15.01.2026 -- 177.297 // Zuwachs zum 31.12.2025: 3.754

Alexander Andrejewitsch, 20 Jahre
Alexander Andrejewitsch Schiwerski, 21.08.2004 - 20.05.2025, lebte im Dorf Uchtuj, das nur vier Kilometer von der Stadt Zima entfernt liegt, die wir bereits vorgestellt haben. Der Nachruf schreibt, Sascha wäre in der Eisenbahnfachschule in Sima ausgebildet, danach zum Wehrdienst einberufen worden und hätte sich dort zum Kriegsdienst entschieden. Saschas Geschichte geht anders. Er war eigentlich ein harmloser Kiffer, der hin und wieder wild wachsenden Hanf aberntete, trocknete und selbst verbrauchte. 105 Gramm Hanfblätter hatte er gesammelt, Nachbarn bemerkten den Geruch und zeigten ihn an. Im März 2023 wurde Sascha zu drei Jahren Gefängnis verurteilt. Den Rest kann man sich zusammenreimen - Haftverschonung durch einen Vertrag mit dem russischen Militär, also eigentlich eine Todesstrafe.

Wjatscheslaw Kirillowitsch, 18 Jahre
Im Februar 25 wurde Wjatscheslaw Kirillowitsch Istomin 18 Jahre alt, am 23. Juni 25 wurde er begraben. So kann man das Leben von Wjatscheslaw schnell zusammenfassen. Geburt, elterliche Fürsorge, Kindergarten, Schule - alles umsonst, geopfert für die imperialen Gelüste eines greisen Herrschers. Wjatscheslaw wuchs im Dorf Ust-Kischert auf, einem größeren Dorf in der Region Perm mit wenig erbaulicher Anmutung.

Artem Jewgenjewitsch, 19 - 20 Jahre
Am 21. Dezember 2024 wurde Artem Jewgenjewitsch Borodin zum Wehrdienst eingezogen. Artem wurde im Jahr 2005 geboren und lebte in der Großstadt Neftejugansk im Autonomen Kreis der Chanten und Mansen. Der Wehrpflichtige wurde in der Region Kursk stationiert und musste dort an die Front. Am 18. Juni erfuhr seine Familie, dass Artem durch Granatsplitter am Bein verletzt und in ein Krankenhaus verlegt worden wäre. Sein Zustand wäre mittelschwer. Artem hat das Krankenhaus nicht überlebt.

Leonid Worontsow, 20 Jahre
Die Zukunft vieler russischer Jugendlicher ist der Tod. Leonid Worontsow, geboren am 26. Januar 2005, stammte aus dem kleinen Flecken Juksary in der russischen Teilrepublik Mari El. Nach der Schule schloss er eine Ausbildung als Elektriker ab und fand im erlernten Beruf keine Arbeit. Zudem war er für den Wehrdienst untauglich. Also jobbte er auf einer Baustelle als Maurer. Sein Ausweg führte direkt in den Abgrund. Im September verpflichtete er sich zum Kriegsdienst, am 30. März 25 wurde er durch einen Minenexplosion getötet.
Alexei Alexejewitsch, 21 Jahre
Alexej hatte sich freiwillig zum Kriegsdienst gemeldet und wurde als Hilfspilot einer Drohneneinheit eingesetzt. Aber auch das schützte ihn nicht vor dem Tod an der Kampflinie. Am 1. November 24 wurde er getötet und erst am 18. April 25 in seinem Heimatdorf beigesetzt. Alexej Alexejewitsch Grigorjew, geboren am 04. April 2003, stammte aus dem Dorf Plodowoje in der Region Leningrad.

Nikita Sergejewitsch, 20 Jahre
Während eines Angriffs kam der Schützenpanzer in dem Nikita saß unter Beschuss. Zwei Insassen konnten sich noch rechtzeitig absetzen, die restlichen 6-7 Besatzungsmitglieder verbrannten mit dem Panzer - darunter auch Nikita. Nikita Sergejewitsch Udalych, geboren am 14. Februar 2003, wuchs im Dorf Maly Melik in der Region Saratow auf. Seine Berufsausbildung hat er nicht abgeschlossen, so musste im Juni 2022 zum Wehrdienst antreten. Nach einem halben Jahr verpflichtete er sich zum Kriegsdienst, nach einem weiteren halben Jahr war er Asche.

