30.11.2025 -- 162.913 // Zuwachs zum 31.10.2025: 9.801

Maxim Semskow, 18 Jahre
Maxims Interessen bewegten sich im Bereich von Autos, Wodka und Zigaretten. Ein halbes Jahr nachdem er 18 geworden war, zog er in den Krieg. "Nun, ich habe einfach weitergemacht", war sein Motto auf VKontakte. Hat er nicht! Maxim Semskow, geboren am 19. September 2006, lebte in der Großstadt Orsk in der Region Orenburg. Wahrscheinlich hat er gerade mal einen Monat an der Front überlebt. Am 17. April 2025 wurde er bestattet.

Rifat Iskenderowitsch, 25 Jahre
Rifat Iskenderowitsch Feisullow, geboren am 16.03.2000, stammt aus dem tatarischen Dorf Ozyn Kuak in der russischen Teilrepublik Tschuwaschien. Die Tschuwaschen sind in der Regel christlich orthodoxen Glaubens, die Tataren sind Muslime. Rifat schloss die Offiziersausbildung im September 2021 ab und bereits ein halbes Jahr später befehligte er Panzer beim Angriff auf die Ukraine. Im Krieg sammelte er Orden und stieg zum Hauptmann auf. Irgendwann war damit Schluss, am 1. Juli 2025 bekam auch er eine Grube in seinem Heimatdorf.

Semjon Alexandrowitsch, 19 Jahre
Semjon Alexandrowitsch Timtschenko, 02.10.2005 - 28.12.2024, wuchs in Wladiwostok auf, ganz im Osten Russlands und weit weg vom Krieg in der Ukraine. Wahrscheinlich wurde er auch während seines Wehrdienstes zum Kriegsdienst "überredet". "Du wirst gehen und niemand wird sich an dich erinnern", steht auf seinem VKontake-Status geschrieben. So ist es und widerlegt die Lügen der russischen Proaganda, dass Gefallene ewig leben werden. Gegen das Vergessen hat sich seine Schwester sein Konterfei auf ihren Körper stechen lassen.

Stanislaw Sergejewitsch, 21 Jahre
Hilfsfahrer bei der Eisenbahn war Stanislaw nach Schule und Eisenbahnkolleg geworden. Dann kam der Wehrdienst und Stanislaw unterzeichnete einen Vertrag. Warum? Aus dem russischen Nachruf werden wir seine Beweggründe nicht erfahren. Stanislaw Sergejewitsch Kreutzer, 07.06.2003 - 19.09.2024, lebte in Nischni Tagil, einer Großstadt in der Oblast Swerdlowsk. Deutsche Wurzeln kann man vermuten.

Artem Wladomirowitsch, 18 Jahre
"Es gibt keine Worte, um den Schmerz meiner Seele auszudrücken...Möge das Himmelreich dir gehören, Sohn. Du bist bei der Verteidigung deines Heimatlandes gestorben. Mein Schmerz vergeht nicht", schreibt die Mutter von Artem Wladomirowitsch Dedow (23.12.2005 - 27.05.2024). Offensichtlich hatte sie nichts dagegen, dass ihr Sohn freiwillig losgezogen ist, um die Söhne anderer Mütter zu töten, damit fremdes Land erobert wird.
Danila Leonidowitsch, 23 Jahre
Seine Zukunft hatte Danila früh in den Sand gesetzt. Er hatte eine Ausbildung zum Automechaniker abgebrochen und musste deshalb nach seinem Wehrdienst als Heizer arbeiten. Dazu musste er noch seine Frau und seine beiden Kinder ernähren. Da lockte das viele Geld, das das Militär den Freiwilligen bezahlte. Am 16. März 2024 schloss er den Vertrag, ein Jahr und ein Monat später war Danila tot. Danila Leonidowitsch Tomilow, 31.03.2002 - 12.04.2025, lebte im Dorf Iljinka in Burjatien.
Juri Andrejewitsch, 23 Jahre
Juri Andrejewitsch Pljusnin wurde im burjatischen Dorf Kurumkan geboren, über das wir auf Grund seiner vielen Kriegstoten häufig berichtet haben. Nach seinem Wehrdienst zog Juri nach Irkutsk und hätte in seinem erlernten Beruf als Automechaniker gearbeitet. Sehr erfolgreich war er nicht, im Februar 2024 meldete er sich freiwillig zum Kriegsdienst und am 3. Juni 25 war sein Leben zuende.

