BahnhofPetuschki

Bahnhof Petuschki in Wladimir -- Urheber: Gregory A. Kharikoff  -- gemeinfrei

Zur Oblast Wladimir hat der Autor eine ganz persönliche Beziehung. Das Buch "Die Reise nach Petuschki" hat er gerne gelesen und vielmals verschenkt. Jenes Petuschki liegt in Wladimir. Die Oblast Wladimir liegt nordöstlich von Moskau in Zentralrussland, die Bevölkerung beträgt ca. 1,4 Millionen und die Hauptstadt heißt auch Wladimir mit etwa 350.000 Einwohnern. Die wichtigsten Industriezweige heute sind die Schwerindustrie, Metallverarbeitung, die Glas- und die Lebensmittelindustrie.

Und auch aus Wladmir sterben Männer im Krieg gegen die Ukraine. Wir haben die Zusammenstellung der Kriegstoten zunächst dem kritischen Medium Argument aus Wladimir entnommen, übersetzt, angepasst und führen die Liste jetzt selbst weiter.

Wladimir: Teil 1 bis 151 -- Teil II bis 300 -- Teil III bis 500 -- Teil IV bis 1.000 -- Teil V ab 1.001

Alexander Sitavichus Eine Bluttat aus rassistischen Gründen in der Silvesternacht 2017 erschütterte damals die Region Krasnodar und führte zu langen Haftstrafen für die Täter. Sie findet ihre Fortsetzung aktuell im Krieg Russlands gegen die Ukraine und zeigt zudem, dass jene rassistischen Hintergründe immer noch aktuell sind.

Bogorodskoye Friedhof Rjasan„Niemand außer uns“, „Wir sind Russen, Gott ist mit uns“, „Nur Sterne sind über uns“, „Z Wir verlassen unsere nicht“ und „Die Wagner-Gruppe. Musiker, die die ganze Welt kennt“, flattern Fahnen mit solchen Inschriften über den Gräbern von Kämpfern, die in Zinksärgen aus der Ukraine zurückgekehrt sind. Dies ist der Bogorodskoye-Friedhof, der am weitesten von allen alten Friedhöfen entfernt ist und an das Industriegebiet der Ölraffinerie und die Grenze der Region Rjasan angrenzt.

Yevgeny Vitalievich IvanovYevgeny Vitalievich Ivanov , ich will ihn in der Folge mit dem deutschen Pendant Eugen benennen, war an einem Freitag Abend im Juni 2019 allein in seiner Wohnung in Joschkar-Ola in der russischen Republik Mari El. Seine Mitbewohner waren zu einem Familienbesuch aufgebrochen. Das beste Mittel gegen Einsamkeit ist ja bekanntlich Alkohol und so kämpfte Eugen mit drei Flaschen Bier und zweihundert Gramm Wodka gegen die Melancholie.

Rauchen in der Wohnung geht bekanntlich gar nicht, also setzte sich Eugen auf eine Treppe im Flur, um genüsslich etwas zu schmauchen. Dort traf er zwei andere Hausbewohner, die Eugen einluden, doch gemeinsam weiter zu bechern. Jetzt war Gin dran, den wollte man danach mit einer weiteren Raucherpause im Flur sich setzen lassen.

Tschita EisenbahnTschita (Chita) - Hauptstadt von Transbaikalien -- Urheber: Konstantin Sviridov -- Lizenz:: CC BY 3.0

Transbaikalien liegt östlich des Baikalsees und hat eine lange Grenze zu China und der Mongolei. Etwa 1,1 Millionen Einwohner hat die Region, davon leben über 300.000 in der Hauptstadt Tschita. Die Region lebt von großen Kohleminen und vom Handel- und Transportwesen. Mit Gorny existiert auch eine geschlossene Stadt, wo atomar bestückte Interkontinentalrakeketen stationiert sind.

Wie alle fernen Regionen Russlands zahlt auch diese Region einen hohen Blutzoll im Krieg gegen die Ukraine. 

Transbaikalien: Teil I bis 100 -- Teil II bis 300 -- Teil III bis 500 -- Teil IV bis 600 -- Teil_V bis 1.000 -- Teil_VI bis 1.500 -- Teil_VII bis 2.000 - Teil VIII bis 3.000 -- Teil IX bis 4.000 -- Teil X ab 4.001

Juschno Sachalinsk

 Panorama von Juschno-Sachalinsk  - Urheber: Sahalinets -- Lizenz: CC BY-SA 4.0

Die Oblast Sachalin umfasst die Insel Sachalin und einige Kurileninseln und wird von etwa einer halben Million Menschen bewohnt. Im äußersten Osten Russlands gelegen, ist die Oblast ob ihrer reichen Öl- und Erdgasvorkommen wirtschaftlich interessant. Hauptstadt ist Juschno-Sachalinsk mit ca. 180.000 Einwohnern.

