30.11.2025 -- 162.913 // Zuwachs zum 31.10.2025: 9.801
Wladimir Wladimirowitsch Gamota, geboren am 27. Februar 1996, Rufname „Raptor (Räuber)“, lebte in der baschkirischen Großstadt Salawat. Beruflich war er Lagerleiter, verheiratet, zwei Kinder. Er wäre der perfekte Ehemann gewesen, berichtete seine Frau der Presse:
Er konnte einfach alles: reparieren, renovieren, die Wohnung putzen, Zeit mit den Kindern verbringen, kochen. Sein Lieblingsgericht war Schaschlik. Niemand konnte ihm das Wasser reichen
Doch ein ruhiges, friedliches Leben war wohl nicht die Sache von Wladimir. Von einem Tag auf den anderen entschloss er sich, einen Militärvertrag zu unterschreiben und in den Krieg gegen die Ukraine zu ziehen.
Es kam eine traurige Nachricht. Ohne Details. Auf diesem Foto bin ich der Einzige, der noch lebt...
Sergej Astachow, St. Petersburg (Link)
Dorf Tayturka
Die Arbeitersiedlung Tayturka liegt an der Transsibirischen Eisenbahn, 75 km vor der Regionalhauptstadt Irkutsk. Die Siedlung hat rund 5.000 Bewohner und liegt nahe an zwei großen Militärstützpunkten.
Auch in dieser Siedlung wird heftig um Freiwillige für den Krieg in der Ukraine geworben. Der Text der Anzeige in den Siedlungsnachrichten verspricht:
Wie die Realität dann aussieht, zeigt das Schicksal der Brüder Losew aus der Siedlung, die sich freiwillig gemeldet hatten.
Dorf Chongurey im Autonomen Kreis der Nenzen -- Foto: Iźva Komi Dokumentationsprojekt (Niko Partanen) -- Lizenz: CC BY-SA 4.0
Ganz im Nordosten des europäischen Teil von Russland liegt der Autonome Kreis der Nenzen. Der Kreis ist etwa 2,5 mal so groß wie das deutsche Bundesland Bayern, dort leben nur etwa 42.000 Menschen - die meisten in der Hauptstadt Narjan-Mar. Die Namensgeber der Region sind die Nenzen, die gerade noch 16% der Bevölkerung stellen.
Andrej Ruschniko ist Abgeordneter im Parlament der Region und hat die „ehrenvolle" Aufgabe, den im Krieg gegen die Ukraine getöteten Bewohner zu gedenken. Drei Beispiele seiner salbungsvollen Worte wollen wir dokumentieren:
Es ist 13:00 h am 10. Oktober 2025 - wir befinden uns bei einer Beisetzung auf dem Friedhof der Kleinstadt Melenki in der russischen Oblast Wladimir. Die Stadt liegt etwa 150 km südöstlich der Hauptstadt Wladimir und hat auch schon bessere Tage gesehen. In Zeiten der Perestroika hatte Meleniki noch über 18.000 Einwohner, im Jahr 2021 zählte man noch 13.400 Bewohner.
Begraben wird mit militärischen Ehren der Soldat Rustam Raufowitsch Potapow, der im Krieg gegen die Ukraine getötet wurde.
Mit der militärisch-patriotischen Indoktrination kann man nie zu früh beginnen, wie des Beispiel des Kindergartens Nr. 11 in der russischen Großstadt Kursk zeigt. Der älteste Kindergarten-Jahrgang ist Anfang September zu Besuch bei einer Kadettenschule der Stadt, um die Kinder auf ihren späteren schulischen Weg vorzubereiten.

Das Dorf Swatai im Srednekolymski ulus
Wir befinden uns heute im Srednekolymski ulus, einem Landkreis im Nordosten der russischen Teilrepublik Sacha(Jakutien). Der Kreis grenzt im Osten an den Autonomen Kreis der Tschuktschen und an die Oblast Magadan. Die Fläche des Landkreises ist noch größer als die drei deutschen Bundesländer Bayern, Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz zusammen. Auf dieser riesigen Fläche leben gerade mal 6.700 Menschen.
Sergej Innokentjewitsch Kolesow und Askalon Sergejewitsch Kolesow waren Vater und Sohn, beide sind im Krieg gegen die Ukraine gefallen. Sie kommen aus dem Dorf Swatai, was übersetzt Heiratsvermittler heißt. Das Dorf mit rund 500 Bewohnern, meist Jakuten, ist vom Verwaltungszentrum Srednekolymsk etwa 100 km Luftlinie entfernt und nur über eine Winterstraße oder per Flugzeug zu erreichen.
