15.08.2026 -- 225.397// Zuwachs zum 31.07.2026: 1.835

Die Besten der Besten
Mit diesem Prädikat wurde die Besatzung des russischen Ka-52 Kampfhubschraubers mit dem Rufzeichen "Boroda (Bart)" bezeichnet, die zunächst in Syrien und danach im Krieg gegen die Ukraine zahlreiche Kampfeinsätze absolvierte. Doch ein schnödes MANPAD setzte der Kariere der Besatzung ein Ende. Am 04.12.2022 wurde ihr Hubschrauber abgeschossen, keiner der dreiköpfigen Besatzung überlebte. Der Navigator der Maschine war Major Alexej Jurjewitsch Borowikow. Er kommt aus der ländlichen Siedlung Nitsinsky, Stadtbezirk Slobodo-Turinsky in der Oblast Swerdlowsk. Am Ortseingang wurde zu seinen Ehren eine Plakattafel installiert. Seine Eltern & örtliche Honoratioren posieren darunter.

Lächle dem Leben zu und es wird dich ganz bestimmt anlächeln
Das ist das Motto von Jewgeni "Schenja" Repetin in seinem VK-Profil. Jewgeni, 27 Jahre aus Nowosibirsk, wurde im Herbst 22 mobilisiert und befand sich als russischer Soldat im Kriegsgebiet in der Ukraine. Am 5. Oktober bekam er dort Besuch von seiner Freundin. "Dass du zu mir gekommen bist, schockiert mich natürlich, nicht jede traut sich, so weit und in solche Gefahr zu kommen. Ich liebe dich sehr," schrieb er zu obigem Foto. Das Leben hat das Paar dann doch nicht angelächelt, am 23.10.23 war Jewgenis Leben zuende.

Taiga-Hof
Dieses Foto ist eine kleine Lüge. Denn die Übersetzungsfunktion von Google schreibt den deutschen Text auf das Foto, genau so wie auf dem russischen Original. Michail Wladimirowitsch Otschirow, Unterleutnant des Sanitätsdienstes, soll auf dem Taiga-Hof in Transbaikalien seinen Urlaub verbracht und soll ihm auch diesen Namen gegeben haben,
Die Leiterin des Bezirks der Stadt Borsja erklärt: "Die Einweihung der Gedenktafel für unseren lieben Michail ist unsere Geschichte. Die junge Generation sollte den Helden ehren und ihre Heimat lieben, so wie Mischa sie liebte, und andere gefallene Helden unseres Landes. Sie haben alles getan, damit du und ich heute unter einem friedlichen Himmel leben können."

Arzt in Schießausbildung
Warum eine Militärärztin sich im Schießen weiterbilden will, erschließt sich dem Autor nicht. Aber Frau Leutnant Elena Wladimirowna Sadkowa ließ sich gern martialisch mit Scharfschützengewehr und Schießbrille ablichten. Die junge Frau, geboren 1988, hatte in Rostow Karriere von der Krankenschwester zur Ärztin gemacht, danach Polizisten therapiert, um schließlich sich als Militärärztin zu bewerben. Als Leutnant des Sanitätsdienstes kam sie ins Kriegsgebiet und wollte dort sich im Schießen weiterbilden. Bei einem ukrainischen Artillerieangriff auf das Übungsgelände wurde Elena getötet.

Leutnant Mayer
Aus Borowski, einer größeren Siedlung in der Oblast Tjumen, kam Nikolai Degterenko. Mit seinem Vater war wohl nicht sehr viel los, er ist bei der Mutter aufgewachsen und hat im Alter von 18 Jahren deren deutschen Namen Mayer angenommen. Nikolai war nur ein mittelmäßiger Schüler, aber gut im Sport. Er spielte Fußball und fuhr Ski. Folglich führte ihn seine Ausbildung zur "Höheren Militäringenieur-Kommandoschule" nach Tjumen. Dort machte er seinen Abschluss als Leutnant, wurde versetzt ins tschetschenische Grosny und kam danach an die Front in der Ukraine. Seiner Mutter erzählte er davon nichts. Nach seinem Tod am 15.10.23 erfuhr diese, dass er Russland verlassen hätte, "um sein Vaterland zu verteidigen." Er wurde als Leutnant Nikolai Mayer bestattet.

