31.08.2026 -- 230.141// Zuwachs zum 31.07.2026: 6.580
Versuchen wir die Geschichte von Anfang zu erzählen. Als 2014 der russische Angriffskrieg im Donbass gestartet wurde, entstand das sogenannte Somalia-Bataillon, zusammengesetzt aus vielen russischen Freiwilligen. Das Bataillon wurde so etwas wie die schnelle Eingreiftruppe im russisch besetzten Donbass. Sie wurde befehligt durch Michail Tolstych, Kampfname Giwi, der Anfang 2017 in einer Garnison seiner Einheit durch eine Schmel-Rakete getötet wurde. Inzwischen ist das Somalia-Bataillon eine reguläre russische Einheit.
In diesem Bataillon kämpfte auch Nikita Denissowitsch Weslopolow, geboren am 21. Juni 2005, aus der Stadt Krasnokamensk im Transbaikal-Territorium als Freiwilliger. Allerdings so ganz freiwillig auch wieder nicht.

Telegram - 01.07.24
In der Stadt Kowrow in der Region Wladimir wurde die Fotoausstellung „Frauenleid“ eröffnet. Bei den Exponaten handelt es sich um Fotografien der Mütter und Ehefrauen der verstorbenen Teilnehmer der Invasion in der Ukraine. Veranstalter war die von Putin gegründete Staatsstiftung „Verteidiger des Vaterlandes“. Dies berichtete die Lokalzeitung Znamya Truda.
Weiterlesen: Fotoausstellung in der Stadt Kowrow, Region Wladimir

Den aktuellen Rekrutierungsaufruf aus Tatarstan wollen wir noch nachreichen. Wir haben im Bericht zum Monat Juni darüber geschrieben. 1,5 Millionen Rubel entsprechen etwa 15.000 €, also knapp dem zweifachen Jahreseinkommens eines Durchschnittsverdieners. Der übersetzte Text lautet:
Treten Sie der Armee des Sieges bei! Auf einmal bei Vertragsabschluss vor dem 31. Juli 2024 in Tatarstan DO 1.500.000 RUB.
Rufzeichen „YAKTA“, WIR UNTERRICHTEN, HELFEN, UNTERSTÜTZEN, 8 (800) 222 59 00
Sobinka - das ist eine Stadt mit etwa 17.000 Einwohnern, die 40 km westlich der Gebietshauptstadt Wladimir liegt. Wenn man nach Sehenswürdigkeiten der Stadt sucht, dann werden bevorzugt Denkmäler angegeben. Eines gibt es für die gefallenen Soldaten des zweiten Weltkrieges, ein anderes für Karl Marx und es gibt auch ein Denkmal für die im Krieg gegen die Ukraine getöteten Stadtbewohner. Vorausschauend hat man etwas Platz gelassen für künftige Kriegstote, besonders wählerisch war man auch nicht. Das berichtet eine lokale Initiative über neue Einträge:
Dedowsk ist eine Stadt 40 km von Moskau entfernt mit etwa 30.000 Einwohnern. Am Stadtrand gibt es ein Internat für Schüler mit Behinderungen mit dem schönen Namen "Dorf des Internats des Großvaters". Das Foto zeigt eine Veranstaltung der Schule zum Gedenken an einen ehemaligen Schüler, der im Krieg gegen die Ukraine als Söldner der Gruppe Wagner gefallen ist. Ganz links steht übrigens dessen Schwester.
Urmary - das ist eine Siedlung in der russischen Teilrepublik Tschuwaschien mit etwa 5.200 Einwohnern. Die örtliche Sekundarschule hat Anfang Mai eine eigene Heldengasse eingeweiht, zu Ehren ihrer ehemaligen Schüler, die in den Kriegen Russlands gefallen sind. Es handelt sich dabei um elf Kriegstote, wovon neun im Krieg gegen die Ukraine getötet wurden - ziemliche viele für den kleinen Ort. Zwei dieser Namen waren noch nicht in unserer Liste.
Im Zentrum der Veranstaltung der Sekundarschule stand die Vermittlung von russischen Werten, wie fast alle öffentlichen Bildungseinrichtungen in Russland das im Moment tun. Wir geben den Wortlaut als übersetzten Originaltext wieder. Die Teilnehmerliste haben wir weggelassen.
Mawrino ist ein sehr kleines Dorf im Gebiet der städtischen Siedlung Frjanowo des Stadtbezirks Schtschelkowo, 2010 wurden gerade mal 15 Dorfbewohner gezählt. Von der Ringstraße rund um Moskau ist Mawrino etwa 50 km entfernt. Wir haben über dieses kleine Dorf schon mehrfach berichtet, denn auf dem örtlichen Friedhofsgelände war Ende 2022 ein Wagnerfriedhof entstanden, der sich so langsam füllte. (Bericht eins, zwei)
Obwohl der Friedhof nahe Moskau liegt ist sein Zustand miserabel. Es gibt zwar ein mächtiges Wagner-Denkmal, aber die Gräber werden nicht gepflegt (Bild Mitte). Jetzt haben die Grabpflege Anwohner übernommen (Bild rechts) und eine Liste veröffentlicht, die die Namen der dort begrabenen Söldner nennt. Die Liste wurde über die sozialen Netzwerke verbreitet, damit die Familien über den Verbleib ihrerer Angehörigen Bescheid wissen.
Weiterlesen: Der Wagner-Friedhof im kleinen Dorf Mawrino - Teil III
Die russische Staatsduma beschloss im April 2024, dass junge Männer, die ihren Wehrdienst ableisten, vom ersten Tag an sich für einen Vertragsdienst verpflichten können. Diese Soldaten können dann auch im Krieg gegen die Ukraine eingesetzt werden. Und so geschieht es, dass solch junge Leute fast ohne Vorbereitung an die Front geworfen werden - genau so wie die vielen Freiwilligen, über die wir hier berichten.
Artem Aleksejewitsch Satalkin, geboren am 25. Februar 2006, ist der bisher jüngste russische Soldat in unserer Statistik, der im Krieg gegen die Ukraine gefallen ist. Er stammte aus Tscherepowez, einer Großstadt in der Oblast Wologda. Getötet wurde Artem am 27. Mai 2024, also etwa drei Monate nach seinem 18. Geburtstag. Wir wissen nicht, warum sich Artem für den Vertragsdienst entschieden hat. In den Kommentaren ist auch davon die Rede, dass er sich damit einer längeren Gefängnisstrafe entledigen wollte. Aber bestätigt wurde dies nicht in den vielen Nachrichten zu seinem Tod.