Hispaniola-Kämpfer mit Gründer Stanislaw Orlow in der Mitte
Die russische Freiwilligeneinheit „Hispaniola“ gab ihre Auflösung auf ihrem Telegram-Kanal bekannt. „Hispaniola“ war der Kampfname des Gründers Stanislaw Orlow, der sich im Jahr 2014 den angeblichen Separatisten im Donbass angeschlossen hatte. Die Einheit setzte sich zum überwiegenden Teil aus Fußball-Hooligans der großen russischen Vereine ZSKA Moskau und Zenit St. Petersburg zusammen. Die Söldnertruppe war ein bunter Tupfer in der grauen Masse der russischen Truppen, allerdings mit kackbrauner Ausrichtung. Hier kämpften - zumindest teilweise - echte Nazis gegen die angeblichen Nazis der Ukraine.
Zudem gilt zu erwähnen, jene Hooliganeinheit ist nur ein minimales Segment im russischen Militär, ihre Auflösung bedeutet für das Kampfgeschehen nichts. Sie spiegelt aber durchaus das Bewusstsein eines bestimmten Teils der russischen Jugend wieder.
Weiterlesen: Russische Hooligan-Einheit „Hispaniola“ aufgelöst
Die Geschichte von Eduard fängt an, wie so viele unserer Geschichten. Eduard Midechatowitsch Salimow wurde am 30.06.1981 in einem Dorf mit gerade 100 Bewohnern im Bezirk Kareidel in Baschkortostan geboren. Als er zwei Jahre alt war, starb seine Mutter, Eduard kam in ein Waisenhaus und blieb dort bis zur Volljährigkeit.
Er erlernte den Beruf eines Elektrikers und Fahrers und teilte danach das Schicksal vieler Waisen ohne Beziehungen: Er arbeitete mal hier und mal weiter weg im Norden, blieb aber ohne feste Anstellung.
Eduard heiratete eine Frau mit usbekischen Wurzeln, zog in das große Dorf Buraewo in Baschkortostan und bekam drei Kinder. Am 8. Oktober 2024 unterzeichnete er freiwillig einen Vertrag zum Kriegsdienst.

Dorf Wankarem, Tschukotka -- Urheber: Ansgar Walk -- Lizenz: CC BY-SA 3.0
Das Dorf Wankarem liegt am äußersten nord-östlichen Rand des Autonomen Kreises der Tschuktschen (Tschukotka). Das Dorf liegt völlig isoliert, es gibt keine Straße dorthin. Nur im Winter kann das Dorf von Transportern über eine Winterstraße angefahren werden. Aber immerhin hat der Flecken einen kleinen Flugplatz über den der Personenverkehr mit Hubschraubern nach Egwekinot und Nutepelmen möglich ist. Die Bevölkerung besteht aus Tschuktschen und sibirischen Eskimos. Aber es sind nicht mehr viele da. Im Jahr 2010 zählte man noch 210 Bewohner, sechs Jahre später waren es 166 und im Jahr 2021 lebten dort nur noch 122 Menschen.
Inzwischen sind fünf junge Männer aus Wankarem im russischen Krieg gegen die Ukraine gefallen - das ist ein schockierend großer Teil der jungen Leute aus dem Dorf und nimmt den noch verbliebenen Bewohnern die Zukunft. Die einzelnen Gefallenen fasst ein Beitrag der Nachrichtenagentur von Tschukotka zusammen, den wir nachstehend veröffentlichen - dazu noch ein paar Fotos aus dem Dorf.
Weiterlesen: Das Tschuktschen- und Eskimodorf Wankarem und der Krieg

Taimyrhalbinsel – Kap Tscheljuskin: nördlichste Festlandstelle der Erde -- Foto: Ansgar Walk -- Lizenz: CC BY-SA 3.0
Ganz im Norden im asiatischen Teil Russlands liegt die Taimyrhalbinsel. Sie gehört zur Region Krasnojarsk und ist der nördlichste kontinentale Festlandteil der Erde. Die Winter dort sind lang und extrem kalt, die Sommer kurz, kalt und nebelreich. Es gibt dort große Naturschutzgebiete, die größte Renntierherde weltweit und neuerdings auch wieder Herden mit Moschusochsen.