Jana aus Glasow
Glasow ist eine Stadt in Udmurtien mit knapp 100.000 Einwohnern und liegt an der Transsibirischen Eisenbahn. Vorfahren mütterlichseits von Michail Gorbatschow waren dort als unfreie Bauern ansässig. Damit wissen wir bereits mehr über diese Stadt als über Jana Andrejewna Koschina, die von dort kommt und am 10.03.2000 geboren wurde. Jana zog in den Ukrainekrieg und wurde dort vor dem 03.10.23 getötet.
Nachtrag: Doch noch mehr Informationen gefunden.
Akhmat Kadyrow-Orden
Der junge Mann auf dem Foto heißt Dmitri Alexandrowitsch Rotan, ist 19 Jahre alt und kommt aus der Region Tomsk. Er ist für das Akhmat-Bataillon von Ramsan Kadyrow in die Ukraine gezogen - warum auch immer - und hat diese Entscheidung mit dem Tod bezahlt. Dafür dürfen sich jetzt seine Angehörigen den obligatorischen Mutorden und die höchste Auszeichnung Tschetscheniens, den Akhmat Kadyrow-Orden unter dieses Erinnerungsbild hängen.

Lehrerin & Schüler
Roman Dyugaev kommt aus einem Dorf in der südlichen Region Stawropol. Er war ein schwieriger Schüler, der nach Aussage seiner Klassenlehrerin sich allerdings stetig verbesserte. Nach der Schule machte er den Führerschein, kaufte ein Auto, wurde zum Wehrdienst eingezogen und verpflichtete sich zum Vertragsdienst beim Militär. Mit zwanzig Jahren war es dann in der Ukraine vorbei, all die Mühe um den Heranwachsenden umsonst. Das Foto zeigt Roman und seine stolze Klassenlehrerin zum Schulabschluss.

Gerade 18
„Er war ein einfacher Kerl, ein fleißiger und geselliger junger Mann, der keine Angst vor harter Arbeit und dem Leben auf dem Land hatte“, sagten Nachbarn über Matwej Alexandrowitsch Zaitzew. Nach seinem Schulabschluss arbeitete der Anfang 2005 geborene Matwej auf einem Bauernhof in der Viehwirtschaft. Im April 23 musste er seinen Wehrdienst ableisten und Ende Juni wurde er zum Vertragsdienst überredet. Danach ging es schnell - Mitte August Abfahrt in die Region Belgorod an die ukrainische Grenze, am 08. September 23 wurde er getötet.

Tanz den Adolf Hitler
Immer wieder trifft man unter der russischen Jugend Anhänger der Limonow-Partei "Das andere Russland". Eduard Limonow wurde aus der Sowjetunion ausgewiesen, lebte in den USA und später in Frankreich. Er galt lange als Punk-Literat, bis er dann scharf nach rechts abgebogen ist. Gorbatschow hat ihm die Heimreise ermöglicht. Im fernen Altai tanzt sein intellektueller Nachwuchs den Adolf Hitler. Mit dabei Konstantin Arsentjew (mit Bärtchen) den wir zuletzt vorgestellt haben und der aktuell in der Ukraine getötet wurde.

Querbeet
Unter dem Alias Truman hat Konstantin Arsentjew in Barnaul im Altai auf Poesieabenden eigene Gedichte vorgelesen. Die Gedichte wären heiter und radikal gewesen, hätten das Wesentliche getroffen, meinte ein Weggefährte. Konstantin stand der Limonow-Partei "Das andere Russland" zumindest nahe. Dort verzwirbeln radikalsozialistische und radikalnationalistische Positionen zu einem Gemenge, das man als nationalsozialistisch bezeichnen kann. Wie seine Parteifreunde wollte auch Konstantin die Ukraine heim ins Reich holen und zog in den Krieg. Aktuell wurde sein Tod gemeldet.

Im Krieg kommt der Tod auf vielen Wegen
Wladimir Savelyev, 22 Jahre aus Ischewsk in Udmurtien, hatte eine Ausbildung zum Koch absolviert, musste aber zunächst seinen Wehrdienst ableisten. In den letzten drei Dienstmonaten wurde er in die Region Belgorod versetzt, sollte dort die Grenze bewachen und Schützengräben ausheben. Wladimir wurde am 20.09.23 getötet.
Seine Mutter bekam verschiedene Versionen zu seinem Tod von Wladimirs Vorgesetzten präsentiert. Die Wahrscheinlichste ist, dass ein Stapel Baumstämme auf einem Lastwagen sich löste, vielleicht durch Granatenbeschuss, vielleicht durch Fahrlässigkeit. Ein Baumstamm traf Wladimirs Kopf, dann wurde er auch noch vom LKW überfahren.

Zwangsmobilisiert
Das ist die Mutter von Daniil Aleksandrovich Trifonov bei der Beerdigung ihres 24-jährigen Sohnes. Die Familie kommt aus der Region Tomsk und gehört zu den dortigen Baptisten, einer nicht eingetragenen Religionsgemeinschaft. Daniil wurde zum Kriegsdienst eingezogen, den er zunächst verweigert hat. Wegen Steuerhinterziehung drohte der Staat mit fünf Jahren Gefängnis und überredete so den jungen Mann. Zurück kam Daniil im geschlossenen Sarg.

