15.01.2026 -- 177.297 // Zuwachs zum 31.12.2025: 3.754

Denis Gennadiewitsch, 19 Jahre
Ein Foto von Wladimir Putin, der nach Frieden strebt, ziert den VKontakte-Status von Jegor Alexandrowitsch Naumenko. Und ganz in diesem Sinne gab Jegor sein Leben für den Führer. Jegor, geboren am 26. Juni 2007, lebte in der Großstadt Beresniki in der Region Perm. Kurz nach seinem 18. Geburstag meldete sich Jegor freiwillig zum Dienst an der Front. So war er gerade 86 Tage lang 18 Jahre alt, als er am 20.09.25 getötet wurde. Wir empfehlen die interessante Debatte zu seinem Tod unter dem Nachruf, die besorgte Bürger, russische Bots und vielleicht auch Ukrainer zu Streit bis zu Beschimpfungen anregte.

Denis Gennadiewitsch, 19 Jahre
Das Leben von Denis Gennadiewitsch Ostretsow zusammengefasst: Denis wurde in der Region Tambow geboren. Seine Eltern verließen ihn und er lebte in einem Waisenhaus. Im Alter von viereinhalb Jahren wurde er adoptiert. Die Familie zog nach Moskau, dort besuchte Denis ein Rehabilitations- und Bildungszentrum für Kinder mit Wirbelsäulenerkrankungen. In den letzten Jahren fühlte sich Denis vorwiegend allein. Die Melancholie versuchte er im Fitnessstudion zu vertreiben - mit bescheidenem Erfolg. So meldete er sich im Oktober 2024 freiwillig und war am 21.12.24 tot. Begraben wurde er am 18. Januar 2026.
Gleb Andrejewitsch, 18 Jahre
Das Foto mit dem kleinen rothaarigen Frechdachs wurde im November 2012 aufgenommen. Von da an hatte er noch knapp 12 Jahre zu leben. Am 1. September 2024 suchte ihn seine Mutter öffentlich: „Ich suche meinen Sohn, Gleb Andrejewitsch Barsukow, geboren am 3.02.2006. Er wurde am 14.-16. August 2024 in der Volksrepublik Lugansk als vermisst gemeldet. Auf seinem rechten Unterarm hat er ein Tattoo mit einem Kreuz, in dessen Händen sich ein Kleeblatt und ein Herz befinden... Er hat rote Haare.“ Das Nachlassgericht hat seinen Tod auf den 13. August 2024 festgelegt. Gleb lebte in Stawropol im Süden Russlands.
Denis Alexandrowitsch, 21 Jahre
Denis war der typische „Halbzeitsoldat“. Er wurde am 29.06.2022 zum Wehrdienst eingezogen und genau zur Hälfte seiner Dienstzeit zum Kriegsdienst verpflichtet. Am 29.12.2022 unterzeichnete er den Vertrag. Es dauerte zwei Jahre, dann war auch Denis an der Reihe. Am 4. Dezember 2025 wurde er an der Front schwer verletzt und starb im Krankenhaus, ohne das Bewusstsein wiedererlangt zu haben. Denis Alexandrowitsch Gorjunow wurde am 26. Juni 2004 im großen Dorf Turuntajewo in Burjatien geboren.

Kirill Viktorowitsch, 18 Jahre
Niemand hat den dummen Kirill gestoppt - nicht seine Eltern, nicht seine Freunde, nicht der Kommissar bei der Registrierung, nicht die Kommandanten an der Front. Kirill Viktorowitsch Babin, geboren am 28. Juni 2006 in der Siedlung Talmenka in der Region Altai, meldete sich sofort nach seinem 18. Geburtstag freiwillig bei Militär und ging an die Front. Bereits am 27.10.24 wurde er als vermisst gemeldet und am 1.11.24 für tot erklärt. Für seine Beerdigung ließ sich Kirill dann mehr Zeit. Am 15.12.2025 wurde er beigesetzt.