Für das russische Militär sind Männer aus diesen nördlichen Gebieten wertvoll. Sie haben gelernt in extremen Situationen zu überleben und können mit Waffen umgehen. Auch aus der fernen Region Taimyr stirbt eine bedeutende Zahl von Männern im Krieg gegen die Ukraine. Wir haben unseren Beitrag vom Juni 2024 mit neuen Meldungen aktualisiert.

Dorf Ust-Mil -- Aus dem Panoramio- Archiv . Das Urheberrecht der Fotos liegt bei den jeweiligen Eigentümern.
Ganz im Osten der russischen Teilrepublik Jakutien (Sacha) liegt der Ust-Maisky Ulus, wobei Ulus der Begriff für Bezirk ist. In diesem Ulus leben etwas über 7.000 Menschen, aber er hat eine Fläche von rund 95.000 km², das ist mehr als die Fläche der deutschen Bundesländer Bayern und Hessen zusammen. Und es ist kalt im Ust-Maisky Ulus, der Bezirk liegt nur etwa 200 km vom Kältepol der nördlichen Hemisphäre entfernt. Im Bezirk liegt auch das Dorf Ust-Mil mit zuletzt 190 Bewohnern. In diesem abgelegenen Dorf lebte Alexander Richter.

Maxim lebte in der sibirischen Großstadt Miass in der Oblast Tscheljabinsk. In der Umgebung gibt es Goldvorkommen, die zum raschen Wachstum der Stadt beigetragen haben. Mit dem schnöden Mammon hatte Maxim ein besonderes Verhältnis. Bereits mit 18 Jahren stand er vor Gericht, weil er ein Auto gestohlen hatte. Und im Jahr 2022 stand er erneut wegen Diebstahls vor Gericht. Neben einem Wolf auf der Brust hatte er sich ein Dollar-Zeichen auf den Ringfinger tätowieren lassen. Laut seinem VKontakte-Status hat er sich für Programmiersprachen interessiert, doch das schnelle Geld verdient ein Russe heute im Krieg - mit meist tödlichem Ausgang. Maxim Wiktorowitsch Kriwodanow (21.03.1992 - 22.01.2025).

Nachdem die Aufmerksamkeit zu unseren Veröffentlichungen wächst, eine kurze Information zu OskarMaria.
Unter diesem Pseudonym war der Initiator im Internet seit über 25 Jahren recht unregelmäßig präsent. Ab dem Jahr 2014 hat er hier über die Situation in den von Russland besetzten Gebieten des Donbass geschrieben. Als einer der ersten Journalisten überhaupt informierte er über die damals neu gegründete Gruppe Wagner.
Beruflich war er seit den 80-iger Jahren Geschäftsführer von diversen Medienunternehmen im Printbereich. Jetzt im Ruhestand, Kinder erwachsen, bleibt etwas mehr Zeit, die gesammelten Erfahrungen zusammen mit wenigen Mitstreitern für dieses Projekt zu nutzen.
Nachtrag: OskarMaria– das ist eine kleine Verbeugung vor dem beinahe vergessenen Schriftsteller Oskar Maria Graf. In Zeiten der Bücherverbrennungen wurden seine Werke von den Nazis verschont, ja sogar teilweise empfohlen. „Verbrennt mich!“ schrieb er 1933 in der Wiener Arbeiterzeitung, „nach meinem ganzen Leben und nach meinem ganzen Schreiben habe ich das Recht, zu verlangen, dass meine Bücher der reinen Flamme des Scheiterhaufens überantwortet werden und nicht in die blutigen Hände und die verdorbenen Hirne der braunen Mordbanden gelangen!“ Schließlich floh er in die USA – dort lebte er in bescheidenen Verhältnissen. Deutschland wollte den unbequemen Mann nach dem Krieg nicht wieder haben. Er starb 1967 in New York.
Literaturempfehlung: Wir sind Gefangene - Autobiograhie 1927.
Ein Oberst, der Folter und Diebstahl in der Strafanstalt IK Nr. 15 untersuchte, wurde im Krieg getötet. Seine Angehörigen erfuhren von seiner Todesnachricht von der Bank.
Der FSIN-Oberst Alexander Wladimirowitsch Tscheprasow führte eine interne Untersuchung in der Kolonie Nr. 15 in Angarsk durch (Oblast Irkutsk), nachdem dort ein Gefangenenaufstand und ein Feuer stattgefunden hatten. Später wurde von Folter berichtet. Tscheprasow stieß auf ein großes Netzwerk von Sicherheitskräften und Geschäftsleuten, die Holz stahlen und ins Ausland schickten.