Aus manch einem Kommentar der Leser kann man das Entsetzen über den frühen Tod von Artem heraushören. Doch die staatlichen Institutionen reagieren auf ihre Weise - die ehemaligen Schulen von Artem mussten lange Beiträge über ihren Schüler auf VKontakte absondern. Den Ausführlichsten wollen wir hier dokumentieren:

Auf unserer langen Reise durch ganz Russland sind wir heute im großen Dorf Lysogorskaja angekommen. Das Dorf liegt im Süden der Region Stawropol an den nördlichen Ausläufern des Kaukasus. Benannt ist das Dorf nach einem westlich gelegenen Berg mit dem russischen Namen Lyssaja gora, „Kahler Berg“. Das Dorf hat etwa 10.000 Einwohner und ist ganze sieben km lang.
Am 11. Juni 24 wurde auch in diesem Dorf eine Gedenkstätte für die im Krieg gegen die Ukraine gefallenen Soldaten eingeweiht.
Der Bezirk Busdjakski liegt über 100 km von der Hauptstadt Ufa der Republik Baschkortostan entfernt. Die Gegend wird hauptsächlich von Tataren und Baschkiren bewohnt. Im kleinen Bezirksdorf Karazirek hat man am 12. Juni 24 einen im Krieg gegen die Ukraine getöteten Landsmann begraben. Der nicht mehr junge Schamil Minnegalimowitsch Sarjanow, geboren am 1. Juni 1966, hatte sich im März 24 freiwillig zum Kriegsdienst gemeldet, sein Todesdatum verschweigt der Bericht.
Aus Baschkirien kommen täglich solch reich bebilderte Nachrichten, die auch Rückschlüsse auf die Lebensumstände der Bevölkerung zulassen. Wir dokumentieren deshalb den Beitrag auf VKontakte mit allen Fotos:

| Jakow Aleksandrowotsch Erschow | Sergey (Tsydyp) Wladimirwitsich | Danil Sergeewitsch Dimitriew |
| (geb. 2000) | Otschirow (geb. 1996) | (geb. 2001) |
Wir haben seit dem Beginn des russischen Angriffskrieges drei Fälle dokumentiert, bei denen junge russische Soldaten in ukrainische Kriegsgefangenschaft gerieten. Alle drei Soldaten sind tot den russischen Behörden übergeben worden. Wir wissen nicht, was in der Gefangenschaft passiert ist, ob es überhaupt einen tödlichen Übergriff ukrainischer Gefängniswärter oder Soldaten gab. Der dritte Fall, der auch in 2022 stattfand und der erst im Mai 24 öffentlich wurde, veranlasste uns eigene Recherchen anzustellen. (Beitrag Erschow -- Beitrag Otschirow/Dimitriew)
Vorneweg: Der russische Angriffskrieg ist ein Verstoß gegen das Völkerrecht, ein Verstoß gegen zahlreiche internationale Verträge und ein ungeheures Verbrechen am Land und am Volk der Ukraine. Russland ist der Täter, die Ukraine das Opfer. Wir meinen aber, dass trotz dieser klaren Verhältnisse die Ukraine in ihrem Abwehrkampf auch an das Völkerrecht gebunden ist. Das bedeutet, dass russische Kriegsgefangene kein Freiwild darstellen.
Wir haben deshalb zunächst bei der ukrainischen Botschaft und beim ukrainischen Verteidigungsministerium angefragt, was mit dem aktuellen Kriegsgefangenen passiert wäre, der tot seinen Angehörigen übergeben wurden. Den Wortlaut unserer Anfrage veröffentlichen wir am Ende des Beitrags. Wir haben keine Antwort erhalten.
Als nächsten Schritt haben wir am 1. Juni 24 beim deutschen Auswärtigem Amt nachgefragt, erst nach Anmahnung erhielten wir ein Rückantwort auf unsere Fragen, die wir zunächst nicht kommentieren wollen:
Um die Bestände der russischen Armee aufzufüllen, nehmen die Rekrutierer beinahe jeden Mann, wenn er nur aufrecht stehen kann. Aktuell zeigen wir jeden Tag einen neuen Youngster, der nach dem Jahr 2000 geboren wurde und aus den unterschiedlichsten Gründen im Krieg gegen die Ukraine gelandet ist - mit tödlichem Ausgang. Ein Militär mit etwas Verantwortungsgefühl hätte all diese jungen Leute nach Hause schicken müssen.
Aber wir finden auch zahlreiche Männer, die auf Grund ihres fortgeschrittenen Alters eigentlich ihren wohlverdienten Ruhestand genießen sollten und sich trotzdem noch einmal im Kriegshandwerk versuchen wollten. Der Beweggrund, obwohl das öffentlich niemand zugeben mag, ist immer das viele Geld, das man an der Front verdienen kann. Wir haben hier acht Gevatter zusammengestellt, die sich freiwillig gemeldet hatten und im Sarg wieder zurück gekommen sind. Allen gemeinsam ist, dass nirgends ihr Alter angegeben ist - wohl aus durchsichtigem Grund.
Wolsk ist eine mittelgroße Stadt in der russischen Oblast Saratow. Sie liegt am Ufer der Wolga, aber auch sie leidet unter Schwund. Im Jahr 2010 hatte Wolsk noch 66,5 Tausend Einwohner, 2021 zählte man nur noch 55 Tausend.
Am 11. Juni 24 wurde in der Stadt der 41-jährige Unteroffizier Wassili Lebedinski zu Grabe getragen. Er hatte die Gruppe Wagner überlebt, aber danach in den Reihen der russischen Armee weiter gekämpft. Er wurde am 1. Mai dann doch getötet. Seine Familie weigerte sich, den Mann zu begraben.
Wassili Lebedinski hatte eine finstere Vita. Bereits im Jahr 2002 wurde er wegen Mordes verurteilt. Er saß seine Strafe ab, kam nach Wolsk zurück und wurde wegen Diebstahls erneut bestraft.
Russland braucht Soldaten, jeden Monat etwa 30.000 Neue, die die an der Front gefallenen und verletzten Männer ersetzen. Der russische Staat nimmt dabei alles was er bekommen kann - Nepalesen, Afrikaner, Wirtschaftsflüchtlinge aus den südlichen ehemaligen Staaten der Sowjetunion und vor allem eigene Bürger.
Das Durchschnittseinkommen in Russland betrug 2023 knapp 670 €, der Mindestlohn nur 200 €. In den vielen armen Regionen Russlands wird deutlich weniger als jenes Durchschnittseinkommen bezahlt. Die Menschen schuften im Schichtdienst in den Ölförderanlagen, Bergwerken und Minen, arbeiten bei kargem Lohn in den Landwirtschaftsbetrieben oder reisen für Saisonjobs über das weite Land. Und dann haben wir noch jene Außenseiter der Gesellschaft, Alkoholiker, Kleinkriminelle und andere Abgehängte - für all diese Menschen eröffnet sich plötzlich die Möglichkeit, einmal in ihrem Leben auf legale Weise richtig Geld zu verdienen.