Sergej Alexandrowitsch Nam - 23 Jahre
Bagajewskaja ist eine Staniza in der Oblast Rostow mit über 10.000 Einwohnern. Im Ort ist ein Plakat aufgetaucht, niemand weiß Bescheid.
"Ein junger Soldat ist gestorben, warum wissen wir nichts?", fragt eine Frau im Forum des Ortes.
"Mein Sohn ist vor 2 Monaten gestorben und warum sollte ich schreien?", antwortet Dschoni Nikitosio.
Ehrenplakat auf Moskauer Straßen
Es ist Lev Aleksanovich Akopyan, der auf dem Plakat abgebildet ist. Der Soldat starb am 20.06.23 mit nur 22 Jahren irgendwo in der Ukraine. Wie man am Namen erkennen kann, ist sein Vater Armenier, seine Mutter dagegen ist Russin. So musste der junge Mann die imperialen Interessen Russlands im Donbass vertreten, während die Heimat seines Vaters gerade einen Krieg gegen Aserbaidschan verloren hat.
Alexander Michailowitsch Bogatych
Der junge Mann, hier gerade 19 Jahre alt, hat sein Auto aum Ortseingang von Kurumkan geparkt. Das burjatische Dorf liegt in der Nähe des Baikalsees in einem Tal, eingerahmt vom Bargusgebirge im Westen und dem Ikatgebirge im Osten. Zurück in seine Heimat ging es im Sarg, er wurde am 22.07.23 an der Front getötet.

Airat Nailievich Akchurin
hat 2022 an der militärmedizinischen Universität von St. Petersburg seinen Abschluss gemacht. Stolz präsentiert er sich in seiner Militäruniform. Danach ging es an die Front, getötet am 26.07.23.

Danil Elchanowitsch, 20 Jahre
Danil wurde im Oktober 2024 zum Wehrdienst eingezogen, der ein Jahr dauert. Und obwohl Danil aus seiner Wehrdienstzeit wissen musste, was ihn im Krieg gegen die Ukraine erwartet, schloss er im März 2026 einen Vertrag mit dem russischen Militär. Er kam in eine Einheit für „bodengestützte Robotersystem“ und meinte, dass er als Drohnenpilot auf der sicheren Seite wäre. Bereits am 30. Juni 2026 war er tot. Danil Elchanowitsch Ponamarew, geboren am 26. Mai 2006, stammte aus Syktywkar, der Hauptstadt der russischen Teilrepublik Komi.

Viktor Igorowitsch, 20 Jahre
Zweimal ging Viktor verloren. Das erste Mal war im Alter von 12 Jahren, da wurde er nach ein paar Tagen wieder aufgefunden. Acht Jahre später war Viktor in den Krieg gezogen und im Oktober 2024 wurde er vermisst. Er kam ein Jahr später im Sarg zurück und wurde am 3.10.25 in seiner Heimat begraben. Viktor Igorowitsch Mirontschuk, 19.02.2004 - 10.10.2024, lebte in der Stadt Rubzowsk in der Region Altai.
Nikita Alexandrowitsch, 18 Jahre
Nikita, der lachende Drohnenpilot, lacht nicht mehr. Seinen 19. Geburtstag hat er nicht mehr geschafft. Nikita Alexandrowitsch Surkow, geboren am 26.04.2007, kam aus dem Dorf Tschernucha in der Oblast Nischni Nowgorod.

Andrej Viktorowitsch Reznikow wurde am 12.05.1970 in der Region Krasnodar geboren. Nach seinem Wehrdienst wurde er Mitglied der berüchtigten OMON-Einheiten (Nationalgarde). Er kämpfte im Krieg gegen die Tschetschen und war an Antiterror-Aktionen beteiligt.
Als er aus Altersgründen aus dem Dienst ausscheiden musste, hatte er immer noch nicht genug vom Krieg. Im Jahr 2014 verkleidete er sich als Separatist und beteiligte sich am ersten Krieg gegen die Ukraine.
Danach gab es im Kriegshandwerk für Andrej nichts mehr zu verdienen, er zog um nach Burjatien, heiratete und arbeitete im Schichtdienst. Doch sein bürgerliches Leben war nicht von Dauer. Im Januar 2026 unterzeichnete er einen Militärvertrag, der bereits am 23. Mai 2026 von ukrainischer Seite gekündigt wurde.

