31.01.2026 -- 182.890 // Zuwachs zum 31.12.2025: 9.335

Danil Alexejewitsch, 18 Jahre
Immer wieder erzählen wir die selbe Geschichte. Der Weg vieler Jugendlicher, die in russischen Waisenhäusern aufwachsen, führt nachdem sie 18 Jahre alt geworden waren und das Waisenhaus verlassen mussten, direkt in die Arme des Militärs und von dort in den Tod. Danil Alexejewitsch Kokus, geboren am 17.06.2006, wuchs in der Einrichtung "Michailowsky Zentrum für Kinderhilfe" in der Großstadt Rubzowsk in der Region Altai auf. Direkt nach seiner Entlassung aus dem Waisenhaus meldete er sich ohne militärische Erfahrung zum Kriegsdienst beim russischen Militär. Im April 2025 wurde er getötet.

Nikita Gennadijewitsch, 18 Jahre
Nikita Gennadijewitsch Melzin wurde am 13. Juni 2006 im Dorf Kormowischtsche in der Region Perm geboren. Seinen 19. Geburtstag hat er nicht erlebt, Nikita wurde am 30.04.25 im Krieg gegen die Ukraine getötet. Warum er dort gelandet ist, war nicht zu erfahren. Aber die Trauerfeier durfte nicht in der örtlichen Kirche stattfinden, da Nikita nicht getauft wurde.

Dmitri Wladimirowitsch, 18 Jahre
In der Berufsschule hat es für Dimitri nur zur Ausbildung als Traktorfahrer gereicht. Auch die beendete er nicht und zog lieber in den Krieg. Im November 2024 unterschrieb er einen Militärvertrag, der am 3. März 25 mit seinem Tod endete.Nun ziert sein Konterfei einen „Heldenschreibtisch“ und zudem eine Gedenktafel an der brökelden Fassade seiner Schule. Dmitri Wladimirowitsch Butschnew wurde am 19.06.2006 im Dorf Nikolskoje in der Oblast Tambow geboren.

Roman Michailowitsch, 19 Jahre
Roman hat das Berufskolleg abgebrochen und meldete sich am 17.11.24 freiwillig zum Kriegsdienst. Vielleicht hat er das Kolleg nicht bewältigt, vielleicht war ihm das viele Geld der Freiwilligen wichtiger als zu lernen. Keine vier Monate hielt Roman an der Front durch. Roman Michailowitsch Denisow wuchs im Dorf Kruposawod in der Region Uljanowsk auf.
Artem Alexandrowitsch, 18 Jahre
Die russische Welt bleibt dem Autor fremd, wie auch das Beispiel von Artem zeigt. Im September 2022 wurde Artems Vater für den Krieg in der Ukraine mobilisiert und ist immer noch an der Front. Er hätte also drei Jahre lang seinen Sohn über die Schrecken des Krieges, die vielen Toten, schwer Verwundeten und all die Zerstörung berichten können, die der russische Angriff verursacht. Er hat das wohl unterlassen. So zog sein Filius, gerade 18 Jahre alt, ohne militärische Ausbildung in den Krieg. Im März 2025 unterschrieb er den Vertrag, im Mai war er tot. Artem Alexandrowitsch Burlakow, geboren am 30. Oktober 2006, lebte im Städtchen Babuschkin, das an der Transsibirieschen Eisenbahn (Schienenkilometer 5.477 ab Moskau) liegt.

Anton Wladimirowitsch, 18 Jahre
„Nur die Erinnerung bleibt“, schreibt Natalja zu obigem Foto. Anton Wladimirowitsch Michailow wurde am 29. August 2006 in einer Siedlung der Stadt Nerjungi in Jakutien (Sacha) geboren. Mit gerade mal 18 Jahren war er bereits verheiratet. Doch Anton hatte etwas ausgefressen. Am 1. April 2025 stand er vor Gericht und wurde verurteilt. Die Tat und das Urteil wurden ob seiner jungen Jahren nicht veröffentlicht. Doch sicher ist - die Todesstrafe hatte Anton nicht verdient. Genaues wissen wir nicht, aber höchst wahrscheinlich wurde Anton vor die Wahl gestellt - Knast oder Kriegsdienst. Anton traf die falsche Entscheidung. Bereits am 30. Juni 25 war er tot.