Sergej Aleksejewitsch, 18 Jahre
An der Sekundarschule Nr. 10 der Kleinstadt Chilok in Transbaikalien wurde am 11. Juni 25 eine Gedenkplakette für Sergej Aleksejewitsch Letotschnij angebracht. "Wir gedachten seines Mutes, seiner Hingabe und seiner Liebe zum Vaterland", schreibt die Schule. Sergej war untauglich für den Wehrdienst, also meldete er sich als Freiwilliger zum Kriegsdienst.

Abram Filippowitsch, 19 Jahre
Tjudrala ist ein kleines Dorf in der Republik Altai mit weniger als 300 Bewohnern. Die Lehrerin Olga berichtet, dass Abram Filippowitsch Sadutschin im Krieg getötet wurde. Im Dorf wäre er nur Abramuschka genant worden. Abram, geboren am 30. Oktober 2005, hatte nach der Schule eine Ausbildung abgeschlossen, danach rief der Wehrdienst und am Ende verpflichtete er sich zum Kriegsdienst. Am 26. März 25 wurde Abram getötet und am 9. April bestattet. Einen gehörigen Anteil an seinem schnellen Ende hatte seine Lehrerin Olga. Geht man durch ihren VKontakte-Status, dann gehört die militär-patriotische Indoktrination zu ihrem Verständnis von Bildung.
Alexander (Bair) Baldanowitsch, 23 Jahre
Alexander (Bair) Baldanowitsch Dondoktsirenow, geboren am 23.04.2002, kam aus der städtischen Siedlung Aginskoje in Transbaikalien. Der alternative Vorname weist ihn als Burjate aus. Im November 2021 leistete er seinen Wehrdienst, verpflichtete sich zum Vertragsdienst im Januar 2022 - ganz rechtzeitig um bei der Invasion der Ukraine im Februar dabei zu sein. Im November 2022 wurde er verletzt und so versuchte er während der Rehabilitation, sich an einer Fachschule für Landwirtschaft weiterzubilden. Doch das Militär unterbrach sein Fernstudium, am 4. April 2025 musste er erneut an die Front und am 6. Mai 2025 wurde er getötet.

Nikita Andrejewitsch, 18 Jahre
Zwei Monate nach seinem 18. Geburtstag unterschrieb Nikita einen Vertrag mit dem russischen Militär und wiederum zwei Monate später war er tot. Nikita Andrejewitsch Stepanow, 19.04.2006 - 16.08.2024, wuchs in Ulan Ude (Burjatien) auf. Er unterbrach seine Ausbildung zum Autotransportmechaniker. In den Kommentaren zur Meldung schreibt Aljona: "Es ist mittlerweile kein Geheimnis mehr, wie Wehrpflichtige dazu gezwungen werden, einen Vertrag zu unterschreiben. Aber ein Kind in den Krieg zu schicken? Was seid ihr für Menschen, ihr verdammten Unmenschen? Vor Gottes Gericht werdet ihr für alles Rechenschaft ablegen müssen."

Nikita Olegowitsch, 19 Jahre
Der Telegramkanal "Sachalin gegen den Krieg " schreibt:
Nikita Olegowitsch Schlopperg aus Newelsk, geboren am 19.02.2006. Wieder ein Soldat, der im Wehrdienst einen Vertrag unterschrieben hatte. Er starb, kaum dass er 19 Jahre alt geworden war.
Zu seinem 18. Geburtstag bekam Nikita Schlopperg von seiner Mutter einen Kuchen mit der Aufschrift „Jetzt ist alles möglich“. Aber alle Möglichkeiten wurden dem jungen Nikita von einem alten, boshaften Zwerg im Kreml genommen.

