der Region. Unser erster Bericht war vom Dezember 2023  (ab Pos. 215) (Foto), danach im April 2024 (Foto), im September 2024 (Foto), im November 2024 (Foto) und zuletzt am 3. Februar 25 (Foto).

Seit dem letzten Bericht sind 39 weitere Soldaten hier begraben, der Ehrenfriedhof ist jetzt auf 140 Gräber angewachsen. Die hier veröffentlichten Daten stammen vom 9. April 2025.

Den Familien gefallener russischer Soldaten wird verboten, die Särge zu öffnen

Belebei Alexej Dmitrijewitsch Tschwertkow

Angehörige einiger im Ukraine-Krieg gefallener russischer Soldaten begraben Menschen, die sie nicht kennen – ohne DNA oder Ausweise. Man verspricht ihnen, später ein Dokument mit einem ärztlichen Attest oder persönliche Gegenstände zu bringen, aber das geschieht nicht. Direkt in den Bestattungsbüros drohen Militärangehörige den Angehörigen, die auf einer Öffnung bestehen: „Wenn Sie sich widersetzen, werden wir ein Strafverfahren gegen Sie einleiten!“

 Michael Iwanowitsch GiesbrechtDer junge Mann auf dem Foto ist Michael Iwanowitsch Giesbrecht. Er wurde am 25. November 1999 in Deutschland geboren. Seine Familie ist nicht in Deutschland geblieben und zog zurück nach Russland in die Region Altai. Michael wurde im Herbst 2022 mobilisiert, im Krieg getötet und am 7. April 2025 im Dorf Nowokulindinka im Bezirk Blagoweschtschensk beigesetzt. Er ist einer von den 26 deutsch klingenden Namen, die wir bei einer oberflächlichen Suche unter den Kriegstoten des Monats Mai 2025 gefunden haben.

Für uns hat das Thema nichts mit Deutschtümelei zu tun, sondern wir sehen das Schicksal der über Tausend im Krieg gegen die Ukraine getöteten Russlanddeutschen mit der selben Brille, mit der wir auch andere ethnische Minderheiten sehen, die für die russische Welt in jenem verbrecherischen Krieg sterben und über die wir genau so regelmäßig berichten.

Nowotitarowskaja

Gerade sind wir in Nowotitarowskaja, eine große Staniza (Kosakensiedlung) in der Region Krasnodar. Ein Autor des Telegramkanals "Tituschki in Krasnodar" hat dieses Foto aufgenommen. Er schreibt dazu:

Als die Angehörigen das Grab von Wladislaw Schukow besuchten, landete die Geheimdienstflagge im Müll. Das Auto der Angehörigen während der Beerdigung auf dem Foto.

Ust Kust 05.06.2017

Schöner Wohnen in Ust-Kust, Rebrowa-Denisowa Straße 11 -- Foto: Artem Swetlow -- Lizenz:  CC BY 2.0

Dies ist bereits unser dritter Bericht über die gefallenen Soldaten aus Ust-Kut. Wir hatten am 1.10.23 und am 22.06.24 über die Stadt in der Region Irkutsk berichtet. Basis unserer damaligen Informationen war ein VKontakte-Kanal, der aber danach gelöscht wurde. Jetzt gibt es eine neue Zusammenstellung zum 1. April 2025.

Ust-Kut liegt 510 km nördlich von Irkutsk am Zusammenfluss der Lena und Kuta. Die Lena ist einer der längsten Flüsse der Erde, sie fließt ins Nordpolarmeer. Von Oktober bis Juni ist sie zugefroren, ab Ust-Kut ist sie schiffbar. Die Stadt ist ein Verkehrsknotenpunkt in Sibirien, hier werden Güter zwischen Fluss, Straße und Bahn verschoben. Und Ust-Kut hat aiuch schon bessere Tage gesehen. Im Jahr 1992 lebten noch 62.000 Menschen in der Stadt, 2021 wurden nur noch 36.918 Bewohner gezählt.

