Sergey PushninZurück in die Jahre 1998 bis 2010 ins ferne Sibirien: In der Großstadt Krasnojarsk mit rund 1,4 Millionen Einwohnern trauten sich Frauen am Abend nicht mehr allein auf die Straße. Ein Serienvergewaltiger und Mörder ging um und konnte lange nicht gefasst werden. Und weil der Mann sich zudem an den Toten verging, wurde er öffentlich als „Krasnojarsker Nekrophile“ gesucht.

Im Jahr 1999 wurde er wegen Vergewaltigungen zu neun Jahren verurteilt, die Morde konnte man ihm noch nicht nachweisen. Erst 2009 wurde er auch als Mörder identifiziert und zu 25 Jahren Gefängnis verurteilt.

Aber Sergej bekam eine dritte Chance, sich an der Front in der Ukraine zu bewähren. Dort verschwand er im November 2024 und tauchte schließlich im russischen Nachlassregister wieder auf.

Die Leibgarde des venezolanischen Präsidenten bestand zu einem erheblichen Teil aus kubanischen Soldaten. Insgesamt 32 Kubaner wurden bei der Entführung von Maduro am 3. Januar 26 auch getötet. Der Film zeigt die Überführung der sterblichen Überreste der Soldaten nach Kuba. Dort wurde inzwischen eine zweiwöchige Staatstrauer angeordnet.

Soviel Ehre wird den kubanischen Söldnern im Dienst der russischen Armee nicht zuteil. Ihre Überreste werden nicht in die Heimat ausgeflogen, selbst in Gefangenschaft geratene Kubaner erhalten keine Hilfe von der kubanischen Regierung. Die staatliche ukrainische Intiative „Ich will leben“ hat eine Liste mit 54 kubanischen Söldnern veröffentlicht, die alle auf Seiten Russlands im Krieg gegen die Ukraine gekämpft hatten und getötet wurden.

Tausende Transportunternehmen in Russland stehen vor der Liquidation

Russische Fernfahrer

Russische Fernfahrer

Etwa 7.000 Transportunternehmen befanden sich im Jahr 2025 in der Liquidation oder Insolvenz. Aufgrund gestiegener Kraftstoffpreise und Leasingzahlungen, gestiegener Wartungskosten für Fahrzeuge, hoher Leitzinsen sowie gestiegener Abwrackprämien geben Spediteure mehr aus, als sie verdienen, sodass Transporte unrentabel werden. Darüber hinaus sagen Experten, dass sich auch der allgemeine Rückgang der Industrie auf den Transport auswirkt.

Vorbemerkung: Die folgenden Statistiken basieren auf unserer elektronischen Erfassung der russischen Kriegstoten. Erst bis zum 20.12.25 haben wir bisher die Daten kontrolliert und vervollständigt, der Rest steht noch aus. Es sind allerdings keine großen Korrekturen zu erwarten. In der Regel fischen wir wenige doppelt erfasste Namen heraus, aber es kommen auch neue dazu.

Das Volk will den Sieg

In einem Monat und einer Woche geht Russlands Angriffskrieg ins fünfte Jahr und weiter ist kein Ende in Sicht. Doch Präsident Putin hat seiner Bevölkerung große Versprechungen gemacht. Er will Kleinrussland zurück ins russische Staatsgebiet holen.

Medweschje See

Medweschje See im Tofalarija Naturreservat  -- Foto: Olegjihc -- Lizenz: CC BY-SA 4.0

Wir befinden uns im Bezirk Nischneudinsk im Westen der Oblast Irkutsk. Das Gebirge auf dem Foto ist der Ostsajan, den man meist nur per Hubschrauber erreichen kann. In diesem völlig abgelegen Teil Russlands lebt das Volk Tofalaren, von dem gerade mal noch 800 Menschen existieren. 

Die Tofalaren sind eine turksprachige Ethnie, die früher nomadisch gelebt hat und die durch andere Ethnien in das abgelegene Gebiet im Ostsayan abgedrängt wurde. Die Tofalaren lebten von der Rentierzucht und von der Jagd. Die Zivilisation bescherte ihnen sinkende Lebenserwartung, hohe Kindersterblichkeit, hohe Arbeitslosigkeit und ein schnelles Sinken des natürlichen Bevölkerungswachstums.

Mit Andrej Choljamojew stellt das Volk der Tofalaren jetzt auch den jüngsten Kriegstoten aller Völker rund um den Baikalsee.

