Nischnie Juri

Dorf Nischni Juri -- Foto: Yan.gorev  -- Lizenz:CC BY-SA 4.0

Zur Orientierung - wir befinden uns im Ort Nischni Juri, Bezirk Malopurginsky in der russischen Teilrepublik Udmurtien. Im Dorf leben weniger als 800 Personen, die letzte Bürgerzählung stammt aus dem Jahr 2012. Auf dem Foto ist links das Verwaltungsgebäude des Dorfes zu sehen, das Gebäude rechts beherbergt ein Postamt. Die gesamte Gegend ist landwirtschaftlich geprägt.

Wir wollen die wenigen Fetzen des kurzen Lebens eines Wehrpflichtigen aus dem Dorf erzählen, die wir erfahren konnten.

Artem Gennadjewitsch Antonow

Wir haben gestern eine kurze Geschichte über Artem Gennadjewitsch Antonow geschrieben, die erst in den nächsten Tagen für unsere Rubrik Kriegsbilder vorgesehen war.

Der junge Mann wurde am 7. April 2005 geboren und kam aus dem größeren Dorf Werchnij Uslon in Tatarstan. Und er wäre im Krieg gegen die Ukraine am 21. Oktober getötet worden. Soweit unsere Informationen aus diversen sozialen Medien (Link, Link)- doch das war falsch.

Sergej Gennadjewitsch Murtasin 1

Es ist der 1. Dezember 2024, wir befinden uns im kleinen Dorf Turnojas mit knapp 300 Einwohnern in Tatarstan. Das Dorf wird überwiegend von Tschuwaschen bewohnt, deren Besonderheit wir kurz erklären wollen. Tataren, Baschkiren und Tschuwaschen sind alles turksprachige Ethnien, deren Sprache mit dem Türkisch verwandt ist. Im Unterschied zu den anderen Turkvölkern sind die Tschuwaschen überwiegend griechisch-orthodoxen Glaubens.

Im Dorf Turnojas wird an diesem Tag Sergej Gennadjewitsch Murtasin begraben. Er war sehr jung, wurde am 09. September 2005 im Dorf geboren und wurde am 18. Oktober  in der Ukraine getötet.

Eltern Wehrdienstleistende

Eltern vor einer Rekrutierungsstelle der Armee -- Text auf Container:
Mobile Auswahlstelle für den Militärdienst nach Vertrag / alle Informationen auf der Website contract.mil.ru

Immer mehr sehr junge russische Soldaten sterben an der Front - wir haben das schon mehrfach dokumentiert. Und auch unsere Zusammenstellung zum November 2024 wird zeigen, dass erschreckend viele junge russische Soldaten an der Front getötet wurden. Dabei ist es häufig nicht Geldgier oder fehlgeleiteter Patriotismus, die die 18- bis 22-jährigen jungen Männer zum Vertragsdienst - also zum Einsatz an der Front verleitet. Es ist ein ausgeklügeltes System der Rekrutierer der russischen Armee, die die jungen Wehrpflichtigen in eine aussichtslose Situation bringt.

All diese von uns aufgestellten Behauptungen sind nicht aus der Luft gegriffen. In Tscheljabinsk sammelt ein Redakteur eines dortigen Internetmediums die Beschwerden der aufgebrachten Eltern der Wehrpflichtigen. Es ist eine Flut von Anfragen von empörten Eltern bei ihm eingegangen - nicht nur aus der Region Tscheljabinsk, sondern auch aus Tschuwaschien und aus Irkutsk.

Nach Angaben des dortigen Journalisten Artem Krasnow läuft die "Keilung" der Wehrpflichtigen nach folgendem Muster ab:

Perm Patriot

Es ist der 9. November 2024 und wir besuchen heute die Millionenstadt Perm - etwa 1.150 km östlich von Moskau. Genau genommen befinden wir uns im zentralen Stadtbezirk Motowilicha auf einem Schulgelände. Es ist kalt und es liegt eine geschlossene Schneedecke.

Die "Union der Kampfveteranen" veranstaltet an diesem Tag das Militärsportspiel "Zarnitsa", an dem Vertreter einiger Schulen und Sportvereine teilnehmen. Und weil wir uns das alles nicht ausmalen können, wollen wir den Veranstalter selbst zu Wort kommen lassen.