Bis zum 1. April verzeichnet die Stadt 124 gefallene Soldaten, die Zahl hat sich innerhalb eines Jahres mehr als verdoppelt.

Petropawlowsk Kamtschatski

Petropawlowsk-Kamtschatski, Hauptstadt von Kamtschatka -- Foto: kuhnmi  -- Lizenz: CC BY 2.0

Die Halbinsel Kamtschatka ganz im Osten Russlands ist etwa so groß, wie Spanien und Portugal zusammen. Über 160 Vulkane gibt es auf der Insel, wovon 29 noch aktiv sind. Bewohnt wird die Insel von etwa 300.000 Menschen mit stark abnehmender Tendenz, im Jahr 1990 lebten dort noch 480.000 Personen. Knapp 60 % der Bevölkerung lebt in der Hauptstadt  Petropawlowsk-Kamtschatski. Das Klima ist kalt bis gemäßigt (kalt) mit viel Niederschlag. Durchgehende Straßenverbindungen von Norden nach  Süden gibt es nicht.

Und obwohl der Krieg Russlands gegen die Ukraine geografisch ganz weit weg liegt, sterben Männer aus Kamtschatka in der Ukraine. Bis Mai 25 hatten wir 499 Namen von getöteten Soldaten erfasst.

Anzeige Baschkortostan 23.12.24Wir haben bereits mehrfach über die Antrittsprämien berichtet, die Russen erhalten, wenn sie einen Vertrag zum Kriegsdienst mit dem russischen Militär abschließen. Diese Prämien stiegen im Lauf des Jahres 2024 kontinuierlich in allen russischen Regionen und hatten zum Jahresende ihren Höhepunkt. Je nach Region beliefen sich jene Prämien bis auf drei Millionen Rubel, umgerechnet etwa 30 bis 33 Tausend Euro.

Als Bonus obendrauf gab es für verschuldete Russen zum Jahresende noch die Möglichkeit eines Schuldenerlasses von bis zu zehn Millionen Rubel.

Die Zeiten sind offensichtlich vorbei – die Summen der ausgelobten Prämien sind wieder rückläufig, wie die Region Baschkortostan zeigt. Ab dem 4. Juni 25 bekommen neue Freiwillige 600.000 Rubel weniger als zuvor.

Kindergarten Toljatti

Gerade sind wir in der Großstadt Toljatti in Samara. Die Stadt ist nach dem italienischen Kommunisten Palmiro Togliatti benannt, der wichtigste Arbeitgeber der Stadt ist das  AwtoWAS-Autowerk, das Autos der Marke Lada produziert. Und wir wollen den Kindergarten Nr. 147 besuchen. Die Kleinen feiern das Ende ihres Kinderdaseins, nach den Sommerferien geht es in die Schule. Damit das Fest einen aktuellen Charakter bekommt, hat die Kindergartentante Marina ein paar Söldner der Gruppe Wagner eingeladen.

Auch die Wagner-Söldner lassen sich nicht lumpen. Sie überreichen den Kindern eine Wagner-Flagge und jedes Kind bekommt einen Original-Wagner-Aufnäher.

Aber lassen wir die Tante Marina zu Wort kommen:

Ilja WitkowskiWir befinden uns in Sotschi, dem bekanntesten Bade- und Kurort Russlands am schwarzen Meer. Sotschi ist eine russische Großstadt mit 445.000 Einwohnern, Tendenz schnell steigend. In Sotschi fanden zudem im Jahr 2014 die Olympischen Winterspiele statt.

Sotschi ist auch Heimat der Jugendinitiative "Militärisch-industrieller Komplex - Geflügelte Infanterie". Sie richtet sich an Jugendliche im Alter von 12 bis 18 Jahren und bietet Unterrichtseinheiten in sogenannten "militärisch-patriotischen" Fächern. Sie wollen wir aus aktuellem Anlass vorstellen.