Jewgeni Wassiljewitsch, 19 Jahre
Warum melden sich junge Menschen freiwillig an die Front? Richtig, das viele Geld spielt immer eine Rolle. Aber manche wollen sich auch beweisen - so wie Jewgeni.
Jewgeni Wassiljewitsch Swjagin, geboren am 07.10.2005 in der Stadt Kjachta, fing eine Ausbildung zum KFZ-Mechaniker an und brach mitten drin ab. So musste er seinen Wehrdienst ableisten und beim Militär wollte er dann allen beweisen, dass er kein Versager war. Er meldete sich freiwillig, kam Ende 2024 an die Front und war am 9. Juli 25 tot. Was zu beweisen war.

Jaroslaw Igorewitsch, 19 Jahre
„Unser Krieg ist also vorbei, mein Junge. Ich kann mir einfach nicht vorstellen, wie ich ohne dich weiterleben soll“, schreibt Mutter Tatjana auf VKontakte zum Tod von Jaroslaw. Jaroslaws bester Freund hat darauf folgende Antwort: „Lebe, genieße das Leben, gehe spazieren, spiele – falle hin, steh wieder auf, sei frech, schimpfe – lass Fremde fallen, rette deine eigenen – bleibe dem Prinzip treu – überlebe.“ Jaroslaw Igorewitsch Chochrjakow, 26.07.2006 - etwa 3,12,2025, lebte in Chita, der Hauptstadt Transbaikaliens.

Alexander Romanowitsch, 18 Jahre
Alexander Romanowitsch Gretschischnikow stammt aus dem Kur- und Ferienort Aluschta auf der Krim. Sascha wurde am 3. Oktober 2025 volljährig und war bereits am 05. Dezember als Freiwilliger im Krieg gegen sein eigenes Land gefallen. Damit war er gerade zwei Monate lang 18 Jahre alt. Trotzdem veröffentlicht sein Vater oder Großvater zum Jahresanfang 2026 in seinem Status: „Frohes Neues Jahr, Freunde! Wir glauben an uns! Wir glauben an Russlands Sieg.“

Miron Iwanowitsch, 20 Jahre
Im Dezember 2023 wurde Miron zum Wehrdienst eingezogen. Ob freiwillig, betrogen oder unter Zwang wissen wir nicht - Miron unterschrieb zu Beginn seines Wehrdienstes einen Zeitvertrag mit dem russischen Militär. Bereits im April 2024 wurde er verwundet, aber nach seiner Genesung ging es zurück in den Krieg. Am 24.09.2025 war er dann tot. Miron Iwanowitsch Danilow, geboren am 8.05.2005, lebte im Dorf Gorchon in Burjatien, das an der Transsibirischen Eisenbahnlinie liegt.
Nikita Viktorowitsch, 23 Jahre
Nikita Viktorowitsch Kazunin wurde am 24.11.2001 im Dorf Zaytschiki (Häschen) in der Oblast Wologda geboren. Bereits in der Schule wurde er zum Soldatentum erzogen und wurde Berufsmilitär. Beim russischen Angriffskrieg war er von Beginn an dabei und wurde schwer verwundet. Doch wie der „Zufall“ (Zitat Nachruf) so will, landete er nach seiner Genesung wieder an der Front. Am 12.12.25 wurde er beigesetzt. „Es ist schmerzlich, traurig und erschütternd! Junge, gutaussehende Männer sterben. Sie hätten ewig leben sollen, ihre Lieben küssen, Kinder haben, ihre Eltern ehren…“, lamentiert der Nachruf. Die Antwort ist sehr einfach - einfach keinen Krieg beginnen.
Wadim Wjatscheslawowitsch, 18 Jahre
„Er erfüllte seine militärische Pflicht gewissenhaft und ehrenhaft und bewies dabei ein hohes Maß an Patriotismus und Hingabe zum Vaterland“, schreibt der Nachruf über Wadim. Damit ist ja alles gesagt in einem Land, das 18-jährige Jungs an der Front gnadenlos verheizt. Wadim Wjatscheslawowitsch Artemenko, geboren am 24. Mai 2007, stammte aus dem Bezirk Schirnowski im Norden der Oblast Wolgograd und wurde am 8. Januar 2026 begraben.
Daniil Ulaschtschuk, 18 Jahre
Von Kopf bis Fuß auf das Soldatentum eingestellt - so lebte die Familie von Walentina (Mitte). Der -wahrscheinliche- Vater im „Gruppe Wagner“ T-Shirt, die Mama voll mit Abonnements auf Militär & Krieg. Alle zusammen lebten in der Stadt Kondopoga in Karelien. Da wollte Sohn Daniil (Foto rechts) auch nicht hinten anstehen und meldete sich freiwillig zum Kriegsdienst - mit erwartbarem Ausgang. „Ich kann es nicht glauben, ich kann es nicht glauben, ich kann es nicht glauben, wie ich ohne dich leben soll!“, weint Mama. Daniil Ulaschtschuk, geboren am 29.07.2007, wurde am 16.12.25 beigesetzt.