Artem Walerjewitsch, 18 Jahre
Artem Walerjewitsch Schagejew gehört zur Gruppe der jungen Männer, die kurz nach dem Erreichen des 18. Lebensjahres sich sofort zum Kriegsdienst verpflichten. Sie haben natürlicherwiese keine militärische Grundausbildung hinter sich, bekommen eine 14-tägige Einweisung auf einem Übungsgelände und werden dann ins Kampfgebiet geschickt. Artem wurde am 20.01.2007 in der ostbaschkirischen Stadt Utschaly geboren. Wir wissen nicht wann er den Vertrag unterschrieben hat und auch nicht das Datum seines Todes. Wahrscheinlich wurde auch Artem sehr schnell getötet und diese Tatsache wird verschwiegen. Am 11. September 2025 wurde Artem beigesetzt.

Igor Alexandrowitsch, 19 Jahre
Igor Alexandrowitsch Lematschko wurde am 27.06.2004 im Dorf Tsagan-Tschelutay in Transbaikalien geboren. Nach der Schule und einer abgeschlossenen Berufsausbildung zum Koch musste er im Jahr 2022 seinen Wehrdienst ableisten. Auch er machte den Fehler sich danach zum Kriegsdienst zu verpflichten. Am 23.07.24 sollte er ein ukrainischer Dorf erstürmen, vom Angriff kam er nicht mehr zurück. Erst im September 2025 wurde das, was von ihm noch übrig war, in seiner Heimat bestattet.

Igor Valeriewitsch, 19 Jahre
Laut seinem VKontakte-Status war Igor auf aktiver Partnersuche. Doch die Front im Krieg gegen die Ukraine war dafür sicher nicht der geeignete Platz. Auch sonst war Igor nicht der hellste Stern seines Dorfes. Nach der Schule hat es nur zu einer Ausbildung als Schweißer gereicht. So wundert es auch nicht, dass Igor sich gleich freiwillig zum Krieg gemeldet hat. Am 2. Juli wurde er getötet, am 16. September 25 beigesetzt. Igor Valeriewitsch Marutk , geboren am 24.05.2006, wuchs im kleinen Dorf Zagriwje in der Region Leningrad auf.

Afanasi Igorewitsch, 19 Jahre
Afanasi Igorewitsch Wilesow (Schulfoto), geboren am 3. Juli 2006, war der Sohn des Rektors der orthodoxen Kirche in Kudymkar. Kudymkar ist eine Stadt der Region Perm und Zentrum der Komi-Permjaken. Afanasis Bruder war in den Krieg gezogen und als Afanasi 18 Jahre alt wurde, meldete er sich freiwillig. Afanasi wurde den "Schwarzen Husaren" zugeteilt, von denen kaum jemand lebend nach Hause kommt (siehe). Am 24. August 25 war es dann auch um Afanasi geschehen. Seine Familie teilte der Öffentlichkeit Folgendes mit: „Seine Eltern sind stolz auf ihren Sohn, der wie die Heiligen Gottes sein Leben für seine Freunde gab. Wir alle werden eines Tages sterben, aber auf unterschiedliche Weise: Manche durch Drogen, manche durch Wodka, manche durch Unzucht, manche durch Altersschwäche oder wie Christus und die Heiligen, indem wir unser Leben für unsere Freunde geben“.

Wiktor Sergjewitsch, 20 Jahre
Wiktor Sergjewitsch Jazwenko, geboren am 31. Mai 2005, stammte aus der Großstadt Magnitogorsk in der Oblast Tscheljabinsk. Er war Wehrpflichtiger, hielt dem Druck seines Kommandanten nicht stand und unterschrieb einen Militärvertrag. An der Front wurde es noch schlimmer. Der Kompaniechef kassierte Schutzgeld, wer nicht zahlte, wurde zum Angriff geschickt. Nach acht Monaten war dann Schluss, am 17. Juli 25 wurde Wiktor getötet.
Gleb Gennadjewitsch, 18 Jahre
Über Gleb war eigentlich wenig zu erfahren, auch nicht warum er in den Krieg gezogen ist. Vielleicht reicht dieses Foto mit seinem Vater und seinem Großvater. Oder vielleicht, dass der Geburtstag seiner Mutter der 14.12.1992 ist. Sie war also 14 Jahre alt, als Gleb geboren wurde. Gleb Gennadjewitsch Bannikow, geboren am 11.04.2007, wuchs im Dorf Archangelskoje mit etwa 100 Bewohnern in der Region Pensa auf. Er wurde nach dem 6. August 2025 begraben.

