15.01.2025 -- 93.808 // Zuwachs zum 31.12.2024: 2.239
Sayfullin Askarowitsch, Alter unbekannt
Das Alter von Sayfullin konnten wir nicht erfahren. Sayfullin Askarowitsch Schambuzow kam aus dem Dorf Wataschnoje in der Oblast Astrachan. Am 27.12.24 wurde er getötet, am 8. Januar beigesetzt.
Die Anmutung des Fotos könnte auch aus einem der Weltkriege des 20. Jahrhunderts stammen. Es ist eine Schande, dass wieder solch junge Menschen sterben müssen - für die imperialen Phantasien eines Führers.
Ilja Andrejewitsch, 21 Jahre
Der Nachruf über Ilja Andrejewitsch Zagumennych wurde von einer überzeugten Kriegsbefürworterin geschrieben, deshalb erfährt man viel Propaganda und wenig über den Menschen. Ilja kam aus der Stadt Lebedjan in der Oblast Lipezk und hatte sich freiwillig für den Kriegsdienst gemeldet. Zum Ende des Jahres 2024 sollte er Urlaub bekommen, er kam im Zinksarg nach Hause.
"Er starb, um unser Volk, unsere Kinder, unser Land zu verteidigen. Große Trauer für uns alle. Unsere Herzen sind voller Schmerz und Dankbarkeit. Ewiger Ruhm dem Helden des Mutterlandes", schrieb die Berichterstatterin.
Andrej Wladimirowitsch, 19 Jahre
Klempner ist eigentlich ein ehrenhaftes Handwerk, Andrej ließ sich sogar zum Meister ausbilden. Im Juni 2023 war seine Lehre in der baschkirischen Großstadt Sterlitamak zuende, am 21. November wurde er zum Wehrdienst eingezogen. Statt das eine Jahr abzusitzen und danach im erlernten Beruf erfolgreich zu arbeiten, unterzeichnete Andrej am 15. Mai 24 einen Militärvertrag. Er kam direkt an die Front.
Andrej Wladimirowitsch Pogorelow, geboren am 29. Dezember 2004 im Dorf Bolschoi Kuganak in Baschkortostan, getötet am 16.09.24, begraben am 30.12.24 in seinem Heimatdorf.
Jegor Konstantinowitsch, 20 Jahre
Jegor gehörte zu der großen Gruppe der russischen Waisenkinder, die in den Krieg gegen die Ukraine gezogen wurden und nicht überlebt haben. Jegor Konstantinowitsch Stafejew, geboren am 28. Januar 2004 wuchs im Waisenhaus "Aquamarin" im Dorf Scherlowa Gora in Transbaikalien auf. Mit 13 Jahren zog er nach Krasnokamensk um, schloss die Schule ab und hätte bei einem privaten Sicherheitsunternehmen gearbeitet. Im September 24 schloss er einen Militärvertrag, Jegor wurde am 2. Dezember in der Region Kursk getötet.
Oleg Nikolajewitsch, 20 Jahre
Über Oleg Nikolajewitsch Erdakow können wir nur Vermutungen anstellen. Oleg, geboren am 30. August 2004, kam aus dem Dorf Nischni Ufaley in der Region Tscheljabinsk. Das Dorf hatte 1959 mal 7.000 Bewohner, 2010 zählte man noch 2.443 Einwohner. Er wäre so ein fröhlicher, liebevoller Junge gewesen, schreibt eine Frau unter seinen Nachruf. Dazu passt nicht, dass er mit 18 Jahren verurteilt wurde, weil er besoffen in einem Haus randalierte und die herbeigerufene Polizei bedrohte. Auch gibt es noch ein weiteres Verfahren, dessen Aufruf Russland uns verbietet. Oleg landete in einer Sturm-(V?)-Einheit. Seinen zwanzigsten Geburtstag hat er nicht mehr erlebt.