Nachdem die Aufmerksamkeit zu unseren Veröffentlichungen wächst, eine kurze Information zu OskarMaria.
Unter diesem Pseudonym war der Initiator im Internet seit über 25 Jahren recht unregelmäßig präsent. Ab dem Jahr 2014 hat er hier über die Situation in den von Russland besetzten Gebieten des Donbass geschrieben. Als einer der ersten Journalisten überhaupt informierte er über die damals neu gegründete Gruppe Wagner.
Beruflich war er seit den 80-iger Jahren Geschäftsführer von diversen Medienunternehmen im Printbereich. Jetzt im Ruhestand, Kinder erwachsen, bleibt etwas mehr Zeit, die gesammelten Erfahrungen zusammen mit wenigen Mitstreitern für dieses Projekt zu nutzen.
Nachtrag: OskarMaria– das ist eine kleine Verbeugung vor dem beinahe vergessenen Schriftsteller Oskar Maria Graf. In Zeiten der Bücherverbrennungen wurden seine Werke von den Nazis verschont, ja sogar teilweise empfohlen. „Verbrennt mich!“ schrieb er 1933 in der Wiener Arbeiterzeitung, „nach meinem ganzen Leben und nach meinem ganzen Schreiben habe ich das Recht, zu verlangen, dass meine Bücher der reinen Flamme des Scheiterhaufens überantwortet werden und nicht in die blutigen Hände und die verdorbenen Hirne der braunen Mordbanden gelangen!“ Schließlich floh er in die USA – dort lebte er in bescheidenen Verhältnissen. Deutschland wollte den unbequemen Mann nach dem Krieg nicht wieder haben. Er starb 1967 in New York.
Literaturempfehlung: Wir sind Gefangene - Autobiograhie 1927.
Jabloko ist die einzige Partei in Russland, die sich gegen den Angriffskrieg gegen die Ukraine ausspricht. Sie wurde durch Beschluss eines Moskauer Gerichts, von den kommenden Parlamentswahlen ausgeschlossen. Geklagt hatte die linksnationalistische Partei „Rodina“, die sich selbst nationalkonservativ nennt. Soviel zur allgemeinen Verwirrung.
In ihrer Klage warf Rodina der Partei Jabloko Uhrheberrechtsverletzungen vor. So hätte Jabloko ohne Genehmigung Zeilen aus dem Antikriegslied „Es soll immer Sonnenschein geben“ und die Zeile „Wenn es doch nur keinen Krieg gäbe“ aus Alexander Wolodins Theaterstück „Fünf Abende“ verwendet, sowie Umfragedaten des Lewada-Zentrums zitiert. Es gibt in der Klage weitere Vorwürfe ähnlicher Qualität.
Bliebe zum Schluss noch zu erwähnen: Der Sohn des Komponisten des Liedes „Es soll immer Sonnenschein geben“ hatte der Partei ganz offiziell die Erlaubnis zur Nutzung gegeben.
In den ersten sechs Monaten dieses Jahres hat Russland 43,5 Tonnen Gold verkauft. Aber es hat noch reichlich Reserven, Anfang Juli sollen sich noch 2.282 Tonnen Gold in den staatlichen Tresoren befunden haben. Trotzdem bedeutet dieser Verkauf den größten Rückgang der Goldreserven in den letzten 25 Jahre.
Der Goldverkauf dient in erster Linie der Deckung des russischen Haushaltsdefizits, der Staat muss immer höhere Ausgaben für den Krieg gegen die Ukraine finanzieren. Allerdings dürfte jenes verkaufte Gold meist im Land geblieben sein. In unsicheren Zeiten heben die Russen gerne ihre Rücklagen vom Konto ab und kaufen dafür Gold.
Die Kleinstadt Bad Ems liegt an der unteren Lahn und nur wenige Kilometer von der Stadt Koblenz entfernt. Bad Ems hatte seine Glanzzeit im 19. Jahrhundert. Es war die Kurstadt und Sommerresidenz von bedeutendem Adel und angesagten Künstlern. So führte zum Beispiel die Emser Depesche zum Französisch-Deutschen Krieg 1870/71.
Auch der russische Zar Alexander der II. verbrachte den Sommer gerne in Bad Ems. Dort unterzeichnete er am 30. Mai 1876 den „Emser Erlass“. Damit verbot er die Einfuhr und Veröffentlichung von Schriften in ukrainischer und belarussischer Sprache im Russischen Kaiserreich und stellte Zuwiderhandlungen unter Strafe. Eine kaiserliche Kommission hatte festgestellt, dass die Verwendung der ukrainischen Sprache staatsgefährdend wäre.
Dieses russische Überheblichkeitsdenken gegenüber den „Kleinrussen (Ukrainer)“ wirkt bis heute nach. Auf ihm basiert auch der propagandistische Überbau, mit dem der „Putinismus“ den russischen Angriffskrieg begründet.