Verteidigung Ukraine KriegstoteDas ukrainische Verteidigungsministerium hat für den Monat November 2024 diese Grafik verbreitet. Danach hätte Russland die höchsten Verluste seit Beginn der Invasion erlitten. Diese allgemeine Aussage können wir bestätigen.

Die von der Ukraine genannte Zahl von 45.720 Kriegsopfern ist die Summe aus den getöteten und erheblich verletzten Soldaten. Wir wollen diese Zahl mit unseren üblichen Abschätzungen für den November 2024 vergleichen.

In den von uns erfassten Zahlen von November sind 1.180 Kriegstote aus Tatarstan enthalten, die den gesamten Kriegsverlauf bis einschließlich Oktober 2024 betreffen. Diese können wir nicht für den Vergleich heranziehen, es bleiben also 5.656 von uns ermittelte Gefallene für den Monat November.

Das ergibt folgende Berechnung entsprechend unseren Abschätzungen:

Alkatwaam

Dorf Alkatwaam in Tschukotka

Der Krieg Russlands gegen die Ukraine wirkt sich auch über 6.000 km weiter östlich noch aus. Aus dem Autonomen Kreis der Tschuktschen (kurz Tschukotka) ziehen immer mehr junge Männer in den Krieg, die dortigen Behörden fördern die Rekrutierung unter den Einheimischen.

Es gibt nur etwa 15.000 Tschuktschen in ganz Russland, davon leben etwa 12.000 im dünn besiedelten Tschukotka. Die Menschen leben meist traditionell von der  Rentierzucht, der Jagd und der Fischerei. Das Leben in der rauen Umgebung ist hart. All diese Eigenschaften qualifizieren die Menschen aus den nördlichen Gebieten bestens für den Krieg: Sie können mit Waffen umgehen und im Winter in den Schützengräben ausharren.

Die Durchschnittsgehälter in Tschukotka sind überdurchschnittlich hoch, das gilt für alle nördlichen Regionen Russlands. Nur so bekommt man Arbeitskräfte in die rauen Gegenden, wenn es gilt die natürlichen Ressourcen des Landes abzubauen: Gold, Wolfram, Erdgas, Öl und Kohle. Für die traditionell lebenden Tschuktschen gibt es diese Einkünfte nicht, sie leben von dem was ihre traditionelle Tätigkeit ergibt. Der Anreiz einmal im Leben sehr viel Geld zu verdienen, ist deshalb hoch.

Über das Dorf Alkatwaam hatten wir bereits berichtet, fünf Monate später hat der kleine Tschukotka-Flecken wieder einen Einwohner weniger

IborskIn den russischen sozialen Medien kursiert zur Zeit ein Beitrag von Wladislaw Schurygin, ein russischer Autor ukrainischer Herkunft. Schurygin kritisiert mit für Russland harten Worten die Taktik der "Fleischangriffe" auf ukrainische Stellungen: Das Militär opfert Soldaten, um wieder neue, oft marginale Geländegewinne zu erzielen.

Um den Beitrag richtig einordnen zu können, wollen wir zunächst ein paar Sätze zum Autor des Beitrags schreiben.

Schurygin wurde in Jewpatoria auf der Krim geboren, studierte Militär in Lemberg und gehörte zu den Propagandisten eines neuen Großrussland. Er arbeitete als Korrespondent aus all den russischen Kriegen nach Auflösung der Sowjetunion und kämpfte als Freiwilliger in Serbien und Transnistrien. Und er ist Mitglied im russischen Think Tank Iborsk-Klub (Logo links).

Nach unserer Meinung hat der Beitrag von Schurygin eine ganz einfache Tatsache vergessen zu erwähnen. Die meisten Erfolge der russischen Armee und zuvor der Gruppe Wagner basierten auf der Taktik der "Fleischangriffe". Verzichtet die Armee darauf, fehlt der Erfolg - gemessen an Geländegewinnen.

Der Originalbeitrag wurde im Telegramkanal von Schurygin am 15. November 24 veröffentlich. Auf Vkontakte gibt es zahlreiche Kopien. Wir veröffentlichen den Beitrag der besseren Lesbarkeit nicht in kursiver Schrift - ausnahmsweise.