Kirill Iwanowitsch, 20 Jahre
Das Dorf Ommi liegt in der Region Chabarowsk im Fernen Osten Russlands. Im Jahr 2021 zählte es noch 373 Bewohner. Im Dorf gab es einen Nebenbetrieb einer Rüstungsfabrik, der geschlossen wurde. Derzeit ist der Großteil der Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter arbeitslos, die Menschen überleben nur durch private Landwirtschaft, Fischerei und das Sammeln von Wildpflanzen. Kirill Iwanowitsch Zaksor, geboren am 4. August 2004 in Ommi, gehörte zur Volksgruppe der Hezhen (ca. 11.000 Menschen), die es wohl bald nicht mehr gibt. Eine weitere Ausbildung von Kirill nach der Schule wird nicht berichtet, aber er hatte einen 2021 geborenen Sohn. Im November 23 wurde er zum Wehrdienst eingezogen, im März 24 schloss er einen Militärvertrag, am 17. September 2024 war er tot. (Link)
Arseni Tarchanow, 21 Jahre
Arseni Tarchanow, ein Einwohner der Stadt Bijsk im Altai-Territorium, meldete sich im März 2022 im Alter von 18 Jahren freiwillig für den Krieg in der Ukraine. Ganz dumm kann Arseni nicht gewesen sein, denn er arbeitete damals bereits als Programmierer. Er kämpfte bei den "wilden" Einheiten wie der Hooligan-Truppe "Hispaniola", im Sommer 24 auch in der Region Kursk. Dort schoss ihm ein ukrainischer Scharfschütze ein Loch in den Kopf. Knapp 100 Tage lang kämpfte er in einem Hospital um sein Leben - er verlor. Doch mit seinem Tod war der Kampf noch nicht vorbei. Arseni war ohne sein Wissen den regulären russischen Streutkräften zugeteilt und weil dort nicht erschienen, als Fahnenflüchtiger eingestuft worden. Jetzt bekommen die Angehörigen keine Zahlungen.
Valentin Nikolajewitsch, 19 Jahre
Valentin Nikolajewitsch Michailowski, 19 Jahre alt, wurde in Kowrow geboren und wuchs dort auf. Kowrow ist eine Großstadt in der Oblast Wladimir. Auch Valentin ist mit seinen jungen Jahren in den Krieg gezogen und wurde in der Ukraine getötet. Sein Tod wurde durch die Gemeinschaft der "Sinti & Roma der russischen Föderation" bekannt gemacht, Valentin gehörte dazu.
Alexander Wukwune, 21 Jahre
Aus der Hauptstadt Anadyr des "Autonomen Kreises der Tschuktschen" kam Alexander Wukwune, geboren am 6. Oktober 2002. Er hatte eine abgeschlossene Schulbildung, machte eine Ausbildung zum Mechaniker, um danach sich an einem Moskauer Kolleg zum Verkäufer, Controller und Kassierer weiterzubilden. Im Jahr 2024 erwarb Sascha auch noch den Füherschein und danach machte er alles zunichte. Im August 2024 unterschrieb er einen Vertrag zum Kriegsdienst, bekam das Rufzeichen "Optimist", das ihm nichts half - bereits am 23. September war er tot.
Viktor Dmitrijewitsch, 19 Jahre
„Sie besuchten den Stützpunkt am 3. August 2024 … Mein Sohn, Rufzeichen „Kalmück“, wurde verwundet“, eine Mutter sucht ihren Sohn: "Danzan ist am 3. August 2024 zu einem Kampfeinsatz in Richtung Makeyevskoe aufgebrochen und hat mich danach nicht mehr kontaktiert. Von Kollegen gingen Informationen ein, dass der Soldat verwundet sei, eine Evakuierung sei jedoch nicht erfolgt. Seit dem 30. August 2024 gilt er offiziell als vermisst." Danzan Sergejewitsch Bembeschow (Foto), geboren am 02.11.2004 aus Lagan in Kalmückien, wurde am 26.12.2024 beerdigt.