Foto: Silin2005 -- Lizenz: Gemeinfrei -- Die Plakette wurde nach dem russischen Angriffskrieg 2022 von Unbekannten entfernt.
Wir hatten bereits über die Aussage der russischen Militätbloggerin Agnes Becker berichtet, die in ihrem Telegramkanal eine angeblich unabhängige Studie zitiert hatte. Danach würde die durchschnittliche Überlebensdauer eines Soldaten bei einem Angriff an den vordersten Positionen nur 20 - 35 Minuten betragen. Am letzten Mittwoch bestätigte der CIA-Direktor John Ratcliff diese Aussage:
„Unsere Erkenntnisse decken sich mit einigen Berichten aus offenen Quellen, die Sie möglicherweise im Zusammenhang mit der Ukraine gesehen haben: Die durchschnittliche Lebenserwartung eines russischen Rekruten, der derzeit auf dem Schlachtfeld in der Ukraine eintrifft, wird auf 20 bis 30 Minuten geschätzt.“
Durch den Einsatz von Drohnen mit KI-Unterstützung steigen jedoch die Verlustzahlen auch weit hinter der Front. Im folgenden Video sieht man solch eine Drohne, die zielgerichtet einen russischen Militärlaster ausschaltet. Vermutlich handelt es sich um die in Deutschland hergestellt HX-2 der Rüstungsfirma Helsing.
Die Kleinstadt Tschulym liegt etwa 130 km westlich der Hauptstadt Nowosibirsk. In der Stadt und im dazugehörigen Bezirk leben rund 20.000 Menschen - Tendenz rückläufig. Die Gegend ist landwirtschaftlich geprägt, etwa ein Drittel aller Erwerbstätigen arbeiten in diesem Bereich.
Ein Denkmal erinnert an die Toten aus den sowjetischen und russischen Kriegen. Im Krieg in Afghanistan sind zwei Soldaten aus dem Bezirk getötet worden, in den Tschetschenienkriegen wurden acht Männer getötet und im aktuellen Krieg gegen die Ukraine wurden bisher 113 Namen eingraviert.
Setzt man jene 113 Kriegtoten ins Verhältnis zur Bevölkerung, so würde jene Region an zweiter Stelle aller russischen Regionen in unserer entsprechenden Tabelle stehen.
Peter Frankopan ist Professor für Weltgeschichte an der Universität Oxford. In einem Essey über Wladimir Putin zitiert er den exilrussischen Telegram-Kanal „Astra“. Astra selbst zitiert in einem Beitrag eine/n Z-Blogger/in „Agna Becker“ der/die den Telegram-Kanal „Haus unter Lorbeeren“ betreibt. Agna Becker wiederum zitiert „unabhängige Studien von 'N' “ und damit kommen wir zur eigentlichen Nachricht.
Nach dieser Studie würde die durchschnittliche Überlebensdauer eines Soldaten bei einem Angriff an den vordersten Positionen nur 20 - 35 Minuten betragen. Laut der selben Studie betrage die „durchschnittliche Lebenserwartung“ eines Soldaten von der Zeit seiner Ankunft auf dem Übungsplatz bis zu seiner Abreise in den Kampfgebiet von zehn Tagen bis zu drei Wochen.
Ganz unrealistisch sind diese Aussagen nicht, wie unsere vielen Beispiele über Kurzzeitsoldaten zeigen. Wir haben Agna Becker angeschrieben und um einen Link auf die Originalveröffentlichung gebeten. Eine Antwort ist nicht zu erwarten.
„Ich freue mich auf meinen Tod“ ist der Titel einer bekannten Kantate von Johann Sebastian Bach. Die ist dem Autor spontan zum unten veröffentlichten - KI-generierten - Video eingefallen. In diesem werden 46 russische Soldaten vorgestellt, die alle aus der Großstadt Artjom oder deren näheren Umgebung in der Region Primorje stammen. Zur Erinnerung - die Region Primorje liegt im Fernen Osten Russlands. Die Soldaten im Video werfen ihre Waffen weg, lachen dabei und schreiten ins Nirwana.
Wieviel sinnvoller wäre es gewesen, wenn all diese Soldaten sich diesem verbrecherischen Krieg verweigert und gemeinsam ihre Waffen niedergelegt hätten? Sie wären zumindest lebend nach Hause gekommen. So dürfte auch diese KI-generierte Schmonzette keine Hilfe und Trost für ihre Angehörigen darstellen.
Im ersten Quartal 2026 floss beinahe jeder zweite Rubel aus dem russischen Staatshaushalt in das Militär. Das berichtet ein Mitarbeiter der deutschen Stiftung Wissenschaft und Politik in seinem aktuellen Rundschreiben. Ganz genau betragen die militärischen Ausgaben inzwischen 46% des gesamten russischen Haushalts.