Bogdan Iwanowitsch, 19 Jahre
Bogdan Iwanowitsch Chworostjan, geboren am 8. Mai 2005, absovierte eine Kadettenschule in der Stadt Omsk. Er hätte hervorragende Ergebnisse beim militärischen Teil der Ausbildung erzielt. Nach der Schule zog der Staat Bogdans Namen nicht zum Wehrdienst, da verpflichtete sich er gleich zum vertraglichen Kriegsdienst. Er wurde zum Drohnenbediener ausgebildet und am 25. Juni 24 getötet. Erst am 3.9.25 wurde er zuhause bestattet. Trost spendet seine ehemalige Schule: „Sein Leben war kurz, aber heiter. Bogdan, der sein Leben für die Sicherheit unseres Landes und die freie Zukunft unseres Volkes gab, ging in die Unsterblichkeit ein und blieb für immer neunzehn Jahre alt...“

Aydinbek Eduardowitsch, 23 Jahre
Das malerisch gelegene Dorf Balyktujul liegt auf 1.400 Meter Höhe in der Repupublik Altai. Bewohnt wird es von Altaiern. An das öffentliche Straßennetz ist es nur durch eine unbefestigte Straße angeschlossen. Auch diesem abgeschiedenen Dorf sterben junge Männer im Krieg gegen die Ukraine. Aydinbek Eduardowitsch Tadyschew wurde im Dorf am 1. Februar 2002 geboren und machte eine Ausbildung zum Lehrer. Doch während seines Wehrdienstes beging er zu Beginn des Krieges im Jahr 2022 den Fehler, sich zum Vertragsdienst zu verpflichten. Am 21.06.25 wurde er bei einem Angriff tödlich verwundet.

Maxim Dmitrijewitsch, 18 Jahre
Maxim Dmitrijewitsch Parchatschew, geboren am 11.01.2007, wuchs in der Kleinstadt Sorsk in Chakassien auf. Auch er fand das Soldatentum und den Krieg eine coole Sache, zeigte sich vermummt auf Fotos von der Front und bevor er die düstere Realität des Krieges richtig begriffen hat, war er schon tot. Am 10. August 25 wurde er auf dem Friedhof der Eisenbahnstation Jerbinskaja begraben.

Artem Batyrbekowitsch, 19 Jahre
„Wer Angst hat, ist schon halb besiegt“, schreibt Artem auf seiner VKontakte-Seite. Hätte er nur Angst gehabt und sich deshalb nicht zum Krieg gemeldet, würde er heute noch leben. So starb Artem als ethnischer Kasache für die russische Welt. Artem Batyrbekowitsch Schenspajew (29.12.2005 - 25.05.2024) stammte aus der Stadt Kartaly in der Oblast Tscheljabinsk. Erst im August 2025 wurde sein Tod bekannt. Der Patch auf seiner Mütze bedeutet: „Mama sagte, ich solle es anziehen".
Denis Andrejewitsch, 19 Jahre
„Er sagte: ‚Mama, ich gehe auf einen Kampfeinsatz.‘ Seitdem habe ich nichts mehr von meinem Sohn gehört“, sagt Swetlana, die nach ihrem vermissten Sohn sucht. Im Untersuchungsgefängnis wurde Denis ein Vertrag als Freiwilliger untergeschoben, weil er sich so einer Verurteilung entziehen könne. Damit wurde aus einer eventuellen Gefängnisstrafe ein Todesurteil. Denis Andrejewitsch Talalajew, geboren am 11. September 2005 in Sergijew Possad, Region Moskau, hatte am 9.11.24 zuletzt mit seiner Mutter Kontakt, die Todesurkunde wurde zum 20.11. ausgestellt. Mitte Mai 25 hatte die Mutter Gewissheit.

Alexander Michailowitsch, 18 Jahre
Alexander war für den Wehrdienst untauglich, aber er wollte unbedingt Soldat werden. Meldet man sich als Freiwilliger für den Ukrainekrieg, dann nimmt das Militär jeden, der auf zwei Beinen laufen kann. Alexander erzählte erst einen Tag vor seiner Abreise von seiner Vertragsunterschrift, weil er die Reaktion seiner Familie geahnt hatte. Fünf Monate nach seinem 18. Geburtstag wurde er in seinem Heimatdorf begraben. Alexander Michailowitsch Gwosdew, geboren am 21. Februar 2007, lebte im großen Dorf Grigoropolis in der Region Stawropol.