Viktor Dmitrijewitsch, 20 Jahre
Die Wahrheit über den frühen Tod von Viktor Dmitrijewitsch Kokurin erfährt man erst, wenn man in den russischen Datenbanken recherchiert. Viktor stand Mitte Mai 2024 vor Gericht, es ging um seinen weiteren Verbleib in Untersuchungshaft. Ihm wurden Straftaten in Zusammenhang mit Drogen vorgeworfen, meist folgt eine lange Haftstrafe. So erhielt auch Viktor das Angebot, sich einem Urteil zu entziehen und stattdessen in der Ukraine zu kämpfen. Viktor, geboren am 28.12.2003, kam aus dem kleinen Städtchen Iljinka in der Oblast Astrachan und hatte Schiffsmechaniker gelernt. Kurz vor seinem 21 Geburtstag wurde er in seiner Heimat bestattet. Der Orden auf dem Foto wurde nachträglich hinzugefügt.
Viktor Dmitrijewitsch, 19 Jahre
Sein Wesen wäre freundlich, respektvoll und fleißig gewesen, sagte seine ehemalige Lehrerin über Viktor Dmitrijewitsch Chramzow an seinem Grab. Diese Floskeln bedeuten, dass Viktor ein unterdurchschnittlicher Schüler war. Er kam aus dem sehr kleinen Dorf Ploskoe in der Region Tambow. Nach der Schule begann Viktor auch keine Ausbildung, sondern arbeitete bei einer Spedition. Als er 18 Jahre alt wurde, unterschrieb er einen Vertrag zum Kriegsdienst, eineinhalb Jahre später war er tot.
Daniil Jewgenjewitsch, 18 Jahre
Daniil Jewgenjewitsch Romanow, geboren am 2. Dezember 2004 aus Kostroma, hätte viel in seinem Leben erreicht. Er absolvierte 11 Schulklassen, arbeitete danach als Vorarbeiter, heiratete eine junge Frau und wurde Vater von zwei Kindern. Zudem wäre er der Maître de Plaisir jeder Veranstaltung gewesen, heißt es im Nachruf. Im Jahr 2022 meldete er sich zum Kriegsdienst, am 24. November 23 war er tot und damit alles Erreichte umsonst.
Semjon Alexandrowitsch, 20 Jahre
Die Nachrufe sind sich über den Einsatzort von Semjon Alexandrowitsch Abakumow nicht ganz einig: Entweder in der Region Belgorod oder in der Region Kursk. Der junge Wehrdienstleistende, geboren am 18. Juni 2004 aus der Oblast Wologda, wäre zur Grenzsicherung abkommandiert worden. Eine ukrainische Drohne tötete ihn und einen Kameraden.
Sergej Wjatscheslawowitsch, 22 Jahre
Als Sergej Wjatscheslawowitsch Efremo, geboren am 02.04.2002, seinen Wehrdienst im Jahr 2020 leistete, schloss er einen Dienstvertrag mit dem russischen Militär. Er hatte eine Ausbildung als Automechaniker abgeschlossen, in seiner Heimat Burjatien gab es nur wenige Arbeitsplätze, so war es scheinbar eine gute Idee, beim Militär Erfahrung in seinem Beruf zu sammeln. Sergej war von Beginn des russischen Angriffs auf die Ukraine mit dabei, sammelte im Kriegshandwerk seine Erfahrung und da in Russland die Offiziere knapp sind, wurde er im Juli 2024 zum Leutnant einer Angriffseinheit befördert. Die Karriere war schnell vorbei. am 26 Juli 24 war Sergej tot.
Alexej Dmitrijewitsch, 21 Jahre
Jekaterina schrieb über ihren Altersgenossen: "Einer der klügsten Menschen, den wir im Leben getroffen haben, den werden wir nicht vergessen!" Alexej Dmitrijewitsch Dranischnikow, geboren am 18. Februar 2003, kam aus der Stadt Kirow. Besonders klug allerdings konnte Alexej nicht sein. Er zog ohne Not in den Krieg gegen die Ukraine, den er nicht überlebte.