In der folgenden Zusammenstellung dokumentieren wir ein aktuelles Vertragsangebot aus St. Petersburg vom 16. Juni 24. Für alle unsere Leser, die sich nicht für Details interessieren, St. Petersburg bezahlt bereits als Antrittsprämie das 1,6-fache eines durchschnittlichen russischen Jahresverdienstes. Der monatliche Verdienst der angeworbenen Soldaten beträgt mindestens das Dreifache eines russischen Durchschnittsverdienstes. Dazu kommen noch zahlreiche Prämien und Sozialleistungen.
Verschwiegen wird, dass jener Einsatz für viele der Freiwilligen mit dem Tod oder einer schweren Verletzung endet.
Die Details:
Anfang Mai wurde diese Plakatwand in Wladiwostok aufgestellt. An dieser Stelle soll später ein Denkmal für die im Krieg gegen die Ukraine gefallenen Soldaten aus Wladiwostok entstehen. Von den 51 Namen auf dem Plakat waren uns acht bisher unbekannt. Ziemlich sicher sind bis heute auch noch ein paar Neue dazu gekommen.
Die Namen sind auf dem Foto schwer zu identifizieren. Wir veröffentlichen deshalb auch die Detailaufnahmen.

Der Heldenschreibtisch der Schule 14 in Moskau. In der Mitte der Vater von Denis Gordonow
Während es über die Weiten Russlands ausreicht, als gewöhnlicher Soldat im Krieg gegen die Ukraine gefallen zu sein, um an der örtlichen Schule einen "Heldenschreibtisch" verpasst zu bekommen, gelten in der Hauptstadt Moskau weit höhere Hürden. In der Moskauer Schule Nr. 14 wurde am 8. Mai 24 bei einer Feier einem richtigen Oberstleutnant jene zweifelhafte Ehre zuteil. Denis Gorodnow, Rufzeichen "Baikal", hatte die Schule besucht und war am 20. Oktober 23 im Krieg gegen die Ukraine gefallen.
Weiterlesen: Heldenschreibtisch in der Moskauer Schule Nr. 14
Dass das Lesen all dieser Beiträge über Kriegstote eine ziemlich deprimierende Angelegenheit ist, wird niemand bestreiten. Doch hin und wieder finden sich Nachrichten mit einem hohen Unterhaltungswert. So wie dieser Beitrag auf VKontakte aus der Stadt Klin in der Region Moskau als übersetzter Originalbeitrag (leicht redigiert):
In Klin belauscht - 6. Juni 24 um 17:18 -- Link
Unser Landsmann Dmitri Nikolaewitsch Kazarin starb in der Zone des nördlichen Militärbezirks. Ein Mann, der gegen Ungerechtigkeit gekämpft hat, ein ehrlicher, dem Land ergebener Bürger. Lass die Erde für ihn sein....
"Er lebte ein kurzes, aber würdiges Leben!", lautet die Überschrift eines Nachrufes für Dmitri Wassiljewitsch Sacharow. Der junge Mann wurde am 25. März 1999 im Bezirk Buguruslan der Oblast Orenburg geboren und wurde als Freiwilliger im Krieg gegen die Ukraine getötet.
Auch seine militärische "Karriere" zeigt den Umgang des russischen Militärs mit dem Leben ihrer Soldaten. Im Oktober 23 unterzeichnete Dmitri einen Militärvertrag, am 3. November 23 war er bereits tot. Er war bei einem Angriff bei Tschassiw Jar in der Region Donezk nicht zurückgekehrt. Dann dauerte es bis zum Juni 2024, dass Dmitri oder was auch immer zurück in seine Heimat kam und bestattet wurde. Aber bei der Beisetzung war das alles kein Thema
Zugegeben - die beiden Filme sind keine Meisterleistungen eine Kameramanns, sondern wacklige Dokumentationen der Gräber von im Krieg gegen die Ukraine gefallenen Soldaten, beide schnell aufgenommen, damit keine unangenehmen Fragen gestellt werden.
Der erste Film wurde am 10.03.24 veröffentlicht und zeigt Gräber auf dem Bolscheochtinskoje-Friedhof, dem größten Friedhof von St. Petersburg. Auf dem Friedhof befinden sich Massengräber sowjetischer Soldaten, die im Winterkrieg (1939-40) und im zweiten Weltkrieg (1941-45) gefallen sind. Der Film zeigt die Gräber von zwanzig Opfern im Krieg gegen die Ukraine, davon waren uns 13 Namen bisher unbekannt.
Wir hatten bereits mehrfach berichtet, dass russische Agenten auch in Nepal Söldner für den Krieg gegen die Ukraine anwerben.
Vier weitere Nepalesen sind für Russland im Krieg gegen die Ukraine getötet worden. Wir führen diese Kriegstote unter "unbekannter Region". Damit diese jungen Leute nicht ganz untergehen, nachstehend ihre Namen:

Wladislaw Jewgenjewitsch Kostromitin, geboren am 24.04.1993, war ein abgehalfteter Moskauer Gangster-Rapper, der unter dem Namen Wlad Marmeladow auftrat. Seine Themen kamen aus der russischen rechtsradikalen Ultra-Fußballszene, getüncht mit extremen Patriotismus und Gangsteridyll (Musikprobe). Mit der Musik lief es wohl nicht so gut, also dealte Wlad auch ein wenig. Statt Gefängnis ging er lieber an die Front, wo er getötet wurde. „Wir kannten ihn als einen würdigen Menschen und Sohn seines Vaterlandes. Er lebte wie ein echter Mann und Krieger und starb wie ein echter Mann und Krieger“, schreibt der Nachruf am 12.08.26.
Durch die ersten Erkältungskrankheiten sind wir im Moment etwas in Schwierigkeiten. Trotzdem habe ich heute den Monatsabschluss Juli 2026 freigeschaltet, obwohl er nur oberflächlich Korrektur gelesen wurde. Sollten noch Fehler im Fließtext sein, werden diese im Laufe des morgigen Tages korrigiert - versprochen. Die Tabellen & veröffentlichten Zahlen dagegen wurden überprüft.
CK, 25.08.2026
Die Opferlisten der russischen Regionen haben wir in den letzten Tagen bis Ende Juli 2026 aktualisiert. Eine Zusammenfassung des Monats Juli ist in den kommende Tagen zu erwarten.
Folgende Regionallisten wurden neu angelegt:
OM, 24.08.26
Im kalten Winter 2022 in Ischewsk, der Hauptstadt der russischen Teilrepublik Udmurtien, sang eine Gruppe Friedensdemonstranten das Lied „Möge es immer Sonenschein geben“. Wir haben darüber berichtet. Das Lied, aus der Perspektive eines kleinen Jungen, ist ein Apell an uns Menschen, den Frieden zu sichern. Das Lied gehört(e) zur sowjetischen Jugendkultur und wurde auch von den jungen Pionieren in der DDR gerne gesungen. Hier eine Version von Pete Seeger.