Raschid Safarbekowitsch, 18 Jahre
Raschid wuchs in der Siedlung Onochoi in Burjatien auf. Rund um Onochoi gibt es einige Einrichtungen und Siedlungen des russischen Militärs. Raschids Eltern sind keine Burjaten, sondern kommen aus muslimischen Regionen Russlands. Raschid wurde am 19. Mai 2025 zum Wehrdienst eingezogen und nach der Grundausbildung in die Region Kursk versetzt. Dort wird immer noch gekämpft. Raschid Safarbekowitsch Islomow, geboren am 3. Mai 2007, wurde am 4. Januar 2026 beigesetzt.
Dmitri Michailowitsch, 18 Jahre
Dima ist in einer Plattenbau-Siedlung aufgewachsen. Als er 14 Jahre alt war, bekannte er in seinem VKontakte-Status: „Ich lutsche Schwänze.“ und mit 15 Jahren schrieb er über ein Foto: „Scheiß auf die Gesetze“ (der blasse Junge mit Kappe auf dem Foto rechts).
Drei Jahre später ist er an der Front gelandet und hat den 19. Geburtstag nicht mehr geschafft. Dafür hat Mama ein rührseliges KI-Video in Auftrag gegeben.
Dmitri Michailowitsch Jakunitschew, 11.08.2006 - 03.05.2025, wuchs in der Großstadt Wologda auf.
Der Autor dieser Zeilen hätte da auch noch eine Frage: „Was will er mit dem Maschinengewehr im Jenseits?“
Timofei Wadimowitsch, 20 Jahre
Dumme Sprüche bleiben dumm, auch wenn man sie bei fast jedem russischen Kriegsbegräbnis hört. Auch Timofeis Lieblingsspruch wäre gewesen: „ „Ich bin ein Krieger, ich werde ewig leben.“ Doch Timofei ist tot - endgültig und wird morgen vergessen sein. Während des Wehrdienstes meldete er sich freiwillig, wurde zum Drohnenpiloten ausgebildet und gehörte zu den Einheiten, die die ukrainische Stadt Pokrowsk zunächst zerstört hatten und danach einnehmen wollten. Timofei Wadimowitsch Kobjakow, 02.12.2004 - 25.11.2025, lebte mal im Dorf Askiz in Chakassien..

Viktor Konstantinowitsch, 18 Jahre
Viktor Konstantinowitsch Aleschkin, 16.11.2006 - 02. Juli 2025, stammte aus dem Dorf Nowy Bujan in der Oblast Samara. Auf den wenigen Fotos in seinem VKontakte-Status versteckte er meist sein Gesicht und hatte auch sonst nicht viel zu sagen. Im Nachhinein ist alles nicht mehr wichtig, auch Viktors Leben wurde vergeudet. Etwas mehr als ein halbes Jahr nach seinem 18. Geburtstag wurde er bei einem Angriff in einem fremden Land getötet.

Alexej Jurjewitsch, 19 Jahre
Wieder eine Waisengeschichte: Alexej hatte wohl wenige Freunde, auf seinen Fotos wirkt er nachdenklich und vereinsamt, meist fotgrafierte er ältere Autos. Er hatte seine Eltern verloren und wurde von der Tante aufgezogen. Nach der 9. Klasse absolvierte er eine Ausbildung zum Computerbediener. Sein Ende kam schnell: Anfang 2025 meldete er sich ohne Wehrdiensterfahrung freiwillig an die Front, im April war er tot. Alexej Jurjewitsch Polosow, 02.04.2006 - 04.04.2025, lebte im Dorf Maksaticha in der Oblast Twer.