Wie die Sicherheitskräfte die Verteidiger eines architektonischen Denkmals verfolgen

Peter Wachleute

Wachleute, die für den Abriss des Gebäudes des Allunionsforschungsinstituts für Zellstoff- und Papierindustrie (VNIIBa) angeheuert wurden

Am 8. Januar 2026 wurde in St. Petersburg das Gebäude des Allunionsforschungsinstituts für Zellstoff- und Papierindustrie abgerissen, das sieben Jahre lang von Stadtbeschützern und Bewohnern des Stadtteils Wyborgsky verteidigt worden war. Der Abriss wurde von heftigen Auseinandersetzungen zwischen seinen Verteidigern und zahlreichen angeheuerten Sicherheitskräften begleitet. Es kam zur Festnahme von Aktivisten, zur Einleitung von anderthalb Dutzend Verwaltungsverfahren und einem Strafverfahren. Die Namen der Verteidiger des Gebäudes, mit denen Redaktion gesprochen hat, wurden aus Sicherheitsgründen geändert.

Bakhmut during the battle 2023 03

Die Ruinen der ukrainischen Stadt Bachmut

Wir haben heute ein historisches Datum erreicht: Am 24. Februar 2022 startete der russische Präsident Wladimir Putin den Einmarsch russischer Truppen in die Ukraine und wollte die Hauptstadt Kiew in drei Tagen erobern. Seither sind beinahe vier Jahre vergangen - genau 1.417 Tage.

Am 22. Juni 1941 startete Adolf Hitler den Überfall auf die damalige Sowjetunion und Deutschland musste nach anfänglichen Erfolgen am 8. Mai 1945 bedingungslos kapitulieren. Dieser gescheiterte Feldzug für „Lebensraum im Osten“ dauerte damit ebenfalls 1.417 Tage.

Bezirk Bogorodsky

 Bezirk Bogorod in der Oblast Kirow -- Foto: Ele-chudinovsk -- Lizenz: CC BY-SA 4.0 

Der Bezirk Bogorod liegt im Südosten der Oblast Kirow und hat rund 3.500 Bewohner. Wie die gesamte Oblast Kirow ist auch dieser Bezirk schwindsüchtig - die Menschen wandern ab. Um das Jahr 1970 lebten noch 12.000 Menschen im Bezirk Bogorod.

Für den Bezirk gibt es eine privat betriebene Webseite „ www.bogorodskoe43.ru“, die am 9. Dezember 2025 eine Liste der Bewohner der gesamten Oblast Kirow veröffentlicht hat, die im Krieg gegen die Ukraine getötet wurden. Das ist bemerkenswert, denn solche Zusammenstellungen sind in Russland eigentlich verboten, die Zensur wird gerichtlich schnell durchgesetzt und kann zur Schließung der gesamten Webseite führen.

Getötete russische Soldaten - Stand 31.12.2025

Erfasste russische Kriegstote
Jahr  2022 10.600
Jahr 2023 29.353
Jahr 2024 51.616
Jahr 2025 81.974
Summe 173.543

Vorausgeschickt - die folgenden Statistiken basieren auf unserer elektronischen Erfassung der russischen Kriegstoten. Erst bis zum 10.12.25 haben wir die Daten kontrolliert, der Rest steht noch aus. Es sind allerdings keine großen Korrekturen zu erwarten. In der Regel fischen wir wenige doppelt erfasste Namen heraus, aber es kommen auch neue dazu.

Halten wir fest:

  • Das Jahr 2025 war das blutigste Jahr seit Beginn des russischen Einmarsches in die Ukraine.
  • Russland verliert/verheizt jeden Monat zwischen 30.000 und 35.000 Soldaten an der Front.
  • Diese verwundeten oder getöteten Soldaten werden jeden Monat durch 35.000 neu rekrutierte Zeitsoldaten ersetzt.
  • Ein Frieden ist weiter nicht in Sicht.

Iwantschug 1

Am 6. Dezember 2025 fand im Dorf Iwantschug in der Oblast Astrachan eine Trauerfeier für Marat Izbassarowitsch Schadirow statt. Marat wurde am 17.08.1971 geboren, er zog in den Krieg gegen die Ukraine und wurde an jenem 6. Dezember begraben.

Das Dorf Iwantschug hat rund 1.400 Bewohner, davon 66 % Russen und 28% Kasachen. Es liegt im Wolgadelta 25 Meter unter dem Meeresspiegel. 

Ein Krieg in all seinen Facetten ist an Grausamkeit nicht zu überbieten. Aber es gibt auch in diesem Todeschaos immer noch ganz besonders extreme Vorkommnisse. Über 6.000 Beschwerden von russischen Soldaten und deren Angehörigen über Folter, Liqudierung, Bestechlichkeit und die Anordnung von Selbstmordangriffen in der russischen Armee waren öffentlich zugänglich und wurden der New York Times zugespielt. Diese hat am 31.12.2025 einen langen Beitrag zu dem Thema veröffentlicht, der für jedermann aufrufbar ist.

