30.06.2026 -- 218.524// Zuwachs zum 31.05.2026: 4.838

Abreise in den Krieg
Alexei Smirnow verabschiedet sich im Herbst 2022 von seiner Familie. Er gehört zu den mobilisierten Männern aus der Region Nowosibirsk. Den Fronteinsatz wird er überleben, den Krieg aber nicht.

Genieße das Leben und der Erfolg findet dich!
Das Motto von Wjatscheslaw Blinow aus St. Petersburg wurde nicht wahr. Im sinnlosen Krieg in der Ukraine gefallen, identifiziert über DNA.

Sanitäter beim Militär
Ein russischer Soldat wird nicht einfach getötet - er fällt im feigen Hinterhalt oder bei der Bergung von Verwundeten. Konstantin Pepeljajew (Foto) hatte eine medizinische Ausbildung und war laut Nachricht bei der Bergung von Verwundeten gefallen. Doch Militärsanitäter sollten ein deutliches rotes Kreuz am Arm tragen und auf eine Kalaschnikow verzichten.

Trauerfeier im Kusbass für einen Gefallenen
In einer durch und durch militarisierten Gesellschaft dürfen müssen auch Mädchen im Exerzierschritt marschieren.
Gedenktafel enthüllt
Im Bezirk Schamilski in Dagestan wird eine Ehrentafel für ein im Ukrainekrieg getötetes Gemeindemitglied enthüllt. Frauen und Männer stehen getrennt von einander.

Maxim Wassiljew
zog aus Nowosibirsk in den weit entfernten Krieg. Er verabscheute das Rauchen und Trinken, war gläubiger Christ und las Dostojewski. Er starb im Juni 23 mit 31 Jahren in einem Krieg, der ihn magisch angezogen hatte.

Im Mohnfeld ist noch Frieden
Der russische Soldat Juri Beljaew, 29 Jahre alt aus Burjatien, träumte von einem Sieg im "3. Weltkrieg". Aber vermutlich war er arbeitslos und brauchte einen gut bezahlten Job. Am 07.06.23 wurde er im Krieg getötet.
Küsschen für Putin
In St. Petersburg gab es eine Frauenaktion zur Unterstützung von Wladimir Putin. Alle in rot, mit Russlandfähnchen und am Ende gab es Küsschen.
(Foto & Info lt. Twitter)

Die "Helden" werden älter, die Frauen jünger
Igor Girkin, russischer Kriegsverbrecher, begann 2014 den Krieg in der Ukraine

Viktor Igorowitsch, 20 Jahre
Zweimal ging Viktor verloren. Das erste Mal war im Alter von 12 Jahren, da wurde er nach ein paar Tagen wieder aufgefunden. Acht Jahre später war Viktor in den Krieg gezogen und im Oktober 2024 wurde er vermisst. Er kam ein Jahr später im Sarg zurück und wurde am 3.10.25 in seiner Heimat begraben. Viktor Igorowitsch Mirontschuk, 19.02.2004 - 10.10.2024, lebte in der Stadt Rubzowsk in der Region Altai.
Nikita Alexandrowitsch, 18 Jahre
Nikita, der lachende Drohnenpilot, lacht nicht mehr. Seinen 19. Geburtstag hat er nicht mehr geschafft. Nikita Alexandrowitsch Surkow, geboren am 26.04.2007, kam aus dem Dorf Tschernucha in der Oblast Nischni Nowgorod.

Nikita Walerjewitsch, 19 Jahre
„Nikita hat sein Leben für sein Vaterland gegeben“, schreibt Tatjana. „Mein Sohn kam tragisch ums Leben“, veröffentlicht die Mutter. Nur - Nikita ist weder für sein Vaterland gestorben, sondern bei einem völkerrechtswidrigen Angriff auf ein fremdes Land. Und sein Tod war auch nicht tragisch, sondern die Konsequenz seiner Entscheidung in den Krieg zu ziehen. Nikita Walerjewitsch Nowodran, geboren am 18.02.2006 im Dorf Unjugan im Autonomen Kreis der Chanten und Mansen, wurde im Mai 2024 zum Wehrdienst eingezogen und unterschrieb bereits im September 24 einen Vertrag zum Kriegsdienst. Er sollte mit Drohnen gegnerische Soldaten töten und wurde dabei selbst am 20.09.25 getötet.

Maxim Wjatscheslawowitsch Safronow wurde am 4. Julij 1995 im Dorf Nowaja Brjan in Burjatien geboren. Das Dorf hat seit den Zeiten der Perestroika fast die Hälfte seiner Einwohner verloren. Heute leben noch etwa 4.200 Menschen dort. Maxim bekam während seiner Schulzeit eine kräftige Dosis Militarismus eingeflösst: Er besuchte den militärpatriotischen Club „Kasatschok“ und absolvierte das Militärspiel „Zarnitsa“. Nach der Schule studierte Maxim Medizin und arbeitete als Anästhesist und Notfallmediziner in einem Krankenhaus in Tschita (Transbaikalien).
Im Jahr 2025 wollte Maxim endlich ordentlich verdienen und ging als Notfallmediziner im Rang eines Leutnants an die Front in der Ukraine. Eine häufige Legende der Nachrufschreiber lautet, dass der Tote heldenhaft Verwundete evakuiert hätte und dabei getötet wurde. So auch bei Maxim - eine Drohne hätte am 23. Juni 26 den Rettungswagen angegriffen und Maxim getötet.