Juri Tschernow , 18 Jahre
Das sind Mama Tatjana und Sohn Juri Ende Januar 2025. Beide lebten in Petrosawodsk, der Hauptstadt Kareliens. Kurz gesagt - Juri war ein Idiot und Mama hat ihn nicht davon abgehalten, idiotische Dinge zu tun. Juri Tschernow wurde am 25.03.2025 achtzehn Jahre alt und am 12.04.25 stand er schon in einer Kaserne in Kampfuniform. Am 31.10. prozte er noch auf einem verbrannten russischen Panzer: „Lasst uns den Durchbruch schaffen.“ Danach war Juri Geschichte.

Wladimir Leonidowitsch, 18 Jahre
Wladimir Leonidowitsch Gribkow, geboren am 6. Juli 2006, wuchs im Dorf Uwat in der Oblast Tjumen auf. Nach der Schule wollte er eine Ausbildung zum Koch und Konditor absolvieren. Aber stattdessen ging er ganz ohne militärische Vorkenntnisse freiwillig an die Front. Am 6.12.24 unterzeichnete er den Vertrag, am 3. März 25 war sein Leben vorbei. Ein aktuelleres Foto haben wir nicht gefunden, es stammt vom 29.09.2017.

Keschik Alasch-oolowitsch, 22 Jahre
Unser geliebter Mann, der älteste Sohn seiner Mutter, der geliebte, bescheidene, großzügige, tapfere, stets lächelnde, mutige und zukunftsorientierte Schwiegersohn. Er war ein verspielter, lustiger und vertrauenswürdiger Freund seiner Klassenkameraden und Freunde. Der geliebte Vater seiner einzigen Tochter, Keschik Alasch-oolowitsch Chertek (genannt Maestro), wurde am 20.03.2003 geboren. Er schloss 2020 die Mittelschule Nr. 2 in Ak-Dowurach ab. Seit September 2024 nahm er an einer besonderen Militäroperation für das Vaterland und die Zukunft seines Volkes teil. Am 15.11.2025 fiel er im Kampf. Das Lächeln und das Lachen unseres kleinen Jungen werden uns immer in Erinnerung bleiben. (Tuwa, Barun-Chemtschiksky koschuun. 28.11.25)

Alexej Igorewitsch Detkow stammte aus der Region um die ehemalige Großstadt Leninsk-Kusnezki in der Oblast Kemerowo. Im Juli 2011 eskalierte eine Prügelei mit einem Bekannten. Besoffen stürmte Alexej und ein Kumpel zur Wohnung des Bekannten, in der sich dessen Frau und Kind befand. Die Frau wurde mit einem Baseballschläger erschlagen. Aus Angst, entdeckt zu werden, flüchteten die Angreifer in ein anderes Haus, wo sie drei Menschen mit jenem Baseballschläger und Messern töteten und das Haus anschließend in Brand setzten, um ihre Spuren zu verwischen. Sie flohen mit dem Auto eines der Opfer. Im Prozess bekam Alexej 23 Jahre Knast in einem Hochsicherheitsgefängnis. Auch Alexej zog die geringe Chance, den Krieg gegen die Ukraine zu überleben, dem Gefängnis vor. Er hat es nicht geschafft, bekommt stattdessen am 22.01.2026 ein würdiges militärisches Begräbnis.