Barguzin datsan

Bargusin-Datsan -- Foto: Arkadi Zarubin -- Lizenz: CC BY-SA 3.0

In der russischen Teilrepublik Burjatien leben etwa eine Million Menschen, davon sind etwa 30% Burjaten, eine mongolische Ethnie. Die verbreiteten Religionen unter den Burjaten sind der Buddhismus und der Schamanismus. Ein Lama ist ein geistlicher Lehrer des Buddhismus.

Bair Darmajew war solch ein Lama in Burjatien, der in einem der touristisch interessantesten Teile Burjatiens lebte. Der Bezirk Bargusinsky grenzt im Norden an den Baikalsee und erstreckt sich entlang des Flusses Bargusin zwischen den des Bargusin- und Ikat-Gebirgen.

Wladimir Putin schüttet weiter viele Rubel aus, um russische Bürger zum Kriegsdienst in der Ukraine zu gewinnen. Dabei macht er sich zu Nutze, dass viele Familien zum Beispiel wegen Immobilienbesitzes verschuldet sind und auf Grund der hohen Zinsen ihre Raten gegenüber den Banken nicht mehr bedienen können.

Nach einem von Putin am 23. November 24 unterzeichneten Gesetzes können alle neuen Rekruten, die sich für mindestens ein Jahr verpflichten, einen Erlass ihrer Schulden bis zur Höhe von zehn Millionen Rubel bekommen - vorausgesetzt sie verpflichten sich für mindestens ein Jahr beim Militär. Nach aktuellem Kurs sind das 92.000 €.

Wie so üblich, sind im Moment viele Dinge noch unklar. Wer im aktuellen Jahr einen Vertrag mit dem Militär unterschrieben hat, verpflichtete sich auf die Dauer des Krieges gegen die Ukraine. Es gibt zahlreiche berichtete Fälle, dass Soldaten mit zeitlich befristeten (früheren) Verträgen nicht nach Hause gehen durften. Warum das im Falle des Schuldenerlasses anders sein soll, wird der weitere Verlauf des Krieges zeigen.
(Sowjetisches Rekrutierungsplakat, Dmitri Moor, 1920, "Hast Du Dich als Freiwilliger gemeldet?)

Nikita ParaschinDer junge Mann auf dem Foto ist Nikita Paraschin aus Rewda, einer Stadt mit knapp 60.000 Einwohnern in der Region Swerdlowsk, die ganz knapp noch im europäischen Teil Russlands liegt.

Nikita, geboren am 23. Juni 2024, war mit seinen jungen Jahren ein ziemliches Früchtchen. Er war bereits vorbestraft, als er im Mai 2024 erneut vor Gericht stand. Allerdings hatte die gesamte Geschichte einen offensichtlichen Haken - die eigentlichen Hintermänner blieben verborgen.

Tscheljabinsk ZukunftUnseren Beitrag vom 15. November 24 wollen wir noch um die Region Tscheljabinsk ergänzen. Die Region liegt bereits im asiatischen Teil Russlands, entwickelt sich aber sehr schnell. Die Hauptstadt Tscheljabinsk ist die siebtgrößte Stadt Russlands.

Der kritische Telegram-Kanal "Tscheljabinsk der Zukunft" hat am 10. November und am 22. November eine Liste mit in diesem Zeitraum erfassten Kriegstoten veröffentlicht.

Wir geben die beiden Nachrichten nur grob übersetzt wieder:

Alexej Borisowitsch MangazejewAm 20. Juli 2024 startete ein Konvoi der malischen Armee und Söldnern der Gruppe Wagner in Richtung des Ortes Tinzaouatène, der in der Nähe der Grenze zu Algerien liegt. Die Region um Tinzaouatène gilt als Hochburg der Tuareg-Rebellen, die für einen eigenen Berber-Staat kämpfen. Siedlungsgebiete der Tuareg sind Algerien, Libyen, Niger, Mali und Burkina Faso und weil es notwendig zu betonen ist, die Tuareg sind keine Islamisten.