Regelmäßige Leser unserer Beiträge dürfte das alles bekannt vorkommen. Über all die von der New York Times berichten Vorfälle, haben wir bereits berichtet. Besonders herausgestellt wurde von der NYT der Fall von Said Murtasaliew (Foto links), über den wir im August 2025 einen Artikel veröffentlicht haben.

Gurjewsk Heimatmuseum

Gurjewsky-Museums für Heimatgeschichte

Im Dezember 2025 haben wir einige Meldungen aus der Stadt Gurjewsk bearbeitet, die wir vorstellen wollen.

Gurjewsk liegt im Kussbass, etwa 200 km südlich der Hauptstadt Kemerowo und hat im Moment rund 21.000 Bewohner - Tendenz stetig abnehmend. Die Stadt entstand Angang des 19. Jahrhunderts mit dem Bau einer Silberhütte. Das Silber ist Vergangenheit, heute dreht sich alles um die Produktion von Gusseisen. Das „Gurjewsker Metallurgische Werk“ hat rund 1.800 Mitarbeiter und ist der mit Abstand bedeutendste Arbeitgeber der Stadt. Sollte es einmal geschlossen werden, dann steht es schlecht um die Stadt.

Stanislaw Der Spanier Orlow

Es ist eine Konstante seit Beginn der russischen Besetzung des Donbass, dass die Personen, die sich ins Rampenlicht geschoben haben und bei der Donbass-Soldateska beliebt waren, irgend wann einmal verschwinden. Entweder sie gehen freiwillig oder sie werden auf die eine oder andere Art liquidiert. Wir haben das in unserem Beitrag „Der schnelle Tod der Separatistenführer des Donbass“ bereits detailliert geschildert.

Nach dem Chef der Gruppe Wagner, Jewgeni Prigoschin, wurde aktuell auch der Gründer der rechtsradikalen Fußball-Hooligan-Einheit „Hispaniola“, Stanislaw Orlow, von staatlichen Akteuren ausgeschaltet.

Nowolokinskaja Heldenschreibtisch

Es ist Mitte November 2025, wir besuchen die Schule Nr. 28 im Dorf Nowokinskaja mit etwa 800 Bewohnern - Tendenz fallend. Das Dorf liegt im Süden der Oblast Krasnodar nahe an der Grenze zur Region Stawropol.

Wie in vielen Schulen in ganz Russland folgt auch diese Schule einer Initiative der Partei „Einiges Russland“, die überall gleichförmige „Heldenschreibtische“ aufstellen lässt - zu Ehren von im Krieg gegen die Ukraine gefallenen ehemaligen Schülern.

In der ersten Reihe  sitzen die Schulanfänger, die wahrscheinlich nur begriffen haben, dass man an diesem Tag sein Feiertagsgewand anziehen muss. In der zweiten Reihe sitzen die Angehörigen des getöteten Soldaten. Dahinter stehen die Schüler der mittleren Jahrgänge und ganz hinten stehen die älteren Schüler in passender russischer Tarnuniform. Die älteren Jahrgänge bekommen bereits in der Schule  eine militärisch-patriotischen Erziehung, die sie in die Aufgaben und Regeln des allgegenwärtigen russischen Soldatentums einweist.

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Krasnouralsk im Winter 2022 -- Foto: Vyacheslav Bukharov -- Lizenz: CC BY-SA 4.0

Die Stadt Krasnouralsk liegt am östlichen Rand des Urals - also im asiatischen Teil Russlands, etwa 180 km nördlich von Jekaterinburg, der Hauptstadt der Oblast Swerdlowsk. Die Stadt hat rund 21.000 Bewohner, Tendenz fallend. Seit dem Jahr 1970 hat sich die Bevölkerungszahl halbiert. Wichtigster Arbeitgeber der Stadt ist eine Kupferschmelze, die auch verantwortlich für die hohe Belastung der Luft und des Bodens mit giftigen Schwefelverbindungen ist.

Die ukrainische Stadt Lyman mit ehemals mehr als 20.000 Einwohnern in der Oblast Donezk wird durch ukrainische Truppen gehalten. Allerdings ist die Front nahe. Die Intensität der Kampfhandlungen lässt sich jetzt nicht so sehr an den zerstörten Gebäuden ablesen, sondern vielmehr an der Menge an Glasfaserfäden.

Ukrainische Drohnenaufnahmen zeigen, wie Lyman jetzt aussieht. Die russischen Truppen sind nahe und ganz allmählich wird die Stadt von einem „Spinnennetz“ bedeckt. Jeden Tag fliegen Hunderte von russischen und ukrainischen Drohnen hin und her – und jede hinterlässt ihr Spur.