Nachdem die Aufmerksamkeit zu unseren Veröffentlichungen wächst, eine kurze Information zu OskarMaria.
Unter diesem Pseudonym war der Initiator im Internet seit über 25 Jahren recht unregelmäßig präsent. Ab dem Jahr 2014 hat er hier über die Situation in den von Russland besetzten Gebieten des Donbass geschrieben. Als einer der ersten Journalisten überhaupt informierte er über die damals neu gegründete Gruppe Wagner.
Beruflich war er seit den 80-iger Jahren Geschäftsführer von diversen Medienunternehmen im Printbereich. Jetzt im Ruhestand, Kinder erwachsen, bleibt etwas mehr Zeit, die gesammelten Erfahrungen zusammen mit wenigen Mitstreitern für dieses Projekt zu nutzen.
Nachtrag: OskarMaria– das ist eine kleine Verbeugung vor dem beinahe vergessenen Schriftsteller Oskar Maria Graf. In Zeiten der Bücherverbrennungen wurden seine Werke von den Nazis verschont, ja sogar teilweise empfohlen. „Verbrennt mich!“ schrieb er 1933 in der Wiener Arbeiterzeitung, „nach meinem ganzen Leben und nach meinem ganzen Schreiben habe ich das Recht, zu verlangen, dass meine Bücher der reinen Flamme des Scheiterhaufens überantwortet werden und nicht in die blutigen Hände und die verdorbenen Hirne der braunen Mordbanden gelangen!“ Schließlich floh er in die USA – dort lebte er in bescheidenen Verhältnissen. Deutschland wollte den unbequemen Mann nach dem Krieg nicht wieder haben. Er starb 1967 in New York.
Literaturempfehlung: Wir sind Gefangene - Autobiograhie 1927.
Wir meinen damit die Antrittsprämien, die Russen erhalten, wenn sie freiwillig einen Zeitvertrag mit dem Militär abschließen. Und der Begriff „Russisch Roulette“ ist dabei nicht falsch, denn die Überlebenschancen sind gering.
In der zweiten Hälfte des letzten Jahres haben viele Regionen diese Antrittsprämien stark reduziert. Offensichtlich fehlt es an Neuunterzeichner, deshalb erhöhen manche Regionen diese Prämien zum Teil erheblich - trotz chronischem Haushaltsdefizit. Denn alle Regionen müssen eine bestimmte Quote erfüllen, um jene 30.000 bis 35.000 monatlich gefallenen und verwundeten Soldaten im Krieg gegen die Ukraine zu ersetzen.
Über Anhebung der Prämien in Baschkortostan und Tatarstan haben wir bereits berichtet. In Tschuwaschien wurde die regionale Prämie von 400.000 Rubel auf 2,1 Millionen Rubel angehoben. Bis zum 31.03.26 erhält somit jeder Neuunterzeichner zusammen mit der Prämie des Staates 2,5 Millionen Rubel (€ 27.000). In Samara wurde die Einmalzahlung von 400.000 auf 1,1 Millionen Rubel erhöht, dort erhält jeder Unterzeichner zusammen mit der Staatsprämie 1,5 Millionen Rubel (€ 16.000). Und schließlich in Orenburg gibt es zusammen mit der Staatsprämie statt 800.000 Rubel jetzt 1,4 Millionen Rubel (€ 15.000). Bereits Ende Dezember hat auch die ökonomisch schwache Region Mari El die Prämien stark angehoben. Statt bisher 800.000 Rubel von Staat und Region gibt es jetzt 2,5 Millionen Rubel (€ 27.000).
Es lohnt sich also, quer durch Russland zu reisen - dorthin wo die höchsten Prämien gezahlt werden.
Die Stadt Pokrowsk in der Ukraine ist zur Zeit eine der umkämpfsten Regionen an der Front. Sie wurde im letzten Jahr mit der Taktik der Infiltration durch russische Einheiten teilweise besetzt, deren Unterstützung und Versorgung aber durch ukrainische Kräfte erfolgreich verhindert wurde. So ist die Stadt und deren Umgebung aktuell wieder frei von russischen Angreifern.