Daniel Borisowitsch, 19 Jahre
Swetlana schrieb am 10. Januar 25: "Suche meinen Neffen Daniel Borisowitsch Borsow, geboren am 07.08.2005. Region Kursk. Letzter Kontakt war am 27.11.2024." Daniel kam -vermutlich- aus der Staniza Kanewskaja, dem größten Dorf in Russland mit über 40.000 Einwohnern in der Region Krasnodar. Am 13. April 25 gab es dann die Nachricht in einem Chat auf Telegram: "Hallo, unser Krieg ist vorbei, gestorben am 5.12.24."

Iwan Iwanowitsch, 22 Jahre
Republik Altai - 07.06.25:
Am 27. Mai starb Iwan Iwanowitsch Balaur, ein Teilnehmer einer militärischen Spezialoperation aus dem Bezirk Ust-Koksinski.
Iwan wurde am 14. September 2003 geboren. Trotz seiner Jugend leistete er mit all seinem Mut seinen Militärdienst und verteidigte die Interessen des Vaterlandes in der SWO. Er war entschlossen und mutig. Er gab sein Leben für das Vaterland. Er wird für immer 22 bleiben …

Artem Alexejewitsch, 19 Jahre
Wieviele ähnliche Lebensläufe haben wir vorgestellt? Artem Alexejewitsch Rubanow, geboren am 25.08.2024, kam aus einem großen Dorf in der Region Pensa. Es mangelte an der Fürsorge seiner Eltern, so kam er in das Waisenhaus in der Kleinstadt Spassk. 2023 schloss er die Schule ab und bekann eine Lehre als Konditor. Die brach er ab, schloss im Sommer 2024 einen Vertrag zum Kriegsdienst, der am 30.11.24 gekündigt wurde. Jetzt ziert er einen Schreibtisch im heruntergekommenen Waisenhaus und soll ein Vorbild für die nächsten Absolventen sein, denn neue Soldaten braucht das Land.

Wildan Wilurowitsch, 20 Jahre
Als Wildan 10 Jahre alt war, ist das obige Foto entstanden. Später hatte er keine Lust mehr, seine Seite bei den Klassenkameraden weiterzuführen. Wildan Wilurowitsch Chairullin, geboren am 10. September 2004, kam aus dem sehr kleinen Dorf Taktschura in Baschkortostan. Er schloss einen Vertrag zum Kriegsdienst, sein Tod wurde am 13.12.2024 gemeldet. "Mein liebster, strahlendster, freundlichster und fröhlichster Bruder. Wie ist es, ich kann immer noch nicht glauben, dass du nicht mehr bei uns bist. Ich vermisse dich wahnsinnig, ich vermisse dich so sehr, Vildanchik. Weiche Wolken für dich. Ich möchte glauben, dass für dich, wo immer du bist, alles gut wird ...", schreibt seine Schwester auf ihrer VKontakte-Seite zum gemeinsamen Foto.

Iwan Nikolajewitsch, 22 Jahre
Ab dem Alter von vier Jahren lebte Iwan Nikolajewitsch Kosinow, geboren am 28.06.2001, in einem Waisenhaus in der Region Transbaikalien. Sein Leben war damit vorgezeichnet, nach der Ausbildung kein Wehrdienst und keine Anstellung - so führte sein Weg direkt zum Kriegsdienst in der Ukraine. Im Februar 2024 Vertragsunterzeichnung, am 15. April 2024 war er tot. "Das Schicksal dieses Mannes ist seit seiner Kindheit voller Schwierigkeiten, die er mit Würde und Standhaftigkeit überwand. Trotz schwieriger Lebensumstände gelang es ihm, Freundlichkeit, Offenheit und den Wunsch nach Entwicklung zu bewahren. Er blieb stets ein freundlicher, verantwortungsbewusster und fleißiger Mensch", heißt es im Nachruf.