Nach einigen Scharmützeln geriet der Konvoi am 27. Juli 24 in einen Hinterhalt, bei dem die Rebellen eine große Zahl militärisches Gerät erbeuteten und auch viele malische Soldaten und russische Söldner töteten. Über die Todesfälle gibt es sehr widersprüchlich Angaben, sicher ist, die meisten Kämpfer des Konvois haben nicht überlebt.

In der russischen Regierung hielt sich die Trauer ob der russischen Verluste in Grenzen. Die Wagner Gruppe wurde danach durch Einheiten des Afrikakorps ersetzt, das direkt dem russischen Kriegsministerium unterstellt ist.

Warum wir das hier berichten? Wir können in diesem Zusammenhang den Tod von Alexej Borisowitsch Mangazejew vermelden, der als Söldner der Gruppe Wagner bei jenem Hinterhalt getötet wurde und  Ende Oktober/Anfang November am 14. November 24 in seiner russischen Heimat beerdigt wurde.

Tschapajewsk 1

Tschapajewsk ist eine russische Stadt mit etwa 70.000 Einwohner in der Oblast Samara. Die Stadt liegt nur etwa 45 km von der Hauptstadt Samara entfernt. Die Sekundarschule Nr. 10 aus Tschapajewsk schickte am 7. November eine Delegation Schüler nach Samara, die an einer Gedenkparade der russischen Jugendarmee Junarmija teilnahmen.

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Luftaufnahme des Dorfes Chatyrka -- Foto: F.A. Kondrashov -- Lizenz: CC BY-SA 3.0

Wieder einmal sind wir im Norden des "Fernen Ostens" Russlands unterwegs. Das Dorf Chatyrka liegt in Tschukotka an der Beringsee und dürfte zu den ältesten Ansiedlungen dort gehören. Weniger als 400 Menschen leben im Ort, fast alle sind ethnische Tschuktschen. Zum Dorf gibt es keine Straße, im Sommer kann man Chatyrka mit dem Schiff erreichen, ansonsten gibt es eine Hubschrauberverbindung zweimal im Monat.

Die Menschen im Ort leben von der Rentierzucht und der Fischerei. Eine Fischverarbeitungsanlage soll in Betrieb sein. Elektrischer Strom wird durch einen Dieselgenerator erzeugt.

Aus dem Dorf kam Igor Kortschagin, geboren am 12.09.1982, der Konditor gelernt und sich als Freiwilliger am Krieg gegen die Ukraine beteiligt hatte. Im November 2024 kam Igor im Zinksarg zurück. Wir veröffentlichen die Meldung der Nachrichtenagentur von Tschukotka:

Tempel Gegetui

Buddhistischer Tempel im Dorf Gegetui -- Foto: Arkadi Zarubin -- Lizenz: CC BY-SA 3.0

Ganz im Süden Burjatiens nahe der Mongolei liegt der Ulus Gegetui. Mit dem Begriff Ulus wird in Burjatien ein Dorf bezeichnet, das überwiegend durch Burjaten bewohnt wird. Das Dorf hatte im Jahr 2010 etwa 1.250 Bewohner und beherbergt jenes oben abgebildete buddhistiche Kloster, das im 18. Jahrhundert entstanden war, 1937 zerstört und ab 1989 wieder aufgebaut wurde.

Aus dem Dorf Gegetui kam ein 19-jähriger junger Mann, der sich als Freiwilliger am Krieg gegen die Ukraine beteiligte und am 5. November 24 in seiner Heimat beerdigt wurde. Wir geben die Nachricht des Bezirks übersetzt wieder:

Die Menschenverachtung mit der Russland seinen Krieg gegen die Ukraine führt, lässt sich kaum noch in Worte fassen. Und wieder einmal meinen wir nicht, was die russische Armee den Ukrainern antut – also der Beschuss von zivilen Wohngebieten, systematische Zerstörung der Lebensgrundlagen der Zivilbevölkerung, die Folter und das Töten von Kriegsgefangenen usw., sondern was dieser Staat seinen eigenen Bürgern aufbürdet.