Wladislaw Wiktorowitsch, 20 Jahre
Ganze Arbeit haben die gewissenlosen Rekrutierer des russischen Militärs geleistet. Wladislaw Wiktorowitsch Matinjan, geboren am 10. Oktober 2004, kam aus der Kleinstadt Okulowka in der Oblast Nowgorod. Am 30.05.23 wurde er zum Wehrdienst eingezogen, schon sechs Wochen später unterzeichnete Wladislaw einen Militärvertrag. Zunächst ging es in einem Sanitätszug ganz moderat weiter, aber im August 24 wurde er zur kämpfenden Truppe versetzt. Wladislaw rurde in der ukrainischen Region Luhansk am 15.11.2024 getötet.
Baurschan Albekowitsch, 22 Jahre
Mit Pistole und Handgranate am Küchentisch fühlte sich Baurschan als starker Mann, dabei war seine Lebensleistung bis dahin eher bescheiden. Baurschan Albekowitsch Dosaliew, geboren am 26. April 2002, kam aus dem Bezirk Wolodarski in Astrachan, der im Wolgadelta an Kasachstan und das Kaspische Meer angrenzt. Nach der Schule hatte er eine Ausbildung zum Maler/Stuckateur abgeschlossen, danach konnte oder wollte er nicht arbeiten und saß zuhause herum. Im November 2023 meldete er sich freiwillig zum Kriegsdienst, am 5. Dezember 24 wurde er bestattet.
Wladimir Andrejewitsch, 22 Jahre
Tatajana aus der Stadt Samara suchte am 16.08.24 ihren Sohn: Wladimir Andrejewitsch Kandykow, geboren am 23.04.2003, Militäreinheit 42038, 9. Kompanie. abgereist am 27. Mai 2024, zuletzt kontaktiert am 06.05.24.
Die Kommentare zur Suche:
Am 11.09. erfährt die Mutter vom Tod ihres Sohnes.
Nikita Maksimowitsch, 24 Jahre
Den Nachruf auf Nikita hat die russische Partei LDPR dann gleich mit einer Lüge begonnen: "Nikita hat sein Vaterland unter Einsatz seines Lebens verteidigt" - in der ukrainischen Region Charkiw. Zur affirmativen Rolle dieser Partei im Reich Putins passt dann auch, dass sie ihr junges Parteimitglied nicht davon abgehalten hat, in den Krieg zu ziehen. Nikita Maksimowitsch Jurtschenkow, geboren am 18. Januar 2000, kam aus dem kleinen Dorf Molkowo in der Region Smolensk. Im Sommer 2023 heiratete er eine junge Lehrerin, danach meldete er sich freiwillig zum Kriegsdienst und war dort Drohnenpilot. Am 5. Dezember 24 bekam er die finale Quittung für diesen Entschluss.
Nachdem die Aufmerksamkeit zu unseren Veröffentlichungen wächst, eine kurze Information zu OskarMaria.
Unter diesem Pseudonym war der Initiator im Internet seit über 25 Jahren recht unregelmäßig präsent. Ab dem Jahr 2014 hat er hier über die Situation in den von Russland besetzten Gebieten des Donbass geschrieben. Als einer der ersten Journalisten überhaupt informierte er über die damals neu gegründete Gruppe Wagner.
Beruflich war er seit den 80-iger Jahren Geschäftsführer von diversen Medienunternehmen im Printbereich. Jetzt im Ruhestand, Kinder erwachsen, bleibt etwas mehr Zeit, die gesammelten Erfahrungen zusammen mit wenigen Mitstreitern für dieses Projekt zu nutzen.
Nachtrag: OskarMaria– das ist eine kleine Verbeugung vor dem beinahe vergessenen Schriftsteller Oskar Maria Graf. In Zeiten der Bücherverbrennungen wurden seine Werke von den Nazis verschont, ja sogar teilweise empfohlen. „Verbrennt mich!“ schrieb er 1933 in der Wiener Arbeiterzeitung, „nach meinem ganzen Leben und nach meinem ganzen Schreiben habe ich das Recht, zu verlangen, dass meine Bücher der reinen Flamme des Scheiterhaufens überantwortet werden und nicht in die blutigen Hände und die verdorbenen Hirne der braunen Mordbanden gelangen!“ Schließlich floh er in die USA – dort lebte er in bescheidenen Verhältnissen. Deutschland wollte den unbequemen Mann nach dem Krieg nicht wieder haben. Er starb 1967 in New York.