Schamil Rinatowitsch, 18 Jahre
Schamil Rinatowitsch Auchatow wurde am 8. September 2006 im Dorf Kusbajewo in Baschkortostan geboren. Mit 12 Jahren kam er in ein Kinderheim, danach in eine Pflegefamilie. Als er sechzehn war, machte er eine Ausbildung zum Landwirt. Die machte er gut, gewann Preise und sogar ein Stipendium der Republik Baschkortostan. Doch seine Familie unterstützte seine Entscheidung, als Freiwilliger in den Krieg zu ziehen. "Jetzt bin ich ein Verteidiger der Heimat", schrieb er zum Abschiedsfoto mit der Familie. Er wurde verletzt und zeigte danach einige düstere Grafiken auf seiner VKontakte-Seite. Am 6. Juni 25 wurden diese Ahnungen wahr.

Stanislaw Romanowitsch, 19 Jahre
Stas, ein junger Kolyma-Bewohner wurde am 2. Juli 25 im Krieg in der Ukraine getötet. Er verpasste seinen 20. Geburtstag um 20 Tage. Über Stanislaw Romanowitsch Sodnajtis, geboren am 22.07.2005 in Magadan, war kaum etwas zu erfahren. Er legte nach Bedarf einen neuen VKontakte-Account an, den er danach kaum mehr bediente. Stas mit 12 Jahren, mit 14 Jahren und mit 18 Jahren.

Ein Mann in seinem Alter hat eigentlich im Krieg nichts verloren. Viktor Alexejewitsch Utjaschew wurde am 26.01.1963 im Dorf Iwolginsk in Burjatien geboren. Er arbeitete vorwiegend als Fahrer für unterschiedliche Firmen. Im Juni 2023 meldete er sich freiwillig zum Kriegsdienst, will aber das so nicht gewusst haben. Zumindest behauptete er das in einem Verhör durch ukrainisches Militär. Viktor war im Oktober 2023 in Kriegsgefangenschaft geraten. Doch auch Viktor bekam eine zweite Chance zum Sterben. Nach einem Gefangenenaustausch wurde er vom russischen Militär erneut an die Front geschickt. Er wurde am 12. Januar 2025 getötet.

