Denis Sergejewitsch Patsurenko

Was immer auch passiert - lächle

Das war das Motto von Denis Patsurenko auf seiner VKontakte-Seite. Denis war 27 Jahre alt, kam aus der Großstadt Tscherepowez in der Oblast Wologda und war wohl so etwas wie der Sunnyboy seiner Familie. Warum er sich freiwillig zum Krieg gegen die Ukraine gemeldet hat, wissen wir nicht, aber was danach passierte, wissen wir genauer.
Anfang Oktober 23 unterschrieb er einen Vertrag beim Militär, am 17.10.23 ging es an die Front, am 22.10.23 schickte er als ein letztes Lebenszeichen eine SMS an seine Mutter. Am 25.10.23 wurde er schwer verwundet ins Krankenhaus eingeliefert, halbseitig gelähmt, er konnte nicht mehr sprechen. Seine Familie erfuhr davon nichts. Am 22. November 23 erlag er seinen Verletzungen - allein.

Sergej Borisowitsch Below

Wenn in Zeiten des Friedens...

Dworischtschi ist ein kleines Dorf in der Region Nowgorod mit etwas über 200 Einwohnern. Aus dem Dorf kam Sergej Borisowitsch Below, der aus dem Ukrainekrieg nur tot zurück gekehrt ist. Unter den üblichen Beileidsworten findet man folgende Stellungnahme:
Das Land meiner Großväter, für das sie Blut vergossen haben und aus dem Großen Vaterländischen Krieg nicht zurückgekehrt sind, ist das Land der Dworischtschiensky-Länder, aus dem der verstorbene Sergey stammte . Ich erkenne dieses Land nicht wieder, dessen Felder überwuchert sind, dessen Dörfer aussterben und in Zeiten des Friedens Menschen für das Land sterben.

Ilja Witaljewitsch Narkajew

Iljas erster Einsatz

Das Foto zeigt Ilja Witaljewitsch Narkajew in einer Paradeuniform der Schulkadetten. Er kommt aus Saransk, der Hauptstadt von Mordwinien. Er war sicher jung, sein konkretes Alter wurde nirgendwo veröffentlicht. Ilja hat sich freiwillig zum Krieg gegen die Ukraine gemeldet. Seine Mutter beschreibt seine militärische "Laufbahn":
Am 13. Oktober 2023 unterzeichnete Ilya einen Vertrag. Eine Woche Ausbildung in Millerovo, zwei Wochen in der Sergeant-Schule in Donezk, eine Woche auf dem Übungsgelände in Gorlovka... 12. November, Ilya starb während des Angriffs auf die Gorlovka-Mülldeponie „Fakel“.

Robert

Kein Lächeln

Der kleine Robert ist der ernsthafteste Teilnehmer an unserem Projekt. Wir spendierten ihm Süßigkeiten und versuchten, ihn zum Lachen zu bringen, aber er lächelte kein einziges Mal. Robert ist der Sohn des verstorbenen Fallschirmjägers Ruslan Randin, der im Juni 2022 im Donbass starb...
Originaltext zur Fotoserie über Angehörige getöteter russischer Soldaten

Sergej Nikolajewitsch Matwejew

Ich bin ein Mann

Talmenka ist ein Dorf in der Region Nowosibirsk mit weniger als 2.000 Einwohnern. Von dort kommt Sergej Nikolajewitsch Matwejew, der Vorsitzender des Dofrats war, eine juristische Ausbildung und zwei Kinder hatte, aber privat angab, Single zu sein. Mit 49 Jahren entschloss er sich, freiwillig in den Krieg zu ziehen. Dazu schrieb der Mann ein Gedicht:

Ich habe nie ein Maschinengewehr in der Hand gehabt,

ich habe nie gedient, ich habe weder Titel noch Rang.
Und gestern habe ich einen Vertrag unterschrieben.
Ich bin Soldat, Gefreiter, Mann.

Ich verstehe, ich ziehe in den Krieg .
Und was ist der Grund dafür?
Ich werde dazu viele Worte verlieren,
aber die Hauptsache ist: Ich bin ein Mann.