Am 01.08.1914 ist Deutschland in den Ersten Weltkrieg eingetreten, am 11. November 1918 unterzeichnete eine deutsche Delegation den Waffenstillstand. Berechnet man die Zeitspanne des Krieges, so kommt man auf 1.564 Tage Krieg.
Am 24.02.2022 begann die zweite russische Invasion der Ukraine. Bis zum heutigen Tag gerechnet sind das inzwischen 1.570 Tage Krieg, der Konflikt dauert also inzwischen länger als der Erste Weltkrieg - trotz zwischen 300.000 und 500.000 russischen und vermutlich 100.000 ukrainischen Kriegstoten, all den Kriegsversehrten und unermesslicher Zerstörung der Lebensgrundlage der Menschen in der Region. Und noch immer ist kein Ende in Sicht.
Und zur Erinnerung: Die erste russischen Invasion in der Ukraine fand bereits im Jahr 2014 statt, als Russland die Krim gewaltsam annektierte und russische Geheimdiensttruppen in den Donbass einsickerten.
Das Dorf Uinskoje liegt in der russischen Region Perm mit etwa 4.000 Bewohnern. Vermutlich wurde in diesem Dorf ein Versuchsballon gestartet. In einer Information auf der VKonatkte-Seite der „Verwaltung des Stadtbezirks Uinsky“ wurde eine Anzeige der Verwaltung veröffentlicht. Danach werden Frauen in der Region Perm für den Kriegseinsatz rekrutiert. Die Behörden versprechen ein Gehalt von 210.000 Rubel pro Monat und einen Bonus von 1,5 Millionen Rubel für die Unterzeichnung eines Vertrags mit dem russischen Verteidigungsministerium. Der Vertrag soll eine Laufzeit von einem Jahr beinhalten. (Allerdings können solche Verträge laut einem Erlass des Präsidenten so lange verlängert werden, solange die Mobilisierung nicht aufgehoben ist.)
Laut dem Informationstext können nur Frauen zwischen 18 und 35 Jahren einen Vertrag als Drohnenpilotin unterzeichnen, Frauen unter 45 Jahren dürfen sich für Positionen als Fahrerin für humanitäre Hilfstransporte bewerben.
Die Informationsseite wurde inzwischen gelöscht. Allerdings ist es uns gelungen, noch einen Screenshot der betreffenden Anzeige zu sichern (Original, deutsche Übersetzung.).
Die russische Zensur verbietet die genaue Berichterstattung über die vielen ukrainischen Drohnenangriffe auf Erdölraffinerien und Militärstützpunkte im ganzen Land. Die örtlichen Medien berichten deshalb nur sehr zögerlich über die Resultate und zitieren lieber staatliche Erfolgsmeldungen, dass wieder eine Vielzahl von Drohnen abgeschossen wurden.
In den Kommentaren zu den Berichten der großen lokalen Medien ließen die Bürger ihrer Wut freien Lauf und verspotteten Behörden und Regierung. Wir haben mehrfach solche Kommentare veröffentlicht.
In den letzten Tagen gab es erneut Drohnenangriffe auf die Region Krasnodar und St. Petersburg. Wieder wurde im Raum Krasnodar eine Erdöl verarbeitende Anlage in Brand gesetzt und bei St. Petersburg wurde ein Munitionslager angegriffen. Es kam zu Explosionen, die Bevölkerung in der Nähe wurde evakuiert.
Leserkommentare zu den Berichten von Fontanka in St. Petersburg sind jetzt nicht mehr möglich, die Funktion wurde deaktiviert.
Die russische Staatsbank hat eine neue Tabelle über ihre Währungsreserven bis einschließlich 1. Mai veröffentlicht. Danach verkauft die Zentralbank seit Jahresanfang monatlich eine beträchtliche Menge an Gold - insgesamt knapp 28 Tonnen.
Russland dürfte durch den Verkauf etwa 3,7 Milliarden Euro eingenommen haben. Das russische Staatsvermögen wird aber nur zu einem geringen Teil, wenn überhaupt, bei den Bürgern ankommen. Der Staat benötigt die Einnahmen, um seinen Krieg gegen die Ukraine zu finanzieren.
„Udmurtien gegen Koruption“ ist ein Telegram-Kanal, über den wir auch Meldungen über russische Kriegstote aus der russischen Teilrepublik Udmurtien beziehen. Der Gründer des Kanals, Iwan Elisejew, hatte bis zum Jahr 2021 das regionale Büro Alexej Nawalnys geleitet. Ende 2021 verließ auch Elisejew Russland, um einer Verhaftung zu entgehen.
„Udmurtien gegen Koruption“ wurde inzwischen in das russische Register der „ausländischen Agenten“ aufgenommen. Iwan Elisejew wurde aktuell vom russischen Innenministerium zur Fahndung ausgeschrieben.