UNION SOWJETISCHER OFFIZIERE Tscheljabinsk

In den älteren Generationen in Russland ist die ehemalige Sowjetunion noch tief verwurzelt. Das gilt auch für die Mitglieder der Kommunistischen Partei Russlands, die gerne wieder die Sowjetunion in ihrer imperialen Größe auferstehen lassen möchten. Daher unterstützen sie die russische Regierung im Krieg gegen die Ukraine, die ebenfalls die Schmach der Perestroika abschütteln und die ehemaligen Teilstaaten der Sowjetunion wieder heim ins Reich zwingen will.

Die Union der sowjetischen Offiziere, eine Unterorganisation der Kommunistischen Partei, hat anlässlich der Beerdigung eines im Krieg gegen die Ukraine gefallenen Mitglieds, ihre Einstellung zum Krieg gegen die Ukraine dargelegt - „eigentlich ein Krieg zweier brüderlichen Völker“. Sie benennen damit Russen und Ukrainer als eigenständige Völker und nicht wie Wladimir Putin, der die Ukrainer als Teil des russischen Volkes sieht - als Klein (Ukrainer)- und Großrussen.

Der übersetzte Text:

Hinduistische Andacht mit burjatischen Soldaten / Oktober 2022

Knapp 4.000 getötete Soldaten aus Burjatien haben wir in unserer Datenbank und das bei einer Bevölkerung von weniger als einer Million Bewohner dieser russischen Region. Im Gegensatz zu allen anderen russischen föderalen Gebietseinheiten bekommen die gefallenen Soldaten meist einen zwar geschönten, aber doch recht ausführlichen Nachruf mit den wesentlichen Fakten wie Alter, Ausbildung, Wehrdienst, Beruf und Teilnahme am Krieg.

Die Öffentlichkeit erfährt so, wie häufig die angeworbenen Freiwilligen schnell in den Angriff geworfen werden und dort nicht lange überleben. Trotzdem lassen sich viele Männer aus der Region dadurch nicht abschrecken und melden sich freiwillig zum Kriegsdienst an der Front. Einer der Gründe dafür ist die Armut der Menschen und die harten Lebensbedingungen der arbeitenden Männer.  Trotz handwerklicher Berufsausbildung finden viele junge Männer ohne Beziehungen kaum Arbeit in ihrem Beruf und müssen als Hilfsarbeiter oder Tagelöhner bei harter Arbeit mit geringem Lohn auskommen. 

Da gleichen die Verdienstmöglichkeiten im Vertragsdienst beim Militär beinahe einem Lottogewinn und so verdrängen jene Freiwilligen das hohe Risiko, das sie dabei eingehen. Wir dokumentieren drei aktuelle Beispiele:

Anatoli Nikolajewitsch ChurtessowAnatoli Nikolajewitsch Churtessow wurde am 16. Juni 2004 in der russischen Teilrepublik Adygeja geboren. Als er zehn Jahre als war zog seine Familie in das Dorf Noworoschdestwenskaja in der Oblast Krasnodar. Dort ging Anatoli in die Dorfschule und war Mitglied im Verein „Kosakenkühnheit“.

Im Süden Russlands ist die Kosakenkultur noch weit verbreitet und ersetzt dort die Jugendarmee Junarmija, wenn es um die militärisch-patriotische Erziehung der Jugendlichen geht..

Im August 2024 unterzeichnete Anatoli einen Vertrag mit dem russischen Militär. ohne vorher Wehrdienst geleistet zu haben.

Sein Militäreinsatz wurde vom örtlichen Kulturhaus dokumentiert. Allerdings kann es sein, dass das Kulturhaus etwas mit der Chrologie durcheinander gebracht hat. Denn nach Anatolis Odnoklassniki-Profil ist er erst nach dem 20. September 24 abgereist. Aber bleiben wir bei der Chronologie des Kulturhauses:

Alexander Gloss

Das ist ein Instagram-Foto von Michael Alexander Gloss. Michael war der Sohn eines US-Veteranen und einer stellvertretenden CIA-Direktorin. Er trat dem Islam bei, ging auf Weltreise und landete über Israel, Italien, Türkei schließlich in Russland. Dort wollte er den Imperialismus bekämpfen, meinte aber nicht Russland, sondern die in Fragen des Imperialismus völlig unschuldige Ukraine. Michael, 21 Jahre alt, wurde im April 2024 getötet,

Bei so viel Verwirrung musste die russische Staatspropaganda doch noch etwas beitragen. Im besetzten Donezk bastelte man aus dem schmalschultrigen jungen Mann einen richtigen Helden. Und ließ dazu am 9.12.2025 die örtliche Jugendarmee und einige Veteranen auflaufen. 

Update: Die Heldensaga und eine Kopie der beiden Statuen haben es auch in das kleine Dorf Otrok in der sibirischen Region Krasnojarsk geschafft. Den Bericht über das Ereignis haben wir hier veröffentlicht.

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