Er konnte die Sache nicht zu Ende untersuchen: Tscheprasow wurde selbst der Bestechung beschuldigt und zu 12 Jahren Strafkolonie verurteilt. Dort unterzeichnete er einen Vertrag, ging an die Front und verschwand spurlos.
Was mit ihm passiert ist, können seine Frau und Mutter nicht erfahren. Weder im Wehramt noch in der Militäreinheit selbst antwortet man ihnen. Es gibt auch keine offizielle Todesanzeige.
Aus dem Telegram-Kanal „Menschen vom Baikal“. Den gesamten Beitrag in russischer Sprache gibt es hier.
Der Telegram-Kanal „Udmurtien gegen Korruption“ hat einen Film vom Soldatenfriedhof der Stadt veröffentlicht. Abonnenten des Kanals haben auch Fotos der Soldatengräber eingereicht, allerdings nur von eineinhalb Reihen. „Das ist schwer anzusehen“, erklärten sie.
Wir konnten auf Grund dieser Fotos 21 Namen neu in unsere Datenbank aufnehmen.
Anmerkung: Es empfiehlt sich den Film in größerer Auflösung anzuschauen, dazu nur auf die Überschrift des Beitrags klicken.
Seit dem Jahr 2022 wurden in Usbekistan 338 Strafverfahren gegen eigene Bürger eingeleitet wegen Beteiligung an bewaffneten Konflikten im Ausland. Fast alle dürften auf Seiten Russlands im Krieg gegen die Ukraine gekämpft haben.
Laut usbekischer Darstellung wurde die überwiegende Mehrheit der Beteiligten durch Täuschung in den militärischen Konflikt hineingezogen oder nach Kontakt mit kriminellen Organisationen in Kampfgebiete geschickt. In seltenen Fällen erfolgte die Teilnahme aus finanziellen Gründen.
Eine unserer Informationsquellen aus Baschkortostan ist seit Beginn des Krieges der Telegram-Kanal „Aspekte Baschkortostan“. Er lieferte Einblicke in die bevölkerungsreichste russische Teilrepublik und veröffentlichte auch Namen der im Krieg gegen die Ukraine gefallenen Soldaten. Um nicht unter Zensurmaßnamen zu fallen, beschränkte sich der Kanal ausschließlich auf die Berichterstattung aus der Region und verzichtete auf Kommentierungen und Wertungen.
Das hat alles nichts geholfen. Am 21. November 25 wurde auch Aspekte als „ausländischer Agent“ eingestuft. Das russische Justizministerium schreibt in seiner Erklärung:
„Die Publikation verbreitete Falschinformationen über Entscheidungen und Maßnahmen russischer Regierungsstellen und lehnte die Militäroperation in der Ukraine ab. Sie war an der Erstellung und Verbreitung von Botschaften und Materialien ausländischer Agenten an die Öffentlichkeit beteiligt.“
Die Publikation „Aspekte – Baschkortostan“ wurde vom Team von Echo Moskwy in Ufa kurz nach der Schließung ihres Radiosenders im Frühjahr 2022 ins Leben gerufen. Die erste Sendung wurde am Morgen des 1. April 2022 auf dem YouTube-Kanal des Projekts ausgestrahlt. Seitdem konzentriert sich „Aspekte“ auf regionale Nachrichten.
Jetzt prangt über jedem Beitrag von Aspekte der großgeschriebene Satz: „18+ DAS VORLIEGENDE MATERIAL (INFORMATIONEN) WURDE VON EINEM AUSLÄNDISCHEN AGENTEN DER INTERNETPUBLIKATION „ASPEKTE VON BASCHKORTOSTAN” VERÖFFENTLICHT ODER BEZIEHT SICH AUF DIE TÄTIGKEIT EINES AUSLÄNDISCHEN AGENTEN DER INTERNETPUBLIKATION „ASPEKTE VON BASCHKORTOSTAN”.
Zwei Journalisten des Projekts, Ruslan Walijew und Jewgeni Konoplin, haben Russland inzwischen verlassen und leben in Deutschland.
Wladimir Wachidowitsch Otschkassow, geboren am 17.10.1998, lebte in der Stadt Kursk und war ein junger Idiot. Ohne große Suche wurden wir in zwei Strafverfahren fündig. Am 21.09.21 wurde er wegen öffentlichen Randalierens unter Alkohol zu einer Ordnungsstrafe verurteilt. Und am 10.01.23 bekam er eine Haftstrafe in einer Anstalt des strengen Regimes wegen Diebstahls eines Smartphones. Die Dauer wurde allerdings nicht veröffentlicht. Auch Wladimir wollte lieber sein Leben riskieren, als im Knast zu sitzen. Am 24.01.2025 suchte sein Bruder öffentlich nach ihm. Da war er schon tot, gefallen am 29.12.2024.