Der russische Refrain lautet etwa so:
Möge es immer Sonnenschein geben,
möge es immer blauen Himmel geben,
möge es immer Mama geben,
möge es immer mich geben!
In Anbetracht dieses Jahrhundertsommers können wir feststellen: Den ewigen Sonnenschein und den immer blauen Himmel haben wir. Den Frieden dagegen noch nicht.
OM, 11.08.26
Wir haben unsere Liste mit den deutschen Namen der Kriegstoten bis zum Juni 2026 aktualisiert. Insgesamt sind es jetzt 1.855 Namen.
Bitte beachtet - all diese Kriegstoten müssen nicht unbedingt einen russlanddeutschen Hintergrund haben. Sicher gibt es darunter auch einige Russen, die nur noch den Namen führen, aber mit russlanddeutscher Kultur nichts zu tun haben. Es ist durchaus auch möglich, dass sich darunter auch jüdische Namen befinden, die aus dem deutschen Sprachraum nach Osten gewandert sind.
Typisches Beispiel dafür ist der Nachname „Katzenelnbogen“, den wir einigemale in Russland angetroffen haben. Katzenelenbogen ist eine Kleinstadt am Rande des Taunus, den Namen hat eine jüdische Dynastie angenommen, die dort im Mittelalter gegründet wurde.
Und natürlich - es ist auch möglich, dass wir uns bei einigen der Namen getäuscht haben und diese eine andere Herkunft haben.
CK, 07.08.26
Die Opferlisten der russischen Regionen haben wir in den letzten Tagen bis Ende Juni 2026 aktualisiert. Eine Zusammenfassung des Monats Juni ist in den kommende Tagen zu erwarten.
Folgende Regionallisten wurden neu angelegt:
OM, 02.08.26
Da wir jeden Tag mehrere Kurzzeitsoldaten unter den russischen Kriegstoten finden, haben wir etwas umgestellt. Diese Personalien sind aus unserer Rubrik „Personalien & Kurznachrichten“ verschwunden, wir haben dafür eine neue Rubrik „Ohne viele Worte“ erstellt. Dort findet man nur den Namen des Kurzzeitsoldaten und das Datum der Veröffentlichung. Mit einem Klick auf den Namen erhält man das übliche Profil dieses Menschen.
Zunächst haben wir unsere letzte Veröffentlichung der 12 Kurzzeitsoldaten dort eingestellt, der Beitrag ist deshalb von der Titelseite verschwunden. In den nächsten Tagen werden wir täglich mehrere neue Kurzzeitsoldaten veröffentlichen, die bisher auf Halde liegen.
Auf Anfrage einiger Leser haben wir unserer Tabelle mit den vermutlich russlanddeutschen Kriegstoten noch eine Liste der regionalen Verteilung hinzugefügt.
Wie zu erwarten kommen die meisten dieser Kriegstoten aus Sibirien: Region Altai, Omsk und Nowosibirsk.
Das Übersetzen der russischen Namen ins Deutsche ist ein Kapitel für sich. Wir machen das mit dem Übersetzungsprogramm von DeepL. Allerdings ist das Ergebnis so, dass man alle Namenübersetzungen überprüfen muss. Spätestens nach einigen Namen fällt das Programm wieder ins Englische zurück und die Ergebnisse sind nur schwer lesbar. Manchmal vergisst das Programm auch Endungen oder wirft Zeichen mit fremden, nicht deutschen Akzentzeichen aus.
Beim Durchgehen der übersetzten Namen markieren wir die deutschen mit einem Sonderzeichen, damit wir diese in eine extra Tabelle überführen können. Was macht DeepL zuletzt? Haben wir solch einen Namen markiert und verbessern in der Folge weitere Namen, dann markiert KI diese auch mit jenem Sonderzeichen. So rutschen auch russische Namen automatisch in unsere Tabelle der Russlanddeutschen.
Folglich - alles muss erneut korrigiert werden.
Es ist alles zusammen gekommen, die Hitze der letzten Tage, die unsere Arbeitsmoral untergraben hat, durch die hessischen Ferien bedingte dünne Besetzung und schließlich ist unsere EDV-Erfassung auch noch abgestürzt. So dauerte unsere Zusammenfassung des Monats Mai länger als geplant. Wir bitten um Entschuldigung.
Die Todeslisten aller russischen Regionen sind jetzt bis zum Monat Mai 2026 aktuell. Die übliche Zusammenfassung werden wir bis zum 16.07.26 vorlegen.
Folgende Regionallisten wurden neu angelegt:
Wir hatten etwas Probleme mit unserer internen IT, deshalb haben wir uns mit dem Monat April 2026 weiter verspätet und konnten auch keine aktuellen Themen einschieben. Die Zusammenfassung werden wir am morgigen Donnerstag vorlegen.
Alle russischen Regionen wurden bereits mit den Daten des Monats April 2026 aktualisiert.
Folgende Listen wurden neu angelegt:
Wir haben alle russischen Regionen mit den Daten des Monats März 2026 aktualisiert.
Folgende Listen wurden neu angelegt:
Die ausführliche Zusammenfassung zum Monat März 2026 und die erfassten Daten zum April 2026 werden wir bis spätestens 12. Mai vorlegen können.
CK, 11.05.2026
Wir sind gerade im Stress und bereiten den Abschluss des Monats März 2026 vor. So haben wir versehentlich einen unfertigen Beitrag online gestellt: „Für Glaube und Vaterland in Nowomoskowsk“. Wir bitten um Entschuldigung.
Wir haben den Beitrag wieder versteckt, er wird erst in den nächsten Tagen - dann hoffentlich komplett - veröffentlicht.
OM 07.05.2026
Am Abend des 5. Mai 2026 war unsere Domain „oskarmaria.de“ nicht zu erreichen. Nach hektischen Versuchen, das Problem auf unserem Webserver zu suchen, mussten wir feststellen, dass wir nicht unternehmen können. Die Namensauflösung für de-Domains war bei Denic gestört. Über unsere zweite Domain https://www.gibtsnet.eu sind wir weiterhin & ungestört zu erreichen.
Zum Beitrag über die beiden in Russland inhaftierten Frauen Natalia Leonhardt und Daria Jegerewa wollen wir noch einige Anmerkungen nachreichen.
Nach der Verhaftung der beiden Frauen wurde zunächst nur der Name von Daria Jegerewa bekannt. Die Familie von Frau Leonhardt wollte, dass ihr Name nicht genannt werden solle. Sie versprachen sich so bessere Chancen vor Gericht. Das ist nicht eingetreten.
Aber dazu passt: Wir hatten beim Unterstützerkomitee angefragt, ob wir ein Foto benutzen können, das beide Frauen zeigt. Am folgenden Tag haben wir die Erlaubnis bekommen, die dann wenig später zurückgezogen wurde. Die Verantwortliche hatte unsere Webseite besucht und meinte danach, dass eine Fotoveröffentlichung in unserem Kontext den beiden Frauen eher schaden würde. Wir wollen das nicht weiter kommentieren.