Solch ein Staat hat sich verabschiedet von Begriffen wie Humanismus, sozialer Verantwortung und Rechtsstaatlichkeit. Russland opfert seine Bürger auf dem Altar der imperialen Träume einer abgehobenen Regierungsclique rund um den Präsidenten Putin.

Wie dieser Krieg inzwischen völlig entmenschlicht ist, wollen wir an drei Beispielen aufzeigen.

  • Wir dokumentieren – nur oberflächlich übersetzt – den Telegramkanal „Aspekte“ aus Baschkirien von zwei Tagen, dem 31.10.24 und dem 01.11.24 mit insgesamt 30 Meldungen im Krieg getöteter Bewohner Baschkortostans. Und das ist nur eine der über 90 Regionen Russlands.
  • Es gibt inzwischen etwa 150 dokumentierte Selbstmorde russischer Soldaten, die zu jenen Fleischangriffen (im russischen Duktus) losgeschickt, durch Granaten oder Drohnen verletzt und von ihren Kameraden zurückgelassen wurden. Wir dokumentieren die Aufnahme einer Drohne.
  • Und schließlich zeigen wir auch ein russisches Video vom Besuch eines Kühlhauses, in dem die russischen Kriegstoten „versandfertig“ vorbereitet und in Zinksärge verpackt werden.

Beide Filme sind nichts für schwache Nerven und zudem für Jugendliche unter 18 Jahren nicht geeignet.

Arzu Mammadow

Zur Orientierung: Wir befinden uns im südöstlichen Teil des europäischen Russlands in der Oblast Orenburg. Im Norden der Oblast liegt der Bezirk Krasnogwardeiski mit etwa 17.000 Bewohnern. Das Zentrum des Bezirks ist das Dorf Pleschanowo, das von mennonitischen Deutschen gegründet wurde. Zum Bezirk gehört auch eine nach Puschkin benannte Staatsfarm, das dazugehörige Dorf Puschkinski hat etwa 600 Einwohner und auf dem Foto ist die örtliche Schule "Puschkin" zu sehen.

Taischet

Taischet aus dem Zug heraus fotografiert -- Foto: MikSed -- Lizenz: CC BY-SA 4.0

Taischet ist eine Stadt in der Oblast Irkutsk mit knapp 35.000 Einwohnern. Die Stadt ist aus dem Bau der Transsibirischen Eisenbahn heraus entstanden und ist ein Haltepunkt an der Strecke zwischen Krasnojarsk (320 km entfernt) und Irkutsk (680 km entfernt). Zudem hat die Stadt eine düstere Geschichte aus Gulag und Lagern der Kriegsgefangenen, deren Insassen beim Bau der Eisenbahn verschlissen wurden. Unter jeder Schwelle wäre mindestens ein Toter begraben, berichteten die Gefangenen.

Schaut man sich die Fotos der Stadt an, dann scheint sich diese Düsternis bis heute erhalten zu haben. Wer eine Reise mit der Transsibirischen Eisenbahn plant, braucht in Taischet nicht auszusteigen.

Das alles haben wir als Vorwort für eine kurze Geschichte um Jewgeni Stanislawowitsch Gudymenko geschrieben, der nach Taischet gezogen ist und dort auch nicht glücklich wurde.

Wagnerfriedhof Nowosibirsk

Das Flugzeug von Jewgeni Prigoschin und Dimitri Utkin, den beiden Chefs der Gruppe Wagner, stürzte am 23. August 23 in Russland ab. Eine Aufklärung fand niemals statt. Dass der russische Staat für deren Tod verantwortlich ist, dürfte von niemand ernsthaft bezweifelt werden. Dass der selbe Staat den beiden Männern danach an den verschiedensten Orten in Russland Denkmäler setzt, gehört zu den Merkwürdigkeiten in Russland, die wir nur schwer begreifen können. Beispiele: (St. Petersburg, Gorjatschi Kljutsch)

Wir haben über den Friedhof der toten Wagner-Söldner in Nowosibirsk ausführlich berichtet. Dort sind nach unserer Auflistung 349 Gräber entstanden. Jetzt hat der Staat mit dem Durcheinander der Gräber aufgeräumt und einen monumentalen Friedhof entstehen lassen - rund um ein Denkmal, das die beiden Wagneranführer überlebensgroß zeigt.

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