Im KI-generierten Video durfte er sich dann ordentlich von seiner Familie verabschieden.
Angesichts der hohen Verlustzahlen des russischen Militärs müssen alle Regionen zusammen ständig neue Zeitsoldaten anwerben. Wir hatten vor vor knapp einem Jahr geschrieben, dass Russland jeden Monat etwa 30.000 neue Soldaten für den Krieg in der Ukraine rekrutiert. Daran hat sich nichts geändert. Janis Kluge von der Stiftung Wissenschaft und Politik hat aktuell die Daten aus dem russischen Haushalt zur Personalbeschaffung ausgewertet. Danach akquiriert das Land auch im Jahr 2025 durchschnittlich etwa 30.000 Zeitsoldaten, um die Reihen der Armee wieder aufzufüllen (Diagramm).
Auch die russischen Militärausgaben sind weiter angestiegen. Janis Kluge schreibt: „Im 3. Quartal stiegen sie im Vergleich zum 2. Quartal um über 3,6 Billionen Rubel. Im Jahr 2024 betrugen die Militärausgaben im 3. Quartal nur 2,6 Billionen Rubel, was bedeutet, dass die Ausgaben – nominal – in diesem Jahr 38 % höher waren als im Vorjahr.“
Den gesamten Beitrag in englischer Sprache gibt es hier.
Ende April 2023 fand eine Gerichtsverhandlung im Dorf Debjesi in Urtmurtien statt. Angeklagt war Sergej Wladimirowitsch Golubkow, der bereits mehrfach wegen kleinerer Diebstähle zu Gefängnisstrafen verurteilt worden war. Diesmahl ging es wieder um einen Diebstahl. Sergej war in den Keller eines Mehrfamilienhauses eingedrungen, hatte das Türschloss aus der Halterung gerissen und einen Sack Saatkartoffeln geklaut - mit einem Gewicht von 38,55 kg und im Wert von etwa zehn €. Danach ging er mit einem Kumpel nach Hause, stellte den Kartoffelsack neben seinen Wohnzimmersessel und ging ins Bett. Essen konnte er die Kartoffeln nicht, denn am nächsten Tag beschlagnahmte die Polizei die Sore.
Sergej bekam am Ende der Verhandlung glatte zwei Jahre Haft verordnet, abzusitzen in einer Strafkolonie mit strengem Regime. Auch Sergej tauschte die Kolonie gegen den Kriegsdienst ein. In der Kreiszeitung „Neuer Weg“ vom 15.08.2025 wurde sein Tod gemeldet.
In der Oblast Uljanowsk wird für die Dauer des Krieges gegen die Ukraine das mobile Internet stark eingeschränkt. Dies beträfe in erster Linie Gebiete mit sensiblen Wirtschafts-, Regierungs- und Militäreinrichtungen. Dazu gibt es eine weiße Liste mit Webseiten und Funktionen, die nicht gesperrt würden, wie zum Beispiel der Regierungsdienstleister Gosuslugi, die russische Technologieplattform Yandex, die sozialen Netzwerke Vkontakte und Odnoklassniki, die Online-Marktplätze Ozon und Wildberries sowie das Zahlungssystem Mir. Doch es häufen sich Klagen, dass auch diese Dienste häufig nicht aufzurufen wären. Der Staat empfiehlt besser über lokale WLAN-Zugänge das Internet zu nutzen, da diese nicht eingeschränkt wären.
Inzwischen wird in vielen russischen Regionen das mobile Internet regelmäßig temporär abgeschaltet, wenn ukrainische Drohnen über Russlands Himmel auftauchen. Es wird befürchtet, dass die Drohnen auch über das russische mobile Internet Daten senden und empfangen könnten.
Das Dorf Werchnewiljuisk mit rund 6.500 Einwohnern liegt in der russischen Teilrepublik Sacha (Jakutien). Im Dorf gibt es ein Waisenhaus, einige jugendliche Bewohner hatten die Rockband „Chatan"gegründet. Die Brüder Wladimir und Wassili Klimowski, Andrej Kirillin, Aichal Fedotow und Konstantin Oppojew waren so gut, dass sie im Jahr 2017 das Waisenhaus bei einem bundesweiten Fernsehwettbewerb "Du bist super!" vertreten durften.