Kirill Tarasow, 21 Jahre
Auch Kirill Tarasow zog es zum Militär. Obwohl er keinen Wehrdienst abgeleistet hatte, unterschrieb er bereits im Juni 2022 einen Militärvertrag. Seinem VKontake-Profil nach, suchte er mit diesem Schritt eher Anerkennung und fand dabei nur den Tod. Kirill, geboren am 14. Februar 2003. kam aus der Stadt Raduschny in der Oblast Wladimir und wurde bereits am 18.08.24 getötet. Anfang April 25 wurde er begraben.
Bujan-Keschik Andrejewitsch, 22 Jahre
Bujan-Keschik Andrejewitsch Mongusch, geboren am 8. August 2002, kam aus dem Gemeindebezirk Tschedi-Cholsky Koschuun in der russischen Teilrepublik Tuwa. Im Jahr 2021 wurde er zum Wehrdienst eingezogen und blieb beim Militär. - getötet am 31.03.2025 Seine Mutter meinte, das Militär hätte den Vertrag gebrochen und Bujan an die Front geschickt. Viel wahrscheinlicher ist allerdings, dass man dem Jungen vom Lande einfach falsche Versprechungen gemacht hat. "Mein wunderschöner, süßer, kleiner Sohn wurde mir durch einen schrecklichen Krieg genommen. Wie kann ich ohne dich leben, mein Sohn?" schreibt seine Mutter unter die Meldung seines Todes.

Igor Alexandrowitsch, 20 Jahre
Igor Alexandrowitsch Dorschijew, geboren am 23. Februar 2005, lebte im Dorf Kurumkan, das wir schon mehrfach vorgestellt haben. Igor kam aus einer zerrütteten Familie, seine Ausbildung zum Landwirtschaftselektriker brach er im zweiten Jahr ab und meldete sich freiwillig zum Kriegsdienst. Am 14. April 25 war Igor tot. Er wäre von Natur aus freundlich, fröhlich, gesellig, höflich, nicht konfrontativ, verantwortungsbewusst gerwesen, heißt es im Nachruf.
Aichal Orlow, 18 Jahre
Am 31. Juli 2024 hat Aichal sein Profilbild auf seiner VKontakte-Seite ausgetauscht. Unter dem Foto gibt es nur einen Kommentar: "Das Kind konnte nicht zu Hause bleiben, es starb im Krieg." Aichal Orlow, geboren am 23. Juni 2006, kam aus der Siedlung Tschokurdach ganz im Norden Jakutiens.

Alexej Igorewitsch Detkow stammte aus der Region um die ehemalige Großstadt Leninsk-Kusnezki in der Oblast Kemerowo. Im Juli 2011 eskalierte eine Prügelei mit einem Bekannten. Besoffen stürmte Alexej und ein Kumpel zur Wohnung des Bekannten, in der sich dessen Frau und Kind befand. Die Frau wurde mit einem Baseballschläger erschlagen. Aus Angst, entdeckt zu werden, flüchteten die Angreifer in ein anderes Haus, wo sie drei Menschen mit jenem Baseballschläger und Messern töteten und das Haus anschließend in Brand setzten, um ihre Spuren zu verwischen. Sie flohen mit dem Auto eines der Opfer. Im Prozess bekam Alexej 23 Jahre Knast in einem Hochsicherheitsgefängnis. Auch Alexej zog die geringe Chance, den Krieg gegen die Ukraine zu überleben, dem Gefängnis vor. Er hat es nicht geschafft, bekommt stattdessen am 22.01.2026 ein würdiges militärisches Begräbnis.