Am 13. und 14. Mai startete Russland den größten Drohnenangriff auf Kiew und die gesamte Ukraine. Moskau setzte 1.567 Drohnen und 56 weitere Raketen ein. Allein in Kiew wurden 24 Menschen getötet.
Zwei Tage später griffen ukrainische Drohnen zum ersten Mal in großem Umfang die Region Moskau an. Ziele waren eine Erdölraffinerie und Betriebe mit militärischer Produktion. Mindestens drei Menschen wurden getötet.
Zum Bericht des Moskauer Internetportals MSK1 über die Schäden, gab es auch einige interessante Kommentare:
Das WZIOM ist ein staatliches Meinungsforschungsinstitut in Russland, das größte seiner Art im Land. Es veröffentlicht regelmäßig Untersuchungen über die Beliebtheitswerte des Präsidenten, der russischen Regierung und der Stimmung im Land. Im April 26 berichtete das Institut, dass die Zustimmungswerte zur Amtsführung des Präsidenten auf 65,6% gefallen wäre. Dem Ministerpräsidenten und seine Regierung bescheinigte das Institut Zustimmungswerte von 44,3%, bzw. 39,7%. Für eine deutsche Regierung wären das beruhigende Werte, im autoritären Staat Russland geht so etwas nicht.
Im Mai 2026 änderte WZIOM dann die Methodik - und siehe da, die Werte für Putin wurden besser. Zitat:
Laut den Ergebnissen einer gemeinsamen Umfrage unter Russen lag die Zustimmungsrate für die Leistung des Präsidenten im Zeitraum vom 4. Mai bis 10. Mai 2026 bei 66,8 %. Die positive Bewertung der Arbeit des Premierministers und der russischen Regierung in der vergangenen Woche betrug 42,2 % bzw. 38,9 %.
Damit kann Präsident Putin ganz gut leben und alle aktuellen politischen Probleme an seine Regierung adressieren.
Damit alles passt, hat WZIOM diesmal seine Methodik verändert. Statt einer reinen Telefonbefragung der Bürger, ist man jetzt zusätzlich von Haustüre zu Haustüre gegangen und hat die Menschen direkt angesprochen.
Frage an unsere Leser: Würden Sie in einem autoritären Staat eine ehrliche Antwort geben, wenn ein Unbekannter vor ihrer Tür steht und Sie nach Ihrer Meinung zum Präsidenten befragt? Auch wenn der Frager versichern würde, alles bliebe anonym?
Jeder deutsche Bundeskanzler wäre glücklich und froh, wenn er die Zustimmungswerte des russischen Präsidenten auch nur annähernd erreichen könnte. Die lagen seit Beginn des Angriffskrieges stabil bei über 80% in der russischen Bevölkerung.
Doch Unruhe kommt auf, das einzig verbliebene, unabhängige russische Meinungsforschungsinstitut, das Lewada-Zentrum, berichtet von ihrer letzten Umfrage vom 30.04.26:
Die Zustimmungswerte für Wladimir Putin als Präsident lagen im April 2026 bei 79 Prozent und sind in den vergangenen sechs Monaten kontinuierlich gesunken – um 8 Prozentpunkte seit September 2025. 16 Prozent der Befragten missbilligen die Amtsführung des Präsidenten (ein Anstieg um 5 Prozentpunkte seit September 2025). Dies ist das erste Mal seit Herbst 2022, dass dieser Wert unter 80 Prozent gefallen ist.
Am 9. Mai feierte ganz Russland den Tag des Sieges über Nazideutschland. Aus Sicherheitsgründen wurden landesweit die Massenveranstaltungen mit Militärparaden und schwerem Gerät abgesagt. Doch kleinere Paraden fanden statt, häufig mit Bezug auf den Krieg gegen die Ukraine.
„Gesucht wird Valentin Michailowitsch Kulikow, geboren am 22.03.2007. Militäreinheit 75281. Er ging am 09.06.2025 in Redkodub auf Patrouille. Ab dem 11.06.2025 wurde er vermisst. Von der Einheit wurde berichtet, dass die Gruppe unter einen Mörserbeschuss geraten sei und die Soldaten sich zur Erhaltung der Truppe zerstreut hätten. Seine Mutter sucht nach ihm. Es gibt zwei Möglichkeiten: Entweder er ist gefangen oder er liegt in einem Buschversteck. Dort herrscht eine Temperatur von 40 Grad.“ Telegram vom 11.08.25 (Kopie).
Inzwischen wissen wir aus dem russischen Erbschaftsregister, dass Valentin am 11. Juni 2025 getötet wurde. Ein Foto und weitere Informationen haben wir nicht gefunden.
Was wir aber sicher wissen: Valentin wurde am 22.03.2025 18 Jahre alt. Erst danach konnte er einen Vertrag mit dem russischen Militär abschließen. Und militärische Vorkenntnisse hatte er auch nicht. 81 Tage oder nicht ganz drei Monate nach seinem 18. Geburtstag wurde Valentin an der Front verheizt.