Nachdem die Aufmerksamkeit zu unseren Veröffentlichungen wächst, eine kurze Information zu OskarMaria.
Unter diesem Pseudonym war der Initiator im Internet seit über 25 Jahren recht unregelmäßig präsent. Ab dem Jahr 2014 hat er hier über die Situation in den von Russland besetzten Gebieten des Donbass geschrieben. Als einer der ersten Journalisten überhaupt informierte er über die damals neu gegründete Gruppe Wagner.
Beruflich war er seit den 80-iger Jahren Geschäftsführer von diversen Medienunternehmen im Printbereich. Jetzt im Ruhestand, Kinder erwachsen, bleibt etwas mehr Zeit, die gesammelten Erfahrungen zusammen mit wenigen Mitstreitern für dieses Projekt zu nutzen.
Nachtrag: OskarMaria– das ist eine kleine Verbeugung vor dem beinahe vergessenen Schriftsteller Oskar Maria Graf. In Zeiten der Bücherverbrennungen wurden seine Werke von den Nazis verschont, ja sogar teilweise empfohlen. „Verbrennt mich!“ schrieb er 1933 in der Wiener Arbeiterzeitung, „nach meinem ganzen Leben und nach meinem ganzen Schreiben habe ich das Recht, zu verlangen, dass meine Bücher der reinen Flamme des Scheiterhaufens überantwortet werden und nicht in die blutigen Hände und die verdorbenen Hirne der braunen Mordbanden gelangen!“ Schließlich floh er in die USA – dort lebte er in bescheidenen Verhältnissen. Deutschland wollte den unbequemen Mann nach dem Krieg nicht wieder haben. Er starb 1967 in New York.
Literaturempfehlung: Wir sind Gefangene - Autobiograhie 1927.
Wladimir Sergejewitsch Nenartowitsch, 59 Jahre
Telegram-Kanal „Die Toten aus Sacha“ vom 28.05.2026
Die Kleinstadt Tschulym liegt etwa 130 km westlich der Hauptstadt Nowosibirsk. In der Stadt und im dazugehörigen Bezirk leben rund 20.000 Menschen - Tendenz rückläufig. Die Gegend ist landwirtschaftlich geprägt, etwa ein Drittel aller Erwerbstätigen arbeiten in diesem Bereich.
Ein Denkmal erinnert an die Toten aus den sowjetischen und russischen Kriegen. Im Krieg in Afghanistan sind zwei Soldaten aus dem Bezirk getötet worden, in den Tschetschenienkriegen wurden acht Männer getötet und im aktuellen Krieg gegen die Ukraine wurden bisher 113 Namen eingraviert.
Setzt man jene 113 Kriegtoten ins Verhältnis zur Bevölkerung, so würde jene Region an zweiter Stelle aller russischen Regionen in unserer entsprechenden Tabelle stehen.
Nikolai Afanassjewitsch Atlasow (Rufname „Odun“), 35 Jahre alt
Status: Verstorben Geburtsdatum: 29. Oktober 1989
Sterbedatum: 28. März 2025
Geburtsort: Rajon Changalasski, Dorf Katschikatsy
Sterbeort: Region Donezk, Siedlung Jelisawetowka
Dienstverhältnis: Vertragsdienst (ab 30. November 2024)
Kinder (Anzahl): Unbekannt
Ziviler Beruf: Abfüllung und Lieferservice für reines Trinkwasser
„Die Toten aus Sacha“ vom 5.5.26
Peter Frankopan ist Professor für Weltgeschichte an der Universität Oxford. In einem Essey über Wladimir Putin zitiert er den exilrussischen Telegram-Kanal „Astra“. Astra selbst zitiert in einem Beitrag eine/n Z-Blogger/in „Agna Becker“ der/die den Telegram-Kanal „Haus unter Lorbeeren“ betreibt. Agna Becker wiederum zitiert „unabhängige Studien von 'N' “ und damit kommen wir zur eigentlichen Nachricht.
Nach dieser Studie würde die durchschnittliche Überlebensdauer eines Soldaten bei einem Angriff an den vordersten Positionen nur 20 - 35 Minuten betragen. Laut der selben Studie betrage die „durchschnittliche Lebenserwartung“ eines Soldaten von der Zeit seiner Ankunft auf dem Übungsplatz bis zu seiner Abreise in den Kampfgebiet von zehn Tagen bis zu drei Wochen.
Ganz unrealistisch sind diese Aussagen nicht, wie unsere vielen Beispiele über Kurzzeitsoldaten zeigen. Wir haben Agna Becker angeschrieben und um einen Link auf die Originalveröffentlichung gebeten. Eine Antwort ist nicht zu erwarten.
„Ich freue mich auf meinen Tod“ ist der Titel einer bekannten Kantate von Johann Sebastian Bach. Die ist dem Autor spontan zum unten veröffentlichten - KI-generierten - Video eingefallen. In diesem werden 46 russische Soldaten vorgestellt, die alle aus der Großstadt Artjom oder deren näheren Umgebung in der Region Primorje stammen. Zur Erinnerung - die Region Primorje liegt im Fernen Osten Russlands. Die Soldaten im Video werfen ihre Waffen weg, lachen dabei und schreiten ins Nirwana.
Wieviel sinnvoller wäre es gewesen, wenn all diese Soldaten sich diesem verbrecherischen Krieg verweigert und gemeinsam ihre Waffen niedergelegt hätten? Sie wären zumindest lebend nach Hause gekommen. So dürfte auch diese KI-generierte Schmonzette keine Hilfe und Trost für ihre Angehörigen darstellen.