Nachdem die Aufmerksamkeit zu unseren Veröffentlichungen wächst, eine kurze Information zu OskarMaria.
Unter diesem Pseudonym war der Initiator im Internet seit über 25 Jahren recht unregelmäßig präsent. Ab dem Jahr 2014 hat er hier über die Situation in den von Russland besetzten Gebieten des Donbass geschrieben. Als einer der ersten Journalisten überhaupt informierte er über die damals neu gegründete Gruppe Wagner.
Beruflich war er seit den 80-iger Jahren Geschäftsführer von diversen Medienunternehmen im Printbereich. Jetzt im Ruhestand, Kinder erwachsen, bleibt etwas mehr Zeit, die gesammelten Erfahrungen zusammen mit wenigen Mitstreitern für dieses Projekt zu nutzen.
Nachtrag: OskarMaria– das ist eine kleine Verbeugung vor dem beinahe vergessenen Schriftsteller Oskar Maria Graf. In Zeiten der Bücherverbrennungen wurden seine Werke von den Nazis verschont, ja sogar teilweise empfohlen. „Verbrennt mich!“ schrieb er 1933 in der Wiener Arbeiterzeitung, „nach meinem ganzen Leben und nach meinem ganzen Schreiben habe ich das Recht, zu verlangen, dass meine Bücher der reinen Flamme des Scheiterhaufens überantwortet werden und nicht in die blutigen Hände und die verdorbenen Hirne der braunen Mordbanden gelangen!“ Schließlich floh er in die USA – dort lebte er in bescheidenen Verhältnissen. Deutschland wollte den unbequemen Mann nach dem Krieg nicht wieder haben. Er starb 1967 in New York.
Literaturempfehlung: Wir sind Gefangene - Autobiograhie 1927.
Wir meinen damit die Antrittsprämien, die Russen erhalten, wenn sie freiwillig einen Zeitvertrag mit dem Militär abschließen. Und der Begriff „Russisch Roulette“ ist dabei nicht falsch, denn die Überlebenschancen sind gering.
In der zweiten Hälfte des letzten Jahres haben viele Regionen diese Antrittsprämien stark reduziert. Offensichtlich fehlt es an Neuunterzeichner, deshalb erhöhen manche Regionen diese Prämien zum Teil erheblich - trotz chronischem Haushaltsdefizit. Denn alle Regionen müssen eine bestimmte Quote erfüllen, um jene 30.000 bis 35.000 monatlich gefallenen und verwundeten Soldaten im Krieg gegen die Ukraine zu ersetzen.
Über Anhebung der Prämien in Baschkortostan und Tatarstan haben wir bereits berichtet. In Tschuwaschien wurde die regionale Prämie von 400.000 Rubel auf 2,1 Millionen Rubel angehoben. Bis zum 31.03.26 erhält somit jeder Neuunterzeichner zusammen mit der Prämie des Staates 2,5 Millionen Rubel (€ 27.000). In Samara wurde die Einmalzahlung von 400.000 auf 1,1 Millionen Rubel erhöht, dort erhält jeder Unterzeichner zusammen mit der Staatsprämie 1,5 Millionen Rubel (€ 16.000). Und schließlich in Orenburg gibt es zusammen mit der Staatsprämie statt 800.000 Rubel jetzt 1,4 Millionen Rubel (€ 15.000). Bereits Ende Dezember hat auch die ökonomisch schwache Region Mari El die Prämien stark angehoben. Statt bisher 800.000 Rubel von Staat und Region gibt es jetzt 2,5 Millionen Rubel (€ 27.000).
Es lohnt sich also, quer durch Russland zu reisen - dorthin wo die höchsten Prämien gezahlt werden.
Die Stadt Pokrowsk in der Ukraine ist zur Zeit eine der umkämpfsten Regionen an der Front. Sie wurde im letzten Jahr mit der Taktik der Infiltration durch russische Einheiten teilweise besetzt, deren Unterstützung und Versorgung aber durch ukrainische Kräfte erfolgreich verhindert wurde. So ist die Stadt und deren Umgebung aktuell wieder frei von russischen Angreifern.