Iwan Wadimowitsch, 18 Jahre
Aus einem Ort mit dem heimeligen Namen Kalkstein-Steinbruch (Карьер Известняк) in der Region Perm kam Iwan Wadimowitsch Nischigorodow. Iwan, geboren am 24. Juli 2006, wurde im Herbst 2024 zum Wehrdienst eingezogen. An der Grenze zwischen der Ukraine und der russischen Region Kursk wird seit August 2024 heftig gekämpft. Und genau dort wurde der unerfahrene Wehrpflichtige von seinen Vorgesetzten eingesetzt. Das Ergebnis war deshalb vorherzusehen: Am 6. Juni 25 wurde Iwan im Einsatz getötet. Dafür wurde seine Beisetzung mit großem Pomp vollzogen.

Peter Sergejewitsch, 18 Jahre
Mit der Schule wollte es nicht richtig klappen. Peter Sergejewitsch Koganenko, geboren am 2. November 2006, verließ in der 10. Klasse seine Schule, um an das Baikal Kolleg für Tourismus und Dienstleistung zu wechseln. Doch Peter kam dort nicht zurecht und wechselte zurück an seine alte Schule. Ohne einen Abschluss der 11. Klasse unterzeichnete er einen Militärvertrag und zog in den Krieg. Mit dem Soldatenberuf klappte es dann auch nicht, am 22. Juni war Peter tot.
Ratmir Alikowitsch, 20 Jahre
In der städtischen Siedlung Tschischmy in Baschkortostan wurde Ratmir Alikowitsch Jachin groß. Nach der Schule wollte er Feuerwehrmann werden, brach aber die Ausbildung ab. Statt Brände zu löschen, wollte er lieber Feuer an ukrainische Häuser legen und meldete sich freiwillig zum Kriegsdienst. Ratmir, geboren am 26.05.2005, wurde am 10. Juni in seiner Heimat beigesetzt.

Idel Minirowitsch, 21 Jahre
Idel Minirowitsch Julukow, geboren am 26. September 2003, lebte im großen Dorf und Kurort Krasnoussolski in Baschkortostan. Er hatte sich im Juni 2024 freiwillig gemeldet, ein Jahr später war Schluss. Idel zeigte sich damals stolz und vermummt in Soldatenkluft und hatte den Ernst des Krieges nicht wirklich begriffen. Idel liebte auch Computerspiele, wie man auf seinem T-Shirt sieht. Dem Gewinner verheißt das Spiel: Winner, Winner, Chickendinner. Für Idel gab es nur Plastikblumen auf seinem Grab.

Radmir Ilgisowitsch, 21 Jahre
Als Radmir acht Jahre alt war, wurde das obere Foto aufgenommen. Er wuchs im kleinen Dorf Sujakowo in Baschkortostan auf. Nach der Schule machte er eine Ausbildung an der Eisenbahnfachschule, dann kam der Wehrdienst und danach hatte er wohl keine feste Anstellung. Im Februar 2025 unterzeichnete er einen Militärvertrag, der bereits am 9. Mai endete. "Radmir Ilgisowitsch Chalilow, geboren am 19.03.2004, wäre ein Mann mit reiner Seele und hellem Herzen gewesen. Sein Leben wäre erfüllt von Güte, Menschlichkeit und dem Wunsch, anderen zu helfen", heißt es im Nachruf.

Kirill Alexandrowitsch, 20 Jahre
Sechs Jahre lang ging Kirill auf eine Kadettenschule. Zum Abschluss im Mai 2023 küsste er die Fahne seiner Schule. "Ich hänge nirgendwo rum, mich interessiert nichts", war sein Motto auf VKontakte, das definitiv nicht stimmte. Kirill zeigte sich gerne öffentlich vermummt, gekleidet mit martialischer Kluft und bewaffnet mit einem Airsoft-Gewehr. Seinen 20. Geburtstag hat er gerade noch erlebt, im Juli 2024 war er tot. Kirill Alexandrowitsch Kukuschkin, geboren am 21.04.2004, lebte in Moskau. Er vergeudete sein Leben als Scharfschütze beim Militär in der Sturmkompanie „B“.