Nachdem die Aufmerksamkeit zu unseren Veröffentlichungen wächst, eine kurze Information zu OskarMaria.
Unter diesem Pseudonym war der Initiator im Internet seit über 25 Jahren recht unregelmäßig präsent. Ab dem Jahr 2014 hat er hier über die Situation in den von Russland besetzten Gebieten des Donbass geschrieben. Als einer der ersten Journalisten überhaupt informierte er über die damals neu gegründete Gruppe Wagner.
Beruflich war er seit den 80-iger Jahren Geschäftsführer von diversen Medienunternehmen im Printbereich. Jetzt im Ruhestand, Kinder erwachsen, bleibt etwas mehr Zeit, die gesammelten Erfahrungen zusammen mit wenigen Mitstreitern für dieses Projekt zu nutzen.
Nachtrag: OskarMaria– das ist eine kleine Verbeugung vor dem beinahe vergessenen Schriftsteller Oskar Maria Graf. In Zeiten der Bücherverbrennungen wurden seine Werke von den Nazis verschont, ja sogar teilweise empfohlen. „Verbrennt mich!“ schrieb er 1933 in der Wiener Arbeiterzeitung, „nach meinem ganzen Leben und nach meinem ganzen Schreiben habe ich das Recht, zu verlangen, dass meine Bücher der reinen Flamme des Scheiterhaufens überantwortet werden und nicht in die blutigen Hände und die verdorbenen Hirne der braunen Mordbanden gelangen!“ Schließlich floh er in die USA – dort lebte er in bescheidenen Verhältnissen. Deutschland wollte den unbequemen Mann nach dem Krieg nicht wieder haben. Er starb 1967 in New York.
Literaturempfehlung: Wir sind Gefangene - Autobiograhie 1927.
Die Deutsche Welle berichtet heute von einer Pressekonferenz der NATO in Brüssel. Auf die Frage nach den russischen menschlichen Verlusten im Krieg gegen die Ukraine sagte der NATO-Sprecher:
Seit Beginn des umfassenden Einmarsches in die Ukraine hat Russland etwa 1,3 Millionen Menschen verloren, davon rund 350.000 Tote. Allein im Jahr 2025 hat die russische Armee fast 400.000 Tote und Verwundete zu beklagen.
Diese Zahlen entsprechen in etwa unseren Erhebungen und Abschätzungen. Zum Vergleich haben wir die NATO-Angaben in unsere Zusammenstellung eingepflegt.
Im Dezember 2025 sind im Abstand von einigen Tagen zwei Cargo-Flugzeuge in Jakutsk (Hauptstadt der Republik Sacha) gelandet und haben die Särge von im Krieg getöteten Jakuten angeliefert. Wir haben im Januar 2024 ein Video solch einer Anlieferung veröffentlicht, leider haben wir kein neues Video entdecken können.
Im Augenblick verzeichnen wir deshalb viele neue Meldungen über Kriegstote aus dieser Region Russlands. Offensichtlich wurden in letzter Zeit auch vermehrt Einheiten aus Jakutien an der Front eingesetzt. Im Internet kursierte ein Video, das die Tötung einer solchen jakutischen Einheit in einem Wäldchen an der Front zeigt.
Ganz offensichtlich sterben aktuell mit den Jakuten bevorzugt eine neue Ethnie für den Krieg der Russen. In unserer Statistik der Kriegstoten in Relation zur Bevölkerung stand Jakutien (Sacha) Ende des Jahres 2023 auf Platz 22, Ende des Jahres 2024 auf Platz 16 und zum 31.12.2025 auf Platz 9. Noch sind wir nicht so weit, den ganzen Monat Januar 2026 beurteilen zu können. Es ist aber zu erwarten, dass Jakutien weiter vorrückt.
Der Soldat in diesem kurzen Video kommt der Physiognomie nach aus dem Fernen Osten Russlands. Er hat das für ihn aussichtslose Rennen um sein Leben aufgegeben und wollte zumindest in Würde sterben.
Um die ukrainischen Verteidigungslinien zu durchbrechen, werden die russischen Zeitsoldaten alleine oder in kleinen Gruppen losgeschickt, um Lücken zu finden und die gegnerischen Linien zu infiltrieren. Die russischen Kommandanten nehmen dabei in Kauf, dass die meisten dieser Soldaten nicht zurückkehren werden - zumindest nicht lebend.
Dieser russische Angriffskrieg ist nicht nur ein Verbrechen an der Ukraine, sondern auch ein Verbrechen an den eigenen russischen Bürgern. Russland ist bereits das größte Land auf der Erde, trotzdem werden seine Männer für weitere Quadratmeter fremden Bodens geopfert.
Viktor Andrejewitsch Scharoborin (Rufname „Schwarzer“), 21 Jahre alt
Status: Verstorben
Geburtsdatum: 18.02.2004
Todesdatum: 26.06.2025
Dienstart: Freiwilliger (Vertrag seit Mai 2025)
Kinder: 2
Wohnort: Jakutsk
