Sergei KadatskyIm Juli 2017 auf der Autobahn nahe Rostow am Don kommt es zu einer Schießerei. Ein Mann mit einem Gewehr samt Zielfernrohr nimmt ein ausländisches Auto unter Beschuss. Die beiden Insassen werden getroffen. Die Frau stirbt an Ort und Stelle, der Mann wird schwer verletzt.

Der Täter wird schnell gefasst, es handelt sich um den Polizeimajor Sergei Kadatsky.

DneprovkaDneprovka ist eine 900 Seelengemeinde in der Oblast Orenburg und nicht weit entfern von der kasachischen Grenze. Die Gründer waren 1908 meist Ukrainer, die dem Dorf den Namen gaben. Zuletzt war 1998 zu erfahren, dass der Leiter der Kolchose "Bolschewik" hervorragende Ergebnisse beim Bau von sozialen Einrichtungen und Wohnungen und bei der Straßenasphaltierung erzielt hätte.

Aktuell widmet sich die Gemeinde dem Gedenken an Oleg Nikolaevich Bushaev, der irgendwann im Krieg -genau- gegen die Ukraine gefallen ist. Und hat eine Gedenktafel an der Schule befestigt. Die hängt da ganz verloren zwischen zwei Fenstern und dokumentiert deutlich all die mangelhaften Investitionen Russlands in seine Bürger.

Das fängt unten an der Schule an - nur ein roh verputzer Sockel, auch der gesamte Putz und die Ziegel bröckeln an vielen Stellen und die Fenster sind nicht wärmeverglast. Stattdessen verpulvert Russland seine Erlöse aus dem Reichtum des Landes in einem letztlich sinnlosen Krieg gegen die Ukraine.

TomskDie Oblast Tomsk liegt im Westen von Sibierien mit etwa einer Million Einwohnern, wovon etwa die Hälfte in der gleichnamigen Hauptstadt lebt.  Wirtschaftlich relevant für die Region sind deren natürliche Ressourcen - Förderung von Erdgas und Erdöl und die Holzverarbeitung.

Wir haben die Region Tomsk nicht in unsere Recherchen mit einbezogen. Aber auch dort ist die Situation wie in allen Regionen Sibiriens. Aus Tomsk wurden Männer im wehrfähigen Alter einberufen und schnell an der Front verheizt. Die Behörden verheimlichen die Todesfälle, aber die Fahnen über den Gräbern sprechen eine eindeutige Sprache, schreibt Nemoskwa (Nicht Moskau).

Nathan NyirendaNathan Nyirenda aus Sambia ist an der Front in der Ukraine gestorben. Der 23-jährige Mann studierte in Moskau im Fach “Kerntechnische Anlagen“ am Physikalischen Institut. Das Außenministerium von Sambia teilte aktuell mit, dass der junge Mann im April 2020 zu neun Jahren und sechs Monaten Haft verurteilt worden wäre und nahe Moskau im Gefängnis saß.

Nathan starb am 22. September in der Ukraine, seine Leiche befindet sich aktuell in Rostow am Don und soll zurück in seine Heimat verbracht werden. Sambia fragt nun bei Russland an, wie das passieren konnte.

VladykaTheodoreDie russisch-orthodoxe Kirche unterstützt nach Kräften den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine. Geistliche bieten direkt an der Front religiösen Beistand, wenn mancher Soldat am Sinn jenes Krieges zweifelt und werden dabei auch manchmal getötet. So geschehen mit dem Priester Anatoly Anatolyevich Grigoriev, der am 9. September an der Front starb. Der Mann diente zwar in einem tartarischen Freiwilligenbataillon, war aber ein gebürtiger Tschuwasche. Und von der geistlichen Führung der russisch-orthodoxen Kirche in Tschuwaschien wollen wir heute berichten.

Wolgograd III

Wolga-Panorama beim Dorf Butkowka --Urheber: olegbel  -- CC BY 3.0

Das Dorf Butkkowka hat heute gerade noch 44 Einwohner, es liegt am nördlichen Rand der Oblast Wolgograd. Früher hieß es einmal Schwab, die Siedlung wurde am 8. Juli 1767 gegründet.  44 Familien ließen sich dort nieder, sie kamen aus Darmstadt , Isenburg , Hamburg und Ottewalden.