Alexander Andrejewitsch, 20 Jahre
Alexander Andrejewitsch Schiwerski, 21.08.2004 - 20.05.2025, lebte im Dorf Uchtuj, das nur vier Kilometer von der Stadt Zima entfernt liegt, die wir bereits vorgestellt haben. Der Nachruf schreibt, Sascha wäre in der Eisenbahnfachschule in Sima ausgebildet, danach zum Wehrdienst einberufen worden und hätte sich dort zum Kriegsdienst entschieden. Saschas Geschichte geht anders. Er war eigentlich ein harmloser Kiffer, der hin und wieder wild wachsenden Hanf aberntete, trocknete und selbst verbrauchte. 105 Gramm Hanfblätter hatte er gesammelt, Nachbarn bemerkten den Geruch und zeigten ihn an. Im März 2023 wurde Sascha zu drei Jahren Gefängnis verurteilt. Den Rest kann man sich zusammenreimen - Haftverschonung durch einen Vertrag mit dem russischen Militär, also eigentlich eine Todesstrafe.

Wjatscheslaw Kirillowitsch, 18 Jahre
Im Februar 25 wurde Wjatscheslaw Kirillowitsch Istomin 18 Jahre alt, am 23. Juni 25 wurde er begraben. So kann man das Leben von Wjatscheslaw schnell zusammenfassen. Geburt, elterliche Fürsorge, Kindergarten, Schule - alles umsonst, geopfert für die imperialen Gelüste eines greisen Herrschers. Wjatscheslaw wuchs im Dorf Ust-Kischert auf, einem größeren Dorf in der Region Perm mit wenig erbaulicher Anmutung.

Artem Jewgenjewitsch, 19 - 20 Jahre
Am 21. Dezember 2024 wurde Artem Jewgenjewitsch Borodin zum Wehrdienst eingezogen. Artem wurde im Jahr 2005 geboren und lebte in der Großstadt Neftejugansk im Autonomen Kreis der Chanten und Mansen. Der Wehrpflichtige wurde in der Region Kursk stationiert und musste dort an die Front. Am 18. Juni erfuhr seine Familie, dass Artem durch Granatsplitter am Bein verletzt und in ein Krankenhaus verlegt worden wäre. Sein Zustand wäre mittelschwer. Artem hat das Krankenhaus nicht überlebt.

Leonid Worontsow, 20 Jahre
Die Zukunft vieler russischer Jugendlicher ist der Tod. Leonid Worontsow, geboren am 26. Januar 2005, stammte aus dem kleinen Flecken Juksary in der russischen Teilrepublik Mari El. Nach der Schule schloss er eine Ausbildung als Elektriker ab und fand im erlernten Beruf keine Arbeit. Zudem war er für den Wehrdienst untauglich. Also jobbte er auf einer Baustelle als Maurer. Sein Ausweg führte direkt in den Abgrund. Im September verpflichtete er sich zum Kriegsdienst, am 30. März 25 wurde er durch einen Minenexplosion getötet.
Alexei Alexejewitsch, 21 Jahre
Alexej hatte sich freiwillig zum Kriegsdienst gemeldet und wurde als Hilfspilot einer Drohneneinheit eingesetzt. Aber auch das schützte ihn nicht vor dem Tod an der Kampflinie. Am 1. November 24 wurde er getötet und erst am 18. April 25 in seinem Heimatdorf beigesetzt. Alexej Alexejewitsch Grigorjew, geboren am 04. April 2003, stammte aus dem Dorf Plodowoje in der Region Leningrad.

Nikita Sergejewitsch, 20 Jahre
Während eines Angriffs kam der Schützenpanzer in dem Nikita saß unter Beschuss. Zwei Insassen konnten sich noch rechtzeitig absetzen, die restlichen 6-7 Besatzungsmitglieder verbrannten mit dem Panzer - darunter auch Nikita. Nikita Sergejewitsch Udalych, geboren am 14. Februar 2003, wuchs im Dorf Maly Melik in der Region Saratow auf. Seine Berufsausbildung hat er nicht abgeschlossen, so musste im Juni 2022 zum Wehrdienst antreten. Nach einem halben Jahr verpflichtete er sich zum Kriegsdienst, nach einem weiteren halben Jahr war er Asche.