Gouverneur der Oblast ist Valery Limarenko, dessen Karriere vom Wissenschaftsmanager zu Ministerämtern der Regionalregierungen von Saratow und Nischni Nowgorod verlief. Und der aus unerfindlichen Gründen zum Gouverneur von Sachalin ernannt wurde. Jetzt wirbelt er dort und unterhält einen aktiven Telegram-Kanal, mit dem er sich ins rechte Licht setzt. In Bezug auf Russlands Krieg gegen die Ukraine übernimmt er die politische Position des Kremls. Zum Kriegsanfang kämpfte man gegen den Nazismus, aktuell  für die Interessen Russlands. Das ist etwas pikant, denn Limarenko ist im ukrainischen Charkiw geboren, aufgewachsen und hat dort auch studiert.

In seinem Telegram-Kanal meldet Limarenko auch die im Krieg gefallenen Soldaten aus Sachalin. Und wirbt dort für die Unterstützung des Ukrainekrieges.  Damit können wir die erste regionale Liste gefallener Soldaten vorstellen, die sich fast ausschließlich auf die Mitteilungen des Gouverneurs der Region stützt.

Sachalin: Teil I bis 201 -- Teil II bis 500 -- Teil III bis 1.000 -- Teil IV ab 1.001

 Elbrus Gebirge Der Elbrus mit 5642 m Höhe höchster Gipfel des Kaukasus -- Foto: Jaan Künnap -  Lizenz: CC BY-SA 4.0

Kabardino-Balkarien ist eine kleine russische Teilrepublik im Norkdaukasus mit etwa 900.000 Einwohnern. Das Elbrusmassiv liegt in großen Teilen in der Republik. Die Kabardiner, ein Stamm der Tscherkessen, stellen knapp 60% der Bevölkerung des Landes. Die Balkaren, ein Turkvolk, machen etwas über 10% der Einheimischen aus und die ethnischen Russen stellen über 20% der Einwohner - mit abnehmender Tendenz. Das Land ist überwiegend muslimisch geprägt. Die Region ist wirtschaftlich schwach, die Landwirtschaft dominiert. Der Tourismus war einer der Hoffnungsträger der Region, kam aber wegen schwacher Infrastruktur und Unruhen zum Erliegen.

Wir haben die Todeszahlen von "Free Europe Kaukasus" aufgearbeitet und ergänzt. Aktuell haben wir 80 Kriegstote hier ermittelt. Allerdings wurden an Hinterbliebene deutlich mehr Zahlungen laut Haushalt der Region vorgenommen. Der "Kaukasische Knoten" nennt 22 zusätzliche Kriegstote, deren Identität nicht geklärt ist.

Kabardino-Balkarien: Teil I bis 100 -- Teil II  ab 101

 Magadan

Magadan - Foto: Johannes Rohr - CC BY-SA 3.0

Magadan, eine russische Hafenstadt im ganz fernen Osten, hat knapp einhunderttausend Einwohner und ist die Hauptstadt der gleichnamigen Oblast. Auf einer Fläche so groß wie Schweden leben insgesamt etwa 150.000 Menschen, davon ein Großteil in der Hauptstadt. Der Hafen von Magadan, der auch im Winter eisfrei ist, wird militärisch und kommerziell genutzt. Bergbau und Fischverarbeitung sind die Wirtschaftsfaktoren der Region. Ansonsten hat Magadan eine gruselige Geschichte aus Zwangsarbeiterlagern und Gulag.

Auch aus dieser fernen Region sterben Bewohner im Krieg gegen die Ukraine.

Magadan: Teil I bis 100 -- Teil II ab 101

Ufa

Blick auf Ufa,  Hauptstadt von Baschkortostan -- Urheber: Svetlov Artem - CC BY-SA 4.0

Die Republik Baschkortostan hat sich nach dem Zerfall der Sowjetunion weitgehende Autonomierechte gesichert. Im Krieg gegen die Ukraine steht die Teilrepublik aber fest an der Seite der Zentralregierung und hat eigene Freiwilligenverbände an die Front geschickt. Die Zahl der Kriegstoten ist deshalb entsprechend groß.