Literaturempfehlung: Wir sind Gefangene - Autobiograhie 1927.
Das nicht nur Straftäter, Männer vom Land oder dumme junge Leute im russischen Fleischwolf landen, zeigt das Beispiel des Journalisten Winer Florisowitsch Zyganschin aus Birsk in Baschkortostan. Der Mann war wohl besessen von russischem imperialen Denken und glaubte, "dass es seine Pflicht sei, das Mutterland zu verteidigen" - in der Ukraine.
Am 30. Oktober 24 unterschrieb Winer einen Militärvertrag, am 12. November ging es an die Front, am 14. November schrieb er seinen Kollegen „Wir werden gewinnen!“. Das waren seine letzten Worte. Seine Beisetzung steht noch aus.
Wir haben den gesamten Beitrag der Birsker Lokalzeitung hier eingestellt.
Am 5. Januar wurde im Dorf Bortom Jegor Aleksandrowitsch Murawjow begraben. Bortom ist ein kleines Dorf mit etwa 300 Bewohnern in der Republik Komi im europäischen Norden Russlands.
Jegor wurde im Dorf am 25. April 1989 geboren. Nach der Schule machte er eine Ausbildung zum Elektriker für Telefonkabelanlagen. "Nach seiner Ausbildung arbeitete er in Syktywkar in verschiedenen Positionen", heißt es in seinem Nachruf und bedeutet soviel, dass er nicht in seinem erlernten Beruf gearbeitet hat - wenn überhaupt. Syktywkar ist übrigens die Hauptstadt der Republik Komi.
Jegor war untauglich und musste auch keinen Wehrdienst leisten. Und trotzdem entschloss er sich Anfang November 24 einen Vertrag zum Kriegsdienst in der russischen Armee abzuschließen. Er diente als einfacher Schütze in einem Schützenbataillon. Der Vertrag endete schnell - am 16. Dezember 24 war Jegor tot.
"Während einer speziellen Militäroperation zur Entmilitarisierung und Entnazifizierung in den Gebieten der DVR, der LPR und der Ukraine starb Jegor, nachdem er seine Militärpflicht vollständig erfüllt hatte", schrieb die örtliche Verwaltung.
Tatjana Aleksejewna Borodatschewa, geboren 1976, war Enkelin eines pensionierten Oberst aus Transbaikalien und hatte sich als ausgebildete Sanitäterin beim Militär verpflichtet. Sie war in Syrien und in Berg-Karabach stationiert und wurde danach in den Donbass versetzt. Am 31. Juli 24 saß sie in einem Militärhubschrauber, der Verwundete aus dem Kriegsgebiet ausfliegen sollte. Durch einen Raketenangriff der Ukraine wurde sie und 13 weitere Militärangehörige getötet.
Mit ihrem Tod werden neue Legenden geschaffen. Bei einer Feier in ihrer Heimatstadt Tschita schreiben die Organisatoren: "Obwohl der Ambulanzhubschrauber die Markierung des Roten Kreuzes trug, wurde er am 31. Juli 2024 von ukrainischen Bandera-Faschisten mit einer amerikanischen Rakete abgeschossen."
Wir haben deshalb noch einmal die russischen Berichte zum Abschuss des Hubschraubers aufgerufen. Danach war es ein ganz normaler Transporthubschrauber des Militärs (Link).
Der Mann, der auf dem kurzen Video so routiniert die Pizzas aus dem Ofen holt, heißt Gianni Cenni, geboren am 19. August 1973 aus der Gegend von Neapel. Seinen Dokumenten nach ist er verheiratet und hat zwei Kinder. Zuletzt arbeitete er als Chefpizzabäcker in einem italienischen Restaurant in der russischen Stadt Samara, das einem italienischen Honorarkonsul gehört.
Vor einem Jahr hätte Gianni gekündigt und wäre in die Gegend von Wolgograd gezogen, berichtete sein früherer Chef. Ob aus Überzeugung oder aus Geldmangel heraus - am 13. November 24 verdingte sich Gianni bei der russischen Armee.