Russische Freiwillige, die in den ersten drei Monaten nach Vertragsunterzeichnung an der Front getötet wurden, stellen wir unter der Überschrift „Ohne viele Worte“ vor. Da es zu viele waren, haben wir zunächst maximal einen Gefallenen pro Tag veröffentlicht. Aktuell ist die Situation so, dass es in vielen Regionen inzwischen untersagt ist, die genauen Daten anzugeben, wann der Vertrag unterschrieben und wann der Freiwillige getötet wurde. Neue Freiwillige sollen durch solch eine Wahrheit nicht abgeschreckt werden, meinen die russischen Behörden.
Wir haben uns deshalb entschieden, wieder alle Kurzzeitsoldaten zu veröffentlichen, die wir registrieren. Das sind meist Männer aus Burjatien, da in dieser Region - teilweise - noch immer ausführliche Nachrufe publiziert werden. Burjatien steht stellvertretend für alle russischen Regionen, wie unser aktuelles Beispiel aus Transbaikalien zeigt. Im Bezirk Krasnotschikoisky haben wir unter 128 Gefallenen insgesamt 36 Kurzzeitsoldaten gefunden.
Eine aktuelle Liste der Antrittsprämien aller rusischen Regionen, die der russische Staat für Zeitsoldaten bezahlt, haben wir hier veröffentlicht.
Wir haben alle russischen Regionen mit den Daten des Monats Februar 2026 aktualisiert.
Folgende Listen wurden neu angelegt:
Die ausführliche Zusammenfassung zum Februar 2026 und die erfassten Daten zum März 2026 werden wir bis spätestens 10. April vorlegen können.
OM, 09.04.2026
Vielleicht ist euch aufgefallen, dass wir sehr häufig Personen aus Burjatien vorstellen. In unserer Rubrik der Kurzzeitsoldaten (Ohne viele Worte) sind überwiegend Gefallene aus Burjatien vertreten. Das hat einfache Gründe - in Burjatien werden gewohnheitsmäßig ausführliche Nachrufe auf die im Krieg getöteten Landeskinder veröffentlicht. So erfahren wir viele Details. Das kommt in anderen Regionen eher selten vor, häufig werden auch mißliebige Daten gezielt verheimlicht. So zum Beispiel dass die getöteten Soldaten aus der Haft an die Front entlassen wurden, dass sie nur eine kurze Überlebensdauer hatten, usw. In einigen Regionen wie Baschkortostan sind inzwischen solche detaillierten Nachrichten verboten, häufig wird sogar das Alter verschwiegen.
So muss Burjatien als Beispiel herhalten, wenn es um Kurzzeitsoldaten, jugendliche Dummköpfe und Häftlinge geht. Es wird in allen anderen Regionen nicht viel anders sein.
Wir haben alle russischen Regionen mit den Daten des Monats Januar 2025 aktualisiert.
Es wurden neun neue Listen angelegt:
Die ausführliche Zusammenfassung zum Januar 2026 und die erfassten Daten zum Februar 2026 werden wir bis spätestens 13. März vorlegen können.
OM, 12.03.26
Der Trend bei den Nachrufen hält an - konkrete Daten werden nicht mehr angegeben. So will es die russische Regierung. Damit kann man nicht mehr abschätzen, wie lange der Zeitvertrag mit dem Militär dauerte oder besser, wie schnell der Soldat nach Vertragsunterzeichnung getötet wurde. Auch wird die Feststellung verhindert, wie lange der getötete Soldat irgendwo an der Front liegen blieb.
Normalerweise haben wir max. einen Kurzzeitsoldaten pro Tag in unserer Rubrik „Ohne viele Worte“ veröffentlicht. Das haben wir heute ausnahmsweiße verändert und alle Kurzzeitsoldaten gelistet, die uns im Zeitraum vom 19. bis 20. Januar 26 aufgefallen sind. Als Beleg dafür, dass auch weiterhin viele russischen Freiwilligen nur kurze Zeit an der Front überleben, auch wenn diese Tatsache unterdrückt werden soll.
CK, 23.02.26

Nachdem die Aufmerksamkeit zu unseren Veröffentlichungen wächst, eine kurze Information zu OskarMaria.
Unter diesem Pseudonym war der Initiator im Internet seit über 25 Jahren recht unregelmäßig präsent. Ab dem Jahr 2014 hat er hier über die Situation in den von Russland besetzten Gebieten des Donbass geschrieben. Als einer der ersten Journalisten überhaupt informierte er über die damals neu gegründete Gruppe Wagner.
Beruflich war er seit den 80-iger Jahren Geschäftsführer von diversen Medienunternehmen im Printbereich. Jetzt im Ruhestand, Kinder erwachsen, bleibt etwas mehr Zeit, die gesammelten Erfahrungen zusammen mit wenigen Mitstreitern für dieses Projekt zu nutzen.
Nachtrag: OskarMaria– das ist eine kleine Verbeugung vor dem beinahe vergessenen Schriftsteller Oskar Maria Graf. In Zeiten der Bücherverbrennungen wurden seine Werke von den Nazis verschont, ja sogar teilweise empfohlen. „Verbrennt mich!“ schrieb er 1933 in der Wiener Arbeiterzeitung, „nach meinem ganzen Leben und nach meinem ganzen Schreiben habe ich das Recht, zu verlangen, dass meine Bücher der reinen Flamme des Scheiterhaufens überantwortet werden und nicht in die blutigen Hände und die verdorbenen Hirne der braunen Mordbanden gelangen!“ Schließlich floh er in die USA – dort lebte er in bescheidenen Verhältnissen. Deutschland wollte den unbequemen Mann nach dem Krieg nicht wieder haben. Er starb 1967 in New York.
Literaturempfehlung: Wir sind Gefangene - Autobiograhie 1927.
Doppelt
Wladimir: 25. Artem Kozhenkov // Nischni Nowgorod: 35 Artem Kozhenkov
Wolgograd: 01 Juri Agarkov // Pskow: 41 Juri Agarkow
Kutelev Stanislav, dreifach, Kostroma, Rjasan und Orenburg. Nur Orenburg
Nikolai Symov, Rjasan & Tschuwaschien - nur Tschuwaschien
Mamontov Mikhail - Krasnodar Teil 1 & Teil 2
Ivan Alekseevich Chulkov, Kostroma, Pos. 51/56
Elimov Alexey Michailowitsch , Kostroma & Tschuwaschien
Falsch einsortiert
Ruslan Khamitov, Tscheljabinsk, kein Söldner der Gruppe Wagner
In der russischen Teilrepublik Inguschetien im Kaukasus überbringt der Ministerpräsident die Beileidsbekundigungen für die im Krieg gegen die Ukraine getöteten Inguschen persönlich. Mitte August hatte er vier Familien aufzusuchen.