Am 20.11.23 wurde er bei Awdijiwka getötet.

Nikita Krasnoborow

Keinen Monat

Am 17. Januar 2004 wurde Nikita Krasnoborow im Bezirk Berezovsky, Region Perm, geboren. Die Schule schloss er 2020 ab, danach studierte er an einer Fachhochschule in Perm als Techniker.
Aus irgend einem Grund brach er sein Studium ab und zog in den Ukrainekrieg. Am 25. Oktober 23 begann er seinen Soldatendienst, am 14. November 23 wurde er an der Front getötet.

Sergej Rusow

Wagner überlebt

Sergey Rusow, 26 Jahre aus der Kleinstadt Kotowo, wurde von der Gruppe Wagner aus der Haft rekrutiert. Er saß wegen Drogenmißbrauch und Diebstahl - ein kleiner Fisch.
„Er war ein guter Junge, er war nur verwirrt. Ich glaube, dass Menschen wie er eine Chance bekommen sollten, dass sie versuchen sollten, sich zu verbessern. Wir haben keine sündlosen Menschen. Er ist vor kurzem angekommen. Er sagte, er sei dem Wagner PMC beigetreten, habe gedient und sei nach Hause zurückgekehrt. Er kam zu mir, dankte mir für meine Hilfe und ging dann wieder, allerdings als Freiwilliger. Gestern wurde mir mitgeteilt, dass er gestorben ist. Er tut mir sehr leid. Er war wirklich kein böser Junge, " sagte sein Anwalt.

Kalt zurück in die Kälte

Bei Eiseskälte ist ein riesiges Transportflugzeug in Jakutien (Sacha) gelandet. Die AN-124 Ruslan hat Cargo 200 geliefert. 26 Särge mit Soldaten, die im fernen Ukrainekrieg getötet wurden, alle für die Hauptstadt Jakutsk wie der Sprecher meint. Obwohl die Region sehr reich an Bodenschätzen ist, hat die Erschließung der Rohstoffe kaum einen Einfluss auf die Bevölkerung. Wer in Jakutien arm ist, bleibt auch arm. Kein Wunder, dass sich immer wieder Männer finden, die das viele Geld lockt, das der russische Staat seinen Soldaten im Krieg verspricht.

Basmanow

Vater & Sohn

Aus der Region Perm kommen Dmitri Wladlenowitsch Basmanow und Ilja Dmitrijewitsch Basmanow - Vater und Sohn. Warum die beiden in den Ukrainekrieg gezogen sind, wissen wir nicht. Wahrscheinlich lockte das viele Geld. Der Vater blieb einfacher Gefreiter, der Junior, Jahrgang 1994, hatte es zum Unteroffizier gebracht. Und ihr Ende haben beide dann wieder im Gleichklang vollzogen - beide wurden am 14.11.23 getötet.

Alexej Sergejewitsch Kostin

Ein großer Fehler

Am 28. September 22 ging Alexej Kostin zum Militäramt der Stadt Abdulino in Orenburg. Er wollte sich nach Samara ummelden. Dort lebte  der 32-jährige Mann seit einiger Zeit, arbeitete im Schichtdienst, hatte dazu noch Nebenjobs. Sein Ziel war in Samara eine Wohnung zu kaufen und danach zu heiraten. Jetzt war er bei seinen Eltern zu Besuch und wollte die Bürokratie gleich mit erledigen.
Das war ein großer Fehler - Alexej wurde sofort kassiert, obwohl nicht mehr in Abdulino gemeldet. Einen Tag später musste er sich bereits auf den Weg in den Krieg machen, ohne ärztliche Untersuchung und ohne auf seinen Widerspruch einzugehen. Und wegen der Bezahlung zeigten die Beamten aus Abdulino nach Samara, die aus Samara nach Abdulino.
Die Sache nahm kein gutes Ende - Alexej Kostin wurde am 09.11.23 an der Front von einem Scharfschützen erschossen.

p>Alexander Iwanow

Muss heute länger arbeiten...