Anmerkung: Sein Vater, Andrej Scharoborin, wurde 2022 mobilisiert.
Meldung im Telegram-Kanal „Die Toten aus Jakutien“, einen auführlichen Nachruf zu Viktor haben wir hier veröffentlicht.
In einem Wohnhaus in Moskau wurde am 6. Februar 26 der russische General Wladimir Alexejew angeschossen. Ob der Mann das Attentat überlebt, ist im Moment noch offen. Über die Schüsse auf den Generalleutnant wurde in der Presse breit berichtet, wir wollen allerdings dessen spezifische Rolle im Krieg gegen die Ukraine etwas näher beleuchten.
Wladimir Alexejew wurde am 24. April 1961 im Dorf Golodki in der Ukraine geboren. Er machte sein Offizierspatent in der Fallschirmjägerschule in Rjasan und danach Karriere im Militärgeheimdienst. Alexejew gehörte zu den Kuratoren des Militärgeheimdienstes GRU, die die russischen Stellvertretertruppen initiierten, finanzierten, ausstatteten und beauftragten. Damit sind die russischen PMCs wie die Gruppe Wagner, Redut, Hispaniola usw. gemeint. All diese Einheiten rekrutierten sich aus Männern, denen die russische Armee zu konventionell, formalistisch und mit festgefahrenen Befehlsstrukturen erschien. Die Kämpfer der PMC agierten außerhalb des Gesetzes und konnten so für Strafmaßnahmen, Attentate auf unliebsame Politiker und für militärische Aktionen eingesetzt werden, für die die Regierung jedwede Beteiligung abstreiten konnte.
Übrigens war Wladimir Alexejew auch jener hochrangige General, der in Rostow am Don persönlich in Verhandlungen mit Jewgeni Prigoschin den Wagner-Putsch beendete.
Nach vier Jahren Krieg lösen sich jene Freiwilligenstrukturen langsam auf - sie werden nicht mehr benötigt. Die Gruppe Wagner ist seit dem Jahr 2023 Geschichte, die anderen Einheiten bluten langsam aus und haben Mühe, neuen Nachwuchs zu akquirieren. Zuletzt löste sich auch die Holligan-Einheit Hispaniola auf und ihr Anführer, Stanislaw Orlow, wurde durch staatliche Akteure liquidiert.
Aber Alexejew soll auch einer der Verantwortlichen gewesen sein, der die Abberufung des ehemaligen Kriegsministers Sergej Schoigu initiierte.
So hatte der General Feinde aus allen Richtungen - der politische Clan um Schoigu, ehemalige Söldner der zahlreichen PMCs, die sich verraten fühlen und natürlich auch der ukrainische Geheimdienst.
Der russische Soldat ist nach Hause gekommen und hat sofort mit dem weitergemacht, was er im Krieg jeden Tag tun musste. Er hat einen Schützengraben ausgehoben.
Die Frau im Off sagt sinngemäß: „Schau dir an, was mit meinem Nachbarn los ist. Er hat einen Graben im Garten ausgehoben und sitzt da voller Paranoia. Die Ärzte kamen, zuckten mit den Schultern und gingen wieder.“
Lustig ist das nicht, sondern das Beispiel zeigt, mit welchen psychischen Deformationen die Familien konfrontiert werden, wenn der Krieg vorbei ist und die Soldaten sich wieder in den Alltag eingliedern müssen.
Ende Dezember berichtete der Kreml-Mitarbeiter Sergej Nowikow, dass 250.000 ehemalige russische Soldaten keiner Arbeit nachgehen.
Zitat: „Wir haben eine ziemlich große Grauzone – Zehntausende von Menschen, die keine Arbeit gefunden haben. Sie sind zurückgekehrt, arbeiten nicht, geben entweder das erhaltene Geld aus oder bestreiten ihren Lebensunterhalt auf andere Weise… Insgesamt haben 250.000 Menschen nirgendwo eine Anstellung gefunden…“
Staatliche russische Nachrichtenagenturen griffen diese Meldung auf, korrigierten sich allerdings nach kurzer Zeit. Die Zahl 250.000 wurde durch „zehntausende“ ersetzt. Solch negativen Meldungen kann die Regierung im Moment nicht brauchen.
Ende 2024 beauftragte Präsident Putin die Regierung und die Stiftung „Verteidiger des Vaterlandes“ mit der Entwicklung eines Plans zur Verbesserung der Beschäftigungsquote von Kampfveteranen. Im vergangenen Juni berichtete die Regierung , dass 57 % der demobilisierten Soldaten bereits einer Beschäftigung nachgingen, nannte aber keine konkreten Zahlen.
Der „Autonome Kreis der Nenzen“ liegt im äußersten Nordosten Europas und seine Fläche ist etwa halb so groß wie Finnland. Nur etwa 42.000 Menschen wohnen dort, davon die Hälfte in der Hauptstadt Narjan-Mar.