Doch immer wieder schicken russische Kommandeure ihre Soldaten einzeln oder in kleinen Gruppen in Richtung der Stadt, in der Hoffnung wieder einen Stützpunkt hinter den Verteidigungslinien aufbauen zu können. Wie in diesem Fall sind die Soldaten nicht einmal bewaffnet.
Weite Teile der Front sind vermint, aber für die vorschleichenden Soldaten warten auch andere Fallen. Unser Video zeigt eine Drohne auf der Lauer. Sie übermittelt ihre Bilder an den Drohnenpiloten, der entscheidet, wann der Sprengkörper gezündet wird. Auch jener russische Soldat wird irgendwann in unseren Listen auftauchen.
Alexej Fjodorowitsch Jeropejew wurde am 21.11.1978 im Dorf Scharaldai in Burjatien geboren. Nach der Schule begann Alexej eine Ausbildung zum Schneider und KFZ-Mechaniker. Nach einem Unfall wurde er schwerbehindert, Stufe 2. Der Nachruf schreibt: „Trotz dieser Schwierigkeiten blieb Alexey optimistisch und verdiente sich etwas dazu, indem er Kleidung und Schuhe nähte und dabei sein handwerkliches Geschick unter Beweis stellte. Er konnte keine Familie gründen, blieb aber stets ein gütiger und mitfühlender Mensch.“
Trotz schwerster Behinderung konnte Alexej am 16.05.2025 einen Vertrag als Zeitsoldat mit dem russischen Militär abschließen.
Die Sache endete schnell - Alexej wurde bereits am 11. Juni 2025 bei einem Einsatz ins Verderben geschickt.
So schwärmt der Nachruf weiter: „Alexey war von Natur aus gutherzig, mitfühlend und hilfsbereit. Er war stets bereit, andere zu unterstützen und mit ihnen Freud und Leid zu teilen. Seine Güte und Menschlichkeit werden in den Herzen all derer, die ihn kannten, für immer weiterleben.“
Ein russischer Kommandeur steht auf dem Rollfeld des Flughafens in Kaliningrad und nimmt vor dem Abflug an die ukrainische Front noch ein Video für seine Familie auf.
Seine Worte in deutscher Übersetzung:
"Hallo, meine Lieben!
Jetzt fliegen wir los. Hinter mir steht ein Il-76-Flugzeug, mit dem wir fliegen werden. Gefühle gemischt. Es ist unklar, was uns erwartet, was als Nächstes kommt.
Aber offiziell geht es in die Zone der Spezialoperation, um Verluste aufzufüllen. Die Verluste sind, soweit ich verstehe, sehr hoch. Deshalb schicken sie jeden dorthin.
Niemand wird in die Kategorie der Untauglichen eingestuft. Wir haben hier mehrere Behinderte. Sogar solche mit Prothesen. Also werden alle der Reihe nach aus dem Krieg zurückkehren – entweder behindert oder mit den Füßen voran.
Aber hoffen wir auf das Beste. Ich hoffe, lebend zurückzukommen. Gott segne euch.
Möge Gott ein schnelles Kriegsende gewähren.
Ich liebe euch, Küsse.Tschüss."
Vorausgeschickt - die wahrscheinliche Liquidierung des „Hispaniola“-Gründers, Stanislaw Orlow, ist für das Kriegsgeschehen in der Ukraine völlig ohne Bedeutung. Interessant ist lediglich, wie der russische Staat mit jenen militärisch-politischen Anführern umgeht, die in der Öffentlichkeit zu viel Aufmerksamkeit bekommen. Wer sich nicht in die graue Masse des Militärs einordnet, läuft Gefahr irgendwann durch staatliche Akteure beseitigt zu werden (Beispiele). Die Ermittlungen zum Tod verlaufen regelmäßig im Sande, aber die liquidierte Person bekommt ein prächtiges Staatsbegäbnis mit vielen weinenden Trauergästen.
So passierte dann auch im Fall Orlow, der am 22.12.2025 in Moskau beerdigt wurde und zu dessen Ehren das Militär ein beachtliches Trauerkommando abstellte.
Der Telegram-Kanal von ehemaligen Hispaniola-Akteuren veröffentliche folgendes Video von der Beisetzung:
Der Gründer der Hooligan-Einheit „Hispaniola“, Stanislaw Alexandrowitsch Orlow, wurde getötet. Orlow wurde am 2.12.1981 geboren und lebte in Moskau. Nach bisher unbestätigten Meldungen, sollte er von russischen Beamten verhaftet werden und wurde dabei erschossen.