Diese Entscheidung wurde diesmal nicht mit dem Tod bestraft - Anfang 2025 wurde Gianni von einer ukrainischen Spezialeinheit hinter den russischen Linien gefangen genommen.
Der Mann auf dem Foto ist Wassili Anatoljewitsch Weretschuk, geboren am 05.05.1983. Er kam aus dem Dorf Aksentsewo mit etwa 130 Einwohnern in der Region Wladimir. Nach der Schule arbeitete er zusammen mit seinen Eltern auf der bolschewistischen Kolchose. Nach zwei Jahren Wehrdienst kam er auf die Kolchose zurück. Er heiratete, bekam einen Sohn und arbeitete schließlich in einer Schuhfabrik in der Hauptstadt Wladimir. Zuletzt war er arbeitslos.
Am 5. September 2024 unterschrieb er beim Militär und zog in den Krieg - begraben am 24.12.2024 in seinem Heimatdorf.
Wer wissen will, warum sich noch immer viele russische Männer zum Kriegsdienst melden, obwohl für viele dieser den sicheren Tod bedeutet, bekommt aus solchen Lebenläufen heraus eine Antwort - zusammen mit dem vielen Geld, das die Freiwilligen erhalten.
Ganz geradlinig verlief die Karriere von Alexej Bugajew nicht. Aber immerhin kam der Innenverteidiger auf sieben Einsätze in der russschen Nationalmannschaft. Mit 29 Jahren schied er als Spieler des FK Krasnodar im Jahr 2010 aus dem Profisport aus.
Danach ging es mit ihm bergab, er begann zu trinken und häufte Schulden an. Um wieder auf die Beine zu kommen, startete er eine neue Karriere als Drogenkurier.
Am 1. November 2023 wurde Alexej mit einem Pfund eines Mephedron-Derivates (Badesalzdroge) in Sotschi festgenommen. Im September 2024 wurde Alexej deshalb zu 9,5 Jahren Hochsicherheitskolonie verurteilt. Auch Alexej zog es vor in den Krieg zu ziehen, statt seine Strafe abzusitzen.
Heute, am 29.12.24, meldete die russische Nachrichtenagentur RIA Nowostni seien Tod. Seine Überbleibsel liegen aktuell irgendwo in der heißen Zone der Front und können nicht geborgen werden.
Es ist eigentlich eine andere Form des russischen Roulette-Spiels, der Freiwilligendienst in der russischen Armee. Und weil das inzwischen auch der dümmste Russe begriffen hat, fällt es dem Staat immer schwerer, die im Krieg gegen die Ukraine verschlissenen und getöteten Soldaten zu ersetzen.
Zum Jahresende hat die Region Samara die Zahlungen erhöht, wenn man einen Vertrag mit dem russischen Militär abschließt. Wer zwischen dem 1.01.2025 und dem 31.01.25 sich zu jenem Kommando entschließt, erhält jetzt vier Millionen Rubel (€ 38.000) bar auf die Hand, dazu gibt es zum sehr hohen Sold zusätzlich neun Monate lang 50.000 Rubel (€ 480) extra. Wer solch einen Menschen akquiriert, bekommt zudem eine Prämie von 100.000 Rubel (€ 960).
Und wie wir bereits berichtet haben, erlässt Präsident Wladimir Putin eventuelle Schulden bis zum Betrag von zehn Millionen Rubel (€ 96.000). (Quelle)
OM, 26.12.24
Wir hatten über den baschkirischen Bezirk Baimak berichtet und alle Ereignisse im Zeitraum vom 1. bis 16. Dezember 2024 zusammengetragen, die mit dem Krieg in der Ukraine in Verbindung stehen. Beinahe alle von uns veröffentlichten Links auf die dortigen Geschehnisse wurden sehr kurze Zeit danach gelöscht.
Über den Letzten von uns vorgestellten Kriegstoten Denis Fanisowitsch Mutallapow, geb. 31.07.1999, gibt es eine weitere Information.