Baschkortostan:
Teil I bis 99 -- Teil II bis 200 -- Teil III bis 300 -- Teil IV bis 500 -- Teil V bis 700 -- Teil VI bis 900 -- Teil VII bis 1.100 -- Teil VIII bis 1300 -- Teil IX bis 2.000 -- Teil X bis 2.500 -- Teil XI bis 3.000 -- Teil XII bis 3.500 -- Teil XIII ab 3.501

Alexander TsyganovMichail WassiljewAlexander Tsyganov (links) war Priester in der "Sankt Alexander Newski"-Kirche in Pskow. Pskow ist eine russische Großstadt nahe dem Baltikum und wurde früher in Deutschland Pleskau genannt. Alexanders Arbeitsplatz ist ein prächtiger Ziegelbau, zwischen 1907 und 1908 erbaut, der irgendwie dem 96. Omsker Infanterieregiment von Pskow zugeordnet ist.

Erzpriester Michail Wassiljew (rechts) war Rektor der Kirche der "Großen Märtyrer Barbara und St. Elia von Muromets", die sich im Hauptquartier der Strategischen Raketentruppen in der Siedlung Wlassicha befindet. Wlassicha ist eine geschlossene Stadt, etwa 30 km vom Zentrum Moskaus entfernt.

Offensichtlich gehört die Betreuung des dortigen Militärs zu den Aufgaben der beiden Kirchengemeinden. In dieser Funktion waren die Priester in den Donbass abgereist, um ihre Schäfchen im Krieg gegen die Ukraine geistlich zu betreuen. Das ging nicht gut aus.

Sergei KadatskyIm Juli 2017 auf der Autobahn nahe Rostow am Don kommt es zu einer Schießerei. Ein Mann mit einem Gewehr samt Zielfernrohr nimmt ein ausländisches Auto unter Beschuss. Die beiden Insassen werden getroffen. Die Frau stirbt an Ort und Stelle, der Mann wird schwer verletzt.

Der Täter wird schnell gefasst, es handelt sich um den Polizeimajor Sergei Kadatsky.

DneprovkaDneprovka ist eine 900 Seelengemeinde in der Oblast Orenburg und nicht weit entfern von der kasachischen Grenze. Die Gründer waren 1908 meist Ukrainer, die dem Dorf den Namen gaben. Zuletzt war 1998 zu erfahren, dass der Leiter der Kolchose "Bolschewik" hervorragende Ergebnisse beim Bau von sozialen Einrichtungen und Wohnungen und bei der Straßenasphaltierung erzielt hätte.

Aktuell widmet sich die Gemeinde dem Gedenken an Oleg Nikolaevich Bushaev, der irgendwann im Krieg -genau- gegen die Ukraine gefallen ist. Und hat eine Gedenktafel an der Schule befestigt. Die hängt da ganz verloren zwischen zwei Fenstern und dokumentiert deutlich all die mangelhaften Investitionen Russlands in seine Bürger.

Das fängt unten an der Schule an - nur ein roh verputzer Sockel, auch der gesamte Putz und die Ziegel bröckeln an vielen Stellen und die Fenster sind nicht wärmeverglast. Stattdessen verpulvert Russland seine Erlöse aus dem Reichtum des Landes in einem letztlich sinnlosen Krieg gegen die Ukraine.

TomskDie Oblast Tomsk liegt im Westen von Sibierien mit etwa einer Million Einwohnern, wovon etwa die Hälfte in der gleichnamigen Hauptstadt lebt.  Wirtschaftlich relevant für die Region sind deren natürliche Ressourcen - Förderung von Erdgas und Erdöl und die Holzverarbeitung.

Wir haben die Region Tomsk nicht in unsere Recherchen mit einbezogen. Aber auch dort ist die Situation wie in allen Regionen Sibiriens. Aus Tomsk wurden Männer im wehrfähigen Alter einberufen und schnell an der Front verheizt. Die Behörden verheimlichen die Todesfälle, aber die Fahnen über den Gräbern sprechen eine eindeutige Sprache, schreibt Nemoskwa (Nicht Moskau).

Nathan NyirendaNathan Nyirenda aus Sambia ist an der Front in der Ukraine gestorben. Der 23-jährige Mann studierte in Moskau im Fach “Kerntechnische Anlagen“ am Physikalischen Institut. Das Außenministerium von Sambia teilte aktuell mit, dass der junge Mann im April 2020 zu neun Jahren und sechs Monaten Haft verurteilt worden wäre und nahe Moskau im Gefängnis saß.

Nathan starb am 22. September in der Ukraine, seine Leiche befindet sich aktuell in Rostow am Don und soll zurück in seine Heimat verbracht werden. Sambia fragt nun bei Russland an, wie das passieren konnte.

VladykaTheodoreDie russisch-orthodoxe Kirche unterstützt nach Kräften den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine. Geistliche bieten direkt an der Front religiösen Beistand, wenn mancher Soldat am Sinn jenes Krieges zweifelt und werden dabei auch manchmal getötet. So geschehen mit dem Priester Anatoly Anatolyevich Grigoriev, der am 9. September an der Front starb. Der Mann diente zwar in einem tartarischen Freiwilligenbataillon, war aber ein gebürtiger Tschuwasche. Und von der geistlichen Führung der russisch-orthodoxen Kirche in Tschuwaschien wollen wir heute berichten.