Nachdem die kämpfenden Hispaniola-Freibeuter sich bereits im Oktober 2025 aufgelöst hatten, wurde jetzt auch der Piraten-Kapitän liquidiert.
Als Begründung für den russischen Angriffskrieg auf die Ukraine gab es in den Verlautbarungen der Behörden meist folgende Begründungen:
Immer häufiger finden wir eine etwas andere Begründung für den Krieg unter den Todesmeldungen für gefallenen Soldaten auf VKontakte, Odnoklassniki und Telegram, die dort von russischen Bots gezielt veröffentlicht werden:
Putin hat mit der Gründung des Zentralen Militärbezirks richtig gehandelt; die Ukraine geriet unter den Einfluss des Westens, und das stellte eine ernsthafte Bedrohung dar.
oder
Kurz gesagt, ich unterstütze Putin in seiner Entscheidung, die SWO (Spezielle Militäroperation) zu entfesseln, weil die Ukraine unter den Einfluss des Westens geraten ist und dies eine ernsthafte Bedrohung für uns darstellt.
In der ersten Amtszeit von Donald Trump hat der US-amerikanische Kongress am 2. August 2017 ein Gesetz verabschiedet, das vom damaligen Präsidenten Trump auch unterzeichnet wurde. Darin heißt es im §247:
(1) Unterstützung der Regierung der Ukraine bei der Wiederherstellung ihrer Souveränität und territorialen Integrität;
(2) Verurteilung und Bekämpfung aller destabilisierenden Bestrebungen der Regierung der Russischen Föderation in der Ukraine, die gegen ihre Verpflichtungen und internationalen Zusagen verstoßen;
(3) niemals Anerkennung der illegalen Annexion der Krim durch die Regierung der Russischen Föderation oder der Abtrennung ukrainischen Territoriums durch militärische Gewalt;
Im Zusammenhang mit einem amerikanischen 28 Punkte Friedensplan war Trump bereit, die Krim und den Donbass als russisch anzuerkennen. Er würde damit gegen sein eigenes Gesetz verstoßen.
Nun - Gesetze kann man ändern, dafür bedürfte es dann einer Mehrheit im amerikanischen Kongress. Die wäre aktuell allerdings mehr als fraglich.
Die vom Kriegsfront zurückgekehrten russischen „Helden der speziellen Militäroperation“ haben mehr als tausend Bürger Russlands getötet oder verletzt.
In den fast vier Jahren des Krieges gegen die Ukraine haben die vom Kriegsfront zurückgekehrten Veteranen der „SVO“ mehr als 1000 Menschen getötet und verletzt, wie die Publikation „Вёрстка (Layout)“ zusammenstellte. Ihre Opfer sind meist Angehörige und Bekannte, die Verbrechen werden häufig während Sauftouren begangen.
So zum Beispiel hat der 43-jährige Einwohner der Stadt Wladimir, Alexej Demeschenko, nach seiner Rückkehr aus der Ukraine einen Mitsäufer in der „Snack-Bar“ mit einem Messer erstochen, weil dieser sich gegen den Krieg aussprach. Der Täter bekam neun Jahre aufgebrummt. Das Gericht sah allerdings einen mildernden Umstand für den Täter, da das Opfer sich gegen den Krieg aussprach.
Oder zum Beispiel hat der 33-jährige Andrej Kurbasow, gebürtig aus der Stadt Wladimir, eine 17-jährige Frau vergewaltigt und getötet. Der mobilisierte Soldat Pawel Sawtschenkow erstach einen Mittrinker in der Grill-Bar „Mirage“ und der Soldat aus der Wladimir-Region, Valery Schumilow, erstach einen Saufkumpan in der Küche wegen eines Streits über den Krieg.
Ein Oberst, der Folter und Diebstahl in der Strafanstalt IK Nr. 15 untersuchte, wurde im Krieg getötet. Seine Angehörigen erfuhren von seiner Todesnachricht von der Bank.