Am 26. Dezember 2025 meldete der Kreis den Tod des jungen Rio Andreewitsch Markow, der im Krieg gegen die Ukraine getötet wurde. Weitere Angaben zur Person gab es nicht.
Aber es gab eine recht offene Debatte in den Kommentaren zur Nachricht.
Ein paar Beispiele
Sergej Losa:
...Wie viele Tragödien werden unsere Familien noch durch die inneren und äußeren Kriege erleiden, die von der Politik unserer Machthaber verursacht werden? Wir werden im Ausland und im eigenen Land getötet. Rein hypothetisch könnten sich unsere Machthaber bei unserem Volk entschuldigen und die Menschen (Väter, Mütter) um Vergebung für die Fehler ihrer Politik bitten, ODER: DAS SIND KEINE FEHLER.
Walentina Toropowa
Sergej, wer braucht schon seine Entschuldigung?! Der Mann ist tot, und er kann nicht wieder zum Leben erweckt werden. Er hat vielleicht eine Familie, ein Kind, und seine Mutter hat ihn großgezogen! Was kümmert sie das? Wird Putins Entschuldigung sie etwa trösten? Wann hört dieser verdammte Krieg endlich auf, mein Gott, wann hören endlich die Menschen auf zu sterben?
Natalja Kortschagina
Mein aufrichtiges Beileid. Es ist so schrecklich, wenn Kinder in den Krieg ziehen müssen. In ehrender Erinnerung an den russischen Soldaten. Danke für die Zukunft – ein friedliches Leben für die nächste Generation.
Nata Lia
Natalja, Woher kommt dieses Vertrauen in die Zukunft und ein friedliches Leben für die nächste Generation? Kriege dauern an, Wälder werden zerstört, Flüsse verschmutzt, Dörfer sterben aus, die Produkte in den Regalen sind vollgestopft mit Chemikalien und Palmöl … die Liste ließe sich endlos fortsetzen. Was werden unsere Nachkommen erben, außer einem digitalen Konzentrationslager, das „zu unserem eigenen Schutz“ mit unserer stillschweigenden Zustimmung errichtet wird? Sehen die Leute denn nicht, was vor sich geht?!
Vorausgeschickt - dieser russische Kriegsgefangene ist keine seriöse Quelle. Er hat sich als Freiwilliger aus dem Gefängnis freigekauft und nimmt es mit der Wahrheit nicht so genau. Das Video wurde zudem von der ukrainischen staatlichen Initiative „Ich will leben“ verbreitet, auch da ist Propaganda im Spiel. Trotzdem erscheint uns das Video berichtenswert.
Eduard Alexejewitsch Grischetschkin ist 30 Jahre alt und unterschrieb den Militärvertrag, um das Gefängnis verlassen zu können. Nach seinem Auftreten dürfte er ein Dauergast in den russischen Besserungsanstalten und Gefängnissen sein.
Er wurde bei einem Einsatz verwundet, ohne auch nur einmal sein Gewhr benutzt zu haben. So desertierte er und floh nach Sotschi. Nach eineinhalb Jahren wurde er erwischt, man schickte ihn in Socken zurück an die Front. Dort wurde er erneut zu einem Sturmangriff abkommandiert - ohne Waffen. So kam Eduard in ukrainische Kriegsgefangenschaft.
Die traurige Pointe dieser Geschichte ist - Eduard hatte zuvor eine Operation am Darm, es wurde ein künstlicher Darmausgang gelegt und er hatte einen Kolostomiebeutel am Bauch.
Solch ein unnatürlicher Darmausgang bedarf besonderer Pflege und Hygiene, beides ist im normalen Leben schon schwierig genug. An der Front und bei den Sturmtruppen ist aber eine angemessene Behandlung völlig unmöglich.
Was ist das für eine Armee, die solche Kranke oder Verletzte an die Front schickt?
Auch aus Jakutien (Sacha) werden die Stimmen lauter, die ein schnelles Ende des Krieges gegen die Ukraine fordern.
Der Telegramkanal „Initiativgruppe - Institut für Reputation der Republik Sacha (Jakutien)“ schreibt in einem Beitrag vom 24. Dezember 2025:
Die Friedhöfe von Jakutsk sind mit Teilnehmern der "SWO" übersät.
Behördenvertreter behaupten weiterhin, dass alles "nach Plan verläuft". Doch ein Gang über einen beliebigen lokalen Friedhof genügt, um zu erkennen: Die Realität stimmt nicht mit der offiziellen Rhetorik überein. Wenn dies tatsächlich der "Plan" ist, dann besteht sein Kern nur in dem massenhaften Tod von Männern in einem sinnlosen Krieg.