Sergej Aleksejewitsch, 18 Jahre
An der Sekundarschule Nr. 10 der Kleinstadt Chilok in Transbaikalien wurde am 11. Juni 25 eine Gedenkplakette für Sergej Aleksejewitsch Letotschnij angebracht. "Wir gedachten seines Mutes, seiner Hingabe und seiner Liebe zum Vaterland", schreibt die Schule. Sergej war untauglich für den Wehrdienst, also meldete er sich als Freiwilliger zum Kriegsdienst.

Unser geliebter, treuer Unterstützer seiner Frau und seiner zwei Kinder, liebevoller Vater seines einzigen Sohnes, lieber Bruder seiner Schwestern, liebevoller Großvater seines Neffen und seiner Enkelkinder. Er hinterlässt viele Verwandte und Freunde. Ein fröhlicher Mensch, Schwiegersohn, Bruder seiner Freunde und Klassenkameraden, Monge Barlykowitsch Kawaa, geboren am 02.01.1964, fiel im Kampf für das Vaterland und ist nun für immer von seinen Lieben getrennt. Wir sind zutiefst betroffen.

Nachdem die Aufmerksamkeit zu unseren Veröffentlichungen wächst, eine kurze Information zu OskarMaria.
Unter diesem Pseudonym war der Initiator im Internet seit über 25 Jahren recht unregelmäßig präsent. Ab dem Jahr 2014 hat er hier über die Situation in den von Russland besetzten Gebieten des Donbass geschrieben. Als einer der ersten Journalisten überhaupt informierte er über die damals neu gegründete Gruppe Wagner.
Beruflich war er seit den 80-iger Jahren Geschäftsführer von diversen Medienunternehmen im Printbereich. Jetzt im Ruhestand, Kinder erwachsen, bleibt etwas mehr Zeit, die gesammelten Erfahrungen zusammen mit wenigen Mitstreitern für dieses Projekt zu nutzen.
Nachtrag: OskarMaria– das ist eine kleine Verbeugung vor dem beinahe vergessenen Schriftsteller Oskar Maria Graf. In Zeiten der Bücherverbrennungen wurden seine Werke von den Nazis verschont, ja sogar teilweise empfohlen. „Verbrennt mich!“ schrieb er 1933 in der Wiener Arbeiterzeitung, „nach meinem ganzen Leben und nach meinem ganzen Schreiben habe ich das Recht, zu verlangen, dass meine Bücher der reinen Flamme des Scheiterhaufens überantwortet werden und nicht in die blutigen Hände und die verdorbenen Hirne der braunen Mordbanden gelangen!“ Schließlich floh er in die USA – dort lebte er in bescheidenen Verhältnissen. Deutschland wollte den unbequemen Mann nach dem Krieg nicht wieder haben. Er starb 1967 in New York.
Literaturempfehlung: Wir sind Gefangene - Autobiograhie 1927.
Seit dem Jahr 2022 wurden in Usbekistan 338 Strafverfahren gegen eigene Bürger eingeleitet wegen Beteiligung an bewaffneten Konflikten im Ausland. Fast alle dürften auf Seiten Russlands im Krieg gegen die Ukraine gekämpft haben.
Laut usbekischer Darstellung wurde die überwiegende Mehrheit der Beteiligten durch Täuschung in den militärischen Konflikt hineingezogen oder nach Kontakt mit kriminellen Organisationen in Kampfgebiete geschickt. In seltenen Fällen erfolgte die Teilnahme aus finanziellen Gründen.
Eine unserer Informationsquellen aus Baschkortostan ist seit Beginn des Krieges der Telegram-Kanal „Aspekte Baschkortostan“. Er lieferte Einblicke in die bevölkerungsreichste russische Teilrepublik und veröffentlichte auch Namen der im Krieg gegen die Ukraine gefallenen Soldaten. Um nicht unter Zensurmaßnamen zu fallen, beschränkte sich der Kanal ausschließlich auf die Berichterstattung aus der Region und verzichtete auf Kommentierungen und Wertungen.