Laut Wladimir Slasteinin, dem Ministerpräsidenten, nehmen insgesamt mehr als zweitausend Einwohner Inguschetiens an den Kampfhandlungen bei der russischen Armee teil. Wir haben bisher 290 Kriegstote registriert, die tatsächliche Zahl dürfte deutlich höher liegen.
Der Telegram-Kanal „Fortanga“ schreibt zu den Kriegsversehrten:
Mehrere hundert Menschen erlitten schwere Verletzungen. Allein im Jahr 2025 wurden in Inguschetien 464 Teilnehmer an den Kampfhandlungen behandelt. Die genaue Zahl der Verletzten und derjenigen, die im Laufe der Kampfhandlungen eine Behinderung erlitten, wird nicht genannt. Die Verwundeten erhalten nicht immer die ihnen zustehenden Prothesen und sind gezwungen, sich bei verschiedenen Behörden zu beschweren.
Eine Gruppe Lehrer hatten die Möglichkeit zu einer Audienz bei Wladimir Putin. Ein Mann berichtet von einem Ausflug zum Nordpol und auf Rückfrage berichtet er, zwei Eisbären gesehen zu haben. Das findet Wladimir interessant und erzählt, dass Orcas Eisbären in Stücke reißen und vertilgen würden (dafür konnte der Verfasser keine Belege finden). So wäre das Leben, meint Wladimir, der Stärkere frisst den Schwächeren, die Nahrungskette eben. Das sollen die Lehrer ruhig ihren Schülern beibringen. Und deshalb würde Russland ja auch die „Spezielle Militäroperation“ durchführen.
Jabloko ist die einzige Partei in Russland, die sich gegen den Angriffskrieg gegen die Ukraine ausspricht. Sie wurde durch Beschluss eines Moskauer Gerichts, von den kommenden Parlamentswahlen ausgeschlossen. Geklagt hatte die linksnationalistische Partei „Rodina“, die sich selbst nationalkonservativ nennt. Soviel zur allgemeinen Verwirrung.
In ihrer Klage warf Rodina der Partei Jabloko Uhrheberrechtsverletzungen vor. So hätte Jabloko ohne Genehmigung Zeilen aus dem Antikriegslied „Es soll immer Sonnenschein geben“ und die Zeile „Wenn es doch nur keinen Krieg gäbe“ aus Alexander Wolodins Theaterstück „Fünf Abende“ verwendet, sowie Umfragedaten des Lewada-Zentrums zitiert. Es gibt in der Klage weitere Vorwürfe ähnlicher Qualität.
Bliebe zum Schluss noch zu erwähnen: Der Sohn des Komponisten des Liedes „Es soll immer Sonnenschein geben“ hatte der Partei ganz offiziell die Erlaubnis zur Nutzung gegeben.
In den ersten sechs Monaten dieses Jahres hat Russland 43,5 Tonnen Gold verkauft. Aber es hat noch reichlich Reserven, Anfang Juli sollen sich noch 2.282 Tonnen Gold in den staatlichen Tresoren befunden haben. Trotzdem bedeutet dieser Verkauf den größten Rückgang der Goldreserven in den letzten 25 Jahre.
Der Goldverkauf dient in erster Linie der Deckung des russischen Haushaltsdefizits, der Staat muss immer höhere Ausgaben für den Krieg gegen die Ukraine finanzieren. Allerdings dürfte jenes verkaufte Gold meist im Land geblieben sein. In unsicheren Zeiten heben die Russen gerne ihre Rücklagen vom Konto ab und kaufen dafür Gold.
Die Kleinstadt Bad Ems liegt an der unteren Lahn und nur wenige Kilometer von der Stadt Koblenz entfernt. Bad Ems hatte seine Glanzzeit im 19. Jahrhundert. Es war die Kurstadt und Sommerresidenz von bedeutendem Adel und angesagten Künstlern. So führte zum Beispiel die Emser Depesche zum Französisch-Deutschen Krieg 1870/71.
Auch der russische Zar Alexander der II. verbrachte den Sommer gerne in Bad Ems. Dort unterzeichnete er am 30. Mai 1876 den „Emser Erlass“. Damit verbot er die Einfuhr und Veröffentlichung von Schriften in ukrainischer und belarussischer Sprache im Russischen Kaiserreich und stellte Zuwiderhandlungen unter Strafe. Eine kaiserliche Kommission hatte festgestellt, dass die Verwendung der ukrainischen Sprache staatsgefährdend wäre.
Dieses russische Überheblichkeitsdenken gegenüber den „Kleinrussen (Ukrainer)“ wirkt bis heute nach. Auf ihm basiert auch der propagandistische Überbau, mit dem der „Putinismus“ den russischen Angriffskrieg begründet.
Foto: Silin2005 -- Lizenz: Gemeinfrei -- Die Plakette wurde nach dem russischen Angriffskrieg 2022 von Unbekannten entfernt.
Wir hatten bereits über die Aussage der russischen Militätbloggerin Agnes Becker berichtet, die in ihrem Telegramkanal eine angeblich unabhängige Studie zitiert hatte. Danach würde die durchschnittliche Überlebensdauer eines Soldaten bei einem Angriff an den vordersten Positionen nur 20 - 35 Minuten betragen. Am letzten Mittwoch bestätigte der CIA-Direktor John Ratcliff diese Aussage:
„Unsere Erkenntnisse decken sich mit einigen Berichten aus offenen Quellen, die Sie möglicherweise im Zusammenhang mit der Ukraine gesehen haben: Die durchschnittliche Lebenserwartung eines russischen Rekruten, der derzeit auf dem Schlachtfeld in der Ukraine eintrifft, wird auf 20 bis 30 Minuten geschätzt.“
Durch den Einsatz von Drohnen mit KI-Unterstützung steigen jedoch die Verlustzahlen auch weit hinter der Front. Im folgenden Video sieht man solch eine Drohne, die zielgerichtet einen russischen Militärlaster ausschaltet. Vermutlich handelt es sich um die in Deutschland hergestellt HX-2 der Rüstungsfirma Helsing.
Die Kleinstadt Tschulym liegt etwa 130 km westlich der Hauptstadt Nowosibirsk. In der Stadt und im dazugehörigen Bezirk leben rund 20.000 Menschen - Tendenz rückläufig. Die Gegend ist landwirtschaftlich geprägt, etwa ein Drittel aller Erwerbstätigen arbeiten in diesem Bereich.
Ein Denkmal erinnert an die Toten aus den sowjetischen und russischen Kriegen. Im Krieg in Afghanistan sind zwei Soldaten aus dem Bezirk getötet worden, in den Tschetschenienkriegen wurden acht Männer getötet und im aktuellen Krieg gegen die Ukraine wurden bisher 113 Namen eingraviert.
Setzt man jene 113 Kriegtoten ins Verhältnis zur Bevölkerung, so würde jene Region an zweiter Stelle aller russischen Regionen in unserer entsprechenden Tabelle stehen.