Wolgograd III

Wolga-Panorama beim Dorf Butkowka --Urheber: olegbel  -- CC BY 3.0

Das Dorf Butkkowka hat heute gerade noch 44 Einwohner, es liegt am nördlichen Rand der Oblast Wolgograd. Früher hieß es einmal Schwab, die Siedlung wurde am 8. Juli 1767 gegründet.  44 Familien ließen sich dort nieder, sie kamen aus Darmstadt , Isenburg , Hamburg und Ottewalden.

Es scheint, dass die Gegenden um die Stadt Wolgograd auf Kriegsdramen abonniert sind. Denn auch im Krieg gegen die Ukraine kommen viele gefallene Soldaten aus der Oblast.

Wolgograd: Teil I bis 99 -- Teil II bis 200 -- Teil III bis 300 --  Teil IV bis 400  -- Teil V bis 600 -- Teil VI bis 800 -- Teil VII bis 1.000 -- Teil VIII bis 2.000 -- Teil IX bis 3.000 -- Teil X bis 4.000 -- Teil XI ab 4.001

Alexander DobrenkyAlexander Dobrenky aus der russischen Region Belgorod hat 2019 drei Menschen getötet. Er war mit einem geliehenen Auto unterwegs, betrunken und hatte keinen Führerschein. Auf der Autobahn kam es zu einem Unfall, eine Mutter und ihre Kinder, ein 12-jähriger Sohn und eine 10- jährige Tochter, waren auf der Stelle tot. Alexander flüchtete, wurde aber schnell erwischt. Es war wohl nicht seine erste Trunkenheitsfahrt, er war wiederholt deshalb strafrechtlich zur Verantwortung gezogen worden. So kamen vor Gericht einige erschwerende Umstände hinzu, Trunkenheit am Steuer, Wiederholungstäter und Fahrerflucht – zusammengerechnet bis zu 15 Jahren Haft. Rettung für Alexander nahte in Form der Wagner Gruppe.

SwerdlowskOstenZavodouspenskoe im Osten der Oblast Swerdlowsk -- Urheber: Const st - Eigenes Werk -- CC BY-SA 3.0

Die Oblast Swerdlowsk liegt zum größten Teil im asiatischen Teil Russlands. Die Region ist wirtschaftlich stark und reich an Bodenschätzen. Die Hauptstadt Jekaterinburg gilt als Hochburg des "liberalen" Russlands.

Seit der Mobilisierung Ende September in Russland sind die Todeszahlen in der Region sprunghaft angestiegen.

Swerdlowsk: Teil I bis 100 -- Teil II bis 200 -- Teil III bis 300 -- Teil IV bis 502 -- Teil V  bis 700 -- Teil VI  bis 701 -- Teil VII bis 1.100 -- Teil VIII bis 1.300 -- Teil IX bis 1.500 -- Teil X bis 2.000 -- Teil XI  bis 2.500 -- Teil XII bis 3.000 -- Teil XIII bis 4.000 -- Teil XIV bis 5.000 -- Teil XV bis 6.000 -- Teil XVI bis 7.000 -- Teil XVII ab 7.001

Sim CityPanorama von Sim (russisch Сим), einer Kleinstadt in der Oblast Tscheljabinsk -- Urheber: Max071086 - Eigenes Werk -- CC BY-SA 4.0

Die Oblast Tscheljabinsk ist reich an Bodenschätzen. Der Abbau von Kupfer, Eisen, Zink und anderen Erzen tragen zum relativen Reichtum der Region bei. Dazu kommt die Rüstungsindustrie, vier der Stadtkreise besitzen den Status einer „geschlossenen Stadt“.

Seit Beginn der Mobilisierung steigen auch die Todesopfer in der Oblast stark an.

Tscheljabinsk: Teil I bis 100  -- Teil II bis 200 -- Teil III bis 400 -- Teil IV bis 600 -- Teil V bis 800 -- Teil VI bis 1000 -- Teil VII bis 1.500 -- Teil VIII bis.2.000 - Teil IX bis 3.000 - Teil X bis 4.000 -- Teil XI bis 5.000 -- Teil XII ab 5.001

omSeit Beginn der Mobilisierung explodieren geradezu die Todeszahlen in den ländlichen Regionen zwischen Wolga und dem Ural. Absoluter Spitzenreiter ist die Oblast Swerdlowsk, dort haben sich die öffentlich gemachten gefallenen russischen Soldaten in den sechs Wochen seit Beginn der Mobilisierung weit mehr als verdoppelt.

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