Das hat alles nichts geholfen. Am 21. November 25 wurde auch Aspekte als „ausländischer Agent“ eingestuft. Das russische Justizministerium schreibt in seiner Erklärung:
„Die Publikation verbreitete Falschinformationen über Entscheidungen und Maßnahmen russischer Regierungsstellen und lehnte die Militäroperation in der Ukraine ab. Sie war an der Erstellung und Verbreitung von Botschaften und Materialien ausländischer Agenten an die Öffentlichkeit beteiligt.“
Die Publikation „Aspekte – Baschkortostan“ wurde vom Team von Echo Moskwy in Ufa kurz nach der Schließung ihres Radiosenders im Frühjahr 2022 ins Leben gerufen. Die erste Sendung wurde am Morgen des 1. April 2022 auf dem YouTube-Kanal des Projekts ausgestrahlt. Seitdem konzentriert sich „Aspekte“ auf regionale Nachrichten.
Jetzt prangt über jedem Beitrag von Aspekte der großgeschriebene Satz: „18+ DAS VORLIEGENDE MATERIAL (INFORMATIONEN) WURDE VON EINEM AUSLÄNDISCHEN AGENTEN DER INTERNETPUBLIKATION „ASPEKTE VON BASCHKORTOSTAN” VERÖFFENTLICHT ODER BEZIEHT SICH AUF DIE TÄTIGKEIT EINES AUSLÄNDISCHEN AGENTEN DER INTERNETPUBLIKATION „ASPEKTE VON BASCHKORTOSTAN”.
Zwei Journalisten des Projekts, Ruslan Walijew und Jewgeni Konoplin, haben Russland inzwischen verlassen und leben in Deutschland.
Wladimir Wachidowitsch Otschkassow, geboren am 17.10.1998, lebte in der Stadt Kursk und war ein junger Idiot. Ohne große Suche wurden wir in zwei Strafverfahren fündig. Am 21.09.21 wurde er wegen öffentlichen Randalierens unter Alkohol zu einer Ordnungsstrafe verurteilt. Und am 10.01.23 bekam er eine Haftstrafe in einer Anstalt des strengen Regimes wegen Diebstahls eines Smartphones. Die Dauer wurde allerdings nicht veröffentlicht. Auch Wladimir wollte lieber sein Leben riskieren, als im Knast zu sitzen. Am 24.01.2025 suchte sein Bruder öffentlich nach ihm. Da war er schon tot, gefallen am 29.12.2024.
Im KI-generierten Video durfte er sich dann ordentlich von seiner Familie verabschieden.
Angesichts der hohen Verlustzahlen des russischen Militärs müssen alle Regionen zusammen ständig neue Zeitsoldaten anwerben. Wir hatten vor vor knapp einem Jahr geschrieben, dass Russland jeden Monat etwa 30.000 neue Soldaten für den Krieg in der Ukraine rekrutiert. Daran hat sich nichts geändert. Janis Kluge von der Stiftung Wissenschaft und Politik hat aktuell die Daten aus dem russischen Haushalt zur Personalbeschaffung ausgewertet. Danach akquiriert das Land auch im Jahr 2025 durchschnittlich etwa 30.000 Zeitsoldaten, um die Reihen der Armee wieder aufzufüllen (Diagramm).
Auch die russischen Militärausgaben sind weiter angestiegen. Janis Kluge schreibt: „Im 3. Quartal stiegen sie im Vergleich zum 2. Quartal um über 3,6 Billionen Rubel. Im Jahr 2024 betrugen die Militärausgaben im 3. Quartal nur 2,6 Billionen Rubel, was bedeutet, dass die Ausgaben – nominal – in diesem Jahr 38 % höher waren als im Vorjahr.“
Den gesamten Beitrag in englischer Sprache gibt es hier.
Ende April 2023 fand eine Gerichtsverhandlung im Dorf Debjesi in Urtmurtien statt. Angeklagt war Sergej Wladimirowitsch Golubkow, der bereits mehrfach wegen kleinerer Diebstähle zu Gefängnisstrafen verurteilt worden war. Diesmahl ging es wieder um einen Diebstahl. Sergej war in den Keller eines Mehrfamilienhauses eingedrungen, hatte das Türschloss aus der Halterung gerissen und einen Sack Saatkartoffeln geklaut - mit einem Gewicht von 38,55 kg und im Wert von etwa zehn €. Danach ging er mit einem Kumpel nach Hause, stellte den Kartoffelsack neben seinen Wohnzimmersessel und ging ins Bett. Essen konnte er die Kartoffeln nicht, denn am nächsten Tag beschlagnahmte die Polizei die Sore.