Es scheint, dass die Gegenden um die Stadt Wolgograd auf Kriegsdramen abonniert sind. Denn auch im Krieg gegen die Ukraine kommen viele gefallene Soldaten aus der Oblast.

Wolgograd: Teil I bis 99 -- Teil II bis 200 -- Teil III bis 300 --  Teil IV bis 400  -- Teil V bis 600 -- Teil VI bis 800 -- Teil VII ab 801

Alexander DobrenkyAlexander Dobrenky aus der russischen Region Belgorod hat 2019 drei Menschen getötet. Er war mit einem geliehenen Auto unterwegs, betrunken und hatte keinen Führerschein. Auf der Autobahn kam es zu einem Unfall, eine Mutter und ihre Kinder, ein 12-jähriger Sohn und eine 10- jährige Tochter, waren auf der Stelle tot. Alexander flüchtete, wurde aber schnell erwischt. Es war wohl nicht seine erste Trunkenheitsfahrt, er war wiederholt deshalb strafrechtlich zur Verantwortung gezogen worden. So kamen vor Gericht einige erschwerende Umstände hinzu, Trunkenheit am Steuer, Wiederholungstäter und Fahrerflucht – zusammengerechnet bis zu 15 Jahren Haft. Rettung für Alexander nahte in Form der Wagner Gruppe.

SwerdlowskOstenZavodouspenskoe im Osten der Oblast Swerdlowsk -- Urheber: Const st - Eigenes Werk -- CC BY-SA 3.0

Die Oblast Swerdlowsk liegt zum größten Teil im asiatischen Teil Russlands. Die Region ist wirtschaftlich stark und reich an Bodenschätzen. Die Hauptstadt Jekaterinburg gilt als Hochburg des "liberalen" Russlands.

Seit der Mobilisierung Ende September in Russland sind die Todeszahlen in der Region sprunghaft angestiegen.

Swerdlowsk: Teil I bis Pos. 100 -- Teil II bis Pos. 200 -- Teil III bis Pos. 300 -- Teil IV bis Pos. 502 -- Teil V bis Pos. 700 -- Teil VI bis Pos.701 -- Teil VII bis 1.100 -- Teil VIII bis 1.300 -- Teil IX ab 1.301

Sim CityPanorama von Sim (russisch Сим), einer Kleinstadt in der Oblast Tscheljabinsk -- Urheber: Max071086 - Eigenes Werk -- CC BY-SA 4.0

Die Oblast Tscheljabinsk ist reich an Bodenschätzen. Der Abbau von Kupfer, Eisen, Zink und anderen Erzen tragen zum relativen Reichtum der Region bei. Dazu kommt die Rüstungsindustrie, vier der Stadtkreise besitzen den Status einer „geschlossenen Stadt“.

Seit Beginn der Mobilisierung steigen auch die Todesopfer in der Oblast stark an.

Tscheljabinsk: Teil I bis 100  -- Teil II bis 200 -- Teil III bis 400 -- Teil IV bis 600 -- Teil V bis 800 -- Teil VI bis 1000 -- Teil VII ab 1001

omSeit Beginn der Mobilisierung explodieren geradezu die Todeszahlen in den ländlichen Regionen zwischen Wolga und dem Ural. Absoluter Spitzenreiter ist die Oblast Swerdlowsk, dort haben sich die öffentlich gemachten gefallenen russischen Soldaten in den sechs Wochen seit Beginn der Mobilisierung weit mehr als verdoppelt.

Kreml Nischni Nowgorod

Kreml in Nischni Nowgorod  -- Urheber: A.Savin - Eigenes Werk - Lizenz:: Free Art License 1.3

Die Oblast Nischni Nowgorod liegt im europäischen Teil Russlands an der Wolga und ihre Fläche ist beinahe so groß wie Österreich. Von Moskau aus erreicht man die Hauptstadt leicht mit der Transsibierischen Eisenbahn, die Fahrtzeit beträgt etwa vier Stunden. Die Hauptstadt gehört zu den interessantesten russischen Städten.

Mit Beginn der Mobilisierung Ende September 2022 haben sich die Todeszalhlen russischer Soldaten im Krieg gegen die Ukraine in fast allen Verwaltungseinheiten an der Wolga beschleunigt - auch aus der Oblast Nischni Nowgorod. Es sieht danach aus, dass die frischen Rekruten vorwiegend aus diesen Regionen mit wenig Vorbereitung an die Front geworfen wurden.