Peter Frankopan ist Professor für Weltgeschichte an der Universität Oxford. In einem Essey über Wladimir Putin zitiert er den exilrussischen Telegram-Kanal „Astra“. Astra selbst zitiert in einem Beitrag eine/n Z-Blogger/in „Agna Becker“ der/die den Telegram-Kanal „Haus unter Lorbeeren“ betreibt. Agna Becker wiederum zitiert „unabhängige Studien von 'N' “ und damit kommen wir zur eigentlichen Nachricht.
Nach dieser Studie würde die durchschnittliche Überlebensdauer eines Soldaten bei einem Angriff an den vordersten Positionen nur 20 - 35 Minuten betragen. Laut der selben Studie betrage die „durchschnittliche Lebenserwartung“ eines Soldaten von der Zeit seiner Ankunft auf dem Übungsplatz bis zu seiner Abreise in den Kampfgebiet von zehn Tagen bis zu drei Wochen.
Ganz unrealistisch sind diese Aussagen nicht, wie unsere vielen Beispiele über Kurzzeitsoldaten zeigen. Wir haben Agna Becker angeschrieben und um einen Link auf die Originalveröffentlichung gebeten. Eine Antwort ist nicht zu erwarten.
„Ich freue mich auf meinen Tod“ ist der Titel einer bekannten Kantate von Johann Sebastian Bach. Die ist dem Autor spontan zum unten veröffentlichten - KI-generierten - Video eingefallen. In diesem werden 46 russische Soldaten vorgestellt, die alle aus der Großstadt Artjom oder deren näheren Umgebung in der Region Primorje stammen. Zur Erinnerung - die Region Primorje liegt im Fernen Osten Russlands. Die Soldaten im Video werfen ihre Waffen weg, lachen dabei und schreiten ins Nirwana.
Wieviel sinnvoller wäre es gewesen, wenn all diese Soldaten sich diesem verbrecherischen Krieg verweigert und gemeinsam ihre Waffen niedergelegt hätten? Sie wären zumindest lebend nach Hause gekommen. So dürfte auch diese KI-generierte Schmonzette keine Hilfe und Trost für ihre Angehörigen darstellen.
Im ersten Quartal 2026 floss beinahe jeder zweite Rubel aus dem russischen Staatshaushalt in das Militär. Das berichtet ein Mitarbeiter der deutschen Stiftung Wissenschaft und Politik in seinem aktuellen Rundschreiben. Ganz genau betragen die militärischen Ausgaben inzwischen 46% des gesamten russischen Haushalts.
Am 01.08.1914 ist Deutschland in den Ersten Weltkrieg eingetreten, am 11. November 1918 unterzeichnete eine deutsche Delegation den Waffenstillstand. Berechnet man die Zeitspanne des Krieges, so kommt man auf 1.564 Tage Krieg.
Am 24.02.2022 begann die zweite russische Invasion der Ukraine. Bis zum heutigen Tag gerechnet sind das inzwischen 1.570 Tage Krieg, der Konflikt dauert also inzwischen länger als der Erste Weltkrieg - trotz zwischen 300.000 und 500.000 russischen und vermutlich 100.000 ukrainischen Kriegstoten, all den Kriegsversehrten und unermesslicher Zerstörung der Lebensgrundlage der Menschen in der Region. Und noch immer ist kein Ende in Sicht.
Und zur Erinnerung: Die erste russischen Invasion in der Ukraine fand bereits im Jahr 2014 statt, als Russland die Krim gewaltsam annektierte und russische Geheimdiensttruppen in den Donbass einsickerten.
Das Dorf Uinskoje liegt in der russischen Region Perm mit etwa 4.000 Bewohnern. Vermutlich wurde in diesem Dorf ein Versuchsballon gestartet. In einer Information auf der VKonatkte-Seite der „Verwaltung des Stadtbezirks Uinsky“ wurde eine Anzeige der Verwaltung veröffentlicht. Danach werden Frauen in der Region Perm für den Kriegseinsatz rekrutiert. Die Behörden versprechen ein Gehalt von 210.000 Rubel pro Monat und einen Bonus von 1,5 Millionen Rubel für die Unterzeichnung eines Vertrags mit dem russischen Verteidigungsministerium. Der Vertrag soll eine Laufzeit von einem Jahr beinhalten. (Allerdings können solche Verträge laut einem Erlass des Präsidenten so lange verlängert werden, solange die Mobilisierung nicht aufgehoben ist.)
Laut dem Informationstext können nur Frauen zwischen 18 und 35 Jahren einen Vertrag als Drohnenpilotin unterzeichnen, Frauen unter 45 Jahren dürfen sich für Positionen als Fahrerin für humanitäre Hilfstransporte bewerben.
Die Informationsseite wurde inzwischen gelöscht. Allerdings ist es uns gelungen, noch einen Screenshot der betreffenden Anzeige zu sichern (Original, deutsche Übersetzung.).
Die russische Zensur verbietet die genaue Berichterstattung über die vielen ukrainischen Drohnenangriffe auf Erdölraffinerien und Militärstützpunkte im ganzen Land. Die örtlichen Medien berichten deshalb nur sehr zögerlich über die Resultate und zitieren lieber staatliche Erfolgsmeldungen, dass wieder eine Vielzahl von Drohnen abgeschossen wurden.
In den Kommentaren zu den Berichten der großen lokalen Medien ließen die Bürger ihrer Wut freien Lauf und verspotteten Behörden und Regierung. Wir haben mehrfach solche Kommentare veröffentlicht.
In den letzten Tagen gab es erneut Drohnenangriffe auf die Region Krasnodar und St. Petersburg. Wieder wurde im Raum Krasnodar eine Erdöl verarbeitende Anlage in Brand gesetzt und bei St. Petersburg wurde ein Munitionslager angegriffen. Es kam zu Explosionen, die Bevölkerung in der Nähe wurde evakuiert.
Leserkommentare zu den Berichten von Fontanka in St. Petersburg sind jetzt nicht mehr möglich, die Funktion wurde deaktiviert.
Die russische Staatsbank hat eine neue Tabelle über ihre Währungsreserven bis einschließlich 1. Mai veröffentlicht. Danach verkauft die Zentralbank seit Jahresanfang monatlich eine beträchtliche Menge an Gold - insgesamt knapp 28 Tonnen.
Russland dürfte durch den Verkauf etwa 3,7 Milliarden Euro eingenommen haben. Das russische Staatsvermögen wird aber nur zu einem geringen Teil, wenn überhaupt, bei den Bürgern ankommen. Der Staat benötigt die Einnahmen, um seinen Krieg gegen die Ukraine zu finanzieren.