Der FSIN-Oberst Alexander Wladimirowitsch Tscheprasow führte eine interne Untersuchung in der Kolonie Nr. 15 in Angarsk durch (Oblast Irkutsk), nachdem dort ein Gefangenenaufstand und ein Feuer stattgefunden hatten. Später wurde von Folter berichtet. Tscheprasow stieß auf ein großes Netzwerk von Sicherheitskräften und Geschäftsleuten, die Holz stahlen und ins Ausland schickten.
Er konnte die Sache nicht zu Ende untersuchen: Tscheprasow wurde selbst der Bestechung beschuldigt und zu 12 Jahren Strafkolonie verurteilt. Dort unterzeichnete er einen Vertrag, ging an die Front und verschwand spurlos.
Was mit ihm passiert ist, können seine Frau und Mutter nicht erfahren. Weder im Wehramt noch in der Militäreinheit selbst antwortet man ihnen. Es gibt auch keine offizielle Todesanzeige.
Aus dem Telegram-Kanal „Menschen vom Baikal“. Den gesamten Beitrag in russischer Sprache gibt es hier.
Der Telegram-Kanal „Udmurtien gegen Korruption“ hat einen Film vom Soldatenfriedhof der Stadt veröffentlicht. Abonnenten des Kanals haben auch Fotos der Soldatengräber eingereicht, allerdings nur von eineinhalb Reihen. „Das ist schwer anzusehen“, erklärten sie.
Wir konnten auf Grund dieser Fotos 21 Namen neu in unsere Datenbank aufnehmen.
Anmerkung: Es empfiehlt sich den Film in größerer Auflösung anzuschauen, dazu nur auf die Überschrift des Beitrags klicken.
Seit dem Jahr 2022 wurden in Usbekistan 338 Strafverfahren gegen eigene Bürger eingeleitet wegen Beteiligung an bewaffneten Konflikten im Ausland. Fast alle dürften auf Seiten Russlands im Krieg gegen die Ukraine gekämpft haben.
Laut usbekischer Darstellung wurde die überwiegende Mehrheit der Beteiligten durch Täuschung in den militärischen Konflikt hineingezogen oder nach Kontakt mit kriminellen Organisationen in Kampfgebiete geschickt. In seltenen Fällen erfolgte die Teilnahme aus finanziellen Gründen.
Eine unserer Informationsquellen aus Baschkortostan ist seit Beginn des Krieges der Telegram-Kanal „Aspekte Baschkortostan“. Er lieferte Einblicke in die bevölkerungsreichste russische Teilrepublik und veröffentlichte auch Namen der im Krieg gegen die Ukraine gefallenen Soldaten. Um nicht unter Zensurmaßnamen zu fallen, beschränkte sich der Kanal ausschließlich auf die Berichterstattung aus der Region und verzichtete auf Kommentierungen und Wertungen.
Das hat alles nichts geholfen. Am 21. November 25 wurde auch Aspekte als „ausländischer Agent“ eingestuft. Das russische Justizministerium schreibt in seiner Erklärung:
„Die Publikation verbreitete Falschinformationen über Entscheidungen und Maßnahmen russischer Regierungsstellen und lehnte die Militäroperation in der Ukraine ab. Sie war an der Erstellung und Verbreitung von Botschaften und Materialien ausländischer Agenten an die Öffentlichkeit beteiligt.“
Die Publikation „Aspekte – Baschkortostan“ wurde vom Team von Echo Moskwy in Ufa kurz nach der Schließung ihres Radiosenders im Frühjahr 2022 ins Leben gerufen. Die erste Sendung wurde am Morgen des 1. April 2022 auf dem YouTube-Kanal des Projekts ausgestrahlt. Seitdem konzentriert sich „Aspekte“ auf regionale Nachrichten.
Jetzt prangt über jedem Beitrag von Aspekte der großgeschriebene Satz: „18+ DAS VORLIEGENDE MATERIAL (INFORMATIONEN) WURDE VON EINEM AUSLÄNDISCHEN AGENTEN DER INTERNETPUBLIKATION „ASPEKTE VON BASCHKORTOSTAN” VERÖFFENTLICHT ODER BEZIEHT SICH AUF DIE TÄTIGKEIT EINES AUSLÄNDISCHEN AGENTEN DER INTERNETPUBLIKATION „ASPEKTE VON BASCHKORTOSTAN”.
Zwei Journalisten des Projekts, Ruslan Walijew und Jewgeni Konoplin, haben Russland inzwischen verlassen und leben in Deutschland.