Denis war kein gewöhnlicher Freiwilliger, sondern saß in der Region Lipezk in Untersuchungshaft. Er war also noch nicht verurteilt. Der russische Staat gibt auch Untersuchungsgefangenen die Möglichkeit, einem Gerichtsurteil zu entgehen, wenn dieser sich "freiwillig" einer Sturm-V-Einheit anschließt und an die Front zieht.
Denis meldete sich folglich am 14.06.24 zum Kriegsdienst und war am 7.7.24 tot.
Die Großstadt Uljanowsk liegt 700 km östlich von Moskau an der Wolga mit etwa 600.000 Einwohnern. Am dortigen Flughafen warten Lieferwagenfahrer, um die Särge getöteter Soldaten in die Heimatorte zu bringen. Einer der Fahrer, der am Abtransport der Särge vom Flughafen beteiligt war, nahm ein Video auf und sagte, dass es noch nie zuvor so viele Tote gegeben habe:
„Heute scheint es die größte Gruppe zu sein, denn egal wie oft ich hingefahren bin, es waren weniger Autos da, aber dieses Mal ist es einfach... ein Albtraum. Zwei Flugzeuge, 180 Leute … So eine große Menge, das hat es noch nie gegeben. Sie haben begonnen, zwei Flugzeuge gleichzeitig zu schicken.“
Video aus einem Telegramkanal vom 25.12.24:
Die Geschichte von Alexander Beljuschin im Schnelldurchgang erzählt:
Alexander hat mit seiner ehemaligen Frau Ljubow fünf Kinder, beide leben noch im selben Haus. Aber die Frau will wegziehen, es kommt zum Streit und Alexander ermordet Ljubow. Er versteckt die Leiche im Schnee und meldet bei der Polizei, dass seine Frau verschwunden wäre.
Die Leiche wird später entdeckt, Alexander als Täter entlarvt und vom Gericht am 15.02.24 zu 9,5 Jahren Lagerhaft verurteilt.
Im August 24 unterschrieb Alexander einen Militärvertrag und kam an die Front, am 16.10. wurde er getötet und am 11. Dezember 24 mit militärischen Ehren in der Siedlung Werchnjaja Sinjatschicha beigesetzt.
Das ganze mit etwas mehr Herz-Schmerz kann man in russischer Sprache hier nachlesen.
Der Telegramkanal "Tscheljabisnk der Zukunft" am 12.12.2024:
Ein 19-jähriger Wehrpflichtiger aus Troitsk wurde mit einem Trick in den Krieg geschickt, wo er starb
Der Bruder des Wehrpflichtigen Daniil Galiulin aus Troitsk hat einen wütenden Appell verfasst. Jemand hatte im Namen seines Bruders einen Vertrag mit der Militäreinheit Nr. 31612 unterzeichnet, der den jungen Mann in den Krieg schickte.
Die Verwandten des toten Wehrpflichtigen sind sich sicher, dass Daniil nichts unterschrieben hat, da er den Vertrag in Gesprächen nie erwähnt hat und auch nicht an die Front wollte.
Der Bruder des Verstorbenen fordert eine Bestrafung der Kommandeure der Einheit, da diese für die Fälschung verantwortlich sind. Der Verwandte des Verstorbenen ist auch empört darüber, dass sehr junge Männer ohne Ausbildung und Kenntnisse an die Front geschickt werden.
„Wie können Wehrpflichtige, Jungen, die 18-19 Jahre alt sind, in den Krieg geschickt werden?! [...] Sie wurden hereingebracht, eine Woche lang durch die Schützengräben gejagt, sie liefen durch die Labyrinthe, und dann gab man ihnen Sturmgewehre, zwei Granaten, und sie sollten kämpfen“, empört sich der Bruder des Verstorbenen.
Um als Sanitäter/in Teil der russischen Kriegsmaschinerie zu werden, bedarf es nicht viel. Und wie wir aus anderen, ähnlich gelagerten Fällen erfahren haben, ist dafür nicht einmal eine medizinische Vorbildung notwendig. Welche Qualifikation also Veronika Dmitrijewna Nikogosowa hatte, konnten wir nicht in Erfahrung bringen.