Am 30. April begeht Russland zum ersten Mal den Tag der indigenen Völker. Vor Vertretern verschiedener Ethnien erklärt Wladimir Putin:
In der Russischen Föderation leben 47 indigene Völker. Jedes von ihnen ist ein integraler Bestandteil des Landes und seiner unverwechselbaren Vielfalt und trägt zudem einzigartige Bräuche, kulturelle Codes und nationale Eigenheiten. Jede ethnische Gruppe innerhalb der brüderlichen Völkerfamilie Russlands stellt das gemeinsame Erbe des Landes dar. Dessen Erhaltung, Wachstum und Wohlergehen bedeuten unmittelbar die Erhaltung und das Wachstum des gesamten multinationalen Volkes Russlands.
Perm - das ist die östlichste Millionenstadt in Europa und Hauptstadt der gleichlautenden Oblast. Ukrainische Langstreckendrohnen haben in der Nacht zum 29. April 2026 Rohöl verarbeitende Anlagen in der Stadt in Brand gesetzt. Eine riesige schwarze Rauchsäule steigt seither zum Himmel.
Der Gouverneur der Region, Dimitri Machonin, gibt Entwarnung: „Die Schadstoffwerte liegen im Normbereich und stellen keine Gefahr für die Einwohner von Perm dar.“ Im Bericht des Internetmediums 59.RU geht es in den Kommentaren hoch her. Einige Beispiele:
Am 17. April wurde der Vater des 43-jährigen christlichen Bloggers Vegan Christoljub Boschij (Foto links bei einer Anti-Kriegsdemonstration) informiert, dass er die Leiche seines Sohnes aus einer Strafkolonie in der Oblast Woronesch abholen könne. Sein Sohn hätte sich in seiner Zelle erhängt. Seine Familie hält einen Selbstmord für unwahrscheinlich: „Seinen religiösen Überzeugungen zufolge ist das eine Sünde“, sagten sie.
Vegan, der bürgerlich mal Dimitrij Kusnetzow hieß, war bekennender Christ, Kriegsgegner und Veganer. Er hatte sich in YouTube-Videos kritisch zur Rolle der Sowjetunion im 2. Weltkrieg geäußert und meinte zudem, dass der Islam nicht als Religion der Gewaltlosigkeit betrachtet werden sollte. Dafür bekam Vegan drei Jahre Haft in einer Strafkolonie.
Vegan war allerdings alles andere als ein weltabgewandter christlicher Fundamentalist, wie auch seine Einschätzung des russischen Präsidenten zeigt:
„Seit 25 Jahren regiert das Land ein verrückter, alter Geheimdienstler, der längst kein heimlicher, sondern ein offenkundiger Menschenfresser geworden ist, dessen jedes Wort per Definition eine Lüge ist. Polen hat Hitler 1939 dazu gezwungen, es anzugreifen.... Wir bedrohen niemanden, wir brauchen keine fremden Länder, Wehrpflichtige kämpfen nicht (im Krieg gegen die Ukraine, Red.), es wird keine Mobilmachung geben, ‚sie sind nicht da‘. Wir brauchen die Krim nicht, ich werde das Rentenalter nicht anheben, sie ist untergegangen (Flaggschiff Moskwa, Red.), ich werde die Verfassung nicht ändern, ich werde nicht für eine dritte Amtszeit kandidieren, ich werde mich nicht an der Macht festklammern und so weiter, man könnte die Liste noch sehr lange fortsetzen. Nur in einer Sache hat er nicht gelogen, nämlich als er sagte, ich zitiere RIA Novosti vom 12. 2. 2004: „Wenn man sieben Jahre lang so als Präsident arbeitet, kann man den Verstand verlieren.“
In den letzten Tagen sind russische Gerbera-Drohnen über der ukrainischen Region Sumy aufgetaucht und haben Flugblätter abgeworfen. Flugblätter über feindlichem Gebiet abzuwerfen ist eine bekannte Methode der psychologischen Kriegsführung, die man bereits aus dem zweiten Weltkrieg kennt. Im russischen Krieg gegen die Ukraine werden Flugblätter aus der Luft von beiden Seiten verwendet, meist um die gegnerischen Soldaten zur Kapitulation aufzufordern.
Neu ist allerdings, dass Russland versucht, mit der Weltpolitik Ängste bei der Zivilbevölkerung auszulösen. Und wer wäre da besser geeignet als der amerikanische Präsident? So bildet jenes Flugblatt die aktuelle politische Situation nach. Donald Trump wendet sich von der Ukraine ab (was er eigentlich schon länger tut) und kümmert sich um seinen eigenen Krieg gegen den Iran. Der Text: „Die Hilfe für die Ukraine gehört der Vergangenheit an!“