Nischni Nowgorod: Teil I bis 100 -- Teil II bis 300 -- Teil III bis 500 -- Teil IV bis 700 -- Teil V ab 701

Vyacheslav Mikhailovich Zangiev Welchen Stellenwert die Gruppe Wagner inzwischen innerhalb Russlands und im Speziellen beim Krieg Russlands gegen die Ukraine besitzt, zeigen zwei Beispiele aus den letzten Tagen.

Nahe dem Kampfgebiet im Süden der Region Donezk nimmt ein Transporthubschrauber MI-8 mit ungewöhnlicher Tarnbemalung Personen auf und fliegt davon. Der Hubschrauber wird kurz nach dem Start abgeschossen und zerschellt irgendwo in den Feldern. Der Flug wird von ukrainischen Drohnen gefilmt (siehe Film am Ende des Beitrags), es wurde zunächst nicht deutlich, ob es sich um einen russischen oder ukrainischen Hubschrauber handelte, da beide Parteien dieses Modell einsetzen. Zwei Tage später ist die Sache klar.

Andrei Pichuev Am Morgen des 21. September 2022 brach Natalya Pichueva zum täglichen Dienst im Krankenhaus im Dorf Novaya Bryan auf. Das ist vierzig Kilometer von Novoilinsk entfernt, wo sie mit ihrer Familie lebt. Gegen ein Uhr morgens erhielt Natalya einen Anruf von der Dorfverwaltung und erfuhr, dass ihr Mann Andrei zur Mobilisierung vorgeladen wäre. Natalia rief sofort zu Hause an. Zwei Mitarbeiter des Bezirksrats klopften bereits zuhause an die Tür in der Zheleznodorozhnaya-Straße - sie brachten den Befehl, Andrei Pichuev einzuberufen.

utkin2Bereits im Jahr 2016 habe ich hier über die Gruppe Wagner berichtet - "TschWK Wagner - Russlands Gang fürs Grobe". Von den Anfängen als "Slawisches Corps" bis zur Bildung einer Geheimarmee unter russischem Kommando. Der Begriff PMC also Private Military Contractors ist für die Gruppe Wagner irreführend, die Gruppe Wagner ist vielmehr eine Sondertruppe Russlands, die von der Regierung und den Geheimdiensten gesteuert wird. Sie ist wie eine reguläre Armee ausgerüstet und verfügt über schwere Waffen.

Aktuell registrieren wir verstärkt gefallene Soldaten im Ukraine-Krieg aus den Ural/Wolga-Regionen, aus dem Kaukasus, von den Republiken am Baikalsee und aus Transbaikalien, sogar aus dem ganz fernen Osten wie Murmansk oder Sachalin kommen Meldungen.

Kein Wunder – Russland hat landesweit mobilisiert, viele Rekruten wurden schnell Richtung Front kutschiert und manche kommen genau so schnell im Sarg zurück in ihre Heimat.

BurjatenAndachtBuddhistische Andacht der Burjaten am Rande des Krieges

Nur 30 Prozent der Bevölkerung Burjatiens sind ethnische Burjaten, doch sie stellen einen weit größeren Anteil der gefallenen Soldaten im Ukrainekrieg. Die Burjaten sind eine mongolische Ethnie und so wundert es nicht, dass die Mongolei Flüchtlingen aus den Grenzregionen Unterschlupf bietet, die sich vor der Mobilisierung in Sicherheit bringen.

Ende September forderte der ehemalige Präsident der Mongolei Tsakhia Elbegdorj Russlands Präsidenten auf, den Konflikt zu beenden, und fügte hinzu, dass ethnische Mongolen in Russland als „Kanonenfutter“ benutzt und zu Tausenden in der Ukraine getötet würden.
„Seit Sie (Putin) diesen Krieg begonnen haben, ist Russland in Angst und Tränen versunken. Ihre Mobilisierung bringt Ozeane des Leidens mit sich. Herr Präsident, hören Sie mit Ihren sinnlosen Tötungen und Zerstörungen auf“, sagte er in einer in den sozialen Medien geteilten Ansprache.

Derweil geht das Sterben junger Männer in Burjatien weiter. In absoluten Zahlen liegt die Region in Bezug auf gefallene Soldaten weit in Führung. Dies ist jetzt der vierte Teil unserer Kriegstoten aus Burjatien.