Veronika, geboren am 18. Dezember 1985, kam aus der Stadt Budjonnowsk in der Region Stawropol, über die wir hier auch schon berichtet haben. Sie hatte zwei kleine Söhne und wäre in der Schule eine Rebellin gewesen, schrieb eine ehemalige Klassenkameradin. Im Jahr 2022 wurde Veronika allerdings betrunken beim Autofahren in ihrer Heimatstadt erwischt und musste für eineinhalb Jahre ihren Führerschein abgeben. Das hinderte sie allerdings nicht, im Sommer 22 erneut betrunken Auto zu fahren, was ihr 400 Stunden Zwangsarbeit, Führerscheinentzug und die Einziehung ihres Ladas einbrachten (Urteil).
Zuletzt hatte Veronika dann in Moskau gelebt und sich freiwillig zum Krieg gegen die Ukraine gemeldet (Foto). Als Kämpferin und Sanitäterin war sie an vorderster Front und wurde am 22. Oktober 24 in der Ukraine getötet. Ohne großes Aufheben wurde sie in Budjonnowsk begraben.
Im Süden der Region Perm liegt das große Dorf Barda mit etwa 10.000 Einwohnern. Es ist das Verwaltungszentrum des Bezirks Bardymsky, in dem etwa 26.000 Menschen leben. Das Dorf beherbergt verschiedene Unternehmen, Schulen aller Kategorien und auch eine Sonderschule für Kinder und Jugendliche mit geistiger Behinderung. Warum in aller Welt diese Schule sich als Justizvollzugsinternat bezeichnet, erschließt sich dem Autor nicht.
In diesem Internat ging Dinail Tachirowitsch Rangulow, geboren am 20. Juni 1990 zur Schule. Danach absovierte er eine Ausbildung zum Maler und viel mehr wird nicht über den jungen Mann berichtet.
Aber 27. August 2024 schloss der geistig behinderte Dinail einen Vertrag mit dem russischen Militär ab und wurde ins Kriegsgebiet geschickt. Nach Ansicht des Militärs taugte er als Kanonenfutter allemal. Und so kam es, dass Dinail am 4. November 24 irgendwo in der Ukraine getötet wurde. "Er hat Mut im Kampf bewiesen," lautet der Nachruf. "Und die Erinnerung an den Soldaten wird in unseren Herzen bleiben."
Es ist leider bereits der vierte Fall von jungen russischen Soldaten, die die ukrainische Gefangenschaft nicht überlebt haben. Wir haben versucht, die ersten drei Fälle etwas aufzuklären und sind an einer Mauer des Schweigens des ukrainischen Verteidigungsministeriums und auch des deutschen Außenministeriums abgeprallt. Die kritische Initiative "Asche" hat den Fall von Jewgeni Solodowtschenko, 37 Jahre aus der Region Belgorod, am 5.12.24 dokumentiert:
Jewgeni Solodowtschenko, ein Belgoroder Soldat aus der Siedlung Jakowlewo, ist in ukrainischer Gefangenschaft gestorben. Nach Angaben wurde die Leiche des 37-jährigen Solodowtschenko im Rahmen eines Leichentauschs (200 mal 200) an seine Angehörigen übergeben. Der Mann wurde am 30. Oktober in der „Allee der Helden“ in der Stadt Stroitel beigesetzt.
Nach vorläufigen Angaben wurde die Leiche des Mannes mit einem „gebrochenen Brustkorb“ zurückgebracht. Die Ursache für seinen Tod ist unbekannt.
Jewgeni Solodowtschenko war Anfang August gefangen genommen worden. „Asche“ veröffentlichte ein Video mit dem Mann, in dem er sagt, er sei im Unterstand eingeschlafen und habe nicht bemerkt, wie das ukrainische Militär in den Unterstand eingedrungen sei.
Zum Zeitpunkt der Aufnahme des Videos hatte Jewgenij keine visuell bestätigten schweren Wunden, die die Ursache für seinen Tod in der Gefangenschaft sein könnten.