Die Karriere von Aichal Fedotow (Foto) hat acht Jahre später der Krieg gegen die Ukraine beendet. Der jakutische Telegram-Kanal "Die Toten aus Sacha" meldete seinen Tod.
Russische Soldaten rennen einen Feldweg entlang. Auf einer Strecke von etwa 200 Meter liegen links und rechts verteilt die Körper von getöteten Kameraden. Manche Soldaten versuchten im Gebüsch Schutz vor den Drohnen zu finden - meist erfolglos. Wir haben auf der kurzen Strecke etwa 25 Leichen gezählt.
Das ist das Produkt der aktuellen Taktik der russischen Armee mit kleinen Gruppen oder einzelnen Soldaten vorzurücken, um die ukrainische Verteidigung zu infiltrieren.
Man hofft, dass sich Soldaten hinter den ukrainischen Linien sammeln und den Nachschub für die ukrainischen Stellungen unterbrechen können. Hohe Verluste werden dabei billigend in Kauf genommen. Die getöteten Soldaten sind schwer zu bergen, zudem agieren die Kommandanten gerne mit dem Begriff vermisst, um die wahren Verluste zu verschleiern.
Das Video dokumentiert wieder einmal die grausame Realität dieses russischen Angriffskrieges. Das menschliche Leben gilt nichts. Für Kinder und Jugendliche ist das Video ungeeignet - Link.
Das Lewada-Zentrum in Moskau hat am 21.10.25 eine neue Umfrage veröffentlicht. Es ging um die materielle und finanzielle Unterstützung der Soldaten an der Front und um Hilfe für die vom Krieg betroffenen russischen Regionen durch die russischen Bürger. Das Lewada-Zentrum fasst das Ergebnis so zusammen:
Im vergangenen Jahr sammelten vier von zehn Befragten Geld und Hilfsgüter für Teilnehmer an der Spezialoperation. Jeder Vierte half Bewohnern von Grenzregionen, die von Militäraktionen betroffen waren. Diese Zahlen sind im Vergleich zum Vorjahr nahezu unverändert. Fast die Hälfte der Befragten ist bereit, 1.000 bis 2.000 Rubel pro Monat zu spenden, um die Armee zu unterstützen und die Gehälter der an Spezialoperationen teilnehmenden Soldaten zu erhöhen. Dieser Anteil ist in den zweieinhalb Jahren seit der letzten Umfrage unverändert geblieben.
Am 30. August wurde in der Großstadt Miass in der Oblast Tscheljabinsk der 20-jährige Danil Jurjewitsch Trubejew beigesetzt. Wann und wo Danil im Krieg gegen die Ukraine gefallen ist, wurde nicht mitgeteilt. Doch das Schicksal von Danil hat eine Vorgeschichte.
Bereits im Herbst 2024 war der damals neunzehn Jahre alte Danil in unkrainische Kriegsgefangenschaft geraten. Ukrainische Soldaten gruben vier russische Kämpfer aus dem Schutt eines eingestürzten Hauses aus, darunter auch Danil. In einer Befragung beklagte sich die ganze Gruppe, dass ihre Kommandeure sie bewusst im Stich gelassen hätten, indem sie sie mit einem Sturmgewehr gegen einen Panzer geschickt hätten (Video)
Bei einem Gefangenenaustausch wurde Danil dann im April 2025 gegen ukrainische Kriegsgefangene ausgetauscht. Da durch die Gefangenschaft nach russischem (und auch ukrainischem) Recht der Vertrag mit dem russischen Militär nicht beendet wird, musste auch Danil wieder zurück in den Krieg. Er hat den zweiten Einsatz an der Front nicht überlebt.
Auch die Oblast Samara kürzt die Antrittsprämie für Freiwillige drastisch. Ab dem 1. Januar 2025 hatte die Region 3,6 Millionen Rubel für jeden Freiwilligen ausgelobt, dazu kamen noch einmal 400.000 Rubel aus Moskau (insgesamt ca. 40.000 €). Ende Februar 25 wurde dann die regionale Präme auf 2,1 Millionen gesenkt.
Jetzt gibt es nur noch 400.000 Rubel in Samara plus jene 400.000 von der Zentralregierung, also in der Summe umgerechnet etwa 8.000 €. Über die Gründe gibt es viele unterschiedliche Meinungen, die wir am Beispiel von Tatarstan aufgelistet haben.