Burjatien: Teil I bis 99, Teil II bis 199, Teil III bis 300, Teil IV bis 400, Teil V bis 500, Teil VI bis 700, Teil VII bis 900, Teil VIII ab 901

Anmerkung: Die meisten Meldungen wurden der VKontakte-Seite "Denkmal für das Militär Burjatiens" entnommen. Diese Gruppe ist öffentlich nicht mehr erreichbar, wir versuchen diese zukünftig zu vemeiden.

Unsere Zusammenstellung enthält 4.750 Kriegstote aus 44 Regionen Russlands. Damit decken wir knapp 64% der russischen Bevölkerung ab. Hochgerechnet auf die gesamte Bevölkerung Russlands ergäben sich etwa 7.500 gefallene Soldaten – diese Summe entspricht etwa verschiedenen Zusammenstellungen anderer Medien, Telegram-Kanälen und Vkontakte-Auflistungen.Da wir nach Regionen vorgehen, fallen zudem Meldungen durch das Raster, die keine Ortsangabe machen und eine Zuordnung nicht möglich ist.

Perm FlusstalFlusstal in Perm -- Urheber:  Annapurna - Eigenes Werk - CC BY-SA 4.0

Perm, die Haptstadt der Region, ist von Moskau gut 1.300 km entfernt. Die östlichste Millionenstadt Europas war noch bis 1991 eine für Ausländer verbotene Stadt. Der Grund waren die Rüstungsbetriebe in der Stadt, auch heute verfügt die Stadt über eine sehr starke industrielle Produktion - noch vor Ufa und Jekaterinburg. Und als Nebenprodukt soll Perm auch die höchste Kriminalitätsrate Russlands aufweisen.

Perm: Teil I bis 100 -- Teil II bis 200 -- Teil III bis 400 -- Teil IV bis 600 -- Teil V bis 800 -- Teil VI bis 1.000 -- Teil VII ab 1001

Buddhistisches Gebet

Gemeinsames Gebet buddhistischer Burjaten im Kriegsgebiet der Ukraine. Buddhisten aus Burjatien und Tuwa führen die Liste der getöteten Soldaten in Relation zur Bevölkerungsanzahl deutlich an.

Vitaly VotanovskyDer Militärrentner Vitaly Votanovsky (Foto links), ein Aktivist und Autor des Telegrammkanals "Titushki in Krasnodar"* hat in den letzten sechs Monaten Fotos von mehr als hundert Gräbern russischer Soldaten veröffentlicht, die angeblich in der Ukraine getötet wurden. In seinem Telegram-Kanal "Majdankrd" veröffentlicht er Fotos von Gräbern aus Friedhöfen in der Oblast Krasnodar und im Süden Russlands. Gemeinsam haben die Fotos, dass die Verstorbenen alle im Ukrainekrieg gefallen sind und ihre Namen bisher nicht öffentlich gemacht wurden.

Aus welchen Regionen Russlands die Soldaten kommen, wo und wie sie getötet wurden, ist völlig unbekannt. Genau so, warum sie nicht in ihrem Heimatort bestattet wurden.

Am 16. September wurden Votanovsky und Viktor Chirikov, der ihn begleitete, von der Polizei festgenommen, als sie einen anderen Friedhof in Tichoretsk erkundeten. Nach einem Gespräch mit Mitarbeitern des Zentrums zur Extremismusbekämpfung wurden die Aktivisten freigelassen.

Krasnodar:
Teil I bis 102 -- Teil II bis 300 -- Teil III bis 400 -- Teil IV bis 600 -- Teil V bis 800 -- Teil VI ab 801
Friedhöfe I bis 100 -- Friedhöfe II bis 300 -- Friedhöfe bis 500 -- Friedhöfe ab 501
Wagner-Friedhof I -- Wagner Friedhof II -- Wagner Friedhof III

Nachtrag: Titushki waren in der Ukraine junge Männer im Trainingsanzug, gerne direkt aus dem Body-Building-Klub. Sie wurden vom Geheimdienst des ehemaligen Präsidenten Janukowsky engagiert und hatten die Aufgabe, Demonstrationen und Streiks zu gewalttätigen Veranstaltungen umzufunktionieren. Die dann von der Polizei niedergeknüppelt werden konnten.

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