Ilja Witkowski war ein erfolgreicher Schüler jener Initiative. Er wurde am 2. August 2005 geboren und hamsterte bereits als Jugendlicher bei einem Wettbewerb der Initiative zahlreiche Pokale und Auszeichnungen ein, wie das Foto links zeigt. Iljas Lebensweg war deshalb vorgezeichnet, kaum 18 Jahre alt ging er zum Militär und verpflichtete sich zum Kriegsdienst in der Ukraine. Seine paramilitärische Ausbildung hat ihm nicht geholfen, auch Ilja wurde im Krieg gegen die Ukraine getötet.

Geh in den WaldWir haben die Initiative "Geh in den Wald!"  bereits hier vorgestellt. Aktuell wurde von ihr auf Telegram noch einmal ihre Arbeitsweise - anonym und kostenlos - vorgestellt. Wir veröffentlichen nachstehend den übersetzten Text:

Wo Sie Hilfe bekommen

Wir beraten in Fragen der Wehrpflicht, Mobilisierung, legalen und illegalen Grenzübertritte, Asyl und Desertion. Wir helfen Wehrpflichtigen, Mobilisierten, Wehrpflichtigen, Wehrdienstverweigerern, Deserteuren und jenen, die nicht am Krieg teilnehmen wollen. Wir bieten rechtliche und psychologische Unterstützung.

Sie können uns per Telegramm kontaktieren: @iditelesom_info_bot

Wir rufen nicht an, schreiben nicht zuerst und kommunizieren nicht über persönliche Konten. Wir speichern weder Ihren Namen, Benutzernamen noch Avatare – wir arbeiten nicht mit personenbezogenen Daten.

Oljokminsk

Blick auf Oljokminsk an der Lena -- Foto: A. L. (loading)  -- Lizenz:  CC BY-SA 4.0

Oljaminsk ist eine Kleinstadt in Jakutien (Sacha) mit rund 8.500 Einwohnern. Sie liegt an der Lena, einer der längsten Flüsse der Erde. Das Klima dort ist stark kontinental  geprägt mit einer Jahresdurchschnittstemperatur von rund -5° Celsius. Die Stadt ist Zentrum eines Landwirtschaftsgebietes mit Getreide und Genüseanbau und der Zucht von Pferde und Rindern.

Aus der Stadt kam auch Dmitri Anatoljewitsch Golowanow, der im September 2024 in den Krieg gegen die Ukraine zog und am 3. April 2025 getötet wurde. Am 1. Juni soll er beigesetzt werden. Wir geben den Nachruf der Bezirksverwaltung im übersetzten Originaltext wieder und fügen danach noch ein paar Details zu seinem Lebenslauf hinzu:

Zima

Zima ist das russische Wort für Winter und könnte damit auf die Stadt Zima in der Oblast Irkutsk durchaus zutreffen. Doch angeblich soll der Stadtname aus der burjatischen Sprache überliefert worden sein. Das Klima ist stark kontinental, die Lufttemperatur variiert von -40–50 °C im Winter bis +30–40 °C im Sommer. Die Tiefsttemperatur im Winter sinkt auf -55 °C, da kann man schon von Winter reden.

Die wichtigeste Einrichtung in Zima ist der Bahnhof, der an der transsibirischen Eisenbahn liegt.  Dazu gibt es noch einige holzverarbeitenden Betriebe, die großen Industrieunternehmen der Stadt sind stillgelegt, weil insolvent. Und die Menschen wandern ab: Um das Jahr 1980 lebten noch 48.000 Bewohner in Zima, heute sind es noch 31.000.

Wir wollen die Sekundarschule Nr. 9 von Zima besuchen, die eine aktive Seite bei VKontakte betreibt und die sich sehr um die patriotische und militaristische Erziehung ihrer Schüler bemüht.

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