Sucht man beim russischen Facebook VKontakte nach dem Namen Alexander Iwanow, so erhält man 290.000 Treffer - ernsthaft. Unser Alexander Iwanow, den wir heute vorstellen, kam aus dem Dorf Staroye Iglaikino ganz im Süden von Tatarstan. Heimlich vor seiner Frau hat er sich im Sommer 2022 als Freiwilliger zum Krieg gegen die Ukraine gemeldet. Er erhielt einen Vertrag für das Bars-19 Bataillon. Zuhause rief er erst an, als er schon auf dem Weg zur Front war - sein letzter Anruf überhaupt. Am 01.09.22 begann sein Dienst, am 11.09.22 wurde er ziemlich sicher getötet. Aber - seine Überreste wurden bisher nicht gefunden, er gilt als vermisst. So wartet die Familie schon eine Weile auf das versprochene Sarggeld.

Witali Pjanow

An vorderster Front

Zugegeben das Foto ist nicht das beste, aber es zeigt in der Mitte lauter mobilisierter Männer aus der Region Twer unsere Hauptperson Witali Pjanow.  Während die anderen Männer im Räuberzivil auf die Abfahrt des Busses warten, ist Witali schon von Kopf bis Fuß militärisch eingekleidet. Er hat sich im Unterschied zu den anderen freiwillig gemeldet, bereit an vorderster Front gegen den Feind zu kämpfen. Das war im Herbst 2022, im Juni 23 wurde sein Einsatz sogar mit dem Mut-Orden belohnt.

Doch auch für Witali ging die Sache nicht gut aus - am 04.12.23 wurde der Mann aus dem kleinen Dorf Osuga beerdigt.

Andrei Sarandi

Andreas der Erstberufene, der Erste

"...Seine Kriegseinsatz dauerte ziemlich lange. Er war wie Andreas der Erstberufene, der Erste, der das Land verteidigte. Für seine Familie und Freunde kam es ihm wie eine Ewigkeit vor ... Manchmal meldete er sich, am 9. Mai 2023 schickten sie ihn sogar für eine Woche nach Hause, aber häufiger musste er mit schrecklichen, überwältigenden Gedanken zu Bett gehen. Dann rettete nur noch das Gebet, nachts PSALM 90. Es hat geholfen... Immer! Wir wussten nicht, in welcher Gegend er sich befand ... Es war unbekannt, was seine Aufgaben waren, und wir konnten uns nicht einmal vorstellen, unter welchen Bedingungen er all diese langen Monate lebte. Wir haben uns damit abgefunden und uns an einen Zustand des ständigen Wartens gewöhnt," schreibt der Priester einer Dorfkirche in Jaroslawl über sein Gemeindemitglied Andrei Sarandi.

Das Gebet hat dann doch nicht geholfen, Andrei wurde am 13.11.23 im Ukrainekrieg getötet.

Goworenki

Harmonische und individuelle Erziehung

Goworenki ist ein kleines Dorf, das etwa 70 km von der Gebietshauptstadt Tula entfernt liegt. Für die knapp 500 Einwohner gibt es einen Kindergarten und eine Grundschule in einem Gebäude. Dort soll nach ihrer eigenen Darstellung die harmonische Entwicklung von Kindern & Schülern gefördert werden. Auf Grund der geringen Anzahl an Klassen und Gruppen soll große Aufmerksamkeit auf jedes Kind gelegt werden, die individuelle Schulung und Erziehung überwiege im Unterricht und in den Aktivitäten. Das hört sich alles gut an, doch der Zustand des Schulgebäudes ist erbärmlich. Und das in einer der reichen Gegenden Russlands. Dafür bekommt die Schule eine neue Plakette - ihr Absolvent Maxim Tschukin wurde im Ukrainekrieg getötet.