Doch immer wieder schicken russische Kommandeure ihre Soldaten einzeln oder in kleinen Gruppen in Richtung der Stadt, in der Hoffnung wieder einen Stützpunkt hinter den Verteidigungslinien aufbauen zu können. Wie in diesem Fall sind die Soldaten nicht einmal bewaffnet.
Weite Teile der Front sind vermint, aber für die vorschleichenden Soldaten warten auch andere Fallen. Unser Video zeigt eine Drohne auf der Lauer. Sie übermittelt ihre Bilder an den Drohnenpiloten, der entscheidet, wann der Sprengkörper gezündet wird. Auch jener russische Soldat wird irgendwann in unseren Listen auftauchen.
Alexej Fjodorowitsch Jeropejew wurde am 21.11.1978 im Dorf Scharaldai in Burjatien geboren. Nach der Schule begann Alexej eine Ausbildung zum Schneider und KFZ-Mechaniker. Nach einem Unfall wurde er schwerbehindert, Stufe 2. Der Nachruf schreibt: „Trotz dieser Schwierigkeiten blieb Alexey optimistisch und verdiente sich etwas dazu, indem er Kleidung und Schuhe nähte und dabei sein handwerkliches Geschick unter Beweis stellte. Er konnte keine Familie gründen, blieb aber stets ein gütiger und mitfühlender Mensch.“
Trotz schwerster Behinderung konnte Alexej am 16.05.2025 einen Vertrag als Zeitsoldat mit dem russischen Militär abschließen.
Die Sache endete schnell - Alexej wurde bereits am 11. Juni 2025 bei einem Einsatz ins Verderben geschickt.
So schwärmt der Nachruf weiter: „Alexey war von Natur aus gutherzig, mitfühlend und hilfsbereit. Er war stets bereit, andere zu unterstützen und mit ihnen Freud und Leid zu teilen. Seine Güte und Menschlichkeit werden in den Herzen all derer, die ihn kannten, für immer weiterleben.“
Ein russischer Kommandeur steht auf dem Rollfeld des Flughafens in Kaliningrad und nimmt vor dem Abflug an die ukrainische Front noch ein Video für seine Familie auf.
Seine Worte in deutscher Übersetzung:
"Hallo, meine Lieben!
Jetzt fliegen wir los. Hinter mir steht ein Il-76-Flugzeug, mit dem wir fliegen werden. Gefühle gemischt. Es ist unklar, was uns erwartet, was als Nächstes kommt.
Aber offiziell geht es in die Zone der Spezialoperation, um Verluste aufzufüllen. Die Verluste sind, soweit ich verstehe, sehr hoch. Deshalb schicken sie jeden dorthin.
Niemand wird in die Kategorie der Untauglichen eingestuft. Wir haben hier mehrere Behinderte. Sogar solche mit Prothesen. Also werden alle der Reihe nach aus dem Krieg zurückkehren – entweder behindert oder mit den Füßen voran.
Aber hoffen wir auf das Beste. Ich hoffe, lebend zurückzukommen. Gott segne euch.
Möge Gott ein schnelles Kriegsende gewähren.
Ich liebe euch, Küsse.Tschüss."
Vorausgeschickt - die wahrscheinliche Liquidierung des „Hispaniola“-Gründers, Stanislaw Orlow, ist für das Kriegsgeschehen in der Ukraine völlig ohne Bedeutung. Interessant ist lediglich, wie der russische Staat mit jenen militärisch-politischen Anführern umgeht, die in der Öffentlichkeit zu viel Aufmerksamkeit bekommen. Wer sich nicht in die graue Masse des Militärs einordnet, läuft Gefahr irgendwann durch staatliche Akteure beseitigt zu werden (Beispiele). Die Ermittlungen zum Tod verlaufen regelmäßig im Sande, aber die liquidierte Person bekommt ein prächtiges Staatsbegäbnis mit vielen weinenden Trauergästen.
So passierte dann auch im Fall Orlow, der am 22.12.2025 in Moskau beerdigt wurde und zu dessen Ehren das Militär ein beachtliches Trauerkommando abstellte.
Der Telegram-Kanal von ehemaligen Hispaniola-Akteuren veröffentliche folgendes Video von der Beisetzung:
Der Gründer der Hooligan-Einheit „Hispaniola“, Stanislaw Alexandrowitsch Orlow, wurde getötet. Orlow wurde am 2.12.1981 geboren und lebte in Moskau. Nach bisher unbestätigten Meldungen, sollte er von russischen Beamten verhaftet werden und wurde dabei erschossen.
Nachdem die kämpfenden Hispaniola-Freibeuter sich bereits im Oktober 2025 aufgelöst hatten, wurde jetzt auch der Piraten-Kapitän liquidiert.
Als Begründung für den russischen Angriffskrieg auf die Ukraine gab es in den Verlautbarungen der Behörden meist folgende Begründungen:
Immer häufiger finden wir eine etwas andere Begründung für den Krieg unter den Todesmeldungen für gefallenen Soldaten auf VKontakte, Odnoklassniki und Telegram, die dort von russischen Bots gezielt veröffentlicht werden:
Putin hat mit der Gründung des Zentralen Militärbezirks richtig gehandelt; die Ukraine geriet unter den Einfluss des Westens, und das stellte eine ernsthafte Bedrohung dar.
oder
Kurz gesagt, ich unterstütze Putin in seiner Entscheidung, die SWO (Spezielle Militäroperation) zu entfesseln, weil die Ukraine unter den Einfluss des Westens geraten ist und dies eine ernsthafte Bedrohung für uns darstellt.
In der ersten Amtszeit von Donald Trump hat der US-amerikanische Kongress am 2. August 2017 ein Gesetz verabschiedet, das vom damaligen Präsidenten Trump auch unterzeichnet wurde. Darin heißt es im §247:
(1) Unterstützung der Regierung der Ukraine bei der Wiederherstellung ihrer Souveränität und territorialen Integrität;
(2) Verurteilung und Bekämpfung aller destabilisierenden Bestrebungen der Regierung der Russischen Föderation in der Ukraine, die gegen ihre Verpflichtungen und internationalen Zusagen verstoßen;
(3) niemals Anerkennung der illegalen Annexion der Krim durch die Regierung der Russischen Föderation oder der Abtrennung ukrainischen Territoriums durch militärische Gewalt;
Im Zusammenhang mit einem amerikanischen 28 Punkte Friedensplan war Trump bereit, die Krim und den Donbass als russisch anzuerkennen. Er würde damit gegen sein eigenes Gesetz verstoßen.
Nun - Gesetze kann man ändern, dafür bedürfte es dann einer Mehrheit im amerikanischen Kongress. Die wäre aktuell allerdings mehr als fraglich.
Die vom Kriegsfront zurückgekehrten russischen „Helden der speziellen Militäroperation“ haben mehr als tausend Bürger Russlands getötet oder verletzt.
In den fast vier Jahren des Krieges gegen die Ukraine haben die vom Kriegsfront zurückgekehrten Veteranen der „SVO“ mehr als 1000 Menschen getötet und verletzt, wie die Publikation „Вёрстка (Layout)“ zusammenstellte. Ihre Opfer sind meist Angehörige und Bekannte, die Verbrechen werden häufig während Sauftouren begangen.
So zum Beispiel hat der 43-jährige Einwohner der Stadt Wladimir, Alexej Demeschenko, nach seiner Rückkehr aus der Ukraine einen Mitsäufer in der „Snack-Bar“ mit einem Messer erstochen, weil dieser sich gegen den Krieg aussprach. Der Täter bekam neun Jahre aufgebrummt. Das Gericht sah allerdings einen mildernden Umstand für den Täter, da das Opfer sich gegen den Krieg aussprach.
Oder zum Beispiel hat der 33-jährige Andrej Kurbasow, gebürtig aus der Stadt Wladimir, eine 17-jährige Frau vergewaltigt und getötet. Der mobilisierte Soldat Pawel Sawtschenkow erstach einen Mittrinker in der Grill-Bar „Mirage“ und der Soldat aus der Wladimir-Region, Valery Schumilow, erstach einen Saufkumpan in der Küche wegen eines Streits über den Krieg.
Ein Oberst, der Folter und Diebstahl in der Strafanstalt IK Nr. 15 untersuchte, wurde im Krieg getötet. Seine Angehörigen erfuhren von seiner Todesnachricht von der Bank.
Der FSIN-Oberst Alexander Wladimirowitsch Tscheprasow führte eine interne Untersuchung in der Kolonie Nr. 15 in Angarsk durch (Oblast Irkutsk), nachdem dort ein Gefangenenaufstand und ein Feuer stattgefunden hatten. Später wurde von Folter berichtet. Tscheprasow stieß auf ein großes Netzwerk von Sicherheitskräften und Geschäftsleuten, die Holz stahlen und ins Ausland schickten.
Er konnte die Sache nicht zu Ende untersuchen: Tscheprasow wurde selbst der Bestechung beschuldigt und zu 12 Jahren Strafkolonie verurteilt. Dort unterzeichnete er einen Vertrag, ging an die Front und verschwand spurlos.
Was mit ihm passiert ist, können seine Frau und Mutter nicht erfahren. Weder im Wehramt noch in der Militäreinheit selbst antwortet man ihnen. Es gibt auch keine offizielle Todesanzeige.
Aus dem Telegram-Kanal „Menschen vom Baikal“. Den gesamten Beitrag in russischer Sprache gibt es hier.
Der Telegram-Kanal „Udmurtien gegen Korruption“ hat einen Film vom Soldatenfriedhof der Stadt veröffentlicht. Abonnenten des Kanals haben auch Fotos der Soldatengräber eingereicht, allerdings nur von eineinhalb Reihen. „Das ist schwer anzusehen“, erklärten sie.
Wir konnten auf Grund dieser Fotos 21 Namen neu in unsere Datenbank aufnehmen.
Anmerkung: Es empfiehlt sich den Film in größerer Auflösung anzuschauen, dazu nur auf die Überschrift des Beitrags klicken.
Seit dem Jahr 2022 wurden in Usbekistan 338 Strafverfahren gegen eigene Bürger eingeleitet wegen Beteiligung an bewaffneten Konflikten im Ausland. Fast alle dürften auf Seiten Russlands im Krieg gegen die Ukraine gekämpft haben.
Laut usbekischer Darstellung wurde die überwiegende Mehrheit der Beteiligten durch Täuschung in den militärischen Konflikt hineingezogen oder nach Kontakt mit kriminellen Organisationen in Kampfgebiete geschickt. In seltenen Fällen erfolgte die Teilnahme aus finanziellen Gründen.
Eine unserer Informationsquellen aus Baschkortostan ist seit Beginn des Krieges der Telegram-Kanal „Aspekte Baschkortostan“. Er lieferte Einblicke in die bevölkerungsreichste russische Teilrepublik und veröffentlichte auch Namen der im Krieg gegen die Ukraine gefallenen Soldaten. Um nicht unter Zensurmaßnamen zu fallen, beschränkte sich der Kanal ausschließlich auf die Berichterstattung aus der Region und verzichtete auf Kommentierungen und Wertungen.
Das hat alles nichts geholfen. Am 21. November 25 wurde auch Aspekte als „ausländischer Agent“ eingestuft. Das russische Justizministerium schreibt in seiner Erklärung:
„Die Publikation verbreitete Falschinformationen über Entscheidungen und Maßnahmen russischer Regierungsstellen und lehnte die Militäroperation in der Ukraine ab. Sie war an der Erstellung und Verbreitung von Botschaften und Materialien ausländischer Agenten an die Öffentlichkeit beteiligt.“
Die Publikation „Aspekte – Baschkortostan“ wurde vom Team von Echo Moskwy in Ufa kurz nach der Schließung ihres Radiosenders im Frühjahr 2022 ins Leben gerufen. Die erste Sendung wurde am Morgen des 1. April 2022 auf dem YouTube-Kanal des Projekts ausgestrahlt. Seitdem konzentriert sich „Aspekte“ auf regionale Nachrichten.
Jetzt prangt über jedem Beitrag von Aspekte der großgeschriebene Satz: „18+ DAS VORLIEGENDE MATERIAL (INFORMATIONEN) WURDE VON EINEM AUSLÄNDISCHEN AGENTEN DER INTERNETPUBLIKATION „ASPEKTE VON BASCHKORTOSTAN” VERÖFFENTLICHT ODER BEZIEHT SICH AUF DIE TÄTIGKEIT EINES AUSLÄNDISCHEN AGENTEN DER INTERNETPUBLIKATION „ASPEKTE VON BASCHKORTOSTAN”.
Zwei Journalisten des Projekts, Ruslan Walijew und Jewgeni Konoplin, haben Russland inzwischen verlassen und leben in Deutschland.