In Jakutsk und seiner Umgebung hat die Zahl der Bestattungen während der drei Kriegsjahre deutlich zugenommen. Um das wahre Ausmaß der Verluste zu verschleiern, werden nicht alle Teilnehmer der SWO auf einem speziellen Abschnitt des Magansky-Friedhofs begraben. Die Bestattungen werden punktuell auf verschiedenen Friedhöfen Jakutsks verteilt, was es unmöglich macht, ein vollständiges Bild der Gefallenen zu erhalten, und eine Illusion von geringeren Verlusten schafft. Besonders viele frische Bestattungen gibt es derzeit auf dem Friedhof hinter der Geflügelfabrik.
Doch trotz der wachsenden Zahl von Toten und Verletzten geben die Behörden immer noch keine klaren Antworten auf die Frage, welche Ziele dieser Krieg verfolgt, warum solche Opfer gebracht werden und welchen Preis unsere Region für Putins Abenteuer zahlen muss?
Wir meinen damit die Antrittsprämien, die Russen erhalten, wenn sie freiwillig einen Zeitvertrag mit dem Militär abschließen. Und der Begriff „Russisch Roulette“ ist dabei nicht falsch, denn die Überlebenschancen sind gering.
In der zweiten Hälfte des letzten Jahres haben viele Regionen diese Antrittsprämien stark reduziert. Offensichtlich fehlt es an Neuunterzeichner, deshalb erhöhen manche Regionen diese Prämien zum Teil erheblich - trotz chronischem Haushaltsdefizit. Denn alle Regionen müssen eine bestimmte Quote erfüllen, um jene 30.000 bis 35.000 monatlich gefallenen und verwundeten Soldaten im Krieg gegen die Ukraine zu ersetzen.
Über Anhebung der Prämien in Baschkortostan und Tatarstan haben wir bereits berichtet. In Tschuwaschien wurde die regionale Prämie von 400.000 Rubel auf 2,1 Millionen Rubel angehoben. Bis zum 31.03.26 erhält somit jeder Neuunterzeichner zusammen mit der Prämie des Staates 2,5 Millionen Rubel (€ 27.000). In Samara wurde die Einmalzahlung von 400.000 auf 1,1 Millionen Rubel erhöht, dort erhält jeder Unterzeichner zusammen mit der Staatsprämie 1,5 Millionen Rubel (€ 16.000). Und schließlich in Orenburg gibt es zusammen mit der Staatsprämie statt 800.000 Rubel jetzt 1,4 Millionen Rubel (€ 15.000). Bereits Ende Dezember hat auch die ökonomisch schwache Region Mari El die Prämien stark angehoben. Statt bisher 800.000 Rubel von Staat und Region gibt es jetzt 2,5 Millionen Rubel (€ 27.000).
Es lohnt sich also, quer durch Russland zu reisen - dorthin wo die höchsten Prämien gezahlt werden.
Die Stadt Pokrowsk in der Ukraine ist zur Zeit eine der umkämpfsten Regionen an der Front. Sie wurde im letzten Jahr mit der Taktik der Infiltration durch russische Einheiten teilweise besetzt, deren Unterstützung und Versorgung aber durch ukrainische Kräfte erfolgreich verhindert wurde. So ist die Stadt und deren Umgebung aktuell wieder frei von russischen Angreifern.
Doch immer wieder schicken russische Kommandeure ihre Soldaten einzeln oder in kleinen Gruppen in Richtung der Stadt, in der Hoffnung wieder einen Stützpunkt hinter den Verteidigungslinien aufbauen zu können. Wie in diesem Fall sind die Soldaten nicht einmal bewaffnet.
Weite Teile der Front sind vermint, aber für die vorschleichenden Soldaten warten auch andere Fallen. Unser Video zeigt eine Drohne auf der Lauer. Sie übermittelt ihre Bilder an den Drohnenpiloten, der entscheidet, wann der Sprengkörper gezündet wird. Auch jener russische Soldat wird irgendwann in unseren Listen auftauchen.
Alexej Fjodorowitsch Jeropejew wurde am 21.11.1978 im Dorf Scharaldai in Burjatien geboren. Nach der Schule begann Alexej eine Ausbildung zum Schneider und KFZ-Mechaniker. Nach einem Unfall wurde er schwerbehindert, Stufe 2. Der Nachruf schreibt: „Trotz dieser Schwierigkeiten blieb Alexey optimistisch und verdiente sich etwas dazu, indem er Kleidung und Schuhe nähte und dabei sein handwerkliches Geschick unter Beweis stellte. Er konnte keine Familie gründen, blieb aber stets ein gütiger und mitfühlender Mensch.“
Trotz schwerster Behinderung konnte Alexej am 16.05.2025 einen Vertrag als Zeitsoldat mit dem russischen Militär abschließen.
Die Sache endete schnell - Alexej wurde bereits am 11. Juni 2025 bei einem Einsatz ins Verderben geschickt.
So schwärmt der Nachruf weiter: „Alexey war von Natur aus gutherzig, mitfühlend und hilfsbereit. Er war stets bereit, andere zu unterstützen und mit ihnen Freud und Leid zu teilen. Seine Güte und Menschlichkeit werden in den Herzen all derer, die ihn kannten, für immer weiterleben.“