Galina Iwanowna

Gesundheit

Galina Iwanowna aus Stawropol ist die Mutter des im Krieg getöteten Unteroffiziers Nikolai Kositschew.  Der Freiwillige wurde vor einem Jahr in der Ukraine getötet. Heute wünscht sich die Mutter:
„Ihr Lieben, ich möchte allen Kriegsteilnehmern nur eines wünschen – Gesundheit. Passen Sie auf sich auf, denn auf Ihren starken Schultern liegt eine schwere Last. Hinter Ihnen steht Russland, hinter Ihnen stehen Ihre Familien und wir, deren Söhne für immer dort geblieben sind.
Es tut mir von ganzem Herzen weh für euch junge Leute, denn Sie sind alle wahre Verteidiger unserer Helden. Ich bete für Sie, für Ihren Sieg und wünsche allen, dass sie nach Hause zurückkehren."

Jewgeni Andrejewitsch Vaak

Grabenkämpfe

Den Krieg in  Schützengräben kennt man vom ersten Weltkrieg, heute im Zeitalter der schnellen und beweglichen Armeeeinsätze erscheint solche Kriegsführung obsolet. Doch in Russlands Krieg gegen die Ukraine bekommt der Grabenkrieg eine Renaissance. Wieder sitzen die Soldaten in kilometerlangen Schützengräben und erwarten die Angriffe des Feindes. In solch einer Erdhöhle hat der russische Soldat Jewgeni Andrejewitsch Vaak einen kleinen Altar errichtet. Geholfen hat es nicht, er wurde am 29.11.23 in Tscheljabinsk begraben.

Nikita Bordowski

Nikita

Im Herbst 2022 wurde Nikita Bordowski aus Moskau mobilisiert. Eigentlich hatte er große Pläne, konnte gut Gitarre spielen und wollte Filmmusik machen. Freunde beschreiben ihn als sorglosen, unbekümmerten jungen Mann, der Lebendigste unter den Lebenden. Im Mai 23 kam er verwundet mit einer Splitterwunde in der Brust zurück. Er hatte sich verändert. Er war mürrisch, Angst lag im Raum, obwol er fröhlich wirken wollte. Er wollte nicht mehr in den Krieg, musste im Juni zurück an die Front. Getötet am 19.10.23.

Dimitry Potapow

Vaterschaft

Dimitry Potapow aus Moskau ist zum ersten Mal Vater geworden. Das war im Jahr 2015, Dimitry war damals 27 Jahre alt. Acht Jahre später ist Sohnemann ohne Vater. Der ist im Oktober 23 im Ukrainekrieg gefallen.

Kirowskoje

Wechselvolle Geschichte

Im Osten der Halbinsel Krim liegt die Siedllung Kirow (russisch Kirovskoje) mit einer Bevölkerung von etwa 7.000 Personen. Kirow steht exemplarisch für die Geschichte voller Wechsel dieser Region. Im 18. Jahrhundert war sie von Krimtataren besiedelt. Mitte des 19. Jahrhunderts standen viele Höfe leer, die Bewohner waren in die Türkei übergesiedelt. Danach übernahm eine deutsche Kolonie das Dorf mit 20 Höfen und nannte es Neudorf.
Die Krimdeutschen wurden während des 2. Weltkriegs dann nach Sibirien deportiert, 1954 wurde Krim der Ukraine zugeordnet.
Jetzt herrscht Russland und schickt auch die Krimbewohner in den Krieg. Neun Bewohner sind bereits gefallen, stolz posiert die örtliche Obrigkeit  - umrahmt von Kindersoldaten - vor den Tafeln der Kriegsopfer.

Daniil Streltsow

Die Zukunft unseres Landes

Am 02.11.22 wurde ein ehemaliger Schüler des Werchnedonskaja-Gymnasiums, Region Krasnodar, an der Ukrainefront getötet. Die Schule hatte den Zwanzigjährigen bereits militärisch ausgebildet. Ein Jahr später würdigen die Schüler ihren ehemaligen Mitschüler. Die örtliche Presse schreibt: "Es ist sehr bitter und schmerzhaft zu erkennen, dass wir junge, gesunde Menschen verlieren – die Zukunft unseres Landes. Aber jeder Krieg bedeutet immer Verluste, Schmerz und Leid. Sie sterben für den Sieg, für den Frieden, für das Vaterland, für die Zukunft Russlands! "

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