„Udmurtien gegen Koruption“ ist ein Telegram-Kanal, über den wir auch Meldungen über russische Kriegstote aus der russischen Teilrepublik Udmurtien beziehen. Der Gründer des Kanals, Iwan Elisejew, hatte bis zum Jahr 2021 das regionale Büro Alexej Nawalnys geleitet. Ende 2021 verließ auch Elisejew Russland, um einer Verhaftung zu entgehen.
„Udmurtien gegen Koruption“ wurde inzwischen in das russische Register der „ausländischen Agenten“ aufgenommen. Iwan Elisejew wurde aktuell vom russischen Innenministerium zur Fahndung ausgeschrieben.
Am 13. und 14. Mai startete Russland den größten Drohnenangriff auf Kiew und die gesamte Ukraine. Moskau setzte 1.567 Drohnen und 56 weitere Raketen ein. Allein in Kiew wurden 24 Menschen getötet.
Zwei Tage später griffen ukrainische Drohnen zum ersten Mal in großem Umfang die Region Moskau an. Ziele waren eine Erdölraffinerie und Betriebe mit militärischer Produktion. Mindestens drei Menschen wurden getötet.
Zum Bericht des Moskauer Internetportals MSK1 über die Schäden, gab es auch einige interessante Kommentare:
Das WZIOM ist ein staatliches Meinungsforschungsinstitut in Russland, das größte seiner Art im Land. Es veröffentlicht regelmäßig Untersuchungen über die Beliebtheitswerte des Präsidenten, der russischen Regierung und der Stimmung im Land. Im April 26 berichtete das Institut, dass die Zustimmungswerte zur Amtsführung des Präsidenten auf 65,6% gefallen wäre. Dem Ministerpräsidenten und seine Regierung bescheinigte das Institut Zustimmungswerte von 44,3%, bzw. 39,7%. Für eine deutsche Regierung wären das beruhigende Werte, im autoritären Staat Russland geht so etwas nicht.
Im Mai 2026 änderte WZIOM dann die Methodik - und siehe da, die Werte für Putin wurden besser. Zitat:
Laut den Ergebnissen einer gemeinsamen Umfrage unter Russen lag die Zustimmungsrate für die Leistung des Präsidenten im Zeitraum vom 4. Mai bis 10. Mai 2026 bei 66,8 %. Die positive Bewertung der Arbeit des Premierministers und der russischen Regierung in der vergangenen Woche betrug 42,2 % bzw. 38,9 %.
Damit kann Präsident Putin ganz gut leben und alle aktuellen politischen Probleme an seine Regierung adressieren.
Damit alles passt, hat WZIOM diesmal seine Methodik verändert. Statt einer reinen Telefonbefragung der Bürger, ist man jetzt zusätzlich von Haustüre zu Haustüre gegangen und hat die Menschen direkt angesprochen.
Frage an unsere Leser: Würden Sie in einem autoritären Staat eine ehrliche Antwort geben, wenn ein Unbekannter vor ihrer Tür steht und Sie nach Ihrer Meinung zum Präsidenten befragt? Auch wenn der Frager versichern würde, alles bliebe anonym?
Jeder deutsche Bundeskanzler wäre glücklich und froh, wenn er die Zustimmungswerte des russischen Präsidenten auch nur annähernd erreichen könnte. Die lagen seit Beginn des Angriffskrieges stabil bei über 80% in der russischen Bevölkerung.
Doch Unruhe kommt auf, das einzig verbliebene, unabhängige russische Meinungsforschungsinstitut, das Lewada-Zentrum, berichtet von ihrer letzten Umfrage vom 30.04.26:
Die Zustimmungswerte für Wladimir Putin als Präsident lagen im April 2026 bei 79 Prozent und sind in den vergangenen sechs Monaten kontinuierlich gesunken – um 8 Prozentpunkte seit September 2025. 16 Prozent der Befragten missbilligen die Amtsführung des Präsidenten (ein Anstieg um 5 Prozentpunkte seit September 2025). Dies ist das erste Mal seit Herbst 2022, dass dieser Wert unter 80 Prozent gefallen ist.
Am 9. Mai feierte ganz Russland den Tag des Sieges über Nazideutschland. Aus Sicherheitsgründen wurden landesweit die Massenveranstaltungen mit Militärparaden und schwerem Gerät abgesagt. Doch kleinere Paraden fanden statt, häufig mit Bezug auf den Krieg gegen die Ukraine.
„Gesucht wird Valentin Michailowitsch Kulikow, geboren am 22.03.2007. Militäreinheit 75281. Er ging am 09.06.2025 in Redkodub auf Patrouille. Ab dem 11.06.2025 wurde er vermisst. Von der Einheit wurde berichtet, dass die Gruppe unter einen Mörserbeschuss geraten sei und die Soldaten sich zur Erhaltung der Truppe zerstreut hätten. Seine Mutter sucht nach ihm. Es gibt zwei Möglichkeiten: Entweder er ist gefangen oder er liegt in einem Buschversteck. Dort herrscht eine Temperatur von 40 Grad.“ Telegram vom 11.08.25 (Kopie).
Inzwischen wissen wir aus dem russischen Erbschaftsregister, dass Valentin am 11. Juni 2025 getötet wurde. Ein Foto und weitere Informationen haben wir nicht gefunden.
Was wir aber sicher wissen: Valentin wurde am 22.03.2025 18 Jahre alt. Erst danach konnte er einen Vertrag mit dem russischen Militär abschließen. Und militärische Vorkenntnisse hatte er auch nicht. 81 Tage oder nicht ganz drei Monate nach seinem 18. Geburtstag wurde Valentin an der Front verheizt.
Am 30. April begeht Russland zum ersten Mal den Tag der indigenen Völker. Vor Vertretern verschiedener Ethnien erklärt Wladimir Putin:
In der Russischen Föderation leben 47 indigene Völker. Jedes von ihnen ist ein integraler Bestandteil des Landes und seiner unverwechselbaren Vielfalt und trägt zudem einzigartige Bräuche, kulturelle Codes und nationale Eigenheiten. Jede ethnische Gruppe innerhalb der brüderlichen Völkerfamilie Russlands stellt das gemeinsame Erbe des Landes dar. Dessen Erhaltung, Wachstum und Wohlergehen bedeuten unmittelbar die Erhaltung und das Wachstum des gesamten multinationalen Volkes Russlands.
Perm - das ist die östlichste Millionenstadt in Europa und Hauptstadt der gleichlautenden Oblast. Ukrainische Langstreckendrohnen haben in der Nacht zum 29. April 2026 Rohöl verarbeitende Anlagen in der Stadt in Brand gesetzt. Eine riesige schwarze Rauchsäule steigt seither zum Himmel.
Der Gouverneur der Region, Dimitri Machonin, gibt Entwarnung: „Die Schadstoffwerte liegen im Normbereich und stellen keine Gefahr für die Einwohner von Perm dar.“ Im Bericht des Internetmediums 59.RU geht es in den Kommentaren hoch her. Einige Beispiele: