31.01.2026 -- 182.890 // Zuwachs zum 31.12.2025: 9.335

Jewgeni Alexandrowitsch, 19 Jahre
Jewgeni gehörte zu den Jugendgangs der Großstadt Tjumen in Sibirien. Gerne zeigte er sich auf Fotos vermummt oder einem Smartphone vor dem Kopf. Dann kam der Wehrdienst und er wurde zur Grenzsicherung in die Region Kursk versetzt. Als die ukrainische Armee den Krieg in Russlands Gebiete trug, nahm die russische Armeeführung keine Rücksicht auf Wehrdienstleistende. Jewgeni wurde irgendwann im Spätsommer 2024 in Kursk getötet. Jewgeni Alexandrowitsch Andrejew, geboren am 13. Juli 2005.

Maxim Viktorowitsch, 20 Jahre
Mit 16 Jahren war Maxim ein stolzes Mitglied der Junarmija, der russischen Jugendarmee. Mit 20 Jahren war Maxim tot, gefallen im Krieg in der Ukraine. Statt den jungen Mann vor den Risiken und Nebenwirkungen der Soldatentums zu warnen, wurde er direkt in den Tod geführt. Maxim Viktorowitsch Zirkunow, geboren am 12.Februar 2004, wuchs in der Stadt Torschok in der Region Twer auf. Einen Monat nach seinem 20. Geburtstag wurde er getötet, erst ein weiteres Jahr später konnte er in seiner Heimatstadt beerdigt werden.

Sergej Sergejewitsch, 18 Jahre
Sergej Sergejewitsch Kustow hatte es eilig mit dem Sterben. Sergej wurde am 15. Mai 2007 in Ulan-Ude, der Hauptstadt von Burjatien, geboren. Nachdem er volljährig geworden war, schloss er im Juli 2025 einen Vertrag mit dem russischen Militär und war am 2. August 2025 tot.

Jegor Olegowitsch, 18 Jahre
Früh übt, wer jung tot sein will! Jegor Olegowitsch Kirjew lernte bereits mit 12 Jahren, wie man mit einem Gewehr umgeht. Als der Krieg gegen die Ukraine begann, war Jegor 15 Jahre alt. Und als er 18 war, meinte er, dabei sein zu müssen. Seinen 19. Geburtstag hat er nicht mehr erlebt. Jegor, geboren am 28.08.2006, wuchs in der Stadt Schumerlja in der russischen Teilrepublik Tschuwaschien auf.

Jurij Dmitrijewitsch, 18 Jahre
„Jura ist ein Verlierer. Jura ist scheiße. Jura ist eine Schwuchtel. Jura ist eine verdammte Ratte, der Sohn einer Prostituierten", lautet die Überschrift auf dem VKontakte-Status von Jurij Dmitrijewitsch Petrantsow. Und sein letzte Veröffentlichung vom April 2022 ist auch nicht besser - er war da 15 Jahre alt. Jurij wurde am 17. Mai 2006 von einer gerade erwachsen gewordenen Mutter geboren und wuchs in der Siedlung Iwot in der Oblast Brjansk auf. Um zu zeigen, wer er wirklich ist, wählte er den falschest möglichen Weg: Er meldete sich freiwillig zum Kriegsdienst in der Ukraine und wurde am 18.03.25 getötet.. Im Oktober wurde er zuhause begraben, seine Mutter veröffentlicht derweil am laufenden Band rührselige Gedichte über getötete Soldaten.

Denis Valentinowitsch, 20 Jahre
„Denis war ein fröhlicher, verständnisvoller und fürsorglicher Mensch. Er meisterte alle Schwierigkeiten mit einem Lächeln", heißt es im beschönigenden Nachruf. Denis Valentinowitsch Pesenkow, geboren am 16.07.2005 im großen Dorf Schebalino im Altai, hatte eine weiterführende Schule besucht und sich danach freiwillig zum Kriegsdienst gemeldet. Er starb elendlich bei einem Angriff am 19.09.25 - vom Lächeln keine Spur.

Alexander Sergejewitsch, 19 Jahre
Aus der Großstadt Kamensk-Uralski in der Oblast Swerdlowsk kam der 19-jährige Alexander Sergejewitsch Schaljagin. Am 10.12.2024 wurde er zum Wehrdienst eingezogen und nach wenigen Monaten vom Vorteil eines Vertragsdienstes „überzeugt“. So kam er von den Eisenbahntruppen im Fernen Osten zu den russischen Sturmtruppen in der Ukraine und war - „ganz vorteilhaft“ - am 27. Juli 25 tot.

Anton Alexandrowitsch, 18 Jahre
Gerade mal zwei Monate lang war Anton volljährig - danach war er tot. Anton Alexandrowitsch Koptelkow wurde am 21.12.2006 in der Siedlung Drowjaninsky in der Region Transbaikalien geboren. Auch er meldete sich freiwillig zum Kriegseinsatz, ganz ohne militärische Ausbildung und wurde bei wahrscheinlich bei seinem ersten Fronteinsatz am 24.02.2025 getötet.

Alexander Nikolajewitsch, 18 Jahre
Etwa 400 Einwohner hat das Dorf Belonogowo in der Oblast Kurgan. Im Dorf gibt es ein Kulturzentrum der russischen Altgläubigen. Warum der Dorfjunge Alexander Nikolajewitsch Akulkin in den Krieg zog, blieb uns verborgen. Alexander, geboren am 21. März 2007, zeigte in seinem Status auf VKontakte keine besondere militaristische Einstellung. Kurz nach seinem 18. Geburtstag unterschrieb er ohne militärische Erfahrung einen Vertrag zum Kriegsdienst und wurde am 1. August 25 gekündigt.

Michail Nikolajewitsch, 18 Jahre
In der Schule schon mit Gewehren hantiert, zog auch Michail Nikolajewitsch Gorschkow den Krieg einer Ausbildung vor. Michail, geboren am 16. Januar 2007 in der Kleinstadt Kataw-Iwanowsk in der Region Tscheljabinsk, brach nach einem Jahr die Ausbildung zum Automechaniker ab und meldete sich freiwillig zum Kriegsdienst. Eine militärische Ausbildung ist sowieso überbewertet, der schnelle Tod kommt geschwind. Michael wurde bereits Anfang April 2025 beim wahrscheinlich ersten Einsatz getötet.

Denis Nikolajewitsch, 18 Jahre
Die städtische Siedlung Tarbagatai in Transbaikalien mit weniger als 2.000 Bewohnern liegt am Streckenkilometer 5.818 an der Transibirischen Eisenbahn. Denis Nikolajewitsch Turuschew wurde am 19.12.2006 in der Siedlung geboren und verbrachte die gesamte Kindheit und Jugend im Ort. Kaum 18 Jahre alt geworden unterschrieb er einen Militärvertrag zum Kriegsdienst - ohne militärische Ausbildung. Einen Monat später, am 2. März 2025, war der Krieg für Denis vorbei.

Tschimit-Dorschu Keschikowitsch, 19 Jahre
„Für das friedliche Leben des Vaterlandes, für den Frieden der einheimischen Bevölkerung, ist er in Erfüllung seiner Militärpflicht für immer verstorben“, heißt es im Nachruf von Tschimit-Dorschu Keschikowitsch Mongusch. Was nichts anderes bedeutet, als dass Tschimit völlig umsonst gestorben ist. Denn das friedliche Leben in Tuwa war durch die Ukraine niemals bedroht. Tschimit wurde am 28.05.2005 im Dorf Meschegei in Tuwa geboren. Seinen 20. Geburtstag hat er nicht mehr erlebt.

Jan Andrejewitsch, 20 Jahre
Irgend etwas ist in der Entwicklung oder Erziehung von Jan Andrejewitsch Waltschugow schief gelaufen. Jan wurde am 4. April 2005 im Dorf Nischnjaja Tawda in der Oblast Tjumen geboren. Mit 12 Jahren veröffentlichte er in seinem VKontakte-Status ein merkwürdiges Geburtstagsfoto. Nach der Schule machte er eine landwirtschaftlche Ausbidung und versuchte sich gleichzeitig als cleverer Kleinkrimineller. Ein Nachbar hatte Probleme mit seinem Smartphone, Jan sollte ihm damit helfen. Mit dem so bekommenen Passwort und der PIN-Nummer der Bankverbindung löste Jan das Problem, überwies aber gleichzeitig 485.000 Rubel vom Konto des Bekannten auf seine eigene Bankverbindung. Das Geld verjubelte er dann mit einem Freund in der Hauptstadt Tjumen - einschließlich Bordellbesuch. Natürlich flog die Sache auf, Jan wurde zu zwei Jahren Haft auf Bewährung verurteilt. Das Geld musste er zurückzahlen, also zog er in den Krieg. Im Februar 25 unterschrieb er den Vertrag, bereits am 29.03.25 war er tot.

Alexander Uschakow, 18 Jahre
„Saschok träumte davon, das Kolleg zu beenden, einen Beruf zu ergreifen, ein Auto zu kaufen, die Liebe zu finden, eine Familie zu gründen und vieles mehr “, sagte seine Mutter. Aber Saschok brach das Kolleg ab, meldete sich freiwillig und ging ohne militärische Ausbildung in den Krieg. Am 1. März 2025 waren seine Träume perdu. Alexander Uschakow, 18 Jahre alt aus Tambow.
Afanasi Valerjewitsch, 21 Jahre
Der Chronist hat schon eine Vielzahl von schamlosen russischen Nachrufen in den letzten vier Jahren gelesen, aber immer wieder gibt es noch dreistere Machwerke. Afanasi Valerjewitsch Aiwanau wurde am 16.09.2003 im Dorf Kantschalan in Tschukotka geboren. Der Dorfjunge wurde früh mit dem militär-patriotischen Spiel "Zarnitsa"auf Linie gebracht. Irgendwann nach der Schulzeit zog er in die Hauptstadt Anadyr, „wo er seine Karriere begann und sein Leben aufbaute“, wie die Nachrichtenagentur von Tschukotka schrieb. Was für ein dummes Gesabber. Das Gegenteil ist richtig, in Anadyr wurde sein Leben und seine Karriere zerstört. Afanasi meldete sich im Jahr 2024 zum Kriegsdienst in der Ukraine und wurde im Februar 2025 getötet.

Arseni Anatoljewitsch, 18 Jahre
Arseni Anatoljewitsch Bakaljarow, geboren am 09.11.2006 in Tscheljabinsk, befand sich noch in einer jugendlichen Findungsphase. Die Haare abasiert, ein Ohrring im rechten Ohr, mit schwarzer Lederkappe bekleidet, keine Ahnung für welche russische Jugendkultur das steht. Für ein Foto legte er sich in der Dunkelheit auch auf den Mittelstreifen einer viel befahrenen Straße. Im Internet benutzte er den Nachnamen seiner Mutter: Chasanow. Warum Arseni im Krieg landete, bleibt verborgen. Auch er landete schnell im russischen Fleischwolf. Ab dem 9.11.24 war er berechtigt einen Militärvertrag abzuschließen, am 24.01.25 wurde er zur Eroberung der gut befestigten ukrainischen Stadt Pokrowsk geschickt und kam nicht zurück. Am 25.09.25 wurde er bestattet.

Alexander Rustamowitsch, 20 Jahre
Alexander Rustamowitsch Garejew, geboren am 21.06.2004, stammte aus dem Dorf Scharan in Baschkortostan. Leider haben wir kein aktuelleres Foto von Sascha gefunden, je älter er wurde, um so düsterer gestaltete er seine Statusseite. Autos und gesichtlose junge Menschen waren sein Thema. Sein Weg in den Krieg war entsprechend. Am 8.11.2024 schloss er den Militärvertrag, bereits am 31.12.24 war er tot
Nikita Sergejewitsch, 18 Jahre
Auf dem Fotos ist Nikita 11 Jahre alt, er hat wohl einen Preis in einem schulischen Computerwettbewerb gewonnen. Später hat sich Nikita für schnelle Autos, Militär und Mädchen interessiert - in dieser Reihenfolge. Als Nikita 18 Jahre alt wurde, nahm er die Autobahn in den Tod. Nikita Sergejewitsch Bulgakow wurde am 14. Juni 2007 in der Stadt Schtschigry in der Oblast Kursk geboren. Am 26. Juli 25 posierte er in einer Militäruniform, am 21.09.25 war er tot.

Andrej Alexandrowitsch, 18 Jahre
„Ich habe diejenige gefunden, die mich zum Leben erweckt hat“, schrieb Andrej in seinen Status. Da war er gerade 15 Jahre alt und mit der einstigen Liebe ist es heute endgültig vorbei. Andrej Alexandrowitsch Kokscharow, geboren am 22.12.2006, lebte im Dorf Kosulino in der Oblast Kurgan. Ohne militärische Erfahrung unterschrieb er am 8. April 25 einen Militärvertrag, der bereits am 29. August beendet wurde.
Wladislaw Viktorowitsch, 18 Jahre
Gerade 18 geworden, wollte Wladislaw ein taffer Drohnenpilot werden. Alles was er erreicht hat, war, nach weniger als einem halben Jahr, tot zu sein. Seine Familie versucht derweil mit Selbstlügen, den schnellen Tod ihres Sprösslings zu verarbeiten. Wladislaw Viktorowitsch Zakoulow wuchs in der Stadt Kurtamysch im Süden der Oblast Kurgan auf.

Emin Dobardschitsch, 60 Jahre alt, wäre ein Unternehmer, Sozialaktivist und Reisender aus Jaroslawl gewesen, schreibt die Presse im Nachruf. Warum der Mann auf seine späten Tage meinte, auch noch Ukrainer in deren eigenem Land töten zu müssen und sich im Jahr 2025 freiwillig meldete, wissen wir nicht. Aber am 13. Januar 2026 wurde er bei einem Angriff im der Region Donezk getötet. Am 28. Januar wurde er in Jaroslawl begraben. Die üblichen russischen Blumenkränze aus Plastik waren am Grab nicht erlaubt, Emin war Muslim.

Nachdem die Aufmerksamkeit zu unseren Veröffentlichungen wächst, eine kurze Information zu OskarMaria.
Unter diesem Pseudonym war der Initiator im Internet seit über 25 Jahren recht unregelmäßig präsent. Ab dem Jahr 2014 hat er hier über die Situation in den von Russland besetzten Gebieten des Donbass geschrieben. Als einer der ersten Journalisten überhaupt informierte er über die damals neu gegründete Gruppe Wagner.
Beruflich war er seit den 80-iger Jahren Geschäftsführer von diversen Medienunternehmen im Printbereich. Jetzt im Ruhestand, Kinder erwachsen, bleibt etwas mehr Zeit, die gesammelten Erfahrungen zusammen mit wenigen Mitstreitern für dieses Projekt zu nutzen.
Nachtrag: OskarMaria– das ist eine kleine Verbeugung vor dem beinahe vergessenen Schriftsteller Oskar Maria Graf. In Zeiten der Bücherverbrennungen wurden seine Werke von den Nazis verschont, ja sogar teilweise empfohlen. „Verbrennt mich!“ schrieb er 1933 in der Wiener Arbeiterzeitung, „nach meinem ganzen Leben und nach meinem ganzen Schreiben habe ich das Recht, zu verlangen, dass meine Bücher der reinen Flamme des Scheiterhaufens überantwortet werden und nicht in die blutigen Hände und die verdorbenen Hirne der braunen Mordbanden gelangen!“ Schließlich floh er in die USA – dort lebte er in bescheidenen Verhältnissen. Deutschland wollte den unbequemen Mann nach dem Krieg nicht wieder haben. Er starb 1967 in New York.
Literaturempfehlung: Wir sind Gefangene - Autobiograhie 1927.
Die Deutsche Welle berichtet heute von einer Pressekonferenz der NATO in Brüssel. Auf die Frage nach den russischen menschlichen Verlusten im Krieg gegen die Ukraine sagte der NATO-Sprecher:
Seit Beginn des umfassenden Einmarsches in die Ukraine hat Russland etwa 1,3 Millionen Menschen verloren, davon rund 350.000 Tote. Allein im Jahr 2025 hat die russische Armee fast 400.000 Tote und Verwundete zu beklagen.
Diese Zahlen entsprechen in etwa unseren Erhebungen und Abschätzungen. Zum Vergleich haben wir die NATO-Angaben in unsere Zusammenstellung eingepflegt.
Im Dezember 2025 sind im Abstand von einigen Tagen zwei Cargo-Flugzeuge in Jakutsk (Hauptstadt der Republik Sacha) gelandet und haben die Särge von im Krieg getöteten Jakuten angeliefert. Wir haben im Januar 2024 ein Video solch einer Anlieferung veröffentlicht, leider haben wir kein neues Video entdecken können.
Im Augenblick verzeichnen wir deshalb viele neue Meldungen über Kriegstote aus dieser Region Russlands. Offensichtlich wurden in letzter Zeit auch vermehrt Einheiten aus Jakutien an der Front eingesetzt. Im Internet kursierte ein Video, das die Tötung einer solchen jakutischen Einheit in einem Wäldchen an der Front zeigt.
Ganz offensichtlich sterben aktuell mit den Jakuten bevorzugt eine neue Ethnie für den Krieg der Russen. In unserer Statistik der Kriegstoten in Relation zur Bevölkerung stand Jakutien (Sacha) Ende des Jahres 2023 auf Platz 22, Ende des Jahres 2024 auf Platz 16 und zum 31.12.2025 auf Platz 9. Noch sind wir nicht so weit, den ganzen Monat Januar 2026 beurteilen zu können. Es ist aber zu erwarten, dass Jakutien weiter vorrückt.
Der Soldat in diesem kurzen Video kommt der Physiognomie nach aus dem Fernen Osten Russlands. Er hat das für ihn aussichtslose Rennen um sein Leben aufgegeben und wollte zumindest in Würde sterben.
Um die ukrainischen Verteidigungslinien zu durchbrechen, werden die russischen Zeitsoldaten alleine oder in kleinen Gruppen losgeschickt, um Lücken zu finden und die gegnerischen Linien zu infiltrieren. Die russischen Kommandanten nehmen dabei in Kauf, dass die meisten dieser Soldaten nicht zurückkehren werden - zumindest nicht lebend.
Dieser russische Angriffskrieg ist nicht nur ein Verbrechen an der Ukraine, sondern auch ein Verbrechen an den eigenen russischen Bürgern. Russland ist bereits das größte Land auf der Erde, trotzdem werden seine Männer für weitere Quadratmeter fremden Bodens geopfert.
Viktor Andrejewitsch Scharoborin (Rufname „Schwarzer“), 21 Jahre alt
Status: Verstorben
Geburtsdatum: 18.02.2004
Todesdatum: 26.06.2025
Dienstart: Freiwilliger (Vertrag seit Mai 2025)
Kinder: 2
Wohnort: Jakutsk
Anmerkung: Sein Vater, Andrej Scharoborin, wurde 2022 mobilisiert.
Meldung im Telegram-Kanal „Die Toten aus Jakutien“, einen auführlichen Nachruf zu Viktor haben wir hier veröffentlicht.
In einem Wohnhaus in Moskau wurde am 6. Februar 26 der russische General Wladimir Alexejew angeschossen. Ob der Mann das Attentat überlebt, ist im Moment noch offen. Über die Schüsse auf den Generalleutnant wurde in der Presse breit berichtet, wir wollen allerdings dessen spezifische Rolle im Krieg gegen die Ukraine etwas näher beleuchten.
Wladimir Alexejew wurde am 24. April 1961 im Dorf Golodki in der Ukraine geboren. Er machte sein Offizierspatent in der Fallschirmjägerschule in Rjasan und danach Karriere im Militärgeheimdienst. Alexejew gehörte zu den Kuratoren des Militärgeheimdienstes GRU, die die russischen Stellvertretertruppen initiierten, finanzierten, ausstatteten und beauftragten. Damit sind die russischen PMCs wie die Gruppe Wagner, Redut, Hispaniola usw. gemeint. All diese Einheiten rekrutierten sich aus Männern, denen die russische Armee zu konventionell, formalistisch und mit festgefahrenen Befehlsstrukturen erschien. Die Kämpfer der PMC agierten außerhalb des Gesetzes und konnten so für Strafmaßnahmen, Attentate auf unliebsame Politiker und für militärische Aktionen eingesetzt werden, für die die Regierung jedwede Beteiligung abstreiten konnte.
Übrigens war Wladimir Alexejew auch jener hochrangige General, der in Rostow am Don persönlich in Verhandlungen mit Jewgeni Prigoschin den Wagner-Putsch beendete.
Nach vier Jahren Krieg lösen sich jene Freiwilligenstrukturen langsam auf - sie werden nicht mehr benötigt. Die Gruppe Wagner ist seit dem Jahr 2023 Geschichte, die anderen Einheiten bluten langsam aus und haben Mühe, neuen Nachwuchs zu akquirieren. Zuletzt löste sich auch die Holligan-Einheit Hispaniola auf und ihr Anführer, Stanislaw Orlow, wurde durch staatliche Akteure liquidiert.
Aber Alexejew soll auch einer der Verantwortlichen gewesen sein, der die Abberufung des ehemaligen Kriegsministers Sergej Schoigu initiierte.
So hatte der General Feinde aus allen Richtungen - der politische Clan um Schoigu, ehemalige Söldner der zahlreichen PMCs, die sich verraten fühlen und natürlich auch der ukrainische Geheimdienst.
Der russische Soldat ist nach Hause gekommen und hat sofort mit dem weitergemacht, was er im Krieg jeden Tag tun musste. Er hat einen Schützengraben ausgehoben.
Die Frau im Off sagt sinngemäß: „Schau dir an, was mit meinem Nachbarn los ist. Er hat einen Graben im Garten ausgehoben und sitzt da voller Paranoia. Die Ärzte kamen, zuckten mit den Schultern und gingen wieder.“
Lustig ist das nicht, sondern das Beispiel zeigt, mit welchen psychischen Deformationen die Familien konfrontiert werden, wenn der Krieg vorbei ist und die Soldaten sich wieder in den Alltag eingliedern müssen.
Ende Dezember berichtete der Kreml-Mitarbeiter Sergej Nowikow, dass 250.000 ehemalige russische Soldaten keiner Arbeit nachgehen.
Zitat: „Wir haben eine ziemlich große Grauzone – Zehntausende von Menschen, die keine Arbeit gefunden haben. Sie sind zurückgekehrt, arbeiten nicht, geben entweder das erhaltene Geld aus oder bestreiten ihren Lebensunterhalt auf andere Weise… Insgesamt haben 250.000 Menschen nirgendwo eine Anstellung gefunden…“
Staatliche russische Nachrichtenagenturen griffen diese Meldung auf, korrigierten sich allerdings nach kurzer Zeit. Die Zahl 250.000 wurde durch „zehntausende“ ersetzt. Solch negativen Meldungen kann die Regierung im Moment nicht brauchen.
Ende 2024 beauftragte Präsident Putin die Regierung und die Stiftung „Verteidiger des Vaterlandes“ mit der Entwicklung eines Plans zur Verbesserung der Beschäftigungsquote von Kampfveteranen. Im vergangenen Juni berichtete die Regierung , dass 57 % der demobilisierten Soldaten bereits einer Beschäftigung nachgingen, nannte aber keine konkreten Zahlen.
Der „Autonome Kreis der Nenzen“ liegt im äußersten Nordosten Europas und seine Fläche ist etwa halb so groß wie Finnland. Nur etwa 42.000 Menschen wohnen dort, davon die Hälfte in der Hauptstadt Narjan-Mar.
Am 26. Dezember 2025 meldete der Kreis den Tod des jungen Rio Andreewitsch Markow, der im Krieg gegen die Ukraine getötet wurde. Weitere Angaben zur Person gab es nicht.
Aber es gab eine recht offene Debatte in den Kommentaren zur Nachricht.
Ein paar Beispiele
Sergej Losa:
...Wie viele Tragödien werden unsere Familien noch durch die inneren und äußeren Kriege erleiden, die von der Politik unserer Machthaber verursacht werden? Wir werden im Ausland und im eigenen Land getötet. Rein hypothetisch könnten sich unsere Machthaber bei unserem Volk entschuldigen und die Menschen (Väter, Mütter) um Vergebung für die Fehler ihrer Politik bitten, ODER: DAS SIND KEINE FEHLER.
Walentina Toropowa
Sergej, wer braucht schon seine Entschuldigung?! Der Mann ist tot, und er kann nicht wieder zum Leben erweckt werden. Er hat vielleicht eine Familie, ein Kind, und seine Mutter hat ihn großgezogen! Was kümmert sie das? Wird Putins Entschuldigung sie etwa trösten? Wann hört dieser verdammte Krieg endlich auf, mein Gott, wann hören endlich die Menschen auf zu sterben?
Natalja Kortschagina
Mein aufrichtiges Beileid. Es ist so schrecklich, wenn Kinder in den Krieg ziehen müssen. In ehrender Erinnerung an den russischen Soldaten. Danke für die Zukunft – ein friedliches Leben für die nächste Generation.
Nata Lia
Natalja, Woher kommt dieses Vertrauen in die Zukunft und ein friedliches Leben für die nächste Generation? Kriege dauern an, Wälder werden zerstört, Flüsse verschmutzt, Dörfer sterben aus, die Produkte in den Regalen sind vollgestopft mit Chemikalien und Palmöl … die Liste ließe sich endlos fortsetzen. Was werden unsere Nachkommen erben, außer einem digitalen Konzentrationslager, das „zu unserem eigenen Schutz“ mit unserer stillschweigenden Zustimmung errichtet wird? Sehen die Leute denn nicht, was vor sich geht?!
Vorausgeschickt - dieser russische Kriegsgefangene ist keine seriöse Quelle. Er hat sich als Freiwilliger aus dem Gefängnis freigekauft und nimmt es mit der Wahrheit nicht so genau. Das Video wurde zudem von der ukrainischen staatlichen Initiative „Ich will leben“ verbreitet, auch da ist Propaganda im Spiel. Trotzdem erscheint uns das Video berichtenswert.
Eduard Alexejewitsch Grischetschkin ist 30 Jahre alt und unterschrieb den Militärvertrag, um das Gefängnis verlassen zu können. Nach seinem Auftreten dürfte er ein Dauergast in den russischen Besserungsanstalten und Gefängnissen sein.
Er wurde bei einem Einsatz verwundet, ohne auch nur einmal sein Gewhr benutzt zu haben. So desertierte er und floh nach Sotschi. Nach eineinhalb Jahren wurde er erwischt, man schickte ihn in Socken zurück an die Front. Dort wurde er erneut zu einem Sturmangriff abkommandiert - ohne Waffen. So kam Eduard in ukrainische Kriegsgefangenschaft.
Die traurige Pointe dieser Geschichte ist - Eduard hatte zuvor eine Operation am Darm, es wurde ein künstlicher Darmausgang gelegt und er hatte einen Kolostomiebeutel am Bauch.
Solch ein unnatürlicher Darmausgang bedarf besonderer Pflege und Hygiene, beides ist im normalen Leben schon schwierig genug. An der Front und bei den Sturmtruppen ist aber eine angemessene Behandlung völlig unmöglich.
Was ist das für eine Armee, die solche Kranke oder Verletzte an die Front schickt?
Auch aus Jakutien (Sacha) werden die Stimmen lauter, die ein schnelles Ende des Krieges gegen die Ukraine fordern.
Der Telegramkanal „Initiativgruppe - Institut für Reputation der Republik Sacha (Jakutien)“ schreibt in einem Beitrag vom 24. Dezember 2025:
Die Friedhöfe von Jakutsk sind mit Teilnehmern der "SWO" übersät.
Behördenvertreter behaupten weiterhin, dass alles "nach Plan verläuft". Doch ein Gang über einen beliebigen lokalen Friedhof genügt, um zu erkennen: Die Realität stimmt nicht mit der offiziellen Rhetorik überein. Wenn dies tatsächlich der "Plan" ist, dann besteht sein Kern nur in dem massenhaften Tod von Männern in einem sinnlosen Krieg.
In Jakutsk und seiner Umgebung hat die Zahl der Bestattungen während der drei Kriegsjahre deutlich zugenommen. Um das wahre Ausmaß der Verluste zu verschleiern, werden nicht alle Teilnehmer der SWO auf einem speziellen Abschnitt des Magansky-Friedhofs begraben. Die Bestattungen werden punktuell auf verschiedenen Friedhöfen Jakutsks verteilt, was es unmöglich macht, ein vollständiges Bild der Gefallenen zu erhalten, und eine Illusion von geringeren Verlusten schafft. Besonders viele frische Bestattungen gibt es derzeit auf dem Friedhof hinter der Geflügelfabrik.
Doch trotz der wachsenden Zahl von Toten und Verletzten geben die Behörden immer noch keine klaren Antworten auf die Frage, welche Ziele dieser Krieg verfolgt, warum solche Opfer gebracht werden und welchen Preis unsere Region für Putins Abenteuer zahlen muss?
Wir meinen damit die Antrittsprämien, die Russen erhalten, wenn sie freiwillig einen Zeitvertrag mit dem Militär abschließen. Und der Begriff „Russisch Roulette“ ist dabei nicht falsch, denn die Überlebenschancen sind gering.
In der zweiten Hälfte des letzten Jahres haben viele Regionen diese Antrittsprämien stark reduziert. Offensichtlich fehlt es an Neuunterzeichner, deshalb erhöhen manche Regionen diese Prämien zum Teil erheblich - trotz chronischem Haushaltsdefizit. Denn alle Regionen müssen eine bestimmte Quote erfüllen, um jene 30.000 bis 35.000 monatlich gefallenen und verwundeten Soldaten im Krieg gegen die Ukraine zu ersetzen.
Über Anhebung der Prämien in Baschkortostan und Tatarstan haben wir bereits berichtet. In Tschuwaschien wurde die regionale Prämie von 400.000 Rubel auf 2,1 Millionen Rubel angehoben. Bis zum 31.03.26 erhält somit jeder Neuunterzeichner zusammen mit der Prämie des Staates 2,5 Millionen Rubel (€ 27.000). In Samara wurde die Einmalzahlung von 400.000 auf 1,1 Millionen Rubel erhöht, dort erhält jeder Unterzeichner zusammen mit der Staatsprämie 1,5 Millionen Rubel (€ 16.000). Und schließlich in Orenburg gibt es zusammen mit der Staatsprämie statt 800.000 Rubel jetzt 1,4 Millionen Rubel (€ 15.000). Bereits Ende Dezember hat auch die ökonomisch schwache Region Mari El die Prämien stark angehoben. Statt bisher 800.000 Rubel von Staat und Region gibt es jetzt 2,5 Millionen Rubel (€ 27.000).
Es lohnt sich also, quer durch Russland zu reisen - dorthin wo die höchsten Prämien gezahlt werden.
Die Stadt Pokrowsk in der Ukraine ist zur Zeit eine der umkämpfsten Regionen an der Front. Sie wurde im letzten Jahr mit der Taktik der Infiltration durch russische Einheiten teilweise besetzt, deren Unterstützung und Versorgung aber durch ukrainische Kräfte erfolgreich verhindert wurde. So ist die Stadt und deren Umgebung aktuell wieder frei von russischen Angreifern.
Doch immer wieder schicken russische Kommandeure ihre Soldaten einzeln oder in kleinen Gruppen in Richtung der Stadt, in der Hoffnung wieder einen Stützpunkt hinter den Verteidigungslinien aufbauen zu können. Wie in diesem Fall sind die Soldaten nicht einmal bewaffnet.
Weite Teile der Front sind vermint, aber für die vorschleichenden Soldaten warten auch andere Fallen. Unser Video zeigt eine Drohne auf der Lauer. Sie übermittelt ihre Bilder an den Drohnenpiloten, der entscheidet, wann der Sprengkörper gezündet wird. Auch jener russische Soldat wird irgendwann in unseren Listen auftauchen.
Alexej Fjodorowitsch Jeropejew wurde am 21.11.1978 im Dorf Scharaldai in Burjatien geboren. Nach der Schule begann Alexej eine Ausbildung zum Schneider und KFZ-Mechaniker. Nach einem Unfall wurde er schwerbehindert, Stufe 2. Der Nachruf schreibt: „Trotz dieser Schwierigkeiten blieb Alexey optimistisch und verdiente sich etwas dazu, indem er Kleidung und Schuhe nähte und dabei sein handwerkliches Geschick unter Beweis stellte. Er konnte keine Familie gründen, blieb aber stets ein gütiger und mitfühlender Mensch.“
Trotz schwerster Behinderung konnte Alexej am 16.05.2025 einen Vertrag als Zeitsoldat mit dem russischen Militär abschließen.
Die Sache endete schnell - Alexej wurde bereits am 11. Juni 2025 bei einem Einsatz ins Verderben geschickt.
So schwärmt der Nachruf weiter: „Alexey war von Natur aus gutherzig, mitfühlend und hilfsbereit. Er war stets bereit, andere zu unterstützen und mit ihnen Freud und Leid zu teilen. Seine Güte und Menschlichkeit werden in den Herzen all derer, die ihn kannten, für immer weiterleben.“