Sergej bekam am Ende der Verhandlung glatte zwei Jahre Haft verordnet, abzusitzen in einer Strafkolonie mit strengem Regime. Auch Sergej tauschte die Kolonie gegen den Kriegsdienst ein. In der Kreiszeitung „Neuer Weg“ vom 15.08.2025 wurde sein Tod gemeldet.
In der Oblast Uljanowsk wird für die Dauer des Krieges gegen die Ukraine das mobile Internet stark eingeschränkt. Dies beträfe in erster Linie Gebiete mit sensiblen Wirtschafts-, Regierungs- und Militäreinrichtungen. Dazu gibt es eine weiße Liste mit Webseiten und Funktionen, die nicht gesperrt würden, wie zum Beispiel der Regierungsdienstleister Gosuslugi, die russische Technologieplattform Yandex, die sozialen Netzwerke Vkontakte und Odnoklassniki, die Online-Marktplätze Ozon und Wildberries sowie das Zahlungssystem Mir. Doch es häufen sich Klagen, dass auch diese Dienste häufig nicht aufzurufen wären. Der Staat empfiehlt besser über lokale WLAN-Zugänge das Internet zu nutzen, da diese nicht eingeschränkt wären.
Inzwischen wird in vielen russischen Regionen das mobile Internet regelmäßig temporär abgeschaltet, wenn ukrainische Drohnen über Russlands Himmel auftauchen. Es wird befürchtet, dass die Drohnen auch über das russische mobile Internet Daten senden und empfangen könnten.
Das Dorf Werchnewiljuisk mit rund 6.500 Einwohnern liegt in der russischen Teilrepublik Sacha (Jakutien). Im Dorf gibt es ein Waisenhaus, einige jugendliche Bewohner hatten die Rockband „Chatan"gegründet. Die Brüder Wladimir und Wassili Klimowski, Andrej Kirillin, Aichal Fedotow und Konstantin Oppojew waren so gut, dass sie im Jahr 2017 das Waisenhaus bei einem bundesweiten Fernsehwettbewerb "Du bist super!" vertreten durften.
Die Karriere von Aichal Fedotow (Foto) hat acht Jahre später der Krieg gegen die Ukraine beendet. Der jakutische Telegram-Kanal "Die Toten aus Sacha" meldete seinen Tod.
Russische Soldaten rennen einen Feldweg entlang. Auf einer Strecke von etwa 200 Meter liegen links und rechts verteilt die Körper von getöteten Kameraden. Manche Soldaten versuchten im Gebüsch Schutz vor den Drohnen zu finden - meist erfolglos. Wir haben auf der kurzen Strecke etwa 25 Leichen gezählt.
Das ist das Produkt der aktuellen Taktik der russischen Armee mit kleinen Gruppen oder einzelnen Soldaten vorzurücken, um die ukrainische Verteidigung zu infiltrieren.
Man hofft, dass sich Soldaten hinter den ukrainischen Linien sammeln und den Nachschub für die ukrainischen Stellungen unterbrechen können. Hohe Verluste werden dabei billigend in Kauf genommen. Die getöteten Soldaten sind schwer zu bergen, zudem agieren die Kommandanten gerne mit dem Begriff vermisst, um die wahren Verluste zu verschleiern.
Das Video dokumentiert wieder einmal die grausame Realität dieses russischen Angriffskrieges. Das menschliche Leben gilt nichts. Für Kinder und Jugendliche ist das Video ungeeignet - Link.
Das Lewada-Zentrum in Moskau hat am 21.10.25 eine neue Umfrage veröffentlicht. Es ging um die materielle und finanzielle Unterstützung der Soldaten an der Front und um Hilfe für die vom Krieg betroffenen russischen Regionen durch die russischen Bürger. Das Lewada-Zentrum fasst das Ergebnis so zusammen:
Im vergangenen Jahr sammelten vier von zehn Befragten Geld und Hilfsgüter für Teilnehmer an der Spezialoperation. Jeder Vierte half Bewohnern von Grenzregionen, die von Militäraktionen betroffen waren. Diese Zahlen sind im Vergleich zum Vorjahr nahezu unverändert. Fast die Hälfte der Befragten ist bereit, 1.000 bis 2.000 Rubel pro Monat zu spenden, um die Armee zu unterstützen und die Gehälter der an Spezialoperationen teilnehmenden Soldaten zu erhöhen. Dieser Anteil ist in den zweieinhalb Jahren seit der letzten Umfrage unverändert geblieben.
Am 30. August wurde in der Großstadt Miass in der Oblast Tscheljabinsk der 20-jährige Danil Jurjewitsch Trubejew beigesetzt. Wann und wo Danil im Krieg gegen die Ukraine gefallen ist, wurde nicht mitgeteilt. Doch das Schicksal von Danil hat eine Vorgeschichte.
Bereits im Herbst 2024 war der damals neunzehn Jahre alte Danil in unkrainische Kriegsgefangenschaft geraten. Ukrainische Soldaten gruben vier russische Kämpfer aus dem Schutt eines eingestürzten Hauses aus, darunter auch Danil. In einer Befragung beklagte sich die ganze Gruppe, dass ihre Kommandeure sie bewusst im Stich gelassen hätten, indem sie sie mit einem Sturmgewehr gegen einen Panzer geschickt hätten (Video)
Bei einem Gefangenenaustausch wurde Danil dann im April 2025 gegen ukrainische Kriegsgefangene ausgetauscht. Da durch die Gefangenschaft nach russischem (und auch ukrainischem) Recht der Vertrag mit dem russischen Militär nicht beendet wird, musste auch Danil wieder zurück in den Krieg. Er hat den zweiten Einsatz an der Front nicht überlebt.
Auch die Oblast Samara kürzt die Antrittsprämie für Freiwillige drastisch. Ab dem 1. Januar 2025 hatte die Region 3,6 Millionen Rubel für jeden Freiwilligen ausgelobt, dazu kamen noch einmal 400.000 Rubel aus Moskau (insgesamt ca. 40.000 €). Ende Februar 25 wurde dann die regionale Präme auf 2,1 Millionen gesenkt.
Jetzt gibt es nur noch 400.000 Rubel in Samara plus jene 400.000 von der Zentralregierung, also in der Summe umgerechnet etwa 8.000 €. Über die Gründe gibt es viele unterschiedliche Meinungen, die wir am Beispiel von Tatarstan aufgelistet haben.
Die Antrittsprämien bei Unterzeichnung eines Vertrags zum Kriegsdienst schrumpfen in einigen Regionen stark. Für jede Unterschrift zahlt Moskau konstant 400.000 Rubel (ca. 4.000 €), dazu gab es in der Vergangenheit zusätzliche Prämien aus den Regionen umd manchmal auch aus den Bezirken.
Die Republik Tatarstan hatte im September 2025 noch 3,1 Millionen Rubel für eine Unterschrift ausgelobt - 2,7 Millionen kamen aus Tatarstan, 400.000 Rubel aus Moskau. Ohne öffentliche Ankündigung wurden die Zahlungen auf insgesamt 800.000 Rubel (ca. 8.000 €) gekürzt - 400.000 Tatarstan, 400.000 Moskau.
Auch die Republik Baschkortostan hat gekürzt - statt 1,7 Millionen Rubel gibt es jetzt nur noch 1,4 Millionen Rubel für eine Unterschrift. Aus den Regionen Belgorod, Mari El, Nischni Nowgorod, Samara und Tschuwaschien werden ähnliche Kürzungen berichtet.
In den Medien gibt es unterschiedliche Erklärungen für diesen Trend:
Was immer von diesen Gründen richtig sein mag - gleichzeitig bietet die Region Tjumen ab dem 7. Oktober drei Millionen Rubel gegenüber 1,5 Millionen zuvor.